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Ursachen der Euro-Krise

Studienarbeit 2012 53 Seiten

VWL - Finanzwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Europäische Währungsunion
2.2 Wirtschaftskrisen
2.2.1 Definition von Krisen
2.2.2 Arten von Wirtschaftskrisen
2.2.3 Die aktuelle Eurokrise
2.2.4 Hilfsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank
2.2.4.1 Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF)
2.2.4.2 Der Europäischer Stabilisierungsmechanismus (ESM)
2.2.4.3 Das Anleihenkaufprogramm

3 Ursache der Eurokrise 2009 bis heute
3.1 Aufnahme der GIIPSZ-Staaten in die Währungsunion
3.2 Außenwirtschaftliche Schieflage der Euro-Staaten
3.3 Fehlentwicklung und verpasste Strukturformen
3.4 Finanzkrise und expansive Fiskalpolitik
3.5 Erwartungen und Verhaltensanomalien

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Staaten, die den Euro eingeführt haben

Abbildung 2: Die Sektoren der Finanzkrise

Abbildung 3: Wirtschaftswachstum im Vergleich Eurozone, EU und die USA

Abbildung 4: Kapitalumfang des ESM.

Abbildung 5: Deutschlands Staatseinnahmen und Ausgaben

Abbildung 6: Spaniens Staatseinnahmen und Ausgaben

Abbildung 7: Spaniens Staatsverschuldung und BIP

Abbildung 8: Staatsverschuldung und BIP in Griechenland

Abbildung 9: Entwicklung der Lohnstückkosten in Griechenland, Spanien und Deutschland

Abbildung 10: Außenwirtschaftliche Schieflage der Euro-Länder

Abbildung 11: Entwicklung der Wirtschaftssektoren Deutschland

Abbildung 12: Die Entwicklung der spanischen Wirtschaftssektoren

Abbildung 13: Die Staatsverschuldung der Eurozone, wie auch der von Deutschland, Spanien und Griechenland

Abbildung 14: Wachstum des BIP-Volumens

Abbildung 15: Benotung der Euroländer

Abbildung 16: Wachstum der Verschuldung

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Revision griechischer Daten zum öffentlichen Defizit

Tabelle 2: Verschuldung der Euroländer in Prozent des BIP 2009

1 Einleitung

Die Idee des Euros schien genial: Eine einheitliche Währung für eine Gemeinschaft, die nach Frieden, Demokratie und dem gemeinsamen Wohlstand strebt. Die Handelsschranken und Zölle sind offen, Bürger brauchen beim Betreten eines anderen Landes kein Geld mehr zu wechseln, Importeuren ist nun klar, welche Kosten am Ende auf sie zukommen und Exporteure können sich sicher sein, dass die versprochene Zahlung auch denselben Wert hat. Kritiker warnen vor weltweiten Schwierigkeiten und dass es Europa an Institutionen fehle, die diese Währung praktikabel machen würden, aber ebenso wurde von Staats- und Regierungschefs ignoriert, dass eine Währungsunion Vorteile wie auch Kosten beinhaltet und dass eine europäische Währung viel schwächer ist, als ein einheitlicher europäischer Markt. Nach der Einführung 2002 wächst die Wirtschaft im Hinblick auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP), ebenso wie Import und Export. Dadurch wird die europäische Einheit gestärkt. (vgl. [Krugman 2011]).

Doch zehn Jahre nach der Einführung des Euros scheinen die Warnungen näher gerückt zu sein: Spaniens boomende Wirtschaft verzeichnet fast ein Viertel der arbeitsfähigen Bürger als arbeitslos, Griechenland ist so hoch verschuldet, dass es im Februar 2012 das zweite Rettungspaket mit bis zu 130 Milliarden Euro erhält (vgl. [ARD 07/12]), Irland versucht mit allen Mitteln den Konkurs abzuwenden und schlüpft schließlich als erster Staat unter den Euro-Rettungsschirm. Die Inflation steigt 2008 so stark an, dass viele eine Geldentwertung und das Ende des Euros befürchten (vgl. [Zydra u.a. 2012]). Der Euro-Traum verwandelt sich zum Albtraum vieler Menschen und die Nachrichtenflut über die Eurokrise und die Staatsverschuldungen scheint kein Ende zu nehmen. Viele Menschen mutmaßen über die Ursache: Liegt es etwa an der Immobilienkrise in den USA, dem Stabilitätspakt, der weniger stabil war als gewollt? Oder vielleicht sogar an der Einführung des Euros?

