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Analyse und Interpretation der Gemälde "Riesengebirgslandschaft" von Casper David Friedrich und "Tirol" von Franz Marc

mit einem Vergleich im kunsthistorischen Kontext

Hausarbeit 2012 29 Seiten

Kunst - Malerei

Leseprobe

Gliederung

A) Casper David Friedrich - Riesengebirgslandschaft
1. Erster Eindruck
2. Beschreibung des Werkes
3. Bildanalyse
3.1 Schriftliche Analyse
3.1. 1 Komposition
3.1. 2 Farbgebung
3.1. 3 Körperhaftigkeit (Lichteinfall / Plastizität)
3.1. 4 Räumlichkeit
3.1. 5 Materialverwendung (Farbauftrag)
4. Interpretation

B) Franz Marc - Tirol
1. Erster Eindruck
2. Beschreibung des Werkes
3. Bildanalyse
3.1 Schriftliche Analyse
3.1. 1 Komposition
3.1. 2 Farbgebung
3.1. 3 Körperhaftigkeit (Lichteinfall / Plastizität)
3.1. 4 Räumlichkeit
3.1. 5 Materialverwendung (Farbauftrag)
4. Interpretation

C) Vergleich beider Werke bezüglich kunsthistorischen Kontextes

D) Anhang
1 Skizzen - Casper David Friedrich
1.1 Blankoskizze
1.2 Komposition
1.3 Bildaufteilung
1.4 Blickverlauf
1.5 Farbaufteilung
2. Skizzen - Franz Marc
2.1 Blankoskizze
2.2 Komposition
2.3 Bildaufteilung
2.4 Blickverlauf
2.5 Farbaufteilung

A) Casper David Friedrich - Riesengebirgslandschaft

Um den Überblick zu wahren und die Gedankengänge innerhalb der Gliedernngspunkte möglichst kohärent zu halten, wird im Folgenden zunächst nur Casper David Friedrich „Riesengebirgslandschaft“ untersucht und analysiert, bevor in einem weiteren Punkt auf Franz Marcs „Tirol" und letztlich auf den Vergleich beider Werke eingegangen wird.

1. Erster Eindruck

Casper David Friedrichs Ölgemälde „Riesengebirgslandschaft“ zeigt, wie der Titel verdeutlicht eine Gebirgslandschaft. In dem von ihm gewählten Ausschnitt sind sowohl ebene Felder, kleinere Baum- und Buschreihen, Häuser und eine Bergkette zu erkennen.

Im vorderen Bereich erstrecken sich ebene, weite Felder, die teilweise schon bestellt sind beziehungsweise dieser Vorgang gerade ausgeführt wird. So erkennt der Betrachter im vorderen Abschnitt, rechts von der Mitte einen Mann mit Pferd, der gerade dabei ist, seinen Acker zu bestellen. Vom linken Bildrand, circa im unteren Drittel erstreckt sich eine Baumkette, die in Büschen und Sträuchern endet. Dahinter sind ein Kirchturm und Hausdächer zu sehen. Im Mittelgrund dehnen sich helle, gelbe Felder, die sich vom restlichen, eher dunkleren Bild abheben aus und durch einzelne Baumreihen gegliedert werden. Der Vordergrund ist in erdigen Braun-, Grün- und Ockertönen gehalten und der Hintergrund ist in bläuliches, violettes und zartes gelb getaucht. Die Berge des Hintergrundes können in zwei Bereiche geteilt werden, einmal in die klareren, blauen und grünen vorderen Gebirgsketten. Und davon heben sich die verklärenden, verschwimmenden violett, gelblichen, im Dunst stehenden Bergketten dahinter ab. Diese sind für den Betrachter schwerer zu erkennen.

Alles in allem präsentiert Casper David Friedrich eine monströse Gebirgskette die in wiederkehrende Farbbereiche unterteilt ist. Schließlich wird auch für den Betrachter die weite und erhabene Natur dieser Landschaft ersichtlich.

