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Universal- oder Trennbankensystem?

Eine empirische Analyse in Bezug auf Effizienz, Profitabilität und Stabilität

Masterarbeit 2012 83 Seiten

VWL - Finanzwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1.Einleitung

2.Grundlagen
2.1.Der Bankbegriff
2.2.Die Bankensysteme
2.3.Die Diskussion

3.Effizienz von Bankensystemen
3.1.Diskussion
3.2.Empirische Analyse

4.Profitabilität von Bankensystemen
4.1.Diskussion
4.2.Empirische Analyse

5.Stabilität von Bankensystemen
5.1.Diskussion
5.2.Empirische Analyse

6.Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Der Diversifikationseffekt einer Universalbank

Abbildung 2 Zusammenfassung der Argumentation aus Kapitel 2

Abbildung 3 SCP-Paradigma

Abbildung 4 Bankendichte (1) in Bankangestellten pro 100.000 Einwohner

Abbildung 5 Bankendichte (1) in Bankangestellten pro 100.000 Einwohner (UBS vs TBS)

Abbildung 6 Bankendichte (2) in Instituten pro 100.000 Einwohner

Abbildung 7 Bankendichte (2) in Instituten pro 100.000 Einwohner (UBS vs TBS)

Abbildung 8 Lerner-Index

Abbildung 9 Lerner-Index (UBS vs TBS)

Abbildung 10 Die Wirtschaftssphären im Produktionsprozess

Abbildung 11 Externe Profitabilitätsfaktoren

Abbildung 12 Entwicklung der Eigenkapitalrendite

Abbildung 13 Entwicklung der Eigenkapitalrendite (UBS vs TBS)

Abbildung 14 Entwicklung der Gesamtkapitalrendite

Abbildung 15 Entwicklung der Gesamtkapitalrendite (UBS vs TBS)

Abbildung 16 Entwicklung Leverage-Faktor

Abbildung 17 Entwicklung Leverage-Faktor (UBS vs TBS)

Abbildung 18 Bruttoerlöse pro Mitarbeiter

Abbildung 19 Bruttoerlöse pro Mitarbeiter (UBS vs TBS)

Abbildung 20 Kreditvolumen pro Mitarbeiter

Abbildung 21 Kreditvolumen pro Mitarbeiter (UBS vs TBS)

Abbildung 22 Durchschnittliche Verluste bei den Börsenwerten der Großbanken

Abbildung 23 Wettbewerbs-Stabilitäts- und Wettbewerbs-Fragilitäts-Hypothese

Abbildung 24 Z-Index

Abbildung 25 Z-Index (UBS vs TBS)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Bankangestellte pro 100.000 Einwohner

Tabelle 2 Bankinstitute pro 100.000 Einwohner

Tabelle 3 Entwicklung Lerner-Index

Tabelle 4 Entwicklung Eigenkapitalrendite (in Prozent)

Tabelle 5 Entwicklung Gesamtkapitalrendite (in Prozent)

Tabelle 6 Entwicklung Leverage-Faktor

Tabelle 7 Bruttoerlöse pro Mitarbeiter (in Mio. Euro)

Tabelle 8 Kreditvolumen pro Mitarbeiter (in Mio. Euro)

Tabelle 9 Entwicklung Z-Index

1.Einleitung

Der internationale Bankensektor ist nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Finanzkrise in der öffentlichen Wahrnehmung wie auch in der politischen und wissenschaftlichen Diskussion heftig in die Kritik geraten. Gilt diese nicht immer sachlich fundierte Kritik zwar dem glo- balen Finanzsystem als Ganzes, gibt es zwischen den verschiedenen nationalen Bankensys- temen doch wesentliche Unterschiede. Auf der einen Seite stehen die Universalbankensys- teme, die durch Institute geprägt sind, die mit der nahezu kompletten Angebotspalette an Finanzdienstleistungen aufwarten und auf der anderen Seite stehen die Trennbankensyste- me, deren Institute sich in der Regel auf wenige Finanzdienstleistungen oder Kundengrup- pen spezialisieren.

Diese Arbeit befasst sich mit dem wissenschaftlichen Vergleich dieser beiden Bankensys- teme, wobei insbesondere die Vorteilhaftigkeit in Bezug auf gesamtwirtschaftliche Effizi- enz, einzelwirtschaftliche Profitabilität und Systemstabilität empirisch analysiert wird. Da- bei werden die Universalbankensysteme Deutschlands, Frankreichs und der Schweiz sowie die Trennbankensysteme der USA, Großbritanniens1 und Japans2 im Zeitraum von 2000 bis 2008 betrachtet. Die erforderlichen Datensätze zu den Bilanzen und Gewinn- und Ver- lustrechnungen entstammen der „OECD Banking-Statistics, Financial Statements of Banks (2000-2009)“. Um die Vergleichbarkeit in der Einzelbetrachtung der verschiedenen Natio- nen zu gewährleisten und die Gewichtung der nationalen Bankensysteme in der Gesamtbe- trachtung korrekt wiederzugeben, wurden alle Datensätze in EURO normiert. Für die Um- rechnung wurden die jeweiligen Jahresdurchschnittswerte der Wechselkurse verwendet.3 Als Endergebnis der empirischen Analyse wird sich herausstellen, dass die Vorteile der Universalbanken bei der gesamtwirtschaftlichen Effizienz und einzelbetrieblichen Profita- bilität überwiegen, bei der Systemstabilität der beiden Bankensysteme hingegen nur gerin- ge Niveauunterschiede zu verzeichnen sind, da sich die Vorteile der Universalbankensys- teme bei der Gesamtkapitalrentabilität und die Vorteile der Trennbankensysteme bei der Kapitalstruktur gegenseitig aufheben.

