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Technologietransfer von Bewässerungstechnologien als Teil der Lösung des Wasserproblems in den arabischen Golfstaaten

Diplomarbeit 2012 261 Seiten

VWL - Umweltökonomie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSV ERZEI CHNIS

1. EINLEITUNG
1.1 Problemstellung
1.2 Methodische Vorgehensweise
1.2.1 Theorie
1.2.2 Empirie

2. WASSERKNAPPHEIT IM NAHEN OSTEN
2.1 EINFÜHRUNG
2.2 Land und Klima
2.2.1 Aridität.
2.2.2 Dürre
2.2.3 Wüstenbildung (Desertifikation)
2.3 Bevölkerung
2.4 WASSERSEKTOR
2.4.1 Wasserressourcen
2.4.2 Zukunftsprognosen
2.4.3 Der Einsatz von Bewässerungstechniken

3. UMWELTTECHNOLOGIE UND WASSERWIRTSCHAFT
3.1 Technik
3.2 Kultur und Technik
3.3 Technologie
3.4 Umwelttechnologie
3.5 Wasserwirtschaft
3.6 Umwelttechnologie in der Wasserwirtschaft
3.7 Pflanzenbewässerung
3.7.1 Zweck der Bewässerung.
3.7.2 Kriterien für die Bewässerung
3.7.3 Bewässerungsverfahren
3.8 Integriertes Wasserressourcen-Management
3.9 Diffusion von Innovationen
3.9.1 Adoption und Diffusion
3.9.2 Widerstand gegen Innovationen

4. SYSTEMISCHE BETRACHTUNG DES TECHNOLOGIETRANSFERS
4.1 Die Systemtheorie
4.2 Rahmenbedingungen
4.2.1 Naturgesetze
4.2.3 Nationale Rahmenbedingungen:
4.2.4 Private Organisationsinteressen und -Strukturen
4.3 Stakeholder
4.3.1 Unternehmen
4.3.2 Staatliche Institutionen
4.3.3 Käufer
4.3.4 Mittelspersonen
4.3.5 Dachgesellschaften
4.4 Die Rolle des Staates
4.4.1 Beispiele aus Österreich als Technologie-Export-Land
4.4.2 Beispiele aus der arabischen Halbinsel als Technologie-Import-Länder

5. ZUSAMMENFASSUNG DER LITERATUR

6. METHODIK
6.1 Einführung
6.2 Delphi-Methode
6.3 Qualitative Befragung

7. FELDFORSCHUNG
7.1 Einleitung
7.2 Auswahl der Befragten
7.3 Fragebogen
7.3.1 Gesprächseinstieg
7.3.2 Hauptgespräch:
7.4 Durchführung der Befragungsrunde 1
7.5 Durchführung der Befragungsrunde 2

8. BEWERTUNG
8.1 AUSWERTUNG DER BEFRAGUNGSRUNDE 1
8.2 AUSWERTUNG DER BEFRAGUNGSRUNDE 2
8.3 Ergebnisse der empirie
8.3.1 Markt.
8.3.2 Technologie
8.3.3 Kulturelle und soziale Aspekte
8.3.4 Regulierung
8.3.5 Zusätzliche Aussagen

9. CONCLUSIO ?????
9.1 Zusammenfassung
9.2 Fazit und Ausblick

10. ANHANG
10.1 INTERVIEWS DER ERSTEN BEFRAGUNGSRUNDE
10.2 INTERVIEWS DER ZWEITEN BEFRAGUNGSRUNDE

Danksagung

An dieser Stelle möchte ich mich bei meinem Diplomarbeitsbetreuer Dr. Christian Rammel für die vielen Anregungen und Ideen bedanken. Durch seinen Beitrag wurde aus meiner ursprünglichen, wagen Idee eine wissenschaftliche Arbeit

Ebenfalls gilt mein Dank den Interviewpartnern, die ihre Zeit für meine Arbeit geopfert haben. Ohne ihr Expertenwissen hätte die Arbeit nicht dieses Niveau erreicht. Außerdem hoffe ich, dass sie weiterhin sich für die Lösung der Wasserknappheit im arabischen Raum einsetzen.

Letztendlich bedanke ich mich bei meiner Familie und bei meinen Freunden für die vielen nützlichen Dialoge, die für die Arbeit sehr bereichernd waren und für das Korrekturlesen

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Gesamtwassermenge in der Hydrosphäre

Abbildung 2: Die arabischen Staaten

Abbildung 3: Hydrologische Gebiete des Nahen Ostens

Abbildung 4: Grenzüberschreitende Aquifer-Systeme

Abbildung 5: Klimadiagramm von Dubai

Abbildung 6: sinkende durchschnittliche jährliche Wachstumsrate der Bevölkerung seit 1980

Abbildung 7: Bevölkerungsentwicklung in der arabischen Welt

Abbildung 8: Durchschnittliche jährliche Regenmenge in der arabischen Halbinsel

Abbildung 9: Prognose von Süßwasser-Verfügbarkeit in arabischen Staaten

Abbildung 10: Umweltkonflikte in Ostafrika und im Nahen Osten

Abbildung 11: Hofstede-Dimensionen: Vergleich zwischen Österreich, Deutschland und die arabische Welt

Abbildung 12: Zusammenhang zwischen Theorie, Technologie und Technik

Abbildung 13: Für Bewässerung ausgestattetes Land als Prozentsatz vom gesamten landwirtschaftlich nutzbaren Boden

Abbildung 14: Beckenbewässerung

Abbildung 15: Center-Pivot-Bewässerung

Abbildung 16: IWRM und die Beziehung zu den Unterbereichen

Abbildung 17: Der Fortschritt des IWRMs in der arabischen Welt

Abbildung 18: Diffusion von Innovationen nach Rogers

Abbildung 19: Adoptionstheoretisches Strukturmodell

Abbildung 20: Merkmale der Nachfrager

Abbildung 21: Übersicht der Innovationseigenschaften

Abbildung 22: Widerstand gegen Innovationen und seine Wirkungen

Abbildung 23: Rahmenbedingungen für den Technologietransfer

Abbildung 24: Pfade oder Verflechtungen zwischen den Akteuren im Technologietransferprozess (UNEP 2003, 5)

Abbildung 25: Dimensionen und Perspektiven der Technik

TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle 1: Gebiete (in 1000 ha) von bewässertem Ackerland

Tabelle 2: Klassifizierung der Klimate

Tabelle 3: Erneuerbare Wasserressourcen in arabischen Staaten

Tabelle 4: Regionale Trends im Bereich der Bewässerungstechniken

Tabelle 5: Eignung von Bewässerungsverfahren

Tabelle 6: nationale Rahmenbedingungen

Tabelle 7: Stakeholder im Technologietransferprozess

Tabelle 8: Ein Überblick über die wichtigsten umweltpolitischen Instrumente

Tabelle 9: Ideenaggregations-, Vorhersage-, und Konsens-Delphi sowie Delphi zur Ermittlung von Expertenmeinungen im Vergleich

Tabelle 10: Die kategorisierten Spezialfragen des Interviews

Tabelle 11: Kategorisierung der Aussagen - Markt

Tabelle 12: Kategorisierung der Aussagen - Technologie

Tabelle 13: Kategorisierung der Aussagen - Kulturelle und soziale Aspekte

Tabelle 14: Kategorisierung der Aussagen - Regulierung

Tabelle 15: Kategorisierung der Aussagen - zusätzliche Informationen/Projektablauf

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. EINLEITUNG

1.1 PROBLEMSTELLUNG

Im Nahen Osten herrscht ein arides bis semiarides Klima, somit gehört er zu den trockensten Gebieten der Erde. Am Ufer von Flüssen wie dem Euphrat oder dem Jordan konnten sich jedoch bereits vor Jahrtausenden ganze Zivilisationen entwickeln (Dietrich 1999). Auch die karge Wüstenlandschaft der arabischen Halbinsel konnte von umher ziehenden Nomaden bevölkert werden. Doch seit der Entdeckung von Ölvorkommen Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts steigt die Zahl der Einwohner rasant, was unweigerlich zu Problemen führt:

- Für die steigende Zahl der Bevölkerung sind nicht genug Trinkwasserressourcen vorhanden. Die meisten arabischen Staaten leiden an einem bedrohlichen Wassermangel, der mit weniger als 500 m3/Jahr definiert ist.
- Wasser wird nicht nur zum Trinken, sondern auch für die Hygiene, zum Anbauen von Nahrungsmittel, in der Tierhaltung uvm. benötigt. Daher ist die Gegend auch von Lebensmittelimporten abhängig.
- Der Großteil der Bevölkerung lebt in Ballungszentren und die Konzentration steigt stetig an. Das führt zu einer erhöhten Umweltbelastung des Lebensraumes und wirkt sich negativ auf die Organismen aus. Veraltete, undichte Wasserzuleitungsrohre sind bereits an die Leistungsgrenzen gelangt. Zudem sind nicht überall Wasserentsorgungssysteme vorhanden.

