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Die medizinische Versorgung im therapeutischen Prozess

Angewandte Verhaltensmedizin

Referat (Ausarbeitung) 2012 15 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Angewandte Verhaltensmedizin
2.1. Geschichtlicher Hintergrund
2.1.1. Definition der Verhaltensmedizin
2.2. Grundlagen der verhaltensmedizinischen Diagnostik
2.3. Die stationäre angewandte Verhaltensmedizin
2.3.1. Die psychosomatische Fachklinik Bad Dürkheim
2.3.1.1. Der therapeutische Prozess und die medizinische Versorgung
2.3.1.2. Fallbeispiel

3. Zusammenfassung

4. Literatur

1. Einleitung

In dem dieser Arbeit vorausgehenden Referat ging es darum, die medizinische Versorgung in einem stationären Therapiesetting darzustellen. Dieses Thema nimmt Bezug auf die angewandte Verhaltensmedizin, ein spannendes und herausforderndes Berufsumfeld für Psychologen. Interdisziplinär wird hier im Bereich der Psychosomatik eng verzahnt und gleichberechtigt mit Ärzten auf Basis einer funktionalen Diagnostik kooperiert.

In dem Referat wurde aus Zeitgründen hauptsächlich die medizinische Seite dargelegt und mit einem Fallbeispiel illustriert, dass bei dieser kooperativen, funktionalen Vorgehensweise auch von den Eingangsdiagnosen abweichende Entlassungsdiagnosen herauskommen können.

In der vorliegenden Arbeit wird nun der Frage nachgegangen, wie die medizinische Versorgung in den therapeutischen Prozess eingebunden sein kann. Vorher werden die Verständnisgrundlagen geschaffen über die Erläuterung der geschichtlichen Zusammenhänge, die zur Begründung der noch recht jungen Disziplin Verhaltensmedizin führten, sowie über die Darlegung der Grundlagen verhaltensmedizinischer Diagnostik.

2. Die Angewandte Verhaltensmedizin

2.1. Geschichtlicher Hintergrund

Bis ins 20. Jahrhundert war der Bereich „Krankheit“ der traditionellen Medizin unterstellt. Es gab allerdings auch Krankheiten, bei denen die Ätiologie nicht geklärt werden konnte und bei denen die medizinischen Maßnahmen keine Wirkung zeigten. Vermutet wurden psychische Ursachen für diese Krankheitsbilder und in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts führten diese Überlegungen zur Gründung der „Psychosomatik“ bzw. „Psychosomatischen Medizin“. Diese Fachrichtung war anfangs nur durch einen psychodynamischen Ansatz vertreten. In der Psychodynamik wird das „Denken in Analogien und Symbolen“ (zitiert nach Florin, Vögele & Tuschen-Caffier, 1999, S. 3) gelehrt, während die traditionelle Medizin sich einem naturwissenschaftlichen Ansatz verpflichtet fühlt. Desweiteren interessierte sich die Psychosomatik anfangs nur für einen kleinen Teil von Störungen, was zu der falschen Annahme führte, es gäbe nur rein psychisch und rein körperlich bedingte Krankheiten. Beide Ansätze ließen sich kaum verbinden und führten zu einer Dichotomie in der Krankenbehandlung, d.h. es gab zum einen organmedizinisch orientierte Krankenhäuser und zum anderen die psychodynamisch arbeitenden psychosomatischen Kliniken. Diese strikte Trennung und Kontrastierung der Disziplinen stieß schnell an ihre Grenzen, aufgrund von neuen Erkenntnissen von Medizinern und forschenden Psychologen. In den 80ern wurden Stimmen laut, die eine strengere Wissenschaftlichkeit in der Psychosomatik forderten, sowie Bestrebungen, einem multifaktoriellen Ansatz bei der Betrachtung körperlicher Erkrankungen zu folgen. Es wurde bereits 1953 ein biopsychosoziales Krankheitsmodell formuliert, welches außerdem die Wichtigkeit der Lernpsychologie für das Verstehen von Krankheit betonte. (Florin, Vögele & Tuschen-Caffier, 1999)

