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Das Leben als SexworkerIn: Belastungen durch Beruf, Stigma und Doppelleben?

Master's Thesis 2012 105 Pages

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Excerpt

INHALT

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Relevanz des Themas
1.2 Forschungsfrage
1.3 Zielsetzung
1.4 Motivation und Vorannahmen der Autorin
1.5 Aufbau der A

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Prostitution
2.1.1 Begriffsdefinition
2.1.2 Typologie, Bereiche in der Sexarbeit
2.1.3 Escort
2.1.4 Österreichische Reglementierung des Gewerbes
2.2 Sexualität
2.2.1 Soziologie der Sexualität nach Lautmann
2.2.1.1 Definitionen der Sexualität
2.2.1.2 Körpermodelle/Körperzonen
2.2.1.3 Erotikrahmen
2.2.1.4 Strukturen sexuellen Handelns, Phasen des Ablaufs
2.2.2 Die Psychologie sexueller Leidenschaft nach Schnarch
2.3 Stigma und Diskriminierung
2.3.1 Geschichte und Definition
2.3.2 Stigmatisierung als gesellschaftliches Phänomen
2.3.3 Diskriminierung als Folge von Stigmatisierung
2.4 Doppelleben
2.4.1.1 Doppel-/Doppelleben
2.4.2 Informationskontrolle
2.5 Soziale Beziehungen
2.5.1 Freundschaft
2.5.2 Partnerschaft und Liebe
2.5.3 Soziale Beziehungen in der Familie
2.6 Rolle und Inszenierung
2.7 Phantasie und Illusion
2.8 Abwehrmechanismen und A

3 Methodische Vorgehensweise
3.1 Forschungsmethode
3.2 Problemzentriertes Interview
3.3 Konkrete Vorgehensweise
3.4 Transkription
3.5 Inhaltsanalyse, A

4 Darstellung der Ergebnisse
4.1 Gewerbe und Berufsalltag
4.1.1 Gewerbe allgemein
4.1.2 Escort
4.1.3 Berufsalltag
4.1.4 Motivationen für Sexarbeit
4.1.5 Positive Seiten des Berufs
4.1.6 Negative Seiten des Berufs
4.2 Dienstleistung
4.2.1 Kunden, Wünsche und Angebot
4.2.2 Rolle und Inszenierung
4.2.3 Phantasie und Illusion
4.3 Diskriminierung
4.4 Stigmatisierung und Diskriminierung
4.4.1 Selbststigmatisierung
4.5 Doppelleben
4.5.1 Deckmantel
4.5.2 Belastungen
4.5.3 Offener Umgang mit Sexarbeit
4.5.4 Beziehung und Ehe
4.5.5 Doppel-, Doppelleben
4.6 Unterstützung
4.6.1 Organisationen und andere staatliche Einrichtungen
4.6.2 Internetforen
4.6.3 Austausch mit Kollegen
4.6.4 Beratungserweiterung
4.7 Ressourcen
4.7.1 Selbstwert und Abgrenzung
4.7.2 Kommunikationstechniken
4.7.3 Abschalten
4.8 Schutzstrategien
4.8.1 Rahmen und Distanz für Kunden
4.8.2 Schutzstrategien für körperliche und geistige Gesundheit
4.8.3 Rolle und Inszenierung zum Schutz
4.9 Ziele und V

5 Interpretation und Ergänzungen
5.1 Schlussfolgerungen
5.2 Widersprüche
5.3 Vergleich SexdienstleisterInnen und ExpertInnen
5.4 E

6 Conclusio und A

7 L

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Relevanz des Themas

Prostitution ist einer der ältesten Berufe der Welt und auch im 20. Jahrhundert immer noch viel diskutiert und umstritten

Erfragt man die Meinung von Personen, die sich nicht näher mit dem Thema beschäftigt haben, kommen zum Beruf Sexarbeit häufig folgende Theorien zum Vorschein, wie die Verfasserin in ihrem Umfeld festgestellt hat:

Prostitution betreiben Menschen die keine Ausbildung oder besondere Intelligenz besit- zen, durch finanzielle Nöte oder dritte Personen zu dieser Art Berufsausübung gezwun- gen werden, oder aufgrund von Suchtmittelabhängigkeit Geldmittel für Drogen besor- gen müssen. Eine weitere Theorie sagt aus, dass SexdienstleisterInnen fortwährend mit gewalttätigen Kunden oder Zuhältern zu tun haben und sehr belastet leben müssen

Die Autorin stellt sich die Frage, in wie weit gesellschaftlichen Meinungen auf Wissenschaft und Forschung begründet sind, oder aus Hypothesen heraus resultieren und versucht, mit dieser Arbeit folgende Themen zu beleuchten:

Wie sehen Berufsalltag und Berufsanforderungen aus? Erleben SexdienstleisterInnen eine Doppelmoral hinsichtlich ihres Berufes? Sind sie von Stigmatisierung, Diskrimi- nierung oder Einsamkeit betroffen? Ist ein Doppelleben mit der Ausübung des Berufes verbunden? Wirken die Anforderungen des Berufes persönlich belastend, oder gibt es negative Einflüsse auf das Privatleben? Wie lernt man sich abzugrenzen, sucht man sich Hilfe um Belastungen zu verarbeiten, setzt man eigene Methoden und Strategien ein? Wie kann man solcheRessourcen erkennen bzw. erlernen, oder sind eben diese Voraus- setzung des Berufes?

1.2 Forschungsfrage

Die Formulierung der Forschungsfrage gestaltet sich aufgrund der Komplexität und der Undurchsichtigkeit des Themas prozessartig. Mit Annahmen der Verfasserin wurde in erster Instanz folgende Fragestellung entwickelt: „Wie offen können SexdienstleisterIn- nen mit ihrem Beruf umgehen? Ist ein Doppelleben nötig, um ein soziales Leben ohne Einsamkeit, Diskriminierung und Stigmatisierung führen zu können? Welche Maßnahmen sind nötig, um sich selbst und sein Umfeld vor negativen Einflüssen des Berufs schützen zu können?“

Schon bei Erstellung des Leitfadens wurde offensichtlich, dass diese Fragestellung mögliche Belastungen des Gewerbes zu sehr eingrenzt und die Verarbeitung durch Ab- grenzung, Strategien und Ressourcen zu ungenau hinterfragt. Unterstützung von Staat und Organisationen wurdeüberhaupt nicht angesprochen, ist aber eventuell ein wichti- ger Bestandteil, um Probleme zu lösen. Es war wichtig, die Fragestellung zuüberarbei- ten. Durch die empirische Datenerhebung und die theoretische Kenntniserweiterung wurde folgende Frage entwickelt: „Führt die Tätigkeit im Gewerbe Sexarbeit zu Belas- tungen durch Berufsalltag, Doppelleben, Diskriminierung oder Stigmatisierung? Wie kann Abgrenzung erfolgen, welche Strategien und Ressourcen werden zum eigenen Schutz und zum Schutz des Privatlebens eingesetzt? Welche Unterstützung können SexdienstleisterInnen in Anspruch nehmen?“