Um die Thematik dieser Arbeit von Anbeginn klar darzustellen, werden zunächst die Untersuchungsgegenstände definiert und die Grundgedanken der aktuellen Diskussion er- örtert (Kapitel 2). Im Anschluss erfolgt die empirische Analyse zu den drei Kriterien, wel- che für jedes Kriterium einzeln erbracht wird. Der empirischen Analyse gehen jeweils eine Zusammenfassung der grundlegenden Argumentation sowie die deskriptive Beschreibung der verwendeten Indikatoren voraus (Kapitel 3-5). Zum Abschluss der Arbeit werden die wichtigsten Ergebnisse nochmal zusammenfassend dargestellt (Kapitel 6).

2.Grundlagen

2.1.Der Bankbegriff

Um Unternehmen eindeutig als Banken oder Nichtbanken identifizieren zu können, wird im Gesetz eine ausführliche Definition des Kreditinstituts vorgegeben. So gelten in Deutschland Unternehmen als Kreditinstitute, wenn Sie „Bankgeschäfte gewerbsmäßig oder in einem Umfang betreiben, der einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Ge- schäftsbetrieb erfordert.“4 Eine möglichst präzise juristische Definition ist erforderlich, da für Banken deutlich strengere regulatorische Vorschriften gelten als für Nichtbanken. Der hohe Regulierungsbedarf resultiert aus der besonderen Stellung, die Banken innerhalb ei- ner Volkswirtschaft einnehmen. Um dies zu verdeutlichen ist es für den weiteren Verlauf dieser Arbeit zunächst einmal notwendig, den Bankbegriff aus der ökonomischen Perspek- tive heraus zu bestimmen. Einzelwirtschaftlich oder betriebswirtschaftlich gesehen, sind Banken5 Dienstleistungsgewerbe, die Geld- und Kapitaleinlagen, Finanzierungen, Zah- lungsabwicklungen und andere Finanzdienstleistungen anbieten.6 Nimmt man zusätzlich noch mögliche Eigengeschäfte der Banken hinzu, können mit dieser Definition alle Bank- tätigkeiten vollständig erfasst werden.7 In einer Volkswirtschaft ist es die Hauptaufgabe einer Bank, als Finanzintermediär zwischen Kapitalgebern und Kapitalnehmern an den Finanzmärkten zu vermitteln. Die beiden Akteure könnten ihre Geschäftsbeziehung zwar auch unmittelbar ohne einen Finanzintermediär führen, jedoch bringt die Vermittlung durch ein Kreditinstituten mehrere Vorteile mit sich.

Bei einer Transaktion zwischen Kapitalnehmer und Kapitalgeber besteht zumeist eine asymmetrische Informationsverteilung. So kann man davon ausgehen, dass der Kapital- nehmer über bessere Informationen bezüglich seiner zukünftigen Zahlungsfähigkeit ver- fügt als der Kapitalgeber. Da der Kapitalgeber ein natürliches Interesse an der Rückzah- lung seines Kapitals inklusive eines angemessenen Zinses hat, versucht er den Informati- onsvorsprung durch eigene Recherche auszugleichen. Die dadurch entstehenden zusätzli- chen Transaktionskosten können durch Finanzintermediäre gesenkt werden. Wo der priva- te Kapitalgeber aufgrund seines Informationsdefizits zusätzliche Kosten aufbringen müss- te, unter anderem zum Beispiel für die Nachforschung über die wirtschaftliche Situation des Kapitalnehmers oder für die Gestaltung des Darlehensvertrages, können Banken seine Ausgangslage aufgrund ihrer Größe und speziellen Kenntnisse auf dem Finanzmarkt deut- lich verbessern. Durch standardisierte Verträge bei Darlehen und dem Einlagengeschäft können die Durchschnittskosten der Vertragserstellung bei einer Bank gesenkt werden. Diese Art Effizienzvorteil, welcher aus der Größe eines Unternehmens entsteht, ist in der Wirtschaftswissenschaft als Skaleneffekt bekannt. Der parallel bestehende Verbundeffekt8 existiert bei der Bank in der Form einer besseren Möglichkeit zur Diversifikation. Die Bank kann die gesammelten Einlagen mehrerer privater Kapitalgeber an verschiedene Ka- pitalnehmer aufteilen und dabei nach unterschiedlichen Kriterien diversifizieren. Auf diese Weise vermindert sich das Risiko des einzelnen privaten Kapitalgebers. Durch seine Einla- ge bei der Bank beteiligt er sich am Gesamtportfolio des Kreditinstituts. Dadurch kann er zwar nicht mehr die Rendite erzielen, die er bei einer direkten Geschäftsbeziehung mit einem Kapitalnehmer hätte realisieren können, dafür trägt er allerdings auch nicht mehr das Risiko dessen etwaiger drohenden zukünftigen Zahlungsunfähigkeit, da er in diesem Fall ausschließlich mit der betreffenden Bank Vertragsbeziehungen unterhält.9

