Lade Inhalt...

Fünf Essays zum Thema "Globalisierung und Entwicklung"

Essay 2008 10 Seiten

Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten

Leseprobe

Die Freiheit, unfrei zu sein?

Nach Amartya Sen umfasst der Begriff der Freiheit wesentlich mehr, als im Alltagsgebrauch impliziert wird. Es sind politische und ökonomische Freiheiten, die Garantie auf Transparenz, so wie soziale Chancen und soziale Sicherheit, die als 5 zentrale Freiheitstypen als eine treibende Kraft fungieren; eine Kraft, deren Teleologie auf die (Weiter-)Entwicklung einer Gesellschaft abzielt. Vor diesem Hintergrund lässt sich ein interessantes Problem feststellen:

Besitzen die Menschen die Freiheit, aus ihrer Überzeugung heraus die Unfreiheit zu wählen, indem sie sich beispielsweise aus eigenen Stücken der Herrschaft eines Diktators unterstellen?

Ein starkes Argument spricht dagegen, es eine freie Entscheidung zu nennen, wenn ein Individuum entscheidet, sich unter einen „Volksführer“ zu beugen, denn provokativ kann man in den Raum stellen: Menschen entscheiden sich nicht für Unfreiheit! „Wählen“ sie dennoch diese, so wird es in vielen Fällen an einer bewusst ideologisierten Sozialisation liegen, derer diese Individuen von Geburt an ausgesetzt waren. Zumeist wurden diese Menschen in Traditionen hineingeboren, die keine Möglichkeit für eine objektive Betrachtung alternativer Lebensweisen zulassen. In einer defekten Demokratie zum Beispiel kann der Zugang zu meinungsbildenden Medien stak zensiert, bis ganz unterbunden werden. Die dortigen Bürger können also keine Informationen oder Eindrücke „von der anderen Seite“ erhalten. Oft wird zudem Furcht vor dem „Unbekannten“ in die Erziehung impliziert und so akzeptieren die Individuen ihren Lebensraum – unter beispielsweise einem Diktator – ohne Hinterfragung. Sie sind zufrieden mit dem, was sie besitzen und glauben zu wissen, dass die Suche nach anderen Lebensmodellen das Risiko ihr Leben bzw. ihren Besitz zu verlieren, nicht wert ist.

Die Gegner jedoch werden mit der Frage kontern: Können wir von „Außen” sagen, was unfrei ist? Für sie ist es sehr fragwürdig, ob ein Blickwinkel eindeutig festgelegt werden darf, von welchem aus man eine Bewertung von Freiheits – und Unfreiheitsgraden abgeben darf. Die Kritiker werden den zuerst beschriebenen Standpunkt mit dem Argument der „westlichen Arroganz“ ins Wanken bringen. Für sie ist der Entschluss zur Unfreiheit ein freier, denn wenn die freiwillig in Unfreiheit lebenden Menschen aus ihrer Perspektive glücklich sind, besitzt „der Westen“ nicht das Recht, diesen Menschen seine Sichtweise aufzudrängen.

Es lassen sich also folgende 2 Positionen festhalten: Es gibt die Vertreter der Auffassung, dass der Freiheitsbegriff impliziert, dass die Menschen nur durch aktive Nutzung ihrer Fähigkeiten ihre Lebensentwürfe verwirklichen, während die Kritiker jede freie Entscheidung – und damit eben auch jene, die zur Unfreiheit führt – in den Begriff der Freiheit einbinden.

Es scheint jedoch insgesamt überzeugender, dass dem ersten Standpunkt Recht zugesprochen werden muss. Freiheit muss im Wesentlichen bedeuten, dass Individuen für sich selbst handeln. Wer sich für Unfreiheit ausspricht, mag in dem Moment frei handeln, hat jedoch keinen weiteren Einfluss auf den Entwicklungsprozess seiner ihn betreffenden sozialen Umgebung. Das gemeinsame Ziel der 5 Freiheitstypen wäre ausgehebelt! So lässt sich nur zu dem Schluss kommen, dass Fremdbestimmung zu Unfreiheit führt.

Erstellung eines Essays zur Sitzung vom 27.10.2008

unter der Fragestellung: „Die Freiheit, unfrei zu sein?“

im Rahmen des Soziologiehauptkurses „Globalisierung und Entwicklung“ (WS 08/09)

von Cornelia Scherpe

Ergänzungsfach Soziologie

[...]

Details

Seiten
10
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656352495
ISBN (Buch)
9783656352792
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v207292
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Institut für Sozialwissenschaften
Note
Schlagworte
Globalisierung Amartya Sen Development as Freedom Ökonomie des Menschen Soziologie

Autor

Zurück

Titel: Fünf Essays zum Thema "Globalisierung und Entwicklung"