Lade Inhalt...

Zeitschriften im 17. und 18. Jahrhundert - Die Moralischen Wochenschriften als Medium der Aufklärung

Hausarbeit 2002 18 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zeitschriften
2.1 Die ersten Zeitschriften
2.2 Inhalt und Verbreitung

3 Moralische Wochenschriften
3.1. Entwicklung der moralischen Wochenschriften
3.2. Abgrenzung zu anderen Zeitschriftentypen
3.3. Äußeres Erscheinungsbild
3.4. Verfasser von moralischen Wochenschriften
3.5. Marktlage
3.6. Das Publikum
3.7. Die Weltanschauung
3.8. Bild von der Gesellschaft
3.9. Der Umgang mit der Literatur
3.10. Frauen und Literatur

4 Zusammenfassung

5 Literaturliste

1. Einleitung

Im ausgehenden 17. und am Beginn des 18. Jahrhunderts wurden die Zeitschriften zur Signatur des aufklärerischen Zeitalters. In dem vielzitierten Aufsatz von 1784 stellt Kant die Frage, was Aufklärung sei: “Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.1 Das Individuum sollte die Freiheit haben, „von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlich Gebrauch zu machen“; und allein der „öffentliche Gebrauch“ der „Vernunft“ könne „ Aufklärung unter den Menschen zustande bringen“.2 Als geistige Bewegung spielte sich die Aufklärung aber nicht nur in den Köpfen der Menschen ab, sondern brachte sehr viele soziale Veränderungen mit sich. Die Frühaufklärung wird aus geistesgeschichtlicher Sicht in den Zeitraum von 1720 angesetzt. Betrachtet man hingegen die Aufklärung aus sozialgeschichtlicher Sicht, beginnt der Prozess der Aufklärung schon im 17. Jh. (ca. 1670). Es entstand eine neue Kulturtragende Schicht, die des im 19. Jahrhundert auch zu politischer Macht kommenden Bildungsbürgertums. Diese Schicht erlangte durch Handel, Bankgewerbe und durch das aufkommende Industriewesen, zu Reichtum und so zu sozialem Prestige. Das Bürgertum war wesentlich an der Verbreitung und Entstehung von Medien beteiligt. Teils waren es Bürger die selbst publizistisch tätig wurden, teils waren es die Zielgruppen für diese sich neu entwickelnden Medien gewesen.3

Zu diesen sich neu entwickelnden Medien zählten vor allem die Zeitschriften. Zeitschriften waren ein wichtiger Bestandteil des kulturellen und sozialen Lebens, denn in ihr hatten die verschiedenen geistigen, kulturellen und politischen Strömungen der Zeit ein Diskussionsforum gefunden. Noch heute bezeichnet man das 18. Jahrhundert als das „Jahrhundert der Zeitschriften“. Vor allem aber die Moralischen Wochenschriften hatten einen bedeutenden Einfluss auf bürgerlichen Werte und Moral und trugen einen wesentlichen Beitrag zur Aufklärung bei. In der vorliegenden Arbeit habe ich den Schwerpunkt auf die Moralischen Wochenschriften gelegt. Die bekannte Dissertationsschrift4 Wolfgang Martens diente mir dabei als Literaturgrundlage.

2. Zeitschriften

2.1. Die ersten Zeitschriften

Zeitschriften entstanden im 17. Jahrhundert als neues Printmedium. Im Gegensatz zur Zeitung hat die Zeitschrift einen geringeren Zwang zur Aktualität, sie sind auch in auch in Periodizität und Universalität kann man nur bedingte Gemeinsamkeiten finden. Im 18. Jahrhundert gab es einen wahren Zeitschriftenboom, was man aus der Vielzahl der Titel ablesen kann, viele der damaligen Ausgaben sind heute noch vorhanden, das liegt auch daran, dass Zeitschriften schon früh gesammelt und in Bibliotheken archiviert wurden.

