Lade Inhalt...

Einfluss der Bioenergie auf die Produktionsplanung in der Landwirtschaft

Bachelorarbeit 2012 49 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Produktion von Bioenergie
2.1 Biogas
2.2 Kurzumtriebsplantagen (KUP)
2.3 Aktuelle Situation in Deutschland

3 Grundlagen der Produktionsplanung
3.1 Definition Produktionsplanung
3.2 Ziele der betrieblichen Produktionsplanung
3.3 Der betriebliche Planungs- und Entscheidungsprozess

4 Produktionsplanung in der Landwirtschaft
4.1 Grundlagen der landwirtschaftlichen Produktionsplanung
4.2 Die landwirtschaftliche Produktionsplanung unter dem Einfluss der Bioenergie
4.3 Entscheidungsfindung in der Landwirtschaft unter dem Einfluss der Bioenergie

5 Betrachtung ausgewählter betriebsgestaltender Faktoren
5.1 Volkswirtschaftliche Entwicklung
5.2 Politische Bedingungen
5.3 Stand der Produktionstechnik
5.4 Faktorausstattung
5.4.1 Rechte und vertragliche Vereinbarungen
5.4.2 Dienste

6 Fazit und Ausblick

7 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 2.1: Anbau nachwachsender Rohstoffe für den Zeitraum 1999 bis 2012

Abbildung 5.1: Preisentwicklung bei Holzhackschnitzeln (WG 35), Holzpellets, Heizöl und Erdgas

Abbildung 5.2: Entwicklung der Pachtentgelte für landwirtschaftlich genutzte Flächen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Klimaschutzziele, die Entscheidung zum Atomausstieg und die Verknappung fossiler Ressourcen machen den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien unabdingbar. Durch die vermehrte Nutzung erneuerbarer Energien soll die Energieversorgungssicherheit gewährleistet werden. Gleichzeitig wird dadurch das Ziel einer sinkenden Importabhängigkeit und einer wachsenden Beschäftigung im ländlichen Raum verfolgt.[1]

Vor allem an die energetische Nutzung von Biomasse sind bei dem Ausbau erneuerbarer Energien große Erwartungen geknüpft. Im Jahr 2011 betrug der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten deutschen Energieverbrauch 12,2%. Davon wurden bereits knapp 70% durch die Bioenergie abgedeckt. Im Jahr 2050 soll der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten deutschen Energieverbrauch auf 60% gesteigert werden.[2]

Die Ausbauziele für Bioenergie stoßen jedoch auch auf Kritik, wie unter anderem eine aktuelle Studie der Akademie der Wissenschaft Leopoldina zeigt. Risiken bestehen darin, dass Flächenkonkurrenzen stärker werden, die Artenvielfalt leidet und eine gesteigerte Konkurrenz mit der Nahrungsmittelproduktion zu erwarten ist. Zudem wird kritisiert, dass bei der Produktion von Energie aus Biomasse hohe Treibhausgasemissionen entstehen.[3]

Der Einfluss der Bioenergie ist somit aktuell von hoher Relevanz für verschiedene Akteure mit unterschiedlichen Interessen. Da die Bioenergie mit einer Reihe ökologischer, ökonomischer und politischer Komponenten vernetzt ist, die sich im Zeitablauf verändern, ändert sich auch der Einfluss der Bioenergie. Einige Studien nutzen verschiedene Szenarien mit unterschiedlichen Unterstellungen politischer Rahmenbedingungen, um das Potenzial der Bioenergie für die Zukunft zu prognostizieren.[4] Eine alle Aspekte umfassende Analyse des Einflusses der Bioenergie speziell auf die Produktionsplanung in der Landwirtschaft ist bisher nicht bekannt. Der Einfluss der Bioenergie auf die Produktionsplanung wurde bisher lediglich im Hinblick auf einige Teilaspekte behandelt. Althoetmar legte im Jahr 1963 eine Dissertation über die langfristige Produktionsplanung landwirtschaftlicher Betriebe vor. Bahrs et al. konzentrierten sich vor allem auf die Auswirkungen der Bioenergieproduktion auf die Agrarpolitik sowie auf Anreizstrukturen in der Landwirtschaft. Schmitz et al. untersuchten das Potenzial der Bioenergie. Auch das Entscheidungsverhalten landwirtschaftlicher Betriebsleiter bei Bioenergie-Investitionen wurde anhand einer empirischen Studie von Granoszewski et al. erklärt. Gold schrieb im Jahr 2010 über die Supply Chain der Bioenergie und über ihre Anspruchsgruppen.

