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Ökonomische Instrumente zur Reduzierung von Flächeninanspruchnahme

Facharbeit (Schule) 2011 74 Seiten

VWL - Umweltökonomie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Vorgehensweise

2 Flächeninanspruchnahme: Hintergrund und Problemlage
2.1 Direkte Folgen
2.2 Sekundärfolgen der Inanspruchnahme
2.3 Kopplung der Flächeninanspruchnahme
2.3.1 Kopplung an die Wirtschaftsentwicklung
2.3.2 Einfluss der Bevölkerungsentwicklung
2.4 Ist-Situation der Flächeninanspruchnahme
2.4.1 Indikatorenstand zur Flächeninanspruchnahme
2.4.2 Verteilung von Bodenfläche in Deutschland
2.4.2.1 Unterscheidung der Siedlungs- und Verkehrsfläche
2.5 Einschätzung

3 Nachhaltigkeit
3.1 Nachhaltigkeit als Konzept
3.2 Geschichte der Nachhaltigkeit
3.3 Abstufungen von Nachhaltigkeit
3.4 Nachhaltigkeit in der deutschen Umweltpolitik
3.4.1 Kriterien für Nachhaltigkeit
3.5 Relevanz

4 Sinnhaftigkeit von Instrumenten
4.1 Grenzbegriffe in der Ökonomie
4.2 Der Markt im Gleichgewicht
4.3 Markoptimum und Marktgleichgewichte
4.4 Marktversagen
4.5 Externe Effekte
4.6 Quantifizierung von externen Effekten bzw. Umweltgrößen
4.7 Notwendigkeit Instrumente

5 Allgemeine Einordnung von Instrumenten
5.1 Strategien zur vollständigen Internalisierung externer Effekte
5.1.1 Coase-Theorem
5.1.2 Voraussetzungen für eine Verhandlungslösung
5.2 Standardorientierte Internalisierungsansätze
5.2.1 Auflagen
5.2.1.1 Probleme in Bezug auf Auflagen
5.3 Abschließender Überblick

6 Pigou-Steuer
6.1 Fiskale Steuern allgemein
6.2 Die Pigou-Steuer
6.3 Die Pigou-Steuer und die Flächenthematik
6.4 Die praktische Umsetzung der Pigou-Steuer
6.4.1 Bestimmung durch den Schweinezyklus
6.5 Einschätzung von Effizienz und Umsetzbarkeit einer Pigou-Steuer

7 Zertifikatshandel
7.1 Voraussetzungen
7.2 Grundsätzliche Konzeption
7.2.1 Versteigerung von Zertifikaten
7.2.1.1 Zeitlich befristete Zertifikate
7.2.1.2 Zeitlich unbefristete Zertifikate
7.2.2 Freie Vergabe von Zertifikaten
7.3 Probleme
7.4 Flächenzertifikate
7.4.1 Differenzierung
7.4.2 Gültigkeit
7.4.3 Flächenmärkte
7.5 Einschätzung

8 Schlussteil
8.1 Ergebnisse
8.2 Tabellarische Gegenüberstellung
8.3 Einschätzung

Glossar

Literaturverzeichnis

Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

„ Die unbebaute, unzerschnittene und unzersiedelte Fläche ist eine begrenzte und gleichwohl begehrte Ressource. “ (Statistisches Bundesamt 2010, Nachhaltige Entwicklung in Deutschland - Indikatorenbericht 2010 , S. 14)

„ Das Umweltmedium Boden gehört als nicht vermehrbare Ressource zum endlichen Naturkapital der Menschheit und erfüllt zahlreiche unentbehrliche Funktionen. Grund und Boden können zwar im eigentlichen Sinne nicht » verbraucht « werden; sie können aber in einer Art und Weise genutzt werden, die das Spektrum künftiger Nutzungsmöglichkeiten erheblich einschränkt. “ ( http://www.tab-beim- bundestag.de/de/publikationen/berichte/ab098.html, 26.05.2011, 13:30 Uhr)

