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Corporate Social Responsibility in Australien

Eine empirische Analyse der 100 größten börsennotierten Aktiengesellschaften

Seminararbeit 2012 21 Seiten

BWL - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einführung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Corporate Governance
2.2 Corporate Social Responsibility
2.3 Vorschriften und Rahmenbedingungen in Australien

3 Empirische Auswertung
3.1 Überblick der bedeutendsten Bereiche
3.2 Corporate Social Responsibility
3.3 Umweltschutz und Umweltmanagementsysteme
3.4 Größenspezifische Besonderheiten
3.5 Branchenspezifische Besonderheiten

4 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Praktische Relevanz des Themas "Gesellschaftliche Verantwortung" gemessen in absoluten Häufigkeiten

Abbildung 2: Relative Häufigkeiten der CSR-Berichterstattung

Abbildung 3: Absolute Häufigkeiten in der Kategorie Umweltschutz

Abbildung 4: Branchenspezifische Besonderheiten

Tabelle 1: Häufigkeiten untergliedert nach Unternehmensgröße

Tabelle 2: Häufigkeiten untergliedert nach Branchen

Bei allen Abbildungen und Tabellen handelt es sich um eigene Darstellungen.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung

1.1 Problemstellung

Der Begriff „Corporate Social Responsibility“ (CSR) steht für die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen. Durch Bilanzierungsskandale wie bspw. beim US- Unternehmen Enron, die Umweltkatastrophe der Ölbohrinsel Deepwater Horizon oder die fragwürdigen Arbeitsbedingungen beim Smartphonehersteller Foxconn rückten Un- ternehmen mit negativen Schlagzeilen in den Mittelpunkt der Medien. Die Öffentlich- keit entwickelte ein Bewusstsein dafür, dass nicht nur das Interesse der Eigentümer im Mittelpunkt unternehmerischen Handelns stehen soll. Vielmehr bedeutet gesellschaftli- che Verantwortung die Beachtung von unterschiedlichsten Interessengruppen bei der Gestaltung der Unternehmenspolitik. Beispielhaft sind hierfür Arbeitnehmer, Zulieferer, Konsumenten und Kommunen zu nennen.

Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, wurden auf nationalen Ebenen Richtlinien erlassen, welche eine transparente Arbeitsweise der Unternehmen sicherstellen und ver- schiedene Interessengruppen in die Unternehmenspolitik einbinden sollen. Daraufhin führten einige Unternehmen verhaltensspezifische Kodizes, eine Umweltberichterstat- tung sowie einen CSR-Bericht ein. Ziel dieser Seminararbeit ist es zu überprüfen, ob und inwieweit die Unternehmen gesellschaftlich nachgefragter Berichterstattung nach- kommen und somit auch die Interessen der Stakeholder berücksichtigt werden. Hierzu werden anhand eines standardisierten Rasters Daten erhoben und anschließend empi- risch untersucht. Der Blick richtet sich dabei auf die 100 größten Aktiengesellschaften Australiens.

1.2 Gang der Untersuchung

Zu Beginn des zweiten Kapitels werden grundlegende Begrifflichkeiten erläutert. Dabei geht es zunächst um die Bedeutung des Begriffs Corporate Governance (CG), anschlie- ßend werden Bedeutung und Hintergrund von Corporate Social Responsibility darge- legt. Um die theoretischen Grundlagen zu komplettieren, wird im zweiten Kapitel ein Abschnitt der aktuellen Diskussion zum Thema in Australien gewidmet sowie der aust- ralische CG-Kodex beleuchtet. Im dritten Kapitel erfolgt die empirische Auswertung. Hierzu wurden verschiedene Daten über die 100 größten australischen Aktiengesell- schaften erhoben. Die Themen Firmenkodizes, Compliance Management, Umwelt- schutz und Corporate Social Responsibility standen dabei im Fokus. Untersucht werden die Daten mit Mitteln der deskriptiven Statistik. Aus Gründen der Veranschaulichung werden sie grafisch dargestellt. Zunächst erfolgt eine grundlegende Darstellung mit einem Querschnitt durch alle Unternehmen. Anschließend wird nach Unternehmensgröße und Branchenzugehörigkeit differenziert betrachtet. Zu jedem Themengebiet liefert der Autor eine kurze Erläuterung zur Datenanalyse. Durch ein Fazit sowie einen Ausblick im vierten Kapitel schließt diese Arbeit.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Corporate Governance

