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Internationale Expansion durch Direktinvestitionen - "The Liability of Foreignness" als Risikofaktor

Diplomarbeit 2008 114 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhalt

DANKSAGUNG

VORWORT

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

EINLEITUNG
PROBLEMSTELLUNG DER ARBEIT
ZIELSETZUNG DER ARBEIT
AUFBAU DER ARBEIT

1. THEORETISCHE GRUNDLAGEN
1.1 DEFINITION UND ABGRENZUNG VON INTERNATIONALISIERUNG
1.2 CEMEX’S FOREIGN DIRECT INVESTMENT
1.3 DEFINITION UND ABGRENZUNG VON FOREIGN DIRECT INVESTMENT
1.3.1 DIE DIREKTINVESTITIONSANNAHME
1.3.2 MOTIVE UND KONSEQUENZEN DER DIREKTINVESTITIONEN
1.3.3 SYSTEMATISIERUNG VON FOREIGN DIRECT INVESTMENTS
1.3.4 BETRACHTUNGSEBENEN FÜR DIREKTINVESTITIONEN
1.3.5 BESTANDTEILE VON FOREIGN DIRECT INVESTMENTS
1.3.5.1 Die Unterscheidung zwischen Erst- und Folgeinvestition
1.3.5.2 Die Unterscheidung zwischen Eigenkapital- und Fremdkapitalanteilen
1.4 DIE FORMEN AUSL„NDISCHER DIREKTINVESTITIONEN IM ZEITABLAUF
1.5 FDI TRENDS
1.5.1 ALLGEMEINE TRENDS
1.5.2 DER KONTINUIERLICHE ANSTIEG DER GRENZÜBERSCHREITENDEN M&A
1.6 MODES OF FOREIGN ENTRY: GREENFIELD INVESTMENTS VS. ACQUISITION
1.6.1 DEFINITION GREENFIELD INVESTMENT
1.6.2 DEFINITION AKQUISITION
1.6.3 GREENFIELD INVESTMENT VERSUS AKQUISITION

2. THEORIEN ZU UNTERNEHMENSÜBERNAHMEN
2.1 ERKL„RUNGSANS„TZE DER ÖKONOMISCHEN THEORIE
2.1.1 DIE MONOPOLHYPOTHESE
2.1.2 ECONOMIES OF SCALE AND SCOPE
2.1.2.1 Economies of Scale
2.1.2.2 Economies of Scope
2.1.3 TRANSAKTIONSKOSTENTHEORIE
2.1.4 DIE STEUERHYPOTHESE
2.1.5 DIE HYBRIS-HYPOTHESE
2.1.6 DIE FREE CASH FLOW-HYPOTHESE
2.1.7 DIE CORPORATE CONTROL-HYPOTHESE
2.2 ERKL„RUNGSANS„TZE DER STRATEGIEDISKUSSION
2.2.1 PORTFOLIOTHEORIEN
2.2.1.1 Portfoliotheorie von Markowitz
2.2.1.2 Portfolioanalyse: Die Marktanteils-Marktwachstums-Matrix
2.2.2 PORTERS WETTBEWERBSTHEORETISCHER BEITRAG
2.2.2.1 Auswahl einer attraktiven Industrie
2.2.2.2 Entwicklung von Wettbewerbsvorteilen durch Kostenführerschaft oder ifferenzierung
2.2.2.3 Konfiguration einer effizienten Wertkette
2.2.2.4 Vertikale Integration, Horizontalestrategie, Diversifikation
2.2.3 DAS KERNKOMPETENZKONZEPT VON PRAHALAD/HAMEL

3. ALTERNATIVEN ZU DIREKTINVESTITIONEN
3.1 EXPORT
3.1.1 DIREKTER EXPORT
3.1.2 INDIREKTER EXPORT
3.2 LIZENZVERGABE
3.3 FRANCHISING
3.4 JOINT VENTURE
3.5 STRATEGISCHE ALLIANZEN
3.5.1 HORIZONTAL
3.5.2 VERTIKAL
3.5.3 LATERAL

4. RISIKOFAKTOR: „THE LIABILITY OF FOREIGNNESS“
4.1 DEFINITION UND ABGRENZUNG
4.2 HORIZONTALES MNU VERSUS VERTIKALES MNU
4.3 UMGEHEN DER FREMDHEIT AUF DEM MARKT
4.3.1 UNTERNEHMENSSPEZIFISCHE VORTEILE VS. IMITATION LOKALER UNTERNEHMEN
4.3.2 ZAHEERS STUDIE

5. MARKTFORSCHUNG
5.1 DEFINITION DER MARKTFORSCHUNG
5.2 SYSTEMATISCHE UND UNSYSTEMATISCHE INFORMATIONSBESCHAFFUNG
5.3 QUALITATIVE UND QUANTITATIVE VERFAHREN
5.3.1 QUALITATIVES VERFAHREN
5.3.2 QUANTITATIVES VERFAHREN
5.4 ERHEBUNGSARTEN
5.4.1 SEKUND„RERHEBUNGEN
5.4.2 PRIM„RERHEBUNGEN
5.5 DIE PHASEN DES FORSCHUNGSPROZESSES
5.5.1 DEFINITIONSPHASE
5.5.2 DESIGNPHASE
5.5.3 DATENGEWINNUNGSPHASE
5.5.4 DATENANALYSEPHASE
5.5.5 DOKUMENTATIONSPHASE

6. INTERVIEWS ZUR „LIABILITY OF FOREIGNNESS“ BEI MITTELST„NDISCHEN FAMILIENUNTERNEHMEN
6.1 INTERVIEWTE UNTERNEHMEN
6.2 DIE METHODIK
6.3 AUSWERTUNG DER QUALITATIV ERHOBENEN DATEN
6.3.1 LIABILITY OF FOREIGNNESS
6.3.2 UNTERNEHMENSSPEZIFISCHE VORTEILE VS. IMITATION LOKALER UNTERNEHMEN
6.3.3 AKQUISITION VS. GREENFIELD INVESTMENT

7. ZUSAMMENFASSUNG

8. FAZIT

QUELLENVERZEICHNIS

Danksagung

An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich zu bedanken.

Mein ganz besonderer Dank gilt Herrn Prof. Dr. Marius Dannenberg und Herrn Prof. Dr. Michael Röhrig für die fortlaufende fachliche Unterstützung während meines Studiums und während der gesamten Bearbeitungszeit meiner Diplomarbeit.

Weiterhin bedanke ich mich bei den Unternehmern für die Beantwortung meiner Fragen und die Bereitstellung der damit verbundenen Zeit.

Mein Dank geht auch an Phillip Assmus und Nils Benkert für die Unterstützung bei der Suche nach englischen Literarien. Zusätzlich bedanke ich mich bei Armin Mahvi, Lilly Khan und Fedor Dittmann für ihre tatkräftige Unterstützung während der Bearbeitung meiner Diplomarbeit.

Ein besonderer Dank gilt meinen Eltern, die mir das Studium mit ihrer ideellen und finanziellen Unterstützung ermöglicht und immer an mich geglaubt haben.

Abtin Maghrour

Vorwort

Angesichts der zahlreichen Direktinvestitionen verschiedensten Unternehmen im Rahmen der Globalisierung empfand ich es als gerechtfertigt, mich mit dem Thema meiner Diplomarbeit näher zu befassen.