Fläche ist eine limitierte Ressource. Beide oben getroffene Aussagen führen an, dass Fläche ein Gut ist, welches von verschiedenen Parteien dringend benötigt wird, aber nur eingeschränkt zur Verfügung steht. Daraus ergibt sich schnell die Frage, wie Flächeninanspruchnahme eingeschränkt bzw. effektiver gestaltet werden kann. Denn vielfältige Probleme sind mit der Inanspruchnahme von Fläche verbunden: Es handelt sich schließlich stets um einen Eingriff in ein Ökosystem, wenn eine Fläche genutzt wird, die vorher „grüne Wiese“ war. Ein Erreichen der Einschränkung des Flächenverbrauchs scheint auf verschiedene Weisen möglich, so z.B. durch den Einsatz ökonomischer Instrumente. Die Fragestellung, inwiefern diese hier wirksam sein können, soll der zentrale Themenkomplex dieser Arbeit sein.

1.2 Zielsetzung

Grundidee ist eine ökonomische Betrachtung des Problems der Flächeninanspruchnahme, also die Betrachtung der Fläche als ökonomisches Gut, welches auf einem Markt gehandelt wird. Deshalb soll das Ziel dieser Arbeit sein, zu untersuchen, inwiefern ökonomische Instrumente nun geeignet sind, die Flächeninanspruchnahme zu reduzieren. Es soll analysiert werden, in welcher Art und Weise bzw. wie effizient ökonomische Instrumente hier eine Lösung herbeiführen können. Weiterhin soll geklärt werden, unter welchen Bedingungen diese Instrumente effizient bzw. überhaupt einsetzbar sind. Dazu wird betrachtet, welche praxis-relevanten Charakteristika sie aufweisen und wie diese bei der Anwendung wirken. Um einen Vergleich zu ermöglichen, sollen verschiedene Typen von Instrumenten untersucht werden, um so einen Einblick zu gewähren, welche grundsätzlichen Steuerungsmöglichkeiten für den Flächenmarkt bestehen und ob diese effizient zu einer Reduzierung der Flächeninanspruchnahme führen können.

1.3 Vorgehensweise/Aufbau der Arbeit

Bevor eine Einschätzung der Instrumente zur Reduzierung der Flächeninanspruchnahme erfolgt, soll ein Überblick zunächst einen Eindruck der Problemlage verschaffen. Aus diesem Grund soll, anschließend an die Einleitung, Kapitel 2 zunächst Hintergrundinformationen liefern und dabei vor allem auf die Folgen sowie Ist-Situation und Kopplungsmechanismen der Flächeninanspruchnahme eingehen.

Daraufhin soll die Bedeutung des Nachhaltigkeitsbegriffes geklärt und insofern Konzept und Geschichte der Nachhaltigkeit analysiert werden. Auch die Rolle der Nachhaltigkeit in der Umweltpolitik der Bundesrepublik Deutschland soll in Kapitel 3 eine Rolle spielen.

Kapitel 4 ist angelegt, zu untersuchen, inwiefern ökonomische Instrumente zur Reduzierung von Flächeninanspruchnahme Sinn haben. Im Fokus sollen daher die Erläuterung des Marktes sowie die Erscheinung der externen Effekte stehen. An dieser Stelle soll auch eine Erläuterung des mit Umweltgrößen verbundenen Quantifizierungs-Problems stehen, damit dann abschließend die Sinnhaftigkeit von ökonomischen Instrumenten zur Reduzierung der Flächeninanspruchnahme eingeschätzt werden kann.

Das fünfte Kapitel wird dann eine allgemeine Einordnung von Instrumenten vornehmen. So ist es zunächst notwendig, einen Eindruck zu vermitteln, welche Faktoren die Wirksamkeit bzw. das Funktionsprinzip ökonomischer Instrumente beeinflussen. Dabei soll zwischen den

„Standardorientierten Ansätzen“ sowie den „Strategien zur vollständigen Internalisierung “ unterschieden werden. Ein einschätzender Überblick dieser Instrumentarien soll hier abschließend erfolgen.

