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Der arabische Frühling - Fluch oder Segen für Israel

Ein Blick auf die Auswirkungen der Proteste in Ägypten und Jordanien

Essay 2012 9 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient

Leseprobe

Der arabische Frühling - Fluch oder Segen für Israel

Ein Blick auf die Auswirkungen der Proteste in Ägypten und Jordanien

Die Beziehungen Ägyptens und Jordaniens zu Israel, sowie die vertretenen politischen Positionen im gesamten Nahost-Konflikt, verlaufen in ihrer Geschichte auf einer (nicht immer gerade verlaufenden) Linie, in deren beider Extreme - Krieg und Frieden - sich Ägypten, als auch Jordanien befunden haben, bzw. befinden. Aktuell herrscht, dank der beiden Friedensverträge zu Beginn der 1990er Jahre, offizieller und auch faktischer Frieden zwischen den Beteiligten. Doch diese Abkommen sehen sich aufgrund der revolutionären Vorkommnisse des Frühjahrs 2011 in der arabischen Welt neuen Akteuren und politischen Interessen gegenüber, die das Einhalten der Verträge gefährden könnten.

Die Frage, die sich stellt, ist, ob die Friedensverträge, die unter erheblichem Druck und im Interesse des Westens, insbesondere der USA, mit dem Herrscher Hosni Mubarak und König Hussein I. geschlossen wurden, in einem transformiertem Ägypten und einem reformierten Jordanien Rückhalt seitens der Bevölkerung finden. Dazu werden in einem kurzen historischen Abriss die Linien nachvollzogen, auf denen sich die Nahost-Politik der beiden Länder, insbesondere mit Blick auf Israel, bewegt hat. Darauf erfolgt die Untersuchung der Auswirkungen die der arabische Frühling auf die Konstellation im Nahen Osten hat oder haben könnte.

Besonders bei Ägypten ist eine wechselhafte politische Haltung zu Israel zu verzeichnen. Zunächst einmal liegt es im Selbstverständnis Ägyptens, als militärisch stärkste Macht im arabischen Raum, Nahost-Politik nicht nur zu betreiben, sondern auch - wo möglich - zu bestimmen, denn letztlich geht es dem stark muslimisch geprägten Land auch um seine Heiligen Stätten in Jerusalem. 1948, unmittelbar nach der Unabhängigkeitserklärung Israels, griff eine Allianz arabischer Staaten am 15. Mai, den frisch entstandenen Staat mit dem Ziel der Beseitigung an. Dieser sog. Palästinakrieg endete mit der Etablierung Israels, das noch zusätzliche Gebiete hinzugewinnen konnte. Nach dem Sieg über die arabischen Nachbarstaaten zog Israel sich erst unter Androhung britischer Intervention aus den ägyptischen Gebieten auf der Sinai-Halbinsel zurück. Die Suezkrise im Jahr 1956 führte dann erneut zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen ägyptischen und israelischen Militärs, die wiederum mit einem militärischen Sieg Israels endeten.

Im Jahr 1964 gründete der Palästinensische Nationalrat auf Vorschlag des ägyptischen Präsidenten Nasser die Palästinensische Befreiungsorganisation(PLO). Zusätzlich wurde die Palästinensischen Befreiungsarmee(PLA) eingerichtet, deren Einheiten aus ägyptischen, syrischen und irakischen Soldaten zusammengesetzt waren. Von diesen drei Ländern ging zunächst die Kontrolle über die Armee aus. Hiermit betreibt Ägypten extreme anti-israelische Politik, indem es die palästinensischen Unabhängigkeitsbestrebungen, sogar mit Unterstützung ägyptischer Kampftruppen, vorantreibt. Als 1967 die Sinai-Halbinsel mit erneut ägyptischen Truppen militarisiert wurde, stand ein weiterer Krieg unmittelbar bevor, den Israel in sechs Tagen für sich entscheiden konnte. Es konnte wichtige Gebiete wie den Sinai, den Gazastreifen, die Golanhöhen, das Westjordanland, sowie Ostjerusalem unter seine Kontrolle bringen und besetzen. Auf der darauffolgenden Gipfelkonferenz im sudanesischen Khartum versteiften sich die arabischen Staaten auf folgende ‚drei Neins‘: „Kein Frieden mit Israel, keine Verhandlungen mit Israel, keine Anerkennung Israels.“ [1]

Unter dem neuen Präsidenten Sadat erfolgte in den 1970er Jahren eine Annäherung Ägyptens an die USA, was zu einem Umdenken in der Nahost-Politik führte. Erstmals bewegte sich der ägyptisch-israelische Konflikt auf einer neutralen Ebene, ohne kriegerische Zwischenfälle. Diese Zeit wurde mit dem am 26.03.1979 in Washington unterzeichneten Friedensvertrag auch formal festgehalten. Damit war Ägypten der erste arabische Staat, der mit Israel Frieden geschlossen hatte. Man spricht von einem Kalten Frieden, der zwar offiziell, aber eben nur zwischen den Regierungen geschlossen wurde und nicht mit der Bevölkerung. So fand kein wirklicher Austausch der beiden Kulturen statt, der Tourismus und auch der Güterverkehr zwischen den beiden Staaten konnte sich nicht verbessern. Mit der Machtübernahme Mubaraks im Jahr 1981 wurden die traditionellen Grundlinien der Außenpolitik um den Ausgleich mit Israel und der aktiven Unterstützung des Friedensprozess im Nahen Osten erweitert. In den Folgejahren entwickelte sich Ägypten zu einem sicherheits-strategisch wichtigen Partner für Israel, da sich nun das große Gewicht der Stimme Ägyptens für eine Annäherung der Konfliktparteien erhob. Ägypten kontrollierte von nun an mit strenger Härte das Grenzgebiet zu Israel, verhinderte so Nachschublieferungen für die dort ansässige Hamas und verwehrte Terroristen den Zugang. Zusätzlich richtete Ägypten immer wieder Nahost-Gipfel aus, bei denen sie als Gastgeber auftraten, oder erwirkte Stillhalteabkommen bei innerpalästinensischen Konflikten. Mubarak gelang es immer wieder den Friedensprozess aufs Neue anzustoßen und somit den Nahost-Konflikt sich nicht selbst und seiner ‚Unlösbarkeit‘ zu überlassen. Dadurch sicherte er sich großzügige Zahlungen aus der USA und Europa.

[...]


[1] Emmermann, Ines (2006): In: Gieler, Wolfgang (Hg.): Außenpolitik in Konfliktregionen: Der Nahe und Mittlere Osten. wvb. Berlin. S.13-29.

Details

Seiten
9
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656352952
ISBN (Buch)
9783656354154
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v208024
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Institut für Politikwissenschaft und Sozialforschung
Note
1,3
Schlagworte
frühling fluch segen israel blick auswirkungen proteste ägypten jordanien

Autor

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Titel: Der arabische Frühling - Fluch oder Segen für Israel