Um den theoretischen Rahmen nicht zu umfangreich und trotzdem korrekt darzustellen, war es anschließend auch nötig, die Themengebiete einzugrenzen und den Begriff „Prostitution“ klar zu definieren. Die Arbeit beschäftigt sich mit SexarbeiterInnen, welche den Beruf frei gewählt haben und diesen als selbstständige Tätigkeit ausüben (nähere Erläuterungen, Kapitel 2.1.1)

Diese Eingrenzung der Themen wurde selbstverständlich auch in der Forschungsfrage berücksichtigt, was zur Folge hatte, dass diese noch einmal, erweitert werden musste

Folgende Fragestellungen leiten nun diese Arbeit: „Führt die selbstbestimmte Tä- tigkeit im Gewerbe Sexarbeit zu Belastungen durch Berufsalltag, Doppelleben, Diskriminierung oder Stigmatisierung? Wie kann Abgrenzung erfolgen, welche Strategien und Ressourcen werden zum eigenen Schutz und zum Schutz des Pri- vatlebens eingesetzt? Welche Unterstützung können SexdienstleisterInnen in An- spruch nehmen?“

1.3 Zielsetzung

Das Gewerbe der SexdienstleisterInnen ist sehr umfangreich und vielschichtig. Die Studie soll einen Überblick hinsichtlich zwangloser und selbstständiger Sexarbeit geben und helfen, die Lücke zwischen Hypothesen und Wissen zu verringern

Beschrieben werden im Einzelnen Motive der Berufsausübung sowie positive und nega- tive Seiten der Tätigkeit. Strategien und Ressourcen im Umgang mit den Kunden sowie Strategien und Abgrenzung zum persönlichen Schutz und zum Schutz vor Einflüssen im Privatleben werden aufgezeigt. Darüber hinaus wird Einblick gegeben in Persönlich- keit und Arbeitsweise von SexworkerInnen und zusätzlich der Umgang mit möglichen Belastungen durch die Berufsausübung aufgezeigt. Ein weiterer Gedanke ist, dass durch die Betrachtung der soeben genannternThemen eine Ideensammlung bereits eingesetzter Strategien, Abgrenzungsmöglichkeiten und Ressourcen von SexdienstleisterInnen er- folgen kann

Ein weiteres Ziel wäre, BerufseinsteigerInnen eine hilfestellende Grundlage dafür zu bieten, sich mit dem Thema zu beschäftigen und des Weiteren anzuregen, sich mit positiven sowie negativen Aspekten dieses Berufes auseinanderzusetzen

Darüber hinaus soll diese Studie hinterfragen, welche Unterstützungen dem Gewerbe durch Beratungsorganisationen zuteilwerden. Die Organisation „Sophie“ schreibt zum Thema Unterstützung: „ SOPHIE - BildungsRaum bietet SexarbeiterInnen in Österreich anonyme und kostenlose Unterstützung, Beratung und Information. Ziel ist es dabei, die Handlungsspielräume von SexarbeiterInnen - und außerhalb der Sexarbeit zu erwei- tern. “ (Fond zur Förderung der Selbstständigkeit, 2012, EPU in Österreich und der EU ) Die Autorin möchte hinterfragen, ob sich SexdienstleisterInnen tatsächlich von Organi- sationen unterstützt, beraten und informiert fühlen, oder eine Erweiterung und Überar- beitung des Angebotes gewünscht wird

1.4 Motivation und Vorannahmen der A

Im Vorfeld war nicht geplant, der Motivation zu dieser Studie in dieser Arbeit Platz einzuräumen. Das große Interesse an den Beweggründen für die Arbeit hat diese Ent- scheidung geändert. Um die Grundlage für diese Forschungsarbeit aufzuzeigen, müssen aber auch die Annahmen der Verfasserin angesprochen werden. Die ursprü

Gedanken zum Thema waren klischeehaft. SexdienstleisterInnen sind durch das Arbeitsfeld, die Durchführung diverser sexueller Dienstleistungen, und den Kunden an sich sehr belastet, und erhalten keine persönliche Unterstützung von ihrem Umfeld oder professionelle Hilfe von Organisationen. Diese Vorstellung von belasteten Frauen und Männern, die keine externe Unterstützung erhalten, haben dazu geführt, sich mit dieser Fragestellung zu beschäftigen, um möglicherweise auf einer solchen Grundlage ein Beratungskonzept entwickeln zu können. Das Ergebnis der Forschung hat durch viele neue Erkenntnisse die Sichtweise der Autorin verändert

1.5 Aufbau der A

Das erste Kapitel bietet dem Leser einen theoretischen Überblicküber Themen, passend zu den Ergebnissen der empirischen Forschung. Die theoretischen Grundlagen folgen, wie auch die anderen Bereiche der Arbeit, einem roten Faden der Autorin

Das Unterkapitel 2.1 stellt wichtige Definitionen, Einschränkungen zum Begriff „Prostitution“ dar, zeigt die unterschiedlichen Bereiche der Sexarbeit auf und beleuchtet das neue Prostitutionsgesetz im Groben Kapitel 2.2 enthält grundlegendes Informationsmaterial zur Sexualität. Sexualität ist Grundlage für Sexarbeit und muss daher, nach Meinung der Autorin, einen größeren Bereich der Arbeit einnehmen. Es ist nach Ansicht der Autorin wichtig, Sexualität im Ansatz zu verstehen, und so die Ergebnisse der Forschung genauer nachvollziehen zu können

Kapitel 2.3 bis 2.4 bieten einen theoretischen Einblick in mögliche Belastungen durch Stigmatisierung, Diskriminierung sowie Doppelleben Soziale Beziehungen in Verbindung mit Sexarbeit stellen ein großes Thema dieser Forschung dar. Beziehungsformen und Beziehungstypen zu kennen, ist essentiell, um Schwierigkeiten durch Beruf und Beziehung nachvollziehen zu können und zu verstehen, wie Beziehungen möglicherweise funktionieren können

Die abschließenden Kapitel des theoretischen Teils enthalten Informationen zu Ressourcen und Schutzstrategien, die eingesetzt werden können Das dritte Kapitel stellt die methodische Vorgehensweise theoretisch und praktisch dar. Die empirische Datenerhebung und die Auswertung dazu werden im Detail beschrieben Die Ergebnisse dieser Datenerhebung werden im Kapitel 4 objektiv und ohne Interpretationen der Autorin dargestellt Das folgende Kapitel zeigt die Interpretationen, Ergänzungen und kritischen Anmerkungen der Autorin auf Den Abschluss der Arbeit bilden Conclusio und Ausblick. Dieses Kapitel enthält eine Zusammenfassung als abschließenden Überblick sowie Vorschläge für weitere For- schungen

2 Theoretische G

2.1 P

2.1.1 B

Der Begriff „Prostitution“ beschreibt die Durchführung einer sexuellen Dienstleistung mit oder an anderen Menschen gegen Bezahlung. Andere Bezeichnungen für Prostituti- on sind Sexwork, Sexarbeit oder Sexdienstleistung. (vgl. Sexworkerforum, 2012, Lexi- kon) Claus Bohlender beschreibt den Begriff wie folgt: „ Unter Prostitution versteht man [ … ] das gelegentliche oder gewerbsmässige Angebot und die Ausführung sexuel- ler Dienstleistungen durch weibliche [ … ] oder männliche [ … ] Prostituierte gegen Ent- gelt. Die Qualität der Beziehung zwischen Prostituierten und ihren Kunden ist in der Regel unverbindlich und ohne emotionale Verbindung. “ (Bowald, 2010, S. 33;zit. n. Bohlender & Feldhaus, 1998)

