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Bewertung des State-Of-The-Art webbasierter Content Management Systeme und Entwicklung einer funktionalen Klassifikation

Studienarbeit 2003 78 Seiten

Informatik - Angewandte Informatik

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Begriffserklärung WCMS
2.1 Einordnung
2.2 Aufgaben eines CMS
2.3 Verschiedene Technologien
2.4 Kommerzielles WCM vs. Open-Source-Systeme

3 Die Architektur von WCMS
3.1 Produktionskette
3.2 Komponenten
3.2.1 Eingabeebene
3.2.2 Verwaltungsebene
3.2.3 Ausgabeebene
3.2.4 Schlussbemerkung zu den Ebenen
3.3 Wichtige Prinzipien für den Entwurf
3.3.1 Wiederverwendbarkeit und Mehrfachverwendbarkeit

4 Anforderungsanalyse WCMS
4.1 Anforderungen der Eingabeebene
4.2 Anforderungen der Verwaltungsebene
4.3 Anforderungen der Ausgabeebene
4.4 Anforderungen des Kunden
4.4.1 Voraussicht auf Änderungen
4.4.2 Datenunabhängigkeit
4.4.3 Design Patterns

5 Grundkriterien zur Einschätzung von WCMS
5.1 Installation
5.2 Dokumentation
5.3 Multisitemanagement
5.4 Nutzermanagement
5.5 Mediendatenbank
5.6 Workflow
5.7 Versionierung
5.8 Kollaboration
5.9 WYSIWYG-Editoren
5.10 Templates
5.11 Rollback
5.12 Erweiterbarkeit
5.13 Migration
5.14 Usability

6 Einordnung ausgewählter WCMS
6.1 Astarte WebEdition
6.2 WebGUI
6.3 Typo3
6.4 OpenCMS
6.5 SixCMS
6.6 Zope

7 Funktionale Klassifikation
7.1 Small WCMS
7.2 Midsize WCMS
7.3 Enterprise WCMS
7.4 Ableitung aus den Anwendungsfällen
7.5 Ergänzung auf Basis der Anforderungen
7.6 Einordnung der untersuchten WCMS

8 Zusammenfassung
8.1 Klassifikation
8.2 Schlusswort

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Quellen- und Literaturverzeichnis
Benutzte Quellen
Links zu verwendeter Software

Index

Eidesstattliche Erklärung

1 Einleitung

Der Markt für webbasierte Content Management Systeme[1], im Folgenden WCMS genannt, ist hart umkämpft und schnell wachsend. Auf der Webseite www.contentmanager.de, ein Portal für CMS, sind weit über 400 WCMS verschiedenster Art gelistet. Diese Arbeit soll einerseits einen Überblick über aktuell verfügbare Systeme bieten, also den „State Of The Art“ webbasierter Content Management Systeme analysieren und andererseits eine Klassifikation für diese Systeme erörtern. Dazu ist es notwendig zu klären, wie solch ein System aufgebaut ist und funktioniert. Eine Definition und Einordnung von WCMS wird im folgenden Kapitel 2 dargelegt. Des Weiteren werden verschiedene Technologien der Systeme besprochen und ein Vergleich von Open Source und kommerziellen Systemen vollzogen.

Um zu verstehen, wie ein Content Management System arbeitet, ist es erforderlich, die typische Produktionskette für CMS zu untersuchen. In Kapitel 3 wird auf Basis dieser eine abstrakte „Drei-Schichten-Architektur“ modelliert, welcher eine Einordnung verschiedener Komponenten eines WCMS folgt.

Das größte Problem beim Umgang mit WCMS, ist das genaue Spezifizieren der Anforderungen, da in dieser frühen Phase der Planung alle wichtigen Entscheidungen getroffen werden müssen. [5] Nur eine genaue und detaillierte Untersuchung der Kundenanforderungen ermöglicht eine zufrieden stellende Festlegung auf ein spezielles WCMS. In Kapitel 4 werden die wichtigsten Anforderungen diskutiert, welche die Grundlage für folgende Kapitel und somit auch für die Klassifikation von Content Management Systemen darstellen werden.

