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Das Mainzer Modell - Eine Möglichkeit zur Senkung der Arbeitslosigkeit?

Hausarbeit 2003 33 Seiten

VWL - Fallstudien, Länderstudien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Übersichtsverzeichnis

1. Aufbau und Ziele der Arbeit

2. Ausgangssituation und Konzept
2.1. Ausgangssituation
2.2. Konzept

3. Auswirkungen
3.1. Nachfrageseite
3.2. Haushaltsnettoeinkommen und Grenzbelastung
3.3. Angebotsseite

4. Kritikpunkte
4.1. Konzept
4.2. Rahmenbedingungen

5. Resümee und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 - Qualifikationsspezifische Arbeitslosenquote

Abbildung 2- Lohnabstand zur Soziahilfe zzgl. Wohngeld in Ost- und Westdeutschland

Abbildung 3 – Entwicklung des Haushaltnettoeinkommens mit und ohne Mainzer Modell

Übersichtsverzeichnis

Übersicht 1 - Fördervorrausetzungen des Mainzer Modells

Übersicht 2 Förderungsstruktur im Zeitraum 01. März bis 19. Dezember 2002

Übersicht 3 – Geförderte Arbeitsplätze nach Wirtschaftszweigen

1. Aufbau und Ziele der Arbeit

Mit dem Mainzer Modell wollte Bundeskanzler Schröder die Arbeitmarktzahlen schönen. In dieser Hausarbeit setze ich mich mit dem bundesweit eingeführten Modell und seiner Zielsetzung auseinander, da dieses an die gering qualifizierten Arbeitslosen gerichtet ist, welche mit knapp 40% den größten Teil der derzeitig arbeitslosen Personen stellen. Das dieses ein aktuelles Thema ist, beweisen nicht zuletzt Teile der aktuell geführten Diskussion um die Agenda 2010 und das damit verbundene Arbeitslosengeld II, sowie die Ausweitung der Geringfügigkeitsgrenze und die neu eingeführte Gleitzone, welche laut der dazugehörigen Pressemitteilung des Arbeitsamtes als Vorbild das Mainzer Modell hatten.

Durch meine Ausführungen in Punkt 2.1 mache ich deutlich, dass eine wirksame Arbeitsmarktpolitik mit dem Zweck der Senkung der Arbeitslosigkeit an der Stellschraube der Geringqualifizierten ansetzen muss. Dabei beleuchte ich das Jahr 2001 als Ausgangsjahr deutlicher, da 2002 das Mainzer Modell bundesweit eingeführt wurde. Ich versuche die Ursachen zur Ausgangssituation zu erklären. Es werden die Anreizproblematiken, die im Zusammenhang mit den Ursachen der Ausgangssituation bestehen, beleuchtet; ich konnte jedoch aufgrund der vorgegebenen Seitenzahlbegrenzung an dieser Stelle nicht tiefer in die Materie einsteigen. Die Bundesregierung hat mit der bundesweiten Umsetzung des Mainzer Modells der Problematik aus der Ausgangssituation Rechnung getragen. Das Konzept werde ich in Punkt 2.2 näher erläutern und dann im darauf folgenden Punkt die Wirkungen auf die Angebots- und Nachfrageseite des Arbeitsmarktes sowie auf das Haushaltsnettoeinkommen und die Grenzbelastung näher eingehen. Diesem Punkt folgen Kritikpunkte an dem Konzept selbst, sowie an den Rahmenbindungen, dem das Konzept unterliegt. Hierbei habe ich versucht, die Meinung der Wirtschaftsforschungsinstitute, des Sachverständigenrates sowie von den Gewerkschaften wiederzugeben. Abschließend gebe ich im letzten Punkt noch einmal die Kernaussagen meiner Hausarbeit wieder und versuche einen Ausblick im Hinblick auf eine wirksame Arbeitsmarktpolitik im Sinne der Problemstellung zu geben.

