Lade Inhalt...

Tot, was nun? Eine Auseinandersetzung mit dem Sterben, dem Tod, der Trauer und dem Leben nach dem Tod

Fachbuch 2013 281 Seiten

Theologie - Praktische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Was ist der Tod?
- Definitionen zum Tod
- Tod und Todesursachen
- Was versteht man unter dem Scheintot?
- Nur auf dem Schein tot
- Der Tod, ein endgültiges Geschehen?
- Nahtoderfahrungen
- Merkmale einer Nahtoderfahrung
- Im Krankenhaus
- Ein älterer Mann nach dem Aufwachen
- Eine junge Mutter mit kleinen Kindern

Umgang mit dem Tod
- Wie gehen wir mit dem Tod um?
- Wie wir sterben wollen
- Was bleibt am Ende?
- Anruf aus dem Krankenhaus
- Wer fährt mit Ihnen mit?
- Was muss noch erfragt werden?
- Was möchten Sie gerne mitnehmen?
- Abschiedrituale am Totenbett
- Trauer, ein beklemmendes Gefühl
- Trauerbewältigung
- Trauerphasen

Leben – Tod, eine unzertrennliche Einheit
- Die Hospizbewegung
- Das Hospizverständnis früher – heute
- Der menschliche Tod im Unterschied zum Tod anderer Lebewesen
- Todesverständnis früher – heute
- Problemlage Tod
- Die biblische Betrachtung im Alten Testament und im Neuen Testament
- Philosophisches Denken über den Tod
- Der Tod, kein eigenes Thema in der Dogmatik
- Sterben nicht zum Einschläfern umgestalten

Der Tod und die Bestattung in anderen Kulturen und Religionen
- Der Tod in den Weltreligionen und anderen Kulturen und Religionen
- Bei den Ägyptern
- Bei den Germanen
- Hinduismus
- In China
- In den andere Religionen
- Andere Kulturen
- In den schriftlose Kulturen
- Die christliche Tradition
- Im Koran
- Bei den Griechen im Altertums
- Buddhistische Aussagen
- Die hebräische Überlieferung
- Anthropologische Studien
- Gilgamesch – Epos
- Die Aztekische Tradition
- Hinduismus
- Buddhismus
- In der Kunst der Christen
- Guarayo – Indianer
- Huichol – Indianer
- Die traditionelle Inkakultur
- Afrikanische Gesellschaft
- Wandlung im Sterbeverständnis zum heutigen Verständnis
- Zäsuren im Todesverständnis
- Judentum
- Islam
- Islamische Regeln
- Der Tod im Hinduismus
- Der Tod im Buddhismus
- Der Tod im Christentum
- Kleines Lexikon der Grabformen
- Grabsymbole

Sterben und Tod
- Wann ist der Mensch tot?
- Sterbephasen nach Kübler – Ross
- Sterbevorgang und Hospizbewegung
- Sterbephasen nach Albert Mauder
- Bild: In einem Sterbezimmer
- In Würde sterben
- Philosophische Gedanken zur Würde
- Bild: Der Tode in der Vorstellung des Menschen, in der Kunst dargestellt
- Das apallische Syndrom
- Frau B.
- Fernsehfilm: Tod vor dem Sterben
- Diese Diskussion um die Würde des Menschen
- Sterbebegleitung
- Das Schlüsselerlebnis
- Die Palliativmedizin
- Was bedeutet Pflege für uns?
- Sterbehilfe
- Aktion Gnadentod
- Sterbehilfe für ein Baby
- Hilfe beim Sterben?
- Sterbebegleiter – Helfer zum Suizid?
- Die indirekte Sterbehilfe
- Die assistierte Sterbehilfe

Wandel im Umgang mit dem Tod
- Der Wandel im Umgang mit dem Tode – Todesanzeigen
- Sterben früher und heute
- Lied: Ich bin ein Gast auf Erden
- Letzte Ölung – Krankensalbung
- Meine letzte Ölung
- Der Tod – aus dem Leben verbannt
- Tod und Kosmetik
- Föhnfrisur für eine Leiche
- Beruf: Bestatter
- Thema Tod gehört in die Schulen, Ethikunterricht
- Aus Angst die Flucht in die aktive Sterbehilfe
- Die Angst beim Thema Tod
- Stefan T.
- Meinungsumfragen zur Sterbehilfe
- Aktuelle Zahlen in Deutschland und in den Grenzländern
- Exkurs: Aktive und passive Sterbehilfe – zur Würde beim Suizid
- Organisationen im Bereich der aktiven Sterbehilfe
Dignitas Deutschland
EXIT – Deutschland
EXIT – Schweiz
NVVE – Niederlande
- Was ist Sterhilfe – Formen der Sterbehilfe
- Professor Doktor Julius Hackethal
- Der Hippokratische Eid im Wortlaut
- Sterbehelferteams in den Niederlanden unterwegs

Sich auf den Tod einstellen
- bewusst sterben
- Das Leben ordnen
- Mein Testament
- Der Organspendeausweis, wenn gewünscht
- Die Patientenverfügung
- Die Betreuungsverfügung
- Gedanken zur Organspende
- Was spricht für eine Organspende
- Was spricht gegen eine Organspende
- Exkurs: Mehrorganentnahme
- Exkurs: Informationen zur Explantation
- Abschied nehmen
- Formen der Bestattung

Das Leben nach dem Tod
- Nahtoderfahrungen
- Die Einheit von Tod und Religion
- In der christlichen Religion
- Denken in der Reinkarnationslehre
- Religion und Tod in den westlichen Religionen
- Das Judentum
- Das Christentum
- Der Islam
- Der Volksglaube
- Die Reinkarnationslehre
- Sterbeberichte
- Todesverständnis in anderen Kulturen
- Die östlichen Religionen
- Der Hinduismus
- Der Buddhismus
- Der Universums
- Totenkult und Totenverehrung
- Ein individuelles Nachleben
- Die körperunabhängige Seele
- Der Glaube an die Wiederkehr der Toten

Christen und der Tod
- Nachtoderfahrungen
- Im christlichen Alltag
- muss ich als Christ Angst vor dem Sterben und Angst vor dem Tod haben?
- Warum haben wir Angst vor dem Tod?
- Wie können wir mit der Angst vor dem Sterben und dem Tod umgehen?
- Die christlichen Lehre auf biblischer Aussagen

Glossar

Bibelstellen

Liedblätter

Bildnachweis

Literaturnachweis

Zeitungsartikel thematisch geordnet
- Organspende
- Hospiz
- Patientenverfügung
- Europäischer Vergleich
- Sterbehilfe
- Sterbehilfe aus kirchlicher Sicht

Biografie

Vorwort

„Es ist schwer zu sagen was möglich ist,

denn der Traum von Gestern

ist die Hoffnung von Heute

und die Wirklichkeit von Morgen.

Robert Goddard

Bei diesem Buch habe ich dafür entschieden, mich mit einer Fragestellung auseinander zu setzen, die in unserer Gesellschaft an ganz vielen Stellen verdrängt und/oder aus dem Bewusstsein oft mit viel Erfolg verdrängt wird – dem Tod und den sich damit verbindenden Fragen und Problemen. Dabei habe ich mich bei der Recherche mit vielen Menschen in allen Alterstufen und gesellschaftlichen Schichten unterhalten, Schulklassen in die Gespräche einbezogen und dabei viele neue und interessante Erfahrungen gesammelt.

In unserer modernen Hightech – Welt wird ein Thema immer mehr und immer erfolgreicher verdrängt: Das Thema Sterben und Tod. Die Werbung verheißt dem Menschen die ewige Jugend, die medizinische Forschung macht immer mehr Fortschritte mit Hilde pharmazeutischer Möglichkeiten die Jugend zu erhaltern, den Alterungsprozess zu kaschieren, im Bereich der Pharmazie werden Medikamente entwickelt die altersbedingte Probleme verhindern sollen um so in letzter Konsequenz das Leben zu verlängern zu helfen. Alter, unheilbare Krankheiten, Schmerzen, das Ende eines Lebens haben immer weniger Platz im Leben der Menschen.

In fast allen Gesprächen wurde deutlich, dass wir als Gesellschaft viel Erfolg in der Verdrängung dieses Themenbereiches aus unserem Leben haben, denn ich musste leider immer wieder feststellen, dass meine Gesprächspartner sich nur sehr auf ein Gespräch einlassen wollten und darum auch bedauerlicherweise vordergründig und oberflächlich antworteten; ihr großes Unbehagen darüber, sich auf ein derartiges Gespräch eingelassen zu haben, wurde an allen Stellen deutlich.

Berufsschüler haben beispielsweise auf die Frage „Was würden Sie tun, wenn Sie wüssten, dass Sie mit Sicherheit (durch medizinische Untersuchungen nachgewiesen) nur noch drei Monate zu leben hätten?“ geantwortet:

- „Schulden machen,
- mich sinnlos betrinken,
- das Leben genießen, soweit möglich,
- in den Urlaub fahren,
- alles das machen, was ich bisher nicht gemacht habe,
- weiterleben wie bisher.
- Straftaten wäre mit egal, denn auch Banküberfall wäre reizvoll; mir kann doch nicht mehr passieren, eine Bestrafung wäre ja nicht möglich!

Es soll an dieser Stelle aber nicht verschwiegen werden, dass sich die Jugendlichen durchaus haben in Frage stellen und deutlich verunsichern lassen, wenn sie gefragt wurden, ob wohl eine genießen des Lebens, des Urlaubs mit diesem Wissen überhaupt noch möglich ist. Der Hinweis auf die Wahrnehmung der Verantwortung, die ein Mensch doch eigentlich für sein Leben hat, ist mit einem Banküberfall aber doch recht zweifelhaft!

Bei der echten Auseinandersetzung mit dem Thema kam dann aber doch ein gewisser „Informationshunger“ zum Tragen, sodass sehr klar nach dem Tod als solchem und deutlich weniger nach dem „danach“, sondern primär nach dem Sterben und dem eigentlichen Sterbegeschehen gefragt wurde. Den jungen Menschen wurde dabei sehr schnell und in erschreckender Weise bewusst, dass sie eigentlich über kein Wissen verfügten, aber dennoch große Angst vor dem Sterben hatten; in diesem Zusammenhang kam immer die ganz persönliche Feststellung meiner Gesprächpartner „vor dem Tod habe ich keine Angst, aber vor dem Sterben“, kam immer wieder der Hinweis „Am liebsten möchte ich einschlafen und dann nie mehr aufwachen; das ist schmerzfrei und ohne Qualen“!

Die Filmwoche der ARD 2012 zum Thema Tod und Sterbehilfe hat natürlich deutlich zu einer deutlich intensiveren Beschäftigung mit den doch „brennenden“ Fragen der Menschen in einer sehr anschaulicher Weise beigetragen.

Die Menschen zwischen dem 30. Lebensjahr und dem 60. Lebensjahr haben sich nur sehr schwer und schon fast ungern auf die unterschiedlichen Fragen eingelassen, beziehungsweise eine Auseinandersetzung mit der Thematik schon im Keim erstickt, indem sie antworteten: „Ich kann dazu nichts sagen. Diese Frage stellt sich für mich erst dann, wenn ich in dieser Situation bin, aber eben erst dann; im Leben kommt ohnehin alles ganz anders, als die Menschen es planen“! Die interessanteste Antwort, von Verlegenheit gezeichnet, erhielt ich von einer etwas 45 – jährigen Dame die mir, nachdem sie das Thema kannte antwortete: „Dazu kann ich nichts sagen, denn ich bin nicht von hier!“

Diese Erfahrungen waren weichenstellend und somit prägend für dieses Buch. Es soll einfach nur eine Hilfe sein, um sich leichter mit dem Tod, dem Sterben und den Sterbevorgängen auf unterschiedliche Weisen auseinander zu setzen. Aus diesem Grund sind die Phasen des Sterbens ebenso wie die Phasen der Trauer und der Trauerbewältigung dargestellt.

Daneben sollen in diesem Buch Informationen gegeben werden, die bisher aus dem Alltag strikt verbannt wurden; ein Blick in ein Sterbezimmer oder auch in die Arbeit eines Bestatters soll den Umgang mit dem Tod und dem Todesgeschehen soll dabei helfen und es erleichtern sich damit persönlich auseinander zu setzen.

Andere, uns vielleicht fremde oder nur vom Hören bekannte Kulturen werden mit ihrem Verständnis und Umgang im Blick auf das Sterben und die Zeit danach beschrieben und kurz dargestellt.

Erst im zweiten Teil des Buches kommt dann die christliche Lehre etwas mehr zum Tragen, die sich primär auf ein Leben nach dem Tod, angstfrei und ermutigend darstellt.

Ich wünsche Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser bei der Beschäftigung mit diesem Buch gute Gedanken und den Schritt heraus aus der Angst und Frage vor dem Tod hinein in die Hoffnung auf das ewige Leben. Ich wünsche Ihnen den Segen des lebendigen Gottes, mit dem Wissen, dass Sie nie tiefer als in seine schützenden Hände fallen können (Evangelisches Gesangbuch von Kurhessen und Waldeck, 533, „Du kannst nicht tiefer fallen …“, siehe Liedblatt Seite 252).

Günter – Manfred Pracher, im Januar 2013

Kapitel 1

Was ist der Tod?

Die Frage nach dem Tod ist in unserer Zeit ein Thema über das man nicht spricht. Er wird aus unserem Umfeld, unseren Wohnungen und nach Möglichkeit auch aus den Krankenhauszimmern verbannt. Darüber spricht man nicht, man schweigt ihn buchstäblich tot. Jeder Mensch weiß zwar, dass man sterben muss, nur von sich selbst will er es nicht wissen.

Für den heute bewusst lebenden Menschen sind sowohl das Sterben müssen einerseits, ebenso wie der Tod in seinen unterschiedlichsten Erscheinungsformen andererseits, das denkbar abscheulichste. Natürlich wird der Tod in manchen, nicht seltenen Fällen als eine „gnädige Erlösung“ angesehen und auch verstanden.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich in unserer Gesellschaft zunehmend eine gewisse Protesthaltung gegen die vermeintliche „Abscheulichkeit des Todes“ und die damit unweigerlich verbundene Zerstörung des Körpers und das Ende aller persönlichen und privaten geschäftlichen Beziehungen ausbildet; damit verdeutlicht sich der intensive Kampf der Naturwissenschaften gegen den vermeintlich unbesiegbaren Tod, denn bis heute kann er nicht verhindert werden; bisher kann er nur hinausgezögert werden. Diese „Lebensverlängerung“ ist aber in keiner Weise auch im Ansatz als erste Schritt im Kampf gegen den Tod zu verstehen, denn im Allgemeinen macht genau dieses Tun, diese doch sehr fragwürdige „Lebensverlängerung“ den Tod für die Betroffen nur noch qualvoller, für die Angehörigen fast unertragbar.

In seinem biologischen Ablauf ist der Tod einerseits etwas ganz Natürliches, denn mit der Geburt, der Entstehung des Menschen ist ihm bereits der Tod in die Wiege gelegt, was dann wiederum heißt, dass nach eben diesem biologischen Ablauf der genetisch einprogrammierten, begrenzten Zahl von Zellteilungen, der Tod von selbst eintritt. Der Tod kann selbstverständlich aber auch unnatürliche Ursachen haben; an dieser Stelle mögen die Hinweise auf die weltweiten Katastrophen mit ihren hohen Zahlen von Todesopfern, tödliche Unfälle und auch die leider zunehmenden Gewalttaten ausreichend sein.

Eine mögliche Definition für den Tod könnte aus diesen Überlegungen heraus folgendermaßen lauten:

Der Tod ist der Zustand eines Organismuses nach dem irreversiblen Ausfall der (aller) Lebensfunktionen.

Der Tod ist damit ganz klar der Abschluss eines Alterungsprozesses, dem jedes Lebewesen schon von Geburt an unwiderruflich unterworfen ist. Daraus ergibt sich dann die Erkenntnis dass das menschliche Leben immer im Tod sein Ende findet, das alle Lebewesen mit ihm teilen. Der Tod ist somit also ein genetisch vorprogrammiertes Ereignis zu sehen und zu verstehen. Grenzt man allen Überlegungen den Mehrzeller vom Einzeller ab, so kommt man zu folgendem Ergebnis: Die Einzeller könnten unter normalen Bedingungen tausende von Generationen leben; Einzeller werden in der Wissenschaft biologisch als „potentiell unsterblich“ eingestuft, da in ihrer Zellteilung ein Alterungsprozess nicht erkennbar ist. Daraus wiederum ergibt sich dann die Erkenntnis, dass der Tod immer dann bei Mehrzellern zu finden ist, sobald sich die Zellen in vielzellige Lebewesen differenziert haben. Wissenschaftlich betrachtet ergibt sich daraus, dass Altern und Sterben beginnt bereits mit der Empfängnis; in der Konsequenz lässt sich daraus ableiten ab, dass das Leben an sich den Tod schon mit sich bringt.

Für das einzelne Leben ist der Tod das Ende, eine unbedingte und absolut unüberschreitbare Grenze. Er zeigt sich dann klar in einem Verwesungsprozess.

Was bedeutet das nun auf den Menschen, die Menschheit bezogen? Der Tod der Menschen unterscheidet sich vom Tod aller anderen Lebewesen durch seinen Verstand, sein Denkvermögen, denn jeder Mensch lebt, auch wenn es im Regelfall erfolgreich verdrängt in dem Bewusstsein, dass er einmal sterben wird, also jeder Mensch von jedem anderen Menschen weiß, dass sowohl er, wie auch der andere Mensch sterben wird, unabhängig von einem genauen Zeitpunkt. Wir Menschen gehen in unserem Denken und Handeln ganz klar davon aus, dass wir dem Tod, wie sehr wir uns auch immer bemühen, nicht entgehen können, sondern ihm unweigerlich und schon fast hilflos ausgeliefert entgegen gehen.

Der Tod als solcher ist aber keineswegs nur als ein leiblicher Tod zu verstehen, sondern auch als ein Tod, der jede Form von Leibhaftigkeit einschließt. Diesen Überlegungen steht nun aber die dualistische Theorie der Trennung von Leib und Seele, wie wir sie von der Theologie her kennen entgegen, denn danach lebt die Seele nach dem leiblichen Tod weiter; es muss aber auch gesagt werden, dass selbst die parapsychologische Phänomene, wie auch immer vorgetragen und begründet, das existentielle Wissen um die Totalität des Todes nicht entkräften oder außer Kraft setzen können. Der Tod macht damit unerschütterlich deutlich, dass unser aller Leben ein Leben ist, das auf Endlichkeit und Begrenztheit angelegt ist, und das mit dieser Erkenntnis und dem damit verbundenen Wissen auf alle anderen Lebewesen direkt übertragen werden kann.

Wirft man einen Blick in diesem thematischen Zusammenhang in die Bibel, dann liest man dort, dass ein erfülltes und wirklich gelebtes Leben den Menschen zufrieden sterben (ableben) lässt; lebenssatt, mit dem Leben zufrieden, sehnen sich diese Menschen nach dem Ende ihres Lebenskampfes (1.Buch Mose, Kapitel 25, Vers 8: „Und Abraham verschied und starb in einem guten Alter, als er alt und lebenssatt war, und wurde zu seinen Vätern versammelt“; 1. Buch Mose, Kapitel 35, Vers 28 + 29: „Und Isaak wurde hundertundachtzig Jahre alt, verschied und starb und wurde versammelt zu seinen Vätern, alt und lebenssatt. Und seine Söhne Esau und Jakob begruben ihn“.); in unserem Denken ist ein solches, unendlich fortgesetztes irdisches Leben nahezu undenkbar.

Medizinisch und rein biologisch gesehen ist der Tod der Ausfall von Lebensfunktionen; er ist damit die Folge des Verlustes aller im lebenden Organismus innewohnenden Systemeigenschaften, die eine unbedingte biologische Voraussetzung für die Aufrechterhaltung des Fließgleichgewichtes für den menschlichen Körper sind. Der Tod ist genetisch gesehen aber auch eine unbedingte Voraussetzung für die Evolution aller Lebensarten, die nur über die Abfolge von Generationen möglich ist.

Medizinisch tritt der Tod in den meisten Fällen als Folge von sehr unter –schiedlichen Krankheitsprozessen zum Einen und den Alterungsvorgängen zum Anderen auf. Man unterschiedet deshalb, wie bereits erwähnt, den

- natürlichen Tod – Krankheit und Alter als Ursache vom
- unnatürlichen Tod – Gewalt, Gift und Suizid.

Dem Tod geht ganz klar das Sterben[1], ein Sterbeprozess voraus. Aus Sicht der Medizin leitet er sich durch den absoluten Ausfall von drei wichtigen, miteinander verbundenen Funktionen ein:

01. Atmung
02. Kreislauf
03. zentrales Nervensystem

Daraus ergibt sich dann die Unterscheidung zwischen folgenden drei Todesarten:

- Lungentod
- Herztod
- Gehirntod

Sind die Lebensfunktionen noch vorhanden, aber bereits so schwach geworden, dass sie nur noch über ein EEG oder dem EKG nachgewiesen werden können, dann spricht man in der Medizin heute von einem „Scheintod“.

Der Tod als solcher ist also nicht unbedingt definierbar[2], noch viel weniger definierbar ist somit der genaue Zeitpunkt des Todeseintritts. Die Französische medizinische Akademie definiert den Tod so:

- Ein Arzt darf danach einen Menschen für tot erklären, wenn die Gehirnfunktion völlig erloschen ist.
- Heinz Angstwurm[3] argumentiert bei der Frage nach dem Hirntod dahingehend, dass er sagt, dass das gesamte Gehirn beim Hirntod trotz intensiver, einschließlich einer maschinellen Behandlung abgestorben ist.

Mit diesem Todesverständnis ist die bisher notwendige und unersetzliche Grundlage für das verlorenen gegangen, was auf unserem Planeten den Menschen mit seinem Geist, seiner Person und seiner Seele zu sehen ist.