Der Begriff „Prostitution“ - ist nach Meinung der Autorin- gesellschaftlich gesehen, mit negativen Eindrücken und Gedanken behaftet. Dies zeigt ein Beispiel für Assoziationen sehr klar auf: Wird auf der Homepage Duden Online nach dem Begriff „Prostitution“ gesucht, folgen direkt unter der Begriffsdefinition die Worte „zwingen“, „Mafia“, „Kriminalität“, „Droge“ und ähnliches (siehe Duden Online, 2012)

Diese Assoziation von Duden Online wird mit einem Schreiben des K zum Oberösterreichischen Prostitutionsgesetz bestätigt. Der Klagsverband1 schreibt zur Begriffsdefinition Prostitution:

„ Der Begriff der Prostitution wird umgangssprachlich und in Gesetzen sehr un- terschiedlich verwendet. Außerdem ist er moralisch, religiös und kulturell stark aufgeladen, sodass eine sachliche Diskussionüber dieses Thema sehr schwierig ist. [ … ]Deshalb regt der Klagsverband an, den Begriff „ Prostitution “ durch den neutralen Ausdruck „ sexuelle Dienstleistungen “ zu ersetzen, der in der Folge auch in dieser Stellungnahme verwendet wird. “ (Klagsverband, 2010, S. 1f)

Die Verfasserin verwendet in Ihrer Arbeit ausschließlich die Begriffe: „Sexarbeit“, „Sexwork“ und „Sexdienstleistung“. Bezeichnungen wie „Prostitution“, „Hure“ „Dirne“ werden ausschließlich in Zitaten verwendet oder um Verfälschungen des Sachverhaltes zu vermeiden

Der Begriff Prostitution wird sehr häufig auch mit den Themen „Frauenhandel“, „Kin- desmissbrauch“ und „Drogen“ in Verbindung gebracht. Diese Bereiche sind jedoch ei- genständige Gebiete, welche die Thematik der Prostitution aber durchaus beinhalten können. Das Gewerbe der Prostitution ist jedoch unabhängig von krimineller und sexu- eller Ausbeutung sowie Sucht zu betrachten. Diese wird im Handbuch für Frauen, wel- ches vom Frauenministerium herausgegeben wird, festgehalten: „ Jedenfalls gilt es

Prostitution von Frauenhandel und anderen Formen der kriminellen sexuellen Ausbeutung und Gewalt klar zu unterscheiden. “ (Wien für Wienerinnen, 2010, S.264)

2.1.2 Typologie, Bereiche in der S

Girtler hat sich in seinem Buch mit einer Typologie innerhalb der Sexarbeit beschäftigt und schreibt dazu, dass sich diese darauf begründet, wie sich die Sexdienstleister eingestuft haben (vgl. Girtler, 2004, S. 66). Diese Typologien sind bei Girtler wie folgt aufgelistet (ebd.):

„ Prostituierte, die im Kontakt mit Gästen nur bestimmte sexuelle Handlun gen zulassen und durchführen, und solche, die bei entsprechender Geldleistung zu mehr bereit sind, alsüblich ist. “

„ Prostituierte, die registriert sind, und Nichtregistrierte (Geheimprostitu ierte zw. Nobelhuren). “

„ Prostituierte, die auf dem Straßenstrich bzw. in Hotelzimmern ihrem Ge werbe nachgehen, die dies als so genannte „ Hostessen “ in Wohnungen tun und die in Bordellen oder Animierlokalen arbeiten. “

„ Prostituierte, die auf Wunsch und unter Kontrolle eines Mannes, des Zu hälters, auf den Strich gehen und ihn finanziell beteiligen und solche, die alleine arbeiten und somit auch ihr Einkommen nicht teilen müssen “ „ Prostituierte, die als sogenannte „ Goustierkatzen “ den Strich auch dazu benutzen, um sich einen Zuhälter auszusuchen bzw. um mit interessanten Männern in Kontakt zu kommen. “

Weitzer spricht in seinem Werk von 2010 von fast identischen Unterscheidungen:

“ Prostitutes vary tremendously in their reasons for entry, risk of violence, free dom to refuse clients and particular sex acts, dependence on and exploitation by third parties, experience with the authorities, public visibility, number and type of clients, relationship with coworkers, and impact of the surrounding community. ” (Weitzer, 2010, S. 7)

Van de Pol spricht von einer simplen Klassifikation, die ihren Ausführungen nachüb- lich ist: „ Frauen, die sich aushalten lassen, Frauen die in „ stillen “ (=nicht von außen als Bordell erkennbaren) Hurenhäusern arbeiten, Frauen die sichöffentlich als Hure anpreisen, und Frauen, die auf den Strich gehen. “ (van de Pol, 2006, S. 24f) Ergänzend fügt Sie hinzu, dass SexarbeiterInnen, die weniger Kunden bedienen, mehr Geld ver- langen und Distanz zur Öffentlichkeit halten, einen höheren Stellenwert haben (vgl. van de Pol, 2006, S. 25)

Krenner ist der Ansicht, dass die Definition von Prostitution auch auf Sexualassistenz zutrifft. Sexualassistenz ist daher auch in der Typologie zu erwähnen, bedeutet sexuelle Unterstützung für körperlich und geistig eingeschränkte Menschen. Die Intensität der Betreuung hängt vom Grad der Behinderung ab (vgl. Krenner, 2003, S. 34). Passive Sexualassistenz bezeichnet Hilfe durch Aufklärung und Vorschläge. Aktive Assistenz beschreibt die Anleitung bei Selbstbefriedigung oder Geschlechtsverkehr sowie zum Beispiel erotische Massagen (vgl. Krenner, 2003, S. 69)

Die Autorin ist der Ansicht, dass es in diesem Gewerbe noch mehr Konkurrenz und Klassenunterschiede gibt, als in Girtlers Werk dargestellt. Die unterschiedlichen Typologien bewerten und klassifizieren sich gegenseitig

2.1.3 E

Die Autorin hat in keinem Werk eine Begriffsdefinition gefunden, die denüblicherweise in Österreich betriebenen Escortbereich beschreibt. Begründung hierfür kann sein, dass sich der Bereich aus dem Call-Boy-/ Call-Girl-Gewerbe entwickelt hat und erst in den letzten Jahren stark angewachsen ist. Der Begriff wird daher mit einigen theoretischen Zitaten erklärt, wobei zum korrekten Verständnis in diesem Ausnahmefall auch ein Onlinewörterbuch und Wikipedia eingesetzt werden müssen

Der Begriff Escort wird im Onlinewörterbuch mit „Begleitperson“übersetzt (vgl. dict.cc, Wörterbuch, 2012, Escort)