Da die Bank sowohl auf ihrer Aktivseite im Kreditgeschäft als auch auf ihrer Passivseite im Einlagengeschäft mit den unterschiedlichen Akteuren des Finanzmarktes in geschäftli- cher Beziehung steht, kann sie gewonnen Informationen auf der einen Seite auch für die andere Seite nutzen.10 Wickelt beispielsweise ein Unternehmen U seinen geschäftlichen Zahlungsverkehr bei Bank B ab und möchte bei dieser ebenfalls ein Darlehen beantragen, kann Bank B die gewonnen Informationen aus dem Zahlungsverkehr nutzen, um sich ein Urteil über die wirtschaftliche Situation beziehungsweise die Bonität von Unternehmen U zu bilden (Screening). Dies hat für beide Seiten, sowohl für Bank B als auch Unternehmen U, Vorteile. Bank B muss bei der Bonitätsprüfung keine Kosten für die Informationsbe- schaffung aufwenden und dem Unternehmen U bleibt es erspart, zusätzliche Unterlagen und Nachweise einzureichen, womit ihm hier ebenfalls keine weiteren Kosten anfallen. Dieser Sachverhalt würde sich anders darstellen, wenn das Unternehmen nicht bei Bank B sondern bei Bank C ein Darlehen beantragen würde, mit der es bis dato noch keinerlei Ge- schäftsbeziehungen unterhält. Die beidseitig vorteilhafte langfristige Beziehung zwischen Bank B und Unternehmen U wird in der Literatur auch als Hausbankbeziehung bezeich- net.11 Mit den zusätzlich gewonnen Informationen auf der Passivseite der Bank B lässt sich neben dem Screening auch das Monitoring des Unternehmens U besser und effizienter gestalten. Da Bank B den Zahlungsverkehr des Unternehmens abwickelt, kann Sie auf die- se Weise überprüfen, für welche Zwecke das Darlehen genutzt wird und wie sich dieser Verwendungszweck auf die wirtschaftliche Lage des Unternehmens auswirkt. Dadurch kann das Risiko von Moral Hazard12 minimiert werden. Die Hausbankbeziehung zwischen einem Unternehmen und seiner Bank bringt zusätzlich auch noch Vorteile für den privaten Kapitalgeber mit sich, der mit seiner Einlage am Gesamtportfolio der Bank beteiligt ist. Dies resultiert daraus, dass er sich nicht um die Überwachung seiner Einlage sorgen muss, welche als Darlehen dem Unternehmen zur Verfügung steht. Durch die Zwischenschaltung der Bank als Finanzintermediär hat er diese Aufgabe an die Bank abgetreten (Delegated Monitoring).13 Und selbst bei einem möglichen Kreditausfall ist seine Einlage bis zu einer bestimmten Höhe gesetzlich geschützt. So sind in Deutschland Einlagen eines Kapitalge- bers bis 100.000 Euro gesetzlich abgesichert.14 Bei vielen Banken sind sogar Einlagenga- rantien gegeben, welche die gesetzlichen Vorgaben um ein vielfaches übersteigen. Diese Ausführungen sollen an dieser Stelle genügen, um den Begriff und die Bedeutung von Banken für eine Volkswirtschaft zu veranschaulichen.15 Im Folgenden werden die beiden möglichen Systeme für das Auftreten von Banken innerhalb einer Volkswirtschaft vorgestellt: das Universalbanken- und das Trennbankensystem.

2.2.Die Bankensysteme

Das Bankensystem einer Volkswirtschaft gliedert sich in der ersten Ebene zunächst in das Zentralbankensystem und das Geschäftsbankensystem.16 Die Zentralbank eines Landes verfolgt in der Regel per Gesetz definierte gesamtwirtschaftliche Ziele, wie zum Beispiel in erster Linie die Geldwertstabilität und das wirtschaftliche Wachstum.17 So ist beispiels- weise die deutsche Bundesbank per Gesetz „dem vorrangigen Ziel der Sicherung der Preis- stabilität verpflichtet“.18 Die Geschäftsbanken streben dagegen zumeist die typischen ein- zelwirtschaftlichen Ziele eines Unternehmens an, wie etwa einen maximalen Gewinn oder eine größtmögliche Rentabilität.19 Diese einzelwirtschaftliche Zielsetzung resultiert insbe- sondere aus der Wettbewerbssituation, in der die Geschäftsbanken in der Regel zueinander stehen. Das Geschäftsbankensystem einer Volkswirtschaft lässt sich weiterhin in einer zweiten Ebene je nach Umfang der angebotenen Bankdienstleistungen oder nach dem Grad der Spezialisierung in Universal- oder Trennbanken unterteilen.

Bei einer weiten Auslegung des Begriffs Universalbank ist ein Kreditinstitut dann als Uni- versalbank zu betrachten, wenn Sie sämtliche Bankdienstleistungen an alle Kundengrup- pen anbietet.20 Da diese Definition in der Praxis zu Differenzierungsproblemen führen kann, hat sich in der Literatur eine engere Auslegung des Universalbankbegriffs durchge- setzt. Hier wird davon ausgegangen, dass eine Bank dann als Universalbank zu klassifizie- ren ist, wenn sie die als wesentlich erachteten Bankgeschäfte, wie das Einlagen- und das Kreditgeschäft sowie das Wertpapiergeschäft simultan betreibt.21 Länder, bei denen das Universalbankensystem als dominante Bankenform gesehen wird, finden sich in erster Linie in Kontinentaleuropa. So werden im späteren Verlauf dieser Arbeit in der empirischen Analyse die Banksysteme Deutschlandes, der Schweiz und Frankreichs als Beispiel für das Universalbankensystem herangezogen.

