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Der Weg zur Gleichberechtigung im Libanon - eine Analyse der aktuellen Stellung der Frau

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 16 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Frauenorganisationen im Libanon
2.2 Situation der Frau
2.3 Wirkung der Gesetzgebung auf die Situation der Frau
2.3.1 Ergebnis des dritten CEDAW-Reports
2.3.2 Ehe-und Erbrecht
2.3.3 Strafrecht und Gewaltdelikte
2.3.4 Berufe und Stereotypen
2.3.5 Bildung
2.3.6 Politische Partizipation

3 Wege zu mehr Gleichberechtigung

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

6 Internetquellen

1 Einleitung

1953 erhielten Frauen im Libanon das Wahlrecht und können auch selbst ins Parlament gewählt werden. In der Realität jedoch sind Frauen in der Politik immer noch eine Ausnahme und die Legislative liegt fast ausschließlich in Männerhand.

Hinter Frauen, denen der Durchbruch trotzdem gelingt, wie Myrna Boustani , der ersten Frau im libanesischen Parlament oder Nayla Mouawad, Ministerin für Soziale Angelegenheiten, stehen oft verwandtschaftliche Beziehungen mit bereits politisch engagierten Männern, die ihnen den Durchbruch ermöglichen.[1] Und trotz einer stetigen Entwicklung – vermehrt auch unter muslimischen Frauen im Namen des islamischen Feminismus - hin zu mehr Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, insbesondere vor dem Gesetz, werden Frauen immer noch de facto benachteiligt.

In dieser Arbeit widme ich mich der Frage, warum sich die Forderung nach

Gleichstellung von Frau und Mann in einem vom Westen gerne als „fortschrittlich“ und

„liberal gesinnt“ bezeichneten Staat als so schwierig heraus stellt. Welche Gründe gibt es für die oftmals frauendiskriminierende Gesetzeslage? Welchen Einfluss können internationale Konventionen auf die tatsächliche Umsetzung der Gleichberechtigung von Mann und Frau im Libanon ausüben?

Zur Beantwortung dieser Fragen werde ich im ersten Teil meiner Arbeit in knapper Form einige der wichtigsten Frauenorganisationen vorstellen sowie ihre Ziele und Errungenschaften. Im Hauptteil analysiere ich die gegenwärtige Situation der Frau im Libanon, wobei ich meine Hauptthesen auf den 2006 erschienenen dritten Report des Übereinkommens zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW) stütze. In meiner Analyse konzentriere ich mich auf mögliche Gründe, die die Frauenemanzipation im Libanon erschweren mit Bezug auf die Bedeutung von Religion. Insbesondere werde ich auf die Benachteiligung der Frau vor dem Gesetz eingehen. Mein Fazit wird die Antwort auf die eingangs gestellten Fragen zusammen fassen.[2] http://www.peacewomen.org/news/MiddleEast/June09/Lebanon_CrawltoEquality.html

2 Hauptteil

2. 1 Frauenorganisationen im Libanon

In den letzten Jahrzehnten sind zahlreiche Frauenorganisationen im Libanon entstanden, die die Geschlechterthematik behandeln. Insgesamt arbeiten mehr als dreitausend NGOs im Libanon an Projekten zur Gleichberechtigung der Frau.

Das Lebanese Council to Resist Violence Against Women wurde 1997 zum Kampf gegen sexuelle Gewalt gegründet. Sie ist die einzige Organisation im Libanon, die sich ausschließlich dem Problem von Gewalt gegen Frauen zugeschrieben hat, sei diese physischer, emotionaler, sexueller oder anderer Art. LECORVAW hat dazu beigetragen, dass das Thema offener diskutiert und der Einsatz gegen weiblichen Missbrauch in vielen Reihen der Gesellschaft Unterstützung gefunden hat.

1952 schlossen sich libanesische Feministen zu der Assembly of Lebanese Women's Associations (heute bekannt als The Lebanese Council of Women) zusammen. Ihr Ziel war es, gemeinsame Grundlagen für eine libanesische Feminismusbewegung zu schaffen. Ihr erster und bisher größter Erfolg ist das 1953 eingeführte Wahlrecht für Frauen. Die Frauenrechtler sehen diesen Erfolg als den Anfang eines fünfzig Jahre andauernden Kampfes um die Verbesserung des sozialen, wirtschaftlichen und politischen Status der Frau.