Der Begriff Corporate Governance1 bedeutet ins Deutsche übersetzt Unternehmensord- nung bzw. Unternehmensverfassung.2 Dahinter verbergen sich die Ausgestaltung der Leitungs- und Kontrollstrukturen einer Unternehmung.3 Prägend für diese Strukturen sind die Interessen der Stakeholder.4 Im Kern spricht man dabei von der Legitimations- frage, also welche Interessen die strategische Ausrichtung des Unternehmens konstituie- ren.5 Die zweite Kernfrage ist die Organisationsfrage.6 Entscheidungsstrukturen im Un- ternehmen müssen derart organisiert sein, dass sie konform mit den konstituierenden Interessen sind. Als Mittel steht dabei den Unternehmen entweder die Option zur Ver- fügung eigene Kodizes zu implementieren oder sich gezielt an einen nationalen Kodex zu orientieren. Weitere Einflussgrößen auf Unternehmensstrukturen sind neben den Sta- keholdern rechtliche Rahmenbedingungen7 und kulturelle Gegebenheiten8. Alle Einflüs- se prägen schlussendlich das nationale Corporate Governance-System.

Die Größenordnung heutiger Unternehmen erschwert, verbunden mit intransparenten Konzernverflechtungen, regelmäßig den Einblick der Stakeholder in die Geschäftsakti- vitäten der Unternehmensleitung.9 Ergeben sich dadurch Handlungsspielräume für die Unternehmensführung, spricht man von Informationsasymmetrie10 zugunsten des Ma- nagements. Corporate Governance soll diese Informationsasymmetrie durch Vorgaben für die Unternehmensorganisation unter Berücksichtigung aller Interessen abbauen.

Im Rahmen vorliegender Untersuchung wird auf angesprochenen Problematik eingegangen. Zentraler Untersuchungsgegenstand sind Firmenkodizes sowie CSRBerichterstattung, um beschriebene Interessenwahrung zu gewährleisten. Folgender Abschnitt liefert nun Erläuterungen zu CSR.

2.2 Corporate Social Responsibility

Das Thema „Corporate Social Responsibility in Australien“ lässt es sinnvoll erscheinen, verschiedene in der Literatur auftretende Definitionen von CSR zu beleuchten. Dabei sei vorab erwähnt, dass Definitionen unterschiedlichste Formulierungen aufweisen, im Kern aber stets gleiche Ziele verfolgen.

Eine besonders aussagekräftige Begriffsbestimmung liefern Werther und Chandler mit „A view of the corporation and its role in society that assumes a responsibility among firms to pursue goals in addition to profit maximization and a responsibility among a firm’s stakeholders to hold the firm accountable for its actions”11 ab. Heal hingegen fasst die Verantwortung der Unternehmen als „CSR involves taking actions which re- duce the extent of externalized costs or avoid distributional conflicts”12 zusammen. Die herrschende Meinung der EU-Kommission, nämlich CSR sei ein „Concept whereby companies integrate social and environmental concerns in their business operations and in their interaction with their stakeholders on a voluntary basis”13, soll als abschlie- ßendes Beispiel dienen.

Vorstehende drei Definitionen lassen nun folgende Rückschlüsse zu. Zum einen wird von Unternehmen erwartet, dass sie neben Kapitaleignern weitere Interessengruppen bei Ausgestaltung ihrer Unternehmenspolitik berücksichtigen sollen. Zum anderen stehen Umweltaspekte im Fokus. Durch Unternehmen verursachte externe Kosten sind einzu- dämmen bzw. zu vermeiden, mind. aber gesellschaftlich durch Berichterstattung zu ver- antworten. Soeben genannte Aspekte werden im Rahmen dieser Ausarbeitung unter- sucht und bewertet.

