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Bildungswissenschaftler/-in im Bereich der Interkulturellen Arbeit / Arbeit mit Migranten

Hausarbeit 2012 18 Seiten

Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das 4C/ID-Modell am Beispiel des/der Bildungswissenschaftler/-in im Bereich der Interkulturellen Arbeit / Arbeit mit Migranten
2.1 Kompetenzanalyse und Fertigkeitenhierarchie
2.2. Sequentialisierung der Aufgabenklassen
2.3. Entwurf der Lernaufgaben
2.4. Unterstützende Informationen
2.5. Just-in-time-Informationen

3. Der theoretische Teil zum 4C/ID-Modell
3.1. Lerntheoretische Aspekte und Überlegungen des situierten Lernens in Zusammenhang mit dem 4C/ID-Modell
3.2. Geeignete didaktische Szenarien für das 4C/ID-Modell
3.3. Die Wahl der möglichen Medien im 4C/ID-Modell

4. Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die dauerhafte Niederlassung von Menschen unterschiedlichster sprachlicher und kultureller Hintergründe befördert die Diskussion um die multikulturelle Gesellschaft in Österreich auf allen Ebenen und in allen wissenschaftlichen Richtungen. Diese existierende kulturelle und ethnische Vielfalt verlangt von Politik, Verwaltung und der Gesamtgesellschaft sich mit den Themen Integration und Migration auseinanderzusetzen. Raithel, Dollinger & Hörmann (2007, S. 259) sprechen von einer „Vorbereitung auf ein Leben in einer dauerhaften multikulturellen Gesellschaft“. Für dieses Ziel werden soziale sowie pädagogische Einrichtungen benötigt, in denen kompetente Fachkräfte – wie bspw. Bildungswissenschaftler[1] – diese anspruchsvollen Aufgaben der interkulturellen Begegnung ermöglichen, fördern und bewältigen können.

Wie aber können diese komplexen Fertigkeiten erworben und trainiert werden?

Hier bietet das Vier-Komponenten-Instruktionsdesign-Modell (4C/ID-Modell) einen ganzheitlichen Ansatz zur Unterstützung von komplexem Lernen (Van Merriënboer & Kirschner, 2007). Derzeit gilt das 4C/ID-Modell als „international wichtigstes Instruktionsmodell für das Training komplexer kognitiver Fertigkeiten“ (Niegemann et al., 2004, S.44).

Im Rahmen dieser Hausarbeit wird auf der Grundlage des 4C/ID-Modells ein Blueprint (Lehrplanentwurf) für einen Bildungswissenschaftler im Bereich der Interkulturellen Arbeit / Arbeit mit Migranten entworfen. Aufgrund der Vielzahl möglicher Arbeitsbereiche wurde die zu trainierende Fertigkeit auf die Tätigkeit - als Experte in einem Beratungszentrum für die berufliche Integration von Migranten zu arbeiten - eingegrenzt. Die Hausarbeit gliedert sich in einen praktischen und einen theoretischen Teil. Im praktischen Teil wird eine Fertigkeitenhierarchie erstellt und erklärt. Daraus werden Aufgabenklassen sequenzialisiert, Lernaufgaben entwickelt und Beispiele für unterstützende Informationen und just-in-time-Informationen gegeben. Im theoretischen Teil werden lerntheoretische Überlegungen, Gesichtspunkte des situierten Lernens und didaktische Szenarien nach Flechsig in Bezug auf das 4C/ID-Modell dargestellt. Dabei werden geeignete Medien und ihre Anwendungen beispielhaft erläutert. Eine abschließende Reflexion hat die Nutzung einer situierten, multimedialen Lernumgebung und die Entwicklung des vorliegenden Blueprints zum Gegenstand.

2. Das 4C/ID-Modell am Beispiel des/der Bildungswissenschaftler/-in im Bereich der Interkulturellen Arbeit / Arbeit mit Migranten

Dieses Instruktionsdesign-Modell (ID-Modell) für komplexes Lernen ist wissenschaftlich und empirisch erforscht und liefert eine systematische Anleitung für den Entwurf von Lernmaterialien für die kompetenzbasierte Schulung oder Ausbildung (Bastiaens, Deimann, Schrader & Orth, 2010, S.89 ff). Es gibt – wie der Name schon sagt – vier grundlegende Komponenten des 4C/ID-Modells: die Lernaufgaben (engl. learning tasks), die Unterstützenden Informationen (engl. supportive information), Just-in-time-Informationen und Part-task Practice. Diese sind in Abbildung 1 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Graphische Darstellung der vier Komponenten.