Früher galten der Atem – und Herzstillstand eindeutig als Tod. Heute ist zu diesem Zeitpunkt schon fast problemlos und als Routineeingriff eine Reanimation möglich. Heute kann man ohne Schwierigkeiten die vegetativen Körperfunktionen nach einem Hirntod apparativ noch „lange“ aufrechterhalten Erlangener Baby, obwohl der Mensch im eigentlichen Sinne schon „lange“ tot ist.

Ein Beispiel dazu: Am 5. Oktober 1992 verunglückte die 18 – jährige Zahnarzthelferin Marion Ploch mit ihrem Pkw auf einer Landstraße. Zu diesem Zeitpunkt war sie in der fünfzehnten Woche schwanger. Bei dem Unfall erlitt sie ein Schädel – Hirn – Trauma; die linke Augenhöhle und der Schädelknochen wurden zertrümmert. Mit einem Hubschrauber wurde sie in das Universitätsklinikum Erlangen geflogen, wo am 8. Oktober der Hirntod festgestellt wurde. Das Kind und die inneren Organe der Mutter waren jedoch gesund und voll funktionsfähig.

Die Ärzte entschieden sich, die lebenserhaltenden Maßnahmen fortzuführen. In den darauf folgenden Wochen verschlechterte sich der Zustand der hirntoten Schwangeren. So musste etwa das verletzte Auge wegen Entzündungen entfernt werden. Am 16. November starb das Kind bei einem Spontanabort in der 19. Schwangerschaftswoche. Die lebenserhaltenden Maßnahmen für Marion Ploch wurden noch am selben Tag eingestellt.

An dieser Stelle ist sicher eine Warnung in Richtung einer zu unüberlegten und vielleicht sogar rücksichtslosen Betreibung wissenschaftlichen Fortschritts angebracht, eine Mahnung, die zur Abstinenz von bestimmten, nicht berechenbaren Experimenten in ihrer Auswirkung verlaufen kann, die eine durchaus berechtigte Kritik am Einsatz rechtfertigt (ich denke an die Reanimationsbemühungen nach acht und mehr Minuten, da, wenn sie überhaupt Erfolg haben, unvorhersehbare Folgen für die Betroffen haben) und sich gegenwärtig bevorzugt in Begriffen wie Respektierung der Menschenwürde und der Achtung vor der Würde der Person ausgedrückt werden.

Ich möchte hier nur einige Beispiele aus dem medizinischen Bereich benennen:

- Wenn es etwa um den Sachverhalt der künstlichen Fortsetzung der Schwangerschaft einer Hirntoten geht, („Und was „hirntoten“ Männern recht ist, das ist „hirntoten“ Frauen billig. Denn sie können unter Umständen als moderne „Zombies“ oder „Untote“, wie man sie auch schon tituliert hat, noch Kinder gebären. Der Vorgang und die Diskussion um das Erlanger Baby haben zur Genüge gezeigt, welcher Sprengstoff in anthropologischer und ethischer Hinsicht hier verborgen ist. Während sich nahezu das gesamte emanzipatorische Lager entrüstete, wieso man denn einer toten Frau noch zumuten könne, ein Kind zu gebären, sie also zu missbrauchen, bemühten sich hoch qualifizierte Experten, wenigstens das Leben des Kindes zu retten. Das Kind kam schließlich durch Spontangeburt – leider tot – zur Welt. Man hatte übrigens schon Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt. Schon öfter waren Kinder von totgesagten Müttern – und zwar lebend – geboren worden. Die Erlanger Rettungsaktion hat aber unmissverständlich erwiesen, dass diese Frau keine Leiche war, dass also eine Leiche kein Kind gebären kann. Eine Spontangeburt ist ohne Einwirkung und Steuerung des tot geglaubten Gehirns ebenfalls nicht möglich“)[4],
- wenn die Möglichkeit des Klonens von Menschen zur Debatte steht,
- wenn der Austausch genetischen Materials in der menschlichen Keimbahn diskutiert wird,
- wenn experimentelle Forschung an menschlichen Stammzellen erwogen wird, lautet die kritische Frage stets, ob dieses oder jenes wissenschaftlich gestützte Verfahren mit der Würde der menschlichen Person vereinbar ist.

Die Fragestellung nach der Würde des Menschen, auch in der Transplantationsmedizin, hat in Deutschland ein ganz besonderes Gewicht, da Artikel 1 des Grundgesetzes vor dem Hintergrund einer verschuldeten politischrechtlichen und moralischen Katastrophe des vergangenen Jahrhunderts erschüttert wurde. Es ist in der Folge also keine Überraschung, wenn die kritischen Stimmen, unter anderem auch das politische Gemeinwesen, auf die Achtung und den Schutz der Würde des Menschen verpflichten. Eine neue Interpretation des Terminus „der Würde/Menschenwürde“ ist vielleicht an dieser Stelle angebracht, da er im gegenwärtigen Sprachgebrauch mehrdeutig ist, mit sehr viel Pathos beladen, und eine lange, verzweigte und ideologisch umstrittene

Geschichte hat.

In der Transplantationsmedizin geht man heute davon mit Sicherheit davon aus, dass der Ausfall der Hirnströme, der durch das EEG doch mit hoher Sicherheit nachgewiesen wird, unweigerlich zum Hirntod führt (Großhirn und Hirnstamm). Genau an dieser Stelle setzt nun die Transplantationsmedizin an, die nach dem eindeutigen biologischen Tod, dem nachgewiesenen Hirntod, die körperliche Funktion der Organe durch einen apparativen Einsatz aufrecht erhalten können, und die Organe dadurch in einem weiteren Verlauf erhalten und so auch verpflanzt werden können.

Das folgende Schaubild habe ich aus einem Heft des Arbeitskreises für Organspende, Verlag Rommerskirchen, 04.1994, mit dem Titel: Organspende, eine Gemeinsame Aufgabe auf der Seite 25 entnommen. Der Hirntod als solcher steht dabei fest, wenn nach 30 Minuten keinerlei Aktivität mehr über das EEG angezeigt wird und alle anderen Untersuchungen nichts anderes ergeben.

Den Ablauf der Hirntod – Diagnostik möchte ich an einem Schaubild verdeutlichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Noch einige Zahlen zum Tod als solchem möchte ich anfügen:

- Pest: 1348 – 1352, in Europa 25 Millionen Tote; bei ihr kommt über die Hälfte der Bevölkerung zu Tode
- 2. Weltkrieg: 1939 – 1945, von 110 Millionen Soldaten starben 27 Millionen; 52 Millionen Menschen starben insgesamt.
- Vor 100 Jahren starben 1/7 aller Menschen am den Folgen von Tbc; das waren über 16 Millionen. In Deutschland starben 1876 12 %, im Jahre 1968 starben noch 1,2 %.
- 66 % aller Toten sterben heute an Krebs.
- Bei 4 % der Todesfälle sind Unfälle im Beruf, Verkehr und Haushalt die Ursache.
- 2 % sterben durch Suizid.
- 1 % stirbt an Altersschwäche.

Der Tod tritt aber nicht nur als Alterstod auf, sondern „überrascht“ die Menschen oft auch mitten in ihrem Leben, nicht selten auch als natürlicher Tod; vielen Menschen erscheint der Tod in jungen Jahren als widernatürlich, sogar manchmal auch als bitter, aber übereinstimmend als eine furchtbare Wirklichkeit.

Bezeichnend dabei ist, dass alles Leben den Tod eindeutig als ein Feind empfindet und erlebt, geht deshalb auch dagegen an. Kein Lebewesen ist allerdings so vom Tod gekennzeichnet wie der Mensch, denn nur er weiß von seiner Sterblichkeit und der Tod stellt sich dem Menschen als der vollendete Widerspruch gegen das dem Menschen verliehene Menschsein dar. Durch den Tod wird dann alles das zerbrochen, worin sich die Menschen erfahren. Die relative Bestimmung versinkt damit dann in einem sich gegenüber der Naturgesetzlichkeit unterordnen müssen, die Kraft des Todes zu erkennen und ein umgestalten weicht einer hilflosen Ohmnacht. Die Möglichkeit, dass Menschen weiterhin miteinander leben wird genauso wie das Vertrauen und in den Dienst und in die Gemeinschaft absolut zerrissen. Der Tod ist folglich als der Feind des Menschen in allen Bereichen zu sehen, im wahrsten Sinne des Wortes als der Todfeind, als der absolute Zerstörer des von Gott dem Menschen gegebenen Lebens, des Menschseins; damit wird der Tod trotz aller seiner biologischen Natürlichkeit für den Menschen buchstäblich zur Unnatur. „Das ist“, so sagt Paul Tillich[5], „die Ursache für die potentiell gegenwärtige ‚Angst des Sterben müssen’, dem Grauen vor dem Tod als eine Versetzung in das Nichtsein“.

In der christliche Religion wird zwischen einem sterblichen Körper und einer in diesem Körper wohnenden und unsterblichen Seele unterschieden. Das ist keineswegs eine neue Denkweise, denn schon aus der Steinzeit lassen sich dafür Nachweise heranziehen, dass die Menschen schon damals an ein Leben nach dem Tod glaubten. Archäologische Funde beweisen eindeutig, dass es bereits zu jener Zeit Begräbnisriten und auch den Glauben an ein Leben nach dem Tod gab.

Um diese Aussage etwas „griffiger“ und anschaulicher zu machen, möchte an dieser Stelle die in der Geschichtsschreibung dokumentierten Denkweisen stichwortartig darstellen:

- die primitiven Völker legten ihren Verstorbenen Werkzeuge, Schmuck und Speisen mit in das Grab, weil sie der festen Überzeugung waren, dass der Tod nicht das Letzte war;
- bei den Ägyptern findet sich ein imponierender Totenkult: Tote werden als Mumien „haltbar“ gemacht. Nahrung, Waffen, Geräte, Schmuck und Dienerschaft wurden dem Verstorbenen mit in seine Grabstätte gegeben;
- den Frauen wurden steinerne Reservetöpfe mitgegeben;
- die Griechen gaben ihren Toten einen Obolus (Geldstücke) mit; er war für den Fährmann bestimmt, der den Toten über den Fluss in das Todesreich bringen sollte;
- die altiranische Religion sah den Leichnam als etwa Unreines[6] an. Er wurde deshalb den Raubvögeln zum Fraß überlassen (siehe Sonder – Mobo 09.2000, Seite 30);
- die Germanen gaben ihren Toten Pferde mit;
- bei den Wikingern schwammen die Toten in einem Schiff davon;

In der christlichen Religion spielt der Tod Jesu aber auch noch eine ganz entscheidende und besondere Rolle, denn er hat zwei bemerkenswerte Aspekte:

1. Der Tod Jesu infolge der Kreuzigung, beruht auf der Verurteilung durch den Stadthalter [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ein von außen zugefügter Tod und

2. ein bewusstes, personelles Tun, das auf der Erfüllung des Willen Gottes beruht [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Gehorsam gegenüber Gott (Brief an die Philipper, Kapitel 2, Vers 8).

Weitere Definitionen zum Tod und zu Todesursachen

Der Tod ist der endgültige Verlust der für ein Lebewesen typischen und wesentlichen Lebensfunktionen. Der Übergang vom Leben zum Tod wird Sterben genannt.

Zu den nicht natürlichen Todesursachen rechnet man Verletzungen durch Unfälle, Verbrechen, Krieg, Vergiftungen und den Suizid. Bei Verkehrsunfällen sterben beispielsweise viele der Unfallopfer an den Folgen eines Polytraumas.

Was versteht man unter dem Scheintot?

Scheintod (lateinisch: Vita reducta oder Vita minima – das reduzierte beziehungsweise geringe Leben) ist eine veraltete Bezeichnung für einen Zustand, in dem ein Mensch ohne Bewusstsein war und leblos wirkte, so dass teilweise auch für die Ärzteschaft manchmal unklar war, ob er Betroffene noch lebte oder schon tot war. Ursächlich dafür war, dass die Mediziner lange Zeit nur mit Hilfe von Pulskontrolle, dem Abhören des Herzschlags und der Wahrnehmung der Atmung feststellen konnten, ob ein Mensch noch lebte oder tot war. Man ging schlicht davon aus, dass jeder vor seinem Tod zunächst in einen solchen „Zwischenzustand“ gelangte.

Um festzustellen, ob ein Mensch nur ohne Bewusstsein war oder tatsächlich schon der Tod eingetreten war, standen den Ärzten früher nur einfachste Hilfsmittel zur Verfügung, die Johann Georg Krünitz[7] in seiner Oeconomischen Encyclopädie des 18. Jahrhunderts beschreibt. So wurde vermeintlich „Scheintoten“ ein Spiegel vor den Mund gehalten, um dadurch sehen zu können, ob der Spiegel durch den Atem beschlägt, der Mensch also noch lebte. Weitere Hilfsmittel mit dem gleichen Ziel der „Diagnostik“ waren Kerzen und Federn, die ebenfalls vor die Nase des „Sterbenden“ gehalten wurden, oder auch ein Glas mit Wasser, das den betroffenen auf die Brust gestellt wurde, um dann an Wasserbewegungen zu erkennen, ob sie sich leicht hebt und senkt und damit Leben zeigt.

Nur auf dem Schein tot, von Lakotta, Beate, Der Spiegel, 12, 2012

Der Gerichtsmediziner Alfred Du Chesne über das Risiko, fälschlich für tot erklärt zu werden, den Nutzen von Klingeln im Sarg und Schlamperei beim letzten Dienst des Arztes am Patienten. Du Chesne, 61, lehrt Rechtsmedizin an der Universität Münster.

SPIEGEL: Professor Du Chesne[8], ein Arzt attestierte einer 72 – jährigen Seniorenheimbewohnerin aus Mettmann den Exitus – zu Unrecht. Die Frau erfror offenbar erst in der Aufbahrungskammer des Friedhofs. Jetzt ermittelt der Staatsanwalt. Wie kann so etwas passieren?

Du Chesne: Menschen können in einen Zustand geraten, in dem der Tod nur sehr schwer festzustellen ist. Sterben geschieht oft nicht von einer Minute auf die andere. Es ist ein Prozess, in dessen Verlauf der Kreislauf extrem schwach sein kann. Der Puls ist in der Agonie womöglich kaum zu finden. Die Atempausen können lange dauern, zumindest viele Sekunden.

SPIEGEL: Im Fall der Rentnerin bemerkten die Angestellten des Bestattungsunternehmens etwa zwölf Stunden später beim Einsargen, dass der Leib der alten Dame, die in der kalten Aufbahrungskammer des Friedhofs gelegen hatte, noch warm und weich war. Hätte nicht auch dem Arzt auffallen müssen, dass noch keine Leichenstarre eingetreten war?

Du Chesne: Nein. Den Beginn der Totenstarre spürt man erst nach rund zwei Stunden. Nach sechs Stunden ist sie schon massiv. Nur der Bestatter ist daran gewöhnt, dass die Leichen immer kalt und starr sind. Wenn das nicht der Fall ist, fährt dem Bestatter natürlich der Schreck in die Glieder. Dennoch ist dieser Fall – wie alle Scheintodfälle, die bekannt werden – ein Beispiel von schlampiger Leichenschau.

SPIEGEL: Was hat der Arzt falsch gemacht?

Du Chesne: Jeder Arzt muss eine gründliche Untersuchung durchführen, am besten mit einem EKG, bevor er den Totenschein ausstellt. Das haben Notärzte heutzutage auch immer dabei. Vor allem muss er sich Zeit für die Leichenschau nehmen, mindestens 20 bis 30 Minuten.

SPIEGEL: Warum dauert die Untersuchung so lange?

Du Chesne: Erst nach einer halben Stunde zeigen sich absolut sichere Todes – zeichen in Form der Totenflecken. Trägt der Tote Kleider, etwa ein Hemd, kann der Arzt die Flecken auch sehr bequem am unbekleideten Nacken erkennen. Wenn er darauf nicht achtet, ist das eine absolute Fehlleistung – ein Kunstfehler, mit dem aber wohl jeder erfahrene Rechtsmediziner leider schon mal zu tun hatte.

SPIEGEL: Wie hoch ist denn das Risiko, fälschlich für tot erklärt zu werden?

Du Chesne: Das ist schwer zu beziffern. Wir wissen nicht, wie viele Menschen, die auf dem Schein schon tot sind, in Wahrheit noch lebten. Anhand der wenigen dokumentierten Fälle könnten wir sagen: Es kommt in Deutschland vielleicht zehnmal im Jahr vor. Mit dieser Schätzung liegen wir eher an der unteren Grenze.

SPIEGEL: Könnten all diese Menschen womöglich noch leben?

Du Chesne: Kaum. Die meisten Opfer einer falschen Todesbescheinigung sind ohnehin sehr nah am Tod. Wenn ein Patient aus der Leichenkammer wirklich noch einmal in die Klinik kommt, tritt der Tod meistens nach einigen Stunden oder Tagen ein. Die Fälle, in denen jemand seinen Scheintod dauerhaft überlebt, sind sehr selten. Einen solchen schönen Fall gab es in Frankreich. Dort bekam ein Mann 1937 nach einem Motorradunfall seinen Totenschein ausgestellt. Drei Tage lag er in der Leichenhalle, danach sogar schon zwei Tage unter der Erde. Er wurde noch einmal ausgegraben, weil seine Versicherung eine Exhumierung verlangte. Dabei fiel auf, dass der Tote noch warm war. Er lebte dann noch ganz munter weitere 24 Jahre.

SPIEGEL: Eine beunruhigende Geschichte.

Du Chesne: Wie gesagt, eine Ausnahme. Generell muss man mit solchen Ge – schichten vorsichtig sein. In der Fachwelt wurde lange Zeit ein Fall aus Krakau kolportiert: Ein splitternackter Mann, der nur ein Namensschildchen am großen Zeh trug, wie es jeder aus dem Fernsehkrimi von den Leichen in der Gerichtsmedizin kennt, betrat eine Kneipe und erschreckte die Gäste zu Tode. Der Vorfall ereignete sich wirklich. Sehr viel später habe ich aber aus zuverlässiger Quelle erfahren, dass es sich dabei nur um eine skurrile Wette handelte.

SPIEGEL: Ein ziemlich morbider Humor. Vielleicht eine Reaktion auf die Urangst, lebendig begraben zu werden?

Du Chesne: Ach, heute ist das doch keine Urangst mehr. Viel intensiver haben sich die Menschen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit dem Scheintod beschäftigt. Die lebten offenbar ständig mit dieser Furcht. Damals hat sich sogar der deutsche Reichstag mit dem Phänomen beschäftigt, auch viele Künstler und Schriftsteller. Der österreichische Dramatiker Johann Nestroy[9] verfügte in seinem Testament, man möge ihn nach seinem Tod so lange aufgebahrt liegen lassen, bis deutliche Anzeichen der Fäulnis an ihm festzustellen wären. Aber damals gab es wohl auch häufiger solche Fehlleistungen.

SPIEGEL: Sollten heutzutage nicht auch die Bestatter vorsichtshalber nach den Totenflecken sehen?

Du Chesne: Das wäre eine skandalöse Verlagerung der Verantwortlichkeit. Die Feststellung des Todes ist eindeutig Sache des Arztes und erfordert viel Sorgfalt. Die Rechtsmedizin als Fach wird aber leider oft unterschätzt. In der neuen Ausbildungsverordnung für Ärzte ist das Thema Leichenschau ausgespart. Dabei gibt es klassische Situationen, in denen rechtsmedizinisch wenig beschlagene Kollegen leicht zu Fehleinschätzungen kommen: Medikamenten – oder Alkoholvergiftung, dazu die Leichenschau an einer ausgekühlten Person. In all diesen Fällen sind sämtliche Körperfunktionen auf dem absoluten Minimum. Da muss der Arzt sehr intensiv nach Lebenszeichen fahnden.

Noch immer lehrreich ist der Fall der Minna Braun aus dem Jahr 1919. Die Krankenpflegerin hatte im winterlichen Grunewald in Selbstmordabsicht Schlafmittel und Morphium geschluckt. Als sie gefunden wurde, wirkte sie leblos und war bereits stark unterkühlt. Erst als sich im Leichenschauhaus unter dem Tuch noch was regte, stellte man fest, dass sich der Leichenbeschauer geirrt hatte. Die Frau überlebte.

SPIEGEL: In Italien werden angeblich Särge mit Beleuchtung, Klingel und Sauerstoffversorgung angeboten. Eine Lösung für alle, die sichergehen wollen, nicht lebendig begraben zu werden?

Du Chesne: Solche Klingeln waren in Leichenschauhäusern im 19. Jahrhundert üblich. In Österreich können Sie meines Wissens nach auch heute noch testamentarisch verfügen, dass vor dem Ausstellen des Totenscheins die Schlagadern geöffnet werden müssen. Aber so etwas ist doch blamabel für die Ärzteschaft.

Am Scheintod ist ja nichts Mystisches. Schon Lazarus, den Jesus von den Toten erweckt haben soll, könnte einem schludrigen Arzt zum Opfer gefallen sein. Dabei ist die gewissenhafte Leichenschau das Letzte, was ein Arzt für seinen Patienten noch tun kann.

Zwei Fragen für die ganz persönliche Auseinandersetzung dazu:

1. Kann man sich denn heute, als ein Mensch im Jahre 2012 lebt, zu100% sicher sein, dass man ehe es zu einer Einäscherung oder Erdbestattung kommt tatsächlich auch tot ist, oder haben wir immer noch/wieder Bedenken, dass es auch in unserer so weit technisierten Welt und den heutigen, wissenschaftlichen Fortschritten dennoch vorkommen könnte scheintot beerdigt zu werden?!
2. Was gäbe es denn für Möglichkeiten (auch aus rechtlicher Sicht) für die persönliche, höchstmögliche Sicherheit?!