Die tiefere Betrachtung der ökonomischen Instrumente soll dann an zwei ausgewählten Beispielen erfolgen:

Das Kapitel 6 erläutert die Pigou-Steuer. Dazu wird zunächst eine allgemeine Erklärung fiskaler Steuern erfolgen, damit im Anschluss die Pigou-Steuer und ihre mögliche Umsetzung, vor allem im Bereich der Flächeninanspruchnahme, in den Fokus gerückt werden kann. Abschließend soll auch hier eine Einschätzung stattfinden, die auf Probleme der praktischen Umsetzung der Pigou-Steuer eingeht.

Das zweite näher zu betrachtende Instrument ist in Kapitel 7 die Konzeption eines Handels mit Umweltzertifikaten. Dazu sollen zunächst die Voraussetzungen dieses Ansatzes analysiert werden, um folgend dann Umsetzungen dieser Idee zu untersuchen. Letztendliches Ziel ist, wie bei der Pigou-Steuer auch, eine Übertragung auf die Flächenthematik sowie eine dahingehende differenzierte Einschätzung.

Den Abschluss der Arbeit soll eine Gesamteinschätzung der Ergebnisse darstellen, die nochmals einen Vergleich zwischen den Instrumenten zieht und so einen Überblick geben soll.

Abbildung 1 illustriert und fasst die gewählte Vorgehensweise zusammen.

Die Arbeit betrachtet die Zusammenhänge aus einer ökonomischen Perspektive. Da die Ökonomie diverse Fachtermini besitzt, werden diese in einem anschließenden Glossar erläutert. Die im Glossar erklärten Begriffe sind in der Arbeit durch kursive Schrift gekennzeichnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.1: Vorgehensweise, Eigene Darstellung

2 Flächeninanspruchnahme: Hintergrund und Problemlage

Die Flächeninanspruchnahme ist mit einer Vielzahl von Erscheinungen und Auswirkungen verbunden. Im Folgenden sollen kurz die direkten Folgen, die Kopplung der Flächeninanspruchnahme an ausgewählte Funktionen des lebensnotwendigen Ökosystems sowie Sekundärfolgen erläutert werden. Ziel des Kapitels ist es, auch mit der Betrachtung des Ist- Zustandes der Flächeninanspruchnahme, einen Eindruck zu vermitteln, worin Probleme und Effekte der Flächeninanspruchnahme bestehen. Abschließend soll das Problempotential der Flächeninanspruchnahme eingeschätzt werden.

2.1 Direkte Folgen

Eine direkte Folge von Flächeninanspruchnahme ist der Verlust von „naturnahen“ (Statistisches Bundesamt Wiesbaden 2010, Nachhaltige Entwicklung in Deutschland - Indikatorenbericht 2010, S.14) Flächen und ihrer Biodiversität. Dieser Verlust ist jedoch auch indirekt durch die Zersiedelung, vor allem aufgrund von Verkehrsinfrastruktur, und dem damit verbundenen Verlust der Mobilität für Flora und Fauna begründet. Insgesamt ist mit Flächeninanspruchnahme also immer ein Verlust von Lebensräumen verbunden. (siehe auch Kapitel 4.6)

Auch ist durch die Inanspruchnahme der Fläche bzw. der z.T. folgenden Versiegelung des Bodens eine Einschränkung der Wasserversickerung und damit eine geringere Grundwasserneubildungsrate zu beobachten, was sich problematisch auf den Gesamtwasserhaushalt auswirkt und z.B. eine geringere Luftfeuchtigkeit nach sich zieht (http://www.umwelt.niedersachsen.de/live/live.php?navigation_id=2610&ar ticle_id=8512&_psmand=10 , 26.05.2011, 11:45 Uhr).

Es gehen außerdem fruchtbare Agrarflächen verloren, so dass die landwirtschaftliche Leistung insgesamt verringert wird.

Insgesamt handelt es sich also um eine Vielzahl von Folgen, wobei die Einschränkung von Ökosystemdienstleistungen, also positiven Effekten für den Menschen durch die Existenz bzw. das Funktionieren eines Ökosystems, also z.B. der Wasserversickerung, als vordergründige Folgen zu sehen sind.