Das erste Mal wurde ich im Jahre 2004 im eigenen Familienunternehmen mit dieser Thematik konfrontiert. Dabei wurde festgestellt, dass Kosten bei einer Direktinvestition im Ausland auftraten, die vorab nicht mit in die Planung hineingenommen werden konnten. Weiterhin wurde festgestellt, dass für lokale Unternehmen andere Konditionen auf dem Markt herrschen als für ausländische Unternehmen, dass also die Direktinvestition einen Nachteil darstellte. Anfang 2008 stieß ich im Internet zufällig auf einen Artikel über „The Liability of Foreignness“ mit dem Hinweis auf eine Studie von ZAHEER. Nach einer längeren Recherche ergab sich, dass nur einige wissenschaftliche Arbeiten über die Thematik bisher verfasst wurden (vgl. Zaheer, 1995; Zaheer und Mosakowski, 1997; Sofka und Zimmermann, 2005; Schmidt und Sofka, 2006; Nachum, 2003, Sofka, 2007). Weiterhin ließ sich kein Hinweis darauf finden, dass mittelständische Unternehmen den Fokus irgendeiner Studie bildeten. Da mein Bezug zu mittelständischen Familienunternehmen groß ist und diese auch eine sehr starke und stabile Säule der Wirtschaft bilden, lag es sehr nahe, mich mit der Thematik meiner Diplomarbeit zu befassen, wobei der Fokus auf mittelständische Familienunternehmen gelegt wurde.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

ABBILDUNG 1: DIE ZEITSCHERE

ABBILDUNG 2 : DIE ENTWICKLUNG DER WELTWEITEN DIREKTINVESTITIONSBEST„NDE SEIT 1980

ABBILDUNG 3: WELTWEITE FDI INFLOWS, UNTERTEILT IN WIRTSCHAFTSGRUPPEN

ABBILDUNG 4 : GLOBALE GRENZÜBERSCHREITENDE M&A, WERT UND WACHSTUMSRATE

ABBILDUNG 5: DIE RISIKOARTEN IN DER PORTFOLIOTHEORIE

ABBILDUNG 6: ERFAHRUNGSKURVE UND KOSTENSENKUNGSPOTENTIALE

ABBILDUNG 7: PRODUKTLEBENSZYKLUS

ABBILDUNG 8: VIERFELDER-MATRIX DER BCG MIT NORMSTRATEGIEN

ABBILDUNG 9: TRIEBKR„FTE DES BRANCHENWETTBEWERBS

ABBILDUNG 10: EIN- UND AUSTRITTSBARRIEREN

ABBILDUNG 11: STRATEGIETYP, MARKTANTEIL UND RENTABILIT„T

ABBILDUNG 12: MODELL DER WERTKETTE

ABBILDUNG 13: KAPITALEINSATZ UND LEISTUNGSERSTELLUNG BEI UNTERSCHIEDLICHEN FORMEN DER MARKTBEARBEITUNG

ABBILDUNG 14: DIE 5 D’S DER MARKTFORSCHUNG

Einleitung

Problemstellung der Arbeit

Die Weltwirtschaft durchläuft derzeit einen größeren und nachhaltigeren Wandel als jemals zuvor in ihrer Geschichte. Innerhalb der letzten beiden Dekaden wurden Produktion und Konsum von Gütern und Dienstleistungen stark internationalisiert. Die Globalisierung ist durch den starken Anstieg der ausländischen Direktinvestitionen, auch Foreign Direct Investments (FDI) genannt, und den internationalen Handel gekennzeichnet (vgl. Müller, 2002, S.6). Die steigende Bedeutung der FDI kann man am starken Anstieg von 38 % im Jahr 2006 erkennen, der im World Investment Report hervorgehoben wurde (UNCTAD2007 ). Haben sich die Unternehmen früher nur auf den lokalen Markt konzentriert, so ist es gegenwärtig für die meisten Unternehmen ein Muss, als multinationales Unternehmen (MNU) zu agieren, um sowohl auf dem lokalen als auch auf dem internationalen Markt wettbewerbsfähig zu bleiben. Betroffen sind neben Großunternehmen zunehmend auch mittelständische Firmen, deren internationale Erfahrungen sich häufig auf Exportgeschäfte beschränken. Die reinen Exporte von Dienstleistungen und Gütern reichen in den meisten Branchen nicht mehr aus, um den zunehmend differenzierteren Kundenbedürfnissen und den Herausforderungen der internationalen Konkurrenz gerecht werden zu können. Die Unternehmen sehen sich zur Erhaltung ihrer Wettbewerbsfähigkeit gezwungen, die Vorteile internationaler Standorte zu nutzen (Vgl. Autschbach, 1997, S.1). „ Das Fundament dieser Entwicklung sind die internationalen Direktinvestitionen, mit denen Produktions- und Absatzkapazitäten in anderen Ländern entweder abgekauft oder neu geschaffen werden “ (Schumann, 1999, S.15).

Durch die technologische Entwicklung und die damit verbundenen sinkenden Transaktionskosten ist es für die Unternehmen sehr viel leichter und attraktiver geworden, international zu agieren. „ Die technologischen Veränderungen sind mit der Globalisierung verbunden .“(Jansen, 2001, S.6). Waren früher nur wenige Unternehmen gezwungen, weltweit zu verkaufen, um ihre Investitionen zu decken, so nimmt die Zahl der Branchen in dem Maße zu, in dem die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung steigen. Dies ist beispielsweise im pharmazeutischen Bereich, in der Telekommunikationsbranche, dem Transportwesen und der Energieversorgung der Fall (vgl. Jansen, 2001, S.6). „ Durch die Dynamik des Wandels und die steigende nationale wie auch internationale Vernetzung der Wirtschaft nehmen zugleich auch die Komplexität, Dynamik und Unsicherheit der Problemstellungen, mit denen Unternehmen konfrontiert werden, sprunghaft zu “ (Dannenberg, Wiesbaden 2001, S.1). Die Globalisierung verschafft den Unternehmen neue Möglichkeiten und Märkte. Es existieren jedoch außerhalb des lokalen Markts auch Faktoren, die für Unternehmen, die auf fremden Märkten agieren, von Nachteil sind. Die Faktoren können kultureller, politischer, wirtschaftlicher oder auch umfeldbedingter Natur sein. In einigen Studien wurden sie als Liability of Foreignness identifiziert (vgl. Zaheer, 1995; Hymer, 1976; Mezias, 2002; Sofka und Zimmermann, 2005), welche die Fremdheit auf dem Markt beschreiben soll.

Zielsetzung der Arbeit

Untersucht man die Literatur, welche sich mit dem internationalen Management beschäftigen, so lässt sich feststellen, dass das Foreign Direct Investment (FDI) die Hauptrolle im Bereich der internationalen Expansion spielt (vgl. Sudarsanam, 2003; Panetta, 2003; Jansen, 2001; Kutscher und Schmid, 2008; Schumann, 1999; Müller, 2003). Die FDI haben sich während der Wirtschaftskrisen als sehr belastbar erwiesen. Im Jahr 1997/98 haben FDI z.B. ihre Stabilität in den ostasiatischen Ländern unter Beweis gestellt. Auch in Mexiko 1994/95 und in Lateinamerika während der Schuldenkrise in den 1980er Jahren haben sich die Foreign Direct Investments als sehr widerstandsfähig behauptet (vgl. Goldstein und Razin, 2002, S.2). Aus diesem Grunde werden FDI Inflows in den Entwicklungsländern als eine stabile langfristige Anlage betrachtet. Multinationale Unternehmen, die sich im Ausland geschäftlich betätigen, begegnen zum einen Kosten, die durch die Fremdheit im Umfeld, in der Kultur, Politik und durch wirtschaftliche Unterschiede verursacht werden, und zum anderen der Erfordernis, ihr Geschäft über geografischen Distanzen zu koordinieren (vgl. Zaheer, 1995, S. 341). Diese Kosten stellen einen Risikofaktor dar, der in der Literatur als „Liability of Foreignness“ beschrieben wird. Für ein multinationales Unternehmen ist es von großer Bedeutung, Kosten, die durch die „Liability of Foreignness“ verursacht werden, zu minimieren, um auf dem ausländischen Markt konkurrenzfähig zu bleiben und somit auch auf dem Weltmarkt keine Marktanteile zu verlieren.

