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Familien in der Einwanderungsgesellschaft: Erfahrungen in Bezug auf Informationen über Bildungsmöglichkeiten

Forschungsarbeit 2011 23 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsangabe

Einleitung

1. Migration in Deutschland

2. Akademische Ausbildung von Migrantenlnnen und Ausländerinnen in Deutschland
2.1. Exkurs 1: Schulbildung von Migrantenlnnen in Deutschland
2.2. Exkurs 2: Armut und Migration
2.3. Exkurs 3: Strukturdefizite des deutschen Schulsystems
2.4. Studierende mit Migrationshintergrund

3. Erläuterung der Forschungsfrage

4. Zugang zum Forschungsfeld

5. Forschungsmethodik
5.1. Begründung zur Wahl des Fragebogens
5.2. Aufbau des Fragebogens
5.3. Qualitative Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring

6. Auswertung der Daten
6.1. Quantitative Daten
6.2. Qualitative Daten

7. Zusammenfassung und Ergebnisse

8. Abschließende Einschätzung und Fazit

Literaturverzeichnis

Sonstige Quellen

Einleitung

Dieser Forschungsbericht widmet sich dem Thema „Migrantlnnen und Ausländerinnen an deutschen Universitäten und (Fach-)Hochschulen“. Hierbei wird der Frage nachgegangen, welche Bildungsbiografien und Erfahrungen Migrantlnnen bzw. Ausländerinnen mit mindestens einem nicht-deutschen Elternteil in Bezug auf Informationen über Bildungsmöglichkeiten gemacht haben und welche gesonderten Bedarfe sie bezüglich dieser Informationen haben.

Zu diesem Zweck wurde für die Arbeit ein statistischer Zugang gewählt, um die Situation der Zielgruppe fundiert darstellen zu können.

Viel hat sich bewegt, seitdem 1998 die rot-grüne Regierung zum ersten Mal anerkannt hat, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. (vgl. Mark Terkessidis 2010, S. 7)

„In den großen Städten sind heute mehr als ein Drittel der Bewohner nichtdeutscher Herkunft; bei den unter Sechsjährigen bilden die Kinder mit Migrationshintergrund sogar schon die Mehrheit.“ (Mark Terkessidis 2010, S. 7)

Bildung ist eines der zentralen Themen des 21. Jahrhunderts und besonders in Deutschland kommt Bildung eine Schlüsselqualifikation zu.

„Das Bildungssystem hat durch die Vermittlung von Wissen und die Vergabe von Zertifikaten einen entscheidenden Einfluss auf die soziale Platzierung seiner Absolventen und daran geknüpfte Lebenschancen: Je höher der erreichte Abschluss, desto größer die Chancen auf den gewünschten Ausbildungs- oder Studienplatz und damit im Allgemeinen auch auf die spätere berufliche Position.“ (Statistisches Bundesamt 2006, S. 481)

Weiterhin zeigt sich, dass Ausländerinnen bzw. Personen mit Migrationshintergrund an (Fach-)Hochschulen und Universitäten in Deutschland deutlich unterrepräsentiert sind. Dabei ist dies nicht Ausdruck geringerer Studienbereitschaft, sondern der bereits in den vorangegangenen Bildungsstufen stattgefundenen Selektionsprozesse. (vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2009, S. 7)

Zunächst einmal wird zu Beginn dieser Arbeit der Ausdruck „Migration“ definiert. Dies beinhaltet auch die Darstellung der Diskussion um den Begriff „mit Migrationshintergrund“.

Hieran schließt sich die Darstellung der akademischen Ausbildung von Migrantlnnen und Ausländerinnen in Deutschland an und der Fokus wird darauf gelegt, warum, wie schon angesprochen, Ausländerinnen und Migrantlnnen an deutschen (Fach-)Hochschulen und Universitäten unterrepräsentiert sind. Dem folgt die Erläuterung der Forschungsfrage und die Darstellung des Zugangs zum Forschungsfeld sowie der Forschungsmethodik. Der Hauptteil der Arbeit besteht aus der Auswertung der erhobenen Daten (Quantitative und Qualitative) anhand der qualitativen Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring.

Am Ende der Arbeit steht eine Zusammenfasssung der Ergebnisse, ein Fazit und die Perspektiven für die Handlungsfelder der Sozialen Arbeit.

1. Migration in Deutschland

Migration definiert sich über die räumliche Verlagerung des Lebensmittelpunktes einer Person (vgl. Bundesministerium des Inneren 2008, S.12).