2.2 Sekundärfolgen der Inanspruchnahme

Die Folgeerscheinungen der Flächeninanspruchnahme sind vielfältig: So führt z.B. die zusätzliche Flächennutzung, vor allem im Bereich Verkehr, Gewerbe und Wohnen, zu einer erhöhten Hitzeentwicklung, aber auch Absorption, was sich negativ auf das lokale Klima auswirken kann. Durch die geringere Wasserversickerungsrate und die geringere Luftfeuchtigkeit ist außerdem mit einer erhöhten Staubbildungsrate zu rechnen, was sich wiederum negativ auf die Luftqualität auswirkt. Erhöhte Siedlungsaktivitäten führen außerdem zu einem deutlich gesteigerten Energieverbrauch und fordern überhaupt einen Infrastrukturausbau, der sowohl Kosten als auch weitere Ressourcenbeanspruchung mit sich bringt.

In dieser Hinsicht ist es also notwendig, nicht nur die direkten Folgen der Flächeninanspruchnahme zu betrachten, sondern auch die Folgeerscheinungen zu beachten, da diese umfangreiche Auswirkungen haben können.

2.3 Kopplung der Flächeninanspruchnahme

Flächeninanspruchnahme ist in ihrer Entwicklung von verschiedenen Faktoren abhängig bzw. sollte mit anderen Kenndaten eine logische Verbindung aufweisen. Sowohl die Wirtschaftsentwicklung als auch das Bevölkerungswachstum sollten wichtige Verbindungen aufweisen bzw. Determinanten sein, da sie Flächeninanspruchnahme beeinflussen müssten. Inwiefern diese tatsächlich mit der Flächeninanspruchnahme in Verbindung stehen, soll im Folgenden untersucht werden.

2.3.1 Kopplung an die Wirtschaftsentwicklung

Flächeninanspruchnahme ist unter anderem konjunkturabhängig. Denn wenn die Wirtschaft wächst, werden auch mehr Gewerbeflächen benötigt. Deshalb verwundert die Idee nicht, dass das Niveau der Flächeninanspruchnahme an das Wirtschaftswachstum gekoppelt sein soll. Zum Vergleich folgen nun Diagramme, die die Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes (Abbildung 2.1) sowie die Entwicklung der Flächeninanspruchnahme (Abbildung 2.2) in Deutschland zeigen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.1: Bruttoinlandsprodukt (nicht bereinigt) der Bundesrepublik Deutschland, eigene Darstellung (Datengrundlage: Statistisches Bundesamt Wiesbaden 2010, Vierteljahres- und Jahresergebnisse - 3.Vierteljahr 2010 , S.4)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.2: Entwicklung der Flächeninanspruchnahme bei Gebäudeund Freiflächen in der Bundesrepublik Deutschland, eigene Darstellung, Datengrundlage: Statistisches Bundesamt Wiesbaden 2009, S.9

Es wird sichtbar, dass die Flächeninanspruchnahme dann größer wird, wenn auch die Wirtschaft wächst. Problematisch erscheint hier jedoch, dass auch während der Wirtschaftskrise 2008 und 2009 die Flächeninanspruchnahme weiterhin gewachsen ist, während das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte. Insofern ist es fraglich, inwiefern tatsächlich eine Kopplung zwischen beiden besteht bzw. inwiefern hier ein zeitlich verzögerter Effekt eintritt oder die Übertragbarkeit erst ab einer bestimmten Intensität der wirtschaftlichen Entwicklung besteht. Wahrscheinlich erscheint ein Zusammenhang, der jedoch keine exakte Bindung im Wachstumsverhalten beinhaltet.