Das Thema Direktinvestitionen, die auch als Foreign Direct Investments (FDI) bezeichnet werden, umfasst ein sehr breites Spektrum in der Literatur. So befassen sich vor allem Autoren, wie KINDELBERGER (1979) und KNICKERBOCKER (1979) mit der monopolistischen und oligopolistischen Theorie der FDI. AUTSCHBACH (1997), ALBACH (1992), MUDAMBI (2002) und GUTOWSKI (2002) behandeln umfassend das Thema der internationalen Standortwahl. HYMER (1976) befasst sich mit den internationalen Operationen nationaler Unternehmen, ROSENZWEIG (1991) und SINGH (1991) mit dem organisatorischen Umfeld und dem multinationalen Unternehmen. CAVES (1971) behandelt die internationalen Kooperationen. Mit der Wirkung der Direktinvestitionen auf den Außenhandel befasst sich PFAFFERMAYR (1996). Den Vergleich zwischen FDI und Export nehmen ARAND (2002) und MARKUSEN (2000) vor. „The Liability of Foreignness“ wurde zum ersten Mal von HYMER (1976) angesprochen sowie von ZAHEER (1995) und von ZAHEER und MOSAKOWSKI (1997) noch ausführlicher behandelt. Damit haben HYMER und ZAHEER eine entscheidende Grundlage für alle wissenschaftlichen Arbeiten, die sich mit dem Thema „Liability of Foreignness“ auseinandergesetzt haben, geschaffen.

Die Liability of Foreignness stellt für die multinationalen Unternehmen (MNU) ein großes Problem dar. Dies kann damit begründet werden, dass die Forschung hinsichtlich dieses Themas- betrachtet man die Literatur genauer - noch in den Kinderschuhen steckt. Solange die multinationalen Unternehmen nicht in der Lage sind, das Problem der Liability of Foreignness zu lösen, werden sie ein „Fremder auf einem fremden Markt“ bleiben. Dies ist ein großer Nachteil, verglichen zu den lokalen Unternehmen. Die bisherigen Studien haben sich ausschließlich auf Großunternehmen konzentriert.

Im Rahmen dieser wissenschaftlichen Arbeit wird der Fokus auf mittelständische Familienunternehmen gerichtet.

Die Zielsetzung dieser Arbeit liegt in der klaren Definition der „Liability of Foreignness“. Weiterhin gilt es, herauszufinden, ob mittelständische Familienunternehmen im Rahmen einer internationalen Expansion durch Direktinvestitionen mit diesem Problem konfrontiert werden. Außerdem soll festgestellt werden, auf welche Art und Weise sie versuchen, die Liability of Foreignness zu umgehen. Um nicht nur Daten aus Sekundärquellen zu verwenden, wird anhand von Interviews eine Markterkundung durchgeführt. Diese hat den Zweck, ein aktuelles Bild des Umgangs von mittelständischen Familienunternehmen mit dem Thema „Liability of Foreignness“ darzustellen.

Aufbau der Arbeit

Zu Beginn der Arbeit werden im Kapitel 1 die theoretischen Grundlagen dargestellt. Dabei werden die wichtigsten, für das Thema relevanten Definitionen erklärt und voneinander abgegrenzt. In der Folge der relevanten Definitionen werden die Formen der möglichen ausländischen Direktinvestitionen im Zeitablauf dargestellt und durch die FDI Trends ergänzt. Weiterhin wird auf die Eintrittsmöglichkeiten auf ausländische Märkte durch Akquisition und Greenfield Investment eingegangen.

Im Kapitel 2 werden im Rahmen der Theorien zu Unternehmensübernahmen Erklärungsansätze der ökonomischen Theorien und der Strategiediskussion aufgezeigt. Dabei wird auf die verschiedenen Theorien und Hypothesen detailliert eingegangen.

Mit den Alternativen zu den Direktinvestitionen befasst sich Kapitel 3.

Definiert und besprochen wird der Begriff „Liability of Foreignness“ in Kapitel 4. Der Umgang mit diesem Problem bildet den Fokus dieses Kapitels. Weiterhin wird näher auf die Studie von ZAHEER eingegangen.

Das Kapitel 5 befasst sich mit dem Thema Marktforschung. Dabei wird der Begriff genau definiert. Es wird auf die systematische und auf die unsystematische Informationsbeschaffung eingegangen. Durch die Erläuterung der qualitativen und der quantitativen Verfahren und der Erhebungsarten wird die Thematik vervollständigt. Zum Schluss werden die Phasen des Forschungsprozesses dargestellt.

Der Erläuterung der Marktforschung folgt im Kapitel 6 die Dokumentation der durchgeführten Markterkundung. In diesem Kapitel wird auf die interviewten Unternehmen eingegangen und die Methodik der Markterkundung besprochen. Weiterhin werden die erhobenen Daten ausgewertet. Schließlich werden die in der vorliegenden Arbeit gewonnenen Erkenntnisse zusammengefasst.

1. Theoretische Grundlagen

Wenn ein französischer Automobilhersteller Reifen von einem japanischen Lieferanten bezieht, wenn ein deutscher Student ein englisches Buch im Internet über eine US- amerikanische Buchhandlung ordert, wenn ein italienisches Modehaus die nächste Kollektion in der Türkei produzieren lässt, wenn ein österreichischer Produzent von Alpinskiern darüber nachdenkt, einen Teil seiner Produktion nach Slowenien oder in die Ukraine zu verlagern oder wenn eine amerikanische Fast-Food-Kette die ganze Welt mit Restaurants überzieht, dann sind diese Vorkommnisse bemerkenswerte Phänomene der Internationalisierung.

Bevor mit der Begriffsbestimmung des Foreign Direct Investments anfangen wird, ist es wichtig, den Begriff Internationalisierung zu definieren.

1.1 Definition und Abgrenzung von Internationalisierung

Der Begriff Internationalisierung kommt von dem Wort international, das aus dem Englischen stammt und „ ü ber den Rahmen eines Staates hinausgehend “ bedeutet (vgl. Duden das Bedeutungswörterbuch, 1985, S. 356). In diesem Zusammenhang wird von der Internationalisierung eines Unternehmens bereits dann gesprochen, wenn ein Unternehmen beginnt, sich auf ausländischen Märkten zu engagieren (vgl. Gutmann und Kabst, 2000, S. 8). Somit drückt die Internationalisierung für die einzelne Unternehmung Geschäftsaktivitäten im Ausland aus. Die kann auf verschiedene Art und Weise geschehen, zum Beispiel durch den Export von Erzeugnissen, Technologien, Managementwissen oder durch Direktinvestitionen im Vertriebs- und Fertigungsbereich.

Der Begriff „Internationales Unternehmen“ lässt sich daher nicht nur auf den Radius von Unternehmen, welche ihre Leistungserstellung ins Ausland verlagert haben, eingrenzen, sondern umfasst auch „ sämtliche Formen der grenz ü berschreitenden Geschäftstätigkeit von der sporadischen Auslandsmarkt-Bearbeitung bis hin zum integrierten Management weltweit präsenter Gro ß unternehmen .“ (Marcharzina, 2003, S. 839).