Die vorliegende Arbeit beschränkt sich auf wirtschaftliche sowie politische Aspekte, die mit dem Einfluss der Bioenergie in Zusammenhang stehen. Das Augenmerk liegt auf den Entwicklungen, die Landwirte unter dem Einfluss der Bioenergie erfahren, bzw. erfahren haben. Ziel dieser Arbeit ist es Veränderungen, Probleme und neue Möglichkeiten, die bei der Produktionsplanung zu berücksichtigen sind, aufzuzeigen. Im Rahmen dieser Arbeit wird der Fokus auf die Nutzung von Bioenergie in Form von Biogas und Kurzumtriebsplantagen (KUP) gerichtet.

Wie bereits erwähnt, ist zu dem Thema der vorliegenden Arbeit keine spezielle Vorgehensweise in der Literatur bekannt. In dieser Arbeit wurde ein Ansatz zur Analyse des Einflusses der Bioenergie auf die Produktionsplanung in der Landwirtschaft erarbeitet, welcher das breite Thema der Produktionsplanung durch die Betrachtung einzelner betriebsspezifischer Faktoren aufschlüsselt. Betriebsspezifische Faktoren stellen die Grundlagen für eine fundierte Produktionsplanung dar. Für die Behandlung dieser Faktoren wurde aktuelle Literatur herangezogen. Anhand dieser Analyse wird der Einfluss der Bioenergie auf die Produktionsplanung, wenn auch indirekt, erschlossen.

Mithilfe folgender Unterfragen wird die Leitfrage nach dem Einfluss der Bioenergie auf die Produktionsplanung in der Landwirtschaft beantwortet:

- Was sind die Besonderheiten der landwirtschaftlichen Produktionsplanung?
- Wie lauten die Ziele, Entscheidungen und Herausforderungen der landwirtschaftlichen Produktionsplanung unter dem Einfluss der Bioenergie?
- Was spricht für die Produktion von Biogas und KUP?
- Was sind Gründe dafür, dass der Anbau von KUP in einem Anfangsstadium gegenüber der Biogasproduktion steht?
- Welche Veränderungen sind bei ausgewählten betriebsgestaltenden Faktoren zu erkennen?
- Was für eine Bedeutung haben diese Veränderungen für die Produktionsplanung in der Landwirtschaft?

Im ersten Kapitel wird zunächst der Begriff „Bioenergie“ erläutert. Anschließend wird auf zwei Formen der Bioenergie eingegangen: die Produktion von Biogas und KUP. Biogas steht dabei für eine Form der Bioenergieproduktion, die in Deutschland bereits weit verbreitet ist. Die Produktion von KUP hingegen ist noch im Anfangsstadium und bietet daher einen interessanten Vergleich. Abgeschlossen wird dieses Kapitel mit dem Ausbaustand und dem Potenzial von Biogas und KUP in Deutschland. Im darauf folgenden Kapitel wird auf die Produktionsplanung im Allgemeinen eingegangen. Zielkonstrukte sowie der Planungs- und Entscheidungsprozess werden beschrieben. Mit dieser Analyse ist die Grundlage gegeben, um im vierten Kapitel Besonderheiten der landwirtschaftlichen Produktionsplanung herauszuarbeiten. Es wird eine Verbindung der Produktionsplanung in der Landwirtschaft mit dem Einfluss der Bioenergie hergestellt. Mit der gewonnenen Erkenntnis über die Bedeutsamkeit bestimmter Rahmenbedingungen für die Produktionsplanung in der Landwirtschaft wird im darauf folgenden Kapitel auf eine Auswahl betriebsgestaltender Faktoren eingegangen. Abschließend werden die Ergebnisse zusammengetragen und mögliche zukünftige Entwicklungen beschrieben.