Ziel dieser Arbeit ist die Analyse der Hauptursachen der Eurokrise 2009. Dazu wird in erster Linie erläutert, was eine Krise überhaupt ist, welche Konvergenzen die Euro-Länder einzuhalten haben und was die Statistiken, vor allem in den Ländern Griechenland, Spanien und Deutschland, im Hinblick auf Defizite, Verschuldungen, Arbeitslosigkeit sowie Bruttoinlandsprodukt verzeichnen.

2 Theoretische Grundlagen

Um die Ausgangsfrage zu klären, beschäftigt sich dieses Kapitel mit dem historischen Hintergrund der Europäischen Union und der Entwicklung des Euros sowie mit den theoretischen Grundlagen zu Wirtschaftskrisen.

2.1 Europäische Währungsunion

Der Grundstein für die Europäische Union wurde am 9. Mai 1950 gelegt, als der französische Außenminister Robert Schuman vorschlug, dass die Nationen Frankreich und Deutschland in Bezug auf die Kohle-und Stahlproduktion zusammenarbeiten sollten. Somit würde es eine wirtschaftliche Union geben und ein weiterer Krieg zwischen den Staaten wäre, wegen der gegenseitigen Abhängigkeit, unwahrscheinlich. Zwei Jahre später schlossen sich dieser Idee auch Belgien, Italien, Luxemburg und die Niederlande an und es wurde die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) gegründet. 1958 unterzeichneten diese Staaten die „Römischen Verträge“ und führten somit die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) ein, welche das Ziel verfolgte, die internen Zölle und Handelsschranken abzubauen. Außerdem sollte durch die Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM) sichergestellt werden, dass die Kernenergie friedlich genutzt wird. Des Weiteren wurde der Europäische Gerichtshof in Luxemburg errichtet. Im Jahre 1962 wurde die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) beschlossen, welche die Zielsetzung hatte, finanzielle Solidarität und einen gemeinsamen Markt für Agrarerzeugnisse zu erstellen. Fünf Jahre später fusionierten die Gemeinschaften EGKS, EWG und EURATOM zur Europäischen Gemeinschaft (EG) um gemeinsam über die Organe zu verfügen. Im Jahr 1973 schlossen sich dem auch Dänemark, Großbritannien und Irland an (vgl. [Bundeskanzleramt 2007]).

Da sich in der Nachkriegszeit schwankende Wechselkurse abzeichneten, wurde zur Stabilisierung 1972 der Europäische Wechselkursverbund gegründet. Weiterhin wurde mit dem Beschluss des Europäischen Rates 1979 das Europäische Währungssystem auf der Grundlage der Verrechnungseinheit European Currency Unit -dem Vorläufer des Euros- erbaut (vgl. [Bundeskanzleramt 2007b]). In den kommenden sieben Jahren traten noch Griechenland, Spanien und Portugal der EG bei (vgl. [Bundeskanzleramt 2007]).

Im Jahr 1985 legten der Vorsitzende der Europäischen Union (EU), Jacques Delors, und der Ausschuss zur Prüfung der Wirtschafts-und Währungsunion (WWU) einen Bericht vor, welcher in drei Schritten erläuterte, wie die geplante Wirtschafts- und Währungsunion umgesetzt werden soll (vgl. [Schinkel 2011]):

1. Beginn am 01. Juli 1990:
Sämtliche Beschränkungen des freien Personen-, Dienstleistungs-, Waren- und Kapitalverkehrs innerhalb der EU müssen abgebaut werden. Ebenso soll eine höhere Zusammenarbeit zwischen den Zentralbanken, freie Verwendung des Eisenbahnverkehrsunternehmens und die Verbesserung der wirtschaftlichen Konvergenz angestrebt werden.

2. Beginn am 01. Januar 1994:
Gründung des Europäischen Währungsinstituts, als Vorläufer der Europäischen Zentralbank (EZB).
Verbot der Gewährung von Zentralbankkrediten, Verstärkung der Koordinierung der Geldpolitik und vorbereitende Arbeit für die dritte Stufe:
Verstärkung der Haushaltsdisziplin und der Konvergenzen der Wirtschafts- und Währungspolitik (vgl. [EZB 2012]). Die Konvergenzkriterien besagen, dass die jährliche Neuverschuldung am Ende des vorausgehenden Haushaltsjahres nicht höher als drei Prozent des Bruttosozialproduktes sein und der öffentliche Schuldenstand zum BIP die 60 Prozent nicht überschreiten darf.
Ebenfalls soll die Inflationsrate eines Mitgliedsstaates maximal 1,5 Prozent über der Inflationsrate der drei Mitgliedsstaaten liegen, die im Jahr davor die besten Ergebnisse erzielt hatten.
Der langfristige Nominalzinssatz darf nicht mehr als zwei Prozent über dem Satz der drei Mitgliedsstaaten liegen, welche die besten Ergebnisse im Gebiet Preisstabilität erzielt hatten (vgl. [Artikel 121 EG]).