Am Anfang des Zeitschriftenwesens stand die „Gelehrte Zeitung“5. 1665 gab der Jurist Denys des Sallo in Paris den „Journal des Savans“ heraus. Der Joural des Savans“ ist nicht nur die erste Gelehrtenzeitschrift, sondern die erste Zeitschrift überhaupt. Sie kam anfangs wöchentlich mit einem Umfang von 16 Seiten, später ab 1724 allerdings nur noch einmal im Monat heraus. In französischer Sprache wurden die verschiedenste Themen der Wissenschaft im "Journal des Savans" diskutiert. Aber auch in vielen anderen europäischen Ländern, wie England und Italien waren die frühen wissenschaftlichen Zeitschriften in der Landessprache verfasst. In Deutschland hingegen waren die Gelehrtenzeitschriften in Latein geschrieben. Das Latein war im zergliederten Deutschland die universale Gelehrtensprache an den Universitäten, denn es gab zu dieser Zeit noch keine einheitliche deutsche Hochsprache. Erst Thomasius brachte die erste deutschsprachige Zeitschrift heraus und förderte somit die Entwicklung der deutschen Sprache.

Neben der Gelehrtenzeitschrift entwickelte sich aber auch in Frankreich die Unterhaltungspresse. Im Jahre 1672 erschien ein Periodikum das Mitteilungen und Neuigkeiten der Hofwelt verbreitete, es war der "Mercure galant", die erste Salonzeitschriften. Diese neue Art Zeitschrift wandte sich an die aristokratische Gesellschaft und war kulturpolitisch fortschrittlich. In Frankreich gab es aufgrund des königlichen Privilegs der Zeitschrift keine Nachahmer und so kam es, dass dieses Blatt eine Art Monopol hatte.

In Deutschland sah die Situation etwas anders aus. Hier entwickelte sich das Zeitschriftenwesen erst relativ spät. Ab 1682 gab der Leipziger Professor für Moral und Politik Otto Mencke die lateinsprachige "Acta Eruditorum" heraus. Die Naturwissenschaften und die Mathematik waren Schwerpunkte dieser Zeitschrift. Eine Leipziger Gelehrtengesellschaft bildete die geistige Basis der Zeitschrift. Oft waren es Gesellschaften, die als Herausgeber auftraten, aber auch Einzelpersonen, wie Christian Thomasius oder Herausgebergruppen hatten einen Anteil an den vielen Titeln. Aufgrund der politischen und territorialen Zersplitterung war es in Deutschlands möglich, dass es viele Verleger gab, sich aber die Zeitschriften auch erst relativ spät entwickelten, „denn ein solches Gelehrtenjournal bedurfte hierzulande nicht minder einer amtlichen Protektion und finanziellen Unterstützung, die Menke dann vom sächsischen Hof auch erhielt."6 Menckes Zeitschrift erschien einmal monatlich und im Quartformat. In ihr fand man Beiträge mit naturwissenschaftlichen Abhandlungen, philologische, philosophische, geografische, historische, juristische und theologische Themen. Literarische Beiträge fanden in ihr keine Plattform, vielmehr unterstützte sie den polyhistorischen Geist der Wissenschaften.

Zu einen der Mitarbeiter der "Acta Eruditorium" zählte auch der Leipziger Gelehrte Christian Thomasius, der in der Anfangszeit für das Blatt schrieb. Mencke und Thomasius trennten sich nach Uneinigkeiten und Thomasius versuchte sein Glück mit seiner Individualzeitschrift die „Monatsgespräche“ die als erste Zeitschrift in deutscher Sprache heraus. Er stellte das Publikum ins Zentrum menschlicher Kommunikation und war bemüht ein deutschsprachiges Publikum zu schaffen. Thomasius begriff, dass Aufklärung, die Verbreitung von Meinungen und Ideen erfordert, er gab deshalb Vorlesungen in deutscher Sprache und auch seine Schriften waren in Deutsch.7 In den „Monatsgesprächen“ konnte sich Thomasius endlich kritisch zur Literatur und Zeitgenossen äußern, denn in Menckes Zeitschrift waren kritischen oder polemischen Abhandlungen nicht zugelassen. Das war mitunter Ursache für den Streit zwischen Thomasius und Mencke gewesen. In den "Monatsgesprächen" besprach man auch erstmals belletristische Literatur. Aufgrund der unterhaltsamen, aufgelockerten, ironisch-freimütigen, kritisch-satirischen Haltung und Stilart übte man Kritik auch an die Gelehrten der Zeit, wodurch sich Thomasius sehr unbeliebt bei seinen Gegnern machte, was letztlich nach zweijährigem Bestehen der Zeitschrift zur Flucht Thomasius aus Leipzig führte.

