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Lübeck - Die "Königin der Hanse"

Gründe und Ursachen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 24 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Was ist die Hanse?

3. Stadtgeschichte Lübecks bis zur Städtehanse

4. Lübeck als „Königin der Hanse“
4.1. Erarbeitung der Vormachtstellung in der Hanse
4.2. Festigung der Vormachtstellung in der Hanse

5. Fazit

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Meine Hausarbeit im Hauptmodul Vormoderne „Die Stadt im Mittelalter - zur Geschichte eines sozialen Phänomens“ behandelt das Thema „Lübeck – die ‚Königin der Hanse’, Gründe und Ursachen“. Meinen Schwerpunkt lege ich dabei auf die Machterlangung und Machtfestigung von Lübeck im 13. bis anfänglichen 15. Jahrhundert.

Die sich anschließende genaue Fragestellung lautet daher: „Wie gelang es Lübeck, die Vormachtstellung in der Hanse zu erlangen und diese zu verteidigen?“

Die erste These zur Lübecker Machterlangung im Hanseraum ist: „Lübeck erlangte die Vormachtstellung im hansischen Raum durch eine Kombination ihrer geographischen Lage, gepaart mit einer enormen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit sowie einer besonderen politischen Stellung.“

Die zweite These zur Lübecker Machtfestigung lautet: „Lübeck festigte die Macht durch die geschickte Bildung von Bündnissen und dem daraus resultierenden Erfolg der Hanse.“

Meine Arbeit ist folgendermaßen gegliedert. Nach der Einleitung beginne ich in Gliederungspunkt 2. mit einer Erläuterung der Institution Hanse als thematischen Einstieg. Des Weiteren dient dieser Abschnitt einer kurzen Darstellung der hansischen Strukturen, wobei ich meinen Fokus auf die Städtehanse legen werde.

In Gliederungspunkt 3. werde ich die Stadtgeschichte Lübecks darstellen und in reduzierter Form bereits auf einige, dem Hauptteil vorbauende Aspekte eingehen.

Der folgende Hauptteil ist in zwei Unterpunkte gegliedert, wobei sich der eine der Machterlangung Lübecks in der Hanse widmet und der zweite aufzeigen wird, wie Lübeck diese Position festigen konnte.

Im Fazit schließlich werde ich die Fragestellung und die Thesen wieder aufgreifen, sie beantworten und eine eigene Einschätzung abgeben.

Das Ziel der Arbeit ist es zu verdeutlichen, dass die Führung der Hanse, welche nur eine lose Organisationsstruktur aufwies, eine enorme Leistung Lübecks darstellte.

2. Was ist die Hanse?

Die Hanse, althochdeutsch für Schar, oder auch Kriegerschar[1], war eine lose Institution gegründet von Kaufleuten mit dem Zweck, gemeinsam einen sichereren See- und Landhandel zu gewährleisten und zudem gemeinsam für wirtschaftliche Interessen einzutreten. Zum Symbol der Hanse wurde im Verlauf ihrer Geschichte und vor allem in der Geschichtsschreibung die Kogge, das Handelsschiff der Hanse.[2] Die Farben der Hanse waren weiß und rot, was auch heute noch in vielen Stadtwappen der Hansestädte zu erkennen ist. Bei ihrer größten Ausdehnung waren bis zu 300 See- und Binnenstädte Teil der Hanse, wobei fehlende Mitgliederlisten eine genaue Bezifferung erschweren.[3]

Die Geschichte der Hanse lässt sich grob in zwei Phasen unterteilen. Zum einen die Kaufmannshanse (ca.1150-ca.1300)[4] und später die Blütezeit während der Städtehanse (ca.1280/1300- maximal 1500), wobei die genaue Abgrenzung und zeitliche Einordnung bis heute umstritten ist. Selzer zum Beispiel stellt heraus, dass man zur genauen Eingrenzung der Blütezeit in der Städtehanse definieren müsse, ob man die Epochen nach politischen oder ökonomischen Gesichtspunkten begutachtet. Dieses täte die ältere Geschichtsschreibung nicht.[5] Auf die Erklärung von Kaufmannshanse und Städtehanse werde ich im Folgenden zu sprechen kommen.

Die Jahreszahl 1143 wird in der Geschichtsschreibung oftmals als entscheidend für die Entwicklung der Hanse bezeichnet, da in diesem Jahr die spätere Hansehauptstadt Lübeck gegründet wurde, worauf ich allerdings im dritten Gliederungspunkt noch genauer eingehen werde. Da die Hanse eine lose Institution, ja eher eine Interessengemeinschaft ohne einen Eid oder eine gemeinsame Kasse war, waren die Akteure auch teilweise untereinander Handelsrivalen, wie zum Beispiel Lübeck und Köln um den Englandhandel.[6]

