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Quotenregelung in Norwegens Wirtschaft - Ein geeignetes Mittel zur Gleichstellung der Geschlechter?

Bachelorarbeit 2012 40 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Eidesstattliche Erklärung

III Abkürzungsverzeichnis

IV Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

V Kurzfassung

1 Einleitung

2 Grundlegende Begriffsbestimmungen
2.1 Gleichberechtigung und Gleichstellung der Geschlechter
2.2 Diskriminierung
2.2.1 Mittelbare und unmittelbare Diskriminierung
2.2.2 Umgekehrte Diskriminierung
2.3 Quotierung

3 Quotenregelung - Allgemein
3.1 Zielsetzung von Quotenregelungen
3.2 Quotenmodelle
3.2.1 Unterscheidung nach Regelungsgegenstand
3.2.1.1 Ergebnisquoten
3.2.1.2 Entscheidungsquoten
3.2.2 Unterscheidung nach rechtlicher Bindungswirkung
3.3 Vorteile einer Quotenregelung
3.3.1 Gleichstellung der Geschlechter
3.3.2 Durchbruch der gläsernen Decke
3.3.3 Ausschöpfung des gesamten Leistungspotentials
3.3.4 Beschleunigung des Prozesses
3.4 Nachteile einer Quotenregelung
3.4.1 Positive Diskriminierung
3.4.2 Schwierige Umsetzbarkeit
3.4.3 Abqualifizierung von Frauen
3.4.4 Eingriff in die Unternehmensfreiheit

4 Quotenregelung in Norwegens Wirtschaft
4.1 Einführungsgrund
4.2 Das norwegische Quotenmodell
4.2.1 Quotenzielwert
4.2.2 Geltungsbereich
4.2.3 Zeitraum der Umsetzung
4.2.4 Maßnahmen zur Erfüllung der Quote
4.3 Auswirkungen der Quotenregelung auf die norwegische Wirtschaft
4.3.1 Anstieg des Frauenanteils in Verwaltungsräten
4.3.2 Rückgang von Aktiengesellschaften
4.3.3 Zusammenhang zwischen dem Anstieg des Frauenanteils und dem Rückgang der Aktiengesellschaften
4.3.4 Mehrfachmandate der Goldröcke

5 Bewertung und Modifikationsmöglichkeiten innerhalb der norwegischen Quotenpolitik
5.1 Quotenzielwert
5.2 Zeitraum der Umsetzung
5.3 Geltungsbereich
5.4 Maßnahmen zur Erfüllung der Quote

6 Alternative Gleichberechtigungsmaßnahmen
6.1 Familienpolitik
6.2 Stärkung des Frauenbewusstseins

7 Fazit

VI Literaturverzeichnis

VII Anhang. A1

A1 Berechnungen zu 4.3.3... A1

I Eidesstattliche Erklärung

Ich erkläre hiermit, dass ich die vorliegende Bachelorarbeit selbständig und ohne fremde Hilfe verfasst und in der Bearbeitung und Abfassung keine anderen als die angegebenen Quellen oder Hilfsmittel benutzt sowie wörtliche und sinngemäße Zitate als solche gekennzeichnet habe. Die vorliegende Bachelorarbeit wurde noch nicht anderweitig für Prüfungszwecke vorgelegt.

Ort, Datum Unterschrift

III Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

IV Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Umgekehrte Diskriminierung anhand der Produktionsmöglichkeitenkurve

Abbildung 2: Frauen in Verwaltungsräten norwegischer Aktiengesellschaften
2002-2009

Abbildung 3: Frauenanteil in Verwaltungsräten norwegischer GmbH 2004-2009

Abbildung 4: Rückgang der Aktiengesellschaften 2000-2009

Tabelle 1: Aktiengesellschaften - Mehrfachmandate 2007, 2008, 2009, 2010
(Summe über 4 Jahre)

V Kurzfassung

Diese Arbeit umfasst das Thema Quotenregelung in Norwegens Wirtschaft – Ein geeignetes Mittel zu Gleichstellung der Geschlechter? Es wird hierbei die Effektivität von Quotenregelungen im Allgemeinen untersucht und im Speziellen am Beispiel Norwegen veranschaulicht.

