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Völkische Germanistik anhand Josef Nadlers Sicht auf Johann Nestroy

Essay 2012 6 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Josef Nadler hat mit seiner Literaturgeschichte des Deutschen Volkes in vier Bänden und zahlreichen weiteren Arbeiten die Entwicklung der völkischen Germanistik stark geprägt. Das Ziel seiner Literaturgeschichte besteht darin, durch verschiedene Abhandlungen über die Vergangenheit, die politische Geschichte und die Kultur der Menschen in den deutschsprachigen Räumen zu einer Erklärung über das Wesen der jeweiligen deutschen Gruppen zu gelangen. Nadler unterscheidet diese Stämme nach ´ethnologischen Prinzipien´. Nur wenig später ist der letztere Begriff in der zweiten Auflage bereits in ´völkerkundliche Prinzipien´ umgewandelt worden. So entwickelt der Germanist die These, dass das deutschsprachige Volkstum aus unterschiedlichen Stämmen besteht, welchem jeweils andere Eigenschaften zugrunde liegen. An dieser Stelle möchte ich bemerken, dass Nadler nicht der Auffassung ist, den Menschen nach den Eigenschaften des jeweiligen Stammes zu beschreiben, sondern nach der gegebenen Landschaft, in welcher sich die Stammesgemeinschaft befindet. Nadler geht davon aus, dass die Landschaft die Menschen nach einem bestimmten Muster von ´völkischem Gedankengut´ formt. Somit kann man annehmen, dass der Germanist erst durch den Boden, auf welchem ein Stamm lebt, sich auch naturgemäß entfalten kann. Mit dieser Vorgehensweise wird der Anspruch auf einen bestimmten Raum für eine völkische Gruppe gestellt. Natürlich kann man bei diesen Ausführungen über die deutschsprachigen Stämme die Nähe zur Theorie der späteren Nationalsozialisten nicht leugnen. Nadler hat mit seiner Arbeit einen wesentlichen Teil zur späteren Radikalisierung des Blut-und-Boden Kultes als auch der Stammesgeschichte innerhalb der späteren NS-Ideologien beigetragen.

Seine nationalen Bestrebungen erschöpfen sich nicht nur am Raum. Auch die Juden und Menschen mit slawischer Abstammung wie sie vor allem in den Ostgebieten der Doppelmonarchie leben, werden als Störfaktoren innerhalb des Volkstums angesehen. Nadler meint, dass zum Fortbestand des Völkerstaats auch diese Bevölkerungsgruppen von Nöten seien, jedoch ist seine Abneigung durch ihren in sich tragenden „Weltschmerz“ (LdDV, S. 337) nicht zu übersehen. Im Rahmen der Literatur spricht der Germanist zur Bezeichnung jüdischer Werke von einem „Gepräge“ (LdDV, S. 338) oder einem „[…] jüdischem Gebilde in deutscher Sprache […]“ (LdDV, S. 338). Auch auf der Ebene der Nachfahren aus Mischehen spricht Nadler von „Volkszwittern“ und „Kulturmischlingen“. Nur die Deutschen mit einer reinen „Seelenlage“ (LdDV, S. 339), entweder durch vollblütige Eltern oder durch die Assimilierung der völkischen Werte, sind den reinrassigen Deutschen ebenbürtig und fähig zur Kulturschaffung. Auf den ersten Blick scheinen sich die fremdenfeindlichen Einstellungen Nadlers mit den Ideologien im Nationalsozialismus geradlinig zu decken, jedoch lohnt es sich an dieser Stelle einen kleinen Exkurs vorzunehmen.

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Details

Seiten
6
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656358879
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v208525
Institution / Hochschule
Universität des Saarlandes
Note
1,3
Schlagworte
Völkischer Germanistik

Autor

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Titel: Völkische Germanistik anhand Josef Nadlers Sicht auf Johann Nestroy