Als Eintrittspunkt des Todes sieht man heute im Regelfall den Moment an, in dem die Atmungs – und Herztätigkeit (Kreislaufstillstand, der potentiell noch reversible klinische Tod) oder die Gehirnaktivität erlischt (Hirntod, der endgültige Individualtod). Um den ‚den Tod’ feststellenden Arzt vor einer möglichen strafrechtlich relevanten Fehldiagnose zu bewahren, sollte nach Ansicht von Rechtsmedizinern[10] peinlich genau darauf geachtet werden, dass der Arzt bis zum Eintreten der Totenflecken (erste Anzeichen erkennbar spätestens 30 Minuten nach Eintritt des Todes) oder bis zu einem anderen sicheren Nachweis (zehnminütige EKG – Null – Linie, Hirntodnachweis durch Elektroenzephalografie) mit Maßnahmen zur Wiederbelebung fortführt. Auf Grund der modernen medizinischen Diagnostik kann der Tod eines Menschen in jedem Fall zweifelsfrei festgestellt werden, der Begriff Scheintod wird für die Zustände der Bewusstlosigkeit und des Komas heute nicht mehr verwendet.

Im 19. Jahrhundert war der Begriff in der Medizin jedoch noch weit verbreitet. 1808 verfasste Christoph Wilhelm Hufeland[11] eine Abhandlung mit dem Titel „Der Scheintod“, in der er sich intensiv darum bemühte, den Zustand der Bewusstlosigkeit und der Asphyxie anhand verschiedener, typischer Merkmale vom Tod abzugrenzen. Am häufigsten trat der Scheintod damals bei Neugeborenen, bei (scheinbar) Ertrunkenen, Erfrorenen, Erhängten oder Erwürgten auf. Einige der markantesten Gedanken möchte ich an dieser Stelle einfügen:

„Der Scheintod tritt unter den verschiedensten Umständen ein:

1. Scheintod durch innere Krankheitszustände. Hierher gehören die tiefe Ohnmacht nach großer Ermüdung von langem Marschieren, nach überstandenen schweren Geburten, ferner der Scheintot nach heftigen Krampfanfällen bei Hysterie, Epilepsie und Eklampsie, bei der Starrsucht und Lethargie, manchmal bei der Cholera, bei manchen narkotischen Vergiftungen (Opium, Blausäure, Chloroform).
2. Scheintod durch äußere Störungen: nach hohen Graden von Gehirner –schütterung, nach schweren Verwundungen mit gleichzeitiger Erschütterung oder mit bedeutendem Blutverlust, nach starken Blutungen überhaupt, besonders bei Wöchnerinnen und kleinen Kindern.
3. Scheintod durch spezifische Ursachen. Hierher gehören
4. der Scheintod der Neugeborenen wegen noch nicht eingeleiteter Atmung,
5. der Scheintod durch Ertrinken, Erhängen oder ähnlichen Ursachen,
6. der Scheintod durch irrespirable Gase, durch fremde Körper im Schlund etc.“

Vom 17. bis ins 19. Jahrhundert im Zeitalter der Aufklärung herrschte in Europa Angst große davor lebendig begraben zu werden, möglicherweise im Grab aufzuwachen und dann einen angsterfüllten und grausamen Erstickungstod sterben zu müssen. Immer wieder gab es Berichte über Leichen, die nach einer Exhumierung in doch merkwürdigen Positionen gelegen haben sollen: Oft, so wurde dann beschrieben, waren die Augen weit geöffnet oder aber die Arme sogar gegen das Oberteil des Sarges (Sargdeckel) gedrückt gewesen. Es wurde auch von Kratzern an der Innenseite des Sargoberteils berichteter, die die Verstorbenen mit ihren bloßen Fingern in das Holz gekratzt haben sollen. Aus diesen Gründen wurden in den Testamenten häufig Lagerfristen festgeschrieben oder es wurde eben testamental verfügt, dass vor einer Bestattung zur Sicherheit vor solchen Geschehnissen die Pulsader durchschnitten werden sollten. Andere Sicherheitsvorkehrungen gab es in der Form von speziellen Vorrichtungen, wie

- mit Gas gefüllte Särge,
- offene Särge, die mit Erde zugeschüttet wurden, um einen schnellen Erstickungstod hervorzurufen, oder auch
- offene Särge mit Leitern, welche die Möglichkeit bieten sollten, dem Grab zu entsteigen.

Natürlich haben viele Überlieferungen von Scheintodfällen anekdotenhafte Züge. Tatsächlich sind Fehldiagnosen mit großer Wahrscheinlichkeit bei Epidemien vorgekommen, also immer dann in einer vielleicht ‚mehrfachen Anzahl’, wenn innerhalb kurzer Zeit sehr viele Erkrankungen und Todesfälle aufgetreten sind.

Relativ bekannt wurde die Geschichte vom „lieben Augustin“, einem Wiener Original, das in den Wirtshäusern zur Zeit der Pest aufspielte und eines Tages völlig betrunken zusammen mit den Pestopfern einfach in ein Massengrab geworfen wurde. Da es noch nicht „mit ausreichend vielen Toten“ gefüllt war, wurde es nicht gleich mit Erde bedeckt und so konnte der „liebe Augustin“ dann ausgenüchtert dem Grab wieder entsteigen.

Die Angst davor auch lebendig begraben zu werden, hatten beispielsweise Johann Nestroy, Edgar Allan Poe[12], Friederike Kempner[13], Hans Christian Andersen[14] und Alfred Nobel[15]. Dostojewski legte regelmäßig Zettel neben sein Bett: „Sollte ich in lethargischen Schlaf fallen, begrabe man mich nicht vor ... Tagen!“

Der Tod, ein endgültiges Geschehen?

Menschen die von körperlichen und seelischen Schmerzen gepeinigten werden sehnen sich sehr häufig den Tod herbei. Sie fühlen sich außer Stande, das Leid, das sie getroffen hat zu ertragen. Das Fernsehen zeigt sie uns fast täglich in allen möglichen Variationen der Berichterstattungen. Es ist sicher nicht die richtige Formulierung, wenn man sagt, dass diese Menschen sich uneingeschränkt auf den Tod freuen, und doch ist diese Aussage in einer nicht beschreibbaren Weise zutreffend: Schmerzen können aber, und Psychologen und Psychotherapeuten kennen dieses Problem aus ihrem Arbeitsalltag, eine unbeschreibliche Sehnsucht nach dem Tod auslösen, ich denke dabei auch an den Suizid, da der Tod für die Betroffenen eine Erlösung von all dem Leid bedeutet, das sie vielleicht über Monate oder sogar schon Jahre lang bedrückt hat.

In diese Überlegungen hinein stellt sich nun immer die Frage: „Was geschieht nach dem Tod?“ Jeder Generation eine andere Antwort für sich gefunden, denn diese Fragestellung ist so alt wie die Menschheitsgeschichte. Heute verbinden in den westlichen Kulturen die Menschen mit dem Gedanken an den Tod eine Reinkarnation, ihre persönliche Wiedergeburt. Sie glauben, dass sie nach diesem irdischen Tod in irgendeinem anderen Lebewesen weiterleben. Nach einer Gallup Studie (US – amerikanisches Meinungsforschungsinstitut) glaubt in Europa jeder fünfte an diese Hypothese.

Auf die neueren, ebenso wie die sich besonders an junge Mensche ausgerichteten religiösen Sondergemeinschaften möchte ich nicht eingehen. Sie sind für den gläubigen Menschen zwar eine Herausforderung, aber nicht bei der angesprochenen Fragestellung weiterführend. Die unendliche Sehnsucht des einzelnen Menschen nach einem Weiterleben nach dem Tod, nach einer endgültigen Vollendung, ruft geradezu unüberhörbar nach einer von allen Zweifeln freibleibenden Antwort. Diese Antwort wird dem gläubigen Menschen dann in der Offenbarung, in den Schriften des Alten und Neuen Testamentes gegeben.

Ein Blick dazu in die christliche Glaubensverkündigung:

Nach dem Abendmahl mit seinen 12 Jüngern ging Jesus mit ihnen an den Ölberg. Als sie Fuß des Berges angekommen waren, ließ er seine Jünger alleine zurück. Nur Petrus und die beiden Söhne des Zepedäus nahm er mit sich, trennte sich dann aber auch von ihnen mit dem Hinweis, dass sie wachen bleiben und beten sollten. Er selbst ging ein kleines Stück weiter, als ihn Angst und Traurigkeit ergriffen und er sagte: „Meine Seele ist zu Tode betrübt“ (Matthäusevangelium, Kapitel 26, Vers 37 – 38). Im Markusevangelium wird uns von einem Gebet des Herrn berichtet. Danach betet Jesus: „Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst soll geschehen“ (Markusevangelium, Kapitel 14, Vers 36). Das Lukasevangelium beschreibt diese „Szene“ noch ausführlicher mit folgenden Worten: „Er betete in seiner Angst noch inständiger, und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte“ (Lukasevangelium, Kapitel 22, Vers 44).

Als Jesus Tage später gekreuzigt wurde/war und am Kreuz hing, überfiel ihn noch einmal diese Todesangst und er betete noch inständiger: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Matthäusevangelium, Kapitel 27, Vers 46). Das Geschehen am Ölberg und Jesu Rufen am Kreuz ist nicht ein Ruf der Verzweiflung nach einem Eingreifen Gottes, seiner absoluten Verlassenheit, sondern ein vertrauensvolles Gebet um die Hilfe des himmlischen Vaters. Es ist der Ausdruck seines unerschütterlichen Vertrauens zu seinem Vater, das bei ihm, im Gegensatz zu uns Menschen, damals wie heute, auch im Dunkel der Verlassenheit nicht verliert. Dieses Klagelied mündet ein in eine sehr vertrauliche Aussage: „Dir haben unsere Väter vertraut, und du hast sie gerettet. Zu dir riefen sie und wurden befreit, dir vertrauten sie und wurden nicht zuschanden“(Psalm 22, Vers 5f). Im Lukasevangelium wird die Kreuzigungsszene mit den Worten: „Und Jesus rief mit lauter Stimme: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. Nach diesen Worten hauchte er den Geist aus“ beschlossen (Lukasevangelium, Kapitel 23, Vers 46). Todesangst und Todeskampf sind für Christus „Mittler zum Vater“. Nur auf diesem Hintergrund konnte der Apostel Paulus im Brief an die Philipper schreiben: „Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“. (Brief an die Philipper, Kapitel 2, Vers 8).

So berichtet ein Pfarrer über seinen Abschied aus dem Berufsleben im Internet:

http://physik-theologie.de/Der-Ernst-der-Entscheidung-fuer-die-Nachfolge-Christi-in-der-Todesstunde.184.0.html

http://physik-theologie.de/drum-fahr-ich-hin-mit-Freuden.179.0.html

„Jedes Mal, wenn ich bei meinen Schriftlesungen an diese Stelle komme, denke ich an ein Ereignis aus meiner seelsorglichen Tätigkeit. Bei einem Besuch im Krankenhaus machte die Krankenschwester mich auf einen Mann aufmerksam, der aus meiner Pfarrgemeinde kam. Sie sagte: „Herr Pastor, gehen sie mal in das Zimmer Nr. NN, da ist eine Kranker aus ihrer Gemeinde. Er ist vom Tod gezeichnet, und wird nicht mehr lange leben. Er hat noch mit keinem Wort über den Besuch eines Priesters gesprochen oder nach den heiligen Sakramenten verlangt“. – Seit einem Hausbesuch vor gut einem halben Jahr bekundete er eine ablehnende Haltung gegenüber der Kirche. Ich kam an der Krankenhauskapelle vorbei, empfahl den Kranken und mich der Fürbitte des Heiligen Geistes und betete: „Herr, lege mir die rechten Worte in den Mund und schließe das Herz dieses Vaters noch einmal auf für dich!“ – Zagenden Herzens klopfte ich an die Tür des Krankenzimmers, und auf ein hörbares „Herein“ betrat ich das Krankenzimmer. Das freundliche Lächeln des Kranken wertete ich als einen Willkommensgruß. Nachdem wir uns eine Zeitlang über seine Familie und seine Krankheit unterhalten hatten, unterbrach er dieses Gespräch und bat mich: „Herr Pastor, ich spüre, dass mein Leben zu Ende geht. Ich möchte gern die heiligen Sakramente empfangen“.

Ich gab dem Kranken noch einige kurze Hinweise, und dann vertraute er mit in einer ergreifenden Aussprache sein Leben an. Das Bußsakrament erklärte ich ihm als eine Christusbegegnung. Auch über ihn spreche der Herr die Warte der Vergebung; auch seine Schwächen und Armseligkeiten habe der Herr in sein Leiden und Sterben hinein genommen.

Im Sakrament der Krankensalbung hörte er noch einmal die froh machenden und beglückenden Worte: „Durch diese heilige Salbung helfe dir der Herr in seinem reichen Erbarmen; er stehe dir bei mit der Kraft des Heiligen Geistes. Amen! Der Herr, der dich von Sünden befreit, rette dich, in seiner Gnade richte er dich auf! Amen!“

Der vom Tod gezeichnete Vater drückte mir noch einmal die Hand und sagte mit Tränen in den Augen: „Herr Pastor, ich freue mich, dass sie hier gewesen sind, und dass ich einen guten Abschluss in meinem Leben gefunden habe. Ich weiß, wie es um mich bestellt ist. Ich sterbe im Frieden mit Gott und in der Hoffnung auf die Auferstehung“. Beim Verlassen des Krankenhauses machte ich noch einmal einen Besuch in der Krankenhauskapelle. Ich dankte dem Herrn für das Wunder seiner Gnade, für seine Zeichen des Heils. Die Todesangst war dem Kranken „Mittlerin“ zu Gott!“

„Die Todesangst ‚Mittlerin zu Gott’![16] – Was ist es nun um den Tod, um das Wunder des Todes? Wie bei vielen anderen Fragen unseres Glaubens können wir auch hier sagen und fragen: Was ist es um das Geheimnis des Todes?

1. Die Antwort der Ungläubigen kennen wir. Sie lautet: Mit dem Tod ist alles aus! So der österreichische Dichter Thomas Bernhard[17], der in seiner fünfbändigen Selbstbiographie schreibt: „Vom ersten Augenblick seiner Existenz an ist der Mensch zum Untergang verurteilt . . . Alles ist nichts als Betrug gewesen. Unser ganzes Leben!“ (Christ in der Gegenwart, 1984). Ich möchte mich hier nicht auseinandersetzen mit der heutigen Diskussion in der medizinischen Wissenschaft, mit der Frage, wann der Tod eintritt. Man spricht vom „Hirntod“. Was er ist, worin er genau besteht, darüber gehen die Erklärungen der Wissenschaftler auseinander. Sie spielen bei der Beantwortung unserer Frage nach dem Augenblick des Todes keine Rolle.

2. Was ist eigentlich der Tod? Die Beantwortung dieser Frage hängt von unserem Menschenbild ab. Für uns gläubige Christen besteht der Mensch aus Leib und Seele. Er ist eine Leib – seelische Einheit. Alle Evolutionstheorien verneinen diese Einheit; verneinen darum die Erschaffung der Seele durch Gott bei jedem Menschen. Der Mensch mag sich seiner körperlichen Konstitution nach aus einem Tier entwickelt haben. Seine Seele ist von Gott geschaffen. Sie entwickelt sich nicht aus dem Tierleben.

3. Wir haben gesehen, wie die Trennung von Leib und Seele immer unter Schmerzen und Ängsten geschieht. Über das Wunder als solches kann uns nur die Offenbarung Kunde geben. Die Frage, was nach dem Tod geschieht, ist zu allen Zeiten der Menschheitsgeschichte immer wieder neu gestellt und beantwortet worden. Sie wurde auch zurzeit Christi zwischen den religiösen Parteien der Pharisäer und Saduzäer heftig diskutiert. Die letzteren leugneten die Auferweckung. Ich möchte aus der Fülle der Auseinandersetzungen nur die eine Stellungnahme Christi anführen bei der Auferweckung des Lazarus (Johannesevangelium, Kapitel 10, Vers 40 – Kapitel 11, Vers16 und Kaptitel 11, Vers 17 – 44: Maria und Martha). Hier lässt uns Jesus einen Blick hineintun in das Geheimnis des Todes. Die entscheidenden Worte Jesu in diesem Bericht möchte ich hier anführen und halte mich bei den Darlegungen dieses Ereignisses an die Ausführungen des Exegeten R. Schnackenburg[18] in seinem Kommentar zum Johannesevangelium (Herder Verlag 1971).

Im Johannesevangelium, Kapitel 5, Vers 21 bekundet Jesus seine Vollmacht über das Leben: „Denn wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, wen er will“. Hier bezeugt Jesus sich als der, dem Gott die vorbehaltlose Macht zum „Lebendigmachen“ verliehen; eine Macht, die auch schon durch die anderen großen Zeichen an den Kranken gewiss werden kannte, in dieser Totenerweckung jedoch ihren höchsten Ausdruck findet „Das leibliche Leben, das in einen verwesenden Leichnam zurückkehrt, ist nur ein schwacher Widerschein jenes wahren Lebens, das Jesus im Glaubenden erweckt“. ­Diese Vollmacht zum Lebendigmachen, zur Auferweckung der Toten, offenbart Christus nicht nur in seinen Worten, sondern bestätigt sie in der Auferweckung des Lazarus. Auf die zweifelnde Frage von Martha antwortet der Herr: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben“ (Johannesevangelium, Kapitel 11, Vers 25 – 26).

„Der Evangelist stellt die natürliche Existenz dem ewigen Leben gegenüber und zeigt, dass im Glauben die Grenze des leiblichen Todes überwunden wird, das irdische Leben durch Jesus eine neue Dimension erreicht. Jesus ist nicht nur der Offenbarer, sondern auch der Geber dieses unzerstörbaren Lebens. Dann stellt Jesus die entscheidende Frage: „Glaubst du das?“ (Johannesevangelium, Kapitel 11, Vers 26). Hier gibt Jesus uns die Antwort auf die seit Menschengedenken gestellte Frage: Was ist der Tod? Was ereignet sich, wenn die Einheit zwischen Leib und Seele aufgehoben wird? Wir sind im Glauben gefordert. Ohne diesen Glauben werden wir keine befriedigende Antwort auf die Frage bekommen, was beim Tod geschieht und was sich nach dem Tod ereignet. Das ist das Geheimnis des Todes, das Wunder des Todes“.

Verehrte Leserinnen und Leser, ich habe in diesem ersten Teil meiner Überlegungen und Darstellungen versucht, Sie in den Glauben an das Geheimnis des Todes und zugleich an das Wunder des Todes hinein zu nehmen. Dieser Glaube ist nicht etwa als irgendein billiger oder gar erfundener Trost dafür, dass wir den letzten Schritt unseres Lebensweges besser oder auch leichter bewältigen anzusehen, ist keineswegs irgendeine philosophisch – theologische Theorie oder etwa ein herangezogener Mythos, wie uns manche Prediger von religiösen Sondergemeinschaften und gelegentlich auch theologische Phantasten, die die Bodenhaftung an der Bibel verloren haben glauben machen wollen. Es handelt sich dabei um das Wort und die Zusagen des lebendigen Gottes, das uns durch Jesus Christus, unserem Bruder, Heiland und Erlöser und die Apostel der ersten Stundezugänglich gemacht wurde. Aus diesem Grund sollten wir uns auch an dieser Stelle bewusst machen, dass die Frage Jesus an Martha bei der Auferweckung ihres Bruders Lazarus gestellt hat auch für uns heute ebenso gilt: „Glaubst du das?“. Bekennen wir uns auch zu ihm, zu unserem Gott, so wie sich Martha zu ihm bekannt hat?

Gläubige Menschen sehen im Tod und seiner Ankündigung im Leben für uns Menschen mit vielen Ängsten, Schmerzen und Leiden mit dem Leben von Jesus Christus verbunden, ein ähnlich werden mit Jesus Christus, angelehnt das Bekenntnis: Ich habe mit ihm gelitten, bin mit ihm gestorben und bin mit ihm auferstanden. Das bedeutet in der Konsequenz für unser Leben, dass wir uns bewusst machen, dass auch unser Lebensweg über den Ölberg und Kalvarienberg[19] führt und letztendlich am Ende unseres Lebens in die Herrlichkeit Gottes führt. Dort findet dann das „Ähnlichwerden“ mit Jesus Christus seine endgültige Vollendung in der Lebens – und Liebesgemeinschaft mit unserem Schöpfer, unserem lebendigen Gott (siehe Liedblatt auf Seite 253, „Liebte Gott der Herr uns nicht, …“).

Mit diesem Verständnis verwandelt sich nun unser menschliche Tod um in Freude, wird zur Quelle unendlicher Freude, und zeigt uns die Fülle des Lebens (Johannesevangelium, Kapitel 10, Vers 10b). Wir fallen keineswegs in ein „Nichts“, sondern nur in die ausgebreiteten, uns auffangenden, liebenden Arme und Hände unseres Gottes. Das ist die ermutigende, uns beglückende und froh machende Hoffnung, das Fundament des Glaubens. Unser menschlicher Glaube geht dann in ein Schauen über, und unsere Hoffnungen und zermürbenden Sehnsüchte nach einem ewigen Glück sind dann erfüllt. Der krönende Abschluß unseres Lebens hat stattgefunden, die Gemeinsamkeit mit Gott.