2.3.2 Einfluss der Bevölkerungsentwicklung

Nun liegt die Vermutung nahe, dass die Flächeninanspruchnahme an die Bevölkerungsentwicklung gekoppelt ist, da diese ja die Neu- Inanspruchnahme von Wohnflächen beeinflussen müsste, da der Mensch mehr oder weniger Raum zum Leben bräuchte. Wenn man nun Abbildung

2.3 betrachtet, welche die Bevölkerungsentwicklung in der Bundesrepublik

Deutschland darstellt, fällt auf, dass die Bevölkerung in Deutschland seit etwa Anfang der 1970er Jahre zurückgeht. Die offensichtliche Konsequenz wäre also auch ein Rückgang der Inanspruchnahme bei Wohnflächen. Bei Betrachtung von Abbildung 2.2 fällt jedoch auf, dass dies nicht der Fall ist und stattdessen die Inanspruchnahme im Bereich der Wohnflächen sogar noch ansteigt. Daher wird deutlich, dass die Flächeninanspruchnahme in der Bundesrepublik Deutschland von der Bevölkerungsentwicklung entkoppelt ist. Dies ist auf verschiedene Gründe zurückzuführen, so unter anderem auf die Individualisierung der Gesellschaft, die sich auch in der Wohnsituation niederschlägt. Aber auch die Flachbauweise und die erhöhte Bautätigkeit im Bereich flächenkonsumierender Einfamilienhäuser sind Gründe für den erhöhten Flächenbedarf. Die Verschiebung vieler Wohnbereiche in die suburbanen Gebiete führt außerdem zu größerer Inanspruchnahme, da die geringeren Immobilienpreise großzügigere Bauten erlauben. Problematisch ist dabei, dass hier zumeist eine völlige Neu-Inanspruchnahme der „grünen Wiese“ stattfindet (http://www.tab-beim- bundestag.de/de/publikationen/berichte/ab098.html, 26.05.2011, 12:00 Uhr).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.3: Bevölkerungsentwicklung in der Bundesrepublik Deutschland, Statistisches Bundesamt Wiesbaden, http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Grafi ken/Bevoelkerung/Diagramme/Bevoelkerungsentwicklung,templateId=ren derPrint.psml, 22:00, 10.06.2011

2.4 Ist-Situation der Flächeninanspruchnahme

Der folgende Abschnitt soll klären, wie die Situation der Flächeninanspruchnahme heute charakterisiert ist. Dazu sollen sowohl die Verteilung der Bodenfläche in Deutschland als auch eine Differenzierung der Nutzungsarten beachtet werden.

2.4.1 Indikatorenstand zur Flächeninanspruchnahme

Um nachhaltige Entwicklung zu fördern, wurde durch die Bundesregierung 2002 eine Nachhaltigkeitsstrategie initiiert (siehe auch Kapitel „Nachhaltigkeit“). Diese beinhaltet auch die Herausgabe eines „Indikatorenberichtes“, der verschiedene, für die Nachhaltigkeit relevante Indikatoren in ihrem Stand beurteilt. Dazu gehört auch die Flächeninanspruchnahme, wobei deren Indikator nur die „Verkehrs- und Siedlungsfläche“ berücksichtigt, basierend auf amtlichen Datenerfassungen. Wie in Abbildung 2.4 deutlich wird, kann zwar von einer Reduzierung der Flächeninanspruchnahme seit 2004 ausgegangen werden, jedoch ist das Niveau der Reduzierung bei weitem nicht in der Nähe des Zieles von 30 Hektar täglichen Flächenverbrauchs im Jahr 2020. Insofern sind die Erfolge zwar sichtbar, aber nicht deutlich genug. Auch der „Rat für Nachhaltige Entwicklung“ schätzt den Stand dieses Indikators als nicht zufrieden stellend ein, was in der Abbildung an der dunklen Wolke zu erkennen ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.4: Indikator Flächeninanspruchnahme seit 1993, Statistisches Bundesamt Wiesbaden 2010, Nachhaltige Entwicklung in Deutschland - Indikatorenbericht 2010 , S.14