Der Begriff des Call Boys/Call Girls definiert, wie im Lexikon des Sexworkerforums erwähnt, berufliche oder halbberufliche Prostituierte, die nur durch Telefonanrufe er- reichbar sind. Im Gegensatz zu anderen Prostituierten sind Call Boys/Call Girls weder in Bordellen noch in Stundenhotels verfügbar, sondern führen ihre Dienstleistung Form von Haus- oder Hotelbesuchen durch. Call Boys/ Call Girls sind meist im Hochpreissegment anzusiedeln. (vgl. Sexworkerforum, 2012, Lexikon) Call Boys/ Call Girls können selbstständig ihrer Tätigkeit nachgehen oder bei Agenturen angemeldet sein, wie Flowers beschreibt:

“ Many of the upper-class prostitutes playing their trade as call girls work for escort services. [ … ] The agency typically arranges a meeting between one of its escorts and the client at the customers house or hotel room ( “ outcall ” ), or at the escort ’ s residence ( “ incall ” ). Some agencies also provide escorts for longer durations, who may stay with the client or travel along on a holiday or business trip. While the escort agencies paid a fee for this booking and dispatched ser- vice, the customer must usually negotiate an additional fee for any sexwork ser- vice. ” (Flowers, 2011, S. 55)

Der Begriff „Escort“ kann in seiner gesamten Bedeutung Sexualdienste und Begleitservice umfassen, wie Wikipedia beschreibt. Geschäftsanbahnung und Dienstleistung werden ebenfalls zutreffend, wie folgt, beschrieben:

„ Angeblich werden die Dienste für die Begleitung zu einem gesellschaftlichen Anlass geboten: Begleitung ins Theater, Restaurant, Reisebegleitung oderähn- liches. In der Praxis werden die Dienste von Escorts zum allergr öß ten Teil mit dem Ziel eines erotischen oder sexuellen Kontakts in Anspruch genommen. In Ländern, in denen Prostitution verboten ist, oder auch in Ländern, in denen die Prostitution zwar erlaubt ist, aber die Vermittlung von sexuellen Kontakten als Zuhälterei unter Strafe steht, sichern sich Escort-Agenturen, aber auch einzelne Escorts, mit dem Hinweis ab, dass die Bezahlung ausschließlich für die Beglei- tung erfolge, dass man aber schließlich Menschen, die aneinander Gefallen fin- den, nicht daran hindern könne, miteinander Sex zu haben. Fast alle Escort-

Agenturen bedienen sich heutzutage des Internets, um ihr Angebot zu bewerben. Je nach den rechtlichen Gegebenheiten werden auch Inserate in Tageszeitun- gen, Veranstaltungskalendern und anderen Medien geschaltet, in Österreich auch in Rundfunkprogrammen. Die Kunden können zu Hause aus dem Angebot wählen und dann per E-Mail oder Telefon buchen. Allerdings benutzen nicht al- le Escort-Agenturen ausschließlich echte Fotos. Die Escorts werden oft von Fahrern der Agentur zu den Kunden gebracht und auch wieder abgeholt. “

(Wikipedia, 2012, Begleitagentur)

Aus Sicht der Autorin hat sich der Bereich Escort in den letzten Jahren sehr stark aus- geweitet und definiert sich in der heutigen Zeit weniger durch Begleitdienste ohne Sex. Darüber hinaus ist die Anzahl an Billiganbietern angestiegen, sodass sich der Bereich Escort nicht mehr ausschließlich als höhere SexdienstleisterInnenklasse definiert

2.1.4 Österreichische Reglementierung des G

Das Wiener Prostitutionsgesetz wurde im November 2011 reformiert und regelt die Anbahnung und Ausübung der Prostitution im Gemeindegebiet

Die gesetzliche Definition für Prostitution ist im § 2. (1) wie folgt geregelt: „ Prostituti- on im Sinne dieses Gesetzes ist die gewerbsm äß ige Duldung sexueller Handlungen am eigenen Körper oder die gewerbsm äß ige Vornahme sexueller Handlungen. “ (LGBl 24, 2011, S. 1)

Die empirische Forschung wird zeigen, ob auch SexdienstleisterInnen die Tätigkeit als Duldung sexueller Handlungen am eigenen Körper sehen Das Prostitutionsgesetz regelt die Verpflichtungen und Arbeitsbedingungen fü SexdienstleisterInnen, die Sittenwidrigkeit wurde bisher noch nicht abgeschafft. Das Bundeskanzleramt schreibt zu diesem Thema:

„ Prostitution - das Anbieten von sexuellen Dienstleistungen durch erwachsene Personen - ist in Österreich grundsätzlich legal. Dennoch galten bis zur jüngs- ten OGH-Entscheidung vom 18.04.2012 Verträgeüber sexuelle Dienstleistun- gen (die Körperkontakt involvieren) generell als sittenwidrig: Honorare konn- ten nicht eingeklagt - und (freie) Dienstverträge nicht abgeschlossen werden. Rechtlich wurden alle SexdienstleisterInnen und Sexdienstleister als sog. neue Selbständige behandelt, unabhängig von tatsächlichen Arbeitsbedingungen. Diese fingierte Selbständigkeit führte (und führt noch immer) häufig zu man- gelnder sozialer Absicherung “ . (Bundeskanzleramt Österreich, 2012)

Das Wiener Prostitutionsgesetz verdeutlicht die Haltung der Regierung zum T „Sexarbeit“, und es stellt sich die Frage, inwieweit dieses Gesetz die gesellschaftspolitische Sichtweise beeinflusst. Die Organisation LEFÖschreibt zu den Themen „Sexarbeit, Doppelmoral und Tabuisierung“ folgendes:

„ Eine komplexe Verflechtung von Doppelmoral und Tabuisierung im Umgang mit Sexarbeit führt dazu, dass in Österreich rechtliche Regelungen darauf aus gerichtet sind, SexarbeiterInnen unzählige Pflichten (Steuerpflicht, Registrie rungspflicht, Verpflichtung der Führung eines „ Gesundheitsbuchs “ etc.) aufzu erlegen, jedoch keine Rechte einzuräumen. [ … ] Sexarbeiter_innen werden in Wien aus Wohngebieten verdrängt, was sie in illegalisierte und unsichere Ar beitsverhältnisse zwingt. “ (LEFÖ, 2012)

Im Prostitutionsgesetz ist geregelt, dass registrierte SexdienstleisterInnen eine Kontroll- karte erhalten, und sich einmal pro Woche einer Untersuchung unterziehen müssen. Diese Tatsache wurde bereits 2004 von Girtler näher erläutert: „ Auf Grund gesetzlicher Vorschriften hat sich die Prostituierte wöchentlich [ … ] amtsärztlich untersuchen zu lassen. Die erfolgte Untersuchung wird in einem Ausweis [ … ] bestätigt. Die Prostitu- ierte ist verpflichtet, diesen Ausweis Polizisten auf Verlangen vorzuzeigen. “ (Girtler, 2004, S. 196)