Wir haben eine unveränderbare Zusage von unserem lebendigen Gott für die Teilhabe an der Auferweckung von den Toten und damit auch zum ewigen Leben, denn im 1. Korintherbrief, Kapitel 6, Vers 14 steht: „Gott hat den Herrn auferweckt, er wird durch seine Macht auch uns auferwecken“. Das ist das Neue Testament, der neue Bund, die Botschaft des Neuen Testamentes auf den Punkt gebracht. Gott bekennt sich über Jesus Christus, über seiner Auferstehung von den Toten erneut zu uns Menschen, denn genau diese göttliche Auferstehung wird auch uns zuteil. Damit haben wir eine völlig neue Erkenntnis und auch einen neuen Blickwinkel für unser Leben bekommen; es ist nicht so, dass nur wir am Leben hängen, uns unser Leben wichtig ist, nein, für Gott sind wir wichtig, ist unser Leben ebenso wichtig, denn er hat uns unser Leben geschenkt, hat zu unserem Leben sein göttliches JA gegeben! Unser, Ihr und mein Gott, unser aller Gott möchte, dass die/wir Menschen leben, am Leben bleiben, Sie, ich, wir alle. Für uns ist der Tod das scheinbare Ende, für ihn ist er nichts endgültiges, lässt sich von im widerrufen. Ich möchte das noch einmal betonen, weil es für uns und unser Leben von einer eminenten Bedeutung ist: Hätte unser Gott kein Interesse an uns, an unserem Leben und würd uns fallen lassen, so wie wir Menschen fallen lassen, wenn sie uns verletzt oder auch geschadet haben, dann würde er sich damit auch gegen sich selbst in Jesus Christus stellen, denn dann hätte das Wort aus dem 1. Korintherbrief, Kapitel 6 im 14. Vers eben keinen Sinn: „Gott hat den Herrn auferweckt; er wird durch seine Macht auch uns auferwecken“.

Das war auch schon die Überzeugung und der gelebte Glaube in der Urkirche, ein Glaube, der die Jahrhunderte, ja zwei Jahrtausend hindurch die Menschen getragen hat, das ist der Glaube, den unsere Vorfahren bekannt und nach bestem Wissen und Gewissen zu leben versucht haben, den auch wir heute in der katholischen Kirche in der Eucharistiefeier (evangelische Kirche: Abendmahl) bekennen: „Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben“. Darum können wir auch die Lieder aus dem Mittelalter zu unseren Liedern machen, wie in der katholischen Kirche beispielsweise aus dem Gotteslob, Lied 658, „Wenn mein Stündlein vorhanden ist…“(Liedblatt 254).

Das Wunder des Todes; ein Wunder, das uns mit dem mittelalterischen Sänger singen lässt: „Weil du vom Tod erstanden bist, werd ich im Tod nicht bleiben; mein höchster Trost dein Auffahrt ist, Todsfurcht kann sie vertreiben. Denn wo du bist, da komm ich hin, dass ich stets bei dir leb und bin, drum fahr ich hin mit Freuden!“ (Gotteslob Nr. 658, „Wenn mein Stündlein vorhanden ist…“, siehe Liedblatt Seite 230). Ein anderes Beispiel aus dem Gotteslob, der neuere Titel lautet: Im Tod ist das Leben (Gotteslob Nr. 620, „Das Weizenkorn muss sterben…“, siehe Liedblatt Seite 255).

Ich fasse die dargelegten Gedanken noch einmal in drei Punkten zusammen:

1. Grundsätzlich gilt, dass alles das, was sich um den Tod, dem Geschehen um den Tod und der Erkenntnis an das ewige Leben, das sich daraus ergibt lebendigen Glauben erfordert, denn ohne einen lebendigen Glauben lassen wir uns nicht wirklich auf den lebendigen Gott, den Tod und die Auferstehung ein. Wir können dann als Menschen das Licht der Offenbarung, das sich auf das Ende unseres Lebens bezieht nicht erkennen, können nicht begreifen, dass etwas unsagbar Schönes, etwas unbegreiflich Neues auf uns zukommt.

Hier öffnen sich Türen vor uns, die uns aus der Dunkelheit, die sich bisher vor uns ausgebreitet hat wie ein schwarzes Tuch in ein helles und strahlendes Licht! Hier hört die Aussage einer alten Dame, die sich mir gegenüber so ausgedrückt auf: „Ich sehe alles nur schwarz in schwarz!“ Alles wird verändert sein, denn die seelischen Verwirrungen werden nicht mehr sein, denn sie können dort keine Macht mehr über den Menschen haben; das Gegenteil wird sein, denn eine uns bisher unbekannte Freude wird uns dann erfüllen. Es werden uns kein Leid und kein Schmerz belasten! Welch eine wunderbare Zusage und Vorstellung: Ich werde keine Schmerzen mehr haben, in Frieden zu leben, frei von Hass und Neid; das ist das Wunder des Todes, denn er ist die Tür zum ewigen Leben in Herrlichkeit! Wovor sollten wir da noch Angst haben?

2. Wie oft sagen wir in unserem Leben: „Wenn das gut werden soll, dann muss ein Wunder geschehen. Wir mit dieser Aussage immer etwas „Unerwartetes“, etwas „Unmögliches“, etwas Außergewöhnliches erhofft: Das Überleben nach einem schweren Unfall, das Überstehen einer äußerst schweren Krankheit, oder auch die glückliche Geburt eines Kindes, um nur einige Beispiele anzusprechen.

3. Mit dem Sterben und dem Tod stehen wir schon auf der Schwelle, beziehungsweise durchschreiten wir die Tür zu einem überwältigendem und unfassbaren Geschehens. Das Ziel unseres irdischen Lebens ist erreicht und die Worte des Apostel Paulus die er in seinem 1. Brief an die Korinther schreibt gehen in Erfüllung: Was wir verkünden . . . Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: „Das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben“ (1. Korintherbrief, Kapitel 2, Vers 9).

Nahtoderfahrungen

„Eine Nahtoderfahrung ereignet sich zu dem Zeitpunkt, wenn ein Mensch durch einen Unfall oder Herzstillstand klinisch tot ist. Das Gehirn des Menschen weist für diesen Zeitraum keinerlei Aktivität mehr auf. Das Erden ich geht über in einen erweiterten außerkörperlichen Bewusstseinszustand, in dem der Betroffene auf Ereignisse und Situationen Zugriff erhält, die er aus der Lage seines Körpers gar nicht wissen kann“, so Bernard Jakoby.

Ich erinnere mich noch sehr genau und lebhaft an eine Begegnung während eines Klinkaufenthaltes in einer bekannten, großen, hessischen Klinik. Ich war dort Patient in der Abteilung Neurochirurgie und sollte an der Wirbelsäule operiert werden. Jedes Zimmer dieser Abteilung war mit 2 Patienten belegt. Mein Bettnachbar „mein Heinrich“ und ich sind inzwischen gute Freunde geworden, 20 Jahre älter als ich, teilten wir uns ein Zimmer. Wir waren schon operiert (er an der Halswirbelsäule, ich an der Lendenwirbelsäule), durften aufstehen und das Zimmer verlassen, natürlich nur im Stationsbereich, als wir mitbekamen, dass ein junger Mann[20], etwa 16 Jahre, auf unserer Station lag, nachts aber wegen seines unruhigen Wesens in den Flur verlegt wurde. Wir gingen an sein Bett. Ich werde dieses Bild, das sich mir da bot, nie mehr in meinem Leben vergessen, wie der Junge im Bett lag, nackt, Dauerkatheter und die Augen geschlossen. Er hieß Marco. Ich sprach ihn an, allerdings ohne Erfolg. In einem späteren Gespräch mit seiner Mutter erfuhr ich, dass er wenige Meter vor seinem Elternhaus von einem betrunkenem Autofahrer, als er mit seinem Fahrrad unterwegs war, angefahren und so schwer verletzt wurde, dass die Ärzteschaft nach Heilung der Knochenbrüche den Eltern mitteilte, dass der Junge nie wieder normal werden würde, nie wieder aufwachen könnte, denn sein Gehirn war so schwer verletzt, beziehungsweise in Mitleidenschaft gezogen worden, dass eben keine Hoffnung auf Heilung bestand. Die Eltern weinten bitterlich, denn Marco war ihr einziges Kind. Ich stand oft an seinem Bett und sprach mit ihm, sagte: „Marco, mach’ die Augen auf und sage Mama!“ Nichts tat sich. Ich kam zur Rehabilitation und diese Begegnung trat für mich zunächst in den Hintergrund.

Monate später wurde ich wieder daran erinnert. Ich bekam einen Anruf; eine Frau war die Anruferin, deren Name mir aber nichts sagte. Sie rückversicherte sich aber mehrfach, dass ich doch aber der Mann wäre, der in der … Klink in … gelegen hatte; sie nannte den Zeitraum, Ende September 1983 und den behandelnden Professor. Da alles stimmte und ich deshalb auch die Fragen bejahte, lud sie mich ein, sie doch im Taunus zu besuchen. Sie hätte eine große und schöne Überraschung für mich; ein Termin wurde vereinbart; ich fand das Haus, in dem die Anruferin wohnte, ohne jeglichen Probleme. Nichts verband mich in irgendeiner Weise mit dem Haus, dem Ort oder der Straße. Ich ging zur Tür und läutete. Es wurde mir geöffnet und man begleitete mich in das Wohnzimmer der Familie. Ein junger Mann saß mir gegenüber und „starrte“ mich unentwegt an, während meine Gastgeber mit mir ein lockeres, aber belangloses Gespräch führten. Da leuchteten plötzlich die Augen des jungen Mannes auf. „Jetzt weiß ich, wer Sie sind“, sagte er, „Sie sind der Mann, der immer an meinem Bett stand und zu mir sagte: Marco, mach’ doch die Augen auf und sage Mama!“

Für weitere Erklärungen im Bezug auf die Nahtoderfahrungen und den damit verbundenen Merkmalen, möchte ich an dieser Stelle wieder Bernard Jakoby, einen Sterbeforscher zu Wort kommen lassen:

„Nahtoderfahrungen sind wesentlich weiter verbreitet, als die meisten Menschen annehmen. Alleine in Deutschland haben gegenwärtig über vier Millionen Menschen derartige Erlebnisse gemacht, bei steigender Tendenz. In den letzten zehn Jahren wurden die Möglichkeiten der Wiederbelebung extrem verfeinert, sodass heute immer mehr Menschen aus den Randzonen des Todes ins Leben zurückgeholt werden können.

Die Tatsache, dass der Mensch von seiner Natur her ein geistiges Wesen ist und nicht sein Körper, wird noch immer von zahlreichen Wissenschaftlern bestritten. Das geltende Paradigma besagt, dass Bewusstsein ein Produkt des Gehirns sei, welches beim Tod des Menschen ins Nichts versinkt. Da diese Vorgänge nicht messbar sind, werden Todesnäheerlebnisse noch heute mit Halluzinationen, Sauerstoffmangel oder Endorphinausschüttungen weg rationalisiert.

Die Erforschung und Systematisierung der Nahtoderfahrungen belegen aber in eindeutiger Weise, dass unser Bewusstsein den Tod überlebt und in seiner Individualität fortbesteht. Durch unterschiedlichste Untersuchungen entstand eine empirische, weltweite und interkulturelle Sterbeforschung.

Heute lässt sich die Aussage treffen, dass wir mehr als jemals zuvor in der Geschichte darüber wissen, was mit uns geschieht, wenn wir sterben.

Das Bedeutsame an den Nahtoderfahrungen sind wiederkehrende Elemente, die den Übergang von dieser in die andere Welt beinhalten. Dieser universale Kode findet sich dann in verdeckter Form im Sterbeprozess wieder. Langjährige Untersuchungen des holländischen Kardiologen Pim van Lommel[21] ergaben, dass die vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse keinen anderen Schluss zulassen, dass Bewusstsein unabhängig vom Körper existiert! Wir sind mehr als reine Materie oder Biochemie! Nahtoderfahrungen sind keine Erfindung unserer Zeit, sondern wurden im Schrifttum der Jahrtausende überliefert“.

Ein Zitat zur Problematik des Hirntodes an dieser Stelle von „Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesärztekammer“, das sich deutlich im Verständnis von der Nahtoderfahrung abgrenzt :

Der Hirntod ist der „Zustand des irreversiblen Erloschenseins der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms bei einer durch kontrollierte Beatmung künstlich noch aufrechterhaltenen Herz – Kreislauffunktion. Mit dem Hirntod ist naturwissenschaftlich – medizinisch der Tod des Menschen festgestellt.“

Die Merkmale einer Nahtoderfahrung, so Bernard Jakoby weiter sind:

1 . Das Gefühl, tot zu sein

Viele Menschen nehmen sich in oder bei diesem Erleben als körperlos oder extrem leicht wahr. Es ist ihnen dabei absolut klar, dass sie gestorben, tot sind.

2. Frieden und Schmerzfreiheit

Ein anderes Merkmal besteht darin, dass eine hohe Anzahl von Betroffenen ein Gefühl von Leichtigkeit, von Wohlbefinden und Frieden erleben. Zahlreiche Untersuchungen mit Krebspatienten oder Unfallverletzten weisen darauf hin, dass jeder Schmerz sofort endet, wenn der Körper verlassen wird.

3. Das Erlebnis der Außerkörperlichkeit

Die Betroffenen dieser Nahtoderfahrung erleben alles Geschehen gleichzeitig. Betroffene schweben über der eigenen Unfallstelle oder im Operationssaal, aber sie können sich in Gedankenschnelle auch überall dort aufhalten, an wen oder was sie gerade denken. Jede Form einer Trennung ist aufgehoben, und die Erlebenden sind nun nicht mehr länger an Raum und Zeit gebunden. Sie erleben eine immense Bewusstseinserweiterung, die es ihnen sogar ermöglicht, sich eben an mehreren Orten gleichzeitig aufzuhalten. Major Scull hatte einen Herzanfall. Er berichtet: „Plötzlich schwebte ich nach oben an die Decke und dann in eine Ecke des Raumes. Von dieser Position aus konnte ich auf meinen Körper herabblicken. Ich war sehr überrascht, dass ich mich in dieser Ecke als bewusst wahrgenommen habe. Dann befand ich mich plötzlich außerhalb des Raumes und sah meine Frau im Warteraum sitzen. Sie trug eine rote Hose und sprach mit der Schwester. Dann saß ich neben ihr. Ich habe genau bemerkt, was meine Frau zu diesem Zeitpunkt getragen hat. Dabei hätte ich sie gar nicht sehen können, da ich mich zu diesem Zeitpunkt auf der Intensivstation befand. Heute bin ich überzeugt davon, dass sich die Seele vom Körper lösen kann“.

4. Das Tunnelerlebnis

Der Tunnel ist ein Symbol für den Übergang in die jenseitige Welt. Manchmal sprechen die Betroffenen auch von einer Dunkelheit oder Leere, die sie durchqueren müssen. Entscheidend dabei ist, dass sich das Bewusstsein nun dergestalt erweitert, dass Dinge der geistigen Welt übersinnlich wahrgenommen werden können. So kommt es zu einer Begegnung mit verstorbenen Verwandten, oder paradiesische Landschaften, Lichtstädte oder Lichtwesen werden beschrieben.

5. Die Lichterfahrung

Das Licht spendet Trost und strahlt Wärme, Frieden und Ruhe aus. Es handelt sich keineswegs um einen krampfhaften Reflex des Sehnervs noch um ein Licht, das zum Todeszeitpunkt auf den Netzhautgefäßen verbleibt. Das Licht wird als die reinste, bedingungslose Liebe empfunden, wie sie kaum ein Mensch zu Lebzeiten erlebt. Die Begegnung mit dieser Liebe löst Gefühle der Harmonie und der Geborgenheit aus. Die Menschen spüren dabei ihr volles Ich – Bewusstsein. Das strahlend schöne Licht wird zum Inbegriff allen Wissens und führt zum Erleben höchster Seligkeit. Alle Menschen, die eine Lichterfahrung gemacht haben, verändern sich später in ihrer Persönlichkeit. Ein Mann berichtete mir: „Ich ging sofort in dieses wundervolle strahlende Licht. Ich war total von Liebe eingehüllt, von Wärme, Frieden und Sicherheit. Es war, als ob das Licht in mir ist und ich gleichzeitig zum Licht wurde. Das könnte man vielleicht so ausdrücken: Ich bin Frieden, ich bin Liebe, ich bin Helligkeit und Freude. Das Licht ist ein Teil von mir. Du weißt es einfach. Es ist so wunderbar, und das ist eine Begegnung mit der Ewigkeit, als ob ich immer dort gewesen sei und immer dort sein werde. Das Licht ist die absolute Geborgenheit“.

6. Die Lebensrückschau

In der Anwesenheit des Lichts entfaltet sich nun die Lebensrückschau. Sie weist uns auf die Eigenverantwortlichkeit hin, da wir dabei nicht nur aus der Perspektive, wie wir selbst bestimmte Dinge in unserem Leben mit uns erlebt haben, konfrontiert werden, sondern auch mit den Auswirkungen unserer Gedanken, Taten und Worte auf andere. Wir haben Zugang zum Bewusstsein lebender und verstorbener Menschen, da anders die ganzheitliche Perspektive nicht möglich wäre. Das zeigt, dass all unsere Gedanken, Taten und Worte in Energiefeldern in der geistigen Welt gespeichert sind. Wir schauen uns sozusagen ungeschminkt ins Gesicht, wobei der einzig wichtige Maßstab Liebe ist: Wir fragen uns, ob wir Liebe gegeben oder zurückgehalten haben. „Es war, als würde ich mein Leben von Anfang bis Ende in einer auf Schnellvorlauf gestellten Filmschneidemaschine sehen. Es begann mit meiner Zeugung … dann folgte die Kindheit, Jugendzeit und so weiter bis zu meiner Nahtoderfahrung, die ich noch einmal erlebte. Ich sah mein Leben, lebte es noch einmal. Alles, was ich je gefühlt hatte, fühlte ich noch einmal – jeden Schnitt, jeden Schmerz, jedes Gefühl und alles, was zu dem jeweiligen Abschnitt meines Lebens dazu gehörte. Gleichzeitig sah ich die Auswirkung meines Lebens auf meine Mitmenschen … Ich fühlte alles, was sie fühlten, und dadurch begriff ich die Folgen meines gesamten Tuns, des guten wie des schlechten“.

7. Die widerwillige Rückkehr

Die meisten Betroffenen kehren nur widerwillig in ihren Körper zurück. Sie haben offenbar noch unerledigte Dinge zu bearbeiten“. Soweit die Gedanken des Sterbeforschers Bernard Jakoby.

Im Krankenhaus

Als junger Mann von knapp 20 Jahren machte ich ein Praktikum im örtlichen Krankenhaus meiner Heimatstadt. Ich wurde als „Hilfspfleger“ in der Abteilung für „Innere Medizin“ und „Infektionserkrankungen“ eingesetzt. Ich war schon einige Monate auf dieser Station tätig, als wir eine junge Mutter (sie war Mutter von zwei oder drei kleinen Kindern) auf unsere Station bekamen. Sie hatte eine infektiöse Gelbsucht, wurde im isolierten Stationsbereich untergebracht; nur über ein Fenster konnte sie von ihrem Mann und ihren Kindern besucht werden und den familiären Kontakt halten. Da sie außergewöhnlich voluminös war, hatten wir schwer zu tun, wenn wir sie betteten und frisch machten, als diese Frau infolge einer sehr unüberlegten Handlung (sie verzehrte ½ Schwarzwälder Kirschtorte, obwohl sie strenge Diät leben sollte)in das Koma gefallen war. Es waren mehre Tage vergangen, die Familie sehr angespannt und traurig, als diese Patientin bei betten plötzlich beschwerend ansprach: „Ich habe geträumt, dass ich tot war. Es war so schön! Warum habt ihr mich nicht sterben lassen?“

Es gelang uns nicht, diese Frau damit aufzumuntern, dass sie doch wieder lebte und sich darüber freuen konnte. Für sie waren die Blicke, die sie zuvor getan hatte so wegweisend gewesen, dass sie nur sterben wollte. Nur wenige Tage danach starb sie, ruhig und friedlich.

Im Krankenhaus – älterer, männlicher Patient nach dem Aufwachen:

Ein anderes Beispiel aus dieser Zeit: Es gehörte zu meinen Aufgaben die Männer, die sich nicht mehr selbst richtig helfen konnten, sie beispielsweise zu rasieren. So auch an jenem Morgen. Es war ein Mann, Mitte 70, der schon auf mich wartete. Ich rasierte ihn, cremte seine Haut ein und wollte zu meinem nächsten Patienten gehen. Er hielt mich auf in dem er sagte: „Herr Pfleger, beten sie mit mir; ich sterbe jetzt!“ Völlig von diesem Geschehen überfordert, verlies ich das Krankenzimmer; in einem Gespräch mit dem zuständigen Stationsarzt lautete meine Dienstanweisung: „Gehen sie in das Zimmer und beten sie mit dem Mann. Er ist schwer krank. Erfüllen sie ihm seinen Wunsch!“

Ich ging zu ihm in das Zimmer zurück, ohne Rasierutensilien. Ich faltete ihm die Hände und bete mit ihm das Vater Unser. Er bete mit. Nach dem gemeinsam gesprochenen Amen sagte er „danke“, schloß seine Augen, atmete tief ein und aus. Es waren seine letzten Atemzüge.

Kapitel 2

Umgang mit dem Tod

Jens Zieske, so lese ich im Internet, ist 23 Jahre alt und macht seit einem Jahr eine Ausbildung im Bochumer Bestattungsinstitut Wellers. Er richtet Trauerfeiern aus, versorgt Verstorbene, betreut Hinterbliebene. Wie kommt man als junger Mensch auf so einen Beruf? Ich lese weiter:

„Nach der Hauptschule habe ich eine Ausbildung als Gärtner auf dem Friedhof gemacht“, erzählt Jens. „Einmal stand die Tür zur Kapelle offen, drinnen hat man gerade einen Sarg verschlossen. Der Deckel wurde zugeklappt, dabei hingen noch die Haare draußen“. Jens hat sich erschrocken über soviel Nachlässigkeit. Gleichzeitig war das ein Schlüsselerlebnis: „Ich habe plötzlich gedacht, es ist wichtig, dass man damit behutsamer umgeht“.

Anfangs hat Jens sich kaum getraut zu erzählen, was er beruflich macht, wenn er abends neue Leute auf einer Party kennen lernte. „Ich hab mich vor Ablehnung gefürchtet. Über den Tod spricht man nicht gern“. Doch die Reaktionen seiner Umwelt sind „konstant positiv“, schwanken zwischen neugierigem Gruseln und aufrichtiger Bewunderung für einen schwierigen Job. Im Umgang mit den Angehörigen der Toten ist permanente Sensibilität gefragt. „Floskeln, über die man sonst nicht nachdenkt, wie ‚Auf Wiedersehen’ oder ‚Frohe Ostern’, sind tabu“, sagt Jens.