2.4.2 Verteilung von Bodenfläche in Deutschland

Die Bodenfläche Deutschlands beträgt 357.125km², wovon 30,1 Prozent Waldfläche, 52,4 Prozent Agrarfläche und 13,3 Prozent Siedlungs- und Verkehrsfläche sind. Der Rest sind Wasser- und sonstige Flächen. Von Interesse für die Thematik der Reduzierung der Flächeninanspruchnahme ist vor allem die Siedlungs- und Verkehrsfläche. Diese 13,3 Prozent der Fläche Deutschlands entsprechen 47.422km². Es ist von Jahr zu Jahr eine Vergrößerung dieser Fläche zu beobachten, in den Jahren von 2006 bis 2009 war hier ein Anstieg um insgesamt 3,0 Prozent zu beobachten, was 1.371km² entspricht. Zwar entspricht dies einer Verlangsamung der Flächenzunahme im Vergleich zum Zeitraum von 2005 bis 2008, jedoch ist diese Reduzierung der Steigerung von 104 Hektar pro Tag auf 94 Hektar pro Tag oder von ca. 149 auf ca. 134 Fußballfelder, noch weit entfernt von der durch die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung vorgegebene Zielmarke von 30 Hektar pro Tag (Statistisches Bundesamt 2010, S.15).

2.4.2.1 Unterscheidung der Siedlungs- und Verkehrsfläche

Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Inanspruchnahme von Siedlungs- und Verkehrsfläche grundsätzliche negative Auswirkungen mit sich bringt. Vielmehr ist eine Diversifizierung notwendig:

- Gebäude- und Freifläche mit Wohnfläche und Gewerbe- und Industriefläche
- Betriebsfläche mit Abbauland
- Erholungsfläche mit Grünanlagen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.5 Anteile der jeweiligen Flächennutzungstypen an der Gesamtbodenfläche der Bundesrepublik Deutschland, Datenquelle: Statistisches Bundesamt 2009, S.17

Die Entwicklung der Anteile der jeweiligen Nutzungstypen der Verkehrsund Siedlungsfläche ist in Abbildung 2.2 abgebildet und zeigt die bereits beschriebenen Anstiege dieser Flächengruppe.

Da z.B. Erholungs- und Grünflächen nicht notwendigerweise auch die Funktionen des Bodens beeinträchtigen bzw. insofern viele der beschriebenen Folgen der Flächeninanspruchnahme hier nicht notwendigerweise zutreffen müssen, wird deutlich, dass eine Diversifizierung der Bodennutzung hier dringend notwendig ist.

2.5 Einschätzung

Die aufgezeigten Probleme in Verbindung mit Flächeninanspruchnahme zeigen deutlich, dass Maßnahmen zur Begrenzung der Flächeninanspruchnahme getroffen werden müssen, damit die Effekte dieser eingeschränkt werden können. Auch wenn der Anteil der relevanten Siedlungs- und Verkehrsfläche zunächst klein erscheint, muss beachtet werden (siehe Abbildung 2.5), dass die großen Wald- und Wasser- bzw. Agrarflächen hier natürlich nur bedingt als Vergleichsgröße geeignet sind, da sie ja die Voraussetzung für das Leben überhaupt erst schaffen.

Insofern erhöht sich die Brisanz der Vergleichszahlen umso mehr. Auch der Stand der Bewertung des Ist-Standes der Flächeninanspruchnahme durch den Nachhaltigkeitsrat zeigt auf, dass hier eine Wende eintreten muss, wenn die politischen Ziele erreicht werden sollen. Die folgenden Teile der Arbeit sollen klären, welche Nachhaltigkeits-Fragen mit der Flächeninanspruchnahme in Verbindung stehen und inwiefern ein ökonomischer Ansatz zur Lösung des Problems der Flächeninanspruchnahme beitragen kann.

3 Nachhaltigkeit

Da Ressourcenschonung auch in der Öffentlichkeit allgemein mit dem Nachhaltigkeitsbegriff in Verbindung gebracht wird, soll der folgende Abschnitt diesen näher erläutern. Es soll dargestellt werden, wie Nachhaltigkeit konzipiert werden kann, welche Abstufungen von Nachhaltigkeit zu bestimmen sind, wie sich der Begriff der Nachhaltigkeit entwickelt hat und wie die Nachhaltigkeit in der deutschen Umweltpolitik berücksichtigt wird. Abschließend soll die Relevanz der Nachhaltigkeit kurz eingeschätzt werden.