2.2. Verbreitung

In sehr kurzer Zeit gab es sehr viele Titel. Dieser Zeitschriftenboom hatte seine Ursachen in der Entstehung eines literarischen Marktes, in der Entfaltung des Buchhandels, der Entstehung eines neuen Typs des Schriftstellers, sowie der Existenz eines Lesepublikums. Im 18. Jahrhundert erschienen rund 4000 deutschsprachige Zeitschriften. Vor allem in den Handels-, Reichs-, Residenz- und Universitätsstädten und vor allem an den Druckorten kamen die Zeitschriften heraus. Viele der Zeitschriften überlebten jedoch den Markt nur kurze Zeit, er war von sehr großer Instabilität geprägt und ständig wechselnde Titel und Verleger, sowie Unregelmäßigkeiten im Umfang, Wandel in Inhalt, formale Darbietung und publizistische Haltung prägten das Bild der Medienlandschaft.

Viele der Blätter waren nicht wirtschaftlich und fanden keine Abnehmer, erst bei einer gesicherten Auflage von 500 Stück kam man in die Gewinnzone.8

3. Die Moralischen Wochenschriften

Als Grundlage meiner Ausarbeitungen habe ich die Dissertationsschrift Wolfgang Martens „Die Botschaft der Tugend. Die Aufklärung im Spiegel der deutschen moralischen Wochenschriften“ gewählt. Das Buch gibt einen sehr guten Überblick über die Zeitschriftengattung der Moralischen Wochenschriften, welche im zweiten Drittel des 18. Jahrhunderts den Zeitschriftenmarkt wesentlich prägten. Mit den moralischen Wochenschriften begann sich die Publizistik über Gruppengrenzen hinwegzusetzen und sich auf ein allgemeines Publikum zu orientieren.9 Selbst in mittleren und kleinen Städten fanden sich Verleger für diesen Zeitschriftentyp. Die moralischen Wochenschriften waren also wichtiger Bestandteil der Verbreitung des aufklärerischen Gedankengutes im territorial, sozial und konfessionell zersplitterten Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.

3.1. Entwicklung der moralischen Wochenschriften

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts entstand ein neuer Zeitschriftentyp, die nach dem Vorbild der englischen Erfolgswochenschrift „Spectator“ (1711/12) organisiert waren. „Moral weeklies“ nannte man die Wochenschriften in England zu denen neben dem „Spectator“, auch der „Tatler“ (1708) und der „Guardian“ (1713) gehörte. Der englische „Spectator“ soll neben der Bibel auf die englische Sitte und Moral gewirkt haben.10 Die Wochenschriften breiteten sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Europa aus. Vor allem Leipzig, Hamburg und Zürich waren Zentren der Blätter.

In der ersten deutschen Wochenschrift der „Vernünfftler“ (1713) übernahm man zunächst noch Themen aus dem Englischen. Zu den bedeutendsten deutschen Wochenschriften zählen „der Patriot“ in Hamburg (1724 – 1726) und die „Vernünftigen Tadlerrinnen“ in Halle und Leipzig (1725 – 1726). Sie erlangten bald selbst Vorbildfunktion für die in den folgenden Jahren erscheinenden Wochenschriften. Bis zur Mitte des 18. Jahrhundert nahmen die Wochenschriften zu11 und ab 1770 wurden sie dann von den „Monatsschriften“ abgelöst.12