2. Beschreibung des Werkes

Die naturnahe Szene erzielt vor allem durch die extremen Lichtverhältnisse, stimmungsvolle Farbgebung und der Betonung der heroischen Landschaft - die Person tritt durch ihre kleine Größe klar in den Hintergrund - ihre eigentümliche Wirkung. Mit Blick auf das Entstehungsjahr ca. 1810 lässt sich das Gemälde „Riesengebirgslandschaft“ von Friedrich, der als ein Hauptvertreter der Romantik gilt, dieser Epoche zuordnen. Die Ölfarbe ist in dünnen, lasierenden Schichten auf die mit den Maßen 55,5 x 70 cm querformatige Leinwand aufgetragen. Diese unterstreicht die horizontalen des Bildes und dadurch seine Wirkung. Nicht zuletzt ist der thematische Aspekt des Naturstudiums ein für diese kunstgeschichtliche Epoche typisches Motiv. So ist auch Casper David Friedrich (geb. 1774, gest. 1840) vor allem für seine extrem imposanten Natur- und Landschaftsdarstellungen bekannt, wie zum Beispiel ,Kreidefelsen auf Rügen‘.

Das vorliegende gegenständliche, natürliche Werk Friedrichs, zeigt einen Blick auf eine Landschaft mit Feldern und Bergen im Hintergrund. Die Felder im Vordergrund, die bereits zum Teil bestellt wurden, sind durch Gräben und/oder Busch- und Baumketten unterteilt. Das dem Betrachter am naheliegendste Feld, wird durch einen dunklen Graben mit Büschen - der vom linken Bildrand leicht schräg bis an den rechten Bildrand läuft - von den anderen Feldern abgegrenzt. Rechts im Bild, circa auf ein Viertel der Höhe vom unteren Bildrand befindet sich ein großer Baum, der vom Bildrand leicht angeschnitten ist. Auf selber Höhe zieht sich ein kleiner Busch in das Bild innere. Etwas dahinter und etwas mittiger, erblickt der Betrachter beim genauen Hinsehen einen Mann, der gerade dabei ist mit seinem Pferd das Feld zu bearbeiten. Wenn der Betrachter nun seinen Blick etwas weiter nach hinten zur Bildmitte schweifen lässt, erstreckt sich dort eine Buschkette zum linken Bildrand, wo sie in einer Baumkette endet. Diese Vegetationskette wird durch eine Kirche und zwei Häuser aufgelockert. Im Mittelgrund erstreckt sich eine hügelige, hell erstrahlte Landschaft, die ebenfalls von Bäumen und Sträuchern durchzogen ist. Diese teilen die Felder untereinander auf und geben der Landschaft eine natürliche Struktur. Dahinter, sehr zentral im Bild, schließt sich ein bewaldeter Berg an, auf dem sich eine kleine, für den Betrachter schwer erkennbare Burg befindet. Die Waldlandschaft dieses mittleren Berges zieht auch einzelne Baumreihen in den vorderen, helleren Bereich des Bildes. Hinter diesem Berg erscheinen dem Betrachter weitere Berge. Der Hintergrund ist ein zwei Bereiche zu unterteilen. So ist die vordere Bergkette klarer und nur sehr leicht verunklärt. Dieses Verunklären tritt vor allem oberhalb des Zentrums als Form von leichtem Nebel auf. Die Berge dahinter präsentieren sich dem Betrachter in einer anderen Farbigkeit und sind von dem Himmel kaum zu unterscheiden. Die Bergketten des Hintergrundes werden sowohl von dem rechten, als auch von dem linken Bildrand jeweils abgeschnitten.