2 Produktion von Bioenergie

Bioenergie steht für alle biologischen Energieformen, bei denen pflanzliche oder tierische Substanzen als Ausgangsstoff für die Energieerzeugung zur Verfügung gestellt werden.[5] Bioenergie ist somit Energie, die aus Biomasse gewonnen wird.[6] Die Biomasse wird durch den Anbau von Energiepflanzen und Holz erzeugt, kann allerdings auch in Form von biogenen Reststoffen anfallen.[7] Anders als bei der Nutzung der „... Sonnenenergie, Windkraft, Wasserkraft oder Geothermie, stellt die Biomasse aus der Land- und Forstwirtschaft gespeicherte Sonnenenergie aus der Photosynthese der Pflanzen in Form von festen, flüssigen und gasförmigen Energieträgern (biogene Festbrennstoffe, Biotreibstoffe und Biogas) zur Verfügung.“[8] Es ist festzuhalten, dass Biomasse zur Gewinnung von Bioenergie in Form von Strom, Wärme und Mobilität (Treibstoffen) genutzt werden kann.[9]

Im Gegensatz zu anderen erneuerbaren Energien besitzt Biomasse den Vorteil der Lagerfähigkeit. Dies bedeutet, dass die Energie dann genutzt werden kann, wenn sie benötigt wird.[10] Im Folgenden werden die Begriffe Biogas und KUP näher erläutert, da die vorliegende Arbeit den Einfluss dieser speziellen Formen der Bioenergie auf die Produktionsplanung in der Landwirtschaft behandelt. Des Weiteren wird auf die aktuelle Situation und die Potenziale der Bioenergie in Deutschland eingegangen.

2.1 Biogas

Biogas wird durch die anaerobe Vergärung von organischen Rohstoffen bzw. Substraten gewonnen. Es besteht überwiegend aus Methan (50-75 Vol.-%) und Kohlendioxid (25-50 Vol.-%). Daneben befinden sich in dem Gasgemisch noch geringe Mengen an Wasserstoff, Schwefelwasserstoff, Ammoniak und andere Spurengase. Maßgebend ist vor allem der Methangehalt, da dieser den brennbaren Anteil des Biogases ausmacht und somit dessen Heizwert direkt beeinflusst. Der Heizwert von Biogas liegt demnach bei 5,5 bis 6,5 kWh/m3.[11] Die Zusammensetzung des Biogases und somit auch die mögliche Methanausbeute sind vorrangig von den Fett-, Protein- und Kohlenhydratanteilen der eingesetzten Substrate abhängig.[12] Neben Biogas entstehen bei dem Fermentationsprozess[13] eine gewisse Menge Energie in Form von Wärme und ein Gärrückstand, der als organischer Dünger auf den Flächen wieder ausgetragen werden kann.[14] Das Biogas wird überwiegend in Blockheizkraftwerken (BHKW) zur gekoppelten Erzeugung von Wärme und Strom genutzt.[15] Zudem wird Methan aus Biogas nach entsprechender Gasaufbereitung in das öffentliche Erdgasnetz eingespeist oder als Kraftstoff genutzt.[16] Die Anzahl der Anlagen zur Biomethaneinspeisung lag im Jahr 2010 jedoch bei einer relativ geringen Anzahl von 52 Anlagen im Vergleich zu der Gesamtanzahl von 5.905 Biogasanlagen.[17]

2.2 Kurzumtriebsplantagen (KUP)

KUP stehen für ein Produktionssystem, bei dem mit Hilfe von schnellwachsenden Baumarten in Produktionszeiträumen von zwei bis mehr als zehn Jahren Holz geliefert wird.[18] Der Produktionszeitraum wird auch als Umtriebszeit bezeichnet und beschreibt die Zeitspanne zwischen der Anlage der Plantage und der ersten Ernte bzw. zwischen den einzelnen Ernten.[19] KUP werden auch als Feldholz bezeichnet und sind in der Kategorie Dauerkulturen für Festbrennstoffe sowie der extensiven[20] Landnutzungsform einzuordnen.