2.3 Vorschriften und Rahmenbedingungen in Australien

Für die über 2.000 an der Australian Securities Exchange (ASX) gelisteten Aktiengesellschaften gelten seit 01. Januar 2008 die „Corporate Governance Principles and Recommendations“ in zweiter Edition.14 Erstellt wurden diese Empfehlungen vom ASX Corporate Governance Council, einem Beratungsgremium mit 21 Mitgliedern, und traten in erster Edition im März 2003 in Kraft. Börsennotierte Unternehmen verstehen sich dabei laut Kodex als Shareholder-Orientiert und sollen eine möglichst transparente Darstellung der Unternehmensordnung gewährleisten.15 Mit Hilfe von Bewertungsvorgängen am Kapitalmarkt wird die CG jedes Unternehmens einer Beurteilung unterzogen. Die Ausgestaltung einheitlicher Empfehlungen soll dabei behilflich sein, die Kapitalkosten australischer Unternehmen möglichst gering zu halten.

Aufgegliedert ist der Kodex in acht Grundsätze, sog. „Principles“.16 Darunter finden sich u.a. Struktur und Aufbau der Unternehmensleitung, Vorgehen für Rechnungslegung und Jahresabschluss, Verantwortungsbewusstsein für strategische Entscheidungen, Respekt gegenüber den Aktionären und faire Entlohnungssysteme.

Für den weiteren Verlauf dieser Arbeit sind vor allem Principle 2 und Principle 3 von Bedeutung. Unter Principle 2 verbergen sich Vorgaben für die Zusammensetzung des Verwaltungsorgans.17 Ferner wird explizit die Empfehlung für ein Entlohnungskomitee ausgesprochen. Im Gegensatz dazu finden sich keine Anmerkungen zu einem Umwelt- komitee, was für die weitere Analyse hervorzuheben ist. Zusätzlich von Wichtigkeit ist Principle 3, welcher eindringlich an einen verantwortungsvollen Umgang mit Stakehol- dern appelliert. Im Detail ist die Rede von „[…] should also consider the reasonable expectations of their stakeholders including: shareholders, employees, customers, sup- pliers, creditors, comsumers and the broader community in which they operate“18. Eine klare Empfehlung für einen Verhaltenskodex liegt vor. Im Rahmen eines solchen Kodi- zes sollen die Unternehmen Umweltschutzmaßmen implementieren.19

Entscheidende Tatsache für folgende Untersuchungen ist, dass es sich bei dem Kodex explizit um Empfehlungen und nicht um Vorschriften handelt. So wird Eingangs direkt darauf hingewiesen, dass es trotz aller Bemühungen zu Unternehmensskandalen kom- men kann und letztendlich der Kapitalmarkt als Indikator für geordnete CG dient.

3 Empirische Auswertung

Vor der Interpretation der Auswertung wird sich der folgende Abschnitt mit der Daten- erhebung und dem zugrundeliegenden Datensatz beschäftigen. Anschließend erfolgt die Darstellung der Ergebnisse unterteilt nach größen- und branchenspezifischen Einflüs- sen.

Als Grundlage diente die Liste der 100 größten australischen börsennotierten Aktienge- sellschaften. Das ausschlaggebende Größenmerkmal war dabei der Umsatz im Jahre 2010. Sofern die Analyse einen Konzern betraf, wurde lediglich die Konzernmutterge- sellschaft untersucht. Die überprüften Gesellschaften sind in acht verschiedene Bereiche unterteilt: Bau, Bergbau, Dienstleistungen, Handel, Land- und Forstwirtschaft, verarbei- tendes Gewerbe, Verkehr und Nachrichtenübermittlung sowie Versorgung. Auf Aktien- gesellschaften aus dem Bereich Banken und Versicherungen wurde bewusst verzichtet. Deren Bilanzmerkmale (Bilanzsumme, Umsatz etc.) könnten sich verzerrend auf die Auswertung auswirken. Zur standardisierten Erhebung der Daten diente ferner ein Ana- lyseraster, welches sich grundsätzlich in fünf Kategorien unterteilen lässt: Nationale Kodizes, Firmenkodizes, Compliance Management, Umweltschutz und Corporate Soci- al Responsibility.

