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Sozialer Wandel und "Work-Life-Balance" als Entwicklungsaufgabe für das Erwachsenenalter

Hausarbeit 2011 8 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Einleitung

Die fortschreitende Individualisierung unserer Gesellschaft gepaart mit der so genannten Biographiesierung des Handelns legen die Gestaltung und Gewichtung der Lebensbereiche Beruf und Familie zunehmend in den Verantwortungsbereich des Einzelnen. Diese Arbeit stellt die These auf, dass die Findung einer Work-Life-Balance aufgrund des sozialen Wandels zunehmend zu der entscheidenden Entwicklungsaufgabe im Erwachsenenalter wird. Nach einer kurzen Darstellung des sozialen Wandels im allgemeinen und dem Modell der Entwicklungsaufgaben von Havighurst werden im Hauptteil der Arbeit das Konzept der Work-Life-Balance, hilfreiche (Coping- (engl. Kompensation)) Strategien und Ressourcen sowie die Rolle sozialer Einflussfaktoren für ein Gelingen skizziert. Das Gelingen einer Work-Life-Balance ist rein subjektiv und kann auch in der Bilanzierung des eigenen Lebens, im Rückblick auf die Biographie, empfunden werden. Aufgrund der Kürze dieser Arbeit können keine Strategien für das hohe Erwachsenenalter thematisiert werden. Auf die Person R.J. Havighurst, den theoriehistorischen Hintergrund seines Modells, sowie vergleichbare, entwicklungspsychologische Ansätze konnte ebenfalls nicht weiter eingegangen werden.

Teil A Allgemeines

1. Sozialer Wandel und seine Bedeutung für Rollenanforderungen

Unsere Gesellschaft befindet sich inmitten eines intensiven sozialen Wandels, der als der Übergang zur Postmoderne beschrieben wird (Huinink & Knietzka, 2007). Dieser (Werte-) Wandel schlägt sich insbesondere in den Arbeitsanforderungen und Rollenerwartungen für die Individuen und in den veränderten Familienstrukturen nieder. So lässt sich gerade in der Familiensoziologie ein derart tiefgreifender Umbruch beobachten, dass vereinzelt bereits von einem „zweiten demographischen Übergang“ (einem vergleichbar weitreichenden demographischen Wandel wie dem so genannten „ersten demographischen Wandel“, der Umkehr der Alterspyramide) die Rede ist. (ebd.) Dieser schlägt sich in der Sozialisationsinstanz „Familie“ aus soziologischer Sicht insbesondere in der Differenzierung (Familien übernehmen als solche weniger Aufgaben, sie sind fast nur noch für die primäre Sozialisation der Kinder zuständig.), Desinstitutionalisierung (Familien verlieren als strukturgebende Institutionen an Bedeutung. Andere als eheliche Lebensformen gewinnen an gesellschaftlicher Anerkennung) und Individualisierung (Der Lebenslauf liegt zunehmend in der Hand des Individuums) nieder.(Huinink & Knietzka, 2007)

2. Einfluss auf herkömmliche Entwicklungstheorien

Da menschliche Entwicklung immer vor dem Hintergrund des individuellen sozialen Kontextes geschieht, verändert sich mit den veränderten gesellschaftlichen Anforderungen an das Individuum auch die Gewichtung der verschiedenen Lebensbereiche beim Menschen und somit die Relevanz bestimmter Faktoren für eine „erfolgreiche“ Entwicklung. In allen gängigen Theorien zur menschlichen Entwicklung im Laufe des Lebens spielen die Faktoren Familie, Beruf und Geschlecht eine große Rolle, deren Gewichtung variiert jedoch durchaus. Diese Arbeit hat das Entwicklungsaufgaben-Modells von Robert J. Havighurst zur Grundlage, in dem der Umgang mit Familie und Beruf im frühen und mittleren Erwachsenenalter die entscheidende Rolle spielt. (Havighurst in (Erban, WS 2008/09, S. 5) aus Oerter / Montada 1998.)

3. Havighursts Modell der Entwicklungsaufgaben

Havighurst definiert(1948/1971) in seinem Modell eine Entwicklungsaufgabe als „ […] eine Aufgabe, die sich in einer bestimmten Lebensperiode des Individuums stellt. Ihre erfolgreiche Bewältigung führt zu Glück und Erfolg, während Versagen das Individuum unglücklich macht, auf Ablehnung durch die Gesellschaft stößt und zu Schwierigkeiten bei der Bewältigung späterer Aufgaben führt.“ (Erban, WS 2008/09, S. 4) Die erwähnten Entwicklungsaufgaben ergeben sich maßgeblich aus einem relativ hohen gesellschaftlichen Konsens (z.B. darüber, wann „man“ aus dem Elternhaus ausziehen sollte), der den Zeitrahmen für eine erfolgreiche Entwicklung vorgibt (Wilkening, Freund, & Martin, 2009, S. 84). Das Individuum befindet sich in einem aktiven Anpassungsprozess, der gelingen oder scheitern kann(Köckeritz, 2004, S. 25) und auf absichtsvollen, individuellen Bemühungen basiert (Lerner (1982) in (Köckeritz, 2004), S. 24).

4. Die Rolle von Familie und Beruf im Erwachsenenalter

Im Erwachsenenalter fallen die entscheidenden Entwicklungsaufgaben fast ausschließlich in die Bereiche Familie und Beruf. (Wilkening, Freund, & Martin, 2009, S. 81). Im jungen Erwachsenenalter steht dabei zunächst der Aufbau dieser Lebensbereiche, die berufliche Karriere und die Gründung einer Familie im Vordergrund, während später die Konsolidierung des Erreichten in beiden Lebensbereichen wichtig ist, dass also die gewonnenen Strukturen angesichts altersbedingter Verluste stabilisiert werden. (ebd.)

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Details

Seiten
8
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656361640
Dateigröße
378 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v208622
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin
Note
1,7
Schlagworte
sozialer wandel work-life-balance entwicklungsaufgabe erwachsenenalter

Autor

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