Bei Zahlenmaterial und Grafiken habe ich darauf geachtet, die aktuellsten zur Verfügung stehenden Zahlen zu verwenden. Die Hausarbeit hat zwar insgesamt einen Umfang von 28 Seiten, aber der Text beträgt gemäß den Vorgaben zur Anfertigung dieser Hausarbeit pro Gliederungspunkt ohne Fußnoten, Übersichten, Abbildungen und Verzeichnissen ca. 4 Seiten und Einleitung und Schlussbemerkung jeweils ca. 1,5 Seiten, so dass der Gesamtumfang nicht die 15 Seiten übersteigt. Des weiteren habe ich mich an formale Regeln gehalten und die in den Hinweisen zur Anfertigung dieser Hausarbeit angegebenen Quellen zitiert.

2. Ausgangssituation und Konzept

2.1. Ausgangssituation

Seit 1980 ist die Arbeitslosenquote, definiert als „Arbeitslose in Prozent des Arbeitskräftepotentials“[1], in Deutschland drastisch gestiegen. Geringqualifizierte sind hierbei besonders stark von der Arbeitslosigkeit[2] betroffen. Unter Geringqualifizierten versteht man hierbei Personen, die keinen formalen beruflichen Bildungsabschluss, sondern ausschließlich ihre allgemeine Pflichtschulbildung vorweisen können.[3] Der Anstieg der Arbeitslosenquote unter Geringqualifizierten im Gegensatz zur allgemeinen Arbeitslosenquote von 1975 bis 2000 wird in der folgenden Grafik dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 - Qualifikationsspezifische Arbeitslosenquote[4]

In Abbildung 1 wird deutlich ersichtlich, dass die allgemeine, sowie die Arbeitslosenquote unter Geringqualifizierten seit 1980 bis 1997 fast kontinuierlich gestiegen ist. „Vor allem in den alten Ländern zeigte die relativ günstige konjunkturelle Lage Ende der 90er Jahre auch positive Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt.“[5] Dies erklärt das Absinken der Kurven seit 1997. Trotzdem hat sich die allgemeine Arbeitslosenquote mit 9,6% gegenüber 1980 genau verdreifacht, und die Arbeitslosenquote unter Geringqualifizierten mit 22,2% gegenüber 1980 nahezu vervierfacht. Das Ausgangsjahr für das Mainzer Modell stellt 2001 dar. Insgesamt waren 37%[6] aller Arbeitslosen 2001 gering qualifiziert. Es gilt also „die Faustregel: „Je niedriger die formale Qualifikation, desto schlechter die Position auf dem Arbeitsmarkt.““[7]

Auf der Suche nach Gründen für die hohe Arbeitslosigkeit bei Geringqualifizierten könnte man mit dem Hintergrundwissen, dass im Jahr 2001 485.153 offene Stellen[8][9] gemeldet wurden, annehmen, dass für Geringqualifizierte keine Arbeitsplätze zur Verfügung standen. In diesem Fall würde sich die Mismatch-Hypothese bestätigen. Durch die Mismatch-Hypothese „kann die Arbeitslosigkeit durch ein Nebeneinander von Arbeitslosen und offenen Stellen erklärt werden, sofern die Arbeitsnachfrage nicht mit dem -angebot kompatibel ist.“[10] Allerdings waren von den offenen gemeldeten Stellen im September 48%[11] (233.298 Stellen absolut)[12] für Arbeitnehmer ohne besondere Ausbildung geeignet. Berücksichtigt man den Einschaltungsgrad des Arbeitsamtes, ergibt das knapp 750.000 vakante Arbeitsplätze für Geringqualifizierte[13]. Aus diesem Grund gehe ich in meinen nachfolgenden Ausführungen nicht weiter auf die sicherlich auch bestehenden Probleme der Globalisierung und des technischen Fortschritts, also den Problemen, die in der Nachfrageseite begründet sind, ein.

Vielmehr sind die Gründe darin zu suchen, dass zwei wesentliche Anreizprobleme bestehen. Diese sind in der so genannten Armutsfalle und dem deutschen Sozialsystem begründet und bestätigen MANKIVs Regel Nr. 4: Menschen reagieren auf Anreize.[14]

SAMUELSON beschreibt die Armutsfalle mit den Worten, „mittellose Bürger müssen mit hohen „Grenzsteuersätzen“ (oder richtiger: „Sozialkürzungssätzen“) rechnen, weil alle Sozialleistungen schon bei geringeren Erwerbseinkommen drastisch gekürzt werden.“[15] Ein deutscher Hilfeempfänger hat eine Transferentzugsrate oder Grenzbelastung von beinahe 100%. Durch eine Beschäftigungsaufnahme zu Niedriglöhnen wird sich die Lage von Hilfeempfängern also nicht deutlich verbessern oder sogar, wenn man den Nutzen der Freizeit berücksichtigt, verschlechtern.[16]