Bei der Ernte werden die Bestände erdbodennah abgeschnitten, sodass die verbleibenden Stöcke und Wurzeln wieder ausschlagen können und ca. zwei bis mehr als zehn Jahre bis zur nächsten Ernte wachsen.[21] Der Ertrag dieser Plantagen kann als Holzhackschnitzel für die Strom- und Wärmeerzeugung verwertet werden. Theoretisch ist auch eine Umwandlung durch Vergasung oder Pyrolyse und eine Weiterverarbeitung zu BtL-Kraftstoff möglich. Diese Möglichkeit spielt in der Praxis jedoch kaum eine Rolle.[22]

Erfahrungen mit KUP sind in Deutschland seit den 1970er-Jahren aufzuzeigen.[23] Diese Erfahrungen haben sich jedoch nicht über ein Versuchsstadium hinaus entwickelt und sind daher nur begrenzt vorhanden. Das Thema erlangte so wenig Bedeutung, dass das Forschungsinstitut für schnellwachsende Baumarten in Hannoversch Münden infolge dieser Entwicklungen im Jahr 2004 schloss. Umfassende Energieholz-Versuchsplantagen, die zur Erforschung verschiedener Fragestellungen unter Einbeziehung der Bodenkunde, Genetik, Pflanzenphysiologie, Anbau- und Agrartechnik sowie Phytopathologie angelegt waren, wurden unter anderem wegen des geringer werdenden Preisanstiegs von Heizöl Ende der neunziger Jahre gerodet. Erst im Jahr 2005 wurden Forschungen und Entwicklungen weiter verfolgt. Insbesondere die Verbundforschungsprojekte DENDROM und AGROWOOD des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützten die Analyse energieholzbezogener Fragestellungen.[24] Vor diesem Hintergrund können Landwirte, die KUP anbauen, bisher noch als Vorreiter bezeichnet werden.[25]

Besonders die Baumarten Weide, Pappel und an trockenen Standorten die Robinie sind für den Anbau in Deutschland geeignet, da sie über ein hohes Jugendwachstum und Stockausschlagsvermögen verfügen.[26] Der Biomasseertrag der Feldhölzer variiert je nach Standortbedingungen, Bestandsdichte sowie Qualität des Stecklingmaterials in einem weiten Rahmen.[27] So kann der Biomasseertrag zwischen ca. 6 bis 15 t atro/ha*a (Tonnen absolut trockener Biomasse pro Hektar und Jahr) variieren.[28]

Schnellwüchsige Feldhölzer werden meist auf Grenzertragsflächen angebaut, die über einen guten Grundwasseranschluss sowie eine gute Nährstoffversorgung verfügen.[29] Gegebenenfalls werden die Flächen für den Anbau gedüngt, bewässert und während der Anwuchszeit mechanisch oder chemisch vor Unkrautbewuchs geschützt.[30]

2.3 Aktuelle Situation in Deutschland

Wie in Abbildung 2.1 zu sehen ist, wurde die landwirtschaftliche Produktion in den vergangenen Jahren bereits stark von der Bioenergie beeinflusst und wird erwartungsgemäß weiterhin einen großen Einfluss durch die steigende Nachfrage nach Biomasse erleben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.1: Anbau nachwachsender Rohstoffe für den Zeitraum 1999 bis 2012

Quelle: [FNR 2012]