Eine Trennbank liegt bei weiter Auslegung des Begriffs dann vor, wenn sich eine Bank auf bestimmte Bankprodukte oder eine festgelegte Kundengruppe spezialisiert hat.22 Demnach werden beispielsweise Bausparkassen oder Direktbanken als Trennbanken identifiziert. Für die Praxis wird in der Literatur eine Bank genau dann als Trennbank angesehen, wenn sie das Einlagen- und Kreditgeschäft ohne das Wertpapiergeschäft (in angelsächsischen Trennbankensystemen als Commercial Bank bezeichnet), oder umgekehrt das Wertpapier- geschäft ohne das Einlagen- und Kreditgeschäft (in angelsächsischen Trennbankensyste- men als Investment Bank bezeichnet) betreibt.23 Als Beispiel für Trennbankensysteme werden in der empirischen Analyse dieser Arbeit die Bankensysteme der U.S.A., Großbri- tanniens und Japans betrachtet.

2.3.Die Diskussion

Die Frage, welches der beiden Bankensysteme das bessere darstellt, wird in der Literatur wie auch in der öffentlichen Wahrnehmung unter verschiedenen Gesichtspunkten kontrovers diskutiert. Um einen Einstieg in die aktuelle Debatte zu leisten, werden im Folgenden die wichtigsten und häufigsten Argumente gegenübergestellt.

Die Informationen, die eine Universalbank bei der Bonitätsprüfung eines Schuldners ge- winnt, können zu späterem Zeitpunkt als kostenloser Inputfaktor bei dem Vertrieb anderer Bankprodukte genutzt werden. Es entstehen also, wie bereits beschrieben, sowohl für die Universalbank als auch für den Schuldner Vorteile aus einer dauerhaften Hausbankbezie- hung.24 Eine dauerhafte Geschäftsbeziehung zwischen Bank und Kunden wird bei einer Universalbank vor allem durch ihre Größe und ihre breite Angebotspalette begünstigt. Im Gegensatz zu mehreren Geschäftsbeziehungen mit unterschiedlichen Trennbanken kann der Kunde bei einer Universalbank Such- und Informationskosten sparen.25 Falls der Kun- de einer Universalbank daraufhin auch mehrere ihrer Produkte nutzt, gewinnt diese einen noch umfassenderen Einblick in die Finanzlage des Kunden, was eine bedarfsorientierte Betreuung im Hinblick auf mögliche Cross-Selling-Ansätze ermöglicht und ihr Haftungsri- siko durch eine vollständige und inhaltlich korrekte Kundenberatung minimiert.26 Wie schon erwähnt, umfasst das Portfolio einer Universalbank nicht nur die Kredite an Kunden aus einer Region oder Branche, sondern ist bedeutend breiter gestreut, wodurch das Kre- ditausfallrisiko, als Ganzes betrachtet, minimiert wird. Durch die Tätigkeit auf mehreren Geschäftsfeldern, neben dem Kreditgeschäft, kann sich eine Universalbank auch von der Abhängigkeit nur eines Geschäftsfeldes lösen und infolgedessen ihr Ertragsrisiko minimie- ren. Diesbezüglich kann bei der Betrachtung des Diversifikationseffektes einer Universal- bank gezeigt werden, dass die Gewinne aus dem Kapital- und dem Wertpapiergeschäft gegenläufig schwanken27 (vgl. Abbildung 1).

In konjunkturellen Hochphasen wollen viele Unternehmen investieren und nehmen zu diesem Zweck Kredite auf. Im Kreditgeschäft erwirtschaften die Banken dann hohe Erlöse, welche aufgrund der guten gesamtwirtschaftlichen Lage auch kaum durch Kreditausfälle getrübt werden. In Phasen der Rezession gehen dagegen die Investitionen der Unterneh- men zurück, die Erlöse im Kreditgeschäft der Bank schrumpfen und durch die angespannte wirtschaftliche Situation bei den Unternehmen sind vermehrt Kreditausfälle zu verzeich- nen. Dagegen erreichen die Gewinne im Wertpapiergeschäft vor einer Hochkonjunktur ihren Höhepunkt, da Kapitalmärkte einen Aufschwung in der Realwirtschaft im Vorfeld antizipieren. In der Phase der Hochkonjunktur selbst sind die Erlöse im Wertpapiergeschäft dagegen nur gering, da die Anleger bereits den gesamtwirtschaftlichen Abschwung be- fürchten und ihr Kapital von den Märkten abziehen, um ihre erzielten Gewinne vorher noch zu realisieren. Daher kann unter diesen idealtypischen Annahmen der kombinierte Gewinn der Bank aus der Betreibung beider Geschäftsfelder konstant gehalten werden.28

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Der Diversifikationseffekt einer Universalbank

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Süchting / Paul (1998), S.658.