Durch die gründliche Naturdarstellung und die stimmungsvolle Farbgebung wird der Eindruck einer realen Landschaftssituation geweckt. Die extremen Lichtverhältnisse und der Kontrast zwischen hell und dunkel zeigen dem Betrachter eine gegenständliche, tiefe Situation. Die Natur tritt in den Vordergrund und Mensch wird zur Staffage. Die Felder, obwohl sie vom Menschen beackert sind bzw. werden sind trotzdem durch natürliche Elemente strukturiert und das vom Menschgeschaffene steht im Einklang mit der Natur. Der kulissenartige, aufgebaute Raum mit seinem Verklären im Hintergrund erzeugt eine naturnahe Raumsituation. Der Blick des Betrachters kann durch die Landschaft schweifen.

3. Bildanalyse

Die Bildanalyse versteht sich als eine Kombination theoretischer Analyseabschnitte, deren Erkenntnisse auf zuvor angefertigte und in zusätzlichen Arbeitsblättern beigefügten Skizzen beruhen. Da die schriftliche Analyse im Vordergrund steht und die Skizzen nur als Hilfe dienen und hauptsächlich für den Verfasser als Stützte gedacht sind, sind diese, eher praxisorientierte Hilfestellungen am Schluss in einem separaten Anhang angeführt.

3. 1 Schriftliche Analyse

In der folgenden schriftlichen Analyse wird das vorliegende Werk nun nach traditionellen Kriterien wie Komposition, Farbgebung, Körperhaftigkeit, Räumlichkeit und Materialverwendung unter Einbeziehung der angefertigten Skizzen erörtert.

3. 1. 1 Komposition

Die Weite der Landschaft, die dargestellt ist, wird durch die Wahl des Querformats unterstrichen. Das Format wirkt zusätzlich zur dargestellten Naturszene sehr ruhig und einheitlich. Die deutlichen Größenunterschiede der Bäume, am rechten Bildrand der große Baum und links die Baumkette führen zu einem proportionalen Gleichgewicht im Bild. Friedrich betont vor allem die Horizontale, die sich von links nach rechts an der Baumkette durch das Bild zieht (vgl. D 1.2 Kompositionsskizze). Diese hat ebenfalls eine ruhige und sanfte Wirkung auf den Betrachter. Die Nähe zum Betrachter wird vor allem durch die Bäume und den Kirchturm, die senkrecht im Bild stehen erzeugt. Auch die Berge im Hintergrund ragen senkrecht aus den Feldern hervor und ziehen den Blick des Betrachters in das Bild und somit in die Tiefe und Weite der Landschaft. Die Steigungen im Bild werden oft durch entsprechende Gefälle, wie bei dem Berg mit Burg in der Mitte aufgehoben und entkräftet in ihrer Wirkung. Doch überwiegen die Steigungen und erzeugen eine wirkmächtige Wirkung. Es kommt klar der Ausdruck von Größe und Dimension zum Vorschein. Ein unentkräftetes Gefälle bildet der Graben im Vordergrund, doch erzeugt er einen Zugang für den Betrachter in das Bild.

Das Bild „Riesengebirgslandschaft“ von Friedrich kann in drei Teile gegliedert werden. Das untere Drittel bildet der Vordergrund mit seinen Feldern, das Zweite der Mittelgrund mit den hügeligen Feldern und dem zentralen Berg. Der Hintergrund, das dritte Drittel bilden die Berge und der Himmel. Dadurch erscheint das Bild sehr übersichtlich und geordnet. Die allgemeine Richtungstendenz ist horizontal und wir durch diese Aufteilung und extreme Betont durch die Baumreihen und den farblichen Abgrenzungen. Durch die gleichmäßige, natürliche Reihung der Berg- und Baumketten entsteht für den Betrachter eine klare und übersichtliche Ordnung. Er kann sich sehr genau durch das Bild arbeiten und die einzelnen Aspekte sehr genau rauslesen. Dies wird durch Ballungen erleichtert, hierzu vergleiche man die Baumketten und kleinen Wälder, die die Konzentration des Betrachters anziehen. Und somit auch wieder eine Nähe zum Betrachter herstellen.