Wenn von Internationalisierung gesprochen wird, dann denken viele Menschen gleich an Globalisierung. Diese beiden Begriffe sind zwar miteinander verwandt, haben jedoch unterschiedliche Bedeutungen. Deshalb werden, um Undifferenziertheiten zu vermeiden, die beiden Begriffe voneinander abgegrenzt. Der Begriff Globalisierung bezeichnet den Prozess der zunehmenden weltweiten Vernetzung und der damit verbundenen Erleichterung des Marktzugangs aufgrund der technischen Fortschritte sowie der steigenden Liberalisierung des Welthandels (vgl. o.V.[b], o.J., o.S.).

Unter dem Begriff Internationalisierung hingegen versteht man Prozesse, die nicht global, sondern international ablaufen, d.h. zwischen den einzelnen Nationen. Allerdings wird die Internationalisierung durch die Globalisierung begünstigt.

Da nun der Begriff Internationalisierung geklärt wurde, ist es hilfreich, sich die Geschichte einer der wohl erfolgreichsten multinationalen Unternehmen (MNU) zu betrachten, um den Begriff Foreign Direct Investment (FDI) greifbar zu machen. Anschließend werde ich mich der Definition und der Abgrenzung der FDI widmen.

1.2 Cemex ’ s Foreign Direct Investment

In little more than a decade, Mexico ’ s largest cement manufacturer, Cemex, has transformed itself from a primarily Mexican operation into the third largest cement company in the world behind Holcim of Switzerland and Lafarge Group of France with 2004 Sales of $7.1 billion and more than $2 billion in cash flow. Cemex has long been a powerhouse in Mexico and currently controls more than 60 percent of the market for cement in that country. Cemex ’ s domestic success has been based in large part on an obsession with efficient manufacturing and a focus on customer service that is tops in the industry.

Cemex is a leader in using information technology to match production with consumer demand. The company sells ready-mixed cement that can survive for only about 90 minutes before solidifying, so precise delivery is important. But Cemex can never predict with total certainty what demand will be on any given day, week, or month. To better manage unpredictable demand patterns, Cemex developed a system of seamless information technology, including truck-mounted global positioning systems, radio transmitters, satellites, and computer hardware, that allows Cemex to control the production and distribution of cement like no other company can, responding quickly to unanticipated changes in demand and reducing waste. The result are lower costs and superior customer service, both differentiating factors for Cemex.

The Company also pays lavish attention to its distributors - some 5,000 in Mexico alone - who can earn points toward rewards for hitting sales targets. Those points can then be converted into Cemex stock. High-volume distributors can purchase trucks and and other supplies through Cemex at significant discounts. Cemex also is known for ist marketing drives that focus on end users, the builders themselves. For example, Cemex trucks drive around Mexican building sites, and if Cemex cement is being used, the construction crews win soccer balls, caps, and T-shirts.

Cemex ’ s international expansion strategy was driven by a number of factors. First, the company wished to reduce its reliance on the Mexican construction Market, which was characterized by very volatile demand. Second, the company realized there was tremendous demand for cement in many developing countries, where significant construction was being undertaken or needed. Third, the company believed that it understood the needs of construction businesses in developing nations better than the established multinational cement companies, all of which were from developed nations. Fourth, Cemex believed that it could create significant value by acquiring inefficient cement companies in other markets and transferring its skills in customer service, marketing, information technology, and production management to those units.

The company embarked in earnest on ist international expansion strategy in the early 1990s. Initially Cemex targeted other developing nations, acquiring established cement makers in Venezuela, Colombia, Indonesian the Philippines, Egypt, and several other countries. It also purchased two stagnant companies in Spain and turned them around. Bolstered by the success of its Spanish ventures, Cemex began to look for expansion opportunities in developed nations. In 2000, Cemex purchased Houston based Southland, one of the largest cement companies in the United States, for $2.5 billion. Following the Southland acquisition, Cemex had 56 cement plants in 30 countries, most of which were gained through acquisitions. In all cases, Cemex devoted great attention to transferring its technological, management, and marketing know-how to acquired units, thereby improving their performance.

The benefits of this strategy flowed through to the bottom line. From 1991 to 2003, the company ’ s earnings before interest, tax, and depreciation when measured in U.S. dollars grew by more than 18 percent annually. Cash earnings per share also grew by 20 percent a year, while sales grew by 15 percent. Since profits have grown faster than sales, the company must be realizing significant efficiency gains in its acquired units. By 2002, Cemex was number one among the world ’ s largest cement manufacturers on most measures of financial performance, suggesting that its strategy of entering foreign markets through acquisitions was paying dividends, and it was more profitable than ist major competitors.

In 2004, Cemex made another major foreign investment move, purchasing RMC of Great Britain for $5.8 billion. RMC was a huge multinational cement firm with sales of $8.0 billion, only 22 percent of which were in the United Kingdom, and operations in more than 20 nations, including many European nations where Cemex had no presence. Finalized in March 2005, the RMC acquisition has transformed Cemex into a global powerhouse in the cement industry with more than $15 billion in annual sales and operations in 50 countries. Only about 15 percent of the company ’ s sales are now generated in Mexico “ (Hill, 2007, S.237).

Die Geschichte von Cemex macht deutlich, wie wichtig Direktinvestitionen sind. Das Unternehmen hat es geschafft, durch seine Akquisitionen innerhalb von etwas mehr als einer Dekade zum drittgrößten Unternehmen in der Welt in der Zementbranche zu werden. Durch weltweite Akquisition ineffizienter Unternehmen und durch technologischen Transfer, Management und Marketing Know-how zu den akquirierten Unternehmen hat sich das Unternehmen regelrecht nach oben katapultiert.

1.3 Definition und Abgrenzung von Foreign Direct Investment

Als Foreign Direct Investment bezeichnet man im Allgemeinen grenzüberschreitende Investitionen, die darauf abzielen, einen dauerhaften Einfluss auf eine Unternehmung in einem anderen Land zu erzielen (vgl. Kutscher und Schmid, 2008, S.84). Der internationale Währungsfond definiert FDI als „ the category of international investment made by a resident entity in one economy (direct investor) with the objective of establishing a lasting interest in an enterprise resident in an economy other than that of the investor (direct investment enterprise). ” Lasting interest ” implies the existence of a long-term relationship between the direct investor and the enterprise and a significant degree of influence by the direct investor on the management of the direct investment enterprise “ (IWF, 2002, S.3). „hnlich liest sich auch die Definition der OECD: „ Foreign direct investment reflects the objective of obtaining a lasting interest by a resident entity in one economy ( ‘‘ direct investor ’’ ) in an entity resident in an economy other than that of the investor ( ‘‘ direct investment enterprise ’’ ). The lasting interest implies the existence of a long-term relationship between the direct investor and the enterprise and a significant degree of influence on the management of the enterprise “ (OECD, 1996, S.7). HILL beschreibt FDI wie folgt: „ Foreign direct investment (FDI) occurs when a firm invests directly in facilities to produce and/or market a product in a foreign country “ (Hill, 2007, S.238). Dabei haben die ausländischen Investoren per Definitionem ein Kontrollmotiv. Bei den FDI wird dem Investor prinzipiell ein langfristiges Interesse an den getätigten Investitionen unterstellt, da man davon ausgeht, dass er seinen Einfluss nicht nur für eine kurze Zeit ausüben möchte (vgl. Kutscher und Schmid, 2008, S.85).