Ein weiterer Vorteil, den Universalbanken gegenüber Trennbanken haben, ist die Möglich- keit der Ausgleichspreisstellung.29 Damit ist gemeint, dass bestimmte Einstiegsprodukte für Neukunden, klassischerweise etwa Girokonten, als Ausgleichsnehmer subventioniert und unter den Selbstkosten der Bank angeboten werden. Finanziert wird diese Subventio- nierung durch erhöhte Margen auf Ausgleichsgeber. Zu solchen zählen typischerweise Produkte, die in großer Mehrheit von langjährigen Bestandskunden nachgefragt werden, zum Beispiel Versicherungs- oder Altersvorsorgeprodukte. Durch diesen zusätzlichen Preissetzungsspielraum erhöht sich die Wettbewerbsfähigkeit von Universalbanken.30

Da Bankdienstleistungen nicht auf Lager produziert werden können, sind Banken darauf angewiesen, ständig eine ausreichende Infrastruktur aufrecht zu erhalten, um eine perma- nente Versorgung der Kunden mit ihren Produkten zu gewährleisten. Zur besagten Infra- struktur gehören unter anderem ein Filialnetz, eine aktuelle Informations- und Kommuni- kationstechnologie und konsequenterweise auch die hierzu erforderlichen Mitarbeiter, was für die Bank mit hohen Fixkosten verbunden ist.31 Aufgrund ihrer vielfältigen Geschäfts- felder können Universalbanken mithilfe eines internen Beschäftigungsausgleiches ihre Kapazitäten zur Bereitstellung der Infrastruktur gleichmäßiger auslasten als Trennban- ken.32 Beispielsweise kann sie in ihren Filialen zusätzlich zum normalen Tagesgeschäft auch Altersvorsorgeprodukte mit anbieten. Eine auf Altersvorsorgeprodukte spezialisierte Trennbank kann dagegen ausschließlich solche Produkte anbieten. Die Trennbank muss also die gleichen Fixkosten der Filiale nur mit ihrem spezialisierten Geschäftsfeld oder ihrer vornehmlichen Kundengruppe decken. Im Endeffekt hat die Universalbank folglich geringere Selbstkosten bei der Bereitstellung der Infrastruktur als eine Trennbank, was aus volkswirtschaftlicher Perspektive einen Effizienzvorteil darstellt.33 Die vielfältigen Ge- schäftsfelder einer Universalbank können ihr aber auch zum Nachteil ausgelegt werden. Durch die vielen verschiedenen Geschäftsfelder und die daraus resultierende unternehme- rische Größe wird eine etwaige Überwachung durch eine übergeordnete Instanz erschwert.

Aufgrund ihrer Größe entsteht bei Universalbanken oftmals ein signifikantes Risiko für das gesamte Finanzsystem einer Volkswirtschaft. Durch die komplexen Verflechtungen auf den Kapitalmärkten mit großen Unternehmen, anderen Banken oder gar ganzen Staaten kann sich die Insolvenz einer Großbank sehr schnell auch für die gesamte Volkswirtschaft als ernsthaft bedrohlich erweisen. Da man aufgrund der asymmetrischen Informationsver- teilung zugunsten der Großbank davon ausgehen kann, dass diese regelmäßig ihre Bedeu- tung für das gesamte Finanzsystem am besten einschätzen können, entsteht für die Bank ein Anreiz zu Moral Hazard.34 Aufgrund ihres „Too-big-to-fail“-Status kann sie unverhält- nismäßig große Risiken eingehen, da sie mögliche Verluste unter Berufung auf ihre syste- mische Bedeutung verstaatlichen, Gewinne hingegen privatisieren kann. Strittig ist des Weiteren die Frage, ob die komplexen Verflechtungen von großen Universalbanken zu Interessenkonflikten mit ihren Kunden führen.35 Angenommen, eine Universalbank ist als Hausbank für Unternehmen 1 in der Form des Darlehensgläubigers tätig, an Unternehmen 2 ist sie über ihren Eigenhandel direkt beteiligt und bei Unternehmen 3 ist sie für mehrere Depotkunden als Finanzintermediär aktiv und nimmt deren Stimmrechte bei der Hauptver- sammlung war. Dieses Szenario wird umso komplizierter, falls die drei betrachteten Un- ternehmen zusätzlich noch in direkter Konkurrenzsituation zueinander im Wettbewerb stehen. Bei ihren verschiedenen Geschäftsbeziehungen zu den drei Unternehmen bekommt die Bank detaillierte Einblicke in deren Geschäfte und wirtschaftliche Situation. Diese ge- wonnenen Informationen könnte die Bank leicht nutzen, um in die strategische Planung der drei Wettbewerber einzugreifen. So etwa, indem sie interne Betriebsinformationen von Unternehmen 2 und 3 dazu nutzt, um Unternehmen 1 Wettbewerbsvorteile zu verschaffen und den ihm gewährten Kredit nachhaltig abzusichern. Süchting und Paul weisen diesbe- züglich darauf hin, dass die vielfältigen Geschäftsbeziehungen einer Universalbank nur dann von Nachteil sind, wenn etwaig gewonnene Insider-Informationen auch tatsächlich missbräuchlich verwendet würden.36 In diesem Zusammenhang gibt Hahn außerdem zu bedenken, dass die rational handelnde Bank einen langfristigen Vertrauensschaden mit dem einhergehenden und nahezu irreparablen Reputationsverlust mehr fürchtet, als sie dies für einen kurzfristigen Gewinnnutzen, durch einen Missbrauch von vertraulichen Informa- tionen, zu gefährden bereit wäre. Überdies können Interessenkonflikte dieser Art auch bei den vergleichsweise einfachen Geschäftsstrukturen einer Trennbank auftreten, sofern kon- kurrierende Unternehmen zur gleichen Zeit bei ihr Kunde sind.37 Auch die gerade noch für gut befundene Möglichkeit zur Ausgleichspreisstellung kann, aus einem anderen Blick- winkel betrachtet, gegen eine Universalbank sprechen. Aufgrund der geringen Orientie- rung an den Kosten der Leistungserstellung kann es an dieser Stelle zu einer Irrführung der Kunden kommen. So werden die Kunden einer Universalbank anstelle auf Produkte, die zum Beispiel mit Hilfe von Entwicklungssprüngen in der Informations- und Kommunika- tionstechnologie besonders günstig bei einer spezialisierten Trennbank angeboten werden können, auf Ausgleichsnehmerprodukte der Universalbank gelenkt, welche unter den Selbstkosten angeboten werden können. Gesamtwirtschaftlich betrachtet entsteht dadurch ein Effizienzverlust, da die eigentlich kostengünstigere Produktionsweise der Trennbank langfristig aus dem Markt gedrängt werden kann.38 Rehm sieht der Zukunft von Universal- banken generell skeptisch entgegen, da er glaubt, dass diese ihrem Auftrag, die gesamte Bankproduktpalette an alle Kundengruppen anzubieten, in Zukunft kaum noch gerecht werden können. Die immer weiter steigende Anzahl an Spezialisten für Produkte, Vertrieb und Abwicklung wird für Universalbanken eine notwendige Arbeitsteilung nach sich zie- hen, um weiterhin neue Kunden und Produkte zu erschließen und im Wettbewerb zu beste- hen.39 Andererseits ist in den letzten Jahren auf internationaler Ebene zu beobachten, dass der Trend zunehmend in Richtung der Universalbanken geht. Vor allem Firmenkunden verlangen immer komplexere finanzwirtschaftliche Problemlösungen, die am effektivsten von solchen Instituten angeboten werden können, die in der Lage sind, ihren Kunden die komplette Palette von Finanzdienstleistungen anzubieten.40