In Kapitel 5 werden auf Basis der evaluierten Anforderungen für WCMS aussagekräftige Kriterien ausgewählt und beschrieben, welche als Basis für eine Einschätzung verschiedener WCMS in Kapitel 6 herangezogen werden. Die aufgezeigten Kriterien in Kapitel 5 stellen die wichtigsten Anforderungen an webbasierte Content Management Systeme dar.

Zur Demonstration des State-Of-The-Art webbasierter Content Management Systeme wird eine Auswahl an Open-Source-Systemen sowie kommerziellen Systemen analysiert, um einen ausreichenden Überblick über den aktuellen Standard darzulegen. Hierbei werden bewusst Systeme gewählt, welche sich in ihrem Funktionsumfang und ihrer Zielgruppe unterscheiden, um somit einen Grundstein für eine in Kapitel 7 folgende funktionale Klassifikation von WCMS zu legen.

Das Kapitel 8 fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und rundet die Ausführungen ab.

2 Begriffserklärung WCMS

Web Content Management Systeme sollen Inhalte[2] jeder Art verwalten, aufbereiten und zur Verfügung stellen. Dabei ist die Einteilung in Benutzerschnittstelle, Administration und Inhaltsmodell ein wichtiger Bestandteil bei der Erforschung von Content Management Systemen. WCMS trennen Inhalte und Layout. Diese strikte Trennung stellt ein fundamentales Merkmal dieser Systeme dar. Somit können Inhalte ohne Programmierkenntnisse editiert werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Trennung von Content und Layout (vereinfacht)

Der Begriff „Content-Management-System" wird oft missbraucht. Es gibt unzählige Systeme mit gänzlich unterschiedlichem Funktionsumfang. Daher muss die Funktionalität der verschiedenen Systeme sehr genau betrachtet werden, um einen objektiven Überblick gewinnen zu können. WCMS dienen einerseits der leichten Pflege von Seiteninhalten im World Wide Web und andererseits der Integration in den Workflow[3] des Unternehmens. Hier besteht ein erster gravierender Unterschied innerhalb der WCMS. Es gibt zahlreiche Systeme, welche keinen Workflow unterstützen und auch keine Schnittstellen zu Drittsystemen wie SAP- oder Microsoft Office-Produkten bieten. Deshalb sollten sie als kleine Redaktionssysteme eingestuft werden. Folglich muss zwischen „kleinen“ und „großen“ WCMS sehr wohl differenziert werden. Demnach ist ein WCMS ein Softwaresystem zum Erstellen und Warten komplexer Webseiten mit personalisierten und dynamischen Inhalten, ohne dabei Kenntnisse über Programmierung oder Webdesign voraussetzen zu müssen.

2.1 Einordnung

Um eine Vorstellung darüber zu erlangen, wie sich WCMS kategorisieren lassen, werden in diesem Kapitel die Divergenzen zwischen reinen Autorensystemen, Content Management Systemen, Redaktionssystemen und Informationssystemen aufgezeigt. „Autorensystem“ ist der Überbegriff für alle genannten Systeme, welche Informationen in irgendeiner Form verwalten und verfügbar machen. Eine mögliche Definition für Autorensyteme lautet:

„Autorensysteme sind Arbeitsumgebungen für Autoren zur Erstellung multimedialer Anwendungen unter Verwendung grafischer, interaktiver Hilfsmittel.“ [1]

Autorensysteme sind also besondere Softwaresysteme [1], spezialisiert auf das Zusammensetzen einzelner multimedialer Informationseinheiten zu einer Präsentation. Content Management Systeme stellen eine bestimmte Untergruppe von Autorensystemen dar. Des Weiteren sind auch Publikationssysteme oder Redaktionssysteme spezielle Autorensysteme. Die folgende Tabelle vergleicht die verschiedenen Autorensysteme und zeigt die wichtigsten Merkmale auf. Webbasierte CMS sind spezielle CMS, welche in der Regel nur einen Publikationskanal besitzen. Dieser Kanal hinterlegt die aufbereiteten Daten in Form von Webseiten auf einem Server. CMS sind universaler und bieten einen komplexeren Ausgabeprozessor als WCMS, da diese nicht nur auf Webseiten beschränkt sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Überblick über Autorensysteme