Es müssen nach Girtlers Angaben auch andere Voraussetzungen gegeben sein, um in Besitz einer Kontrollkarte zu gelangen. „ Voraussetzung umüberhaupt zu einem „ Deckel “ , wie der Ausweis in der Sprache der Dirnen und Zuhälter genannt wird, zu kommen, ist nicht nur das Erfordernis, von Geschlechtskrankheiten frei zu sein, sondern auch ein bestimmtes Mindestalter. “ (Girtler, 2004, S. 197)

2.2 Sexualitä

Sexualität ist nach Ansicht der Autorin nicht nur ein Grundpfeiler der Gesellschaft, son- dern auch Begründer des Gewerbes Sexarbeit. Sexualität ist auch in der heutigen Zeit häufig ein Tabuthema, nicht aber für SexdienstleisterInnen. Sie verfügen in der Regelüber sexuelles Grundwissen um die Wünsche Ihrer Kunden zu erfüllen. Dieses Kapitel soll aufzeigen, wie Sexualität und Erfüllung funktionieren kann. Der Beruf Sexarbeit muss nicht krank machen, kann für die darin tätigen Personen durch ihr professionelles Wissen Bedürfnisse und Funktionsabläufe eigenen Verlangens erkennbar machen und somit auch privates Lustempfinden steigern. Diese Grundkenntnisse bleiben durch se- xuelle Tabuisierung oft im Hintergrund. Die Autorin möchte mit diesem Kapitel auch dem Leser einige Grundinformationen zum besserenVerständnis anbieten. Das Kapitel bietet eine Definition für Sexualität, zeigt den möglichen Ablauf sexueller Handlungen auf und geht auf die Psychologie sexueller Leidenschaft ein. Die Autorin musste sich für eine konkrete Auswahl entscheiden, da es sich auch bei Sexualität um ein Feld handelt. Die Selektion gründet sich auf zwei Gedanken. Die Autorin ist der Meinung, mit dieser Auswahl sexuelle Abläufe und Lust verständlich darzustellen sowie SexdienstleisterInnen eventuell neue Möglichkeiten zur sexuellen Physiognomie und sexuellen Psychologie aufzuzeigen

2.2.1 Soziologie der Sexualität nach L

2.2.1.1 Definitionen der Sexualitä

„ Sexualität “ als ein Fachausdruck ist vor zweihundert Jahren entstanden, im Zusammenhang mit einer Neubestimmung der Kategorie Geschlecht, insbeson- dere der Bilder von Frau und Mann. Zugleich damit entstand ein Problembe-

reich des Nachdenkens, den es zuvor nicht gegeben hatte. [ … ] Nun beginnt man sich für die sexuellen Phänomene zu interessieren. [ … ] Die (wenigen) Werke zur Sexualwissenschaft zeigen den tastenden Beginn einer Diskussion, die uns bis heute beschäftigt. “ (Lautmann, 2002, S. 19)

Latumann beschreibt weiter, dass wir uns nicht unbefangen mit geschlechtlichen Handlungen, die so alt sind wie die Menschheit selbst, beschäftigen können. Das Sexuelle steht nicht ohne weiteres zur intellektuellen Verfügung und ist umgeben von Geheimnis, Vorsicht, einstmals sogar von Tabus. Es ist Gegenstand der Beunruhigung und es sind nur die Verhaltensweisen der Sexualität erfassbar (vgl. ebd.)

Sexualität trägt eine kulturspezifische Rahmung sowie eine Fülle von Interpretationen, die sichüber Wert und Abläufe des Sexuellen auslassen, in sich. „ Jede sexuelle Handlung steht im Sinnbezug auf das Geschlechtliche. “ (Latumann, 2002, S. 20)

„ Vieleüberhistorische oder kulturuniversale Wesenheiten lassen sich am sexu- ellen Handeln nicht ausmachen, außer vielleicht der Gebrauch der Genitalien und gewisse Abläufe der körperlichen Reaktion, deren Analyse indessen ohne- hin der Physiologie, nicht der Soziologie obliegt. Das meiste was am Sexual- verhalten auffällt und nach Erklärung ruft, befindet sich unlösbar innerhalb je- nes kulturspezifischen Rahmens, heiße der nun System oder Lebenswelt, Institu- tion oder Skript, oder was der soziologischen Ansätze mehr sind. “ (vgl. Laut- mann, 2002, S. 20)

2.2.1.2 Körpermodelle/Kö

In der sexuellen Begegnung kommen sich die Körper sehr nahe, wobei diese Körper nicht einfach nur beim Sex mitmachen. Sexualität in den letzten beiden Jahrhunderten bildet einen Block des modernen Sexualdenkens, der mentale Bereich wird vom Körper getrennt(vgl. Lautmann, 2002, S. 34-35):

„ Der damalige Diskurs reißt Körper und Seele auseinander, trennt das Soma tische vom „ eigentlich Menschlichen “ ab. Auf der einen Seite steht der Körper als animalisch, als „ Täter “ , auf der anderen Seite steht das Subjekt, das Ich, der Mensch als „ Opfer “ seines stammesgeschichtlichen Erbes. Der mentale Bereich (Geist und Seele) genießt den Vorrang vor dem körperli chen. “ ( Lautmann, 2002, S. 35; zit. n. Wernz, 1993)

Im 18. Jahrhundert beginnt nun Sexualität in die Gedankenwelt der Menschen zu gelan- gen. Der Körper wird noch einigermaßen homogen gesehen und drei Körpermodellen zugeordnet, er bildet eine Einheit. Heute wird der erotische Blick auf den Körper in Zo- nen aufgeteilt. Die Aufteilung in Zonen ermöglicht es, erotischen Sinn zuübermitteln. Die Körpermodelle und Körperzonen werden wie folgt beschrieben (vgl. Lautmann, 2002, S. 36-48):

Kö o Der Körper als Haus: Das Subjekt bewohnt eine Art von Gebäude. I Inneren lebt es als Besitzer und ist geschützt. Diese Wohnung braucht Pflege, um nicht zu verfallen, der Körper ist notwendig für die Existenz, bleibt aber äußerlich wie eine Hülle oder ein Kleid. D er Körper erfüllt

Zwecke, wird benutzt. „ Das Sexuelle wird in den Keller verbannt; die Genitalien gehören zum „ Unterleib “ . “ (Lautmann, 2002, S. 36) o Der Körper als Maschine: „ Der Körper wird als durch Leidenschaft be- wegliche Maschine dargestellt. Die Bewegung erfolgt von einem menta- len Pol aus und für seinen Benutzer wird der Körper zu einem funktional und ästhetisch befriedigenden Instrument, bewundert als vollendetes Meisterstück eines großen Künstlers. Statt von Maschine kann auch von Werkzeug die Rede sein: Geschlechtswerkzeuge zum Beispiel. o Der Körper als Zeichen: Hierbei handelt es sich um den dritten Typus in der Reihe der Modelle. „Der Körper wird hier als ein interpretierbares Archiv von Zeichen gesehen. Der Makrokosmos bildet sich im Mikro- kosmos ab, das Große im Kleinen. „ Der menschliche Körper stellt, le- serlich für unser Auge und für unseren Verstand einleuchtender, die Ge- setze der Welt dar [ … ]. “ (Lautmann, 2002, S. 43). Das Verhältnis zwi- schen signifizierendem Körper und signifizierender Seele wird als natür- lich gesetzt. Der Körper bietet Wissen an und fordert zur Wissensaneig- nung auf. Der Mensch soll nicht Genuss zu seinem obersten Zweck ma- chen Körperzonen (Gesicht, der Rumpf nebst den Gliedern, Genitalien) Wenn man vom Gesicht spricht, ist nicht vom ganzen Kopf, sondern nur vom Kinn bis zur Stirn die Rede. „ Für die erotische Kommunikation dominieren die Augen und der Mund, deren Botschaften eigens rezipiert werden. “ (Lautmann, 2002, S. 45) Haare, Hinterkopf und Nacken sind Übergangspartien, die das Ge- sicht rahmen und die Lineatur des Rumpfes ergänzen. Wenn man das Gesicht benutzt, um sexuelle Signale auszusenden, kann das obszön und prostitutiv wir- ken, anders als bei den Körperpartien. Nicht immer oderüberall sind Kopf und Gesicht erotisch selbstständig kodiert. Die Gestalt wird von Kulturfremden eher als Einheit wahrgenommen, das heißt zwischen Gesicht und Rumpf wird eine Kontinuität hergestellt, zum Beispiel bei schwarzen Menschen