3.1 Nachhaltigkeit als Konzept

Um die Anschaulichkeit zu erhöhen, übertragen wir die Flächenproblematik in Deutschland auf die alltägliche Lebenssituation einer Familie in ihrem Haus. Es sei angemerkt, dass auch der Begriff der „Ökonomie“ (griech. oekos - Haus) auf dieses Bild und die Implikationen für eine langfristig gesicherte Hausbewirtschaftung zurückgeht. Eine zentrale Problemstellung ist, wie wir als Bewohner dieses Hauses gewährleisten können, dass unsere Kinder, also die Nachfolgegeneration, immer noch genauso in diesem Haus leben können, wie wir es konnten bzw. können. Für die Hausbewohner muss außerdem die Frage im Zentrum stehen, wie sie miteinander leben können: Knappe Ressourcen, so z.B. die Zimmer bzw. deren Fläche, müssen untereinander aufgeteilt werden. In der Sprache der Ökonomie würde hier vom Alloziieren bzw. einer Allokation gesprochen werden. In einer Familie streiten sich vielleicht zwei Kinder um ein bestimmtes Zimmer oder darum, welches größer oder kleiner ist. Wie kann ich nun innerhalb des Hauses Fairness gewährleisten und gleichzeitig dafür sorgen, dass auch z.B. ein noch ungeborenes drittes Kind in diesem Haus Platz findet? Dies ist die Frage der Nachhaltigkeit und damit die Frage des Umgangs mit Ressourcen. Also auch inwiefern diese beschränkt oder unbeschränkt in ihrer Verfügbarkeit sind. Denn wenn alle Zimmer belegt sind, kann ich keine Fläche innerhalb des Hauses mehr verteilen, Fläche ist also beschränkt verfügbar. Hierzu hat Kenneth Boulding 1966 seinen Aufsatz “The Economics of the Coming Spaceship Earth” verfasst, der sich mit der Erde als „Raumschiff“ auseinandersetzt, welches auf seiner Reise nur die Sonne als unendliche Energieressource zur Verfügung hat und ansonsten ausschließlich mit endlichen bzw. vergänglichen Ressourcen ausgestattet ist.

Fläche ist eine solche limitierte Ressource. Sie kann zwar nicht verbraucht werden, aber sie kann immer nur einer bestimmten Nutzung dienen. Zur Sicherung der Lebensgrundlage, etwa bestimmter Ökosystemdienstleistungen, darf der Verbrauch natürlicher Fläche für diese einschränkenden Nutzungen, z.B. als Siedlungs- oder Verkehrsfläche, nicht unverhältnismäßig groß sein. Es müssen also Überlegungen angestellt werden, in welcher Art und Weise mit den Ressourcen umzugehen ist, die dieses Raumschiff bzw. die Welt bereitstellt.

3.2 Geschichte der Nachhaltigkeit

Erstmals kam das Prinzip der Nachhaltigkeit 1713 auf, als Hans Carl von Carlowitz (1645 - 1714) eine Waldbewirtschaftung forderte, die nur so viel Abholzung zuließ wie auch zugleich natürlich wieder nachwuchs. Deshalb empfahl er auch die Aufforstung von Wäldern. Die Idee hinter dieser Forderung ist gewissermaßen eine Bilanz mit dem Wert 0 bzw. in einer Betrachtung über die Zeit die Idee, "von den Zinsen zu leben und nicht vom Kapital".

(http://www.nachhaltigkeit.info/artikel/hans_carl_von_carlowitz_1713_1393 .htm, 24.05.2011,10:45 Uhr)

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Details

Seiten
74
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656420644
ISBN (Buch)
9783656421115
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v208264
Note
14
Schlagworte
ökonomische instrumente reduzierung flächeinanspruchnahme

Autor

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Titel: Ökonomische Instrumente zur Reduzierung von Flächeninanspruchnahme