Die Anbaufläche für nachwachsende Rohstoffe (Nawaro) ist stetig gewachsen. Kleinere Ausnahmen davon sind z. B. im Jahr 2007 und 2008 durch den Anstieg der Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe und damit auch der Substratpreise zu erkennen. Aufgrund dieser Preisentwicklungen konnten viele Biogasanlagen nicht mehr kostendeckend arbeiten und eine verschärfte Konkurrenz mit der Lebensmittelproduktion entstand. Infolge dessen kam es zu einigen Insolvenzanmeldungen durch Biogasanlagenbetreiber.[31] Zurzeit belegt der Anbau von Pflanzen für die Biogaserzeugung eine Fläche von rund 962.000 ha. KUP wurden in der Landwirtschaftszählung zum ersten Mal im Jahr 2010 erhoben. Die Anbaufläche für KUP nahm im Jahr 2011 eine vergleichsweise geringe Fläche von ca. 5000 ha in Deutschland ein.[32]

Gegenwärtig sind in Deutschland noch erhebliche Biomassepotenziale ungenutzt, welche zukünftig eine Produktionssteigerung erwarten lassen.[33] Das Potenzial für die Produktion von Bioenergie wird vornehmlich durch die Veränderung der landwirtschaftlich genutzten Flächen, die Entwicklung der Erträge und den Grad der Nutzung bzw. Nichtnutzung verfügbarer Brachflächen bestimmt.[34] Einen wichtigen Beitrag zu den Flächenpotenzialen liefern dabei neben der Nutzung von Brachflächen die Abbaumöglichkeiten der Überproduktion von Marktordnungsprodukten[35]. Flächen, die zurzeit zum Anbau von Produkten für den Export genutzt werden, könnten somit zukünftig für den Anbau von Nawaro zur Bioenergiebereitstellung genutzt werden.[36] Bis zum Jahr 2020 ist ein akkumuliertes Flächenpotenzial für Bioenergieträger in einer Höhe von ca. 4,4 Mio. ha zu erwarten.[37] Natur- und umweltrechtliche Regelungen könnten dieses Potenzial jedoch drosseln.[38]

Energieertragspotenziale von Biomasse ergeben sich unter anderem durch Veränderungen der Anbauverhältnisse, durch Flächenpotenziale, Konversionstechnologieentwicklungen und mögliche Ertragssteigerungen. Die Energieerträge von Energiepflanzen pro Flächeneinheit variieren in Abhängigkeit von Produktlinie und Nutzungsbereich erheblich. Generell ist zu sagen, dass die Nutzung von Holz aus KUP zur Wärme- bzw. Kraft-Wärme-Nutzung sowie die Kraft-Wärme-Nutzung von Biogas bedeutend höhere Energieerträge pro Hektar ergeben als die Nutzung von Energiepflanzen zur Herstellung von Kraftstoffen oder zur alleinigen Stromnutzung.[39]

Auch außerlandwirtschaftliche Akteure wie Finanzinvestoren oder große Energieversorger wie RWE Innogy Cogen GmbH und Vattenfall Europe New Energy GmbH betreiben Biomasse- und Biogasanlagen und beteiligen sich an dem Anbau von KUP.[40] Vattenfall betreibt beispielsweise ein Biomasse-Kraftwerk in Hamburg, ein Biomasse-Heizkraftwerk in Brandenburg und verbrennt Holzhackschnitzel in einem Heizkraftwerk in Berlin. Mithilfe der Tochterfirma Energy Crops GmbH bildet Vattenfall Kooperationen mit Landwirten zum Anbau von KUP und sichert so die Belieferung der Anlagen mit Holzhackschnitzeln.[41] RWE bewirtschaftet derzeit bereits knapp 20 Energieholzplantagen. Ein Großteil der Flächen liegt in den Bundesländern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Zudem betreibt RWE zwei Biogasanlagen. Beide Betreiber planen den Zubau weiterer Anlagen.[42]

Es konnte festgestellt werden, dass KUP einen sehr viel geringeren Flächenanteil beansprucht als der Biomasseanbau für Biogasanlagen. Gründe dafür werden im weiteren Verlauf der Arbeit hervorgehoben. Des Weiteren wurde durch den ansteigenden Nawaro Anbau bereits deutlich, dass die Bioenergie einen Einfluss auf die Anbauentscheidung und somit auch auf die Produktionsplanung der Landwirte hat. Zusätzliche Absatzmöglichkeiten sind durch die Entwicklung neuer Wertschöpfungsketten entstanden.