Alles in allem wirkt die Komposition aufeinander abgestimmt und sehr durchdacht, jedoch erst auf den zweiten Blick. Der Betrachter wird mit Hilfe von einzelnen kompositorischen Mitteln in das Bild hineingezogen. Es gibt auch Momente im Werk in dem der Betrachter zur Ruhe kommt und sein Blick, serpentinenartig durch das Bild gelenkt wird. Es ist ein sehr ausgewogenes, kompositorisches Werk Friedrichs, das den Betrachter in seinen Bann zieht. Ein Wechselspiel zwischen natürlicher Landschaft und künstlich, arrangierter, geschaffener Natur offenbart sich dem Betrachter. Friedrich präsentiert eine unendliche Landschaft, welche dem Betrachter

Ruhe und Ewigkeit vermittelt. Durch das Querformat und der gestaffelten Komposition unterstreicht er den horizontalen Charakter und vermittelt Harmonie und Ausgewogenheit.

3. 1. 2 Farbgebung

Vorherrschende Farben in diesem Bild sind erdige, natürliche Farbe. Die Gelb- und Ockertöne in der Mitte sind genauso auffallend, wie die Violett- und Gelbtöne im oberen Bereich des Bildes. In den vorderen Feldern überwiegen vor allem dunkle, erdige Grüntöne, die mit Braun versetzt sind. Nur von links nach rechts, vor dem Graben zieht sich ein etwas hellerer brauner Streifen entlang. Diese olivgrünen Felder werden zur linken Baumkette etwas heller, was sich dann auch auf den Feldern hinter dem Graben fortsetzt. Der Mann, der in diesen ockerbraunen Feldern arbeitet, ist auch in Braun-Grüntönen gekleidet. Er hebt sich nur durch sein schwarzes Haupt und ebenfalls schwarzes Ross von der Landschaft ab. Die dahinter liegenden Felder sind in verschiedenen Gelbnuancen gemalt und werden durch blass grüne Baumreihen durchbrochen. Die stehen zu den kräftig, dunklen, fast schon schwarzen Bäumen im vorderen Bereich, vergleiche hier vor allem die linke Baumreihe. Ein einziger kleiner farbiger Akzent lässt sich an der Kirche festmachen, die ein blass rotes Dach besitzt, das sich aber in die gelben, umliegenden Felder einreiht und somit kaum auffällt. Rechts der Berg, wird in den Ockertönen der Felder weitergeführt und endet in einen hellem grün, wie auch der kleine Hügel vor dem Berg mit der Burg. Diese graue Burg, wird von einem sehr satten, dunklem grünen Wald umgeben, welcher sich in den umliegenden Bergen und Hügeln fortsetzt. Jedoch wird das Grün etwas blasser und verliert an Kraft, durch das Weißliche des Nebels. Dennoch heben sich diese grünen Hügel immer noch von den dahinter liegenden Hügeln ab. Da diese vollkommen in einem gelblichen, violetten und rosigen Dunst liegen. Einzig und allein in der linken, oberen Bildhälfte sind noch grün-graue Abschnitte auf den Bergen zu erkennen. Diese doch etwas verschwimmende Farben im Hintergrund laufen in den weiß-gelb-blau Farbigen Himmel über. Je näher die Berge dem Himmel kommen umso heller und weißer werden sie.

Friedrich verwendet im Vordergrund reine Farben, dagegen im Hintergrund getrübte und vermischte Farben. Die einzelnen Farbflächen sind manchmal stärker, manchmal schwächer voneinander abgrenzt. So grenzen sich die mittleren Berge, vor allem der Berg mit der Burg klar von den Feldern und den hinteren Bergen ab. Dagegen gehen die Berge ganz hinten bzw. oben fast nahtlos in den Himmel über und verschmelzen fast schon mit ihm. Friedrich verwendet vor allem erdige Töne, die in der Natur vorkommen. Die Farbgestaltung unterstreicht die Tiefenwirkung, die bereits bei der Komposition festgestellt wurde. Auch sind die Farben ausgewogen und entsprechen der landschaftlichen Farbgebung des gewohnten Betrachterbildes.