Zu der damaligen Zeit der sich gerade herausbildenden Kaufmannshanse spielte Gotland, beziehungsweise die Gotländische Genossenschaft[7], in der auch lübische Kaufleute vertreten waren, eine zentrale Rolle als Drehscheibe des Handels, vor allem mit Skandinavien. So war insbesondere die Gilde der „„universi mercatores imperii Romani Gotlandiam frequentantes“ (der Gesamtheit der Gotland aufsuchenden Kaufleute des römischen Reiches)“[8] von großer Bedeutung. Diese Fernhändlergilde, die 1161 zum ersten Mal bezeugt wurde[9], begann die Vorstellung zu entwickeln, sich bei der Sicherstellung der Handelswege und Handelsinteressen gegenseitig zu unterstützen um die Prosperität des Handels zu gewährleisten. Denn zu der Zeit des 12. Jahrhunderts begleiteten die Kaufleute ihre Waren noch selber und waren daher auf sichere Handelswege angewiesen.[10] Folglich war die Hanse definiert als ein „genossenschaftlicher Zusammenschluss von reisenden Kaufleuten, die oft aus einem gemeinsamen Herkunftsort stammten .[11] Der Rückgriff auf den Herkunftsort als konstituierendes Merkmal zeigt, dass die Anfänge der Hanse noch regional begrenzt waren, sodass das Selbstverständnis als deutsche Hanse erst später entstand.

Die deutschen Kaufleute in Visby (deutsch auch „Wisby“) auf Gotland bestimmten fortan vier Aldermänner, welche von den wichtigsten Gruppen aus Lübeck, Soest, Dortmund und Visby gestellt wurden. Diese Männer repräsentierten die universitas und sorgten für Gerichtsbarkeit.[12] Von Visby ausgehend erreichten die deutschen Kaufleute eine Vormachtstellung gegenüber den Skandinaviern im Novgorodhandel. Novgorod war mit circa 20.000 Einwohnern eine für damalige Verhältnisse große Stadt und zudem das Tor zum Handel mit russischen Produkten, sodass seine Bedeutung für den Handel nicht unterschätzt werden darf.[13] Im Zuge dieses Handels bildete sich in Visby sogar eine deutsche Gemeinde. Zu dieser Zeit war Visby der wichtigste Handelspartner Lübecks. Angetrieben durch den Handel mit Novgorod errichteten die deutschen Kaufleute im Folgenden auch einen florierenden Handel mit Schonen, Norwegen und Schweden. Produkte, die damals gehandelt wurden, waren vor allem Stock- und Klippfisch, aber auch Pelze, Tran, Butter und Häute aus Skandinavien und im Gegenzug vor allem Getreide, Mehl und Malz nach Skandinavien.[14] In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts kam es schließlich zu einer Erweiterung gen Westen, sodass es einen starken Handel mit England, vor allem mit London gab. So wurde es zu dieser Zeit üblich, dass die deutschen Kaufleute, zum Beispiel in London und Brügge, aus eigenem Antrieb kooperierten um ihre Interessen zu vertreten. Die Kaufleute lebten in diesen Städten oftmals geschlossen zusammen.[15] Festzuhalten bleibt in dieser Zeit der Kaufmannshanse, kurz vor der Wandlung zur Städtehanse, dass niederdeutsche Kaufleute fast überall die Vormachtstellung im Zwischenhandel errungen hatten und das lübische Kaufleute dabei entweder dominierend, oder zumindest zu einem großen Teil Anteil daran hatten. Doch darauf werde ich im Gliederungspunkt 4. genauer eingehen.

Der Kaufmannshanse, die, wie bereits erläutert, von Fernhändlerzusammenschlüssen einzelner Kaufleute geprägt war, stand nun Ende des 13. Jahrhunderts der mehr oder weniger fließende Wandel zur Städtehanse gegenüber. Ich werde diesen Teil allerdings etwas allgemeiner halten um keinen Informationen aus meinem Hauptteil vorzugreifen beziehungsweise diese doppelt zu nennen.

Erste strukturelle Veränderungen bemerkte man bereits im ausgehenden 13. Jahrhundert, die auch den Einfluss der Gotländischen Genossenschaft zurückgehen ließ. Durch neue Handelsmethoden blieben die Kaufleute nun in ihren Heimatstädten und delegierten die Aufgaben an sogenannte Kaufgesellen. Auch der nun einsetzende bargeldlose Zahlungsverkehr machte die Abstinenz vom Ort des Geschehens möglich.[16] So waren die Kaufleute bei einer steigenden Intensität ihres Handels auf die Unterstützung ihrer Heimatstadt angewiesen, welche die Sicherheit der Handelswege garantierte. Da es der Rat der jeweiligen Stadt war, der die Kaufleute repräsentierte, gewann dieser zu der Zeit enorm an Einfluss.[17] Im Besonderen ist hier der Lübecker Rat zu nennen. Die Räte beanspruchten es auch für sich, die Interessen der verschiedenen Hansen der Kaufleute nach außen zu vertreten, da sie Kosten und Risiken des Handels trugen.[18] Im Zuge dessen gab es im Jahre 1280 ein Abkommen zwischen Lübeck und Visby, dem später auch Riga beitrat, in dem es um die Interessenvertretung der deutschen Novgorodfahrer ging.[19] Kurz darauf gab es ein Ringen um die hauptsächliche Macht in Novgorod, welches Lübeck 1293 für sich entschied. Dieses kann man prinzipiell als Ende der Gotländischen Genossenschaft bezeichnen, welcher man aber sicherlich einen großen Anteil an der Entwicklung der Hanse zusprechen sollte. Denn der Gotländischen Genossenschaft wurde es wohl zuerst bewusst, dass man das für den Fernhandel gemeinsame Interesse auch gemeinsam vertreten könne. Weiterhin wichtig für die Entwicklung der Hanse war auch die Gründung des Wendischen Städtebundes im Jahre 1259 zur Sicherung der See- und Landhandelswege.[20] Die Sicherung gelang durch ein kooperatives Zusammenarbeiten der Kaufleute der verschiedenen Städte.

