Lade Inhalt...

Der Nürnberger Handwerkeraufstand 1348/49 in den zeitgenössichen Quellen und in der Literatur

von Louise Dober (Autor)

Hausarbeit 2011 14 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Der Handwerkeraufstand in den zeitgenössischen Quellen und der Literatur
a. Quellen
i. Sigismund Meisterlin (1488)
ii. Johannes Müllner (1623)
iii. Die Regesten des Kaiserreichs unter Kaiser Karl IV. 1348-1378
b. Literatur

III. Schluss

IV. Quellen – und Literaturverzeichnis

I. Einleitung:

„Damit aber der neue Rat das Pöfelvolk destomehr an sich zöge, hat er alsbalden der Ausgewichenen Hab und Gut publiziert und männiglich preisgegeben, darauf die Gemein und das Pöfel in der Ehrbarn Häuser gefallen, mit Axten, Hämmern, Beiheln alles aufgestoßen und aufgebrochen […] und was sie gefunden, geraubt, geplündert und verderbt […] und sonsten auch mit den hinterlassenen Weibsbildern und in ander Weg unerhörten Mutwillen getrieben […]. Solch wird aus den Nurnbergischen Chroniken in seinem Wert allhie referiert.“[1]

So beschreibt der zweite Chronist, Johannes Müllner[2], die Zustände, nachdem der neue Rat[3] der Aufständischen eingesetzt wurde. Die Frage stellt sich, warum denn ein so wüster und brachialer Aufstand ausgebrochen ist und was die Ursachen hierfür waren. Nachdem Kaiser Ludwig der Bayer[4] bei einem tragischen Jagdunfall ums Leben kam, wurde dem nach der Kurie[5] festgelegten Gegenkaiser Karl IV[6]. die alleinige Herrschaft über das Heilige Römische Reich[7] übertragen. Das Problem hierbei war, dass Ludwig sehr viele Sympathisanten im Reich hatte und die Stadt Nürnberg ihm und der Wittelsbacher[8] Familie die ewige Treue schwor, denn Ludwig war ein Kaiser, den das Volk liebte. Nachdem Ludwig zugunsten der Stadt Nürnberg[9] den bestehenden Streit zwischen Venedig und Nürnberg schlichtete, stieg die Treue der Nürnberger Händler. Somit hatte Karl IV. einen äußert schweren Start. Nachdem aber Ludwig starb, hatte Karl IV. freie Bahn. Er konnte die treuen Burggrafen Johann und Albrecht[10] mit finanzieller und militärischer Unterstützung von sich überzeugen, und keine drei Wochen nach dem Tod Ludwigs stellten sie sich auf die Seite des neuen Kaisers.[11] Die Bürger der Stadt Nürnberg waren gegen Karl IV. und seine Politik[12], und so brachen allgemeine Unruhen in der Stadt aus. Drei Gründe für diesen Handwerkeraufstand[13], den man so heute nicht nennen kann, waren einmal die Bürger der Stadt Nürnberg, die eine tiefe Verbundenheit zu Ludwig dem Bayern verspürten. Ein weiterer Grund waren die Kaufleute, die unter der Politik Karls IV. den Zusammenbruch der Abmachung mit Venedig befürchteten. Ein großer Teil der Handwerker war ebenfalls mit dabei. Sie waren unzufrieden mit der Politik des aktuell regierenden Rates und lechzten nach Verbesserungen, denn sie standen unter dem enormen Kontrolldruck des Rates. Wichtig war für sie die Änderung des ihnen verwehrten Partizipationsrechts[14]. Somit musste schnell eine Lösung für den Unmut der Bürger gefunden werden, doch Karl IV. ließ aus Unwissenheit alles seinem Gang gehen. Eine tragische Entscheidung des Kaisers.[15]

Die Tatsache, dass es zur Zeit des Handwerkeraufstandes keine Chroniken von Handwerkern gab, lässt vermuten, dass die Darstellung des Aufstandes an sich nur durch die Seite der Patrizier dargestellt wurde. Die Chronisten Johannes Müllner und Sigmund Meisterlin[16] wurde erst Jahre später damit beauftragt, eine Chronik zu schreiben, der Auftraggeber war der neue oligarchische Rat und die prominent präsente Kirche, dieser Umstand dürfte Aufschluss darüber geben, inwieweit sie durch die aktuelle politische Situation geprägt waren.

Wie in jedem Aufstand gibt es eine treibende Kraft, und diese war er in Nürnberg die Schmiede. Die Macht die sie dabei hatten, wurde durch Alexander Schubert[17] bereits bearbeitet sowie welche Aktionen sie ausführten.[18] Eine Person hatte aber mehr Einfluss als beide Kaiser zusammen: Ulrich Stromer[19], Sympathisant Ludwigs, Mitglied des Rates vor, während und nach dem Aufstand und ein treuer Handlanger Karls IV. Es gibt nur wenige Arbeiten direkt über den Handwerkeraufstand, doch gerade der Aufsatz von Irene Stahl oder der höchst aufschlussreiche Beitrag von Alexander Schubert erleichtern dem Leser das Verständnis des brennenden Aufstandes in Nürnberg. Sehr wichtig für das allgemeine Bild der Stadt sind auch die Werke von Gerhard Pfeiffer[20] und Rainer Elkar[21].

[...]


[1] Vgl.: Müllner, Johannes: Die Annalen der Reichsstadt Nürnberg von 1623. Teil1: Von den Anfängen bis 1350, hg. von: Hirschmann, Gerhard (Quellen zur Geschichte und Kultur der Stadt Nürnberg 8), Nürnberg 1972, S. 449; sein Schreibauftrag wurde durch die Patrizier aufgegeben, er lehnt sich aber häufiger an die Chronik von Meisterlin.