Weitere Probleme wie Dürreperioden, Wüstenbildung oder Versalzung kommen hinzu und werden in Kapitel 2 erklärt. Die reicheren arabischen Staaten versuchen diesen Mangel durch das Erhöhen der Süßwassermenge in Form von Entsalzung von Meereswasser auszugleichen. Allerdings könnte diese Vorgehensweise dem Meeres-Öko-System einen verheerenden Schaden zufügen. Außerdem werden Untergrundwasserressourcen viel stärker entnommen, als dass sie sich erholen könnten. Der Großteil der verbrauchten Wassermenge wird in der Landwirtschaft eingesetzt. In den letzten Jahren befassten sich einige Berichte von internationalen Organisationen mit der Problematik. Sie hoben hervor, dass die Situation in naher Zukunft prekär wäre, wenn die betroffenen Regierungen nicht Gegenmaßnahmen ergreifen würden. Da die Landwirtschaft in etwa vier Fünftel des Gesamtwasserbedarfs verbraucht, könnten in diesem Bereich Einsparungen (z. B. durch neuere wassersparende Technologien) einen viel größeren Effekt erzielen.

Innovative Bewässerungstechnologien sind vielfach am Weltmarkt vorhanden. Sie werden zum Teil auch von arabischen Staaten gekauft, allerdings kommt es vereinzelt zu Schwierigkeiten. Diese Schwierigkeiten sind beispielsweise regulativer, technischer, kultureller Natur, auf Grund von Defiziten in der Infrastruktur oder in der Bildung.

Das führt zu der Frage, wie der Technologietransfer im Bereich der Wasserwirtschaft zu den arabischen Ländern am besten funktionieren könnte? Da diese Frage jedoch für eine Diplomarbeit zu umfangreich wäre werden einige Eingrenzungen getroffen. Daraus resultiert folgende Forschungsfrage:

Welche Einflussfaktoren wirken sich auf den Technologietransfer von Bewässerungstechnologien zwischen Europa und den arabischen Golfstaaten aus?

Die Problematik ist sehr umfassend, weshalb es zusätzlicher Subfragen bedarf, um spezielle Kernpunkte im Detail zu analysieren:

- Welche Rolle nehmen der Staat und private Investoren im Hinblick auf die Implementierung und Diffusion von Umwelttechnologien ein?
- Sind technische Maßnahmen ausreichend um der Wasserknappheit entgegen zu wirken?
- Was könnte der Staat gegen die Wasserknappheit unternehmen?

Wie oben ersichtlich wurde eine räumliche Abgrenzung getroffen. Als Technologieanbieter sollen europäische Staaten betrachtet werden, wobei nach Möglichkeit Österreich in den Fokus zu rücken ist. Auf der Technologieabnehmer-Seite sollen speziell die arabischen

Golfstaaten Untersuchungsgegenstand sein, mit dem Fokus auf den Vereinigten Arabischen Emiraten. Da die Golfstaaten zu den reicheren Ländern der arabischen Welt gezählt werden, sind sie für die Untersuchung der Einflussfaktoren auf den Technologietransfer umso interessanter, denn hier sollten die Investitionskosten keine Importhürde darstellen. Da nicht genügend Daten über Österreich und die Vereinigten Arabischen Staaten vorhanden sind werden bei Bedarf Beispiele aus der EU oder den anderen arabischen Golfstaaten herangezogen.

1.2 METHODISCHE VORGEHENSWEISE

1.2.1 Theorie

Der theoretische Teil dieser Arbeit behandelt die Thematik der Wasserknappheit, den Technologietransfer und weitere angrenzende Themenbereiche. Auf Grund der systemischen Zusammenhänge unterschiedlicher Faktoren und die Komplexität des Technologietransfers ist ein Literaturstudium für diese Arbeit unabdingbar. Durch die Literaturrecherche soll

- Basiswissen über die Problematik zusammengetragen werden. Mit dem gesammelten Wissen können bereits Aussagen über die Einflussfaktoren getroffen werden. Vor allem aber ist die Rolle des Staates im Kampf gegen die Wasserknappheit und in weiterer Folge im Technologietransferprozess durch vorhandene Literatur gut dargestellt.
- Das notwendige Wissen zur Formulierung von Fragen, die dann zu einem Fragenkatalog zusammengefasst werden und im empirischen Teil der Arbeit zum Einsatz kommen.

Informationsquellen sind hauptsächlich Fachbücher, Fachzeitschriften, wissenschaftliche Artikel und qualifizierte Internetquellen.

1.2.2 Empirie

Zusätzlich zu den in der Literatur gefundenen Daten sollen durch Experteninterviews speziell die Einflussfaktoren auf den Technologietransfer untersucht werden. Dabei werden Experten aus unterschiedlichen Bereichen zu der Thematik befragt. Mittels eines teilstandardisierten Interview-Leitfaden werden unterschiedliche Aspekte des Technologietransfers diskutiert.

Die Experteninterviews werden anschließend mit einer qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet. Dabei werden die Aussagen der Experten zu Themenschwerpunkten zusammengefasst.

Sollten Experten gegensätzliche Aussagen zu einem Themenbereich tätigen, so sollen sie im Rahmen einer kleinen zweiten Befragungsrunde die Möglichkeit zu einer weiteren Stellungnahme erhalten. Dieses Vorgehen ist an die Delphi-Methode angelehnt, mit dem Unterschied, dass in dieser Arbeit keine gemeinsame Diskussionsrunde stattfindet.

2. WASSERKNAPPHEIT IM NAHEN OSTEN

Die Erde ist zu ca. 71% mit Wasser bedeckt. Zusätzlich gibt es unterhalb der verbleibenden 29% Festland viele unterirdische Wasserbecken. In der Hydrosphäre[1] befinden sich geschätzte 1386 Millionen km3 Wasser. Der Großteil davon ist allerdings Salzwasser und für den Menschen nicht als Trinkwasser nutzbar. Es sind lediglich 2,5% der Gesamtwassermenge für uns Menschen brauchbar. Jedoch ist nicht die gesamte Süßwassermenge zugänglich, denn davon ist ein großer Teil, nämlich 68,7%, in Form von Eis auf den Bergen oder auf dem Nord- und Südpol vorzufinden. Weitere 29,9% sind als Grundwasser unter der Erdoberfläche gelagert. Lediglich 0,26%, das entspricht ca. 90.090 km3 des Süßwassers wird als für den Menschen leicht zugänglich betrachtet und werden „erneuerbare Wasserressourcen“ genannt (www.unesco.org).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Gesamtwassermenge in der Hydrosphäre (www.unesco.org)

Die Population der arabischen Welt macht über 3% der Gesamtbevölkerung aus, besiedelt etwa 10% des Festlandes und besitzt jedoch nur 1,2% der erneuerbaren Wasserressourcen (AFED 2008, 65).

Im Vorfeld soll ein Überblick über die derzeitige Ausgangslage und Zukunftsprognosen im Nahen Osten gegeben werden. Dieser Teil der Arbeit hat den Zweck, das Verständnis der Handlungsnotwendigkeit im Wasser-Ressourcenmanagement zu erörtern.

Zur Vereinfachung wird in dieser Arbeit wird der Begriff „Süßwasser“ stellvertretend für alle Wasservorkommen (Brackwasser, Grundwasser, entsalztes Meerwasser, Oberflächenwasser, Brauchwasser), die direkt oder durch Weiterverarbeitung Trinkwasserqualität besitzen oder zumindest für das Gießen von Pflanzen geeignet sind, verwendet.

2.1 EINFÜHRUNG

Im Nahen Osten herrscht ein arides[2] bis semiarides Klima, weshalb er zu den trockensten Gebieten der Erde zählt. Der Mensch hat es im Laufe der Jahrtausende verstanden, die knappen Wasservorkommen zu nutzen, um in einem trockenen Gebiet zu überleben. Flüsse wie der Euphrat, der Jordan oder der Nil haben für die ersten großen Kulturen als Existenzgrundlage gegolten. Durch die, für die damalige Zeit, fortschrittlichen Bewässerungssysteme konnten Zivilisationen am Ufer dieser Flüsse entstehen. So sagte Herodot von Halikarnass vor ca. 2400 Jahren, Ägypten sei ein Geschenk des Nils (www.welt.de). Gleichzeitig ist das geschaffene Lebenssystem sehr sensibel. Es reagiert auf kleinste Veränderungen, wie etwa auf klimatische Veränderungen oder fehlerhafter Umgang mit landwirtschaftlich genutzten Böden und ist deshalb sehr anfällig und bedarf eines fürsorglichen Umgangs.