Quelle: van Merriënboer, Clark & de Croock, 2002, S.44

Die systematische Entwicklung eines Blueprints wird von Van Merriënboer und Kirschner in zehn Schritte zerlegt, welche in einem interaktiven Verhältnis zueinander stehen (2007, S.10f). Im Folgenden werden die vier Modellkomponenten näher erläutert. Anhand eines fiktiven Bildungswissenschaftlers, der als Berater für die berufliche Integration eines Migranten zuständig ist, wird das 4C/ID-Modell und seine Anwendung veranschaulicht.

2.1. Kompetenzanalyse und Fertigkeitenhierarchie

Zur Anwendung des 4C/ID-Modells muss die zu erlernende komplexe Fähigkeit analysiert werden, über die der Lernende am Ende des Trainings verfügen sollen. Zu diesem Zweck wird die ganzheitliche komplexe Fertigkeit in ihre konstituierten Teile zerlegt und in eine Fertigkeitenhierarchie übertragen (Bastiaens et al., 2010, S.95). So kann der Lernende die gewünschte Fähigkeit schrittweise, ohne überfordert zu werden, erlernen.

Die Fertigkeitenhierarchie ist in der Abbildung 2 grafisch dargestellt.

Sie verfügt über wechselseitige Relationen, den sogenannten horizontalen und vertikalen Relationen. Die Fertigkeitenhierarchie zeigt horizontal (oder temporär – sequenziell oder gleichzeitig) die Abfolge der einzelnen Fertigkeiten, d.h. zuerst müssen die berufsrelevanten Kenntnisse und Fähigkeiten ermittelt werden, bevor ein berufliches Integrationsziel erarbeitet werden kann. Ein Doppelpfeil zwischen zwei horizontalen Teilfertigkeiten bedeutet, dass die Ausführung gleichzeitig erfolgt. So sind in diesem Beispiel die Teilfertigkeiten „den Klienten im Maßnahmenverlauf motivierend unterstützen“ und „regelmäßiger Kontakt zu Kooperationspartnern pflegen“ zeitlich parallel auszuführen. Vertikale (oder konditionale) Relationen sagen aus, welche Teilfertigkeiten die einzelnen Fertigkeiten bedingen. Dabei erfordern weiter oben stehende Teilfertigkeiten die weiter unten stehenden, d.h. In diesem Beispiel, dass zuerst ein exploratives Erstgespräch mit dem Klienten geführt werden muss, bevor die arbeitsbiographischen Daten erhoben werden können. Nach der Aufstellung der Fertigkeitenhierarchie müssen für alle konstituierenden Fertigkeiten Leistungsziele aufgestellt werden. Des Weiteren ist eine Unterscheidung der Fertigkeiten in wiederkehrende und nicht-wiederkehrende Fertigkeiten vorzunehmen. Dieses ist entscheidend, da sich die Lernprozesse für wiederkehrende und nicht-wiederkehrende Fertigkeiten fundamental unterscheiden (van Merriënboer, Clark, de Croock, 2002, S.42). In der vorliegenden Hierarchie sind fast alle Teilfertigkeiten als nicht-wiederkehrend zu klassifizieren, da ihre Ausübung klientenzentriert ist. Eine wiederkehrende Fertigkeit ist bspw. „Fördermittel- und träger ermitteln“, da sie innerhalb eines vorgegebenen Rahmens sozialgesetzlicher Normen ausgeführt wird und die Zuordnung der Klienten aufgrund ihrer Merkmale zu den Fördermöglichkeiten eine Routine darstellt.

[...]


[1] Im vorliegenden Text wird, aus Gründen der besseren Lesbarkeit, die männliche Form gewählt, gemeint sind aber immer beide Geschlechter.

Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656339250
ISBN (Buch)
9783656339465
Dateigröße
4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v206867
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,7
Schlagworte
bildungswissenschaftler/-in bereich interkulturellen arbeit migranten

Autor

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Titel: Bildungswissenschaftler/-in im Bereich der Interkulturellen Arbeit / Arbeit mit Migranten