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Die Ganztagsschule

Studienarbeit 2010 19 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zur Geschichte der Ganztagsschule

2. Zur Begründung von Ganztagsschulen

3. Die 3 Grundmodelle von Ganztagsschule
3.1 Die offene Schule
3.2 Die Ganztagsschule
3.3 Die Tagesheimschule

4. Die pädagogischen Ansätze von Ganztagsschule
4.1 Die additiven Modelle
4.2 Die integrierten Modelle

5. Die Schulpraxis von Ganztagsschule
5.1 Die Ganztagsschule
5.1.1 Die offene Ganztagsschule
5.1.2 Die gebundene Ganztagsschule
5.2 Die erweiterte Halbtagsschule mit festen Öffnungszeiten
5.2.1 Die Halbtagsschule mit Betreuungs- und Freizeitangebot
5.2.2 Die volle Halbtagsschule in integriert-obligatorischer Form
5.3 Die Kombination von Schule und Hort
5.3.1 Schule und Hort als duales System
5.3.2 Das Schulkinderhaus - Der Hort an der Schule

6. Die zentralen Organisationsmerkmale der Ganztagsschule

7. Meinungen zur Ganztagsschule
7.1 Positive
7.2 Negative

8. Konkrete Beispiele
8.1 Offene Ganztagsschulen
8.1.1 Die Volksschule Ortenburg
8.1.2 Die Volksschule Untergrießbach
8.2 Gebundene Ganztagschulen
8.2.1 Die Volksschule St. Nikola
8.2.2 Die Grundschule Büchlberg

9. Anlagen

10. Bibliographie

1. Zur Geschichte der Ganztagsschule

Momentan, genauer gesagt bereits seit Ende des 20. Jahrhunderts, vollzieht sich eine der größten Veränderungen des deutschen Schulwesens seit langem. Der Grundstein zu dieser, zu beobachtenden, Entwicklung wurde aber bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelegt, denn damals wurde in Deutschland die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Diese war jedoch zu Anfang erstmal nur als Halbtagsschule durchsetzbar, da die Kinder nachmittags häufig zur Arbeit auf dem Feld, im Haus oder im Betrieb gebraucht wurden. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden dann aber erstmals schon Forderungen nach dem Ausbau zu einer Ganztagsschule laut. Dieser Wunsch nach einer ganztägigen, statt bisher halbtägigen, Pflichtschule konnte sich zwar zu dieser Zeit noch nicht durchsetzten, führte aber immerhin schon im Jahr 1954 zu ersten Schulversuchen in Regensburg. Im Jahr 1956 wurden dann schließlich auch die ersten beiden Ganztagsschulen Deutschlands, nämlich in Frankfurt am Main und in Kassel, gegründet. Zwischen 1971 und 1978 kam es dann schließlich zur Durchführung weiterer Schulversuche, woran sich immerhin insgesamt 34, sehr heterogene Schulen beteiligten. Doch trotz durchwegs sehr positiver Ergebnisse schritt der Ausbau von Ganztagsschulen nur sehr zögerlich voran und man einigte sich darauf, diese erstmal nur als Alternativangebot anzubieten und keine verbindliche Pflichtschule daraus zu machen. Seit Ende der 1980er wird jedoch der Wunsch beziehungsweise die Forderung nach dem Ausbau von Ganztagsschulen immer lauter.1 Unterstützung erfährt dieser Wunsch seit 2003 durch das Investitionsprogramm „Zukunft Bildung und Betreuung“. Dieses Programm wurde von der Bundesregierung ins Leben gerufen und führte zu einer stetigen Erweiterung des Angebots und einer quantitativen Zunahme der Ganztagsschulen, sodass es mittlerweile immerhin mehr als 6500 dieser Schulen in Deutschland gibt.2

2. Zur Begründung von Ganztagsschulen

Wie bereits an der vorangehenden Ausführung erkennbar, finden vor allem seit Ende des letzten Jahrtausends die Forderungen nach Ganztagsschulen immer mehr Anklang. Im Wesentlichen lässt sich diese Entwicklung anhand zweier Motive begründen: Dem sozialpolitischen und dem schulpädagogischen Motiv.

Da wäre also zum Einen die sozialpolitische Begründung:

Die Sozialisationsbedingungen haben sich in den letzten Jahren durchweg stark verändert. Der Anteil an Alleinerziehenden wächst, die Zahl der Mütter, die arbeiten wollen oder auch müssen nimmt zu und somit gibt es auch immer mehr Familien, in denen beide Elternteile erwerbstätig sind. Mit Blick auf die immer schwieriger werdende Vereinbarkeit von Familie und Beruf steigt also der Bedarf an einer geregelten Kinderbetreuung und erzieherischer Unterstützung. Manche Familien erfahren diese erforderliche Unterstützung durch das familiäre Umfeld, doch viele können darauf nicht zurückgreifen und sind somit auf die Hilfe von Außen angewiesen. Doch nicht nur die gemeinsame Zeit mit den Eltern, auch die sozialen Kontaktchancen der Kinder nehmen generell ab. Auf der einen Seite werden die Spiel-, Treff- und Erfahrungsräume, aber auch Nachbarschaftsbeziehungen immer seltener, auf der anderen Seite erfahren gerade Medien und Freizeitkommerz einen unvergleichlichen Aufschwung. Diese Faktoren führen unweigerlich zu einer gewissen „Verinselung“ von Kindheit. Dies alles bedeutet aber auch, dass die Schule in vielerlei Hinsicht an Bedeutung und Aufgaben gewinnt. Die Kinder können oft nur dort erfahren, was stabile Kontakte, soziale Integration, aber auch soziales und interkulturelles Lernen sind und bedeuten. Nicht zu vergessen sind in diesem Zusammenhang auch die Erfahrungs- und Freizeitmöglichkeiten, die die Schule bietet beziehungsweise bieten könnte. Wie bewusst sich viele Eltern dieser Entwicklung und Problematik sind, zeigt sich darin, dass sich bereits drei Viertel der Eltern regelmäßige pädagogische Angebote über die stundenplanmäßige schulische Unterrichtszeit hinaus wünschen, 20% bis 30% davon erwarten dabei ganztägige Angebotsformen, also die Betreuung der Kinder vor Unterrichtsbeginn, aber auch über Mittag oder aber als Nachmittagsangebot. Bei weniger als 20% der Eltern sind jedoch Horte oder andere derartige Betreuungsformen erwünscht. Die deutliche Mehrheit erwartet somit pädagogische Betreuungsangebote im schulischen Zusammenhang.3

Zum Anderen sind jedoch auch die schulpädagogischen Motive heranzuziehen: Die beachtlichen Schulversagerquoten, die leider immer noch anhaltende Bildungs- benachteiligung von Arbeiter- und Ausländerkindern sowie die Notwendigkeit sonder- pädagogisch bedürftige Kinder zu integrieren, verweisen schon seit Jahren auf zu berücksichtigende Faktoren. Dazu gehört, neben einer verstärkten Lernförderung und Hausaufgabenhilfe, auch der Ausbau sozialpädagogischer Hilfen. Denn die zukünftigen Bildungsanforderungen, die zunehmende Bedeutung von Schlüssel- qualifikationen sowie die heterogenen Lernvoraussetzungen der Kinder verlangen immer mehr nach einem verstärkten Angebot differenzierter Lernformen, Lerngelegenheiten und auch Erfahrungsmöglichkeiten, die nur durch mehr Lernzeit und eine kind- und lerngerechte Rhythmisierung dieser Aktivitäten realisierbar sind.4

3. Die 3 Grundmodelle von Ganztagsschule

Doch so individuell die Motive der Betroffenen sind, so vielseitig sind auch die Möglichkeiten eine ganztägige Betreuung in Anspruch zu nehmen. Neben den zahlreichen Mischformen unterscheidet man hierbei vor allem zwischen 3 Grundmodellen.

3.1 Die offene Schule

Als erstes wäre hier die offene Schule anzuführen. Deren Pflichtunterrichtszeit ist mit der konventionellen Halbtagsschule vergleichbar und beschränkt sich in der Regel auf die Vormittage. Nach Unterrichtsschluss werden hier jedoch zusätzliche Angebote unterbreitet. Diese beinhalten meist ein Mittagessen, fachlich angeleitete Hausaufgabenhilfen, Arbeitsstunden, zusätzliche Kurse, Arbeitsgemeinschaften, Neigungsgruppen aber auch verschiedene Freizeitangebote. In der Regel ist die Teilnahme daran stets freiwillig.5

3.2 Die Ganztagsschule

Als zweites ist die Ganztagsschule zu nennen. Hier werden der Unterricht und außerunterrichtliche Aktivitäten, wie Freizeit, Neigungsgruppen aber auch Arbeitsgemeinschaften, so auf Vormittag und Nachmittag verteilt, dass sie dem kind- und jungendgerechten Lernrhythmus entsprechen. Außerdem werden bei dieser Schulform anfallende Übungsarbeiten und Hausaufgaben in die Schulzeit eingebunden und somit entweder innerhalb des Unterrichts oder aber in besonderen Arbeitsstunden erledigt. Die Teilnahme an diesen, bereits genannten Aktivitäten ist den Schülern in der Regel nicht freigestellt. Sie ist meist ganztägig verpflichtend und erstreckt sich je nach Schulstufe von Schulbeginn bis mindestens 15.30 Uhr. Zudem ist die Teilnahme an der Ganztagsbetreuung für alle Schüler einer Schule an mindestens drei Wochentagen obligatorisch und an den restlichen Schultagen freiwillig. Ein warmes Mittagessen hingegen wird an allen fünf Wochentagen angeboten.