Die Problematik der Süßwasserknappheit hat sich im Laufe der Zeit in der Region wesentlich verschärft. Globale Veränderungen der Umwelt und der lokale Anstieg der Nachfrage nach Wasser führen zu einer besorgniserregenden Zukunftsprognose für die arabische Region.

2.2 LAND UND KLIMA

Mit „Nahen Osten" werden im normalen Sprachgebrauch die arabischen Länder Vorderasiens, Israel, manchmal auch Ägypten und die Türkei assoziiert. Die nachfolgende Abbildung zeigt die dazugehörigen Staaten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Die arabischen Staaten (Dorsch 2010)

Die arabische Welt erstreckt sich jedoch vom Atlantik im Westen bis hin zum Persischen Golf. Ihre Bevölkerung ist somit im größten Teil der Wüsten Nordafrikas und die Vorderasiens beheimatet.

Für diese Arbeit ist lediglich die Arabische Halbinsel Schwerpunkt der Untersuchung. Nicht zuletzt um ein Verständnis der Gesamtlage und Problematik zu erreichen, wird die Situation in der arabischen Welt, in der sich die arabische Halbinsel befindet, dennoch geschildert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Hydrologische Gebiete des Nahen Ostens (www.fao.org)

Wie aus Abbildung 3 erkennbar ist bezieht sich der Begriff „Arabische Halbinsel" (in Abbildung 3: Bereich Nr. 8 und 9) auf die Staaten Bahrain, Jemen, Kuwait, Oman, Katar, Saudi Arabien und die Vereinigten Arabischen Emiraten. Dieses Gebiet wird Untersuchungsgegenstand sein.

Das geografische Gebiet der arabischen Welt erstreckt sich auf über 13,8 Millionen km2. Davon sind 3,4% Ackerboden, 18,8% Weidenland und 10% Wälder. Das bedeutet, dass die landwirtschaftlich nutzbare Fläche knapp über 30% beträgt und der Rest arid ist. Die Anteile an fruchtbaren Böden sind in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich. In Syrien und dem Libanon beträgt der Anteil 30%, in Ägypten, Algerien und im Sudan sind es 3%, in Mauretanien, Oman und Saudi-Arabien sind es gar nur 0,5% (AFED 2008, 117).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Gebiete (in 1000 ha) von bewässertem Ackerland (I.F.), beregnetem Ackerland (R.F.), Weidenlandschaft (R.) und extrem arides Gebiet (D.) (Dregne und Chou 1992).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 zeigt Schätzungen über die Flächennutzung in einigen arabischen Staaten. Hierbei ist zu erwähnen, dass die oben dargestellten Zahlen einer ständigen Änderung unterliegen. Gründe dafür sind Landwiedergewinnungsprogramme, Management von Weideflächennutzung, Landumwidmungen und natürlich auch auf Grund von Desertifikation. Aus der Tabelle ist ersichtlich, dass ein Großteil der Gesamtfläche aus ariden Wüsten besteht. Anzumerken ist auch, dass Weideflächen einen großen Anteil an der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche ausmachen. Diese sind jedoch anfälliger für Desertifikation als Ackerböden (AFED 2008, 119).

Die Tabelle lässt zusätzlich erkennen, dass arabische Golfstaaten, verglichen mit den anderen Staaten in der Region, zu wenig jährlichen Niederschlag haben, um daraus Ackerböden mit Wasser zu bedienen. Die obige Tabelle wurde im Jahre 1992 erstellt und beruht auf älteren Schätzungen, nach denen die Bewässerung in den arabischen Golfstaaten kaum eine Rolle spielte. So betrug die Fläche des bewässerten Ackerbodens 772.0 ha.

Nach Schätzungen der FAO ist jedoch die Größe der bewässerten Böden in den Golfstaaten seit den siebziger Jahren rasant gestiegen. Demnach waren es in den siebziger Jahren ca.

700.0 ha, die bewässert wurden. Im Jahre 1990 betrug die Fläche geschätzte 2,100.100 ha und im Jahre 2009 wurde die Fläche auf 2,800.000 ha geschätzt. Das ergibt einen Anstieg an Bewässerung von landwirtschaftlich nutzbaren Flächen von 24,2% im Jahr 1970 auf knappe 50% im Jahr 2009. Diese Ausweitung der Nutzflächen ist nur durch exzessives Ausschöpfen von Grundwasserressourcen möglich. Im Jahr 2009 wurden 88,4% der gesamten bewässerten Fläche mit Grundwasser versorgt (www.fao.org).

Es besteht eine geringe Anzahl an Flussbecken: Die nennenswerten davon sind der Nil (in Ägypten und dem Sudan), Euphrat und Tigris (im Irak und Syrien), der Yarmuk (in Syrien und Jordanien) und weitere kleinere Flüsse in Algerien, Libanon, Marokko und Tunesien. Des Weiteren sind unterschiedliche Aquifer überall in der Region vorhanden (AFED 2008, 117).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Grenzüberschreitende Aquifer-Systeme (IGRAC 2009, 1)

Aquifer ist der englische Begriff für Grundwasserleiter oder Grubenwasser (latein, aqua, dt. Wasser; ferra, dt. tragend) und wird zunehmend im deutschsprachigen Raum verwendet. Die Grundwasserleiter füllen, unter Einfluss der Schwerkraft, zusammenhängende Hohlräume der Erdrinde aus. Die Filtration des in den Grund sinkenden Wassers hängt von der Porosität der Deckschichten und Wasserleiter ab (wasser-wissen.de).

Der riesige, mit fossilem Grundwasser gefüllte, Nubia Sandstein-Aquifer erstreckt sich über die Grenzen Ägyptens, des Chads, Lybiens und des Sudans im Nordosten Afrikas. Der Kalkstein-Aquifer, der sich in den Grenzen Algeriens, Mauretaniens, Marokkos und Tunesiens befindet ist genauso bedeutend wie der zuvor genannte. Weitere Aquifer sind auf der Arabischen Halbinsel zu finden. Diese Aquifer werden derzeit sehr stark ausgeschöpft und bilden in einigen arabischen Staaten, neben der Meeresentsalzung die einzige Süßwasserquelle (AFED 2008, 118).

Zusätzlich zu den kaum vorhandenen Wasserressourcen gilt die arabische Welt als eine der klimatisch heißesten Regionen der Welt. Klima laut der WMO bedeutet: „The ‘average weather1, or more rigorously, as the statistical description in terms of the mean and variability of relevant quantities over a period of time ranging from months to thousands or millions of years. These quantities are most often surface variables such as temperature, precipitation, and wind. Climate in a wider sense is the state, including a statistical description, of the climate system.” (www.wmo.int n.d.). Loiskandl et al. zitieren J. Blüthgen, der das Wort Klima in der geografischen Klimatologie wie folgt definiert: „Das geographische Klima ist die für einen Ort, eine Landschaft oder einen größeren Raum typische Zusammenfassung der erdnahen und die Erdoberfläche beeinflussenden atmosphärischen Zustände und Witterungsvorgänge während eines längeren Zeitraumes in charakteristischer Verteilung der häufigsten, mittleren und extremen Werte." (Loiskandl, Klik und Cepuder 2010, 24)

Wir können somit von einem trockenen geografischen Klima in der arabischen Region sprechen, weil die atmosphärischen Zustände dies bestätigen. „Bei der Sahara handelt es sich zum Beispiel um ein passatisches Trockengebiet. Da die Passate absteigenden Luftmassen entstammen, sind sie trocken und gelten somit als klassische Ursache der Aridität der Sahara." (Kulzer 2007, 13) Dieser Zustand ist ein Teil des natürlichen Kreislaufs, der nicht durch Menschen hervorgerufen wurde. Der Mensch ist jedoch verantwortlich für den heutzutage viel diskutierten Klimawandel, dessen Einfluss auch im arabischen Raum zunehmend spürbar wird.