3.2. Abgrenzung zu anderen Zeitschriftentypen

Moralische Wochenschriften weisen die gleichen Merkmale anderer Zeitschriftengattungen, wie periodische Erscheinungsweise; allgemeine Zugänglichkeit (Publizität); Kontinuität, was äußere Form und Programm angeht sowie Mannigfaltigkeit des Inhalts auf. Hinzu kommen aber besondere Merkmale, die für die moralischen Wochenschriften so charakteristisch sind. Moralische Wochenschriften haben stets einen originellen Titel. Er soll nicht den Inhalt charakterisieren, sondern individuell und persönlich sein. Man verzichtet auf Bezeichnungen, wie „Sammlung“ oder „Briefe“, sondern wählt einen Titel, der kurz und einprägsam ist, z.B. „Der Träumer“, „Der Einsiedler“, „Die Braut“ etc.

Der Titel ist aber nicht nur der Name der Zeitschrift, sondern weist gleichzeitig auf die Personen oder Person, die vorgeblich die Zeitschrift schreiben und repräsentieren. Diese fiktive Verfasserschaft ist ein weiteres entscheidendes Kriterium für die Zugehörigkeit zur Gattung der Moralischen Wochenschriften.

Wochenschriften erscheinen mindestens einmal wöchentlich. Die wöchentliche Erscheinungsweise hat die heute gebräuchliche Bezeichnung der Gattung mitbestimmt. Ein Jahrgang umfasst also 52 Stück. Die Zeitschriften wurden aber nicht von Beginn an als „Moralische Wochenschriften“ bezeichnet, erst in den 40er Jahren des 18. Jahrhunderts wurde die Bezeichnung geläufig.

[...]


1 Kant, Immanuel, Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? in: Weischedel, Wilhelm, Werke in zwölf Bänden. Frankfurt am Main, 1977, Bd. 11, S. 59.

2 Ebd.

3 Ruppert, Wolfgang, Bürgerlicher Wandel. Die Geburt der modernen Gesellschaft im 18. Jahrhundert, Frankfurt a. M. 1983 S. 31 – 56.

4 Martens, W., Die Botschaft der Tugend. Die Aufklärung im Spiegel der deutschen moralischen Wochenschriften, Stuttgart 1968.

5 Lindemann, M., Deutsche Pressegeschichte bis 1815. Geschichte der deutschen Presse Teil 1, Berlin 1969, S. 188.

6 Bödecker, H.E., Aufklärung als Kommunikationsprozess, in: Viehaus, R. (Hg), Aufklärung als Prozeß, Hamburg, 1988, S.102.

7 Ebd. S. 94.

8 Stöber, R., Deutsche Pressegeschichte. Einführung, Systematik, Glossar, Konstanz, 2000, S. 90f.

9 Bödecker, H.E., Aufklärung als Kommunikationsprozess, in: Viehaus, R. (Hg), Aufklärung als Prozeß, Hamburg, 1988, S. 105

10 Korte, P., Literatur und Pädagogik im 18. Jahrhundert. Versuch einer systematischen Skizze. 06.09.02. < http://www.pestalozzianum.ch/pestalozzi/korte2-00.pdf>

11 Niefanger, S., Schreibstrategien in Moralischen Wochenschriften. Formalistische, pragmatische und rhetorische Untersuchungen am Beispiel von Gottscheds ‚Vernünftige Tadlerinnen’, Tübingen 1977, S. 12f.

12 Bödecker, H.E., Aufklärung als Kommunikationsprozess, in: Viehaus, R. (Hg), Aufklärung als Prozeß, Hamburg, 1988, S. 106.

Details

Seiten
18
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638246514
ISBN (Buch)
9783640673285
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v20892
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Kommunikations- und Medienwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Zeitschriften Jahrhundert Moralischen Wochenschriften Medium Aufklärung Einführung Pressegeschichte

Autor

Zurück

Titel: Zeitschriften im 17. und 18. Jahrhundert - Die Moralischen Wochenschriften als Medium der Aufklärung