3. Beginn am 01.Januar 1999:
Die Festlegung der Wechselkurse in den teilnehmenden Mitgliedsstaaten und die Einführung des Euros als einheitliche Währung. Der Stabilitäts- und Wachstumspakt, welcher die Stabilität der Gemeinschaftswährung garantieren soll, wie auch der Wechselkursmechanismus II (WKM II) innerhalb der EU treten in Kraft. Die Durchführung der gemeinsamen Geldpolitik findet durch das Europäische System der Zentralbanken statt.

Im Jahr 1995 trat der Vertrag von Maastricht in Kraft. Dieser erweiterte die EG um eine politische Dimension und erschuf daraufhin die Europäische Union (EU). Die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP), die Bekämpfung der internationalen Kriminalität, die Errichtung einer Unionsbürgerschaft, die vollständige Einrichtung der Wirtschafts- und Währungsunion und die Einführung einer gemeinsamen Währung sind die Schwerpunkte des Vertrages. Die Länder Finnland, Schweden und Österreich traten 1995 der EU bei. In diesem Jahr trat auch das Schengener Abkommen, welches die Durchführung und die Voraussetzungen für den freien Personenverkehr gewährleistet, in Kraft. Großbritannien und Irland gehören nicht zum Schengen-Raum. Mit Norwegen und Island bestehen Kooperationsabkommen (vgl. [Bundeskanzleramt 2007]).

Drei Jahre später wurde in Frankfurt die Europäische Zentralbank (EZB) errichtet, sie bildet gemeinsam mit den Zentralbanken der 15 Mitgliedsstaaten der EU das „Europäische System der Zentralbanken“ und setzt die Geldpolitik für das Euro-Währungsgebiet um. Durch den Vertrag von Amsterdam wurden die Grundlagen der Union 1999 grundlegend verändert, denn die neuen Schwerpunkte sind nun die Beschäftigungspolitik, Vertiefung der GASP, verbesserte Zusammenarbeit im Inneren und Justiz und die Schaffung der Grundlagen für eine Erweiterung. Ebenfalls wurde in diesem Jahr das Reformpaket „Agenda 2000“, welches sich mit der GAP-Reform, neuer Regionalpolitik und der Festlegung des Finanzrahmens bis zum Jahre 2006 befasst, beschlossen. Schließlich fand durch das Inkrafttreten der Wirtschafts- und Währungsunion die Einführung des Euros als Buchgeld und elektronisches Geld statt (vgl. [Bundeskanzleramt 2007]).

Seit dem 01. Januar 2002 ist der Euro das gesetzliche Zahlungsmittel und eine Recheneinheit in der Europäischen Währungsunion (EWU). Er bildet den Mittelpunkt in den Bemühungen der Errichtung einer Wirtschafts- und Währungsunion eines vereinten Europas (vgl. [Gabler 2012]). Seine Aufgabe ist es, die Gemeinschaft der einzelnen Länder Europas, trotz der unterschiedlichen Finanz- und Wirtschaftspolitik, Steuern und Vorschriften, zu stärken. Ebenso wird er als bedeutende Weiterentwicklung des im Jahre 1992 gegründeten Europäischen Binnenmarktes renommiert. Hier ist sein Ziel, eine erfolgreiche Konkurrenz in der Globalisierung der Produktion gegen Asien und den USA zu ermöglichen (vgl. [Talbot u.a. 1999]).

Im Jahr 2002 führten 12 von 15 Mitgliedsstaaten den Euro als Zahlungsmittel ein, Dänemark, Schweden und das Vereinigte Königreich behielten ihre Währungen. Seit Mai 2004 zählen auch Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Ungarn, Zypern, Slowenien und die Tschechische Republik zur EU. Drei Jahre später traten auch noch Bulgarien und Rumänien bei (vgl. [Bundeskanzleramt 2007]).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Staaten, die den Euro eingeführt haben [Quelle: Muenzen]

Zwischen 2007 bis 2011 führten auch Estland, Slowakei, Slowenien, Malta und Zypern den Euro als gesetzliches Zahlungsmittel ein (vgl. [OENB 2012]).