Drei wesentliche negative Entwicklungen erleben derzeit die landwirtschaftlich nutzbaren Flächen in der bereits trockenen arabischen Region, nämlich die Aridität, wiederkehrende Dürreperioden und eine Desertifikation:

2.2.1 Aridität

Ist das „Verhältnis der potenziellen Verdunstung zum mittleren Niederschlag in einem Jahr oder in einzelnen Monaten" (Loiskandl, Klik und Cepuder 2010, 25) und ist das klimatische Maß für ein arides Klima. Es bezieht sich auf eine Verknappung von Wasserressourcen, die sich über viele Monate bis das ganze Jahr lang zieht. Im Gegensatz dazu ist ein humides Klima ein Feuchtklima, in dem die Niederschläge größer als die potenzielle Verdunstung sind. Die potenzielle Verdunstung wird auch Evapotranspiration genannt und bedeutet die Verdampfung[3] von Wasser aus der Grundoberfläche und aus der Tier- und Pflanzenwelt[4]. Für die Ermittlung der Aridität gibt es unterschiedliche Ansätze.

Grenze Humidität - Aridität:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Loiskandl et al. zitieren auch Lauer, der je nach Verhältnis von humiden zu ariden Monaten die Klimate unterteilt in:

- Humides Klima: 9,5 - 12 humide Monate/ 0 - 2,5 aride Monate
- Semihumides Klima: 7 - 9,5 humide/ 2,5 - 5 aride Monate
- Semiarides Klima: 2 - 7 humide/ 6 - 10 aride Monate
- Arides Klima: 0 - 2 humide/ 10 - 12 aride Monate (Loiskandl, Klik und Cepuder 2010, 25-35)

Die Niederschlagsmenge ist maßgebend für die Beurteilung, ob ein Gebiet arid ist oder nicht. Allerdings ist nicht nur die Niederschlagsmenge ausschlaggebend, sondern auch die Temperaturen in der Regenzeit. Hohe Temperaturen sind verantwortlich für eine hohe Evapotranspiration und damit ist auch die Effektivität des Regens niedriger als bei kühlen Temperaturen. Im AFED-Bericht vom Jahre 2008 wird die von der UNEP in „Atlas of Disertification“ (1992) angeführten Formel für den Ariditätsindex erwähnt. Diese lautet: (AFED 2008, 96)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Klassifizierung der Klimate nach UNEP in „Atlas ofDesertification“ 1992 (AFED 2008, 96-97, UNEP 1992) [eigene Darstellung]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine Methode, um die Evapotranspiration zu ermitteln ist die sogenannte „remote sensing data". Durch unterschiedliche Aufnahmen - z.B. das Scannen der Erdoberfläche mittels TIR[5] - und entsprechende meteorologische Daten kann bereits Auskunft über Regenmenge, Bodenfeuchte, Seentiefe und vieles mehr gegeben werden (COURAULT, SEGUIN und OLIOSO 2005, 2); für weitere Informationen vgl. auch (Warner, Duane Nellis und Foody 2009).

Es kann grob gesagt werden, dass anhand von klimatischen Variablen (Jahresdurchschnittstemperatur, Niederschlagsmenge) Indizes errechnet werden (Ariditätsindex nach de Martonne, Strahlungsindex nach Budyko), mit denen die Aridität ermittelt wird oder sie wird anhand einer Verhältnisbildung von humiden zu ariden Perioden errechnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Klimadiagramm von Dubai (www.klimadiagramme.de kein Datum)

Als Beispiel für eine aride Region ist in der obigen Abbildung das Emirat Dubai (VAE) herangezogen worden. Abbildung 5 zeigt den Temperaturverlauf und Niederschlagsmenge innerhalb eines Jahres. In der Periode von Mai bis Oktober ist kaum ein Niederschlag zu verzeichnen, was in Verbindung mit den herrschenden hohen Temperaturen ein Überleben von Pflanzen beinahe unmöglich macht. Mit einer durchschnittlichen Regenmenge von 94mm/Jahr gehört die Region zu den ariden Gebieten der Erde.

2.2.2 Dürre

"bedeutet das Auftreten von unter dem Mittelwert bleibenden Niederschlägen in der Jahreszeit, in der normalerweise reichlich Niederschlag fällt. Der Begriff wird gewöhnlich verwendet mit Bezug auf die Jahreszeit des Wachstums von Pflanzen, die Nahrung für Menschen und ihre Haustiere liefern." (Strahler und Strahler 1999, 606) Der Mittelwert wird aus einer Serie von Mittelwerten der vergangenen Jahre ermittelt (= historischer Mittelwert).

Die Dürre zeichnet sich durch:

- Regenmenge ist weniger als der Mittelwert,
- Flusswassermenge ist weniger als der Mittelwert,
- Grundwasserressourcen sind erschöpft, aus (AFED 2008, 97).

Eine Dürreperiode kann kurz (ein Jahr lang) oder lang (mehrere aufeinander folgende Jahre) sein. Langanhaltende Dürreperioden sind besonders gefährlich, da sie alle Lebensformen betreffen. Sterben Pflanzen ab, so laufen Viehbestände und Wildtiere Gefahr zu verhungern, wenn sie nicht bereits durch Verdursten zu einem Ableben gekommen sind. Dies wiederum führt zu einer Expansion der Nahrungsmittelpreise. Für Menschen in ärmeren Ländern ist eine Dürreperiode meistens mit verheerenden Folgen verbunden.

Im Gegensatz zur Desertifikation, die hauptsächlich ein Resultat falscher Bodenbewirtschaftung ist und durch zielführende Maßnahmen gelindert werden kann, sind Dürreperioden ein natürliches Ereignis in ariden Gebieten und sind nicht kontrollierbar (AFED 2008, 127f).

2.2.3 Wüstenbildung (Desertifikation)

Laut UNCCD[6] ist die Wüstenbildung "not the natural expansion of existing deserts but the degradation of land in arid, semi-arid, and dry sub-humid areas. It is a gradual process of soil productivity loss and the thinning out of the vegetative cover. " (www.unccd.int) Dabei ist zu beachten, dass Desertifikation nicht notwendigerweise im Anschluss an einer bestehenden Wüste stattfinden muss. Sie kann in einem, von der nächsten Wüste weit entfernten, degradierten Gebiet entstehen. Jedoch können neu entstandene trockene Flecken expandieren, sich zusammenfügen und somit eine neue wüstenähnliche Beschaffenheit bilden. Dies wiederum wirkt sich durch den Verlust von Biodiversität und Beschleunigung der globalen Erwärmung negativ auf die Umwelt aus (UNCCD 1997). Als Ursache für Desertifikation nennt die UNCCD menschliche Handlungen und klimatische Schwankungen wie etwa anhaltende Dürre oder Flut. Alarmierend ist, dass durch Menschen falsch behandelte Oberflächenböden in wenigen Jahren weggespült oder -geweht werden (= Bodenerosion) und es Jahrhunderte dauert, bis sich der boden-fruchtbarkeitsfördernde organische Anteil (= Humus) erholt.

Eine falsche Nutzung des Bodens durch den Menschen könnte wie folgt aussehen:

i. Überbewirtschaftung (engl. Overcultivation) von landwirtschaftlich nutzbaren Böden: Der exzessive Anbau von Pflanzen ohne Erholungsphase schädigt die Bodenstruktur und senkt die Ergiebigkeit.
ii. Übergrasen von Weideflächen (engl. Overgrazing) kommt vor, wenn zu oft gegrast wird oder zu viele Tiere auf einer Fläche weiden. Die Pflanzenblätter werden somit kürzer und können deshalb weniger Licht aufnehmen. Das führt dazu, dass das Wachstum der Pflanzen verlangsamt wird. Die Pflanzen werden schwächer und ihre Wurzellänge schrumpft. Dadurch werden sie für Dürreperioden anfälliger (Rayburn 2000).
iii. Abholzung (engl. Deforestation) von Wäldern um andere Bäume anzupflanzen, deren Früchte ertragreich(er) sind, um Weideland zu gewinnen oder ähnliches. Auch hier sind der Verlust von Biodiversität, aber auch die Veränderung des Wasserhaushaltes signifikante Umweltprobleme, die bei der Abholzung entstehen. Bäume entziehen dem Boden Wasser und geben es in die Atmosphäre frei (= Transpiration; siehe weiter oben). Sind weniger Bäume vorhanden, bildet sich weniger Regen und das Klima wird trockener (Collins 2000).
iv. Ungeeignete Bewässerungsmethoden: Falsche Bewässerung könnte dazu führen, dass der Boden versalzt wird. Die Arten der Bewässerung werden im Kapitel 3.7 Pflanzenbewässerung ausführlich dargelegt.