3 Grundlagen der Produktionsplanung

Nachfolgend wird der Begriff der Produktionsplanung erklärt und der Zweck, bzw. die Ziele der Produktionsplanung hervorgehoben. Abgeschlossen wird dieses Kapitel durch die Beschreibung des Produktionsplanungs- und Entscheidungsprozesses.

3.1 Definition Produktionsplanung

„Die Produktionsplanung ist ein Teil des gesamten unternehmerischen Planungssystems und mit den übrigen Teilen der Planung (z. B. Beschaffungs-, Investitions-, Absatz-, Finanz-, und Kostenplanung) verbunden.“[43] Die Produktionsplanung befasst sich mit der Organisation des Produktionsprozesses, mit der Koordination und der Steuerung des zeitlichen Ablaufs, der Kombination der Produktionsfaktoren und deren Transformation in Produkte.[44] Mit anderen Worten wird durch die Produktionsplanung festgelegt, welche Produkte in welchem Umfang und mit welcher Kombination von Produktionsfaktoren erzeugt werden.[45]

Die Produktionsplanung hat einen übergreifenden Einfluss beispielsweise auf den Güterumwandlungsprozess. Dieser Zusammenhang resultiert daraus, dass die Menge an bereitzustellenden Faktoren wie Rohstoffe oder Arbeitskräfte, die in der Produktionsplanung determiniert wird, auch für die Bereitstellungs- bzw. Beschaffungsplanung von Bedeutung ist. Zudem ist die Produktionsplanung in die Investitionsplanung eingebettet, da die Investitionsplanung die Art und den Umfang langlebiger verfügbarer Wirtschaftsgüter bzw. die Produktionskapazität festlegt.[46] Die Produktionsplanung umfasst die Produktionsprogrammplanung, die Planung der Bereitstellung erforderlicher Produktionsfaktoren und die Planung der Produktionsdurchführung.

In der Produktionsprogrammplanung werden auf strategischer Ebene, d.h. langfristig, die Qualität der Erzeugnisarten und Produktionsverfahren geplant sowie neue Produkte in das Produktionsprogramm integriert. Das Planungsproblem besteht in dieser Phase darin, jenes Produktionsprogramm zu bestimmen, welches den Gewinn maximiert bzw. die höchste Rentabilität aufweist. Auf der operativen Ebene, d.h. mittel- und kurzfristig werden die Menge, der zeitliche Rahmen und die Art der zu produzierenden Erzeugnisse geplant.[47]

[...]


[1] Vgl. TAB (2007), S. 5.

[2] Vgl. BMELV (o. J.), o. S.

[3] Vgl. Leopoldina (2012), S. 13.

[4] Vgl. TAB (2007), S.11.

[5] Vgl. Geitmann (2005), S. 147.

[6] Vgl. SRU (2007), S. 22.

[7] Vgl. Agentur für Erneuerbare Energien e. V. (2011), S. 14; SRU (2007), S. 43.

[8] BADW (2007), S. 28.

[9] Vgl. SRU (2007), S. 43.

[10] Vgl. Schütte (o. J.), o. S.

[11] Vgl. SRU (2007), S. 22.

[12] Vgl. FNR (2010), S. 21 ff.

[13] Biogas wird durch die anaerobe Vergärung, unter Mitwirkung von Mikroorganismen, gewonnen. (Vgl. Reinhold (2005), S. 1.)