Norwegen setzt bei der Gleichstellung der Geschlechter auf die Wirksamkeit von Quotenregelungen und hat 2003 eine gesetzliche Regelung eingeführt, die staatlichen und kommunalen Gesellschaften, Genossenschaften sowie Aktiengesellschaften vorschreibt, mindestens 40 % eines jeden Geschlechtes in ihren Verwaltungsräten zu implementieren. Da das norwegische Quotenmodell bezüglich Geltungsbereich, Zeitraum der Umsetzung etc. erhebliche Schwächen aufweist und lediglich ein Bruchteil der Wirtschaft betroffen ist, ist fraglich, ob es sich bei Norwegens Quotenregelung tatsächlich um eine geeignete Maßnahme zur Gleichstellung handelt.

This work focuses on the issue Quotas in Norway's economy - An efficient way to gender equality? This paper examines the effectiveness of quotas in general and specifically illustrates the Norwegian quota system.

In cases of gender equlity Norway especially relies on the effectiveness of quotas and thus intruduced a compulsory gender quota of 40%, valid for every management baord of state-owend and publicly listed companies in 2003. As the Norwegian quota system shows significant weaknesses concerning the scope, period of implementation etc. and focuses only on a small fraction of economy, it is questionable whether the Norwegian quota system is actually an efficient way to gender equality.

1 Einleitung

Heutzutage sind in einem modernen Rechtsstaat Frauen und Männer gesetzlich gleichgestellt und haben dieselben Rechte und Pflichten. Trotz dieser formalen Gleichberechtigung ist in vielen Lebensbereichen kein tatsächliches Gleichgewicht zwischen Frauen und Männer hergestellt. Basierend auf diesem Gleichstellungsdefizit haben in den vergangen Jahren Quotenregelungen stark an Bedeutung gewonnen, denn diese, so heißt es, sollen zur faktischen Gleichstellung beitragen und geschlechtliches Gleichgewicht in wirtschaftlichen, politischen sowie gesellschaftlichen Bereichen schaffen.

Quotierung ist in den letzten Jahren eines der heiß umstrittensten Themen in der frauen- und parteipolitischen Landschaft. Vor allem in der Europäischen Union (EU) wird rege über die Einführung einer europaweiten Quotenregelungen für Großunternehmen diskutiert. Der Grund dafür ist das Fehlen von Frauen in Spitzenpositionen. Laut der Europäischen Kommission (2011) sind in den Aufsichtsräten der großen börsennotierten Unternehmen in der EU lediglich 12 % der Aufsichtsratsmitglieder weiblich. Aus diesem Grund möchte die EU-Kommissarin Viviane Reding ab 2015 eine Geschlechterquote von 30 % für Großunternehmen einführen. Ab 2020 soll diese sogar auf 40 % erhöht werden.[1]

Als großes Vorbild einer erfolgreichen Quotenpolitik gilt Norwegen, da Norwegen bereits 2003 als weltweit erstes Land eine gesetzliche Geschlechterquote für Verwaltungsräte eingeführt hat.

In Norwegen wird der Geschlechtergleichstellung große Bedeutung zugeschrieben. Um faktisches Gleichgewicht zwischen Männern und Frauen herzustellen, setzt Norwegen vor allem auf die Wirksamkeit von Quotenregelungen. Fraglich ist jedoch, ob die Geschlechterquote in Norwegen tatsächlich zur Gleichstellung von Männern und Frauen führt.

In dieser Arbeit wird versucht, die Effektivität der norwegischen Quotenpolitik zu überprüfen, wobei hauptsächlich auf die Quotenregelung in Norwegens Wirtschaft eingegangen wird. Desweiteren wird untersucht, ob Quotenregelungen generell ein geeignetes Mittel zu Gleichstellung sind.

Um zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu kommen, ist diese Arbeit in mehrere Abschnitte gegliedert.

Im zweiten Abschnitt wird durch die Bestimmung grundlegender Begriffe zuerst eine Ausgangsbasis zur Bearbeitung des Themas geschaffen. Vor allem die Definition von Gleichberechtigung, Gleichstellung, Diskriminierung und Quotierung stehen hierbei im Vordergrund.