2.2 Aufgaben eines CMS

Die Kosten der Pflege einer Webseite liegen weitaus höher als die Anschaffungskosten für das System selbst, d.h. Lizenzkosten, Entwicklung und Umsetzung des Projektes [5]. Die hohen Wartungskosten sind ein bekanntes Problem aus der Softwaretechnologie [35]. Daher wird nach einer Lösung gesucht, welche Wartungskosten vermindern kann. WCMS haben genau dies zur Aufgabe. Sie sollen einerseits eine kostengünstige Wartung und Pflege der Datenbestände ermöglichen, andererseits aber auch das Administrieren von Seitenstruktur und Design vereinfachen. Anders formuliert: WCMS sollen den gesamten Content-Life-Cycle[4] unterstützen und automatisieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Wartungskosten CMS vs. konventionelle Verwaltung

Um dies zu realisieren, ist eine Separation von Inhalt und Layout notwendig. Dies ist eine grundlegende Eigenschaft von CMS. Im Folgenden wird deshalb vom Inhaltsmodell gesprochen, welches letztendlich das abstrakte Datenmodell ist, in dem alle Daten und Informationen unabhängig von Design und Layout abgelegt werden [8]. Erst durch das Publizieren, d.h. das Verteilen bzw. die Distribution, wird der Inhalt mit dem Layout zum Endprodukt verbunden, welches bei WCMS in den meisten Fällen Webseiten sind.

Eine weitere Aufgabe von WCMS ist das Automatisieren von Prozessen mit impliziter Qualitätssicherung. Man spricht in diesem Zusammenhang vom Content-Life-Cycle, welcher durch verschiedene Prozesse automatisiert werden soll, um höchstmögliche Effektivität zu erreichen [10]. Dazu ist oft ein umfangreiches Workflow-Modul integriert, welches eine Abbildung der unternehmensinternen Arbeitsprozesse auf das System ermöglicht.

Ein grundlegendes Linkmanagement sowie Versionierung und Archivierung sollten außerdem als Standardaufgaben eines CMS betrachtet werden. Damit kann vermieden werden, dass einerseits tote Links Verwendung finden, andererseits gewährleistet Versionierung das Zurückverfolgen von Änderungen. Leider ist beides in vielen Fällen nicht Teil der Funktionalität eines WCMS.

Eine integrierte Kollaborationsfunktionalität ermöglicht die Kommunikation der Beteiligten. Dies können ToDo-Listen (bzw. Arbeitslisten) oder einfache Messaging Systeme[5] sein. Vorbedingung für eine effiziente und optimale Art der Verwaltung von Informationen stellen somit verschiedene Anforderungen dar, welche ein ausgereiftes WCMS erfüllen muss. Eine umfangreiche Nutzerverwaltung ist ebenso eine Basisanforderung, wie das Vergeben von Rollen an verschiedene Nutzer. Die komplexen Ansprüche an ein WCMS werden in Kapitel 4 ausführlich erläutert.

2.3 Verschiedene Technologien

Es gibt eine Vielzahl verschiedener Implementierungsmöglichkeiten für Content Management Systeme. Für die Wahl der Programmiersprache zur Umsetzung des Projekts gibt es mehrere Möglichkeiten. Durchgesetzt haben sich Systeme, welche mittels Java [63], PHP [64], Perl [65], Python [67] oder auch ASP[6] [66] entwickelt wurden.