[2] Vgl.: Schulz, Knut (Hrsg.): „Denn Sie lieben die Freiheit so sehr…“. Kommunale Aufstände und Entstehung des europäischen Bürgertums im Hochmittelalter. Darmstadt(1995). S.215.

[3] Vgl.: Hirschmann, Frank (Hrsg.): Die Stadt im Mittelalter, (Enzyklopädie deutscher Geschichte 84). München 2005. S. 12-59.

[4] Vgl.: Thomas, Heinz (Hrsg.): Ludwig der Bayer (1282-1347) Kaiser und Ketzer. Regensburg (1993). S.362-391. Vgl.: Munddorff, Angelika und Bruognolo - Wedl, Renate (Hrsg.); Kaiser Ludwig der Bayer 1282-1347. Fürstenfeldbruck (1997); dann: Nehlsen, Hermann und Hermann, Hans – Georg (Hrsg.): Kaiser Ludwig der Bayer. Konflikte, Weichenstellungen und Wahrnehmung seiner Herrschaft, in: Quellen und Forschungen aus dem Gebiet der Geschichte (22). Paderborn (2002).

[5] Vgl.: Maleczek, Werner: Art. „Kurie“, in: Lexikon des Mittelalters 5 (1991), Sp. 269-271.

[6] Vgl.: Bräutigam, Günther. Nürnberg als Kaiserstadt, in: Kaiser Karl IV. Staatsmann und Mäzen. (Hrsg.): Seibt, Ferdinand. München (1978). S. 339-343; Vgl.: Moraw, Peter: Art. „ Karl IV“, in: Lexikon des Mittelalters 5 (1991). Sp. 1868-1871

[7] Vgl.: Moraw, Peter: Art. „Heiliges Reich“, in: Lexikon des Mittelalters 4 (1989). Sp. 2025-2027.

[8] Vgl.: Schwertl, Gerhard. Art. „Wittelsbacher“, in: Lexikon des Mittelalters 9 (1998). Sp. 269-271.

[9] Vgl.: Wendehorst, Alfred: Art. „Nürnberg“, in: Lexikon des Mittelalters 6 (1999). Sp. 1317-1322.

[10] Vgl.: Heinz, Thomas (Hrsg.): Ludwig der Bayer (1282-1347) Kaiser und Ketzer. Regensburg (1993). S. 357; 67,81, 101f., 105f., 109, 115, 194, 219, 229.

[11] Vgl.: Schubert, Alexander (Hrsg.): Zwischen Zunftkampf und Thronstreit. Nürnberg im Aufstand 1348/49, in: Bamberg Historische Studien 3, Bamberg (2008);

[12] Schubert, Alexander (Hrsg.): Zwischen Zunftkampf und Thronstreit. Nürnberg im Aufstand 1348/49, in: Bamberg Historische Studien 3, Bamberg (2008), 37-40

[13] Schubert, Alexander (Hrsg.): Zwischen Zunftkampf und Thronstreit. Nürnberg im Aufstand 1348/49, in: Bamberg Historische Studien 3, Bamberg (2008), S.91-110

[14] Vgl.: Michael Diefenbacher, Nürnberg, Reichsstadt: Handwerk, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_45868> (27.07.2010)

[15] Lochner, Georg Wolfgang Karl (Hrsg.): Karl. Eine Geschichte der Reichsstadt Nürnberg zurzeit Karl IV. Zeitraum: 1347-1378, Berlin 1873.

[16] Meisterlin, Sigmund: Chronik der Reichsstadt Nürnberg 1488, hrsg. von: Hegel, Karl, in: CDS 3, Leipzig 1862 (ND Stuttgart 1961), S. 328-336; Meisterlin sind die Schuld im Ausbruch des Aufstandes nicht das Volk, sondern dem Teufel und seinen drei bösen Geistern, das wären einmal den geist der hoffart, den geist des neids und den geist der geitigkeit (aus: Meisterlin, Chronik, S. 130).

[17] Vgl.: Schubert, Alexander (Hrsg.): Zwischen Zunftkampf und Thronstreit. Nürnberg im Aufstand 1348/49, in: Bamberg Historische Studien 3, Bamberg (2008), S.52-59.

[18] Stahl, Irene: Nürnberger Handwerkerchroniken, in: Johanek, Peter (Hrsg.): Städtische Geschichtsschreibung im späten Mittelalter und früher Neuzeit, Böhlau (2000), S. 207-216.

[19] Schubert, Alexander (Hrsg.): Zwischen Zunftkampf und Thronstreit. Nürnberg im Aufstand 1348/49, in: Bamberg Historische Studien 3, Bamberg (2008), S.17, 55-58, 71-73, 76, 78,80,88,101,104,109

[20] Pfeiffer, Gerhard: Nürnberg – Geschichte einer europäischen Stadt, Nürnberg 1971; Pfeiffer, Gerhard: Geschichte Nürnbergs in Bilddokumenten, Passau 1938.

[21] Elkar, Rainer (Hrsg.): Deutsches Handwerk im späten Mittelalter und früher Neuzeit, in: Göttinger Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte 9, Göttingen 1983.

Details

Seiten
14
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656341611
ISBN (Buch)
9783656341895
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v206945
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart
Note
2,0
Schlagworte
nürnberger handwerkeraufstand quellen literatur

Autor

  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.

    Louise Dober (Autor)

Zurück

Titel: Der Nürnberger Handwerkeraufstand 1348/49 in den zeitgenössichen Quellen und in der Literatur