Im dritten Abschnitt wird allgemein über Quotenregelungen informiert. Es wird ein Überblick gegeben, welche Zielsetzung Quotenregelungen generell verfolgen, welche Quotenmodelle unterschieden werden können, und welche Vor- und Nachteile mit Quotenregelungen einhergehen.

Der vierte Abschnitt behandelt implizit die Quotenregelung in Norwegens Wirtschaft, wobei näher auf den Einführungsgrund eingegangen und das norwegische Quotenmodell konkretisiert wird. Desweiteren wird ein Blick auf die Auswirkungen der Quotenregelung auf die norwegische Wirtschaft geworfen.

Im fünften Abschnitt folgen die Bewertung der norwegischen Quotenpolitik sowie etwaige Modifikationsmöglichkeiten der Quotenregelung.

Im sechsten Abschnitt werden noch alternative Gleichstellungsmaßnahmen, die gegebenenfalls auch neben einer Quotenregelung bestehen können, vorgeschlagen.

Abschließend wird im Fazit eine zusammenfassende Bewertung und die Beantwortung der Themenfrage Quotenregelung in Norwegens Wirtschaft – Ein geeignetes Mittel zu Gleichstellung der Geschlechter gegeben.

2 Grundlegende Begriffsbestimmungen

Im diesem Abschnitt werden die grundlegendsten Begriffe zum aktuellen Thema definiert. Zuerst erfolgt die Abgrenzung und Definition der Begriffe Gleichberechtigung und Gleichstellung. Als Pendent dazu wird anschließend die Bedeutung von Diskriminierung geklärt, wobei genauer auf positive Diskriminierung eingegangen wird. Abschließend erfolgt die Erläuterung des Begriffes Quotierung.

2.1 Gleichberechtigung und Gleichstellung der Geschlechter

Da in vielen Fällen die Begriffe Gleichberechtigung und Gleichstellung miteinander verwechselt oder fälschlicherweise gleichgesetzt werden, wird nun eine Abgrenzung dieser beiden Begrifflichkeiten vorgenommen.

Gleichberechtigung der Geschlechter bedeutet, dass beide Geschlechter dieselben Rechte haben und vor dem Gesetz gleichgestellt sind. Somit soll erzielt werden, dass Männer und Frauen gleichermaßen von Ressourcen, Gütern und Chancen profitieren können.[2] Gleichberechtigung schafft daher die Grundlage dafür, dass Männer und Frauen in allen Lebensbereichen dieselben Chancen und Pflichten haben. Man kann jedoch nicht davon ausgehen, dass Frauen und Männer tatsächlich in gleicher Partizipation und Stärke in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft vertreten sind.[3]

Unter Gleichstellung der Geschlechter versteht man hingegen, dass beide Geschlechter in allen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Lebensbereichen gleichermaßen präsent, beteiligt und berechtigt sind. Dies bedeutet, dass Gleichstellung eine vollständige Einbindung von Männern und Frauen in der Gesellschaft fordert und eine gleichmäßige Machtverteilung im öffentlichen und privaten Leben anstrebt.[4] Gleichstellung konzentriert somit sich auf ein vorab bestimmtes Endresultat, welches die tatsächlich ausgewogene Teilnahme und Sichtbarkeit von Frauen und Männern vorgibt. Oftmals werden dazu jedoch Maßnahmen ergriffen, wie beispielsweise die Einräumung von Sonderrechten für Frauen, die generell nicht im Sinne der Gleichberechtigung sind.[5]

2.2 Diskriminierung

Als Pendent zu Gleichberechtigung bzw. Gleichstellung ist der Begriff Diskriminierung näher zu erläutert. Diskriminierung wird allgemein definiert als

„ungleiche Behandlung ohne sachlichen Grund“ oder als „Herabwürdigung wegen eines wesentlichen, nicht oder nur schwer aufgebbaren Identitätsmerkmals der betreffenden Person“ (Liebscher/ Fritzsche, 2009, S. 27)

Diskriminierungsgründe sind beispielsweise das Geschlecht, ethische Herkunft, sexuelle Orientierung, Religion etc.