Man kann diese Sprachen in zwei Kategorien einteilen. Auf der einen Seite befinden sich die Interpretersprachen, wie die weit verbreitete Sprache PHP. Die andere Seite wird durch Compilersprachen wie Java oder C++ repräsentiert. Diese müssen vom Webserver nicht interpretiert werden und sind somit ohne Verzögerung ausführbar. Java-basierte CMS benötigen einen Java-Applikationsserver, wie z.B. Apache Tomcat [61], welcher Java Server Pages verarbeiten kann. Das WCMS kann somit komplett in Java programmiert und umgesetzt werden. Dies hat den Vorteil, dass durch die Java-API[7] eine leistungsfähige Bibliothek zur Verfügung steht, mit welcher sich anspruchsvolle Benutzeroberflächen erstellen lassen. Deshalb hat ein in Java geschriebenes CMS Vorteile gegenüber PHP basierten Lösungen, welche oft nur auf grundlegende HTML-Elemente zur Generierung von Benutzeroberflächen zurückgreifen können.

In ASP entwickelte WCMS basieren auf der .NET-Technologie. Kommunikation über Web Services ist bei .NET basierten CMS oft Teil der Funktionalität. D.h. offene Schnittstellen durch Verwendung von XML [36] oder SOAP-Anfragen [33] stellen einen hohen Grad an Interoperationalität sicher. ASP-Projekte haben weiterhin den Vorteil, dass Benutzeroberflächen weitaus komplexer und ergonomischer gestaltet werden können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Webserver Prinzip über PHP

PHP-basierte CMS sind vor allem deshalb sehr beliebt, da beinahe jeder Webserver PHP interpretieren und somit verarbeiten kann. Die weite Verbreitung dieser Sprache ermöglicht es dem Nutzer selbst Anpassungen am CMS vorzunehmen, da PHP basierte CMS meist offene Quellen besitzen und über Open-Source-Lizenzen frei zugänglich sind. Ein weiterer Vorteil besteht in der meist äußerst bequemen Installation der Software. Problematisch ist teilweise die Performance, da PHP vom Webserver erst interpretiert werden muss. Hierfür gibt es aber Lösungen, bei denen oft verwendete oder anspruchsvolle Codesequenzen in kompiliertem Code extern gekapselt ausgeführt werden und somit Geschwindigkeitsdefizite ausgeglichen werden können. [5]

Perl-basierte CMS haben den Vorteil, dass sie ungleich schneller als PHP-Varianten sind. Es ist z.B. möglich, ein WCMS komplett in C++ zu schreiben und als Applikation auf dem Webserver über Perl verfügbar zu machen. Des Weiteren sind z.B. auch Lösungen in Python umgesetzt worden.

2.4 Kommerzielles WCM vs. Open-Source-Systeme

Es gibt eine Vielzahl an lizenzkostenfreien WCMS-Lösungen. Die signifikanten Unterschiede zwischen kommerziellen und kostenlos erhältlichen Systemen sollen hier kurz gegenübergestellt werden. Open-Source-Systeme sind lizenzfrei und dürfen somit weitergegeben und auch weiterentwickelt werden. Sie sind im Quellcode verfügbar, was deren Vorteil von Transparenz und Erweiterbarkeit ersichtlich macht. Ebenso darf erweiterte oder veränderte Open-Source-Software an Dritte weitergegeben werden. [32]

Kommerzielle Systeme werden dagegen in den meisten Fällen ohne Quellcodes ausgeliefert. Dies hat zur Folge, dass Erweiterungen in vielen Fällen nicht selbst durchgeführt werden können, sondern diese Leistungen eingekauft werden müssen. Die Vorteile von kommerziellen Systemen liegen vor allem darin, dass eine Garantie für die Weiterentwicklung der Systeme besteht und somit eine Investition in die Zukunft eher plan- und kalkulierbar wird, als dies mit Open-Source-Lösungen möglich wäre. Daher ist mit dem Einsatz eines freien Systems mehr Risiko verbunden, als mit dem eines kommerziellen Systems.

Folgende Tabelle stellt die Vor- und Nachteile der beiden Lösungsmöglichkeiten gegenüber.

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Tabelle 2: Vor- und Nachteile kommerzieller WCMS und Open-Source-Systeme

3 Die Architektur von WCMS

Eine WCMS-Architektur muss die Trennung von Inhalt und Layout gewährleisten. Die Trennung wird abstrakt auf mehrere Ebenen verteilt. Im Normalfall kann man von einer Inhaltsebene, einer Verwaltungsebene und einer Ausgabeebene sprechen. Diese Art von Schichtenmodell lässt sich ideal auf die CMS-Produktionskette abbilden.