Dadurch wird deutlich, dass sich der Wandel von der Kaufmannshanse zur Städtehanse bereits im 13. Jahrhundert abzeichnete, aber dann erst im 14. Jahrhundert durch die Verlagerung des Schutzes der Kaufleute auf die Räte der Heimatstädte und schließlich unter anderem durch die dritte sogenannte große Flandernblockade von 1358-1360 vollzogen wurde.[21] Aufgrund der Dauer und Intensität der Blockade gegen einen starken Gegner, führte diese zu einer großen Solidarisierung der niederdeutschen Kaufleute untereinander, und das nicht nur in Brüssel, dem Ort der Blockade. Am Ende dieses Konflikts sprach man nicht mehr von vielen kleinen Hansen, sondern von einer großen, einer deutschen Hanse aller Kaufleute, unabhängig der Herkunftsstadt.[22] Auf den Konflikt werde ich im Verlauf der Arbeit noch genauer eingehen. Die Blockade jedenfalls war erfolgreich und festigte die neu gewonnenen hansischen Strukturen weiterhin. Dazu beigetragen haben im Folgenden auch die sogenannten hansischen Tagfahrten oder auch Hansetage. Selzer datiert ihren ersten Termin auf den Januar 1358, in welchem eine Lübecker Versammlung mit dieser fortlaufenden Tradition begann. So begann man nach Selzer auch dort, die Ergebnisse dieser Treffen schriftlich festzuhalten.[23] Durch das schriftliche Festhalten, wird die Intention deutlich, sich später auf diese Schriftstücke zu beziehen, beziehungsweise weitere Treffen abzuhalten. Ebenfalls auf dieser vermeintlich ersten Versammlung im Januar 1358 kam die Hanse erst explizit zu ihrem Namen. Dort ist nämlich eindeutig von der dudeschen hanse die Rede. Der Begriff fällt zwar schon früher, wurde aber erst seit der Flandernblockade als Symbol für eine gemeinsame Organisation genutzt.[24]

[...]


[1] Dittrich, Konrad, Kleine Lübecker Stadtgeschichte. Regensburg 2007, S. 35.

[2] Selzer, Stephan, Die mittelalterliche Hanse. Darmstadt 2010, S. 53 f.

[3] Selzer, Die mittelalterliche Hanse. Darmstadt, S. 53.

[4] Selzer, Die mittelalterliche Hanse. Darmstadt, S. 40 ff.

[5] Selzer, Die mittelalterliche Hanse. Darmstadt, S. 45.

[6] Hoffmann, Erich, Lübeck im Hoch- und Spätmittelalter in: Lübeckische Geschichte, hrsg. von Antjekathrin Graßmann. Lübeck 1988, S. 142.

[7] Selzer, Die mittelalterliche Hanse. Darmstadt, S. 24.

[8] Hoffmann, Lübeck in: Lübeckische Geschichte. Lübeck, S. 133.

[9] Hoffmann, Lübeck in: Lübeckische Geschichte. Lübeck, S. 134.

[10] Ebd.

[11] Ebd.

[12] Hoffmann, Lübeck in: Lübeckische Geschichte. Lübeck, S. 135.

[13] Hoffmann, Lübeck in: Lübeckische Geschichte. Lübeck, S. 188f.

[14] Selzer, Die mittelalterliche Hanse. Darmstadt, S. 45.

[15] Hoffmann, Lübeck in: Lübeckische Geschichte. Lübeck, S. 137.

[16] Hoffmann, Lübeck in: Lübeckische Geschichte. Lübeck, S. 138.

[17] Hoffmann, Lübeck in: Lübeckische Geschichte. Lübeck, S. 139.

[18] Ebd.

[19] Ebd.

[20] Hoffmann, Lübeck in: Lübeckische Geschichte. Lübeck, S. 140.

[21] Selzer, Die mittelalterliche Hanse. Darmstadt, S. 45 f.

[22] Selzer, Die mittelalterliche Hanse. Darmstadt, S. 46.

[23] Selzer, Die mittelalterliche Hanse. Darmstadt, S. 51.

[24] Ebd.

Details

Seiten
24
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656356110
ISBN (Buch)
9783656356820
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v208192
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2.0
Schlagworte
Hanse Geschichte Vormoderne Lübeck Hansestadt Mittelalter

Autor

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Titel: Lübeck - Die "Königin der Hanse"