2.2.1 Mittelbare und unmittelbare Diskriminierung

Generell kann zwischen mittelbarer und unmittelbarer Diskriminierung unterschieden werden. Spricht man Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes, so liegt eine unmittelbare Diskriminierung vor, wenn eine Person aufgrund ihres Geschlechts gegenüber einer Person des anderen Geschlechts bewusst benachteiligt wird. Von unmittelbarer Diskriminierung spricht man hingegen, wenn durch die Auswirkungen einer scheinbar neutralen Regelung ein Geschlecht benachteiligt wird.[6]

2.2.2 Umgekehrte Diskriminierung

Eine spezielle Form der Diskriminierung ist die umgekehrte Diskriminierung, auch genannt positive Diskriminierung. Diese liegt vor, wenn eine Minderheit solange bevorzugt wird, bis eine bisherige Benachteiligung der Minderheit aufgehoben ist.[7] In der geschlechterspezifischen Diskussion bedeutet dies, dass beispielsweise temporär Männer benachteiligt und Frauen bevorzugt werden, um eine vorausgegangene Diskriminierung der Frauen auszugleichen.

2.3 Quotierung

Der Begriff Quote leitet sich von dem mittellateinischen Wort quota ab und bedeutet zu Deutsch Anteil. Demzufolge versteht man unter Quotierung das Festlegen eines bestimmten Prozentsatzes, der unter Einhaltung bestimmter Prämissen erreicht werden soll.[8]

In der frauenpolitischen Diskussion versteht man unter Quotierung ein gesetzliches oder politisches Mittel mit dem Ziel die Benachteiligung der Frauen aufzuheben.[9] Quoten geben hierbei ein vorgeschriebenes Geschlechterverhältnis an. Meist ist dieses Verteilungsverhältnis so gewählt, dass der derzeitige Anteil an Frauen gestärkt wird. Aus diesem Grund spricht man häufig auch von sogenannten Frauenquoten.

3 Quotenregelung - Allgemein

Der Begriff Quotierung wurde bereits im Abschnitt 2 Grundlegende Begriffsbestimmungen ausführlich erläutert. Fortführend dazu wird nun auf die allgemeine Zielsetzung von Quotenregelungen eingegangen und mögliche Quotenmodelle näher dargestellt. Desweiteren werden die Vor- und Nachteile einer Quotenregelung genauer analysiert.

3.1 Zielsetzung von Quotenregelungen

Um eine allgemeine Zielsetzung von Quotenregelungen formulieren zu können, muss vorab festgestellt werden, dass Geschlechterquoten nicht als Interessensvertretung einer Minderheit gesehen werden können; denn Frauen genauso wie Männer machen die Hälfte der Weltbevölkerung aus und stellen daher keine Minderheit, sondern vielmehr eine Mehrheit dar. Zielsetzung einer Quotenregelung ist somit nicht die Förderung einer Minderheit, sondern das Sichtbarmachen einer Mehrheit.[10]

Geschlechterquoten fordern folglich die gleichberechtigte Teilnahme beider Geschlechter an politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Prozessen. Ihr Ziel ist es, mit Hilfe von quantitativen Richtlinien die Unterrepräsentation der Frau, oder gegebenenfalls des Mannes aufzuheben, damit beide Geschlechter nicht nur vor dem Gesetz, sondern auch in Realität gleichgestellt sind.[11] Quotenregelungen sind daher stets Mittel zu Gleichstellung und nicht zur Gleichberechtigung.

3.2 Quotenmodelle

Es gibt mehrere Möglichkeiten Quotenmodelle voneinander abzugrenzen. Zum einen können Quoten nach dem Regelungsgegenstand differenziert werden, zum anderen nach der rechtlichen Bindungswirkung.[12]

3.2.1 Unterscheidung nach Regelungsgegenstand

Erfolgt die Unterteilung nach dem Regelungsgegenstand, so unterscheidet man grundsätzlich zwischen Ergebnis- und Entscheidungsquoten.