Ist Jens mit seiner Arbeit fertig, dann sieht die/der Verstorbene im Sarg aus, als ob sie/er schläft.

Die Medien beschäftigen sich in diesem Jahr ganz besonders mit dem Thema Tod. Thematisch gibt es dazu drei inhaltliche Schwerpunkte, die sich im Ersten, in den Dritten Programmen, im Radio und im Internet wieder finden:

- „Wie wir umgehen mit dem Tod“,
- „Wie wir sterben wollen“ und
- „Was am Ende bleibt“.

Auf die Frage, warum sie sich für die ARD – Themenwoche einsetzt, antwortet die Theologin Margot Käßmann [22]: „Allzu oft werden Sterben und Tod verdrängt, gerade in der Medienwelt. Da gibt es zwar Krimis zu sehen, aber was Sterbeprozess bedeutet, wie Menschen mit Trauer umgehen, dafür ist kein Sendeplatz, keine Zeit. Deshalb finde ich großartig, dass die ARD zu diesem Thema eine Themenwoche plant“.

Für Kabarettist Dieter Nuhr [23] („Satire Gipfel“) lässt sich - wie so vieles, was unfassbar schrecklich ist - auch der Tod nur mit Humor ertragen. „Es hat ja keinen Sinn, sein Leben trauernd zu verbringen, weil es irgendwann ein Ende haben wird. Ich will den Tod auslachen, vielleicht ist er dann beleidigt und kommt nicht wieder. Man sollte über den Tod als Teil des Lebens nachdenken, und ich will beweisen, dass man deshalb nicht gleich schlechte Laune kriegen muss“.

„Immer nur den Tod zu fürchten, führt dazu, das Leben aus den Augen zu verlieren“, sagt der ARD – Moderator Reinhold Beckmann [24] („Beckmann“, „Sportschau“). „Alter, Krankheit und Verlust sind ein Teil unserer Geschichte. Das sollten wir zu akzeptieren lernen und offen damit umgehen. Dabei hoffe ich, wir können einen kleinen Anstoß geben, in einer älter werdenden Gesellschaft angstfrei darüber zu reden, wie wir Menschen auf ihrem letzten Weg begleiten, und uns selbst darauf vorbereiten“.

Im ersten Schwerpunkt „ Wie wir umgehen mit dem Tod “ steht das Verhältnis der Menschen zum Tod im Mittelpunkt: Welche Rolle spielt der Tod in unseren Köpfen, wann und wie kommt er dort vor, wie reden wir eigentlich darüber? Obwohl wir von unserem irdischen Ende wissen, verdrängen wir es, sprechen nicht oder nur sehr selten und verkrampft, geradezu gezwungenermaßen darüber.

Dieser Schwerpunkt soll uns mögliche Tabus bewusst machen, sie gezielt hinterfragen und zur Überwindung der allgemeinen Sprachlosigkeit beitragen. Er soll einen Paradigmenwechsel in Deutschland befördern: Weg vom Jugendwahn einer ökonomisierten und fast ausschließlich leistungsorientierten Ellenbogen Gesellschaft hin zu einer Neuentdeckung von Trauerarbeit, Bewahrung des Andenkens von Verstorbenen und dem möglichen Totenkult.

Im zweiten Schwerpunkt „ Wie wir sterben wollen “ steht der eigentliche Sterbeprozess im Fokus der Arbeit: Die Entscheidung darüber, wie, wo und wann gestorben wird, fällt auf den Grundlagen von moralischen, juristischen und religiösen Urteilen, sowie auf der Basis von gesellschaftlichen Normen und politischen Rahmenbedingungen.

Die Frage der Selbstbestimmung stellt dabei ein sehr zentrales Thema dar. Ich gebe aber zu bedenken, dass mehr als die Hälfte aller Deutschen keine Erfahrung mit Sterben und Tod haben, sie wissen nicht und eigentlich auch nicht wissen können, wie man andere Menschen tröstet und mit ihnen trauert, obwohl unsere Gesellschaft immer deutlicher in einem nicht unproblematischen demografischen Wandel befindet. Dieser Schwerpunkt soll dazu beitragen, dass Menschen die Veränderungen und das Geschehen um den Tod besser verstehen. Er soll dazu anregen die Diskussion über würdevolles Sterben als gesellschaftliche Aufgabe zu begreifen.

Im dritten Schwerpunkt „ Was am Ende bleibt “ wird dann diskutiert, was einem Menschen bleibt, wenn jemand gestorben ist – physisch und mental. Die Auseinandersetzung mit dem Ende, dem Tod, ist immer mit dem Nachdenken über unser ganz persönliches Leben verbunden, über unsere Beziehungen und endet im Regelfall in der persönlichen Bilanz des bisher gelebten Lebens. Dieser Schwerpunkt soll aus diesem Gedankengut heraus junge und alte Menschen zu einer Zwischenbilanz ihres eigenen Lebens, ohne vorausgegangenen Todesfall anregen. Er soll über Denkanstöße dazu anregen, sich mit der Vorstellung vom eigenen Tod zu beschäftigen um dann darüber auch mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Was bleibt von mir? Was soll bleiben, in Erinnerungen, in Lebenszeugnissen, im Internet?

Sie erhalten einen Anruf aus dem Krankenhaus: Ein Angehöriger ist verstorben. Vielleicht kam diese Nachricht für Sie vollkommen überraschend. Doch auch wenn Sie vorbereitet waren, wird diese Nachricht in Ihnen starke Reaktionen und Gefühlsbewegungen auslösen. Möglicherweise fällt es Ihnen aus vielen unterschiedlichen Gründen schwer in dieser Situation noch klar und überlegt zu denken. Einige Hinweise können nun vielleicht doch helfend sein:

Wer muss von Ihnen benachrichtigt werden?

- Rufen Sie die Personen an, denen Sie gleich Bescheid geben möchten. Verabreden Sie sich mit ihnen, wenn diese ebenfalls ins Krankenhaus kommen möchten (Uhrzeit und Treffpunkt).
- Wenn viele Anrufe zu erledigen sind, dann bitten Sie doch Verwandte oder Freunde, dass sie diese Anrufe zu übernehmen.
- Wen müssen Sie über Ihre ungeplante Abwesenheit unbedingt informieren (Arbeitgeber, Familie, Nachbarn)?

Wer fährt mit Ihnen mit?

- Wählen Sie jemanden, der Ihnen nahe steht, aber dennoch weniger stark emotional betroffen ist. Fahren Sie, wenn es sich irgendwie verhindern lässt bitte nicht selbst und alleine mit dem Auto, schon überhaupt nicht, wenn Sie sehr aufgewühlt sind.
- Ist noch jemand an Ihrer Seite, der ebenso oder noch stärker betroffen ist? Fragen Sie ihn, wen er in dieser Situation als Unterstützung gerne bei sich haben möchte.
- Entscheiden Sie bei minderjährigen Kindern nicht über deren Kopf hinweg. Informieren Sie die Kinder mit klaren und einfachen Worten über den Todesfall und fragen Sie nach, was sie gerne möchten. Kinder können in der Regel darüber sehr genau Auskunft geben. Haben Sie keine Angst davor, Sie werden Ihr Kind nicht überfordern, wenn es den Wunsch hat, Sie zu begleiten. Sorgen Sie, wenn möglich, dafür dass eine weitere Person mitkommt, die sich im Auto auf dem Weg zur Klinik und dann auch vor Ort um das Kind kümmern kann.

Was müssen/wollen Sie noch erfragen?

Gibt es etwas, was Sie beim ersten Telefongespräch mit dem Krankenhaus vergessen haben? Zum Beispiel:

- Kann der Verstorbene im Zimmer in seinem Bett liegen bleiben, bis Sie in der Klinik sind?
- Gibt es einen Verabschiedungsraum, zur Aufbahrung des/r Verstorbenen?
- Kann ein Klinikseelsorger benachrichtigt werden, um Ihnen beizustehen? Kann er eine Aussegnung vornehmen? Kann eine Pflegekraft Ihnen dabei helfen, wenn Sie den/die Verstorbenen selbst waschen und ankleiden möchten? Scheuen Sie sich nicht und rufen Sie einfach im Krankenhaus nochmals an, wenn für Sie Fragen offen geblieben sind.

Was müssen oder möchten Sie gerne noch mitnehmen?

- Taschentücher, Medikamente, Adressenverzeichnis, Handy und ähnliches.
- Möchten Sie den/die Verstorbenen vielleicht selbst waschen und ankleiden? In diesem Fall können, beziehungsweise sollten Sie entsprechende Kleidungsstücke auswählen und mitnehmen. Sie können aber auch später mit dem Bestatter vereinbaren, den/die Verstorbenen mit ihm zusammen zu waschen und anzukleiden.
- Gibt es etwas, was Sie am Totenbett tun möchten? Zum Beispiel eine Blume auf das Bettlaken legen, einen Rosenkranz in die Hände geben, ein Gebet sprechen, letzte Fotos von dem/der Verstorbenen machen. Überlegen Sie, was Sie hierfür brauchen und mitnehmen möchten.

Zusammenfassung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[25]

Abschiedsrituale am Totenbett

Abschiedsrituale werden von vielen Menschen als etwas sehr hilfreiches erlebt; deshalb sollen einige dieser Rituale an dieser Stelle als mögliche Anregungen und Hilfe gegeben werden:

- Den/die Verstorbenen waschen und ankleiden.
- Ein Gebet sprechen oder ein Gedicht vorlesen.
- Musik hören oder singen.
- Mit Familienmitgliedern und Freunden Erinnerungen an die gemeinsame Zeit mit dem Verstorbenen austauschen.
- Ein letztes Mal seine/ihre Hand halten.
- Mit dem Verstorbenen sprechen und ihm/ihr sagen, was Sie ihm/ihr gerne zum Abschied sagen möchten.
- Dem/der Verstorbenen etwas mitgeben.
- Einen Krankenhausseelsorger bitten, eine Aussegnung vorzunehmen.

Trauer, ein beklemmendes Gefühl

Die Trauer um einen geliebten Menschen gehört wie auch die Liebe selbst zu den tiefsten Gefühlen, die ein Mensch in seinem Leben überhaupt erfahren kann. Oft trifft die Hinterbliebenen unerwartet und erst nach einiger Zeit ein Trauerschock, der dann alles andere überwältigt. Es gibt in solchen Situationen scheinbar nichts, was Trost spenden könnte. Die betroffenen Menschen fühlen sich wie gelähmt. Das Leben selbst erscheint ihnen sinnlos und nun nur noch zu einer Qual geworden zu sein. Gerade ältere Menschen sind davon schwer betroffen und überleben den Gram um ihren verstorbenen Gatten deshalb oft nicht über eine längere Zeitspanne; deshalb ist es so enorm wichtig, mit der Trauerarbeit sofort zu beginnen, ehe der schwere Trauerschock einsetzt. Gerade der Abschied, vielleicht sogar die Möglichkeit, den/die Tote/n noch einmal sehen zu können, sind im Zusammenhang mit der Trauerbewältigung oft wesentliche und unwieder – bringliche Momente und Elemente. Nehmen Sie sich Zeit für die Trauerbe – wältigung, und eine Todesnachricht Sie nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel trifft.

Dr. Doris Wolf, Diplom – Psychologin[26], sagt dazu: „In unserer Gesellschaft sind die Themen Tod und Sterben weitgehend aus unserem Alltag verbannt. Wir tun alles, um uns nicht mit dem Tod und Sterben befassen zu müssen, da sie uns Angst machen.

Irgendwann in unserem Leben wird uns der Tod bei einem nahen Angehörigen begegnen und die Trauer über den erlittenen Verlust ergreifen. Nichts ist uns, das muss man sich bewusst machen, so sicher wie eben der Tod. Der Tod ist schlicht unausweichlich und wir können ihn auch dann, wenn wir uns noch so sehr darum bemühen, über viel Geld verfügen, nicht umgehen, nicht ausweichen und uns auch nicht freikaufen. Gefühle, die wir bisher nicht in dieser Stärke erlebt haben, bestimmen plötzlich das Leben. Es erscheint uns, als ob wir diese Gefühle nicht ertragen zu können, nicht damit leben können; wir kommen uns vor, als wären wir abnormal oder drohten darüber „verrückt zu werden“.

Die Trauerbewältigung

Manche Menschen begreifen den Tod erst dann, wenn sie die/den Verstorbene/n sehen, so die Erfahrung des Thantologen Anton. Das erleichtert die Trauerbewältigung aber erheblich. Seine Ausbildung zum Thanatologen hat der 37 – jährige Familienvater zum Teil in Großbritannien gemacht, weil es für die praktische Ausbildung in Deutschland bisher wenig Möglichkeiten gibt.

Während der Ausbildung (zwei Jahre) lernte er alles Wesentliche über den menschlichen Körper und die damit chemischen und physikalischen Reaktionen, die in ihm vor und nach dem Tod ablaufen. Er ist nur einer von weniger als 100 Thanatologen in ganz Deutschland ist; das liegt neben den hohen Ausbildungskosten von etwa 15 000 Euro vor allem aber auch an der fehlenden Kulturtradition des offenen Aufbahrens der Verstorbenen in Deutschland. Bei uns ist es nicht unbedingt üblich, dass Tote noch einmal gezeigt werden.

„Die vier Trauerphasen – Zeit zu heilen

1. Phase – Schock: ‚Der Aufschrei der Seele’

Die Dauer: Wenige Stunden, bis zu einem Tag

‚Das kann nicht wahr sein’ – eine Welt bricht zusammen, ... Der Schock kann sich unterschiedlich äußern: Manche Menschen brechen völlig zusammen, auch körperlich, müssen ärztlich versorgt werden, oder es kommt zu unkontrollierten Gefühlsausbrüchen, andere sind wie gelähmt, betäubt, benommen, reagieren nur verzögert. Alles erleben sie als unwirklich und doch bedrohlich.

Aber auch das völlig kontrollierte Verhalten kann ein Schocksymptom sein: So als sei nichts Besonderes geschehen, gehen manchmal Betroffene mit einer plötzlichen Todesnachricht um – ihre Psyche behandelt das Geschehen als nicht relevant oder nicht real.

2. Phase – Kontrollierte Phase: ‚Alles erledigen müssen’

Die Dauer: Bis zur Beisetzung

Viele Entscheidungen sind zu treffen, die Beerdigung ist zu planen. Freunde und Verwandte kommen oder rufen an. Um all diese Anforderungen zu bewältigen, muss der Schmerz, die wirkliche Auseinandersetzung zurückgestellt werden. Trotzdem ist er ganz nahe: immer wieder und wieder muss erzählt werden, was geschehen ist. Auch die Beerdigung selbst verlangt dem Trauernden viel Kraft ab. Viele Trauernde erleben sich selbst als gespalten in dieser Zeit.

Manches ist dabei hilfreich zur Verarbeitung: Das Immer – wieder – anschauen der schockierenden Erfahrungen (Trauernde spüren unbewusst, dass es ihnen hilft und erzählen haarklein). Die vielen sozialen Kontakte (mit ihrer Kehrseite: Sie kosten viel Kraft und oft wird dabei taktlos geredet). Die Beerdigung/Trauerfeier als Abschiedsritual ist auch hilfreich.

3. Phase – Regressive Phase: ‚Suchen und Sehnen’

Die Dauer: Die längst, schwierigste, schmerzlichste und wichtigste Phase

‚Regredi’(lateinisch) – zurückgehen, Verlangsamung des Lebensrhythmus, Rückzug, Interesselosigkeit, Apathie, Antriebsschwäche, aber auch Ruhelosigkeit, Erregbarkeit.

Alle Kraft wird auf den Verstorbenen und den Abschied konzentriert. Der Wunsch des Mit – Sterbens ist oft da. Man sucht nach dem Verstorbenen, seinen Spuren, geht gemeinsame Wege nach ... Trauernde berichten von Erscheinungen, hören die Stimme ... Gefühlsstürme toben: Angst, Verzweiflung, Schuld, Einsamkeit, Anklage gegen Arzt, Krankenhaus, Gott, Kirche ... Gesprächspartner ziehen sich zurück (nach der Beerdigung, nach gewisser Zeit glaubt man genug Zuwendung gezeigt zu haben, manchmal stößt die Schroffheit vor den Kopf, mancher fühlt sich einfach überfordert), dabei wären sie jetzt besonders nötig.

Mit gelingendem Fortschreiten dieser Phase wird der Verstorbene nicht mehr idealisiert, sondern realistisch gesehen mit Schwächen und Fehlern, auch die Konflikte werden gesehen, die es gab.

4. Phase – Adaptive Phase: ‚Sich wieder dem Leben annähern’

Die Dauer: Kann/ist individuell sehr verschieden/sein

‚Das Leben geht weiter’. Die kleine Welt weitet sich wieder. Interessen erwachen, Hobbys werden neu entdeckt, die Wahrnehmung setzt wieder ein. Manchmal kommen ganz neue Aspekte oder Interessen hinzu. Es lohnt sich wieder, etwas Schönes anzuziehen, es tut gut, andern zu gefallen. Manchmal kommt der Schmerz wieder hoch: An Jahrestagen, an Weihnachten, beim Aufräumen, beim Anblick eines Kinderwagens ... Aber das vergeht wieder, wird seltener. Das Leben hat gesiegt.

Die Dauer der einzelnen Phasen kann/ist individuell sehr verschieden/sein. Es gibt hinderliche und fördernde Faktoren: Sehr lang ist der Weg nach dem Tod eines Kindes. Ungelöste Schuldfragen, eigene Schuldgefühle sind hemmende Faktoren. Förderlich ist eine Verwurzelung im Glauben, gute soziale Kontakte, aber auch ein realistisches Bild des Verstorbenen. Bei der Begleitung eines Schwerkranken wird manchmal ein großer Teil der Trauerarbeit schon vorweggenommen.

Der Trauerweg kostet ungeheuer viel Kraft, deshalb werden Menschen auch oft körperlich krank. Manchmal aber beschreiben Menschen diesen Weg als einen (wertvollen) Reifungsprozess.[27]

Wir müssen die 4 Phasen der Trauerarbeit durchlaufen, bis wir uns wieder in einem seelischen und körperlichen Gleichgewicht befinden. Die einzelnen Trauerphasen, die wir durchlaufen, können sich allerdings überlappen, auch zusammenfallen oder sich auch miteinander vermischen.

Darum möchte ich noch eine andere Darstellung vom Durchlaufen der Trauer – phasen beschreiben[28]:

1. Phase der Trauer: Nicht – Wahrhaben – Wollen und Verleugnung

In der ersten Phase der Trauerarbeit wollen wir nicht wahrhaben, dass der uns so sehr am Herzen liegende Mensch gestorben ist und uns verlassen hat. Wir stehen wie unter einem Schock oder bewegen uns wie in Trance.

2. Phase der Trauer: Aufbrechende Gefühle

Wir haben die Hoffnung aufgegeben und verspüren den vollen Schmerz und die Verzweiflung. Wir leiden unter Gefühlsschwankungen, fangen aus heiterem Himmel an zu weinen. Unser Körper ist völlig aus dem Gleichgewicht. Wir können nicht mehr schlafen oder kommen kaum noch aus dem Bett. Wir können nicht ruhig sitzen oder uns kaum noch von der Stelle bewegen. Wir schlingen wahllos Essen in uns hinein oder bekommen keinen Bissen hinunter. Wir haben an nichts mehr Freude. Wir glauben, nie mehr wieder glücklich sein zu können. Wir hadern mit dem Schicksal und fragen uns ‚womit habe ich das verdient?’. Wir fühlen uns erschöpft und antriebslos.

Wir beneiden andere Menschen, die ihren Partner behalten dürfen, reagieren gereizt, wenn uns jemand sein Beileid ausspricht oder uns helfen will. Unsere Gedanken kreisen ununterbrochen darum, was wir nie mehr gemeinsam mit dem verstorbenen Menschen erleben können. Das Leben draußen erscheint uns wie ein Film, an dem wir nicht mehr teilhaben können. Diese Phase ist die schmerzlichste und schwierigste Phase in der Trauerbewältigung.

In dieser Phase des Trauerns ähneln die Symptome der Trauerreaktion der einer Depression.

3. Phase der Trauer: langsame Neuorientierung

So langsam beginnen wir wieder, uns nach außen zu orientieren. Wir können uns zeitweise wieder konzentrieren, uns auch mal an etwas erfreuen. Trauer und Hadern lassen langsam nach und sind nicht mehr so intensiv. Jedoch haben wir noch starke Stimmungsschwankungen. Unser Körper gelangt langsam wieder zu seinem normalen Rhythmus.

4. Phase der Trauer: neues Gleichgewicht

Wir sind zu einem neuen körperlichen und seelischen Gleichgewicht gelangt. Es erfüllt uns bisweilen immer noch mit Wehmut, an die Vergangenheit zu denken, doch wir sehen vertrauensvoll in die Zukunft. Wir werden den verstorbenen Menschen nie ersetzen und vergessen können, aber lenken unseren Blick auf das, was wir jetzt im Leben noch haben können. Wir haben uns eine neue Lebensaufgabe gesucht und uns neue Fähigkeiten zugelegt, die Alltagsaufgaben zu bewältigen. Die Trauerarbeit ist beendet.

Wir durchlaufen bei einer Trauerbewältigung die einzelnen Phasen der Trauer nicht automatisch. In jeder Phase gibt es Menschen, die dort verharren. So sind Ihnen sicher auch schon Menschen begegnet, die nur in der Vergangenheit gelebt haben: ‚Wie schön wäre es, wenn alles noch so wäre wie früher’.