Wie auf Abbildung 1 zu erkennen ist, wird zwischen den Euro-Kandidaten unterschieden:

- Länder mit WKM II: Dieser Mechanismus stellt eine Kopplung der jeweiligen Landeswährung zum Euro dar, wobei der maximale Schwankungsbereich plus / minus 15 Prozent zum Euro sein darf (vgl. [Bundeskanzleramt 2007b]).
- Länder ohne WKM II: Diese Staaten wollen, bzw. werden der Europäischen Währungsunion beitreten, sobald sie die Konvergenzkriterien erfüllt haben. Der WKM II lässt sich hauptsächlich wegen der hohen Inflationsrate der Staaten nicht anwenden (vgl. [Bundeskanzleramt 2007b]).
- Nicht-EU-Länder mit Euro: Andorra, Monaco, Vatikan, Mayotte, Saint-Pierre, Miquelon und San Marino standen mit jeweils ihren Ländern in einer Währungsunion und durften somit auch den Euro übernehmen. Akrotiri, Dekelia, Montenegro und der Kosovo sind die einzigen Staaten, die weder die Kriterien erfüllen, noch eine eigene Münzprägung haben. Montenegro hatte vor der Euroeinführung die Deutsche Mark als Währung und der Kosovo erklärte sich im Jahr 2008 als unabhängig (vgl. [Bundeskanzleramt 2007b]).

2.2 Wirtschaftskrisen

2.2.1 Definition von Krisen

Eine Krise ist der Höhe- und Wendepunkt einer schwierigen Situation, Lage, Zeit und gefährlichen Entwicklung (vgl. [Duden 2012]). Sie ist nicht nur der Wendepunkt von der Aufschwungs- in die Abschwungsphase, sondern beschreibt auch „die Abschwungs- und Depressionsphasen selbst“ ([Plumpe 2010] S. 9).

Die Konjunktur wird als Bewegung der kapitalistischen Ökonomie, hinsichtlich der Wechselwirkungen ihrer verschiedenen Bereiche, beschrieben. Dazu gehören z. B. Angebot und Nachfrage, Zustand des Geld- und Finanzsystems, Lohnentwicklung, Beschäftigungssituation und das volkswirtschaftliche Wachstum. Die Bewegungen des Konjunkturzyklusses sind oft mit gesellschaftlichen Erschütterungen verbunden, wie sie die Weltwirtschaftskrise 1929 verzeichnete (vgl. [Rosalux 2012]).

Die Depressionsphase ist eine lang andauernde Störung von wirtschaftlichen Entwicklungen, sie wird auch als Wirtschaftskrise bezeichnet. Diese kann sich sowohl auf einen Wirtschaftsbereich beschränken, wie z. B. Stahl- oder Holzindustrie, einer Wirtschaftsnation in Form von Agrar-, Wachstums-, Struktur- oder Währungskrise oder auf die Weltregion im Sinne einer Weltwirtschaftskrise ausbreiten (vgl. [Pollert u.a. 2009]).

2.2.2 Arten von Wirtschaftskrisen

Im Volksmund werden Wirtschafts- und Finanzkrise als ein und dasselbe betrachtet, wobei das -wissenschaftlich gesehen- nicht der Fall ist, denn sie unterscheiden sich in ihrer Art und Ursache.

Eine Wirtschaftskrise, wie in Kapitel 2.2.1 beschrieben, ist ein Einbruch in der Konjunktur eines Landes bzw. einer Volkswirtschaft. Die Depressionsphase ist dafür ausschlaggebend, da sie ein zeitlicher Abschnitt der Konjunktur ist, in dem die Produktion und somit das Bruttoinlandsprodukt zurückgeht. Die Arbeitslosigkeit nimmt höhere Ausmaße an und das Angebot liegt über der Nachfrage. Ferner sind Insolvenzen Merkmale der schlechten wirtschaftlichen Lage. In dieser Phase sinken die Preise und es kommt zur Deflation (vgl. [Witherton 2012]). Demnach wird die Wirtschaftskrise auch als Realwirtschaftskrise bezeichnet.

[...]

Details

Seiten
53
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656353577
ISBN (Buch)
9783656355106
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v207813
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden Württemberg Mosbach
Note
Schlagworte
ursachen euro-krise

Autor

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