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Soziale und familiäre Einflüsse auf die charakterliche Entwicklung des Friedrich Mergel in Annette von Droste-Hülshoffs „Die Judenbuche“

Hausarbeit 2011 13 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Friedrichs Kindheit
2.1 Der Einfluss des sozialen Milieus
2.2 Die Rolle des Elternhaus

3. Friedrich als Heranwachsender
3.1 Die Bedeutung von Ohm Simon im Leben des Protagonisten
3.2 Die beiden Morde
3.2.1 Der Förstermord und dessen Folgen
3.2.2 Der Tod des Juden Aaron

4. Friedrichs Rückkehr

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis.

1. Einleitung

Die Novelle „Die Judenbuche- Ein Sittengemälde aus dem gebirgigen Westfalen“ geschrieben von Annette von Droste-Hülshoff erschien erstmals 1842. Sie spielt Mitte des 18. Jahrhunderts und erzählt die Lebensgeschichte von Friedrich Mergel, von dessen Geburt bis hin zu seinem Selbstmord. Dabei steht dessen Charakterentwicklung im Mittelpunkt der Erzählung.

Im Folgenden möchte ich chronologisch aufzeigen wie der Protagonist sich vom scheuen, zurückgezogenen Kind zu einem überheblichen und kriminellen Jugendlichen entwickelt und die Macht der äußeren Einflüsse, die hierbei eine entscheidende Rolle spielen, näher beleuchten.

Zuerst gehe ich auf Friedrichs Kindheit ein und beschreibe das soziale und häusliche Milieu in dem er aufwächst. Ich werde darlegen welche Auswirkung der Tod des Vaters auf den Jungen hat. Danach erläutere ich die Entwicklungsphase des Helden als Heranwachsender. Hier hinterfrage ich zunächst den Einfluss seines Onkel Simon, der drei Jahre nach diesem tragischen Ereignis den Jungen adoptiert. Anschließend deute ich die Hintergründe der beiden Morde und zeige auf wie Friedrich darin verwickelt ist. Zum Schluss gehe ich noch auf seine Rückkehr 28 Jahren später ein und zeige mögliche Motive für seinen Selbstmord auf. Am Ende fasse ich meine Ergebnisse noch kurz zusammen.

2. Friedrichs Kindheit

2.1 Der Einfluss des sozialen Milieus

Friedrich Mergel wird 1738 als einziger Sohn eines Halbmeiers im Dorf B. geboren (vgl. S.5). Der Ort liegt „in der grünen Waldschlucht eines bedeutenden und geschichtlich merkwürdigen Gebirges“ (S.5). Die Autorin meint hier wohl das Dorf Bellersen, heute ein Ortsteil der Stadt Brakel, die Mitten im Teutoburger Wald liegt.

Der Erzähler beschreibt weiter, dass das Dorf „damals eine jener abgeschlossenen Erdwinkel ohne Fabriken und Handel, ohne Heerstraße, wo noch ein fremdes Gesicht Aufsehen erregte“ (S.5) war. Hieraus lässt sich erschließen, dass der Ort keine Handelsbeziehungen hat und auch durch seine Lage mehr oder weniger von der Außenwelt abgeschnitten ist. Die Dorfbewohner leben isoliert von anderen Ortschaften und man kennt sich untereinander wohl sehr gut. Mit der Zeit entwickelte man eine eigene Moralvorstellung, die in Abhängigkeit mit den sozialen und geographischen Gegebenheiten der Umgebung steht. Neben dem gesetzlichen gilt auch ein zweites Recht „ein Recht der öffentlichen Meinung, der Gewohnheit und der durch Vernachlässigung entstandenen Verjährung“ (S.5). Dem Holz- und Jagdfrevel, der in dieser Gegend herrscht, begegnen die Bewohner jedoch „weniger auf gesetzlichem Wege, als in stets erneuten Versuchen, Gewalt und List mit gleichen Waffen zu überbieten“ (S.6).

„Mit der Heimatgegend steht [Friedrich] (…) insofern in einer Verbindung, als er deren verderbte Rechtsauffassung und Vorurteile teilt“ (Rölleke 1989, S.54)

2.2 Die Rolle des Elternhaus

Der Vater von Friedrich, Hermann Mergel, ein „sogenannter Halbmeier oder Grundeigentümer geringer Klasse“ (S.5) ist im Dorf nicht sehr hoch angesehen. Er ist als „ordentlicher Säufer“ (S. 8) bekannt und außerdem gewalttätig. Er schlägt seine erste Frau die danach „schreiend und blutrünstig durchs Dorf [rannte]“ (S.8) und zählt nach dem scheitern seiner ersten Ehe zu den „gänzlich verkommenen Subjekten“ (S.8) der Gemeinde.

Man kann sagen, dass „[d]ie Neigung zur Verwahrlosung und Passivität wie die gelegentlich hervorbrechende Art hochfahrender Gewalttätigkeit (…) gehen sicher auf des Vaters Konto“ (Lindken 1993, S.33)

Die Mutter, Magret Semmler ist eine „brave, anständige Person“ (S.8) und wird „als sehr klug und wirtlich geachtet“ (S.8) bevor sie die Ehe mit Hermann eingeht. Doch schnell stellte sich heraus, dass sie „ihre Kräfte überschätzt“ (S.9) hat und das Eheverhältnis sehr unglücklich verläuft (vgl. S.9).

Das Haus der Mergels bezeugt „durch seine gegenwärtige Verkommenheit die kümmerlichen Umstände des Besitzers“ (S.7), es deutet somit auf große Armut hin.