3.2.1.1 Ergebnisquoten

Ergebnisquoten legen einen zu erreichenden Zielwert fest, wobei die Mittel zur Realisierung frei wählbar sind. Die strengste Form der Ergebnisquote ist die starre Quote. Diese gibt ein bestimmtes Verhältnis von Frauen und Männern vor, wobei keine Ausnahmen vorgesehen sind und auf die konkrete Entscheidungssituation keine Rücksicht genommen wird.[13] Eine abgeschwächte Form ist die ergebnisorientierte Quote. Diese legt neben dem zu erreichenden Zielwert auch einen Zeitraum fest, in welchem die Quote zu erfüllen ist. Abweichungen innerhalb dieses Zeitraums sind möglich.[14]

3.2.1.2 Entscheidungsquoten

Im Unterschied zur Ergebnisquote schreibt die Entscheidungsquote nicht nur den zu erreichenden Zielwert vor, sondern auch die dafür einzusetzenden Mittel. Entscheidungsquoten werden auch als leistungsbezogene, flexible, oder relative Quoten bezeichnet und fordern eine vorrangige Berücksichtigung bei gleicher Qualifikation. Frauen werden beispielsweise bei gleicher Qualifikation solange bevorzugt, bis der geforderte Zielwert erreicht ist.[15]

3.2.2 Unterscheidung nach rechtlicher Bindungswirkung

Bei der Unterscheidung nach rechtlicher Bindungswirkung ist zuerst die am stärksten bindende Quote, die sogenannte imperative Quote, zu nennen. Bei dieser Art der Quote ist ein Abweichen von den vorgegeben Zielwerten strengstens untersagt und Verstöße werden mittels Sanktionen bestraft. Eine mildere Form ist die influenzierende, indirekte Quote. Um die geforderten Zielwerte zu erreichen, wird hierbei wird versucht, durch abgestufte Mittel, wie beispielsweise Subventionen, Einfluss auf das Verhalten der Entscheidungsträger auszuüben. Nicht rechtlich bindende Zielvorgaben werden als Richtlinien bezeichnet. Diese sind unverbindliche Sollwerte und sollen auf freiwilliger Basis erreicht werden.[16]

3.3 Vorteile einer Quotenregelung

Im Folgenden werden die bedeutendsten Argumente der Befürworter einer Quotenregelung wiedergegeben.

Anzumerken ist, dass in den Abschnitten Vorteile sowie Nachteile von Quotenregelungen davon ausgegangen wird, dass Quotenregelungen hauptsächlich eingesetzt werden um vor allem den Anteil der Frauen zu stärken.

3.3.1 Gleichstellung der Geschlechter

Hauptargument der Befürworter ist, wie in Punkt Zielsetzung von Quotenregelungen bereits formuliert wurde, das Entgegenwirken der Benachteiligung von Frauen. Mit der Einführung von Quoten wird Frauen ein gesetzlicher Anteil zugeschrieben, der es ihnen ermöglicht, ihre Rechte tatsächlich wahrzunehmen und in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gleichermaßen wie Männer präsent zu sein. Der Vorteil an Quoten liegt somit darin, dass sie bei richtiger Anwendung zur faktischen Gleichstellung der Geschlechter führen.[17]

3.3.2 Durchbruch der gläsernen Decke

Ein weiterer Vorteil von Quotenregelungen ist der Durchbruch der sogenannten gläsernen Decke. Unter dem Begriff gläserne Decke versteht man eine unsichtbare Barriere, die Frauen daran hindert Führungspositionen zu ergreifen. Vor allem der Weg vom mittleren Management in die oberen Entscheidungsetagen bleibt vielen Frauen versperrt, obwohl sie das gleiche Fähigkeitsprofil zeigen wie Männer. Zum einen sind es familiäre Verpflichtungen, die zur Barriere werden können; oftmals ist es jedoch schlichtweg die männliche Dominanz in den Führungsetagen. Das Topmanagement wird dominiert von vorwiegend männlichen Entscheidungsträgern, die ein berufliches Netzwerk schüren, welches für das berufliche Fortkommen entscheidend ist. Da Frauen aus diesen Netzwerken oft ausgeschlossen werden; bleibt ihnen der berufliche Aufstieg oftmals verwehrt.[18] Durch die Einführung verpflichtender Quoten im Topmanagement wird Frauen jedoch ein fixer Anteil an Führungspositionen zugesprochen. Ihnen wird somit der berufliche Einstieg bzw. Aufstieg in die Führungsetage ermöglicht und es gelingt der Durchbruch durch die gläserne Decke.