Die exzessive Ausbeutung von Böden ist zumeist Resultat eines ökonomischen oder sozialen Drucks, Ignoranz oder von Kriegen. Mit „degradation of land" meint die UNCCD "a reduction or loss [...] of the biological or economic productivity and complexity of rainfed cropland, irrigated cropland, or range, pasture, forest and woodlands resulting from land uses or from a process or combination of processes, including processes arising from human activities and habitation patterns, such as: (1) soil erosion caused by wind and/or water; (2) deterioration of the physical, chemical and biological or economic properties of soil; and (3) long-term loss of natural vegetation (www.unccd.int).

Auf bewässerten Landflächen, sind die wichtigsten vom Menschen verursachten Landdegradierungsprobleme die Versalzung, gefolgt von Staunässe.

Die Versalzung ist von folgenden Faktoren abhängig:

I. Salzgehalt des Wassers, das zur Bewässerung verwendet wird: die gelösten Inhaltsstoffe erschweren die Wasseraufnahme der Pflanzen, weil sie einen osmotischen Druck erzeugen; Der Durchflussbeiwert vermindert sich durch das Na-Gehalt bzw. durch die Auswaschung von Calcium; Toxizität durch Cl-, B- oder Na-Gehalt (Klik 2011, 7).
II. Salzgehalt des Bodens: Der Salzgehalt des Wassers muss dem Salzgehalt des Bodens angepasst werden, um nicht den Boden noch mehr zu versalzen. Ursachen dafür sind ein stark salzhaltiges Ausgangsmaterial, Überflutung mit Meerwasser, Wind vom Meer und Evapotranspiration bei hohem Grundwasserspiegel (Klik 2011, 13)
III. Tiefe des Grundwasserspiegels: Bei einem hohen Grundwasserspiegel können Salze aus dem Grundwasser den Boden versalzen.
IV. Kapillarem Leitvermögen des Bodens (Klik 2011, 20).

Die Staunässe - verursacht durch nicht vorhandene oder schlecht betriebene Entwässerungssysteme - ist deshalb unerwünscht, weil sie die Durchlüftung des Bodens verhindert. Es entstehen anaerobe Zustände. Dadurch kommt es zu Reduktionserscheinungen und in weiterer Folge zu Versauerung des Bodens. Zusätzlich wird durch Staunässe die Bodenbearbeitung verschlechtert, weil die Oberflächenstruktur zerstört wird. Das Befahren wird erschwert bis unmöglich gemacht und durch das Befahren verdichtet sich der Boden. (Loiskandl, Klik und Cepuder 2010, 129)

Die Desertifikation von durch Regen bewässertem Ackerland hat ihre Ursache in der beschleunigten Wasser- und Winderosion, wobei die Wassererosion langfristig auf die Produktivität des Bodens viel schädigender wirkt. Die Erosion von Wasser kann sogar so weit gehen, dass die Bodenmasse bis zum Felsenuntergrund abgetragen wird (Dregne und Chou 1992).

Bei der Desertifikation von Weideflächen handelt es sich hauptsächlich um eine Degradierung der Vegetation. Die Hauptursache dafür liegt in der Überweidung. Aber auch das Sammeln von hölzernen Arten um als Futter, Kraftstoff, Baumaterial oder für die Kohleproduktion verwendet zu werden ist eine andere wichtige Ursache (Dregne und Chou 1992).

Die meisten arabischen Staaten liegen in der ariden bis sub-humiden Zone und sind von der Landdegradierung betroffen. Dregne et al. erstellten im Jahre 1991 Schätzungen über die Degradierung von produktiven Böden der Welt. Sie schätzen den Anteil an Degradierung der bewässerten Böden in den arabischen Staaten auf durchschnittlich 34%, wobei die Spanne sich von 17% im Falle Syriens bis zu 70% im Irak erstreckt. Bei den durch Regen befeuchteten Böden beträgt die durchschnittliche Degradierungsrate 67%. Die Weideflächen bilden den größten Teil der produktiven Flächen und sind zugleich am stärksten von der Desertifikation betroffen. So werden 83% als degradiert geschätzt (Tabelle 2, Dregne und Chou 1992). Unzureichende Wartung von Entwässerungskanälen im Falle des Iraks oder ein schlechtes Wassermanagement in Saudi-Arabien führten, um einige Beispiele zu nennen, zu dieser Situation im Bereich der Bewässerung. Die Desertifikation der regenbefeuchteten Böden beinhaltet Aspekte wie etwa die Bodenerosion (sowohl durch Wind als auch durch Wasser). Damit verbunden ist der den Verlust von wichtigen Pflanzennährstoffen, Bildung von Krusten an der Bodenoberfläche, die die Wasserzuleitung zu den Wurzeln einschränkt sowie Pflanzenertragsverlust durch Pathogene. Ein wichtiger Aspekt ist auch der Anstieg in der Population und ihre Dichte, was zu einer Verkürzung der Erholungsperioden für unbestellte Felder (= Brachfelder) führt. Weiters spielt auch das unzureichende Management von Bodenerhaltungsmaßnahmen wie Windschutzwälle eine wesentliche Rolle. Die Organisation AFED schätzte im Jahr 2008, dass durch die Degradierung von Boden entgangene Erträge im Wert von ca. 5 Mrd. US-Dollar zu verzeichnen sind. Dies mag im Verhältnis zum Brutto Inlandsprodukt der Region als unerheblich erscheinen, jedoch ist dadurch die Lebensmittelsicherheit geschwächt und die Abhängigkeit von Importen stärker (AFED 2008, 123 - 125).

Spätestens nach der UN-Konvention zur Bekämpfung von Desertifikation (UNCCD) 1994 reagierten einzelne arabische Staaten, indem sie bestehende Pläne revidierten oder neue Pläne mit Hilfe von internationalen Institutionen ausgearbeitet haben. Es wurden Projektpläne erstellt, die Maßnahmen zur Rettung von konkreten Gebieten beinhalteten. Die grobe Einteilung der Maßnahmen sieht wie folgt aus:

-) Zustandsbewertung des betroffenen Gebiets,
-) ständige Beobachtung der Lage,
-) Ausbildung von Fachkräften,
-) und gesellschaftliche Partizipation.

Die arabischen Staaten richteten zudem wissenschaftliche Institutionen ein, wie etwa das ACSAD[7] oder das ICARDA[8]. Diese Institutionen übernehmen wichtige Funktionen, die sich

von der Bodenbewertung über das Monitoring bis hin zur Ausbildung von Fachkräften erstrecken (AFED 2008, 126 - 127).

Aridität, wiederkehrende Dürreperioden und die Desertifikation stellen eine ernsthafte Bedrohung für alle wirtschaftlich nutzbaren Böden im arabischen Raum dar. Durch die Degradierung von Agrarböden wird die Nahrungsmittelsicherheit vermindert. Durch den Anstieg der Population und ihre Konsumrate wird die Kluft zwischen Konsum und Produktion zusätzlich vergrößert und somit auch die Abhängigkeit von Lebensmittelimporten.

Obwohl das Thema von hoher Relevanz ist, sind die bisherigen Anstrengungen unzureichend. Die Umweltorganisation AFED hat in ihrem Bericht 2008 mehr Mobilisierung gefordert. Dabei sollen staatliche Organisationen nationale und regionale Programme starten, Arbeitspläne erarbeiten und Feldprojekte durchführen. Nichtstaatlichen Organisationen müsste eine aktivere Rolle in der Gewährleistung von positiver Bürgerbeteiligung zu Teil werden. Ein Rahmenwerk zur nachhaltigen Entwicklung der natürlichen Ressourcen sollte ein Bestandteil der nationalen Strategie sein. Das Rahmenwerk sollte einen Plan zur Bekämpfung von Desertifikation und zum Management von Dürreperioden beinhalten sowie Pläne zum Schutz von Land-/Wasserressourcen und zur Erhaltung von Ökosystemen. Das Rahmenwerk zur nachhaltigen Entwicklung sollte folgende Prozesse und Gesichtspunkte integrieren:

- Ökonomische und technische Effizienz, die die Unterstützung von Forschungsinstitutionen voraussetzt.
- Gesellschaftliche Aspekte, die die Bürgerbeteiligung gewährleisten
- Die Erhaltung von Umwelt sowohl als Wohnraum für den Menschen, als auch als natürliche Ressource (AFED 2008, 71-73).

