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Göbekli Tepe, der älteste Monumentalbau der Menschheit

Religionswissenschaftliche Überlegungen zu seiner Nutzung als sakrale Kultstätte oder profaner Allzweckbau

Bachelorarbeit 2012 64 Seiten

Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1.) Göbekli Tepe
1.1. Zeitliche Einordnung von Göbekli Tepe
1.2. Einleitende Fakten zum Bau
1.3. Die Anlagen und deren Ausgrabungszustand
1.3.1. Anlage A
1.3.2. Anlage B
1.3.3. Anlage C
1.3.4. Anlage D
1.4. Zusammenfassung der symbolischen Elemente

2.) Theorien zu einer sakralen und profanen Funktion des Raumes
2.1. Religionsphänomenologische Ansichten zum Raum als Element der Religion
2.2. Die Bedeutung eines sakralen Raumes
2.2.1. Initiationsriten
2.2.2. Totentempel
2.2.3. Totemismus
2.3. Theoretische Ansätze zur Funktion eines profanen Raumes
2.3.1. Der Raum als Kommunikationselement

3.) Symbolstrukturen
3.1. Definition von Symbolen
3.2. Das sakrale Symbol
3.3. Die Instrumentalisierung von Symbolen
3.3.1. Das kulturelle Gedächtnis

4.) Interpretationsansätze einer möglichen Motivation für den Bau von Göbekli Tepe
4.1. Hinweise auf eine sakrale Nutzung der Anlagen anhand der Reliefdarstellungen
4.2. Theoretische Ansätze für die Interpretation als profanen Allzweckbau

Schlussbemerkung

Anhang
Abbildungsverzeichnis
Literaturverzeichnis

Erklärung

Einleitung

Im Jahr 1995 wurde im Südosten der Türkei von dem deutschen Archäologen Klaus Schmidt eine außerordentliche Entdeckung gemacht. Er stieß bei Ausgrabungen in der Nähe der türkischen Stadt Şanlıurfa auf eine monumentale Steinanlage, dessen Datierung bis 9.000 v. Chr. zurückreicht.[1] Es handelt sich bei dem Fund um mehrere kreisförmige Anlagen, die auf einem langgestreckten Bergzug unter einem künstlich geschaffenen Hügel lokalisiert wurden (Abb. 1). Die Ausgrabungen dauern bis heute an, da bis jetzt nur fünf Anlagen freigelegt wurden. Die genaue Anzahl der Anlagen ist bisher noch unbekannt, man schätzt jedoch weitere 20 Steinkreise, die in dem künstlichen Hügel verborgen sind. Die Ausgräber nennen diesen spektakulären Fund Göbekli Tepe - »der gebauchte Berg«[2]. Sonstige archäologische Erkenntnisse deuteten bisher nicht daraufhin, dass Menschen um 9.000 v. Chr. in der Lage waren Anlagen von monumentaler Größe zu erbauen. Es gibt bis dato keine Entdeckung, die sich mit Göbekli Tepe vergleichen lässt. Betrachtet man die Datierung, ist es das zurzeit älteste bekannte von Menschen geschaffene Bauwerk dieser Größe, das sich in mehrere Anlagen unterteilt, die einen Durchmesser von bis zu 30m aufweisen können.[3]

Neben der Datierung und der Anzahl der Anlagen, sind die T- kopfförmigen Steinpfeiler, wohl am beeindruckendste Besonderheit des Befundkomplexes, die bisher in allen Anlagen dokumentiert werden konnten sowie die zentral ausgerichteten Pfeilerpaare. Diese Pfeiler, aus Kalkstein, sind bis zu 5m hoch und wiegen 10 bis 20 Tonnen.

Die genaue Funktion der Anlagen bleibt bis heute ein Rätsel, denn viele der Pfeiler, welche die Anlagen kennzeichnen sind mit aufwendigen Reliefs überzogen, auf denen verschiedene Tiere dargestellt sind. Aufgrund dieser Reliefs stellte der Grabungsleiter Klaus Schmidt die Theorie auf, dass es sich bei dem Monumentalbau um einen Totentempel handeln könnte. Göbekli Tepe also primär für kultische Zwecke genutzt worden sei. Mit dieser These wäre bewiesen, dass die Menschen bereits bevor sie sesshaft wurden sich in organisierten Verbänden zusammenfanden und dadurch in der Lage waren eine solche architektonische Meisterleistung zu vollbringen.