Andere wiederum verbringen den Rest ihres Lebens damit, mit ihrem Los zu hadern: ‚Warum musste mir das passieren?’ Einige Menschen drücken ihre Trauer nicht aus, sondern unterdrücken sie mit Tabletten oder Alkohol, andere reagieren mit körperlichen Beschwerden. Alkohol und Medikamente sind vorübergehend eine Form der Trauerhilfe. Auf Dauer behindern sie jedoch die Trauerarbeit und Trauerbewältigung. Die Zeit alleine ist keine Trauerhilfe und sie erleichtert die Trauerarbeit nicht.

Kommt der Tod in unsere Familie, gibt es gesellschaftliche Regeln, die uns die Trauer erschweren: Wenn ein naher Angehöriger stirbt, wird erwartet, dass wir stark sind und unsere Trauerreaktion nicht über einen bestimmten Zeitraum hinausgeht. Sind wir nach dieser Zeit noch von Leid erfüllt, dann hören wir den Kommentar: ‚Das Leben geht weiter. Du solltest nun schon darüber hinweg sein’. ‚Lass dich nicht so hängen’.

Der Weg durch die Trauer bis zu einem neuen Gleichgewicht dauert bei den meisten Menschen zwischen drei und fünf Jahren. Deshalb ist es zunächst wichtig, zu lernen, Ihre Gefühle zu akzeptieren – auch ‚verrücktes Verhalten’ wie etwa die ganze Nacht das Radio laufen zu lassen, um die Einsamkeit nicht zu verspüren. Ihren Schmerz sollten Sie nicht mit Tabletten, Alkohol oder Süßigkeiten betäuben – oder zumindest nicht länger als vier Wochen. Ein Tagebuch, dem Sie Tag und Nacht all Ihre Verzweiflung anvertrauen können, kann gute Dienste für Sie leisten.

Heute gibt es in manchen Städten auch Gruppen für die Trauerbewältigung, in denen Sie sich mit Menschen, die auch trauern, treffen können. Große grundsätzliche Entscheidungen wie Umzug, Hausverkauf oder Stellenkündigung sollten Sie anfangs ebenfalls vermeiden. Ein Tagesplan, in dem Sie sich kleine Schritte vornehmen, wird Ihnen helfen, zumindest das Nötigste zu regeln. Wichtig ist es auch, die Wochenenden zu planen. Sollten Sie nachts den Wunsch nach einer menschlichen Stimme haben, können Sie die Telefonseelsorge (0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222) vollkommen anonym anrufen.

Die Verarbeitung eines Verlustes ist wie eine Bergbesteigung. Sie müssen unten im Tal beginnen und sich langsam nach oben emporarbeiten, bis Sie wieder eine neue Lebensperspektive erkennen können. Sicher ist, dass Sie Ihren verstorbenen Partner, Angehörigen oder Freund nie vergessen können und werden. Die Erinnerung wird Sie im Laufe der Zeit jedoch nicht mehr so stark schmerzen und Ihre Trauer wird nachlassen“.

Kapitel 3

Leben – Tod, eine unzertrennliche Einheit

Die Frage nach dem Tod ist in unserer Zeit ein Thema über das man nicht oder nicht gerne spricht. Er wird aus unserem Umfeld, unseren Wohnungen und nach Möglichkeit auch aus den Krankenhauszimmern verbannt. Darüber spricht man nicht, man schweigt ihn buchstäblich tot. Jeder Mensch weiß zwar, dass man sterben muss, nur nicht von sich selbst.

Die bewusst im Leben stehenden und denkenden Menschen empfinden sehr häufig, den Tod in seinen vielen, unterschiedlichen Erscheinungsformen und seiner vordergründigen Absolutheit und Unausweichlichkeit, „das Sterben müssen“, als das für den Verstand denkbar verabscheuungswürdigste, was dem Menschen, unabhängig von allen anderen Lebensfaktoren geschieht. Unbestritten bleibt dabei die Tatsache, dass der Tod in manchen, ich nenne sie einfach tragische Situationen, Fällen im Blick auf die Betroffenen durchaus auch als eine „gnädige Erlösung“ angesehen und auch verstanden wird (Evangelisches Kirchengesangbuch von Kurhessen und Waldeck, „Ich bin ein Gast auf Erden, …“, siehe Liedblatt Seite 252 ) Das sich in unserer Welt zunehmend eine Protesthaltung gegen die Abscheulichkeit des Todes und die damit verbundene Zerstörung des Leibes, und das Ende aller Beziehungen in allen Nationen, Schichten und Religionen ausbildet, verdeutlicht der aktuelle, intensive Kampf der Naturwissenschaften gegen den Tod, der bisher nicht verhindert, wohl aber schon hinausgezögert werden kann.

Eine „Lebensverlängerung“, wie sie heute möglich ist, macht aber im Allgemeinen das Sterben und den Tod nur noch qualvoller für den betroffenen Menschen. in seiner Die Ursache des Todes kann sehr wohl eine „natürliche“ sein, was dann heißt, dass er nach Ablauf der genetisch einprogrammierten, begrenzten Zahl von Zellteilungen von selbst eintritt. Der Tod kann aber auch unnatürliche Ursachen haben, ich weise an dieser Stelle nur auf die weltweiten Katastrophen, die schweren, tödlich verlaufenden Unfälle und die erschreckende Zunahme von Gewalttaten mit tödlichem Ausgang hin.

Erstaunlich ist, dass die Erkenntnis, das Sterben und Tod unmittelbar zum Leben gehören, vielen Menschen erst durch die Bücher von Elisabeth Kübler – Ross bewusst geworden ist, beziehungsweise wird. Die „Interviews mit Sterbenden” wurden quasi zur Grundsteinlegung für die inzwischen weltweit tätige Hospizbewegung (Hospizarbeit), die ein „menschlicheres” Sterben als üblich ermöglicht. Dabei spielt nicht nur die Umgebung in der sich der/die Sterbende befindet und auch die emotionale Anteilnahme eine wichtige und entscheidende Rolle, sondern auch die Möglichkeit von intensiven Gesprächen lange Zeit vor dem eigentlichen Sterbegeschehen, sowie dann die ganz enge, menschliche und persönliche Begleitung einerseits und dem damit verbundenen Körperkontakt bis zur letzten Lebenssekunde.

Der Tod ist so gesehen also der Abschluss eines Alterungsprozesses, dem jedes Lebewesen schon von Geburt an in einer unausweichlichen Form unterworfen ist. Das menschliche Leben findet wie auch immer im Tod sein Ende, das alle Lebewesen unseres Planeten mit ihm teilen. Der Tod ist damit also ein genetisch vorprogrammiertes Ereignis, das keine „Hintertür“ hat.

Grenzt man in seinen Überlegungen nun den Mehrzeller vom Einzeller ab, so ergibt sich als Ergebnis daraus, dass der Einzeller unter normalen Bedingungen durchaus tausende von Generationen leben könnte, denn die Einzeller gelten biologisch als „potentiell unsterblich“, weil bei ihrer Zellteilung ein Alterungsprozess bisher nicht erkennbar oder nachweisbar ist.

Der Tod erscheint immer dann bei allem Mehrzellern, sobald sich die Zellen in vielzellige Lebewesen entwickelt haben. Das Altern und Sterben des Menschen beginnt nach dieser Erkenntnis damit bereits mit der Empfängnis, was dann in der Konsequenz bedeutet, dass das Leben bereits den Tod schon mit sich bringt.

Die Hospizbewegung

Der Terminus „Hospiz“ leitet sich vom lateinischen Begriff „hospitum“ – Gastfreundschaft, Herberge, Bewirtung ab.

Hospize waren im Mittelalter von Mönchen errichtete Gebäude zur Übernachtung, vor allem für Reisende und Pilger. Die Pilger sollten dort auf ihren Reisen zu heiligen Stätten Erholung und Ruhe finden. Sie wurden von Mönchen versorgt und mit Essen versorgt; auch Kranke konnten in einem Hospiz Pflege erwarten, wobei klar gesagt werden muss, dass die Betreuung bis zum Tod jedoch selten war (aus dem Begleitheft zum Video „Hospiz – Sterbenden helfen“, Seite 63).

Zur Geschichte der „modernen Hospizbewegung“

1976 eröffnete die Ärztin Cicely Saunders in London das St. Christophers Hospice, das zum Mutterhaus der modernen Hospizbewegung werden sollte. Die dort gewonnen Erfahrungen gaben dem noch jungen medizinischen Gebiet der Schmerztherapie entscheidende Impulse (regelmäßige Gabe von Morphinen, und wenn dringend erforderlich auch niedrig dosierte Opiate nach einem festen Zeitplan: Ziel dieses Zeitplanes war die Vermeidung von toxischen Wirkungen und Abhängigkeit, wie sie infolge akuter Medikation entstehen können).

Neben den eigentlichen Hospizen (in Deutschland zum Beispiel Aachen, München und seit 1994 Stuttgart) richten zunehmend auch medizinischen Kliniken spezielle Palliativstationen ein (Paul – Lechler – Krankenhaus Tübingen, Marienhospital Stuttgart):

- Schmerztherapie,
- Symptomkontrolle,
- Verzicht auf lebensverlängernde Medikamente (typisch: Antibiotika),
- Gesprächsangebote und intensive persönliche Zuwendung,
- Einschränkung der als belastend erfahrenen Elemente des Klinikalltags (Wecken und Mahlzeiten nach Plan, häufig wechselndes Pflegepersonal, strenge Besuchszeiten).

Ebenfalls in den Bereich der Sterbebegleitung gehören die sich neuerdings vielerorts bildenden Sitzwachengruppen: Vor allem von Ehrenamtlichen getragen, zunächst in Alten – und Pflegeheimen, ist eine zunehmende Ausweitung in den ambulanten Bereich zu beobachten.

Die Hospizbewegung sieht das Leben als natürliche Einheit von der Geburt bis zum Tod; sterben stellt in dieser Einheit die letzte Phase des menschlichen Lebens dar. Diese lebensbejahende und nicht konfessionsabhängige Grundidee der Hospizbewegung schließt sowohl die aktive Sterbehilfe (Euthanasie) einerseits, wie auch die passive Sterbehilfe andererseits klar aus. So setzt sich die BAG Hospiz zusammen mit den Landesarbeitsgemeinschaften Hospiz ausdrücklich gegen eine gesetzliche Regelung, die Sterbehilfe ermöglicht ein, und fordert eine stärkere, finanzielle Förderung der ambulanten und stationären Hospizarbeit, sowie der Palliativmedizin. Dabei erfährt die Hospizarbeit inhaltliche Unterstützung von Politik und Krankenkassenverbänden. Ein Zielgedanke der Hospizarbeit lässt sich knapp und klar benennen: Hospize haben die Aufgabe, einem Sterbenden eine lebenswerte Zeit bis zum Tod zu ermöglichen; mit der Formulierung „lebenswerte Zeit“ ist die adäquate Schmerzkontrolle und eine qualifizierte Sterbebegleitung zu verstehen. Dieses Bemühen ist keineswegs eine neue Bewegung, denn sie ist schon im Römischen Reich, also vor 2000 Jahren zu finden. Damals war die Übersetzung von Hospiz, das Wort kommt aus dem Lateinischen und wird von hospitium abgeleitet, was mit den Termini Herberge und Gastfreundschaft übersetzt werden kann. Hier fanden die Kranken, Bedürftige und Sterbende eine betreute Unterkunft, die notwendige Hilfe und auch eine lebensnotwendige Verpflegung. In England gab es im frühen Mittelalter etwa 750 solcher Hospize, in Paris etwa 40 Häuser – „Stätten der Barmherzigkeit“. Nach den Kreuzzügen wurden die Hospize immer mehr von Gasthäusern und Spitälern, Krankenhäusern ersetzt.

Als die Initiatoren dieser neuen Hospizbewegung sind die beiden Persönlichkeiten Lady Dr. Ciceley Saunders[29] aus England und Elisabeth Kübler – Ross, beide im Sommer 2005 verstorben, zu benennen. Für ihre Arbeit und ihr Arbeitsverständnis prägte Lady Dr. Ciceley Saunders einen wunderbaren Satz: „Sie sind wichtig, weil Sie eben Sie sind. Sie sind bis zum letzten Augeblick Ihres Lebens wichtig. Und wir werden alles tun, damit sie nicht nur in Frieden sterben können, sondern auch bis zuletzt leben können“!

Das Grundkonzept der heutigen Hospize geht auf Jeanne Garnier und das Jahr 1842 zurück. Frau Kübler – Ross ist wohl die bedeutendste und bekannteste Sterbeforscherin, die in einer Bahnbrechenden Weise aus der Kommunikation mit Sterbenden ein differenziertes Sterbegeschehen, das in der Regel und nach ihrem Verständnis und Erfahrungen aufgegliedert in 5 Phasen des Sterbens verläuft, anschaulich beschrieben hat.

Derzeitig ist das Bemühen der Mitarbeiter in der neuen Hospizbewegung auf die Adäquatheit der Organisationsformen (Hospize, Palliativstationen oder auch die ambulanten Hospizinitiativen) ausgerichtet.

Das Hospizverständnis von früher bezog sich im Wesentlichen auf ein Gebäude; heute ist daraus eine Idee und eine Bewegung geworden, die in der alltäglichen Umsetzung ein echtes Kraft schöpfen ermöglicht, erforderliche Geborgenheit gibt und menschliche Nähe und Zuwendung hautnah erfahrbar macht. Diese unveränderlichen Grundelemente der Hospizarbeit sorgen heute dafür, dass der Mensch mit seinen Wünschen und Bedürfnissen immer im absoluten Mittelpunkt steht, die Angehörigen gestützt, betreut und entlastet werden; die Hinterbliebenen werden nicht in und mit ihrem Schmerz alleine gelassen, da die betreuenden Menschen auch mit den Diensten des Umfeldes des/der Betroffen zusammenarbeiten. Sie geben damit dem Leben der Sterbenden nicht mehr Tage, aber den Tagen deutlich mehr Leben!

Einige Hintergrundinformation über die Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz e.V. möchte ich an dieser Stelle noch einfügen:

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz wurde 1992 als Dachverband der Hospizbewegung in Deutschland gegründet. Ihre Zielsetzung ist die inhaltliche und politische Weiterentwicklung und – Verbreitung der Hospizarbeit, die Wahrnehmung nationaler und internationaler Vertretungsaufgaben, die Förderung von Kooperation und Koordination der einzelnen Hospizinitiativen, sowie Fortbildungs – und Öffentlichkeitsarbeit im Hospizbereich. Schirmherrin ist frühere Frau Bundesjustizministerin Prof. Dr. Herta Däubler – Gmelin.

Für das einzelne Leben ist der Tod das Ende, eine unbedingte, unüberschreitbare Grenze. Er zeigt sich danach in einem Verwesungsprozess.

Der menschliche Tod unterscheidet sich vom Tod anderer Lebewesen im Wesentlichen dadurch, dass der Mensch in dem Bewusstsein lebt, dass er sterben wird, also jeder von jedem weiß, dass er eines Tages sterben wird. Wir gehen klar in unserem Denken und Handeln davon aus, dass wir ihm nicht entgehen können, sondern ihm unweigerlich und unvermeidbar entgegen gehen.

Der Tod ist aber nicht nur ein leiblicher Tod, sondern auch ein Tod, der jegliche Leibhaftigkeit ereilt. Dem steht die dualistische Theorie der Trennung von Leib und Seele entgegen, nach der die Seele weiter lebt; auch die parapsychologischen Phänomene können das existentielle Wissen um die Totalität des Todes nicht entkräften. Der Tod macht damit unmissverständlich deutlich, dass unser Leben ein Leben auf Endlichkeit und Begrenztheit ist, das so auf alle anderen Lebewesen direkt übertragen werden kann.

Der Tod ist also nicht unbedingt definierbar[30], aber noch viel weniger definierbar ist der genaue Zeitpunkt seines Eintritts. Die Französische medizinische Akademie definiert den Tod so: Danach darf ein Arzt einen Menschen für tot erklären, wenn die Gehirnfunktion völlig erloschen ist. Heinz Angstwurm[31] argumentiert bei der Frage nach dem Hirntod so, dass er sagt, dass das gesamte Gehirn beim Hirntod trotz intensiver, einschließlich einer maschinellen Behandlung abgestorben ist. Damit ist die notwendige und unersetzliche Grundlage für das verlorenen gegangen, was auf Erden am Menschen Geist, Person und Seele ist.

Früher galten der Atem – und Herzstillstand als Tod. Heute ist zu diesem Zeitpunkt eine Reanimation möglich. So kann man die vegetativen Funktionen nach einem Hirntod apparativ noch „lange“ aufrechterhalten, obwohl der Mensch schon „lange“ tot ist.

In der Transplantationsmedizin geht man heute davon aus, dass der Ausfall der Hirnströme, der durch das EEG nachgewiesen wird, zum Hirntod führt (Großhirn und Hirnstamm). An dieser Stelle setzt die Transplantationsmedizin an, die nach dem biologischen Tod, dem Hirntod, die Funktion der Organe durch einen apparativen Einsatz erhalten aufrecht kann, und die Organe des/der Verstorbenen dadurch in der Folge erhalten und auch verpflanzt werden können.

Die Problemlage „Tod“

So sehr auch alle menschlichen Gemeinschaften die Grunderfahrung des Todes teilen, so unterschiedlich sind jedoch die Antworten, die sie in ihrem Denken und ihren Gebräuchen (Totenkult, Totenverehrung) auf die Macht des Todes geben. Sie reichen sie von der selbstverständlichen Gewissheit der Gegenwart der Toten ausgehend (sogenannte Ahnenverehrung, Dämonen), über die Vorbereitung für die Reise der Verstorbenen in ihre neue Seinsweise, bis hin zu einer Hoffnung auf Erlösung aus dem Kreislauf immer neuer Leben. Diese vielseitigen Interpretationen und Verständnisse des persönlichen Verhältnisses zum Tod, die auch innerhalb einer Gesellschaft oder Religion erscheinen können, lassen deshalb keine bündige Systematisierung zu; ebenso ist auch die Annahme einer Entwicklungslinie von „primitiven“ hin zu „höheren“ Auffassungen vom Tod (Evolution, Animismus) untauglich. In den verschiedenen Riten (Ritus) und Auffassungen vom Tod drückt sich ein Wissen über das Leben aus, das unser eigenes Verhältnis zum Leben und zum Tod unbedingt bereichern kann und zum Teil in der christlichen Tradition, in dem mit der Tod und das Begräbnis verbundenen Brauchtum aufbewahrt ist.

Die biblische Betrachtung

Für das biblische Verständnis des Todes ist kennzeichnend, dass die in ihrer Umwelt vorzufindenden Auffassungen des Todes nicht aufgenommen und assimiliert werden: Weder der sehr differenzierte und entfaltete Ägyptische Totenglaube (Ägyptische Religion) auf der einen Seite, noch die Riten Kanaans auf der anderen Seite werden für das Altes Testament relevant; ganz im Gegenteil, denn es erscheinen alle auf den Tod bezogenen Spekulationen und Praktiken, die für die Umwelt von größter religiöser Bedeutung sind, als mit dem Jahwe – Glauben absolut unvereinbar. Die Klassifikation der Berührung mit Toten oder Gräbern als unrein (Kultische Reinheit) sichert auf diese Weise gegen jede mit dem Tod verbundene magische (Magie) Praxis oder rituelle Verehrung ab. Die Erzählung vom Besuch Samuels bei der Totenbeschwörerin (1. Buch Samuel, Kapitel 28) ist weniger ein Nachweis für den Glauben an Totengeister, als vielmehr das strikte Verbot mit dem Hinweis auf die Nutzlosigkeit einer Kontaktaufnahme. Das Desinteresse an den Gräbern der Großen der Geschichte Israels (5. Buch Mose, Kapitel 34, Vers 6; 1. Buch Könige, Kapitel 2, Vers 10) dokumentiert die Abweisung jeder religiösen Überbewertung des Todes. Einer religiösen Entwertung entspricht dagegen die nüchterne Wahrnehmung des Todes, die seine Härte und Grausamkeit in keiner Weise beschönigt, den Tod aber als die mit der Kreatürlichkeit gegebene Grenze des Lebens sehr wohl annehmen kann, wobei jede Verschlechterung des Lebens wie die Krankheit (Gesundheit und Krankheit), als eine Schwachheit als Tod wahrgenommen werden kann.

Das Altes Testament beschäftigt sich mit dem Tod nur sekundär; Jahwe wird als Herr des Lebens erfahren und darum auch als Herr des Todes gesehen und verstanden. Da das Alte Testament Jahwe zentral als Geber des Lebens und seiner Gaben versteht, erscheint der Tod als der Bereich, in dem die Gemeinschaft mit Jahwe erlischt, wie umgekehrt der tiefste Schrecken des Todes in dem Verlust der Jahwe – Gemeinschaft besteht (Psalm 88, Vers 6). So kann der Tod auch als Folge der Sünde nach Prediger, Kapitel 7, Vers 17 – 19 und als Strafe Gottes aufgefasst werden. Die Frage sowohl nach dem Zustand wie auch nach einem Leben nach dem Tod ist für das Altes Testament von wenig Bedeutung. Die verstreuten Aussagen zu einem möglichen Totenreich (Sheol; Hölle) lassen keine Systematisierung zu. Der Tod als unwiderrufliches Ende des Lebens wird erst dann zum Problem, wenn Gottes Gerechtigkeit angesichts des Wohlergehens der Gottlosen und der Not der Gerechten in Frage gestellt wird. Die endgültige Vernichtung des Todes als den letzten Sieg Gottes und die damit verbundene Auferstehung der Menschen zum Gericht und einem möglichen Ergebnis das ewigen Leben zu erreichen, finden sich eindeutig erst im Buch Daniel Kapitel 12, Vers 2.

