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Interpretation "Thränen des Vaterlandes Anno 1636" - Andreas Gryphius

Referat / Aufsatz (Schule) 2010 5 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Interpretation: Andreas Gryphius: „Thränen des Vaterlandes Anno 1636“ – Patrice Toussaint, 11MAC

Heinrich Böll hat einmal gesagt „Der Krieg wird niemals zu Ende sein, solange noch eine Wunde blutet, die er geschlagen hat“. Die Wunden an der Oberfläche verheilen, nur Narben bleiben zurück und man könnte fast vergessen wie es dazu kam. Aber die Wunden sitzen tiefer. Sie sitzen so tief, dass ganze Epochen von Kriegen beeinflusst wurden. Was machen Kriege also mit den Menschen die beteiligt sind, den Soldaten, der Zivilbevölkerung? Den Männern, Frauen und Kindern, die vielleicht nicht wissen, warum all dies geschieht, die aber am eigenen Leibe erleben, was es bedeutet. Was es bedeutet, wenn man allen Besitz verliert, wenn Familienmitglieder misshandelt werden und wenn der Tod über die Eigenen kommt. Wenn die Hölle ihre Tore öffnet, damit der Tod auf der Erde wüten kann und die Apokalypse plötzlich zu einem Szenario realer Ausmaße wird. Das alles berührt nicht einfach nur die physische Verfassung dieser Menschen, nein, die Verletzungen der Seele sind unvorstellbar. Diese Opfer von Kriegen sind auf ewig geprägt, das Grauen wird sie kaum mehr loslassen, denn es sind vor allem auch Kinder die plötzlich aller Sicherheit beraubt sind, denen die Eltern genommen wurden, die keinen Halt mehr finden und die letztendlich die eigentlichen Probleme dieser Kriege bewältigen müssen, die seelischen Schäden, das was dem Menschen im Innersten gerade noch bleibt, ist das wessen sich der lange Arm des Krieges letztendlich auch noch bemächtigt. Es geht hier um den absoluten Verlust, um das Gefühl völlig beraubt zu sein, und genau dieses Gefühl ist es, welches den Krieg ganze Epochen beeinflussen lässt. So wie der dreißigjährige Krieg die barocke Literatur beeinflusste.

In seinem klassischen, in den Barock einzuordnenden Sonett „Tränen des Vaterlandes Anno 1636“ hat Andreas Gryphius den Krieg thematisiert und führt seine Zeilen darauf hin, dass genau das beschriebene Unheil der Seele die größte Katastrophe des Krieges ist. Das lyrische Ich thematisiert hierbei die Auswirkungen des Krieges und geht dabei vor allem auf das Schicksal der Menschen ein. Zur inhaltlichen Gliederung ist vor allem fest zu stellen, das das erste Quartett mit der These, das zweite Quartett und das erste Terzett vor allem physische Auswirkungen bzw. das „Sichtbare“ im Krieg beschreiben. Dieser Aufbau führt zum zweiten Terzett hin, welches dann mentale, psychische Folgen des Krieges sichtbar werden lässt und letztendlich auch die Synthese beinhaltet. Als Metrum in „Tränen des Vaterlandes“ gebraucht Gryphius den sechs-hebigen Jambus, kombiniert mit umarmenden Reimen und weiblicher Kadenz in beiden Quartetten. Im ersten Terzett ist zunächst ein Paarreim zu finden, der dritte Vers jedoch bildet in Verbindung mit dem zweiten Terzett einen umarmenden Reim, wobei zu bemerken ist, dass bei den jeweils ersten beiden Versen der Terzette die männliche Kadenz zum Einsatz kommt. Weiterhin findet die Mittelzäsur durchgängig Anwendung. Stilistisch sind einige Figuren zu bemerken, dazu zählen die Akkumulation(„..Schweiß und Fleiß und Vorrat aufgezehret“, Z.4), die Correctio(„…ganz, ja mehr denn ganz…“, Z.1), die Hyperbel („Von Leichen fast verstopf,…“,Z.11), Metaphern(„rasende Posaun“, Z.2), die Antithetik(„…, die Starken sind zerhaun, Die Jungfraun sind…“, Z.6f), die Analogie(„…,die Starken sind zerhaun, Die Jungfraun sind geschänd´t,…“, Z.6-7), Klimax („Feuer, Pest und Tod“, Z.8) genauso wie Anti-Klimax(„Pest und Glut und Hungersnot“, Z.13). Es sind außerdem die elliptische Aufzählung („Der frechen Völker Schar, die rasende Posaun, Das vom Blut fette Schwert,…“, Z.2-3) und die adversative Konjunktion(„Doch…“, Z.12) nachweisbar.

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Details

Seiten
5
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656368779
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v208267
Note
1
Schlagworte
interpretation thränen vaterlandes anno andreas gryphius

Autor

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Titel: Interpretation "Thränen des Vaterlandes Anno 1636" - Andreas Gryphius