„Zu den Menschen mit Migrationshintergrund zählen alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten, sowie alle in Deutschland geborenen Ausländerinnen und alle in Deutschland als deutsche Geborenen mit zumindest einem zugewanderten oder als Ausländerin in Deutschland geborenen Elternteil.“ (Statistisches Bundesamt 2008, S. 6)

Laut dem Statistischen Bundesamt lebten im Jahr 2009 15,7 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund (Migrantinnen) in Deutschland inklusive 7,22 Mio. Ausländerinnen. Dies sind 19,2% der Gesamtbevölkerung in Deutschland (vgl. Statistisches Bundesamt 2009, S. 32). Man kann also davon ausgehen, dass von den in Deutschland lebenden Personen annäherndjede fünfte Person einen Migrationshintergrund hat.

Eine erweiterte Definition des Begriffes „Migration“ nennt Ute Koch:

„Migration zielt zunächst auf die Realisierung von Lebenschancen an räumlich anderer Stelle. Kriterium dafür ist der Zugang zu Ressourcen wie Arbeit, Bildung, Einkommen und Gesundheit.“ (Ute Koch 2009, S. 175)

Laut dem Bundesministerium des Innern setzt sich die Gruppe der Migranten im Wesentlichen aus folgenden Personengruppen zusammen: EU-Binnenmigranten, nachziehenden Ehegatten und Familienangehörigen von Drittstaatsangehörigen, Spätaussiedlern, Flüchtlingen, Asylsuchenden, Werksvertrags- und Saisonarbeitnehmern sowie weitere zeitlich begrenzte Arbeitsmigranten aus Nicht-EU-Staaten, ausländischen Studierenden (Bildungsausländern) und jüdische Zuwanderern (vgl. Bundesministerium des Innern 2008b, S. 19).

Unter dieser Gruppe der Migrantinnen in Deutschland werden selbst zugewanderte Personengruppen (erste Generation) ebenso verstanden wie in Deutschland Geborene, von denen mindestens ein Elternteil zugewandert ist (zweite Generation) (vgl. Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und integration 2009, S. 16).

Die Begriffe Migrantinnen, Menschen mit Migrationshintergrund, Ausländer etc. werden oftmals synonym für die gleiche Bevölkerungsgruppe in Deutschland verwendet. Bei genauerer Betrachtung ergeben sich jedoch grundsätzliche Unterschiede. So ist es sinnvoll, zwischen Deutschen mit Migrationshintergrund und Ausländern ohne deutsche Staatsangehörigkeit zu unterscheiden.

Der Kollektivbegriff „Migranten“ fasst laut dem AWO Bundesverband, unterschiedliche Gruppen[1] zusammen und ermöglicht es, so die Bedürfnisse und den Bedarf von Migrantinnen unabhängig vom rechtlichen Status in den Blick zu nehmen (vgl. AWO Bundesverband e.V. 2009, S. 140).

„Dies ermöglicht also auf der einen Seite eine sozialpolitische Gleichbehandlung von Einwanderungsverläufen und richtet den Blick auf Integrationsleistungen, die für alle Einwanderinnen gelten. Auf der anderen Seite verhindert er die differenzierte Wahrnehmung von individuellen und gruppenspezifischen Migrationsverläufen“ (AWO Bundesverband e.V. 2009, S. 145f.). Trotz der Unvollkommenheit des Begriffes „Migrantinnen“ ist es am sinnvollsten ihn zu verwenden.

Seit dem Mikrozensus unterscheidet man bei Statistiken, welche sich auf Gesamtdeutschland beziehen, nicht mehr nur zwischen Deutschen und Ausländern, sondern betrachtet auch Menschen mit Migrationshintergrund, auch Migrantinnen genannt, als separate Gruppe.

Die Begriffe „Migrantinnen“ und „Menschen mit Migrationshintergrund“ können hingegen synonym verwendet werden. So verwendet der dritte Armuts-und Reichtumsbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2008 den Begriff „Migrantinnen“.

Dies verdeutlicht, dass sich die deutsche Politik und insbesondere die unterschiedlichen statistischen Landesämter noch auf keine einheitliche Richtlinie in Bezug auf die Betrachtung der Bevölkerungsgruppe der Ausländerinnen und Nachkommen von Einwandererinnen geeinigt haben.

Eine detaillierte Aufschlüsselung dieser Personengruppe ist mit den Ergebnissen der Zensusbefragung aus dem Jahr 2011 zu erwarten.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Deutschland seit den 1960er-Jahren einen Wandel in seiner Ausländer- und Einwanderungspolitik durchlaufen hat.

Karl-Heinz Meier-Braun stellt in seinem Artikel „Der lange Weg ins Einwanderungsland Deutschland“ fest, dass in Deutschland ein Perspektivenwechsel weg von den Gastarbeitern und hin zur Integration in die deutsche Gesellschaft stattgefunden hat und Deutschland ein Einwanderungsland geworden ist. Doch er sieht auch noch großen Handlungsbedarf bei der Integrations- und Zuwanderungspolitik (vgl. Meier-Braun 2007, S.21-40).