3.1 Produktionskette

Die CMS-Produktionskette beschreibt den Lebenszyklus eines Dokuments im System [8]. Dieser ist bei allen Systemen bis auf kleine Unterschiede identisch. Die Daten werden im ersten Schritt gesammelt, im zweiten Schritt verarbeitet und im dritten Schritt veröffentlicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Typische Produktionskette von Content Management Systemen

Dabei ist der Schritt der Publikation bzw. des Vertriebs der Punkt, in welchem sich WCMS von CMS signifikant unterscheiden. CMS sind nicht auf das Web beschränkt, sondern sehen ein Publizieren von Dokumenten auf mehr als nur ein Medium vor. Diese könnten z.B. eine CD-Rom, ein Web Service[8] oder ein Buch sein.

Die Aufteilung in drei Ebenen hat nicht nur den Vorteil, dass sie eine architektonische Strukturierung von CMS erleichtert, sondern auch eine Aufgabenteilung impliziert. Im Grunde stellt das Einteilen der Produktionskette auf mehrere Phasen eine qualitätssichernde Instanz dar, denn Redundanz im Workflow (z.B. durch Korrekturlesen oder Freigabeprozesse) führt zu höheren Fehleridentifikationsraten.

Um dies gewährleisten zu können, ist eine ausgefeilte Nutzerverwaltung mit Rechtevergabe bzw. Restriktionsdefinitionen notwendig. Es muss ein klare Definition möglich sein, wer zu welchem Zeitpunkt welche Aktion im CMS-Workflow auszuführen hat. D.h. die Nutzerrechte unterscheiden sich vom Zeitpunkt in der Produktionskette und hängen vom Status des Nutzers ab.

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Abbildung 5: Schichtenmodell CMS

Content Management ist nur sinnvoll und effektiv einsetzbar, wenn es optimal in den Workflow eines Unternehmens integriert werden kann. Deshalb ist es meistens notwendig, Umstrukturierungen der firmeninternen Arbeitsabläufe vorzunehmen, falls der Workflow des CMS sich nicht ohne weiteres auf den des Unternehmens abbilden lässt oder kein System auf dem Markt ist, welches eine Modellierung dieser Abläufe so zulassen würde.

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Tabelle 3: Überblick Produktionskette

3.2 Komponenten

Im Folgenden werden die wichtigsten Bestandteile eines WCMS aufgeführt und erläutert. Eine Klassifikation der einzelnen Module ist möglich, indem man diese den drei oben definierten Ebenen zuordnet. So kann man die Komponenten in Eingabe-, Verwaltungs- und Publikationskomponenten separieren und somit eine einfache Abbildung auf die Ebenenklassifikation herleiten.

Den Kern bildet die Verwaltungskomponente, welche mit der Verwaltungsebene gleichgesetzt werden soll. Diese stellt den umfangreichsten Teil des CMS dar. Hier sind alle Kernmodule wie Versionierung, Nutzermanagement oder Workflow-Engine integriert.

Die beiden darüber bzw. darunter liegenden Schichten stellen einerseits die redundanzfreie Dateneingabe und Datenspeicherung sicher, andererseits die Datenaufbereitung und -visualisierung bzw. -verteilung.

3.2.1 Eingabeebene

Die Eingabeebene ist die Schnittstelle zu den Redakteuren. Sie stellt ein GUI[9] zur Verfügung, mit welchem autorisierte Mitarbeiter Inhalte eingeben, ändern oder auch löschen bzw. archivieren können. Man spricht in diesem Zusammenhang häufig von „Integrated authoring environment“ oder „Multi-user authoring“.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Schnittstellen der Eingabeebene

Die Eingabe stellt aber noch weitere wesentliche Schnittstellen zur Verfügung. Bei Systemen im mittleren Leistungsbereich ist diese Ebene oft auf den redaktionellen Teil beschränkt. Enterprise-CMS sind High-End Systeme. Diese bieten eine Vielzahl von Importschnittstellen, welche eine Kopplung an dritte Informationssysteme erlauben und damit eine Migration anderer Systeme erleichtern bzw. überhaupt erst ermöglichen. Ein CSV-[10] oder XML-Import-Tool gehört ebenso in diese Rubrik, wie z.B. eine SAP-Schnittstelle. Pauschal kann gesagt werden, umso mehr Schnittstellen vorhanden sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich das CMS schnell und unkompliziert in eine bestehende IT-Infrastruktur integrieren lässt.