Im Vergleich zu den meistens deutlich größeren Universalbanken bleiben Trennbanken aufgrund ihrer Spezialisierung in der Regel überschaubar und weisen einfachere Ge- schäftsstrukturen auf, was sie für übergeordnete Instanzen besser kontrollierbar und einfa- cher zu überwachen macht. Als weiterer Vorteil von Trennbanken gilt der besonders hohe Nutzen, den Sie aufgrund ihrer Spezialisierung den Kunden in ihrem Geschäftsfeld bieten können. So können sie sich, im Gegensatz zu Universalbanken, auf eine Marktnische spe- zialisieren und hier besonderes Knowhow aufbauen, welches sie mit den entsprechend ausgebildeten Fachkräften in Form von individuell zugeschnittenen Problemlösungen an den Kunden weitergeben können.41 Ihre Spezialisierung ermöglicht den Trennbanken eine kostengünstige Massenfertigung ihrer Bankdienstleistung. Ein ähnliches Kostenniveau können Universalbanken erst ab einer bestimmten Größe erreichen. Die Kostenvorteile in der Produktion der spezialisierten Bankdienstleistung sind aus gesamtwirtschaftlicher Per- spektive wiederum mit Effizienzgewinnen verbunden.42 Güde weist indessen darauf hin, dass dies nicht zwangsläufig einen exklusiven Vorteil von Trennbanken darstellt. Auch Universalbanken müssen in den besagten Marktnischen ein vergleichbares Spezialwissen vorhalten, um in einem von zunehmender Disintermediation geprägten Wettbewerb beste- hen zu können.43 Unter dem sogenannten Disintermediationseffekt, beziehungsweise der Disintermediationshypothese, versteht man in der Finanzbranche, dass immer mehr spezia- lisierte Anbieter an den Finanzmärkten auftreten, die den Kunden unter anderem einen direkten Zugang am Kapitalmarkt ermöglichen und somit die klassische Bankfunktion des Finanzintermediäres untergraben.44 Das gerade in heutigen Zeiten bedeutsamste Argument für die Trennbanken, ist ein im Vergleich zu den Universalbanken hohes Maß an Krisensi- cherheit. So kann man zumindest in der Theorie davon ausgehen, dass Trennbanken auf- grund ihrer vergleichsweise einfachen Geschäftsstruktur in geringerem Ausmaß in der weltweiten Finanzwelt vernetzt sind als Universalbanken. Demzufolge wird angenommen, dass auch das Risiko für das gesamte Finanzsystem einer Volkswirtschaft, ausgehend von einer Pleite einer spezialisierten Trennbank, deutlich geringer ist als bei einer großen Uni- versalbank.45 In Bezug auf ihre eigene Stabilität kann eine Trennbank indes auch gerade ihre Spezialisierung zum Verhängnis werden, da sie in großem Maße vom Vertrieb ihrer speziellen Bankdienstleistung oder dem wirtschaftlichen Erfolg eines bestimmten Kunden- segments abhängig ist. Folglich können Universalbanken für sich genommen als wirt- schaftlich stabiler angesehen werden, da sie aufgrund ihrer Vielseitigkeit Risiken besser diversifizieren können und demzufolge eine stabilere Ertragslage als Trennbanken aufwei- sen46. Die schon angesprochene Infrastruktur, die Banken dauerhaft bereitstellen müssen, um ihre Dienstleistungen vertreiben zu können, kann bei Trennbanken nicht effizient ge- nutzt werden. Da sie nur ihr spezialisiertes Geschäftsfeld bearbeiten, können sie in ihren Filialen auch nur diese Art an Bankprodukten anbieten. Universalbanken haben dagegen aufgrund ihrer Vielseitigkeit ein breiteres Produktangebot, womit sie ihre Filialen besser und vor allem kostengünstiger nutzen können.47

Die dargestellten Argumente sollen an dieser Stelle nur einen kurzen Einblick in die Diskussion geben. Es wird deutlich, dass die Frage, ob ein Universal- oder ein Trennbankensystem für eine Volkswirtschaft das Beste sei, sehr lebhaft und kontrovers debattiert wird und dies sowohl in der Öffentlichkeit, in der Wissenschaft und der Bankpraxis selbst geschieht. Zum Zweck der Übersichtlichkeit sind die wichtigsten Argumente noch einmal in Abbildung 2 in ihren Grundzügen zusammengefasst.