Desweiteren tauchte eine neue Therapieströmung auf, die schnell an Bedeutung gewann, die Verhaltenstherapie. Ursprünglich berief sie sich nur auf Lerntheorien, wurde aber seit den 70ern zunehmend „kognitiver“ durch die Integration zahlreicher Gebiete der wissenschaftlichen Psychologie und Psychotherapie. Auch Kenntnisse über die Psychophysiologie flossen in die Verhaltenstherapie mit ein und ihre empirische Vorgehensweise war zudem mit der medizinischen kompatibel. (Wittchen & Hoyer, 2012)

Die Verhaltensmedizin ist nun der Versuch die vielen Strömungen und Entwicklungen der letzten Jahrzehnte in den wissenschaftlichen Disziplinen zu verbinden und die Dichotomie von Psychologie und Medizin in der Patientenversorgung aufzulösen. Sie setzt sich kurzgesagt zusammen aus der Verhaltenstherapie und der Organmedizin.

2.1.1. Definition der Verhaltensmedizin

Eine Definition der Verhaltensmedizin wurde erstmals auf der „Yale Conference on Behavioral Medicine“ im Jahre 1977 formuliert. (Florin et al., 1999)

Neuere Definition „Verhaltensmedizin“:

„Die Verhaltensmedizin erforscht und nutzt das Zusammenspiel zwischen den physiologischen, motorischen, kognitiven und emotionalen Besonderheiten des Menschen für die Behandlung medizinischer Problemstellungen.“ (Leidig, 2001, S.30)

Die angewandte Verhaltensmedizin beschäftigt sich mit Anwendung dieser Erkenntnisse im Hinblick auf Prävention, Diagnose, Behandlung und Reha von Krankheiten. (Zielke & Mark, 1990)

2.2. Grundlagen der verhaltensmedizinischen Diagnostik

Die gemeinsame Arbeitsbasis der zahlreichen beteiligten angewandten Disziplinen in der Verhaltensmedizin umfasst zwei wesentliche Aspekte:

- einem hypothesengeleiteten, an überprüfbaren Veränderungsprozessen orientierten Vorgehen und
- einen funktionellen Ansatz bezogen auf das klinische Handeln, sowohl in der Diagnostik, als auch in der Therapie

Bei (Multi-)Morbidität wird nicht mehr nur monokausal organpathologisch diagnostiziert und therapiert, es existiert längst eine multifaktorielle Betrachtungsweise und eine entsprechende Therapie.

Der Verhaltensmedizin liegt ein biopsychosoziales Krankheitsmodell zugrunde. Bei Diagnostik und Therapie wird auf der biologischen, psychologischen und sozialen Ebene angesetzt. (Wittchen & Hoyer, 2012)

Neben den biologischen Parametern spielen intraindividuelle Erkrankungsbedingungen im Hinblick auf Diagnostik und Behandlungsplanung eine wichtige Rolle. Es werden diejenigen sozialen, ökonomischen und ökologischen Umwelteinflüsse untersucht, die für die Ätiologie und Aufrechterhaltung der Erkrankung Bedeutung haben könnten.

Hierzu ergänzt Leidig (2001), dass Störungen, die im Rahmen präventiver bzw. rehabilitativer Aufgaben zu behandeln sind, nur unter Berücksichtigung von Lebensgewohnheiten, Umweltbelastungen und individuellen Verhaltensbesonderheiten zu therapieren sind. In bezug auf Ätiologie und Therapie gibt es keine Kausalität im Sinne einer Ursache-Wirkungsfolge. Das Symptom- oder Problemverhalten wird funktional mit organismischen, psychischen und sozialen Kontextfaktoren erfasst.

In der Verhaltensmedizin ist Erkrankung so konzeptualisiert, dass der Blickwinkel auf die aktuelle Problemlage immer verändert werden kann. Die diagnostische und die therapeutische Strategie stehen dabei in engem Zusammenhang.

Ein Vergleich der klassischen mit der funktionalen Diagnostik ist in Tab.1 dargestellt.

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Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656344025
ISBN (Buch)
9783656344643
Dateigröße
968 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v207223
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – für Psychologie
Note
1,0
Schlagworte
Medizinische Versorgung Therapeutischer Prozess Therapie Klinische Psychologie Angewandte Verhaltensmedizin Verhaltenstherapie psychosomatische Fachklinik Diagnostik Psychosomatik Behandlungselemente Fallbeispiel

Autor

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Titel: Die medizinische Versorgung im therapeutischen Prozess