Da das Neue Testament um das Kreuz und die Auferstehung Jesu Christi als dem zentralen Mittelpunkt ausgerichtet ist, ist im in der Folge das theologische Verständnis des Todes auch von dem österlichen Sieg über den Tod (Ostern) bestimmt und deutlich geprägt. Ist der Tod Jesu also ein unvergleichliches Geschehen zu verstehen, dann erscheint doch gerade durch die Heilsbedeutung des Kreuzes (Soteriologie) auch der Tod eines jeden Menschen in einem neuen und veränderten Licht.

Das Verständnis des Todes verläuft im Altes Testament in vorgezeichneten Bahnen, die überall dort umgewandelte werden, wo das vom Evangelium, dem Neuen Testament her notwendig wird, beziehungsweise erscheint. Das Neue Testament kann dabei an den spät – alttestamentlichen und den jüdisch – theologischen Entwicklungen und Motiven anknüpfen. Griechische (Hellenistische) Einflüsse sind dabei äußerst gering und deshalb nur unbedeutend wirksam geworden; so wird der Tod als solcher nicht heroisiert; der Gedanke daran, dass der Mensch eine eigene, unsterbliche Seele hat ist sowohl dem Neuen Testament wie auch dem Altes Testament in dieser Form fremd.

Die theologischen Reflexionen zum Tod im Neuen Testament sind eindeutig soteriologisch begründet, da ausschließlich in der Auferstehung Jesu Christi von den Toten das Heil geschehen und damit auch darin begründet ist. Dabei wird aber der Tod Jesu aber in keiner Weise keineswegs als ein Vorbild für das Sterben verstanden; ganz im Gegenteil wird dadurch die Frucht des Sterbens Jesu den Menschen zuteil. Das Wesen dieser Frucht des Lebens ist der Kerngedanke im Blick auf die neutestamentliche Theologie des Todes. Um das Ganze greifbar und verstehbar zu machen greift Paulus das Motiv/Bild des Todes als Folge der Sünde Adams im Römerbrief, Kapitel 5, Vers 12 – 21 auf und bezeichnet den Tod dann in der Fortführung im Römerbrief, Kapitel 6, Vers 23 als „der Sünde Sold“, der dann der Gabe des ewigen Lebens (aus Gnade) gegenübergestellt wird.

Die Rechtfertigung und die Überwindung des Todes sind damit unmittelbar verbunden. Aus dieser Sichtweise heraus kann deshalb das Neue Testament dann auch die Abkehr von Gott als den Tod verstehen und im Gegenteil, der Umkehr zu Gott als die Wiedergeburt beschrieben und verstanden werden. Damit verbindet sich aber in keiner Weise eine Verdrängung des leiblichen Todes, noch wird noch die Auferstehung dadurch spiritualisiert; ganz im Gegenteil, denn die Hoffnung auf die eschatologische (Eschatologie) Überwindung des Todes als des letzten Feindes (1. Korintherbrief, Kapitel 15, Vers 26) gehört untrennbar zum neuen Leben. Damit wird dann die Herrlichkeit Gottes unmissverständlich offenbar, dem Gott, der das Leiden aller Zeiten (Zeit und Ewigkeit) überwunden (Offenbarung, Kapitel 21, Vers 5) hat.

Das philosophische Denken über den Tod war lange Zeit durch Platon (427 – 347; Platonismus) bestimmt, der den Tod als Trennung von Leib und unsterblicher Seele verstand und auch deutet. Diese Vorstellung wurde gerade in ihrer Rezeption (Annahme) durch die christliche Theologie zu einem maßgebenden Leitgedanken des Denkens über den Tod schlechthin. Der Tod wird bei Platon im Zusammenhang mit den griechischen Mysterien als eine Befreiung gesehen, da die intelligible (erkennbare) Seele, die den Menschen erst zum Menschen macht, vom Körper des Menschen an ihrem Aufstieg gehindert wird.

Dieser Gedanke kommt in der Gnosis (Erkenntnis) zur Geltung; er wird jedoch wegen seines esoterischen Charakters (Esoterik), der die Erfahrung des Todes negiert (verneint), und in der christlichen Theologie nur unwesentlich zum Tragen, da er zum Schöpfungsglauben (Schöpfung) in deutlichem Widerspruch steht.

Der Dualismus von Leib und Seele wird bei Descartes (1596 – 1650; Cartesianismus) wieder erneuert; der Tod ist bei ihm nur als das Ende der Körper – Maschine zu verstehen. Bei Descartes wird auch das neuzeitliche Bestreben manifestiert, den Tod mit den Mitteln von Erkenntnis und Wissen(schaft) zu besiegen (Neuzeit). Kant (1724 – 1804; Kantianismus), der die Beweise für die Unsterblichkeit widerlegt (Gottesbeweis), postuliert sie aber gleichzeitig als einen unverzichtbaren Bestandteil der Vernunft an, da der Tod die Verhältnismäßigkeit von Moralität und Glückseligkeit zerstört. Im Idealismus kann der Tod durchaus als eine Aufhebung des Individuums in die Unendlichkeit des Geistes verstanden werden.

Erst mit Heidegger (1889 – 1976) tritt eine Wende im philosophischen Denken ein, die von Schopenhauer (1788 – 1860) und Kierkegaard (1813 – 1855) über den Tod eingeleitet wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde der Tod als etwas Ungültiges angesehen das die Vernichtung allen Sinns nach sich zog. Nach Heidegger findet das Dasein seine Eigentlichkeit erst im Blick auf den Tod. Gegen diese Aufwertung des Todes zur Bedingung eigentlichen Lebens protestiert der französische Existentialismus (Existenzphilosophie), der in der Todesverfallenheit des Lebens Absurdität des Todes begründet sieht, wie auch die Kritische Theorie, die jeden Versuch, dem Tod einen Sinn abzugewinnen, nach dem Holocaust als zynisch ansieht. Gegen den unerträglichen Gedanken, dass die Vernichtung der Opfer das letzte Wort hätte, insistiert die Negative Dialektik Adornos (1903 – 1969) auf der Hoffnung einer leibhaften Auferstehung, ohne dabei deren jüdisch – christlich Voraussetzungen übernehmen zu können.

Der Tod selbst ist aber kein eigenes Thema der Dogmatik oder Gegenstand des Bekenntnisses; seine theologische Relevanz hat er in seinen Zusammen –hängen:

- Sünde und Tod,
- Jüngstes Gericht und Tod,
- Tod und Auferstehung.

Daraus ergibt sich dann die Erkenntnis, dass der Tod Trost gibt sowohl im Leben wie auch im Sterben. Eine Verdrängung des Todes ist aus diesem Grund ebenso wenig sinnvoll und angebracht wie seine Verherrlichung; nur der Glaube, er allein kann den Tod als Ende dieses Lebens annehmen und verlangt darum auch nach einer menschlichen Gestalt des Sterbens (ars moriendi, Sterbebegleitung, Euthanasie, Sterbehilfe).

Die Lehrunterschiede der beiden großen Konfessionen nehmen im Wesentlichen auf die Frage nach dem Zustand nach dem Tode sowie der Unsterblichkeit der Seele Bezug, die in der orthodoxen und römisch – katholischen Theologie fester Bestandteil sind und dementsprechend vertreten werden, in der neueren, protestantischen Dogmatik dagegen klar in Frage gestellt, beziehungsweise bestritten wird. Die Unterschiede werden aber insofern relativiert, da sowohl in der Orthodoxie und ihrer Lehre, ebenso wie die römisch – katholischen Lehre (Römisch – Katholischen Kirche) betont wird, dass die Unsterblichkeit der Seele nicht der menschlichen Natur innewohnt, sondern Frucht des Heilswerks Christi ist.

Der Protest gegen die Lehre von der unsterblichen Seele ist aber auch in der Abwehr einer Verharmlosung des Todes begründet. Krieg weltweit, Völkermord in den unterschiedlichsten Ländern auf dieser Erde und Umweltzerstörung, das zu einem ökologischen Ungleichgewicht und großen Probleme unserer Ökologie führt auf der einen Seite, aber auch das individuelle Erleben der Trauer um Verstorbene in unserem nahen, näheren oder auch weiteren Umfeldes, lassen jeden Versuch den Tod aus dem Leben zu verdrängen schon fast als illegitim (unrechtmäßig) erscheinen. Bei einer genaueren Betrachtung der anthropo – logischen Voraussetzungen bei der Lehre von der unsterblichen Seele sind ebenso problematisch, da die Einsicht in die wesentliche Leiblichkeit des Lebens, die Lebensdauer einer Seele, die keine leiblichen und kommunikativen Bezüge mehr zum Menschen aufweist, schlicht undenkbar erscheinen lässt (Anthropologie, Kommunikation).

Es ist deshalb theologisch sicherlich sinnvoll, nicht zuviel über den Tod und den menschlichen Zustand nach dem Tod zu sagen. Der christlich Trost, der angesichts des Todes ausgesprochen wird, kann also weder Erklärung noch eine Lehre sein; der christliche Trost ist die Gewissheit in der Zusage der Verheißung in der Heiligen Schrift, dass, so drückt es Paulus im Römerbrief, Kapitel 8, Vers 38f aus, „weder Tod noch Leben uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist“. Im „Bewusstsein“ und Handeln unseres Gottes, der Jesus Christus von den Toten auferweckt hat, bleibt das irdische Leben behütet und wird in ein Leben in seiner Ewigkeit gewandelt.

Das Sterben sollte nicht zum tötenden Einschläfern verunstaltet werden

Als autonome Menschen in der Schöpfung von Gott in dieses Leben gestellt, können wir uns natürlich auch in der Wahl der Mittel vergreifen, mögliche, heilsame und auch angemessene Grenzen sprengen, „Dammbrüche auslösen und selbst unser ureigenes Thema Sterben verpassen, indem wir es schlichtweg zum Töten und Einschläfern umgestalten. Wenn vielleicht auch vordergründig nicht unbedingt beabsichtigt und doch heftig bestritten, kann und darf sich mit der angestrebten „Enttabuisierung nicht doch wieder das Tor zum Morden öffnen, durch das alle die Menschen geschickt werden, die scheinbar ohne jede Würde sind, die es augenscheinlich allein zu retten gilt; gemeint sind an dieser Stelle alle die Menschen, die von „erniedrigtem, weil bloß „biologischem, „vermindertem Menschsein geprägt zu sein scheinen:

- Geistig – Schwerstbehinderte,
- Alzheimer Patienten,
- „zerstörte Lebendige, abständig – „nur – vegetierende“,
- „nur – biologisch Wesende“,
- Sprachlos – Gewordene?

Warum sollte ihnen nicht den „Gnadentod einräumen, wenn man diesen für sich – im Bedarfsfall – in Anspruch nehmen will?“

Der Mensch, der Herr über Leben und Tod!?

Kapitel 4

Der Tod und die Bestattung in anderen Kulturen und Religionen

Der Tod in den Weltreligionen und Weltkulturen

Zu und in allen Zeiten, in allen Gegenden, sowie bei allen Völkern wurden die Toten ehrfürchtig behandelt und in Begleitung der Gemeinschaft, in der sie gelebt haben zu ihrer „letzten“ Ruhestätte gebracht.

Dr. Doris Wolf nimmt zu diesem Thema wie folgt Stellung: „Ganz anders gehen außereuropäische Völker mit dem Tod um. All das, was wir in unserem Körper während der Trauer erleben, aber in unserer Gesellschaft kaum ausdrücken dürfen, ist dort gestattet oder wird sogar erwartet: zu klagen und zu weinen, nicht zu arbeiten, nicht zu schlafen, nicht zu essen, sich von anderen Menschen zurückzuziehen, sein Äußeres zu vernachlässigen. Rituale helfen den Betroffenen, ihre Trauer auf sozial anerkannte Weise zum Ausdruck zu bringen, so dass die normale Trauerreaktion nicht in eine Depression mündet“.

Ein Blick in andere Kulturen und Kulturkreise zeigt, dass bei den Ägyptern die Toten besonders ehrfürchtig behandelte wurden, weil man glaubte, dass die Lebenskraft der/des Verstorbenen im Leichnam weiterlebte. Aus diesem Grund versuchte man, die Leiche vor dem organischen Verfall zu schützen und versorgte den Toten mit Hausgerät und Nahrung. Nach ihrem Glaubensverständnis reisen die Toten in einem Sonnenboot[32] in den Himmel empor, zum Sonnengott. Dort müssen Verstorbene vor einen Richter treten.

Eine Waage entscheidet über deren Schicksal. In der einen Waagschale liegt ein Bildnis der Wahrheitsgöttin, in die Waagschale wird das Herz der/des Toten gelegt. Nur dem/der Verstorbenen wird unsterbliches Leben bei den Göttern zuteil, der/die in seinem/ihrem Leben auf Erden gut war. Ein göttlicher Gerichtsschreiber protokolliert das Ergebnis. Für den/die Böse/n gibt es keinen Ort der Strafe wie ihn aus anderen Religionen und Kulturen kennen, aber diese Verstorbenen sterben nun den zweiten, den endgültigen Tod.

Nach dem Verständnis bei den Germanen gehörte der Mensch/Mann, der jung und als Krieger auf dem Schlachtfeld starb, zu den tapfersten Helden überhaupt. Er war von seinem Gott Odin erwählt worden, und zum Lohn für sein Tun erwartete ihn die Unsterblichkeit in Walhalla („Saal der in der Schlacht Gefallenen“). Nach dem Glaubensverständnis der Germanen erwartete diese Helden nun nach einem frühen Tod ein doch fröhliches Leben. Die anderen Menschen dagegen wurden der Unterwelt übergeben; sie kamen in das Reich der dunklen Göttin Hel[33]. Das Land der Lebenden wurde vom Totenreich durch einen Fluss getrennt. Der Eingang des Totenreiches wurde von einer Wächterin bewacht, sodass niemand dieses Reich der Stille und des Todes wieder verlassen konnte.

Im Hinduismus dagegen wird der Tod nicht als das Ende, sondern als ein Übergang in einen anderen Daseinszustand verstanden. Auf die Bestattung folgt die etwa 13 – tägige Trauerzeit. Die Familie des Verstorbenen gilt in dieser Zeit als unrein. Neben den rituellen Bädern ist es auch üblich, dass männliche Angehörige (besonders die Söhne) sich am zehnten Tag den Kopf rasieren lassen.

Die Angehörigen dürfen in der Trauerzeit ihren Gefühlen absolut freien Lauf lassen, aber sie dürfen nicht an den religiösen Zeremonien die außerhalb des Todes liegen teilnehmen. Auch gewisse Lebensmittel, wie beispielsweise Süßigkeiten, sind ihnen absolut nicht erlaubt. Durch diese Maßnahmen soll im hinduistischen Glaubensverständnis sichergestellt werden, dass die Seele des Verstorbenen völlig ungehindert zu ihrer neuen Form aufsteigen kann.

Gebräuchlich ist das – tatsächliche oder auch symbolische – Spenden einer Kuh. Die traditionelle Trauerfarbe ist Weiß. Personen, die dem Verstorbenen oder auch den Angehörigen nahe stehen, kondolieren persönlich und bringen Blumen, die dem/der Toten, falls er/sie im häuslichen Bereich aufgebahrt ist, zu Füßen gelegt werden; entfernte Bekannte schicken Blumen und je nach Nähe zu dem/der Verstorbenen eventuell auch noch eine Karte. Am dem Tag, an dem sich der Todestag zum ersten Mal jährt, wird die Shraddha – Zeremonie durchgeführt, bei der die Trauernden Gott und dem/der Verstorbenen eine Opferspeise bringen (Antyeshti: Funeral Rites; Sharing in another’s grief; The Journey of a Lifebody; In Action – Seven days in the quake zone).

Die Hindu verehren eine Vielzahl von Göttern. Doch sagen sie: Es gibt einen Gott, der ihnen in Allem nahe ist. Nach diesem Gott sehnen sich die Hindu Mit ihm wollen sie unbedingt vereinigt werden. Sie glauben, dass sie zuvor erst einmal viele Male wiedergeboren werden müssen. Des Weiteren sind sie auch davon überzeugt, dass sie früher schon einmal gelebt haben, bereits ein oder mehrer andere Leben hatten. Der jeweilige Lebenswandel, den ein Hindu führt, also ob er/sie in seinem/ihrem Leben Gutes oder Böses getan hat, entscheidet sich, ob sie nach ihrem Tod wieder ein Mensch oder ein Tier, arm oder reich sein werden. Hindu glauben, dass ihre Seele solange wandert und wiedergeboren wird, bis sie gut genug ist, um endlich bei Gott zu sein. Dann erst ist sie erlöst.

Nach dem Tod wird der Leichnam eines Hindu auf einer Bahre zu einem Verbrennungsplatz getragen. Dort wird der Scheiterhaufen errichtet und der unbekleidete Körper darauf gelegt. An dieser Stelle kommt die Glaubensüberzeugung zum Tragen, dass der Mensch die Welt so nackt verlassen muss, wie er sie bei seiner Geburt betreten hat. Später werden dann die Gebeine des Eingeäscherten in einer Urne gesammelt und beigesetzt.

In jedem hinduistischen Haus wird am 8. Tag jeden Monats mit einem Trankopfer der Verstorbenen gedacht.

Auch in China gilt der Tod traditionell nicht als das Ende, sondern als Übergang der Seele in ein ewiges Dasein. Der älteste Sohn der Familie des Verstorbenen hat, weil er ja den Fortbestand der Familienlinie garantiert, auch bei den Trauersitten eine klare Schlüsselfunktion. Er ist es, der persönlich von Haus zu Haus geht und dabei nieder kniend die Todesnachricht den Nachbarn und Angehörigen übermittelt. Es ist dabei üblich und wird auch vor dem Überbringer der Nachricht und seiner Familie beim Erhalt einer Todesnachricht und während der Trauer, bei der lautes Weinen und Wehklagen zu vernehmen ist, auch dann, wenn man nicht wirklich traurig ist. Das gilt besonders für den ältesten Sohn. Unüblich dagegen ist es, über seine persönliche Trauer zu sprechen; viel über Gefühle zu sprechen, gilt in China schon traditionell schon als ungesund.

Der Sarg mit dem Verstorbenen wird streng nach der Tradition im Haus oder auch im Innenhof des Hauses der Angehörigen zu einer mindestens eine Woche andauernden Totenwache aufgebahrt; die Angehörigen dürfen in dieser Zeit weder irgendwelchen Schmuck, noch rote Kleidung tragen. Kinder und Schwiegertöchter – von denen erwartet wird, dass ihre Trauer am größten ist – tragen Schwarz und eine Haube aus Sacktuch, die Enkel tragen Blau und die Urgroßenkel Hellblau. Schwiegersöhne werden als Außenstehende angesehen und dürfen deshalb auch hellere Farben tragen. Blutsverwandte und Schwiegertöchter haben während der gesamten Totenwache laut zu weinen und zu wehklagen.

Nach der Bestattung beginnt eine traditionell 100 Tage andauernde Trauerzeit. Um die persönliche Trauer deutlich anzuzeigen, tragen die Angehörigen in dieser Zeit immer ein Stück farbigen Stoff am Ärmel: Die Kinder tragen dabei die Farbe schwarz, die Enkelkinder ein blaues Stückchen Stoff und die Großenkel tragen die Farbe Grün. In den sehr traditionsbewussten Familien ist es nichts ungewöhnliches, dass diese farbigen Stoffstücke bis zu drei Jahre lang dieses Stückchen Stoff an ihrem Ärmel tragen.

In den ersten 49 Tagen gilt für die direkten Nachkommen des/der Verstorbenen, dass sie ihr Haar nicht schneiden lassen dürfen. Besondere Regeln gelten auch in dieser Zeit für den ältesten Sohn der Familie, der die ersten sechs Monaten nach der Bestattung weder die Farbe Rot tragen darf, noch eine Heirat möglich ist. Das „ungeschriebene Gesetz“ der Trauerzeit ist nur bei einem Tod eines hochrangigen Familienmitgliedes gültig; bei dem Tod ein Kind oder einer Ehefrau, kann sie auch ganz entfallen.

Eine weitere chinesische Besonderheit ist das alljährliche Qingming – Fest, ein Totengedenkfest, bei dem den bestatteten Verstorbenen Blumen und Geschenke gebracht werden. (Chinese Funeral Customs Multicultural Interview – Grief in the Chinese Culture; Chinese Beliefs)

Religion und die Mythologie sind wohl in kaum einem anderen Bereich so stark ineinander verwoben, beziehungsweise verbunden, wie in der Erfahrung mit dem Tod. Begräbnisriten, wie auch immer sie sich gestalten und praktiziert werden sind und bleiben immer Versuche, für den/die Verstorbenen den Übergang in das Jenseits deutlich zu erleichtern oder aber auch überhaupt erst ermöglich zu machen.

Daraus ergibt die Folgerung, dass alle Bestattungsrituale, die alle erst nach dem Sterben zum Tragen kommen, zwei Aspekte, beziehungsweise Interpretationen beinhalten und so verstanden werden können:

1. als Hilfeleistung für den Verstorbenen auf seiner Reise nach dem Tod, und
2. als Abschiedsritual.

Constantin von Barloewen[34] sagt dazu, dass „der Tod ist eine der wenigen universalen Erfahrungen menschlicher Existenz. Er verkörpert das unausweichliche Ereignis im menschlichen Leben. Gleichzeitig ist das Wesen des Todes in ein tiefes Geheimnis gehüllt. Seit der Vor – und Frühgeschichte hat der Tatbestand, dass die Menschen sterben, die menschliche Einbildungskraft angeregt und in der Mythologie, der Religion und der Philosophie in den verschiedenen Kulturen auf sehr unterschiedliche Weise Ausdruck gefunden.

Der Tod kann auf vielerlei Weisen erfahren werden, sie reichen von tiefem Schreckensgefühl bis zur ekstatischen Verzückung. In den meisten nichtwestlichen Kulturen herrschen religiöse und weltanschauliche Werte vor, rituelle Praktiken, soziale Strukturen, die es den Menschen erleichtern, den Tod zu erfahren und ihn als existentiellen Tatbestand anzunehmen. Grundsätzlich betrachten diese Kulturen den Tod nicht als das völlige Ende der Existenz, vielmehr glauben sie, dass Bewusstsein oder Geist oder auch das Leben in einer anderen Form über den Grad des physiologischen Endes hinaus andauert.