„ Neben dem Gesicht scheinen die Genitalien erotisch ein Eigenleben zu führen. Die begehrte Person muss sie besitzen, doch die Beschaffenheit interessiert we- niger. Auf das Ob, nicht auf das Wie kommt es an. “ (Lautmann, 2002, S. 45)

Die dritte Körperzone, der Rumpf oder Zentralkörper ist keine Restgröße, wird aber innerhalb der Soziologie von Liebe/Erotik/Sexualität kaum partiell analysiert. Sie wird umgangssprachlich häufig mit dem Körper im Ganzen gleichgesetzt. Was den erotischen Status ausmacht, also die Rangordnung unter den Begehrenswerten ist noch ungeklärt Zur Körperzone Rumpf möchte die Autorin noch ergänzen, dass ihrer Ansicht nach die erotische Wirkung dieser Körperzone mit Sicherheit schwerer zu definieren ist, da sie aus vielen Teilzonen besteht und diese in vielen Fällen keine Einheit bilden oder gleichermaßen ausgebildet sind. So kann ein Mensch einen erotischen Bauch haben, das Gesäß mag aberüberdimensional ausgeprägt sein

2.2.1.3 E

„ Mit „ Eros “ bezeichnen wir umgangssprachlich die Ausstrahlung der Schönheit eines Menschen, prosaisch gesprochen also auch dessen körpervermittelte Attraktivität und Begehrensimpulse. “ (Lautmann, 2002, S. 49)

Das altgriechische Wort „Eros“ geht aus der Liebe eines älteren Menschen und Jungen hervor. Es war kein Kind einbezogen, sondern ein Unterlegener. „ Daraus resultiert ein stilbildendes Merkmal der Erotik: die Asymmetrie der wechselseitigen Beziehungen “ Die Eros-Philosophie der griechischen Antike ist bis heute von Auslegungen, Umdeutungen und Überlagerungen betroffen (vgl. Lautmann, 2002, S. 49f)

Die klassische Idee der Erotik ist in der Geistesgeschichte lebendig geblieben und hat viele Bearbeitungen und Variationen hervorgebracht. Das Eros-Konzept hat eine Meta- morphose durchlaufen. Die soziologische Sicht auf Erotik und Sexualität ist umgeben von vielen anderen Sichtweisen. Die erste soziologische Trennung von den Domänen „Erotik, Sexualität und Liebe“ vollzieht Simmel (1858-1918). Für die Bedeutung und den Stellenwert der Erotik knüpft er an die antike Idee an (vgl. Lautmann, 2002, S. 53)

„ Wenn in der aktuellen Soziologie Erotik behandelt wird, dann nur als Gele- genheitsthema und nicht systematisch als Generator für persönliche Beziehun- gen. Soziologische Stellungnahmen zu Eros und Erotik halten auf Distanz und klingen ein wenig ratlos, denn man möchte weder auf die Philosophie noch auf die Tiefenpsychologie einschwenken. Manche konstatieren kühl die Vielfalt an Bedeutungen, ohne eine eigene hinzuzufügen. “ (Lautmann, 2002, .S. 54)

Die Begriffe „Eros“ und „Sexus“ charakterisieren eine soziale Beziehung, wobei Körper in den Vordergrund der Relevanz tritt. Im Vordergrund steht sinnliches Be- obachten, vor sprachlicher Kommunikation. „ Wenn Erotik und Sexualität nicht dasselbe sind, können wir sie unabhängig voneinander operationalisieren und messen. Diese beiden Handlungsqualitäten treten also in empirische Beziehung zueinander. Sexuelles Handeln kann auf Erotik beruhen, muss aber nicht. “ (vgl. Lautmann, 2002, S. 55) Wenn ein Mann mit einer Frau geschlechtlich verkehrt, wird er sie meistens anziehend finden. Vielleicht will er aber auch nur Verführerqualitäten oder seine Männlichkeit beweisen. Erotik stiftet Sexualität. Eine erotische Version wird sexuell recht unterschiedlich ausgelebt werden. Der Formenreichtum in der Erotik beeinflusst den Umstand, dass diese kein Programm sein kann, das vom Anfang bis zum Ende abläuft (vgl. Lautmann, 2002, S. 56)

Der Erotikrahmen bestimmt sexuelle Situationen mit. Es ist aber selten, dass Sexuelles eine erotisch gestimmte Situation aufbaut (vgl. ebd.)

„ Wenn in den bisherigen Ü berlegungen der Leibcharakter des Eros betont wurde, dann war damit nur ein Teil des gültigen Erotik-Rahmens bezeichnet. Die erotische Beziehung sprengt die Grenzen des Körperhandelns. “ (Lautmann, 2002, S. 57)

Erotik dehnt sich auf Seele, Handeln, Erkennen,über die sinnlich wahrgenommenen Körperqualitäten hinaus aus. Erotisch beeindrucken kann ein Mensch auch mit seiner Persönlichkeit und mit seinem Handlungsgeschick. Diese erotische Aura bleibt aber stets an die wahrgenommene, körperliche Erscheinung gebunden (vgl. ebd.)

„ Erotisch ist nicht das Fleisch eines begehrten Körpers, sondern die Person des begehrten Anderen, ausgehend von seinem Körper. Erotik stellt Nähe her, auf allenüber die Sinne vermittelten Ebenen. “ (ebd.)