3.3 Die Tagesheimschule

Beim dritten und letzten Grundmodell handelt es sich um die Tagesheimschule. Hierbei ist die Organisation von Unterricht und außerunterrichtlichen Aktivitäten ähnlich wie bei der Ganztagsschule in gebundener Form gestaltet. Im Gegensatz dazu wird bei dieser Schulform aber verstärkt auf die Wünsche und Bedürfnisse der Eltern eingegangen, sowohl auf inhaltlicher als auch auf zeitlicher Ebene. Dies zeigt sich beispielsweise in einem erweiterten Betreuungsangebot in der unterrichtsfreien Zeit, also auch vor Unterrichtsbeginn und nach Unterrichtsschluss bis abends. Während der Mittagsfreizeit haben die Kinder hier die Möglichkeit zu essen, sich auszuruhen, aber auch zu spielen. Die Teilnahme an Kursen und Neigungsangeboten ist teils freigestellt, ist jedoch nach getätigter Anmeldung für einen gewissen Zeitraum verpflichtend.6

4. Die pädagogischen Ansätze von Ganztagsschule

So vielfältig und unterschiedlich sich die drei Grundmodelle mit ihren jeweiligen Mischformen anhören, so ähnlich sind sie sich in Bezug auf ihre pädagogischen Ansätze. Denn alle Konzepte lassen sich zwei divergierenden Modellen zuordnen, den additiven oder den integrierten.

4.1 Die additiven Modelle:

Die additiven Modelle kennzeichnen sich vor allem dadurch, dass die Zusatzangebote im Anschluss an die schulische lehrplanmäßige Unterrichtszeit stattfinden. Es handelt sich dabei also um ein offenes Modell, das sich schwerpunktmäßig auf Spiel- und Freizeitaspekte sowie Hausaufgabenhilfe konzentriert. Die Teilnahme daran ist in der Regel freiwillig und somit beide Bereiche, also Unterricht und außerunterrichtliche Aktivitäten, relativ autonom und eigenständig gestaltet sind. Deshalb kommt es auch nur selten zur Verknüpfung und Interaktion von Lernprozessen.

4.2 Die integrierten Modelle:

Sie sind auch unter den Begriffen „ganze“ oder „volle“ Halbtagsschule bekannt und bieten täglich feste Schulzeiten, die für alle Kinder der Schule obligatorisch sind. Somit ist auch, im Gegensatz zu den additiven Modellen, eine starke Verzahnung von Unterricht, Spiel und Freizeit sowie erweiterten Lernangeboten und auch Fördermaßnahmen möglich. Die beteiligten Pädagogen und Pädagoginnen arbeiten eng, im Team zusammen und verfolgen ein ganzheitliches pädagogisches Konzept, wodurch eine Verknüpfung der einzelnen Elemente gemäß einer flexiblen Tagesrhythmisierung gewährleistet wird. Hierbei wechseln sich verschiedene Lern- und Spielarrangements, wie Konzentrations- und Zerstreuungsphasen, Ruhe und Bewegung, Lernarbeit und Spielt ab und der Lebens - und Lernrhythmus der Kinder werden berücksichtigt.7

5. Die Schulpraxis von Ganztagsschule

Theoretisch betrachtet gibt es viele Möglichkeiten eine Ganztagsbetreuung zu realisieren, wie die vorhergehenden Ausführungen zeigen. In der Praxis haben sich aber vor allem drei Konzepte mit ihren jeweiligen Optionen durchgesetzt.8

[...]


1 vgl. Ladenthin, Volker: Die Ganztagsschule, Alltag, Reform, Geschichte, Theorie. Weinheim ; München, Juventa - Verlag, 2005, S. 89 ff.

2 vgl. http://www.ganztagsschulen.bayern.de/ am 08.02.2010

3 vgl. Schorch, Günther: Studienbuch Grundschulpädagogik, die Grundschule als Bildungsinstitution und

pädagogisches Handlungsfeld. 3., überarb. und erw. Aufl., Bad Heilbrunn, Klinkhardt, 2007, S. 77 ff.

4 vgl. Schorch, Günther: Studienbuch Grundschulpädagogik, die Grundschule als Bildungsinstitution und

pädagogisches Handlungsfeld. 3., überarb. und erw. Aufl., Bad Heilbrunn, Klinkhardt, 2007, S. 77 ff.

5 vgl. Holtappels, Heinz-Günther: Ganztagsschule und Schulöffnung. Perspektiven für die Schulentwicklung. Weinheim, München, Juventa-Verlag, 1994, S. 90 ff.

6 vgl. Prüß, Franz: Die Ganztagsschule: von der Theorie zur Praxis, Anforderungen und Perspektiven für Erziehungswissenschaft und Schulentwicklung. Weinheim [u. a.], Juventa - Verlag, 2009, S. 80 ff.

7 vgl. Schorch, Günther: Studienbuch Grundschulpädagogik, die Grundschule als Bildungsinstitution und

pädagogisches Handlungsfeld. 3., überarb. und erw. Aufl., Bad Heilbrunn, Klinkhardt, 2007, S. 77 ff.

8 vgl. Holtappels, Heinz-Günther: Ganztagsschule und Schulöffnung. Perspektiven für die Schulentwicklung. Weinheim, München, Juventa-Verlag, 1994, S. 100 ff.

Details

Seiten
19
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656362661
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v208904
Institution / Hochschule
Universität Passau
Note
Schlagworte
Praxis und Theorie von Ganztagsschule

Autor

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