Sobald ein Unternehmen ein Foreign Direct Investment (eine Direktinvestition) tätigt, wird es zu einem multinationalen Unternehmen (MNU). Ein Beispiel für FDI wurde im vorherigen Abschnitt dargestellt, es ist der Fall des mexikanischen Zementherstellers Cemex . Zwischen 1990 und 2005 hat Cemex Direktinvestitionen in Höhe von etwa 16 Milliarden US-$ getätigt und sich damit die Möglichkeit verschafft, in 50 Ländern tätig zu werden. Bis zum Jahre 2005 hatte sich Cemex von einem mexikanischen Mittelständler zu einem der stärksten multinationalen Unternehmen (MNU) in der Zementbranche mit einem Jahresumsatz von 15 Milliarden US-$ entwickelt. Nur 15% des Umsatzes wurden dabei in Mexico erwirtschaftet. Das Unternehmen generiert somit den größten Teil seines Umsatzes auf ausländischen Märkten.

Generell wird zwischen zwei Arten von langfristigen internationalen Kapitalbewegungen unterschieden - dem Foreign Direct Investment und der Portfolioinvestition. Ein Foreign Direct Investment liegt vor, wenn der Investor über die direkte Kontrolle über das ausländische Unternehmen verfügt. Hat er keine Kontrolle über das ausländische Unternehmen, so wird die Investition als Portfolioinvestition bezeichnet (vgl. Hymer, 1976, S.1). Obwohl ein Anteil am Eigentum der Kapital aufnehmenden Unternehmung auch durch Portfolioinvestitionen erworben wird, sind diese nicht mit einem spürbaren Einfluss auf die Geschäftsführung verbunden, denn die eigentliche Zielsetzung ist es, Kapitalerträge zu generieren und das Risiko zu diversifizieren (vgl. Fan, 1994, S.5). Portfolioinvestitionen sind rendite- und spekulationsorientiert, deshalb werden dabei nur Finanzressourcen transferiert, während bei den FDI auch Sachressourcen und andere Ressourcen eingebracht werden. „ Sie werden in vielen Fällen nur mit einem kurz- oder mittelfristigen Interesse getätigt “ (Kutscher und Schmid, 2008, S.85).

Es wäre falsch zu behaupten, dass ein Renditemotiv oder die Risikodiversifikation bei einem Foreign Direct Investment nicht inhärent sei und dies in einem Zeitalter, in dem der Shareholder Value mit zu den wichtigsten Zielen eines Unternehmens gehört. Jedoch werden die FDI mit dem strategischen Ziel getätigt, auf lange Sicht gegenüber potentiellen Konkurrenten einen Vorteil zu erringen, auch wenn einige FDI nach kurzer Zeit aufgrund mangelnder Profitabilität wieder desinvestiert werden.

So bleibt die Absicht eindeutig, dass ein multinationales Unternehmen (MNU), das sich die Mühe macht, international zu investieren und Risiken einzugehen, immer mit dem Ziel arbeitet, noch profitabler zu werden.

Trotz einiger Grauzonen ist das Foreign Direct Investment über das Kontrollmotiv und das langfristige Interesse von den Portfolioinvestitionen abzugrenzen.

1.3.1 Die Direktinvestitionsannahme

Im vorigen Abschnitt wurde der Unterschied zwischen der Portfolioinvestition und der FDI verdeutlicht und es wurde festgestellt, dass bei einer direkten Kontrolle seitens des Investors ein Foreign Direct Investment besteht. Jedoch ist die Kontrolle nicht leicht zu definieren und die Trennungslinie zwischen geringer Kontrolle und keiner Kontrolle ist arbiträr (vgl. Hymer, 1976, S.1). Die Beteiligungshöhe ist an dieser Stelle von großer Bedeutung, denn ab einer bestimmten Beteiligungshöhe nimmt die Investition einen FDI-Charakter an und wird nicht mehr als Portfolioinvestition betrachtet. Als Schwellenwert gilt eine Beteiligung von 10 %. Dies bedeutet, dass ab einer Beteiligung von 10 % die Vermutung des Vorliegens eines Foreign Direct Investments ausgesprochen wird und nicht mehr angenommen wird, dass allein Rendite- und Spekulationsmotive im Mittelpunkt der Anlageüberlegungen stehen.

Dabei kann auf die Kapitalbasis oder die Stimmrechtsbasis abgestellt werden (vgl. OECD 1996, S.8). In den meisten Fällen sind die Kapital- und die Stimmrechtsbeteiligung hinsichtlich ihrer prozentualen Höhe identisch, sodass die Entscheidung über das Vorliegen eines Foreign Direct Investments unproblematisch ist (vgl. Kutscher und Schmid, 2008, S.86). Ist dies nicht der Fall, ist es vollkommen ausreichend, wenn nur eines der beiden Kriterien die 10 %-Marke überschreitet. Die OECD empfiehlt dann von einem Foreign Direct Investment auszugehen, wenn die Kapitalbeteiligung oder die Stimmrechtsbeteiligung den Wert von 10 % überschreiten (vgl. OECD 1996, S.6).

Der Statistik der Bestandserhebung zu Direktinvestitionen der Deutschen Bundesbank kann man entnehmen, dass im Laufe der Zeit der Schwellenwert kontinuierlich gesenkt wurde. Bis Ende 1989 lag dieser Wert bei 25 %. Er wurde im September 1989 auf 20 % gesenkt. In Folge der internationalen Harmonisierung kam es zu einer erneuten Herabsetzung auf unter 10 % (Vgl. Deutsche Bundesbank 2008, S.65).

Trotz der Theorie ist es schwer, in der Praxis zwischen dem Foreign Direct Investment und der Portfolioinvestition abzugrenzen, wie das folgende Ereignis belegt. Die Abu Dhabi Investment Authority, kurz ADIA, die über 875 Milliarden Dollar verwalten soll - damit ist sie etwa drei bis vier Mal so groß wie der im Westen gefürchtete chinesische Staatsfond CIC - hat sich vor gar nicht langer Zeit mit rund 7,5 Milliarden Dollar für einen Anteil von 4,9 % an der Citigroup beteiligt. Bei derartigen Staatsfonds ist es nicht auszuschließen, dass die Ertrags- und Risikodiversifikationsmotive keine primäre Rolle spielen, obwohl derartige Beteiligungen üblicherweise weit unter dem Schwellenwert von 10 % liegen.

Im nächsten Abschnitt gilt es zu klären, welche Motive Unternehmen verfolgen, wenn sie Foreign Direct Investments tätigen.

1.3.2 Motive und Konsequenzen der Direktinvestitionen

Mit dem Foreign Direct Investment kann eine Unternehmung mehrere Ziele verfolgen. Als generelles Motiv für ein Foreign Direct Investment wurde bereits die langfristige Kontrolle eruiert. Doch was bewegt die Unternehmen dazu, nach langfristiger Kontrolle über ein ausländisches Unternehmen zu streben?

DUNNING hat das eklektische Paradigma des FDI Entscheidungsprozesses entwickelt, womit er die Motive der Unternehmen für eine Direktinvestition im Ausland erklärt (vgl. Sudarsanam, 2003,S. 200).

Exkurs:

Ein Eklektiker (kommt aus dem Altgriechischen) bezeichnet einen Philosophen, der schon vorhandene Philosophien „einfach“ aneinanderreiht und zusammenfasst und somit eine scheinbar neue Philosophie erstellt (vgl. o.V.[x], o.J., o.S.). Ein Paradigma (ebenfalls aus dem Altgriechischen) bedeutet übersetzt soviel wie Muster, Beispiel (vgl. o.V.[y], o.J., o.S.) und in Dunnings Fall: Musterbeispiel.