Das National Committee for Lebanese Women's Affairs ist eine Regierungsorganisation, die als Ziel die absolute Gleichstellung von Mann und Frau anstrebt. Ihr Fokus liegt auf der Sicherstellung von Menschenrechten für die Frau und auf einer Stärkung der Teilnahme an der Politik und der Gesetzgebung.

Weitere Organisationen sind das Committee for the Political Rights of Wom en, die Lebanese Association of Women Lawyers, das Council for Lebanese Women’s Organizations und die National Commission for Lebanese Women (NCLW).[3][4]

Auch innerhalb der Hizbollah gibt es politisch engagierte Frauen, die für die Gleichberechtigung eintreten.[5]

2. 2 Situation der Frau

De r Libanon ist eine Ansammlung von zersplitterten Gemeinschaften, die nur vom Patriarchat zusammen gehalten werden“,[6] glaubt Suad Joseph, Leiterin des Institutes für mittelöstliche Frauenstudien an der Universität von Kalifornien.

Allerdings ist sie in ihren Strukturen weitaus facettenreicher als dies in anderen arabischen Staaten der Fall ist. Während beispielsweise in Syrien die Schari‘a als Rechtsgrundlage gilt, sind es im Libanon die 18 anerkannten Religionsgemeinschaften, die Personenstandsangelegenheiten (z.B. Heirat, Scheidung, Eigentumsfragen, Erbfragen) regeln .[7] Demnach gelten auch für die ca. 60% der Muslime im Land andere Regeln als für die 39% der Christen.

Die große religiöse sowie kulturelle Vielfalt, für die der Libanon so berühmt ist, unterliegt in der Realität meistens genauen Regelungen. Welche Rolle der Religionszugehörigkeit zukommt, zeigt das Regierungssystem, in dem die größten Religionsgruppen folgendermaßen vertreten werden: Der Präsident ist stets ein Maronit, der Regierungschef Sunnit und der Parlamentspräsident Schiit.

2. 3 Wirkung der Gesetzgebung auf die Situation der Frau

Auch die meisten Libanesinnen verstehen sich nicht in erster Linie als Staatsbürgerinnen, sondern als Angehörige ihrer religiösen Gemeinschaft. Es ist gerade die religiöse Relevanz, die die Frage nach dem libanesischen Feminismus immer wieder aufs Neue stellt. Laure Moghayzel, Gründerin mehrerer führender Frauenvereine wie Political Rights of Women, the Lebanese Women’s Council und die Le banese Association of Women Lawyers und andere Menschenrechtsaktivisten setzten sich von Beginn ihrer Arbeit für die Abschaffung diskriminierender Gesetze ein, was schließlich zu dem am 24. Juli 1996 unterzeichneten Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW) führte, mit dem sich der Staat zur Durchführung zahlreicher Maßnahmen verpflichtet, die die tatsächliche Gleichberechtigung von Frau und Mann bewirken sollen.[8]

[...]


[1] http://www.peacewomen.org/news/MiddleEast/June09/Lebanon_CrawltoEquality.html

[2] http://www.lnf.org.lb/windex/brief3.html. [Stand: 15.10.2009]

[3] http://www.un.org/womenwatch/confer/beijing/national/lebannap.htm. [Stand: 15.10.2009]

[4]Hei tlinger: S. 196 f. Anmerkung: Allerdings ist die Quellenlage über diese und ähnliche Organisationen innerhalb Libanons, die sich im Namen des islamischen Feminismus engagieren, bislang sehr lückenhaft oder nur in arabischer Sprache verfügbar.

[5] www.zentrum-oekumene-ekhn.de/fileadmin/Leitung_-_Texte/jb2005.pdf. [Stand: 15.10.2009]

[7] Glasser Jr., Charles: S.195.

[8] http://www.mediterraneas.org/article.php3?id_article=84. [Stand: 15.10.2009]

Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656346975
ISBN (Buch)
9783656348801
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v207113
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,0
Schlagworte
gleichberechtigung islam libanon frau politik parlament verfassung diskriminierung gesetzeslage libanesisch

Autor

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