2.3 BEVÖLKERUNG

In der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts hatte die arabische Welt eine der höchsten Bevölkerungswachstumsraten. Zwischen 1975 und 1980 lag die totale Fertilisationsrate (engl. total fertility rate) bei 6,5. Das bedeutet, dass jede Frau durchschnittlich 6 bis 7 Kinder zur Welt bringt. Zwischen 2000 und 2005 sank der Wert auf 3,6 und war somit immer noch höher als die sogenannte „population replacement rate"[9], die in diesem Zeitrahmen 2,1 betrug. Das bedeutet, dass die Bevölkerungswachstumsrate positiv ist. Im Jahre 2010 wuchs die Bevölkerung um etwa 2 %. Es ist somit ein seit 1975 erkennbares Schrumpfen der Wachstumsrate, die in den 1970igern bei etwa 3,6 % lag. Das heißt, dass sie in den vergangenen Jahren durchschnittlich um etwa 3,2% pro Jahr gesunken ist. Dennoch kann die Bevölkerungswachstumsrate im arabischen Raum als relativ hoch interpretiert werden, denn im gleichen Zeitraum beträgt die durchschnittliche Weltwachstumsrate etwa 1,2 %, also deutlich geringer als die genannten 2% (UNDP 2009, 34 - 35).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: sinkende durchschnittliche jährliche Wachstumsrate der Bevölkerung seit 1980(UNDP 2009, 35)

Obwohl die Wachstumsrate rückgängig ist stellt die steigende Bevölkerungszahl eine enorme Herausforderung für die verantwortlichen Behörden im Gebiet dar. In einer Region,
wo Trinkwasser immer knapper wird und das ohnehin begrenzt vorhandene landwirtschaftlich nutzbare Land von Aridität, Dürren und Wüstenbildung bedroht wird, stellt eine Zunahme der Population eine große Gefahr für die Umwelt dar. Zugleich stellt sich auch die Frage, ob die Tragfähigkeit des Ökosystems (hier ist „carrying capacity" gemeint) nicht bereits erreicht oder sogar überschritten ist, wenn man bedenkt, dass im Jahre 1980 dort etwa 172 Millionen Menschen lebten und für 2015 mehr als die doppelte Menge - nämlich 385 Millionen - prognostiziert wird (UNDP 2009, 34 - 37).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Bevölkerungsentwicklung in der arabischen Welt [igene Darstellung] Daten stammen aus (UNDESA 2010)

Die steigende Urbanisierung ist ein weiterer Unsicherheitsfaktor. Waren es im Jahre 1975 etwa 38%, die in Städten lebten, so betrug der Wert für 2005 bereits 55% der Bevölkerung mit steigender Tendenz. Die schnelle Urbanisierung beansprucht die ohnehin überbelastete Infrastruktur enorm und erzeugt eine überfüllte, ungesunde und unsichere Lebensumgebung (UNDP 2009, 34-37). Denkt man beispielsweise an eine beliebige Stadt am Persischen Golf, die nur durch Wasserentsalzung genügend Süßwasser für die Bevölkerung zur Verfügung stellen kann. Urbanisierung bedeutet den Ausbau der Kapazitäten durch Erhöhung der Auslastung in bestehenden Entsalzungsanlagen oder zu Neuerrichtung weiterer Anlagen. Letztere ist mit hohen Investitionskosten verbunden. Beide Varianten jedoch würden die Umwelt stark belasten, denn der stark salzhaltige Rücklauf der Entsalzungsanlagen, der in den Meeren zurückgespült wird erhöht den Salzgehalt in der Meeresregion und verursacht damit ungeahnte Umweltschäden. Je dichter die Entsalzungsanlagen an einem Ort konzentriert sind, desto höher ist die Gefahr für die Meeresregion.

2.4 WASSERSEKTOR

Der Wassersektor in der arabischen Welt ist seit den letzten Jahren mit starken Herausforderungen konfrontiert, die auch in der nächsten Zeit anhalten werden. Aufgrund der Relevanz des Themas wird ihm auch international Aufmerksamkeit geschenkt. So widmete beispielsweise die Weltbank ihr „regional development report of the middle east, 2007" dem Wassersektor, später veröffentlichte sie den Bericht „water in the arab world, 2009" (World Bank 2009). Auch der im Jahre 2009 von der United Nations Development Programme veröffentlichte „Arab Human Development Report", der ausführlich auf die Wasserproblematik eingeht kann als Zeichen für die steigende Wichtigkeit der Thematik gewertet werden (UNDP 2009, 51-70).

2.4.1 Wasserressourcen

Die vorhandenen erneuerbaren Wasserressourcen im arabischen Raum gehören zu den geringsten der Welt. Abbildung 8 zeigt die Situation auf der arabischen Halbinsel, die größtenteils über sehr geringe Niederschlagsmengen von unter 100 mm/Jahr verfügt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Durchschnittliche jährliche Regenmenge in der arabischen Halbinsel (FAO 2008, 128)

In bestimmten Gegenden beträgt die jährliche Niederschlagsmenge weniger als 50 mm. Die durchschnittliche Regenmenge beträgt 117 mm/Jahr. Angesichts der herrschenden hohen Temperaturen, die dem Regenwasser zu einer raschen Verflüchtigung verhelfen, können sich Untergrundwasserressourcen kaum erneuern. Kuwait hat beispielsweise laut FAO 2008 keine internen erneuerbaren Wasserressourcen (FAO 2008, 49). Generell wird hier zwischen Aquifern, die sich in Oberflächennähe befinden und tiefen Untergrund-Aquifern unterschieden. Je nach Tiefe und Deckschicht wird das Sinken von Regenwasser begünstigt oder erschwert. So werden Kalk- oder Sandstein-Aquifer zu den erneuerbaren Ressourcen gezählt, wohingegen unter 500m Tiefe liegenden Untergrund-Aquifer als nicht erneuerbare „fossile" Grundwasserressourcen gelten. Aus Tabelle 3 ist klar ersichtlich wie gering die erneuerbaren Wasserressourcen in einigen arabischen Staaten, insbesondere auf der arabischen Halbinsel, sind. Deshalb sind seichte Untergrund-Aquifer, die sich meist in Tälern in der Nähe von zeitweise austrocknenden Flüssen (sog. Wadis, arabisch) befinden für die gesamte Region sowohl als Trinkwasserquelle als auch zur lokalen Bewässerung sehr wichtig. Die Grundwasserneubildung ist abhängig von sporadisch entstandenen Fließgewässern (FAO 2008, 50).

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Tabelle 3: Erneuerbare Wasserressourcen in arabischen Staaten. (Anm.: IRWR = internalrenewablewaterresources; TRWR = total renewablewaterresources; arabische Staaten sind hier orange markiert) (FAO 2008, 116)

Viele Golfstaaten haben einen TRWR-Wert[10] unterhalb der extremen Wassermangelgrenze von 500 m3/Kopf/Jahr. Lediglich Oman lag im Jahr 2005 mit einem Wert von 545 m3/Kopf/Jahr oberhalb der Grenze. Zum Vergleich: Von Wasserknappheit spricht man, wenn die TRWR-Grenzevon 1700 m3/Kopf/Jahr unterschritten wird (Grimm, et al. 2008, 13). Dennoch zählt der häusliche Bedarf an Wasser in den Golfstaaten zu den Höchsten der Welt. So betrug beispielsweise der Wasserverbrauch in Dubai im Jahr 2008 über 500 Liter/Tag/Einwohner (M. Müller 2008).

Wasserknappheit und Wassermangel werden von vielen Wissenschaftlern und Weltorganisationen unterschiedlich definiert. Der „Water GAP" ist ein Indikator, der ein Verhältnis von Wassernutzung zur Wasserverfügbarkeit bildet. Je höher der Wert, desto höher ist die Gefahr, dass die Ressource verschmutzt oder aufgebraucht wird (www.usf.uni- kassel.de). Dies ist ein kritischer Indikator, weil er impliziert, dass Wasserstress auch von der variablen Wassermenge abhängt. Wasserstresswerte werden für unterschiedliche Gewässer von Experten individuell festgesetzt und somit sowohl quantitative als auch qualitative Parameter in der Beurteilung berücksichtigt (World Water Council 2010). So kann zum Beispiel der Stresswert für einen Fluss mit einer stark variierenden Abflussmenge bereits bei 20% liegen, während Wasserstress für einen See in einem humiden Klima erst bei 60% erreicht wird. Wasserentnahmen von mehr als 20% der vorhandenen erneuerbaren Wasserressourcen werden oft als Indikator herangezogen. Auf globaler Ebene sehen internationale Organisationen ein unter Wassermangel leidendes Land oder Zuzugsgebiet als eines, das über weniger als 1000 m3/Kopf/Jahr Wasser (auf Basis des langfristigen Durchschnitts des Abflusses) verfügt (IPCC 2007). Die Weltorganisation FAO[11] hat einen eigenen Indikator, einen nach ihren eigenen Angaben genannten MDG-Indikator[12] 7.5. Dieser Indikator bildet das Verhältnis von der Summe der Süßwasserentnahmen für die Agrarwirtschaft, die Haushalte und der Industrie zur Summe der erneuerbaren Süßwasserressourcen. Er zeigt den anthropogenen Druck auf Wasservorkommen. Bei einem Wert von mehr als 75% herrscht demnach physische Wasserknappheit. Das bedeutet, dass die Wasserentnahmen jene Grenze überschritten haben, bei der das natürliche Wassersystem nicht mehr in der Lage ist, die Anforderungen der Umwelt und des sozioökonomischen Geflechts zu erfüllen (FAO 2008, 15).