3. 1. 3 Körperhaftigkeit (Lichteinfall / Plastizität)

Von links fällt ein Lichtstrahl auf die Landschaft und dieser erhellt die gelben Felder. Dies ist auch an den Bergen zu erkennen, da die linke Seite jeweils heller erscheint als die rechte. Darum ist auch die links am Bildrand liegende Bergkette, die von links oben nach rechts unten läuft auch gründlicher, als der Rest der oberen Bergkette, da dort kein Licht hinfällt. Festzuhalten ist noch, dass die Lichtquelle außerhalb des Bildes liegt. Durch den Einfall des Lichts, der sich vor allem auf den mittleren Bereich des Bildes konzentriert tritt auch klar die kleine Kirche und ihr Kirchturm hervor und wird beleuchtet, wohingegen die Baumkette, genau auf der Seite beleuchtet wird, die dem Betrachter abgewandt ist. Somit liegt der vordere und hintere mittlere eher im Schatten und nur die gelben Felder und die dunstigen Berge und der dunstige Himmel in Hintergrund werden beleuchtet bzw. reflektieren das Licht.

Das Licht spiegelt sich außerdem in dem Dunst und Nebel, der die oberen und hinteren Berge umgibt. Was zum Teil auch die extreme Farbgebung begründet. Dies Tiefenwirkung und Lichtverhältnisse erreicht Friedrich durch die Sfumatotechnik, indem er den Hintergrund immer unschärfer werden lässt. Es existieren keine klaren Umrisse beziehungsweise Linien, alles erscheint nebulös, wie von einem Schleier umgeben. Die Verwendung des Sfumato zeigt sich daran, dass die einzelnen Formen nicht von schwarzen Konturen umgeben sind, sondern sich durch ihre Farbigkeit voneinander abgrenzen. Das ganze Werk ist in ein natürliches Licht getaucht.

3. 1. 4 Räumlichkeit

Die natürlichen Lichtverhältnisse, wie auch die Technik des Sfumato wirkt auf die dargestellte räumliche Situation. Es entsteht eine Tiefenwirkung und der Raum erscheint dem Betrachter als sehr real, als stünde er vor dieser Natur. Somit liegt eine realitätsgetreue Perspektive - Luftperspektive - vor und der Betrachter kann sich dieser auch annehmen, da sie ihm bekannt ist. Was durch die Anhäufungen und Staffelungen verstärkt wird, eben durch eine Darstellung einer ,natürlichen‘ Natur, die nicht künstlich verändert wurde.

Eben durch die genannten Aspekte entsteht eine Tiefenwirkung, die den Betrachter in das Bild holt. Durch die Technik des Sfumato, was im Bereich der Farbe eine Verblassung und Verblauung in der Tiefe, also im Hintergrund bedeutet wird diese Tiefe und Weite bekräftigt. Auch die erdigen, natürlichen Farben lassen einen realen Raum entstehen, der weder künstlich noch unnatürlich wirkt. Auch sind die Bäume und Berge in ihrer Farbigkeit moduliert und machen einen räumlichen, dimensionalen Eindruck auf den Betrachter. Formen ergeben sich durch die Abgrenzung von verschiedenen Farben. Es existiert kein Schwarz, also auch keine schwarze Konturen.

Durch die Verkleinerungen der Bäume und den Größenunterschieden zwischen den Bäumen, der Person und der Burg entsteht für den Betrachter ein räumliches Gebilde. Diese Räumlichkeit verstärkt sich durch die Überschneidung und Überlagerung die im Bild einen sehr natürlichen Charakter annehmen. So Überschneiden bzw. Überlagern sich der Bäume und die Kirche, die Burg und der umliegende Wald und auch die Berge besitzen Schnittpunkte.