Abbildung 2: Zusammenfassung der Argumentation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Bei einem wissenschaftlichen Vergleich zwischen Universal- und Trennbankensystem müssen zwei Fragen im Vordergrund stehen: zum einen sind die Leistungsfähigkeit der beiden Bankensysteme anhand der Funktionen zu messen, die die Banken für die gesamte Volkswirtschaft zu erfüllen haben (makroökonomische Perspektive)48 und zum anderen gilt es die Vorteilhaftigkeit in Bezug auf einzelwirtschaftliche Kriterien nicht außer Acht zu lassen (mikroökonomische Perspektive).49 Dabei kommt es in erster Linie darauf an, geeignete Kennzahlen und analytische Instrumente zu finden, mit denen die beiden Ban- kensysteme empirisch evident miteinander verglichen werden können. Um diesem An- spruch Rechnung zu tragen, werden im weiteren Verlauf der vorliegenden Arbeit drei un- terschiedliche Kriterien im Detail betrachtet. Im Einzelnen sind dies die gesamtwirtschaft- liche Effizienz, die einzelwirtschaftliche Profitabilität und die Implikationen für die Sys- temstabilität.

3.Effizienz von Bankensystemen

3.1.Diskussion

Um die gesamtwirtschaftliche Effizienz eines Bankensystems beurteilen zu können, gilt es zunächst einmal zu klären, was genau die gesamtwirtschaftlichen Aufgaben und Funktio- nen eines Bankensystems sind und nach welchen Kriterien man deren Erfüllung beurteilen kann. Die gesamtwirtschaftliche Effizienz eines Bankensystems misst sich zum einen an seiner Fähigkeit, zwischen den Finanzakteuren Fristen, Risiken und Losgrößen zu trans- formieren und zum anderen daran, die Folgen asymmetrischer Informationsverteilungen abzumildern.50 Dieser sogenannte Informationsökonomische Ansatz als volkswirtschaftli- che Begründung für die Existenz von Banken geht darauf zurück, dass zurückgehaltene Informationen oder versteckte Aktionen eines Marktteilnehmers zu Moral Hazard oder Adverser Selektion führen können. Dies könnte unter anderem nach sich ziehen, dass be- stimmte Marktteilnehmer, deren Geschäftserfolg nur unter großer Unsicherheit prognosti- ziert werden kann, erst gar kein Kapital zur Verfügung gestellt bekommen. Die Kosten, dieser Problematik zu begegnen, beispielsweise durch ein effektives Monitoring oder die standardisierte Ausgestaltung von speziellen Verträgen, können durch Banken signifikant verringert werden.51 Ein weiterer Grund für die Existenz von Banken aus volkswirtschaft- licher Perspektive findet sich im Transaktionskostenansatz.52 Die Idee dahinter ist, dass eine Geschäftsbeziehung zwischen Gläubiger und Schuldner auf dem Finanzmarkt mit geringeren Kosten verbunden ist, wenn eine Bank als Finanzintermediär zwischengeschal- tet ist. Begründet wird dies mit der Möglichkeit von sinkenden Stückkosten bei einer gro- ßen Produktionsmenge (Skaleneffekte), etwa in Form der oben beschriebenen standardi- sierten Verträge, wobei dies unter der Annahme eines idealtypischen, U-förmigen Verlaufs der Stückkostenkurve gilt, wie auch mit möglichen Verbundeffekten, zum Beispiel bei Universalbanken in Form einer effizienten Ausnutzung der Infrastruktur durch ein vielfäl- tiges Produktangebot.

In der Diskussion bezüglich der Vorteilhaftigkeit verschiedener Bankensysteme wird ande- rerseits auch schon seit längerer Zeit dahingehend argumentiert, dass einige gesamtwirt- schaftliche Bankfunktionen aufgrund der jüngsten Entwicklungen in der Finanzbranche untergraben werden. So kann etwa die zentrale gesamtwirtschaftliche Bankfunktion als Kreditgeber und Risikotransformator durch die Möglichkeit zur direkten Finanzierung am Kapitalmarkt nahezu vollständig ersetzt werden.53 Des Weiteren wird die Risikobewertung an den Finanzmärkten mehr und mehr durch Ratingagenturen übernommen, an deren Funktionsfähigkeit aber nicht erst seit der jüngsten Finanzkrise vermehrt Zweifel aufge- kommen sind. Kritisiert wird hier vor allem die für Außenstehende unklare Methodik des Ratingverfahrens wie auch die wirtschaftliche Abhängigkeit von wichtigen Auftraggebern. Auch die Oligopolstellung der drei den Markt dominierenden Agenturen (Moody´s, Stan- dard & Poor´s und Fitch) wird ebenso kritisch gesehen, wie die ungeklärte Frage nach der Haftung für die Konsequenzen aus fehlerhaften Einschätzungen.54 Ebenso gefährdet ist die Funktion der Fristentransformation aufgrund der Bilanzvorgaben des International Finan- cial Reporting Standards (IFRS). Die Problematik hierbei ist, dass auch nicht handelbare Positionen in der Bilanz mit aktuellen Marktwerten angesetzt werden müssen.55 Viele Banken reagieren darauf, indem sie die durchschnittliche Laufzeit ihrer Forderungen (Du- ration) verkürzen, um die sonst erforderlichen marktbasierten Neubewertungen zu umge- hen.56 Auch die europäische Zentralbank (EZB) stellt in diesem Zusammenhang fest, dass der Anreiz zur Fristentransformation deutlich abhängiger von kurzfristigen Kapitalmarkt- bedingungen wird.57

[...]