2.2.1.4 Strukturen sexuellen Handelns, Phasen des A

Lautmann geht näher auf das Phasenmodell von Davis ein. Die Struktur des sexuellen Handelns wird durch die einzelnen Phasen bezeichnet. Eine Situation wird in mehreren Schritten erotisiert, der Körper genießt unterschiedliche Bedeutungen. In der Vorphase ist die Realität des Alltags noch präsent, die allgemein beobachtbaren Partien des Kör- pers werden noch wahrgenommen. Diese Körperpartien sind zum großen Teil bekleidet und bewegen sich z.B. sportlich oder beruflich. Die erste Runde bezeichnet den Eintritt in die erotische Realität, potentielle Sexualpartner werden als Ganzes gesehen. „Gewis- sermaßen drücken sie jetzt diejenigen Knöpfe, welche eine sexuelle Stimulation hervor- bringen, und zwar in praktischem Handeln. Selbst-Verkörperung findet statt, Wider- stände werdenüberwunden (oder auch nicht) und Verführung wird vollzogen. R Nummer zwei beginnt damit, dass Verfleischlichung stärker lokalisiert wird. Das Selbst wird in bestimmte Körpersegmente verlagert. Die Aufmerksamkeit kann zu den Genita- lien wandern. In der vierten Phase vereinigen sich die Genitalien und das Finale bildet der Orgasmus (vgl. Lautmann, 2002, S. 213)

Die Annäherung stellt zu Beginn einer Bekanntschaft in sexueller Hinsicht eine sehr offene Situation dar. Die Beteiligten können sich nicht auf die Sicherheit einer regulierten Kommunikation stützen, da sich Unsicherheiten und Deutungs- probleme ergeben. Die Offenheit der Entwicklung wirkt aber nicht nur verunsi- chernd, sondern auch spannungsvoll-belebend. Das Flirten spielt mit der Viel- deutigkeit von Blicken, Worten und Berührungen. Die Beteiligten leisten in die- ser Zyklusphase inüberdurchschnittlichem Maße eine Interpretations- und Defi- nitionsarbeit. Erotisches Gefallen wird vor allem visuell vermittelt. Im Fortgang der weiteren Interaktion gibt es kein Rezept, um zu verhindern, dass Gestal- tungsschritte ergebnislos verpuffen (vgl. Lautmann, 2002, S. 214-217)

Der Zyklus der Verführung hat sich bzgl. seiner Sichtweise geändert. Der Mann wurde mit tierischer Triebhaftigkeit in Verbindung gebracht, die Frau dem Pol der edlen Liebe zugeordnet. Die Routine der Eröffnung der sexuellen Interaktion besitzt jedoch keinen essentialistischen Wert und könnte auch anders beschaffen sein. In der heutigen Zeit ist die Verführung mit all ihren Praktiken variabel und unterschiedlich interpretierbar, auch innerhalb einer Kultur. Der Verfü wohnt die Macht inne, alles seiner Wahrheit zu berauben und wieder in das Spiel einzutreten. Das Spiel des Scheins dient dazu, die Sinn- und Machtsysteme zu- nichte zu machen, den Schein um sich selbst drehen zu lassen, den Körper als Schein und nicht als Tiefe des Begehrens wirken zu lassen. „ Verführung stellt sich gegen die Wahrheitssuche im Diskurs. Nicht im Latenten und Verdrängten sucht sie Wahrheit. Aus der Tiefe tauchen wir an die Oberfläche und wenden uns dem hergerichtetenäußeren Schein zu. “ Verführen bedeutet, sich vor einer an- deren Person attraktiv zu machen, man schafft ein Bild, um füreinander erotisch zu sein (vgl. Lautmann, 2002, S. 218- 223)

Geschlechtsverkehr bedeutet, dass die Situation eine Ernsthaftigkeit annimmt. Scherze, flache Höflichkeiten und leere Gesten verschwinden, die Aufmerksam- keit eines oder beider Beteiligter gehen zum genitalen Geschehenüber, und die Umwelt wird vernachlässigt: für einen Moment versinkt alles andere. Aber nur, wenn beide die erlebbare Lust empfinden und der Fortgang ihrem Handlungs- plan entspricht, wird sich ein gemeinsames Erleben einstellen. Je konkreter die Art sexuellen Handelns, desto stummer die Soziologie (vgl. Lautmann, 2002, S. 223 - 225)

2.2.2 Die Psychologie sexueller Leidenschaft nach S

Sexualität ist nach Schnarch schön und kostbar. Um eine gesunde Einstellung zur Sexu- alität zu erhalten, ist es nötig, die nur auf den ersten Blick positive Einstellung hinter uns zu lassen. Das Schöne an der Sexualität besteht nicht darin, auf den richtigen Part- ner/ die richtige Partnerin zu warten und/ oder auf den sexuellen Akt bis zur Eheschlie- ßung zu warten. Die Schönheit der Sexualität liegt nach Schnarch nicht in ihr sondern in uns selbst. (Schnarch, 2011, S. 90f.) „ Wenn wir genauerüberlegen, was denn eigent- lich >> das Schöne am Sex << ausmacht, gelangen wir dabei zu einer erweiterten Vor- stellung von unserem sexuellen Potential. “ (Schnarch, 2011, S. 90) Er ergänzt: „ Wir alle entwickeln - in unterschiedlichem Maße - eine innere Schönheit. Sexualität wird erst dann schön, wenn wir diese innere Schönheit in sie hineintragen. “ ( ebd.)

Das körperliche Entwicklungstempo ist nur ein Indikator für das gesamte sexuelle Erle- ben. Die sexuelle Reife hat in erster Linie mit der persönlichen Reife zu tun. Aus die- sem Grund ist Sexualität nicht von Natur aus etwas Schönes, sondern erst, wenn wir etwas Schönes daraus machen. Diese Verwechslung von geschlechtlicher und sexueller Reife hindert viele Menschen daran, ihr sexuelles Potential zu entfalten (vgl. Schnarch, 2011, S. 91). „ Wenn sexuelle Intimität bedeutet, daßwir uns dem Partner so zeigen könne, wie wir sind, dann ist das Potential für intensive sexuelle Erfahrungen umso gr öß er, je mehr wir imstande sind, uns dem Gegenüber zu erkennen zu geben. “ (Schnarch, 2011, S. 91)

„ Die meisten Menschen erreichen ihre sexuelle Reife nie. Diejenigen, denen es gelingt, sind dann bereits in ihren Vierzigern, Fünfzigern oder Sechzigern. Sinnerfüllte Sexualität beruht nicht auf physiologischen Reflexen, sondern setzt eine bestimmte Stufe der persönlichen Entwicklung voraus. Zwischen Zellulitis und leidenschaftlichem Sex besteht ein enger statistischer Zusammen hang. “ (Schnarch, 2011, S. 94)

Schnarch beschreibt weiter, dass die gängigen Vorstellungen von Sexualität dazu füh- ren, dass wir uns ab einem gewissen Alter selbst ablehnen. Wir machen uns Sorgen um unser Aussehen und unsere Leistungsfähigkeit. Männer machen sich Gedanken um Größe und Einsatzfähigkeit des Penis und Frauen sorgen sich um Bindegewebsschwä- che und Krampfadern. Das Alter schreitet voran und wir müssen lernen, Sexualität auf völlig neue Weise zu erleben. Mit zunehmendem Alter verklären wir eine makellose Haut und einen straffen Po als Gipfel der sexuellen Attraktivität und verehren Jugend als Höhepunkt der Erotik. Die Sexualität stellt uns in Kindheit, Jugend und im Erwach- senenalter vor Entwicklungsaufgaben. Es ist natürlich zu empfehlen, sich um seinen Körper zu kümmern, aber auch ein straffer Körper kann meilenweit vom eigenen sexu- ellen Potential entfernt sein. Sich im reifen Erwachsenenalter zu befinden, heißt also nicht, die Sexualität zurückzuschrauben sondern es sollte vielmehr als die Phase erlebt werden, in welcher wir unser sexuelles Potential erweitern können (vgl. Schnarch, 2011 S. 94 f)