Ein besonderer Aspekt des Glaubens an die Fortdauer der Existenz nach dem Tod ist der Gedanke der Reinkarnation. Dieser Glaube an die Wiedergeburt kommt in so unterschiedlichen Kulturen und Religionen vor wie in den Philosophien und Religionen Indiens, den Kosmologien verschiedener nordamerikanischer Indianerkulturen, der platonischen und neuplatonischen Philosophie, der Orphik und weiterer Mysterienreligionen des alten Griechenlands sowie im frühen Christentum, im Hinduismus und im Buddhismus. Dort ist der Glaube mit dem Gesetz des Karmas verbunden, wonach die Qualität der persönlichen Inkarnation jeweils durch die Verdienste und Schuldposten der Person im vergangenen Leben definiert wird. Der Vorgang des Sterbens wird noch wichtiger als das Leben selbst.

In anderen Religionen wird das Leben selbst als ein Zustand der Trennung erfahren, der Tod hingegen bedeutet Wiedervereinigung, Befreiung, Heimkehr. Für die Hindu etwa verkörpert der Tod ein Erwachen aus einer Welt der Täuschung und eine Möglichkeit für das Selbst (jiva), seine göttliche Natur (Atman – Brahman) aufleuchten zu lassen. In der buddhistischen Lehre ist das Leiden ein untrennbarer Bestandteil der irdisch – biologischen Existenz. Das Ziel des geistigen Lebens kann bestimmt werden, indem das Feuer des Lebens ausgelöscht wird und der Turnus aus Tod und Wiedergeburt verlassen wird. Es mag sogar angehen, dass in manchen Kulturen das Sterben ein Aufrücken in der sozialen oder kosmologischen Hierarchie darstellt, gleichsam ein Hinauf in der Hierarchie der Ahnen, der mächtigen Geister oder der Halbgötter.

In anderen Kulturen bedeutet das Sterben einen Übergang in eine selige Existenz in einem Sonnenreich oder den Schutz der Götter. Sehr häufig erscheint das Leben nach dem Tod als zweigegliedert. Es tauchen Höllen und Fegefeuer, aber auch Himmel und Paradiese auf. Auf der posthumen Reise der Seele mit Ziel auf ein erstrebenswertes Dasein werden die verschiedenartigsten Prüfungen abverlangt. Es ist für die Vollbringung der Reise unverzichtbar, dass man mit der Geographie und den Regeln der anderen Welt auf gutem Fuße steht. Jene Kulturen, die an ein Leben nach dem Tod glauben, fordern vielschichtige Prozeduren, die das Individuum mit dem Tod vertraut machen.

Eine wirkungsträchtige symbolische Begegnung mit dem Tod gab es durch rituelle Handlungen in allen Zeitstufen und Kulturen. Bei Tempelinitiationen, in den Mysterienreligionen und Geheimgesellschaften wie auch in den unterschiedlichen ekstatischen Religionen wird die Begegnung mit dem Tod zum entscheidenden Ereignis der Durchgangsriten (rites de passage). Solche Erfahrungen des symbolischen Todes leiten nicht nur zu der Einsicht in die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens, sondern auch zu der Erleuchtung durch das transzendente, spirituelle und ewige menschliche Bewusstsein. Auf einer symbolischen Ebene wird die Begegnung mit dem Tod durch spirituelle Praktiken erlebt. Hierfür gibt es viele Beispiele: das Tibetische Totenbuch (Bardo Thoedol), die Sammlung von Bestattungstexten, die unter dem Begriff des Ägyptischen Totenbuches (Pert Em Hru) zusammengefasst sind, sowie die Literatur des Mittelalters, welche die Kunst des Sterbens beschreibt (Ars – Moriendi).

In vielen schriftlosen Kulturen ist die intime menschliche Gemeinschaft der Raum, in dem der sterbende Mensch ein Zuhause findet. Die Sippe, der Stamm oder die Familie ist wichtiger als die selbständige Persönlichkeit des einzelnen. Hier wird der Verlust der Individualität beim Sterben weniger schmerzhaft erfahren als in den Kulturen, in denen die Betonung des Ichs sehr ausgeprägt ist.

Die christliche Tradition kennt zwei unterschiedliche Arten, den Himmel darzustellen. In der einen Variante wird eine theologische und metaphysische Vorstellung vom Himmel gespiegelt, die einen Zustand wiedergibt, in dem Scharen von Heiligen und Engeln sich eines Gottes erfreuen, der in der Versenkung seiner Existenz erlebt wird. Die hiermit verbundene Symbolik verknüpft die hebräische Vision konzentrischer Sphären mit dem Gedanken der spirituellen Reise nach dem Tod. Die andere Variante spricht von den Mythen des goldenen Zeitalters und vom Garten Eden als den Ursprüngen der Idee des Paradieses oder des Gartens der Liebe. Hierbei kennt die Symbolik Elemente einer ursprünglichen Natur, Mauern aus Gold und Straßen, die mit Smaragden gepflastert sind.

Im Koran hat das Paradies die Gestalt einer blühenden Oase mit Gärten, Flüssen und wuchernden Bäumen. Auf den Sofas liegen die Männer in ihren seidenen Kleidern und freuen sich an Früchten und Wein. Nach Befriedigung der Sexualität kehren die Frauen gleichsam wieder in den Stand der Jungfräulichkeit zurück.

Die Griechen des Altertums sprachen von den Inseln der Seligen, vom Elysium, das am Ende der Welt über den Wassern des Atlantiks verborgen ist. Die orphischen Mystiker, durch die eine Lehre von der Erlösung als Befreiung von der Materie und den irdischen Bindungen gelehrt wurde, erkannten in den elysischen Gefilden eine heitere Ruhestatt reiner Geister, die zunächst in einer Unterwelt von seltsamer Helligkeit, später in den höheren Regionen des Himmels verborgen war.

In der aztekischen Kultur können drei verschiedene Paradiese unterschieden werden, in denen die Seele nach dem Tod Eingang findet. Das unterste und erste dieser Paradiese,

- Tlalocan, ist ein Land von Wasser und Nebel, ein Ort des Überflusses, der Heiterkeit und der Seligkeit. Das dort erlebte Glück ist von sehr irdischer Art. Die Toten johlen Lieder und Gesänge, spielen Bockspringen und jagen buntgefleckte Schmetterlinge. An den Bäumen hängen Früchte, und das Land ist überladen mit Mais, Kürbissen, Paprika, Tomaten, Bohnen und einer Vielzahl blühender Blumen.
- Tlillan – Tlopallan verkörpert das Paradies der Eingeweihten, der Jünger von Quetzalcoatl, dem Gottkönig, der für die Wiedergeburt stand. Es wird das Land der Fleischlosen genannt, es ist der Fluchtpunkt für diejenigen, die gelernt haben, außerhalb ihres physischen Leibes und ohne Bindung an ihn zu existieren.
- Tonatiuhichan ist das höchste Paradies, das „Haus der Sonne“. Hier in diesem Paradies leben jene, die volle Erleuchtung erlangt haben. Sie verkörpern die Privilegierten, die als tägliche Gefährten der Sonne auserkoren sind und dem Leben völlig entrückt sind.

Die Griechen stellten sich vor, dass sie nach ihrem Tod als Schatten in der Unterwelt weiterleben würden. Zuerst musste der Tote dort den schwarzen Fluss Styx überqueren. Man legte den Verstorbenen oft ein Geldstück in den Mund als Wegegeld für Charon, den Fährmann. Dann trank der Tote vom Wasser des Flusses Lehte („Vergessen“). Von da an konnte er sich an nichts mehr erinnern, weder an Glück und Freude seines Lebens noch an Sorge und Leid. Vor dem Eingang zum Totenreich wachte der Höllenhund Zerberus. Er ließ jeden ein, verwehrte aber allen für immer die Rückkehr zur Erde. So musste der Tote nun auf ewig als Schatten im Reich des Königs Hades und seiner Frau Persephone weiterleben.

Die buddhistischen Aussagen über die Ruhestätte der Seele richten sich weitgehend nach der hinduistischen Mythologie. Der Mahayana – Buddhismus kennt eine Hierarchie verschiedener Paradiese, die von Gottheiten und geistigen Wesen bevölkert sind. Diese Himmelreiche verkörpern aber nicht das letzte Ziel der buddhistischen Religion und Philosophie. Vielmehr sind dies zeitweilige Stationen für jene Menschen, die noch nicht bereit sind, ihre persönlichen Wünsche und Bindungen preiszugeben und noch nicht die völlige Lösung von den Fesseln der jeweiligen Persönlichkeit erzielt haben.

Ebenso ist der Gedanke der Hölle und des Fegefeuers, wo die Toten unmenschlichen Qualen ausgesetzt sind, in einer Vielzahl der Kulturen auf der Welt zu finden.

Nach der hebräischen Überlieferung gehen die Toten in den Scheol, eine große Grube oder eine ummauerte Stadt, „das Land des Vergessens“, „das Land des Schweigens“. Dort hausen sie in Staub, Dunkelheit und Unwissen, gänzlich von Maden bedeckt und von Jahwe vergessen. Die christliche Gestalt der Hölle kennt Scharen von bösartigen Teufeln, welche die Verdammten durch körperliche Schmerzen, Würgen und sengende Hitze quälen. Die Hölle ist tief unter der Erde verborgen, die Zugänge führen durch dunkle Wälder, Vulkane oder den Schlund des Leviathans. Die Offenbarung spricht von einem „Pfuhl“, der schwefelt und mit Feuer lodert. In diesem feurigen Pfuhl werden die Feigen, die Ungläubigen, die Zauberer, Götzendiener und Lügner versenkt. Eis und Kälte tauchen im mittelalterlichen Bild der kalten Hölle auf so wie im untersten Kreis der Hölle in Dantes Inferno. Eisige Kälte kennzeichnet auch Hifelheim, die nordische Unterwelt, die von der zornigen, gnadenlosen Göttin Hel beherrscht wird. Das islamische Bild der Hölle weist große Ähnlichkeit mit dem der jüdisch – christlichen Tradition auf, aus der es abgeleitet ist.

Anthropologische Studien belegen, dass der Tod in vor – und frühgeschichtlicher Zeit gleichsam erst vom Menschen entdeckt werden musste, ehe er als Problem begriffen wurde. Vermutlich haben die Menschen in der Frühzeit ihrer Entwicklung nicht nur die Endgültigkeit des Todes bestritten, sondern auch seine Unvermeidlichkeit.

Das Gilgamesch – Epos ist ein Wendepunkt. Dieses Epos stammt etwa aus dem Jahr 2600 vor Christi Geburt. Es gehört damit zu den ältesten Dokumenten der Kulturgeschichte über den Tod. Die Erzählung selbst muss noch ein paar tausend Jahre älter eingeschätzt werden. Es entschlüsselt die Unvermeidlichkeit des Todes: Noch während Gilgamesch um seinen Freund Engidu[35] trauert, bricht in ihm die Einsicht auf, dass er sich auf das gleiche schreckliche Schicksal vorbereiten muss. Die Unvermeidbarkeit des Todes ist vor dem Hintergrund der langen Zeit, in der bereits Menschen auf der Welt leben, also eine relativ junge Erfahrung.

Dies war natürlich in der Geschichte des Todesgedankens nur ein erster Schritt. Es gilt aber festzuhalten, dass im Gilgamesch – Epos die meisten Topoi anklingen, die später in der Kulturgeschichte Wurzeln fassen sollten. Dies gilt für die Todesfurcht ebenso wie für die Vergeblichkeit des Lebens und die Frage, wie man der unwiderruflichen Wahrheit begegnen könnte, dass der Übergang vom Leben zum Tod durch nichts zu verhindern ist. Gilgamesch hatte aber noch nicht den Tod vor Augen. Tatsächlich zerstört wurde allein sein Glaube an die irdische Unsterblichkeit und an eine Welt ohne Tod. Die Einsicht, dass der Tod die absolute Vernichtung darstellen könnte, wurde nur befürchtet. Daraus resultiert daraus, dass in der assyrischen und der babylonischen Kulturgeschichte der Tod nicht als das absolute Ende des Lebens begriffen wurde und folglich auch nicht als völlige Auflösung des von Bewusstsein getragenen Lebens. Vielmehr verkörperte der Tod die Trennung von Körper und Geist, das Auseinanderbrechen des Körpers und das Übertreten der Seele von einer Existenz in eine andere. Die Seele taucht ab in eine Unterwelt und verharrt dort bis in alle Ewigkeit. Diese Vorstellung taucht in vielfältiger Gestalt auf.

[...]


[1] Phasen des Sterbens in Interviews mit Sterbenden, Kübler – Ross, Kreuz Verlag Stuttgart, 1969

[2] Wann ist der Mensch tot? J. Hoff, J in der Schmitten, RO RO RO Verlag 1995

[3] Thema Organspende – Seite 24-, Arbeitskreis Organspende, Romerskirchen Verlag, 04.1994

[4] M. Balkenohl, Gentechnologie und Humangenetik. Ethische Orientierungen, Stein am Rhein 1989, Seite 81 ff

[5] Paul Tillich, 20. August 1886 in Starzeddel, Landkreis Guben; † 22. Oktober 1965 in Chicago, USA) war ein deutscher und später US – amerikanischer protestantischer Theologe (Dogmatiker) und Religionsphilosoph. Er gehört zusammen mit Karl Barth, Dietrich Bonhoeffer, Rudolf Bultmann und Karl Rahner zu den bedeutendsten deutschen Theologen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

[6] Tote: Eine weitere Quelle der Unreinheit stellt eine → Leiche dar: In diesem Zusammenhang ist es entweder die Berührung oder die Bezeltung, durch die diese Unreinheit auf Menschen und offene Gefäße übertragen wird (4. Buch Mose, Kapitel 19, Vers 10 – 22; 4. Buch Mose, Kapitel 9, Vers 6; Hesekiel, Kapitel 9, Vers 7; Haggai, Kapitel 2, Vers 13). Ganz besonders strenge Vorschriften gelten im Zusammenhang mit der Totenunreinheit für Priester beziehungsweise den Hohenpriester: sie dürfen nur mit den Verstorbenen ihres engsten Verwandtenkreises in Kontakt kommen (3. Buch Mose, Kapitel 21,1ff; Hesekiel, Kapitel 44, Vers 25); für einen Hohenpriester ist sogar der Kontakt mit den verstorbenen Eltern untersagt (3. Buch Mose, Kapitel 21,Vers 11ff; siehe auch die Gesetze für den → Nasiräer 4. Buch Mose, Kapitel 6, Vers 6 – 12).

[7] Johann Georg Krünitz, * 28. März 1728 in Berlin; † 20. Dezember 1796 in Berlin, war ein bedeutender deutscher Enzyklopädist, Lexikograph, Naturwissenschaftler und Arzt. Von besonderem Wert ist sein Beitrag zur Oeconomischen Encyclopädie.

[8] Du Chesne, Joachim Dr. med., * 1934 in Eythra, südlich von Leipzig, promoviert 1962 an der Universität in Leipzig

[9] Johann Nepomuk Eduard Ambrosius Nestroy, * 7. Dezember 1801 in Wien; † 25. Mai 1862 in Graz, war ein österreichischer Dramatiker, Schauspieler und Opernsänger. Sein Werk ist der literarische Höhepunkt des Alt – Wiener Volkstheaters.

[10] Thomas Gröger, (8. März 2002): Scheintod – Frau starb in der Leichenhalle. WDR. Archiviert vom Original am 8. September 2005

[11] Christoph Wilhelm Hufeland, * 12. August 1762 in Langensalza; † 25. August 1836 in Berlin, war ein deutscher Arzt, Sozialhygieniker und Volkserzieher. Er wird wegen seiner Lebens –kraft – Theorie als Vertreter des Vitalismus (ein dem damals modischen Brownianismus diametral entgegenstehendes Konzept) bezeichnet. Er wird auch als Begründer der Makrobiotik gesehen.

[12] Edgar Allan Poe, * 19. Januar 1809 in Boston, Massachusetts, USA; † 7. Oktober 1849 in Baltimore, Maryland) war ein US – amerikanischer Schriftsteller.

[13] Friederike Kempner, * 25. Juni 1828 (nach ihren eigenen Angaben 1836) in Opatów, Provinz Posen; † 23. Februar 1904 auf Gut Friederikenhof bei Reichthal

[14] Hans Christian Andersen, * 2. April 1805 in Odense; † 4. August 1875 in Kopenhagen, ist der berühmteste Dichter und Schriftsteller Dänemarks.

[15] Alfred Bernhard Nobel, * 21. Oktober 1833 in Stockholm; † 10. Dezember 1896 in Sanremo, war ein schwedischer Chemiker und Erfinder. Es wurden ihm insgesamt 355 Patente zugesprochen. Nobel ist der Erfinder des Dynamits sowie Stifter und Namensgeber des Nobelpreises.

[16] http://physik-theologie.de/Das-Wunder-des-Todes.185.0.html

[17] Nicolas Thomas Bernhard, * 9. Februar 1931 in Heerlen, Niederlande; † 12. Februar 1989 in Gmunden, Österreich, war ein österreichischer Schriftsteller. 1970 erhielt Bernhard den Georg – Büchner – Preis; seit den 1980er Jahren wird er international zu den bedeutendsten österreichischen Autoren gerechnet.

[18] Rudolf Schnackenburg, * 5. Januar 1914 in Kattowitz, Oberschlesien; † 28. August 2002 in Würzburg, war ein deutscher katholischer Priester und Neutestamentler. Er wird von Joseph Ratzinger als der „wohl bedeutendste deutschsprachige katholische Exeget der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet.

[19] Kalvarienberg (Stationsberg) nennt man eine sakrale Bauanlage, die die Passion Christi dar– stellt und in Art eines Pilgerweg nachvollziehbar macht.

[20] Marco S. wohnhaft im Taunus, dem Autor persönlich bekannt

[21] Willem (Pim) van Lommel, * 15. März 1943 in Laren/Nordholland, ist ein niederländischer Arzt und Wissenschaftler.

[22] Margot Käßmann, * 3. Juni 1958 in Marburg, ist eine deutsche, evangelisch – lutherische Theologin und Pfarrerin in verschiedenen kirchlichen Leitungsfunktionen. Sie war unter anderem Mitglied im ÖRK (1983 – 2002), Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages (1995 – 1999), Präsidentin der Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen (2002 – 2011),

[23] Dieter Nuhr, * 29. Oktober 1960 in Wesel, ist ein deutscher Kabarettist, Autor und Moderator.

[24] Reinhold Beckmann, * 23. Februar 1956 in Twistringen, ist ein deutscher Fußballkommentator und Fernsehmoderator.

[25] Produkt des Deutschen Notarverlags in Verbindung mit der DNotV GmbH, Servicegesellschaft des Deutschen Notarvereins

[26] Dr. Doris Wolf ist seit über 25 Jahren in der Beratung tätig; ihre Praxis ist in Wiesbaden

[27] Die vier Trauerphasen nach Angelika und Waldemar Pisarski, das Sterben ins Leben holen, Seite 29ff

[28] Dr. Doris Wolf ist seit über 25 Jahren in der Beratung tätig; ihre Praxis ist in Wiesbaden

[29] Hildegard – Hospiz Spital – Stiftung, Spezialklinik für Palliativmedizin, St. Alban – Ring 151, Postfach, CH – 4020 Basel; www.hildegard-hospiz.ch; info@hildegard-hospiz.ch;

[30] Wann ist der Mensch tot? J. Hoff, J in der Schmitten, RO RO RO Verlag 1995

[31] Thema Organspende – Seite 24, Arbeitskreis Organspende, Romerskirchen Verlag, 04.1994

[32] Sonnenbarke (Sonnenschiff): Bereits in Gräbern der 1. Dynastie fanden sich große echte Schiffe als Grabbeigaben. Mit diesen Schiffen sollte der verstorbene und ins Jenseits gelangte König den Sonnengott Re begleiten. Da solch ein Schiff ihm dies ermöglichte, nannte man es „Sonnenschiff“. Und in der Vorstellung der alten Ägypter war das Jenseits wie im Diesseits mit zahlreichen Wasserwegen durchzogen; deshalb wohl auch eine Barke als „Fahrzeug“. Ebenso sollte das Schiff den Toten befähigen, sich außerhalb des Grabes zu bewegen. Das Ziel dieser Reisen des Toten waren beispielsweise die großen Götterfeste.

[33] Hel als Totengöttin ist die Tochter von Loki und der Riesin Angrboda, wird aber nicht dem Göttergeschlecht der Asen zugerechnet, sondern den Riesen.

[34] Constantin von Barloewen, *29. November 1952 in Buenos Aires, ist Professor für Anthropologie und war Mitglied der Weltkommission für Kultur und Entwicklung der UNESCO. ist ein international tätiger Anthropologe und Kulturwissenschaftler.

[35] Enkidu, auch Eabani; Beiname „Sprössling der Stille“, ist eine Figur aus dem Gilgamesch – Epos. Enkidu war nicht der erste Mensch, denn es gab zum einen bereits die Stadtbevölkerung von Uruk und zum anderen Gilgamesch selber, der zu einem Drittel Mensch war, da sein Vater der sterbliche und im Nachhinein vergöttlichte Lugalbanda war.

Details

Seiten
281
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656352570
ISBN (Buch)
9783656353171
Dateigröße
27.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v207823
Note
Schlagworte
eine auseinandersetzung sterben trauer leben Umgang mit dem Tod Formen der Bestattung Woran muss ich denken? Organspende - Organhandel? fremde Kulturen und der Tod was kommt nach dem Tod? ist man mit dem Tod tot? Scheintod Tod und Angst

Teilen

Zurück

Titel: Tot, was nun? Eine Auseinandersetzung mit dem Sterben, dem Tod, der Trauer und dem Leben nach dem Tod