DUNNING sieht sein eklektisches Paradigma als eine Weiterentwicklung der „Internalisierungstheorie“ von COASE an. Diese wiederum basiert auf dem Transaktionsansatz des Letztgenannten.

Gemäß der eklektischen Theorie der Direktinvestition von DUNNING müssen für die Durchführung eines FDI folgende drei Bedingungen erfüllt sein (vgl. Dunning, 1998, S. 44-65):

- Das Unternehmen muss bei der Auslandsmarktbedienung einen Eigentumsvorteil und/oder Wettbewerbsvorteil (Ownership Specific Advantage) gegenüber dem ausländischen Unternehmen besitzen;
- Weiter müssen Internationalisierungsvorteile (Internationalization Incentive Advantages) vorliegen. Dies bedeutet, dass es für das Unternehmen von Vorteil sein muss, seine Wettbewerbsvorteile unternehmensintern zu nutzen, statt diese zu verkaufen oder in Form einer Lizenz zu verpachten;
- Des Weiteren müssen die Standortfaktoren (Location Specific Variables) ein Foreign Direct Investment gegenüber anderen Formen der Auslandsmarktbedienung und einer inländischen Investition als vorteilhaft erscheinen lassen (vgl. Autschbach, 1997, S. 98).

Die eklektische Theorie verkn ü pft somit die Erkenntnisse der Theorie des monopolistischen Vorteiles, der Internationalisierungstheorie und der Standorttheorie “ (Autschbach, 1997, S. 98).

Aus dieser Theorie ergibt sich eine umfassende, allgemeingültige Theorie der FDI gemäß DUNNING.

Weiterhin wurde eine Systematisierung der Motive von ihm vorgenommen. Er unterscheidet vier Gruppen von Motiven:

- „resource seeker“ (beschaffungsorientierte Motive)
- „market seeker“ (absatzorientierte Motive)
- „efficiency seeker“ (effizienzorientierte Motive) und
- „strategic asset seeker“ (strategische Motive).

Mit den nachfolgenden Ausführungen sollen die einzelnen Motivkategorien präziser erläutert werden (vgl. Dunning 1993, S. 139-148, Dunning 1994, S. 35-36).

- Beschaffungsorientierte Motive umfassen den Zugang zu besonderen und spezifischen Ressourcen im Ausland. Damit sind entweder der Ressourcen- Zugang zu geringeren Kosten - falls diese im Inland nicht vorkommen - oder aber der generelle Zugang, um überhaupt an Ressourcen heranzukommen, gemeint. Dies können physische Ressourcen (Rohstoffe, Mineralien, landwirtschaftliche Produkte) sein oder menschliche Ressourcen (qualifizierte und/oder von den Lohnkosten her günstige Arbeitskräfte), aber auch unternehmerische/finanzielle Ressourcen (günstiges Kapital, technische und organisatorische Fähigkeiten).
- Als absatzorientiertes Motiv gilt hauptsächlich der Zugang zu neuen Märkten. Direktinvestitionen werden getätigt, weil sich Unternehmen auf dem ausländischen Markt einen besseren Absatz ihrer Güter und Dienstleistungen versprechen. Hinzu kommt, dass dadurch auch die Möglichkeit geschaffen wird, Güter oder Dienstleistungen auf Märkten der benachbarten Länder abzusetzen. Weist der Markt ein großes Volumen auf, so können mögliche Transaktionskosten durch die Produktion vor Ort gesenkt oder gar eliminiert werden. Weiterhin werden eine größere Nähe zum Konsumenten sowie die Anpassung der Güter und Dienstleistungen an die Wünsche des Markts beabsichtigt.

Beschaffungs- und absatzorientierte Motive stehen vor allem bei Erstinvestitionen sowie bei Unternehmungen, die vergleichsweise gering internationalisiert sind, im Mittelpunkt der Ü berlegungen. Bei Folgeinvestitionen sowie bei bereits stark internationalisierten Unternehmungen gewinnen dagegen die sogenannten effizienzorientierten und die strategisch orientierten Motive an Gewicht “ (Kutscher und Schmid, 2008, S.90).

- Effizientorientierte Motive haben das Ziel, durch Rationalisierung Economies of Scale and Scope zu erzielen. Diese ergeben sich länderweise aus den unterschiedlichen Faktorausstattungen, den kulturellen und institutionellen Regelungen sowie aus den verschiedenartigen Wirtschaftssystemen und Wirtschaftspolitiken. Der efficiency seeker , ein erfahrenes multinationales Unternehmen, das die Vorteile der internationalen Ressourcen- und Marktnutzung bereits realisiert, setzt nun auf Rationalisierung und zwar vorzugsweise auf regional integrierten Märkten für standardisierte Produkte (vgl. Schumann, 1999, S. 23).
- Strategische Motive haben den Zweck, mittels Foreign Direct Investment Anteile an ausländischen Firmen zu erwerben, um langfristige strategische Ziele zu verfolgen, insbesondere, um die eigene internationale Wettbewerbsfähigkeit zu fördern oder die des Konkurrenten zu schwächen (vgl. Schumann, 1999, S. 23). Durch die Akquisition eines Mitbewerbers im Ausland kann zum Beispiel gegen einen mächtigen Konkurrenten vorgegangen werden. Auch das „Einklinken“ in formelle und informelle Informations- und Kommunikationsnetzwerke können Unternehmen zu einem FDI bewegen, dass in den Bereichen Forschung und Entwicklung eine große Rolle spielt.

Multinationale Unternehmen können in ausländische Unternehmen mit hohem oder speziellem Know-how investieren, um dieses in das eigene Land zu transferieren. Das Prinzip der „Revanche“ gehört auch zu den Beweggründen eines Foreign Direct Investments, d.h. wenn ein ausländisches Unternehmen im Inland ein Direktinvestition tätigt, so wird das inländische Unternehmen im Ausland auch eine Direktinvestition tätigen, um weltweit keine Marktanteile zu verlieren.

In der Literatur werden viele verschiedene Motive genannt (vgl. Autschbach, 1997; Dunning, 1993; Kutscher und Schmid, 2008; Schumann, 1999). Es wird klar, dass einem Foreign Direct Investment ein ganzes Bündel an Motiven zugrunde liegt. Weiterhin ist festzuhalten, dass sich die Motive der Unternehmen für Direktinvestitionen im Laufe der Zeit ändern. Somit müssen sich die Motive für die Erstinvestition nicht mit denen für die spätere Beibehaltung des FDI decken. Auch Folgeinvestitionen liegen andere Motive zugrunde als Erstinvestitionen.

Foreign Direct Investments bringen sowohl positive als auch negative Konsequenzen mit sich. Einige von ihnen sollen für das Land, in das die Direktinvestitionen fließen, exemplarisch angeführt werden.

Zu den positiven Aspekten zählen:

- Weitergabe von Know-how in Form von Technologien und Managementtechniken,
- Schaffung von Arbeitsplätzen und damit eine Erhöhung des Lebensstandards,
- höhere Steuereinnahmen,
- Erweiterung des lokalen Produktangebots,
- Beitrag zur Verbesserung der lokalen Ressourcen, Fähigkeiten und Kompetenzen im Sinne von Diffusions- und Leverageeffekten,
- die damit verbundene Chance von Spill-Over-Effekten, z.B. in den Bereichen Forschung und Entwicklung und
- die Erhöhung des Bruttonationaleinkommens (vgl. Kutscher und Schmid, 2008, S.92).