Das zweite bereits oben erwähnte Anreizproblem ist die künstliche Schaffung von Mindestlöhnen durch die Höhe der jetzigen Arbeitslosen- und Sozialhilfe. Dies bestätigt MANKIV, in dem er die Aussage macht, dass Mindestlöhne bei einigen Gruppen mit besonders hoher Arbeitslosigkeit eine wichtige Rolle zur Erklärung derselben spielen.[17] Dadurch geben sich die Betroffenen nicht mit den Marktlöhnen zufrieden, für die ihre Beschäftigung für Betriebe rentabel wäre[18]. (Einen möglichen Zusammenhang zwischen Löhnen und Produktivität[19] lasse ich an dieser Stelle aus Einfachkeitsgründen außer acht.) Sozial- und Arbeitslosenhilfe erhöhen also den Anspruchslohn[20]. Es ist ein rationales, nachvollziehbares Verhalten, dass man nicht für weniger Geld arbeitet, als man vom Staat erhält, wenn man nicht arbeitet. SINN spricht in diesem Zusammenhang von einer „Subvention für die Untätigkeit“, da sie „wegfällt, wenn man arbeitet“[21]. In diesem Zusammenhang zeige ich am Beispiel eines Alleinverdiener-Ehepaares mit zwei Kindern im Jahr 2000 mit der nachfolgenden Grafik auf, dass ein mangelnder Lohnabstand zwischen dem durchschnittlichen Nettolohn und der Sozialhilfe zuzüglich Wohngeld vorhanden ist.

[...]


[1] Mankiv 1999, S. 616.

[2] Laut DIGNAS definiert als „Jemand - ob Frau oder Mann - ist arbeitslos (er­werbslos), wenn Sie oder Er zwar erwerbsfähig und erwerbswillig, aber nicht erwerbstätig ist.“ Dignas 1992, S. 14.

[3] Vgl. Emmerich/Hoffmann/Walwei 2000, S. 3-4.

[4] Die qualifikationsbedingte Arbeitslosenquote für 2001 ist nicht bekannt und konnte aufgrund von fehlenden Variablen auch nicht von mir selbst berechnet werden.

[5] Hummel/Reinberg 2002, S. 1.

[6] Bundesanstalt für Arbeit 2001a, S. 5.

[7] Hummel/Reinberg 2002, S.1.

[8] Bundesanstalt für Arbeit 2001b, S. 3.

[9] „Der Begriff „offene Stelle“ bezeichnet üblicherweise den Sachverhalt, dass für eine sofort oder erst später zu besetzende Stelle (noch) Bewerber gesucht werden.“ Scherl 2002, S. 584.

[10] Christensen 2001, S. 8.

[11] Bundesanstalt für Arbeit 2001b, S.4.

[12] Ebenda, S. 3.

[13] Vgl. Klös/Schäfer: 2002, S. 10.

[14] Vgl. Mankiv 1999, S. 9-10.

[15] Nordhaus/Samuelson 1998, S. 441.

[16] Vgl. Funk 1999, S. 946.

[17] Vgl. Mankiv 1999, S. 623.

[18] Vgl. ebenda, S. 946.

[19] Vgl. Stiglitz 1999, S. 968.

[20] „Die Sozialhilfe ist[...]eine Untergrenze für den Nettolohn, zu dem ein Sozialhilfeberechtigter zu arbeiten bereit ist, falls er nicht bereits in der Arbeit als solches Befriedigung findet. Sie definiert den Anspruchslohn, der vom Nettomarktlohn mehr oder weder deutlich übertroffen werden muss[...].“ Wissenschaftlicher Beirat beim BMWI 2002, S. 23.

[21] Sinn 2000 cit.n.: Breyer 2002, S. 208.

Details

Seiten
33
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638245876
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v20807
Institution / Hochschule
Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven; Standort Emden – Fachbereich Wirtschaft
Note
2,0
Schlagworte
Mainzer Modell Eine Möglichkeit Senkung Arbeitslosigkeit Arbeitsmarkttheorie

Autor

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