Unser sexuelles Potential liegt nicht nur im persönlichen Wachstum, sondern ist auch im Neokortex unseres Gehirns verankert. Die Verbindung liegt darin, dass aus diesem Teil unseres Gehirns Sprache, Selbstwahrnehmung sowie Selbstreflexion hervorgehen, die ebenso Voraussetzung für Intimität sind, wie unsere Fähigkeit, der Sexualität Sinn und Bedeutung zu verleihen (vgl. Schnarch, 2011, S. 95). „ Beim Sex steuert der Neokortex, wie stark Sinnesreize auf uns wirken, inwieweit wir emotional beteiligt sind und ob wir zum Orgasmus kommen oder nicht. Daraus ergeben sich Folgerungen, die oftübersehen werden. “ (Schnarch, 2011, S. 95)

„ Wir sind in der Lage, auch dann zum Orgasmus zu kommen, wenn der Grad unserer Erregung und körperlichen Befriedigung relativ gering bleibt. “ ( ebd.) „ Wir sind zu intensiven sexuellen Erfahrungen fähig, die sich nicht in den rein körperlichen Entsprechungen des Orgasmus, wie Nervenimpulsen oder Muskelkontraktionen niederschlagen müssen. “ (ebd.) Das bedeutet, dass inneres Wachstum erzielt wird (vgl. Schnarch, 2011, S. 96)

Schnarch beschreibt in seinem Werk folgendes Quantenmodell, welches an den Grund- ideen der physikalischen Quantentheorie angelehnt ist. Konkrete Ereignisse werden als vielschichtige Interaktionen kleiner Energiequellen gesehen (vgl. Schnarch, S. 97)

„ Das Quantenmodell (dasübrigens auch dem Wort >> Urknall<< eine völlig neue Bedeutung gibt) verdeutlicht, wie in der menschlichen Sexualität viele verschiedene Faktoren und Ebenen ineinandergreifen. “ (ebd.) Das Quantenmodell ist eine Analyse sexueller Funktionsabläufe, es bindet unsere spezifisch menschlichen Fähigkeiten in das sexuelle Geschehen und seine körperlichen Funktionsabläufe ein. Es hilft Funktionsstö- rungen zuüberwinden und sein sexuelles Potential zu erkunden (vgl. Schnarch, 2011, S. 97)

Schnarch beschreibt im Körper zwei Reaktionsschwellen. Die Erregungsschwelle (genitale Reaktion) setzt mit der ersten sexuellen Reizung ein. Wenn diese sexuelle Reizung immer weiter gesteigert wird, kommt es zur Überschreitung der physiologischen Erregungsschwelle und wird von der Orgasmusschwelle abgelöst. In der Orgasmusfunktion nehmen die Hirnfunktionen eine Auszeit. Diese Überschreitung ist der normale Funktionsablauf (vgl. Schnarch, S. 98)

„ Meist wird stillschweigend angenommen, daßsexuelle Stimulation nurüber Sinnesreize erfolgt, nämlich in erster Linie durch Tastempfindungen und, in ge- ringerem Maße, durch Sehen, Schmecken, Riechen und Hören. Das Erregungs- niveau ist aber in erster Linie davon abhängig, wie wir die Sinnesempfindungen bewerten und mental verarbeiten. Das heißt, Vorstellungen und Gedanken ha- ben auf genitale Funktionsabläufe und den Orgasmus einen stärkeren Einflu ß als Sinneseindrücke. Deshalb ist das was auf der Beziehungsebene vor sich geht, wichtiger als das Einüben der richtigen stimulierenden Berührungen. “

(Schnarch, 2011, S. 100)

Sinnesreize sind demnach verantwortlich für die physische Dimension der Sexualität. Die Empfindungen werden durch Nerven vom Ort der Reizung an Rückenmark Gehirnübermittelt. Alles, was die Übertragung unterbricht, mindert letztlich das sexuelle Reaktionsvermögen und somit die Befriedigung (vgl. Schnarch, 2011, S. 101) Gedanken und Gefühle in ihrer Rolle des sexuellen Erlebens sind Grundlage für erstaunliche sexuelle Potential des Menschen. Empfindungen müssen den angenehmen Erfahrungen zugeordnet werden. Entscheidend ist auch, wie die sexuelle Begegnung bewertet wird. Das Erleben muss sich mit dem vertragen, wie man sich selbst sieht. Es muss zum eigenen Bild passen was zwischen den Beteiligten geschieht. Ungelöste psy- chische Blockaden oder Ängste wirken auch einschränkend auf das sexuelle Erleben (vgl. Schnarch, 2011, S. 102)

„ Manche Menschen werden in einer zärtlichen und liebevollen Atmosphäre se- xuell erregt, selbst wenn Stimulation auf der körperlichen Ebene nicht sehr in- tensiv ist. Dagegen kann es für jemanden, der sich mit Intimität schwer tut, be- friedigender sein, dieselbe sexuelle Stimulation bei einem One-Night-Stand zu erfahren. Wer Angst davor hat, daßandere ihm ihren Willen aufzwingen könn- ten, der hat in einer engen Beziehung möglicherweise sexuelle Probleme, die er in einer unverbindlichen Beziehung nicht hat. Das umgekehrte Muster findet sich oft bei Menschen, die Angst vor Zurückweisung haben. “ (ebd.)

Psychische Blockaden stören nicht nur die Funktionsabläufe, sondern vermindern auch die Entfaltung des sexuellen Potentials. Problembereiche schränken das sexuelle Poten- tial ein. Sie verkleinern das Spektrum sexueller Vorlieben, dämpfen das Lustempfinden, und können so die sexuelle Befriedigung eindämmen. Diese Verringerung der sexuellen Befriedigung muss nicht unbedingt zur Folge haben, dass man keinen Orgasmus be- kommt, reizt die sexuelle Erfüllung jedoch auch nicht aus (vgl. Schnarch, S. 103)

2.3 Stigma und D

Personen, die im Gewerbe Sexarbeit tätig sind, können von Stigmatisierung und Dis- kriminierung betroffen sein. Dieses Kapitel gewährt Einblick in die Entwicklung und Bedeutung von Stigmatisierung und beschreibt die Definition von Diskriminierung

[...]


1 Der Klagsverband zur Durchsetzung der Rechte von Diskriminierungsopfernübernimmt eine Interessensvertretung für SexdienstleisterInnen und setzt sich aus mehreren Mitgliedern zusammen

Details

Pages
105
Year
2012
ISBN (eBook)
9783656379928
ISBN (Book)
9783656380474
File size
639 KB
Language
German
Catalog Number
v208820
Institution / College
ARGE Bildungsmanagement Wien
Grade
2
Tags
leben sexworkerin belastungen beruf stigma doppelleben

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Title: Das Leben als SexworkerIn: Belastungen durch Beruf, Stigma und Doppelleben?