Als negative Aspekte können genannt werden:

- Transfer von Know-how ins Gastland, das nicht genutzt werden kann,
- Einfluss internationaler Konzerne auf die Politik eines Landes
- Transfer der Gewinne in das Ursprungsland
- Schaden für die Umwelt und negative Beeinflussung der Gesellschaft
- das plötzliche Abziehen von Investitionen, wenn ein anderes Land billigere Angebote macht (z.B. eine Gefahr für die Softwareschmiede Bangalore: die Philippinen und China drängen in das Geschäft) (vgl. Kutscher und Schmid, 2008, S.92).

Was für das investierende Land sich als positiv erweist, kann sich als ein negativer Aspekt für das Gastland herausstellen und vice versa.

In den bisherigen Ausführungen wurde der Begriff Foreign Direct Investment definiert, es wurde über die Direktinvestitionsannahme gesprochen und die Motive und Konsequenzen wurden dargestellt und erläutert. Der nächste Abschnitt beschäftigt sich mit der Systematisierung der FDI.

1.3.3 Systematisierung von Foreign Direct Investments

Da Direktinvestitionen auf allen Tätigkeitsfeldern eines Unternehmens vorgenommen werden können, lassen sie sich auch hinsichtlich ihrer Position in der Wertschöpfungskette unterscheiden. Relevant ist vor allem die Unterscheidung zwischen vertikalen und horizontalen Direktinvestitionen (vgl. Haas und Neumair, 2006, S. 217; Büter, 2007, S. 110).

Vertikale Direktinvestitionen werden zur Nutzung internationaler Faktorpreisunterschiede getätigt. Sie können vor- oder rückwärts ausgerichtet sein. Sind die im Ausland angesiedelten Funktionen denen im Inland nachgelagert, spricht man von vorwärtsgerichteten Direktinvestitionen. Beispielhaft wäre der Aufbau eines eigenen Vertriebsnetzes im Ausland zur Distribution der im Inland hergestellten Produkte. Demgegenüber beinhalten rückwärtsgerichtete Direktinvestitionen die dem Inland vorgelagerten Funktionen, wie die Beschaffung, Bearbeitung oder Veredelung von Rohstoffen (zum Beispiel die Erzeugung von Roheisen und Rohstahl) oder von Vorprodukten im Ausland, die im Inland weiterverarbeitet werden. Vertikale Direktinvestitionen fördern grundsätzlich den Außenhandel, da sie nicht die Produktion ersetzen, sondern durch die Ausweitung der Absatzmöglichkeiten und Vertriebswege den Export unterstützen (vgl. Hill, 2007, S. 252).

Horizontale Direktinvestitionen werden dagegen auf derselben Wertschöpfungsstufe getätigt. Die betrieblichen Funktionen im Ausland entsprechen denen im Heimatland des Investors. Dies kann zwar grundsätzlich auch für die Bereiche Absatz und Beschaffung gelten, der Großteil der horizontalen Direktinvestitionen wird jedoch in der Produktion getätigt, weshalb sie oft mit Produktionsverlagerungen gleichgesetzt werden (vgl. Hill, 2007, S. 246).

Von den vertikalen und horizontalen sind die konglomeraten Direktinvestitionen jedoch zu unterscheiden. Bei ihnen bestehen keine direkten Verknüpfungen zu den betrieblichen Funktionen im Heimatland des Investors. Meist werden sie aufgrund von Diversifikationsmotiven getätigt. Die damit angestrebte Risikominderung oder Risikostreuung beruht auf einer produktbezogenen und/oder international-räumlichen Diversifikation der Unternehmensaktivitäten (vgl. Caves, 1971, S. 3).

1.3.4 Betrachtungsebenen für Direktinvestitionen

Wenn man über Foreign Direct Investments spricht, dann sollten auch die Richtung und die Art der Größen geklärt werden.

Die Richtung der Direktinvestitionstätigkeit wird klassifiziert in „Outward FDI“, die aus einem Land in andere Länder fließt, und in „Inward FDI“, die aus einem anderen Land in ein bestimmtes Land fließt (vgl. o.V.[a], o.J., o.S.). Länder, welche Investitionen in anderen Ländern tätigen, werden Geberländer genannt, und Länder, welche das Ziel von Direktinvestitionen sind, werden als Empfängerländer bezeichnet. Weiterhin ist es wichtig, zwischen „FDI Flows“ (Direktinvestitionsfluss) und „FDI Stocks“ (kumulierte Direktinvestitionsbestände) zu unterscheiden. „ The flow of FDI refers to the amount of FDI undertaken over a given time period (normally a year). The stock of FDI refers to the total accumulated value of foreign-owned assets at a given time .“ (Hill, 2007, S. 239).

Als Bestandsgrößen werden die kumulierten Direktinvestitionsbestände, also die „FDI Stocks“, und als Flussgrößen die Zu- und Abflüsse („FDI Flows“) innerhalb einer bestimmten Periode erfasst.

Die Attraktivität mancher Standorte wird dabei oft anhand der Daten über „FDI Flows“ und „FDI Stocks“ gemessen (vgl. Albach, 1992, S. 4-5). Während Direktinvestitionsbestände wichtige Hinweise über die Attraktivität eines Landes in der Vergangenheit liefern, werden die Direktinvestitionsflüsse als Indikator für die aktuelle und zukünftige Attraktivität eines Landes wahrgenommen.

1.3.5 Bestandteile von Foreign Direct Investments

In diesem Abschnitt soll verdeutlicht werden, dass Foreign Direct Investments nicht nur aus Investitionen im Ausland, die erstmalig durch eine Neugründung, z.B. von Tochtergesellschafen, oder Akquisitionen getätigt werden, bestehen. Ein großer Anteil der FDI stammt aus Folgeinvestitionen und nicht aus Erstinvestitionen. Weiterhin ist es wichtig, zu verdeutlichen, dass nicht nur Eigenkapitalanteile, sondern auch Fremdkapitalanteile in einer Direktinvestition enthalten sein können.

1.3.5.1 Die Unterscheidung zwischen Erst- und Folgeinvestition

Bei Foreign Direct Investments kann zwischen Erstinvestitionen und Folgeinvestitionen differenziert werden (vgl. Kutscher und Schmid, 2008, S.94).

Die Erstinvestitionen können hinsichtlich der Markteintritts- und der Marktbearbeitungsstrategie sowie bezüglich der Eigentumsstrategie unterschieden werden:

- Im Rahmen der Markteintritts- und Marktbearbeitungsstrategie kann zwischen einer Neugründung von Tochtergesellschaften und einer Akquisition von Unternehmen im Ausland differenziert werden (vgl. Kutscher und Schmid, 2008, S.95).
- Bezüglich der Eigentumsstrategie kann zwischen Alleineigentum (100 %) sowie Joint Venture unterschieden werden. Dies bedeutet, dass die Unternehmung im Alleingang oder in Kooperationen eine Direktinvestition im Ausland realisieren kann.

Sowohl die Markteintritts- und Marktbearbeitungsstrategie als auch die Eigentumsstrategie sind für die Interpretation einer Erstinvestition nicht von Bedeutung. Dabei kommt es nur darauf an, dass erst einmal eine Beteiligung über 10 % seitens eines inländischen Unternehmens an einem ausländischen Unternehmen erworben wird.