3.1 Überblick der bedeutendsten Bereiche

Im folgenden Abschnitt werden die absoluten Häufigkeiten der 100 untersuchten Unter- nehmen beschrieben und ausgewertet. Hierzu sind zunächst Häufigkeiten einzelner Va- riablen aufzuzeigen um festzustellen, welche praktische Relevanz der Thematik beizu- messen ist. Anschließend erfolgt eine detaillierte Analyse der vier Hauptuntersuchungs- gruppen Firmenkodizes, Compliance Management, Umweltschutz und Corporate Social Responsibility.

Betrachtet man zunächst die praktische Relevanz der umfassenden Thematik „Gesell- schaftliche Verantwortung“ der 100 größten Aktiengesellschaften in Australien, so fal- len vier Häufigkeiten besonders auf: 70% führen eine Corporate Social Responsibility- Berichterstattung durch, 63% eine Umweltberichterstattung, 39% haben einen Umwelt- beauftragten und 96% einen spezifischen Firmenkodex.

[...]


1 Eine exakte Definition bzw. Übersetzung für diesen Begriff existiert nicht. Vgl. dazu Gerum, E. (2007): S. 5 ff.

2 Vgl. Gerum, E./ Mölls, S. (2009): S. 226 und Gerum, E. (2007): S. 8.

3 Vgl. Wöhe, G. (2010): S. 63.

4 Deutsche Übersetzung: Interessenvertreter, Anspruchsberechtigte; am Unternehmen beteiligte An- spruchsgruppen wie bspw. Eigenkapitalgeber, Fremdkapitalgeber, Arbeitnehmer, Gesetzgeber, Lie- feranten usw.

5 Vgl. Gerum, E./ Mölls, S. (2009): S. 227.

6 Vgl. Gerum, E. (2007): S. 7.

7 Vgl. dazu Graf v. Treuberg, H./ Zitzmann, A. (2003): S. 22 ff.

8 Vgl. Larcker, D./ Tayan, B. (2011): S. 23 und Gerum (2007): S. 36 f.

9 Wöhe spricht vom „Auseinanderfallen der Risikoübernahmefunktion und Leitungsfunktion“. Wöhe, G. (2010): S. 63.

10 Die Informationsasymmetrie zwischen Eigenkapitalgeber (Auftraggeber) und Führungsebene (Agent) führt zum sog. Prinzipal-Agent-Konflikt. Für eine ausführliche Darstellung dieses Konflikts vgl. Fritsch, M. (2011): S. 258 ff., Wöhe, G. (2010): S. 64 und Franke, G./ Hax, H. (2009): S. 467 f.

11 Werther, W. B./ Chandler, D. (2011): S. 5.

12 Heal, G. (2004): S. 12.

13 EU-Kommission (2001): S. 6.

14 Vgl. ASX Corporate Governance Council (2007): S. 2.

15 Vgl. ASX Corporate Governance Council (2007): S. 2.

16 Im weiteren Verlauf wird der originale Begriff „Principle“ verwendet.

17 Engl.: Board of Directors.

18 ASX Corporate Governance Council (2007): S. 22.

19 Vgl. ASX Corporate Governance Council (2007): S. 23.

Details

Seiten
21
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656337591
ISBN (Buch)
9783656337911
Dateigröße
811 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v206820
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,0
Schlagworte
CSR Corporate Social Responsibility Umweltberichterstattung Corporate Governance Australien CG CSR-Berichterstattung

Autor

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Titel: Corporate Social Responsibility in Australien