Der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Bundesverband stellt ebenso fest, dass Deutschland ein Einwanderungsland geworden ist (vgl. AWO 2009, S. 138).

Dass dieser Perspektivenwechsel noch nicht abgeschlossen ist, zeigt sich an den begrifflichen Schwierigkeiten, wenn die in Deutschland lebenden Personen mit einem Migrationshintergrund betrachtet werden.

2. Akademische Ausbildung von Migrantlnnen und Ausländerinnen in Deutschland

Wie bereits in der Einleitung angesprochen sind Ausländer bzw. Personen mit Migrationshintergrund an (Fach-)Hochschulen und Universitäten in Deutschland deutlich unterrepräsentiert. Dabei ist dies nicht Ausdruck geringerer Studienbereitschaft, sondern der bereits in den vorangegangenen Bildungsstufen stattgefundenen Selektionsprozesse. (vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2009, S. 7)

Im Folgenden werden zentrale Faktoren für die eben benannte Unterrepräsentation von Migrantlnnen an deutschen (Fach-)Hochschulen bzw. Universitäten genannt.

2.1 Exkurs 1: Schulbildung von Migrantlnnen in Deutschland

Die Ursachen für die Differenz der Bildungsverläufe zwischen Schülerinnen mit und ohne Migrationshintergrund sind vielschichtig und stehen in einem komplexen Zusammenhang. Zunächst einmal sind hier außerschulische Aspekte zu nennen. Die gesellschaftliche Organisation von schulischer Bildung setzt - im deutschen Bildungssystem mehr noch als in anderen Ländern - familiäre Ressourcen voraus. Hierzu zählen Kenntnisse über die Bildungsinstitutionen, ihre Arbeits- und Funktionsweise und die Rolle der Lehrenden. Neben die Bildungsferne tritt die sozial-ökonomische Schlechterstellung der Migrantenfamilien, denn die Chancen auf einen hohen Bildungserfolg verringern sich durch ein niedriges Einkommen der Eltern deutlich.[2]

2.2 Exkurs 2: Armut und Migration

Der dritte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2008 belegt den Zusammenhang zwischen Migrationshintergrund und Armut. So bestätigen die in dem Bericht angegebenen Daten die schwächere Einkommensposition von Menschen mit Migrationshintergrund (vgl. Bundesministerium für Arbeitund Soziales 2008, S. 139).

„Die Einkommenssituation von Migrantlnnen wird durch eine ganze Reihe von Faktoren negativ beeinflusst. Zu nennen sind hier insbesondere fehlende berufliche Qualifikationen bzw. nicht anerkannte berufliche Abschlüsse, Sprachbarrieren, Branchenabhängigkeiten sowie unterschiedliches Erwerbsverhalten.“ (Bundesministerium fur Arbeit und Soziales 2008, S. 139f)

So erzielen nur 14% der Menschen mit Migrationshintergrund ein Einkommen über 2000€ (ohne Migrationshintergrund: 23%) und aufgrund der im Durchschnitt geringeren Einkommen sind Personen mit Migrationshintergrund auch einem höheren Armutsrisiko ausgesetzt (vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2008, S. 140).

So sind laut dem Bericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2008 28,2% der Bevölkerung mit Migrationshintergrund armutsgefährdet und bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund sind dies 11,6% (vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2008, S. 141).

„Die Armutsrisikoquote ist definiert als Anteil der Personen, deren bedarfsgewichtetes Nettoäquivalenzeinkommen weniger als 60% des Mittelwerts (Median) aller Personen beträgt. Dieser Grenzwert wird auch als Armutsrisikogrenze oder -schwelle bezeichnet. Damit ist die mittlere Einkommenssituation die Referenzgröße. Dem Risiko der Einkommensarmut unterliegt also, wer einen bestimmten Mindestabstand zum Mittelwert der Gesellschaft aufweist.“ (Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2008, S. 278)

[...]


[1] Z.B. EU-Bürger, Spätaussiedler, Drittstaatsangehörige, Asylsuchende, Angehörige der zweiten, dritten, vierten oder gar fünften Einwanderergeneration

[2] Vgl. http://www.bpb.de/themen/UT3UG.html

Details

Seiten
23
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656347293
ISBN (Buch)
9783656350040
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v207355
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Darmstadt, ehem. Evangelische Fachhochschule Darmstadt
Note
1,8
Schlagworte
familien einwanderungsgesellschaft erfahrungen bezug informationen bildungsmöglichkeiten

Autor

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