[14] Vgl. BADW (2007), S. 30; Vgl. FNR (2010), S. 35.

[15] Vgl. Kaltschmitt/Hartmann (2001), S.681.

[16] Vgl. BADW (2007), S. 27; Vgl. SRU (2007), S. 22.

[17] Vgl. FNR (2011a), o. S.; Vgl. FNR (2011b), o. S.

[18] Vgl. Wirkner (2010), S. 29; Vgl. DBU (2010), S. 30.

[19] Vgl. Bemmann et al. (2010), Kapitel 3 S. 1.

[20] Bei extensiver Landwirtschaft wird unter geringem Energieinput und mit hoher Akzeptanz im Naturschutz ein geringeres betriebswirtschaftliches Ergebnis je Flächen- und Zeiteinheit erzielt als bei intensiver Landwirtschaft. (Vgl. Bemmann (2010), S. 19).

[21] Vgl. Wirkner (2010), S. 26 ff.; Vgl. DBU (2010), S. 30.

[22] Vgl. SRU (2007); Vgl. TAB (2007), S. 87; Vgl. Burger (2010) S. 1.

[23] Vgl. Burger (2010), S. 1.

[24] Vgl. vTI (2012a), o. S.

[25] Vgl. Kudlich (2010), S.1.; Vgl. Murach (2010), S. 1 f.

[26] Vgl. BFN (2010), S. 3; Vgl. Wirkner (2010) S. 89.

[27] Vgl. Röhle/Skibbe (2011), o. S.

[28] Vgl. Wirkner (2010), S. 64.

[29] Vgl. BFN (2010), S. 4; Vgl. Wagner (o J.), S. 9.

[30] Vgl. Wirkner (2010), S. 61, S. 99.

[31] Vgl. Kellner et al. (2011), S. 59; Vgl. Granoszewski et al. (2009), S. 6.

[32] Vgl. Land und Forst (2011), o. S.; Vgl. FNR (2012), o. S.; Vgl. Destatis (o. J.), o. S.

[33] Vgl. Wirkner (2010), S. 12.

[34] Vgl. Schmitz et al. (2009), S. 15.

[35] Zu Marktordungsprodukten zählen u.a. Getreide, Zucker, Ölfrüchte, Eiweißpflanzen, Milch und Rindfleisch, die überwiegend auf den Weltmarkt exportiert werden. (Vgl. TAB (2007), S. 12).

[36] Vgl. TAB (2007), S. 12, S. 164.

[37] Vgl. Schmitz et al. (2009), S. 45 ff.

[38] Vgl. TAB (2007), S. 12.

[39] Vgl. TAB (2007), S. 169 f.

[40] Vgl. RWE Innogy GmbH (o. J.), o. S.; Vgl. Vattenfall Europe AG (o. J.), o. S.; Vgl. Granoszewski et al. (2009), S. 5.

[41] Vgl. Ehm (2011), S. 4 ff.

[42] Vgl. RWE Innogy GmbH, (o. J.), o. S.; Vgl. Vattenfall Europe AG (o. J.), o. S.

[43] Lücke (1981), S. 311.

[44] Vgl. Kistner/Steven (2001), S. 3.

[45] Vgl. Mußhoff/Hirschauer (2011), S. 48; Vgl. Adam (1998), S. 126.

[46] Vgl. Adam (1998), S. 126.

[47] Vgl. Lücke (1981), S. 311; Vgl. Schiemenz/Schönert (2005), S. 158; Vgl. Adam (1998), S. 117.

Details

Seiten
49
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656374978
ISBN (Buch)
9783656375067
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v208328
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Produktion und Logistik
Note
1,3
Schlagworte
Kurzumtriebsplantage KUP Bioenergie Produktionsplanung Betriebsgestaltende Faktoren Einfluss Landwirtschaft Biogas

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Einfluss der Bioenergie auf die Produktionsplanung in der Landwirtschaft