Ergänzt werden die Erstinvestitionen durch Folgeinvestitionen. Oft entstehen Foreign Direct Investments erst durch Folgeinvestitionen. Direktinvestitionen in Form von Folgeinvestitionen liegen in folgenden Fällen vor (vgl. Kutscher und Schmid, 2008, S.95):

- Wenn Unternehmen ihre bisherigen Portfolioinvestitionen aufstocken, sodass daraus Direktinvestitionen entstehen. Dies kann durch die Aufstockung der Beteiligungen von unter 10 % auf über 10 % erreicht werden;

- Wenn die Aufstockung der Beteiligung bei bereits vorhandenen Direktinvestitionen getätigt wird.

Es ist zu beachten, dass sich die Unternehmensaktivitäten im Ausland im Laufe der Zeit verändern. Oft werden zunächst Portfolioinvestitionen getätigt, weil sich die Unternehmen langsam an den Markt herantasten wollen. Stellen sich diese als erfolgreich heraus, kommt es vor, dass Beteiligungen auf über 10 % aufgestockt werden, damit sich daraus ein Foreign Direct Investment entwickeln kann.

1.3.5.2 Die Unterscheidung zwischen Eigenkapital- und Fremdkapitalanteilen

Aufgrund der bisherigen Ausführungen wird vermutet, dass die Foreign Direct Investments als Eigenkapitalanteile gelten, die inländische Unternehmen an ausländischen Unternehmen halten und vice versa. Denn die Voraussetzung für ein FDI ist ein Stimmrechts- oder Kapitalanteil von 10 %. Tatsächlich setzen sich die Direktinvestitionen nicht nur aus Eigenkapital-, sondern auch aus Fremdkapitalanteilen zusammen.

Ein Teil der Foreign Direct Investments wird durch das Eigenkapital konstituiert, das ein Unternehmen an einem anderen Unternehmen hält. Diese Eigenkapitalanteile lassen sich in drei Teilkomponenten unterteilen:

- das Eigenkapital, das bei einer Erstinvestition eingesetzt wird,
- das bei Folgeinvestitionen zusätzlich zugeführte Eigenkapital und
- die gesamten reinvestierten Gewinne der Direktinvestition, welche nicht ausgeschüttet worden sind (vgl. Kutscher und Schmid, 2008, S.96).

Das bei einer Erstinvestition und einer Folgeinvestition eingesetzte Eigenkapital stellt einen Teil des Grundkapitals dar. Die reinvestierten Gewinne fließen in die Kapital- und Gewinnrücklagen. Jedoch dürfen nicht die gesamten im Ausland erwirtschafteten Gewinne dem Foreign Direct Investment zugeschlagen werden, sondern nur die durch das Direktinvestitionskapital erwirtschafteten Gewinne (vgl. Kutscher und Schmid, 2008, S.96).

Die Erträge aus einem Foreign Direct Investment wurden bis zum Jahre 1998 erst im Jahr nach ihrer Entstehung verbucht; seit dem Jahre 1999 werden nunmehr die gesamten Erträge aus Unternehmensbeteiligungen und damit auch die reinvestierten Gewinne, auch rückwirkend, dem Jahr der Gewinnentstehung zugerechnet („accrual principle“) (vgl. Deutsche Bundesbank, 1999, S. 51). Dies ist auch der Grund, warum die Daten zu einem Foreign Direct Investment mit relativ großer Zeitverzögerung veröffentlicht oder nachträglich korrigiert werden.

Als Resümee ist festzuhalten, dass eine inländische (ausländische) Muttergesellschaft Eigenkapitalanteile an einer ausländischen (inländischen) Tochtergesellschaft hält, welche durch Fremdkapitalanteile ergänzt werden.

Der Fremdkapitalanteil entsteht durch die Fremdfinanzierungsvorgänge zwischen den Kapitaleignern, also in der Regel zwischen der inländischen (ausländischen)

Muttergesellschaft und der ausländischen (inländischen) Tochtergesellschaft. Die Fremdkapitalbestandteile setzen sich zusammen aus:

- kurzfristigen Finanzkrediten,
- kurzfristigen Handelskrediten und
- langfristigen Krediten,

wobei es sich in allen drei Fällen sowohl um eine Erstinvestition als auch eine Folgeinvestition handeln kann (vgl. Kutscher und Schmid, 2008, S.97).

Internationale Organisationen empfehlen, Kreditgeschäfte nach der Richtung der Direktinvestitionsbeziehung zu ordnen („directional principle“). So lassen sie sich in „normal flows“ und „reverse flows“ unterscheiden, die im folgenden Textverlauf beschrieben werden.

Von „normal flows“ spricht man, wenn eine Muttergesellschaft ihrer Tochtergesellschaft einen Kredit gewährt. Dabei gelten diese Kredite als Direktinvestitionen.

Gewährt jedoch die Tochtergesellschaft der Muttergesellschaft einen Kredit, spricht man von „reverse flows“. Bei diesem interessanten Fall werden die Kredite als Rückführung der von der Muttergesellschaft zur Verfügung gestellten Mittel interpretiert und somit als Desinvestitionen betrachtet (vgl. Deutsche Bundesbank, 1999, S. 59).

Früher wurden derartige Kredite an das Mutterunternehmen von Tochtergesellschaften, wenn sie eine Laufzeit von mehr als einem Jahr überschritten, als eigenständige Direktinvestitionen ausgewiesen. Dies hatte den Nachteil, dass die weltweiten Direktinvestitionsströme und -bestände aufgebläht wurden. Mit der Regelung, die „reverse flows“ als Rückführung von Mitteln aufzufassen, werden die Ströme bzw. Bestände zwischen der Muttergesellschaft und der Tochtergesellschaft saldiert.

In der bisherigen Ausführungen wurde konstatiert, dass Foreign Direct Investments entgegen der vorherrschenden Meinung nicht nur Erstinvestitionen, sondern auch als Folgeinvestitionen gelten. Finanziert werden diese nicht nur mit Eigenkapital, sondern auch mit Fremdkapital.

1.4 Die Formen ausländischer Direktinvestitionen im Zeitablauf

Bis zum Beginn der 1960er Jahre zeichneten sich Foreign Direct Investments durch ein homogenes Erscheinungsbild aus. Dieses erstreckt sich von der Nationalität des Investors über die funktionale Ausgestaltung bis hin zur Form der Direktinvestition. So wurden die internationalen Auslandsinvestitionen von den US-amerikanischen Unternehmen dominiert, die 1960 einen Anteil von mehr als 60 % des globalen Bestands der FDI kontrollierten (vgl. IMF-Balance of Payments-Statistics Yearbook 1960). Auch die Bestimmungsfaktoren der wirtschaftlichen Aktivitäten der ausländischen Tochtergesellschaften variieren kaum. Sie werden durch die wirtschaftlichen Interessen der Muttergesellschaft bestimmt und dienen der Erschließung von lokalen Märkten und Ressourcen. Im ersten Fall reduzieren sich die Funktionen der ausländischen Tochtergesellschaft auf die eines internen Zulieferers. Im zweiten Fall stellt die Tochtergesellschaft eine autonome Miniaturkopie der Muttergesellschaft dar. Die internen Handelsströme beschränken sich im ersten Fall auf einen einfachen Austausch von Rohstoffen und Ausrüstungsgütern, im zweiten Fall auf einen einseitigen Strom von Ausrüstungsgütern (und immateriellen Assets ) von Mutter- zu Tochtergesellschaft (vgl. Panetta, 2003, S.14).

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Details

Seiten
114
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656377443
ISBN (Buch)
9783656377726
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v208355
Institution / Hochschule
Hochschule Darmstadt
Note
1,3
Schlagworte
internationale expansion direktinvestitionen liability foreignness risikofaktor

Autor

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Titel: Internationale Expansion durch Direktinvestitionen - "The Liability of Foreignness" als Risikofaktor