3.3.3 Ausschöpfung des gesamten Leistungspotentials

Ein weiteres Argument der Quoten-Befürworter ist, dass durch Quoten das gesamte Leistungspotential einer Bevölkerung ausgeschöpft wird. Damit ist gemeint, dass nicht nur die Fähigkeiten der Männer, sondern auch jene der Frauen bei der Wahl der Führungskräfte in Betracht gezogen werden.[19]

Man geht davon aus, dass der derzeitig hohe Anteil an Männern in Führungspositionen von mangelnder Ausschöpfung des weiblichen Leistungspotentials zeigt. Die Qualitäten der Frauen blieben dem Topmanagement bisher unerkannt, vermutlich aufgrund der veralteten, aber teilweise immer noch fortwährenden Behauptung, Männer seien gebildeter als Frauen.[20] Tatsächlich gibt es heute in der EU sogar mehr weibliche Hochschulabsolventen als männliche. So lag 2003 der Anteil an studierenden Frauen in der EU-15 bei ungefähren 53 %.[21] Demzufolge wäre eine Frauenquote, welche nicht nur das Talentpotential der Männer, sondern auch jenes der Frauen fördert, durchaus angemessen und vorteilhaft.

3.3.4 Beschleunigung des Prozesses

Eine wichtige Rolle in der Quotendiskussion spielt der Faktor Zeit. So argumentieren Befürworter, dass durch Quotenregelungen in kürzester Zeit ein Gleichgewicht zwischen Männern und Frauen hergestellt werde. Die historisch bedingte Benachteiligung der Frau würde sich zwar auch ohne äußere Einwirkung korrigieren, dieser Prozess würde ohne Quote jedoch viel länger vonstattengehen.[22]

[...]


[1] Vgl. Europäische Kommission: Viviane Reding in Berlin: Mehr Frauen in die Aufsichtsräte (22.09.2011). URL: http://ec.europa.eu/deutschland/press/pr_releases/10196_de.htm [21.02.2012]

[2] Vgl. Dezernat Gender Mainstreaming: Gender – ABC- Gender Mainstreaming. URL: http://www.wien.gv.at/menschen/gendermainstreaming/grundlagen/gender-abc.html [25.01.2012]

[3] Vgl. Buchholz, 2010, S. 14

[4] Vgl. Dezernat Gender Mainstreaming: Gender – ABC- Gender Mainstreaming. URL: http://www.wien.gv.at/menschen/gendermainstreaming/grundlagen/gender-abc.html [25.01.2012]

[5] Vgl. Gleiche Chancen.at: Begriffserklärungen. URL: http://www.gleiche-chancen.at/down/glossar.htm [25.01.2012]

[6] Vgl. Liebscher/ Fritzsche, 2009, S. 23

[7] Vgl. Politik Lexikon für junge Leute. URL: http://www.politik-lexikon.at/frauenquote/ [29.01.2012]

[8] Vgl. Lang, 1989, S. 40

[9] Vgl. Ebd., S. 40

[10] Vgl. Ebd., S. 42f.

[11] Vgl. Teigen, 2006, S. 140

[12] Vgl. Lang, 1989, S. 37

[13] Vgl. Bierkamp, 2008, S. 37

[14] Vgl. Lang, 1989, S. 40

[15] Vgl. Ebd., S. 37f.

[16] Vgl. Lang, 1989, S. 40

[17] Vgl. Ebd., S. 43, 144

[18] Vgl. Kroneck, 2007, S. 108ff.

[19] Vgl. Teigen/ Storvik, 2010, S. 7

[20] Vgl. Ebd.

[21] Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Bildung im europäischen Vergleich. URL: http://www.bmfsfj.de/doku/Publikationen/genderreport/1-Bildung-ausbildung-und-weiterbildung/1-2-bildung-im-europaeischen-vergleich.html [21.02.2012]

[22] Vgl. Lang, 1989, S. 144

Details

Seiten
40
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656360544
ISBN (Buch)
9783656360933
Dateigröße
959 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v207600
Institution / Hochschule
Fachhochschule Kufstein Tirol – Internationale Wirtschaft und Management
Note
1,8 (92%)
Schlagworte
quotenregelung norwegens wirtschaft mittel gleichstellung geschlechter

Autor

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Titel: Quotenregelung in Norwegens Wirtschaft - Ein geeignetes Mittel zur Gleichstellung der Geschlechter?