Kollaborationsmodule (Nachrichtensysteme, ToDo-Listen etc.) sollen ebenso in dieser Ebene einordnet werden, obwohl eine Zusammenarbeit zwischen allen Gruppen möglich und notwendig ist. Die Einordnung der Template-Verwaltung, also Design- und Layout-Funktionalität des CMS, ist ebenso anspruchsvoll wie die Seitenstrukturkomponente. Vereinfachend soll beides der Eingabeebene zuordnet werden, da es sich letztendlich um andere Nutzergruppen handelt und diese vom redaktionellen Teil getrennt betrachtet werden können. Außerdem sind Inhalt und Design unabhängig bezüglich ihrer Implementierung. Daraus resultiert, dass das Design zeitgleich zu redaktionellen Aufgaben bearbeitet werden kann.

3.2.2 Verwaltungsebene

Diese Ebene beschäftigt sich mit den verwaltungsspezifischen Komponenten. Hierzu gehören Kernmodule wie Versionsmanagement, Zugriffs- und Nutzerverwaltung, Workflow-Modul sowie Administrations-Oberflächen.

Die Nutzerverwaltung ist Teil eines jeden WCMS und ermöglicht es, Nutzergruppen zu administrieren und Nutzer mit individuell definierten Rechten zu erstellen. Die Zugriffsverwaltung ist für das Sperren und Freigeben von Objekten zuständig. Dies wird zwar in den Systemen auf unterschiedliche Art implementiert, basiert aber immer auf der gleichen Grundidee, um eine Mehrbenutzersynchronisation zu ermöglichen.

Ein Workflow-Modul zum Definieren verschiedener Rollen, Dokumentenstatus und Freigabeprozesse ist häufig ein noch unausgereifter oder sogar fehlender Bestandteil. Oft unterstützen nur kommerzielle Systeme ein anpassbares und erweiterbares Workflowmodell. Bei Open-Source-Systemen fehlt diese wichtige Komponente beinahe immer. Gleiches ist beim Versionsmanagement zu konstatieren. Sinn und Zweck von Versionierung ist es, dass bekannte Problem des Konfigurationsmanagements aus der Softwaretechnologie zu lösen. D.h. wie kann aus einer Menge an Versionen verschiedener Objekte ein gültiges Dokument erstellt werden? Systeme ohne Versionsverwaltung sind in den meisten Fällen für komplexes Content Management mit einer Vielzahl an Redakteuren unbrauchbar, da hier schnell der Überblick verloren gehen kann.

3.2.3 Ausgabeebene

Die Ausgabeebene ist für das Publizieren verantwortlich. Zu dieser Ebene gehört der Ausgabeprozessor, welcher die zur Verfügung gestellten Informationen mit dem Layout kombiniert und auf dem entsprechenden Medium ausgibt. Bei Web Content Management Systemen sind dies meist HTML-Dateien. Es ist aber durchaus denkbar, dass ausgewählte Informationen z.B. als PDF-Dokument[11] zum Download angeboten werden können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Ausgabeprozessor mit mehreren Ausgabekanälen

Weiterhin sollen sämtliche Exportschnittstellen, die dem System verfügbar sind, auch der Ausgabeebene zugeordnet werden. Dies kann ein XML-Export oder eine Datenbank-API sein. So schließt sich ein Informationskanal vom CMS zu externen Informationsträgern und umgekehrt vom externen Träger, wie beispielsweise einer E-Business-Plattform, zurück zum CMS über die Eingabeebene.