2.4.2 Zukunftsprognosen

Die Effekte expandierender Wirtschaft und rasantem Bevölkerungszuwachs erhöhen zusätzlich den Bedarf an Wasser und intensivieren daher den Druck auf die Entscheidungsträger. Um den Bedarf der Haushalte, Landwirtschaft und der Industrie zu decken werden Untergrundwasservorkommen abgepumpt, die um ein Vielfaches die natürliche jährliche Erholungsmenge der Untergrundreserven übersteigen. Der nicht nachhaltige Umgang mit den Untergrundwasserressourcen kann zur Unbrauchbarkeit dieser Ressource führen. So führt das vermehrte Bewässern zu einem Anstieg des Salzgehaltes in den Aquifern. Außerdem sinkt durch den Ausbau von Agrarflächen und das mangelhafte Kanalisationssystem die Qualität des Wassers, weil die Fremdstoffbelastung wie etwa durch Pestizide oder Insektizide zunimmt.

Es gibt viele Maßnahmen, die gegen den Wassermangel zumindest lokal und/oder temporär wirksam sind. So wäre zum Beispiel der Bau von Dämmen eine Alternative für Länder mit Oberflächenwasser oder die Nutzung von Seen zur Bewässerung von landwirtschaftlich genutzten Flächen. Saudi Arabien setzt Wasserentsalzungsanlagen zur Gewinnung von Süßwasser aus dem Meer ein. Auch der Bau von Flussumleitungen wie etwa in Jordanien bietet einen weiteren Lösungsansatz für das Problem. Allerdings ist ein Großteil der Großprojekte solcher Art aus ökologischer Sicht langfristig der Grund für Wasserknappheit. Sie haben einen erheblichen Einfluss auf die Umwelt, der sich wiederum langfristig negativ auf die Region auswirkt, wie etwa durch eine geringere jährliche Niederschlagsmenge oder Versalzung.

Zusätzlich besteht ein Verteilungsproblem, denn viele ländliche Gegenden sind nicht von der öffentlichen Wasserver- und/oder Entsorgung erschlossen. Die Situation zwingt Entscheidungsträger kostenaufwändigere Lösungen in Kauf zu nehmen, wie etwa die Meereswasserentsalzung, Abwasserreinigung für die Wiederverwendung oder das Erschließen von sehr tief liegenden Aquifern (AFED 2010, 24). Die oben genannten Methoden zur Süßwassergewinnung sind unkonventionell und werden bei der Berechnung von erneuerbaren Süßwasserressourcen nicht mitberücksichtigt.

Die Zukunftsprognosen für die arabischen Länder sind, was die Wassersituation betrifft, alles andere als positiv. Abbildung 9 zeigt, dass im Jahr 2006 bereits alle arabischen Staaten mit Ausnahme vom Irak und dem Sudan[13] an Wasserknappheit mit einem Grenzwert von 1500 m3/Kopf/Jahr litten. Davon waren elf bereits unterhalb der kritischen, bedrohlichen Wassermangelgrenze von 500 m3/Kopf/Jahr. Zum Vergleich: der heute geschätzte durchschnittliche Wasservorrat pro Kopf der Welt liegt bei etwa 6000 m3/Kopf/Jahr (AFED 2010, 7). Die Zukunftsprognose zeigt einen deutlichen Abwärtstrend für die gesamte Region. Die Wasserversorgung der arabischen Staaten ist nicht gesichert.

2.4.3 Der Einsatz von Bewässerungstechniken

Abhängig von den klimatischen Verhältnissen in den Regionen wird Bewässerung als eine notwendige Technik, ohne die in ariden Gegenden keine Agrarwirtschaft möglich ist. In humiden bis Semiariden Regionen wird Bewässerung als Mittel zur Produktivitätssteigerung zusätzlich angewendet.

Die Ermittlung des Bewässerungspotenzials von fruchtbaren Böden ist mit enormen Problemen verbunden. So berechnen etwa einige Staaten unkonventionelle Wasserressourcen mit ein, was die Vergleichbarkeit erheblich erschwert. Das generelle

Fehlen von Daten zur Bewertung des Bewässerungspotenzials ist ein weiteres Problem, das bei der Ermittlung auffiel. Im Bericht der FAO 2008, in dem der Irak und die arabische Halbinsel zum „middle east" gehören, wird diese Problematik angesprochen, weshalb sie zum Teil Durchschnittswerte anwenden oder auf ältere Daten zugreifen mussten.

Das Bewässerungspotenzial des Mittleren Ostens wird auf 38,4 Millionen Hektar geschätzt, wobei lediglich 7% davon der Arabischen Halbinsel zugerechnet werden. Das Bewässerungspotenzial (engl. Irrigation potential) wird von der FAO als das Gebiet, das potenziell bewässerbar ist, definiert. Weil unterschiedliche Bewertungsmethoden von den Staaten angewendet werden (z.B. betrachten einige ihren fruchtbaren Boden, andere berücksichtigen zusätzlich weitere Faktoren wie Wasserverfügbarkeit, Wirtschaftlichkeit oder Umweltaspekte) beschränkt sich der Begriff auf Böden, die bereits bewässert werden. Die gesamte ausgestattete Fläche für Bewässerung (engl. total area equipped for irrigation) beträgt in etwa 23 Millionen Hektar. Darunter fällt grundsätzlich alles, was nicht durch Regen bewässert wird, also zumindest zum Teil einer kontrollierten Bewässerung unterliegt. Der größte Teil in der arabischen Welt liegt mit 15% im Irak. Die flächenmäßig riesige arabische Halbinsel hat daran nur einen kleinen Anteil, wobei Saudi Arabien mit 7%, gefolgt vom Jemen mit 3% als die größten Vertreter des Mittleren Ostens aufscheinen. Außer im Jemen, wo eine Bewässerung durch Regen möglich ist, wird 99% der anbaufähigen Fläche auf der arabischen Halbinsel bewässert. Eine Nutzung von kultivierbarem Boden ist ohne Bewässerung auf der arabischen Halbinsel unmöglich.

Während im gesamten mittleren Osten die Anwendung von Oberflächenbewässerung (Siehe 3.7.3 Bewässerungsverfahren) mit 86% überwiegt, werden auf über der Hälfte der kultivierbaren Fläche der arabischen Halbinsel Techniken, in den die Wasserleitungen unter Druck stehen (Sprinkler- und Mikrobewässerung) eingesetzt. In dieser sehr trockenen Gegend befinden sich einige der fortschrittlichsten Länder im Zusammenhang mit dem Einsatz von Bewässerung mit Leitungsdruck. Beispielsweise beträgt der Anteil der Mikrobewässerung in den Vereinigten Arabischen Emiraten 86% der eingesetzten Techniken. In Saudi Arabien wird zu 60% mit Sprinkleranlagen bewässert. Jedoch ist dieser Zustand nicht in allen Ländern der arabischen Halbinsel vorzufinden. Auf der Hälfte der nutzbaren Fläche der Halbinsel wird der Einsatz von der eher weniger wassersparenden Oberflächenbewässerung praktiziert. Bis auf Saudi Arabien und die Vereinigten Arabischen Emiraten werden auf drei Viertel der Gesamtfläche oberflächliche Bewässerungstechniken eingesetzt. Im Jemen wird, neben der stark an Bedeutung verlierenden Schwellbewässerung, fast ausschließlich Oberflächenbewässerung betrieben (FAO 2008, 41-43).