1 Aufgrund der Datenverfügbarkeit werden hier nur die Großbanken betrachtet.

2 Für den japanischen Bankensektor liegen die Mitarbeiterzahlen nur bis 2003 vor.

3 Die verwendeten Wechselkurse sind mit Quellenangabe im Anhang abgebildet.

4 Vgl. §1 Absatz 1 KWG (Gesetz über das Kreditwesen), Stand 1. Juli 2011.

5 In der Juristischen Sichtweise bildet die Bank eine Unterkategorie des Kreditinstitutes, für den weiteren Verlauf dieser Arbeit können die beiden Begriffe aus ökonomischer Sicht aber synonym verwendet werden.

6 Definition gemäß Büschgen (1993), S.17.

7 Vgl. Varmaz (2006), S.16.

8 Im Allgemeinen bezeichnen Verbundeffekte die Vorteile, die für ein Unternehmen aus der Betreibung ver- schiedener Geschäftsfelder (beispielsweise durch vertikale Integration eines Produktionsprozesses) entste- hen.

9 Für eine detaillierte Ausführung von Skalen- und Verbundeffekten bei Banken vgl. Gischer et al.(2005), S.71f.

10 Vgl. Gischer et al.(2005), S.72.

11 Vgl. Gischer et al.(2005), S.73.

12 Moral Hazard bezeichnet in der Wirtschaftswissenschaft die Verhaltensänderung eines Agenten gegen den Willen des Prinzipals, die durch die Versicherung gegen ein Risiko entsteht.

13 Vgl. Gischer et al.(2005), S.72.

14 Vgl. §4 Absatz 2 EAEG (Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz).

15 Detailliertere Ausführungen zur Volkswirtschaftlichen Funktion von Banken finden sich unter anderem bei Gischer et al.(2005), S.70-75 und Varmaz (2006), S.19-28.

16 Vgl. Grill / Perczynski (2000), S.40.

17 Vgl. Güde (2001), Sp.2067.

18 Vgl Art. 88 Grundgesetz.

19 Vgl. Güde (2001), Sp.2067.

20 Vgl. Hahn (1989), S.69.

21 Vgl. Büschgen (1998) (1), S.69.

22 Vgl. Priewasser (2001), S.19.

23 Vgl Güde (2001), Sp. 2068 und Büschgen (1998) (1), S.69.

24 Vgl. Gischer / Richter (2011), S.177 und Gischer et al. (2005), S.73.

25 Vgl. Güde (2001), Sp.2078.

26 Vgl. Hein (1993), S.231.

27 Zum Diversifikationseffekt vgl. Süchting / Paul (1998), S.658f.

28 Vgl. Süchting / Paul (1998), S.658f.

29 Vgl. Hein (1993), S.243-245.

30 Vgl. Güde (2001), Sp.2078.

31 Vgl. Büschgen (1998) (1), S.667.

32 Vgl. Hahn (1989), S.81.

33 Vgl. Becher (2005), S.4.

34 Vgl. Varmaz (2006), S.76.

35 Vgl. Süchting / Paul (1998), S.121.

36 Vgl. Süchting / Paul (1998), S.125-134.

37 Vgl. Hahn (1989), S.83f.

38 Vgl. Hein (1993), S.244.

39 Vgl. Rehm (2008) (1), S.150.

40 Vgl. Büschgen (1998) (2), S.50.

41 Vgl. Süchting / Paul (1998), S. 657.

42 Vgl. Hahn (1989), S.81.

43 Vgl. Güde (2001), Sp. 2077.

44 Für detailliertere Ausführungen zum Disintermediationseffekt in der Finanzbranche vgl. u.a. Süchting / Paul (1998), S.53ff.

45 Vgl. Varmaz (2006), S.76.

46 Vgl. hierzu auch die Ausführungen zum Diversifikationseffekt, S.6f. sowie Süchting / Paul (1998), S.657.

47 Vgl. Hahn (1989), S.82-85.

48 Vgl. Rehm(2008) (2), S.319.

49 Vgl. Büschgen (1998) (2), S.50.

50 Vgl. Rehm (2008) (2), S.319.

51 Vgl. Varmaz (2006), S.33.

52 Vgl. Süchting / Paul (1998), S.14f.

53 Vgl. Rehm (2008) (2), S.305.

54 Einen guten Überblick über die aktuelle Kritik an den Ratingagenturen liefern zum Beispiel Theilacker (2009), S.643f. und Gischer (2011), S.4.

55 Vgl. Gschrey (2008), S.382f.

56 Vgl. Rehm (2008) (2). S.307.

57 Vgl. EZB (2006), S.307.

Details

Seiten
83
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656361855
ISBN (Buch)
9783656362333
Dateigröße
873 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v208785
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Note
2,3
Schlagworte
universal- trennbankensystem eine analyse bezug effizienz profitabilität stabilität

Autor

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Titel: Universal- oder Trennbankensystem?