Ein weiterer Schwerpunkt der Ausgabeebene stellt das „Staging und Deployment“ dar [47]. Viele Webseiten sind dauerhaft aktiv und unter Nutzung, so dass ein Warten des Livesystems kaum möglich ist, ohne Besucher zu unterbrechen bzw. zu stören. Es muss daher ein Arbeiten an einer gesicherten Kopie möglich sein. Wie in Kapitel 5.6 (Workflow) noch beschrieben wird, hängt diese Funktion stark mit dem Vorhandensein einer Workflow-Engine zusammen, da nur so die Funktionalität des „Mirroring“ ermöglicht werden kann. Erst nach Überprüfung und Aktivierung der am Arbeitsserver geänderten Webseiten werden diese an den Publikationsserver übermittelt, d.h. der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

3.2.4 Schlussbemerkung zu den Ebenen

Alle Daten und Metadaten werden in Normalfall in einer relationalen Datenbank [37], wie zum Beispiel dem kostenlosen MySQL-Datenbanksystem, oder einer eigens für das CMS entworfenen Datenbank hinterlegt. Letzteres wird teilweise vollzogen, um die Performance des CMS zu erhöhen.

Eine Mediendatenbank (oder Multimedia-Datenbank) dient der redundanzfreien[12] Ablage aller denkbaren Mediendaten mit Metainformationen, wie Bilder, Videos, Animationen oder Musikstücke. Sie stellt eine Erweiterung von bekannten Datenbankmanagementsystemen durch Mechanismen zur Verwaltung von Mutlimediadaten dar. Eine allgemein akzeptierte Definition von Multimedia-Datenbanken wurde noch nicht aufgestellt [41]. Die Mediendatenbank wird meist noch im Datenbanksystem des WCMS integriert[13], da sich die Entwicklung von reinen Multimedia-Datenbanken noch in einer frühen Phase befindet. Mediendatenbanken ermöglichen eine zentralisierte Speicherung aller Medientypen und außerdem eine Suche in diesem Informationspool über geeignete Suchalgorithmen.

[...]


[1] Im Folgenden werden Contenent Management mit CM und Content Management System mit CMS bezeichnet.

[2] Inhalt wird im Folgenden auch als Content bezeichnet.

[3] „Ein Workflow ist eine endliche Menge sequentieller und/oder paralleler Aktivitäten, die durch Ereignisse ausgelöst werden. Die Begriffe Prozedur, Prozeßkette oder Geschäftstransaktion werden häufig als Synonyme genutzt.“ [53]

[4] Der Dokumenten-Lebenszyklus wird in Kapitel 3 näher erläutert.

[5] Messaging Systeme sind Nachrichtenaustauschsysteme zur textuellen Kommunikation.

[6] Die Abkürzung Active Server Pages darf nicht mit Application Service Providing verwechselt werden.

[7] API ist die Abkürzung für Application Programming Interface. Die Java-API wird mit dem Java SDK ausgeliefert [58].

[8] ”A Web service is a software system identified by a URI, whose public interfaces and bindings are defined and described using XML. Its definition can be discovered by other software systems. These systems may then interact with the Web service in a manner prescribed by its definition, using XML based messages conveyed by internet protocols“ [48].

[9] Graphical User Interface ist die englische Bezeichnung für Benutzerinterface bzw. Benutzerschnittstelle.

[10] Comma-Separated-Values sind ein Format zur Speicherung von Daten.

[11] Einige PHP-basierte WCMS bieten PDF-Dokumentengenerierung durch Nutzung spezieller PHP-Bibliotheken an.

[12] Durch Redundanz im Inhaltsmodell werden Inkonsistenzen möglich. Redundanz ist also eine Voraussetzung für Inkonsistenz.

[13] Dies sind bis auf wenige Ausnahmen relationale Datenbankmanagementsysteme.

Details

Seiten
78
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638245210
ISBN (Buch)
9783638636728
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v20707
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz – Informatik
Note
1.0
Schlagworte
Bewertung State-Of-The-Art Content Management Systeme Entwicklung Klassifikation

Autor

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Titel: Bewertung des State-Of-The-Art webbasierter Content Management Systeme und Entwicklung einer funktionalen Klassifikation