Auch im Irak findet hauptsächlich eine oberflächliche Bewässerung statt und in Syrien sind es 90%. Jordanien wendet zu 81% auf Mikrobewässerung an. Der Libanon hingegen greift lediglich zu 9% auf die Mikrobewässerung zurück, dafür beträgt aber der Anteil Sprinklerbewässerung 30%.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4: Regionale Trends im Bereich der Bewässerungstechniken (FAO 2008, 52)

Tabelle 4 stellt die Entwicklung für die Zeitspanne zwischen 1997 und 2007 für die meisten Staaten des Mittleren Ostens dar. Der Anteil der Oberflächenbewässerung nahm um 9% in der gesamten Region zu, wobei ihre Bedeutung im Nahen Osten relativ gesunken ist. Etwa 18% legte die Bewässerung mittels Sprinkleranlagen zu. Auffallend ist in den vergangenen Jahren der Trend zur Mikrobewässerung. Mehr als die vierfache Flächengröße vom Jahr 1997 wurde 2007 damit bewässert. Besonders stark zugenommen hat der Einsatz dieser Technik in den trockensten Regionen der Welt, wo die Länder relativ weiter entwickelt sind.

Während der Nutzungsgrad von mit Bewässerungstechniken ausgerüsteten Agrarböden in den letzten Jahren generell gestiegen ist, liegen gegensätzliche Daten für Saudi Arabien und Katar vor. Die FAO nennt dafür die Degradierung der Bewässerungsgeräte als Grund (FAO 2008, 63-72).

In diesem Zusammenhang könnte auch der in den letzten Jahren immer stärker beobachtete Trend zum Landkauf ein Motiv sein. Dabei handelt es sich um Auslandsdirektinvestitionen in Form von langfristigen Pacht- oder Kaufverträgen großer Agrarflächen in Entwicklungsländern, um Nahrungsmittel für die eigene Bevölkerung oder für den Weiterverkauf am Weltmarkt anzubauen. Diese Strategie wird nicht nur von Staaten, sondern zunehmend auch von privaten Investoren betrieben, die Interesse an Rohstoffspekulationen haben (land-grabbing.de).

2.4.4 Politische Unsicherheit

Neben den bereits erwähnten voraussichtlichen Entwicklungen kommt noch der politische Unsicherheitsfaktor hinzu. Den Prognosen der obigen Tabelle zufolge geht es einigen arabischen Staaten - wie etwa der Irak oder Syrien -, verglichen mit den anderen in der Region, was der Wassersituation anbelangt besser. Es besteht jedoch immer noch ein Restrisiko, dass Konflikte um Wasserreserven innerhalb der Region entstehen, denn zwei Drittel der Wassermengen im arabischen Raum sind transnational und haben ihren Ursprung außerhalb des arabischen Raumes. Dazu einige Beispiele:

- In den 1960er Jahren entwickelt die Türkei einen Plan für ein Großprojekt, das den Bau von 22 Staudämmen und 19 Wasserkraftwerken ermöglichen soll. Die Anlagen sollen entlang des Tigris und des Euphrats errichtet werden um große Landflächen einer gesteigerten landwirtschaftlichen Nutzung unterziehen zu können. Große Teile des Projekts wurden bereits in den vergangenen Jahren verwirklicht. Abgesehen von den angerichteten Schäden innerhalb der eigenen Grenzen, wie die Versenkung von vielen - darunter auch historischen - Dörfern und die beginnende Versalzung von landwirtschaftlichen Flächen, kann die Türkei theoretisch die Wasserzufuhr für die flussabwärts liegenden Anrainerstaaten (Irak und Syrien) stoppen. Für die beiden Staaten bildet diese Abhängigkeit, trotz bilateraler Abkommen ein hohes Risiko, das nicht unbegründet ist. So ist es in den Jahren 1991 und 1993 vorgekommen, dass die Türkei den Wasserverlauf des Tigris in Richtung Syrien - aus technischen Gründen - für eine kurze Zeit stoppen musste. Experten vermuten dahinter jedoch eine Druckausübung von Seiten der Politik um ihre Ziele zu erreichen. Der syrische Bewässerungsminister Bunni kritisierte, dass seit Herbst 2008 um 100 m3/Sekunde Wasser weniger durch den Euphrat fließen als die im Jahr 1987 durch bilateral, vertraglich zugesicherten 500 m3/Sekunde. Viel prekärer sieht die Situation heute für den Irak aus, denn auch Syrien hat Pläne für den Bau von Staudämmen, die teilweise schon umgesetzt wurden (Maier-Bode 2009) . Nachdem die Vereinten Nationen im März 2003 das alte Regime des Iraks entmachtet hatte, entstand ein Machtvakuum. Irakische Interessensvertretungen im Hinblick auf die gemeinsam genutzten Flüsse sind mangelhaft vertreten. Der Irak benötigt den Euphrat und Tigris für die Trinkwasserversorgung, die landwirtschaftliche Nutzung und für die Stromerzeugung. Die Türkei hat jedoch seit einigen Jahren einen starken wirtschaftlichen Aufschwung erlebt, mit dem ein steigender Wasserbedarf einher geht (Harms 2010).
- Der für Ägypten überlebenswichtige Nil entspringt in den Bergen von Ruanda und Burundi als „blauer Nil", durchfließt dann Tansania, Uganda, Süd-Sudan und den Sudan, wo er in den „weißen Nil", der seinen Ursprung in Äthiopien hat, mündet. Ab dem Sudan fließt der große, vereinte Nil Richtung Ägypten. Die Anrainerstaaten des Nils haben in den letzten Jahrzehnten einen starken Bevölkerungszuwachs erlebt. Dies führte zu Engpässen in der Wasserversorgung und damit verbunden auch in der Nahrungsmittelverfügbarkeit. Die Problematik in diesem Zusammenhang liegt darin, dass Ägypten sich auf Abkommen aus der Zeit des Kolonialismus (vom Jahre 1929 und 1959) beruft, in denen eine jährliche Wasserflussmenge von 55,5 km3 für Ägypten zugesichert wurde. Die Abkommen sichern Ägypten und dem Sudan 88% der Wasserflussmenge des Nils zu, womit die anderen Anrainerstaaten nicht zufrieden sind. Seit langem wurde versucht neue Verträge auszuhandeln, jedoch ohne Erfolg. Im Mai 2010 hat es ein Gipfeltreffen der Anrainerstaaten ohne die Teilnahme von Ägypten und Sudan, wo auch die alten Abkommen für obsolet erklärt wurden. Ägypten kann als militärische Hegemonialmacht im Nil-Gebiet betrachtet werden und beteuert immer wieder, dass sie bei Bedarf vor militärischen Aktionen nicht absehen würde, sollten die Abkommen nicht eingehalten werden (Hermann 2010) .

Ein weiterer bedeutender Konflikt ist jener im Gebiet um den Jordan-Fluss, dessen Ursprung jedoch nicht außerhalb des arabischen Raumes liegt.

[...]


[1] die gesamte Wassermenge, die sich in der Atmosphäre in dampfförmiger, fester oder flüssiger Form befindet, auf der Oberfläche oder in bis zu 2000m Tiefe

[2] Trockenklima, in dem die potenzielle Verdunstung größer als der Niederschlag ist (LOISKANDL, KLIK and CEPUDER 2010, 25)

[3] Evaporation, engl. = Verdampfung

[4] Transpiration, engl.= Schwitzen

[5] Thermal Infrared Spectroscopy

[6] = Konvention der vereinigten Staaten zur Bekämpfung von Desertifikation

[7] Arab Center for the Study of Arid Zones and Dry Lands - Damaskus, Syrien

[8] International Center for Agricultural Research in the Dry Areas - Aleppo, Syrien

[9] ist jene Anzahl an Neugeborenen pro Frau, die nötig sind damit die Bevölkerung ein Nullwachstum aufweist (Rosenberg 2010)

[10] engl. für: totale Menge erneuerbarer Wasserressourcen

[11] = Food and Agriculture Organization

[12] MDG = Millenium Development Goal

[13] Anm.: in den hier verwendeten Quellen wird immer von einem ganzheitlichen Sudan gesprochen, da die Daten vor der Unabhängigkeit des Südsudans erstellt wurden

Details

Seiten
261
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668412088
Dateigröße
4.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v208548
Institution / Hochschule
Wirtschaftsuniversität Wien – Regional- und Umweltwirtschaft
Note
1
Schlagworte
technologietransfer bewässerungstechnologien teil lösung wasserproblems golfstaaten

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Titel: Technologietransfer von Bewässerungstechnologien als Teil der Lösung des Wasserproblems in den arabischen Golfstaaten