Schließlich liegt ein ausgewogener, räumlicher Aufbau vor, der es dem Betrachter ermöglicht sich diese Landschaft real vorzustellen. Der Künstler tritt als Architekt der Natur - einer englischen Landschaft - auf und der Betrachter bemerkt nicht, dass der Künstler vorhanden ist und die natürliche Struktur arrangiert und angelegt hat. Es lassen sich immer wieder einzelne markante Punkte (Burgruine, Baumstamm, etc.) finden, die den Blick des Betrachters durch das Werk führen, wie der Graben, die linke und rechte Baumreihe, die Burg und auch die einzelnen, abgrenzenden Farbbereiche.

3. 1. 5 Materialverwendung (Farbauftrag)

Friedrich trägt die Ölfarben lasierend übereinander auf, vor allem in Hintergrund um die Unschärfe und das Verklären zu verdeutlichen. Dadurch erzielt er eine Tiefenwirkung, was wiederrum zur Räumlichkeit des Bildes beiträgt. Durch diesen lasierenden Auftrag erreicht er verschiedene Farbnuancen und auch das Durchschimmern und Durchscheinen der Farben unter anderen. Eben das nebelige und dunstige wie es bei der Bergkette ersichtlich wird. Schließlich wurden die Lokalfarben durch weiß aufgehellt oder durch schwarz oder braun abgedunkelt um eben verschieden Nuancen zu erreichen.

Das ineinander fließen der Farben unterstreicht die Unendlichkeit und Weite der Landschaft, was sich wiederum auf den Betrachter überträgt. Durch das lasieren tritt keine Farbnuance wirklich zweimal auf und eine natürliche Farbgebung entsteht. Kein schwarz und keine harten Kanten treten auf, alles wirkt sehr organisch und wirklichkeitsgetreu.

4. Interpretation

All diese Stilmittel bewirken, dass Friedrichs „Riesengebirgslandschaft“ die Sehnsucht des Menschen und die Natur als allgegenwärtiges Göttliches (Kirche als hellste Stelle) ausdrücken. Seine Landschaft entspricht der in der Romantik vorherrschenden Ordnung, dass der Mensch in und mit der Natur lebt. So ist die Person nur Staffage und als Rückenfigur zu erkennen. Der Bauer gliedert sich sowohl farbig, als auch in seiner Tätigkeit - das Arbeiten in und mit der Natur - in das Landschaftsbild ein. Mensch wird ein mit der naturbelassenen Natur in diesem Werk. Der Bauer in diesem Bild und allgemein die Zeitgenossen der Romantik arbeiten mit der Natur, dies ist vergleichbar mit der Tat des Künstlers, der auch mit der Natur arbeitet. Friedrich schafft eine natürliche Natur, die es so geben könnte, aber dies tut es eben nicht. Der Betrachter hat die Illusion als sehe er einen echten Ausschnitt einer Landschaft, doch wurde diese von Friedrich so inszeniert als gäbe es sie wirklich.