Friedrich kommt im zweiten Ehejahr seiner Eltern zur Welt und ist wohl kein Wunschkind, da seine Mutter ihn „unter einem Herzen voll Gramm getragen“ (S.9) hat und bei der Geburt weint (vgl. S.9). Er wird aber als „ein gesundes, hübsches Kind“ (S.9) beschrieben. Der Vater hat seinen Sohn „sehr lieb“ (S.9) und ist seit dessen Geburt „ordentlicher geworden“ (S.9). Der Junge erfährt durch ihn viel Zuwendung und hat einen engen Bezug zu seinem Vater, wird jedoch bereits hier schon durch seine Mutter negativ beeinflusst, die zu Friedrich über ihren Mann sagt: „Ach Gott, wenn der alles hielte, was er verspricht!“ (S.10) oder auch sagt, meint, dass ihr Mann vom Teufel gehalten wird (vgl. S.10) und nennt ihn ein Schwein (vgl. S.11).

Nach dem tragischen Tod seines Vaters, den der Junge im Alter von neun Jahren sehr genau miterlebt (vgl. S.11), hat dieser gemischte Erinnerungen an ihn: „eine mit Grausen gemischte Zärtlichkeit“ (S.13). Zum einen kümmerte sich Hermann immer sehr liebevoll um seinen Sohn aber die abergläubischen Dorfbewohner machen ihn zum Gespenst des Bredernholzes, womit Friedrich nicht klarkommt und daher auch schon mal mit Gewalt den anderen Jungen im Dorf begegnet (vgl. S.14). Der Vater wird zur Belastung für ihn, da Fritzchen somit auch zum Spottobjekt wird. Er beginnt sich von seinen Mitmenschen zu isolieren indem er den ganzen Tag alleine auf dem Feld verbringt und dort die Kühe eintreibt (vgl. S.14).

Außerdem hat der Tod noch weitere Auswirkungen auf seinen weiteren Lebensweg: er wird von nun an nur noch von seiner Mutter großgezogen. Sie erzieht ihn aber mehr wie eine Tochter (vgl. S.16) und daher ist Friedrich auch mit zwölf Jahren „nicht wie einer, über den Vaterhand regiert hat“ (S.16).

Zudem möchte sie, dass ihr Junge fromm ist und fordert ihn zum Gebet auf (vgl. S.11) oder mahnt ihn: „Fritzchen“, sagte sie, „willst du jetzt auch fromm sein, dass ich Freude an dir habe (…)“ (S.12). Später aber, als sein Onkel ihn fragt, ob er gelegentlich betet lacht er und verneint die Frage mehr oder minder (vgl. S.17).

Der junge Knabe sieht, bis zum Auftauchen seines Onkels, seine Mutter als Vorbild und übernimmt daher auch negative Eigenschaften von ihr. Beispielsweise zeigt auch sie ein aggressives Verhalten und ein derbes Vokabular auf (vgl. S.10 ff.). Außerdem ist sie belastet mit Vorurteilen gegenüber Juden. So sagt sie über Aaron er sei ein „verfluchte[r] Jude“ (S.12) und meint weiter: „Juden sind alle Schelme“ (S.12). Sie erklärt, dass es im Dorf rechtens ist, wenn ein christlicher, anständiger Mann wie Hülsmeyer dem Juden Aaron Geld stiehlt und stempelt diesen somit als unprivilegierten Menschen ab. Zudem kommt im selben Gespräch auch das Thema des Holzstehlens auf, bei dem Magret auch über den Förster Brandis urteilt und dessen Gesetzt unter das von Hülsmeyer, der doch ein „ordentlicher, angesessener Mann“ (S.12) ist, stellt. Sie erzählt ihrem Sohn, dass es somit gerechtfertigt sei wenn dieser Holz und Rehe stiehlt (vgl. S.13) und Holzdiebstahl sei daher kein Unrecht. Sie lehrt dem Jungen, der vorher ganz unvoreingenommen zwischen Richtig und Falsch unterscheidet, ein falsches Rechtsempfinden.

Nach dem Erscheinen von Ohm Simon zeigt sich, dass Friedrich keine sehr enge Bindung zu seiner Mutter hat, denn er „ist widerspruchslos bereit, seine Mutter zu verlassen, um dem zwielichtigen Onkel zu folgen“ (Lindken 1993, S.33).

Im Allgemeinen kann man sagen, dass das Einwirken der „religiös-fromme Mutter (…) sich wesentlich schwächer bemerkbar“ (Lindken 1993, S.33) macht als das des Vaters.

3. Friedrich als Heranwachsender

3.1 Die Bedeutung von Ohm Simon im Leben des Protagonisten

Simon Semmler, der jüngere Bruder von Magret und einziges noch lebendes Mitglied ihrer Familie, taucht erst nach dem Tod des Vaters auf, da dieser ihm nicht angemessen genug war und er daher, seit deren Hochzeit mit Hermann Mergel, den Kontakt mit seiner Schwester vermieden hat.

Der Onkel wird als „unheimlicher Geselle, bei dem dicktuende Verschlossenheit oft mit ebenso gesuchter Treuherzigkeit wechselt“ (S.14) beschrieben und galt als widerwärtiger Mann, „dem jeder umso lieber aus dem Wege ging“ (S.14). Emil Staiger beschreibt Semmler als „Seelenfänger Satans“ (Rölleke 1989, S.48) und weiterhin als „Personifikation teuflischer Macht“ (Rölleke 1989, S.49), da er in der Novelle oft als düster und dämonisch beschrieben wird (vgl. S.16ff).

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Details

Seiten
13
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656358237
ISBN (Buch)
9783656360131
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v208473
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
2,0
Schlagworte
soziale einflüsse entwicklung friedrich mergel annette droste-hülshoffs judenbuche

Autor

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Titel: Soziale und familiäre Einflüsse auf die charakterliche Entwicklung des  Friedrich Mergel  in Annette von Droste-Hülshoffs „Die Judenbuche“