Die Gebäude sind sehr klein und dezent, sie fügen sich in die Landschaft ein und werden mit ihr eins. Sie zerstören das Landschaftsbild nicht, sondern werden eins mit ihr. Die Gebäude sind jeweils von Bäumen oder Wäldern umgeben und erscheinen dem Betrachter nur in Ausschnitten, nie als Ganzes. Schließlich verwendet Friedrich natürliches Licht, welches das Bild in mehrere Ebenen teilt. Vorne und in der Mitte der dunklere Bereich, der im Schatten der linken Lichtquelle außerhalb des Bildes liegt. Der durch jeweils einen helleren Abschnitt begrenzt beziehungsweise unterbrochen wird. Einerseits wirken die helleren Bereiche sehr idyllisch, dagegen die dunklen eher bedrohlich. Doch überwiegt das dunkle Vordere und Mittlere, so dass Friedrich den heroischen, monströsen Charakter der Natur zum Ausdruck bringt, wie auch in anderen seiner Gemälde. Verdeutlicht wird dies durch den Titel „Riesengebirgslandschaft“, da auch Gebirgslandschaft ausgereicht hätte, doch durch das vorschieben des Wortes ,riesen‘ wird der heroische Charakter erneut verstärkt. Und das bewusst komponierte Bild erhält eine melancholische Wirkung. Die natürliche Abbildung der Natur vermittelt die Mächtigkeit der Berge und der weiten Felder. Auch wenn der Bauer sich der Natur bemächtigt und sie bearbeitet und sich somit ihrer untertan macht. So ist er doch eins mit ihr (vgl. Farbgebung der Kleidung) und ist sich dessen Größe und Macht bewusst. Dies verdeutlicht sich im Kontrast der Größe der Berge und der Person, da die Person viel kleiner ist als die Bäume und Berge, obwohl sie vom Betrachter viel weiter weg sind. Die kleine Burg verdeutlicht den Einfluss und die Bedeutung des Mittelalters in der Romantik und auch den Rückzug in das Private. Die Burg, die schon zerfällt, verkörpert vergangene Zeiten und das Überdauern, als Rest von Menschgeschaffen überlebt sie diesen, wie die Natur. Auch benötigt die Entstehung und der Bau einer Burg sehr lange, wie die Bildung von einem Gebirge, Wald und einer dichten Vegetation und steht im klaren Kontrast zum kurzen Auftritt des Mensch auf der Erde.

Die Menschen zur Zeit der Romantik suchen Schutz und Zuflucht in der Natur und sind sich dessen Macht und Göttlichkeit bewusst. Dies scheint Friedrich in diesem Werk „Riesengebirgslandschaft“ umzusetzen. Die Kirche bildet im hellen Mittelgrund einen Ruhepunkt und Verkörpert sowohl Ruhe als auch ein göttliches Element in der Natur. Auch mit dem Blick in die unendliche Weite, regt er den Betrachter an, die Sehnsucht und das Nachdenken über das kurze irdische Leben zu schärfen. Und durch das Verklären des Horizonts ist dem Betrachter der Blick in die Ferne beziehungsweise das Ende des Gebirges verwehrt und somit wird die unendliche Weite bestärkt. Der Betrachter erfasst das Bild sehr schnell, da es klar und bewusst komponiert ist, jedoch ist die Verweildauer sehr lang, da es keinen Anfang und kein Ende, keine links und kein rechts gibt, der Betrachter verliert sich im Bild. Die Natur überdauert den Menschen, der in sie eindringt - er baut Kirchen, Burgen, Häuser - doch besteht dies fort und der Mensch ist nur ein kurzes Aufleben in der Ewigkeit der Natur.

Das natürlich, künstliche Bild steht für Ruhe, Stille, Harmonie, Weite, Unendlichkeit, Ewigkeit und grenzenlose Weite. Zeit spielt hier eine entscheidende Rolle, so steht die Burg im zeitlichen Verfall und weist einen zeitlichen Verlauf vor. Auch das Gebirge, dessen Entstehung mehrere Jahrtausende in Anspruch nimmt präsentiert einen Zeitverlauf. Friedrich ging es dabei eine Landschaft zu formen, die wie eine naturnahe zu scheinen vermag, um die Sehnsucht und das verlieren in der Natur zu verdeutlichen.

[...]

Details

Seiten
29
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656346920
ISBN (Buch)
9783656395539
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v207285
Note
Schlagworte
analyse interpretation gemälde riesengebirgslandschaft casper david friedrich tirol franz marc vergleich kontext

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Titel: Analyse und Interpretation der Gemälde "Riesengebirgslandschaft" von Casper David Friedrich und "Tirol" von Franz Marc