Diese Arbeit soll sich vor allem mit der Fragestellung beschäftigen, welche Funktion Göbekli Tepe hatte. Dabei soll anhand von Indizien erörtert werden, ob es sich um eine sakrale Kultstätte oder um einen profanen Allzweckbau handelte. Es geht weniger darum eine dieser Möglichkeiten auszuschließen, sondern vielmehr darum, aus religionswissenschaftlicher Sicht die verschiedenen Fakten zu betrachten. Die unterschiedlichen Interpretationsansätze werden vorgestellt und gesammelt, um sie dann unter verschiedenen Gesichtspunkten näher zu betrachten.

Da die Begriffe sakral, heilig und profan in dieser Arbeit des Öfteren Verwendung finden, soll zu Beginn darauf hingewiesen werden, dass sakral und heilig im Kontext einer religiösen Motivation zu verstehen sind. In diesem sind besonders Mythen und Rituale zu verstehen, die archäologisch zwar nicht mehr visualisiert werden können, jedoch aus anderen Vergleichsfunden, wie z.B. der Hochkulturen des Vorderen Orients oder noch ältere Hinterlassenschaften der Steinzeit, formuliert werden können. Der Begriff profan soll dagegen eher im Kontext einer zur Verbesserung des Lebensstandards genutzten Motivation verwendet werden. Im Bezug auf Göbekli Tepe würde das bedeuten, dass der Monumentalbau von den Erbauern eher als Element des alltäglichen Lebens betrachtet wurde und eventuell die Funktion einer Kommunikationsplattform erfüllte. Durch diesen Aspekt hätte Göbekli Tepe dazu beigetragen können einen Gruppenzusammenhalt zu entwickeln, die besonders in den Anfängen des Neolithikums (Jungsteinzeit) dazu beigetragen hätte, dass die Menschen sesshaft wurden.

Der erste Teil der Arbeit wird sich vorrangig mit der zeitlichen Einordnung des Baus und einleitenden Fakten von Göbekli Tepe und dessen Anordnung beschäftigen, dazu sollen Jahresberichte des „Deutsch Archäologischen Instituts“ (DAI) und die Publikation „Sie bauten die ersten Tempel“ des Grabungsleiters Klaus Schmidt, herangezogen werden. Zum Stand der Forschungsliteratur im Allgemeinen lässt sich sagen, dass es bisher wenige Veröffentlichungen zu den Anlagen von Göbekli Tepe gibt, wahrscheinlich da die Ergebnisse aufgrund der fortwährenden Ausgrabungen noch nicht ausgewertet sind.

In dem Kapitel „Theorien zu einer sakralen und profanen Funktion des Raumes“ soll Göbekli Tepe als ein Raum betrachtet werden, der unter sakralen und profanen Gesichtspunkten näher beleuchtet werden soll. Hierbei werden die bis dahin in der Arbeit genannten relevanten Fakten der Anlagen immer wieder in die Raumtheorien mit einfließen. Für diesen Teil der Arbeit sind primär die Beiträge des Archäologen und Anthropologen André Leroi-Gourhan, „Domestikation des Raumes“ und des Religionswissenschaftler Carsten Colpe, „Theoretische Möglichkeiten zur Identifizierung von Heiligtümern und Interpretation von Opfern in ur- und parahistorischen Epochen“ von besonderer Bedeutung.

Wie bereits erwähnt, weisen die in Göbekli Tepe freigelegten Pfeiler[4] Abbildungen von Reliefs auf, die an anderer Stelle noch vorgestellt werden sollen. Aus diesem Grund wird sich ein weiterer Aspekt der Arbeit mit Symbolen beschäftigen, wie sie zu definieren sind und deren Anwendungsmöglichkeiten. Diese verschiedenen Aspekte, die in dem Kapitel „Symbolstrukturen“ näher beschrieben werden sollen, basieren vor allem auf den Beiträgen „Symbole und Symbolkontrolle“ von dem Religionswissenschaftler Burkhard Gladigow, und „Protosoziologische Überlegungen zur Soziologie des Symbols und Rituals“ von dem Soziologen Hans-Georg Soeffner.

Neben der Publikation „Sie bauten die ersten Tempel“ von Klaus Schmidt, in der eine detaillierte Beschreibung des Fundkomplexes aufgezeichnet wird, ist für den weiteren Arbeitsverlauf das Werk von Jan Assmann über das kulturelle Gedächtnis von besonderem Einfluss, auf das in den folgenden Ausführungen immer wieder Bezug genommen werden soll.

Abschließend sollen, in dem letzten Kapitel „Interpretationsansätze einer möglichen Motivation für den Bau von Göbekli Tepe“, die herausgearbeiteten Interpretationsmöglichkeiten zusammengefasst werden. Des Weiteren werden die Gegebenheiten einer profanen Nutzung für den Monumentalbau auf der Basis des Artikels „So Fair a House“ von dem Anthropologen Edward Banning veranschaulicht.

1) Göbekli Tepe

Bevor die Anlagen von Göbekli Tepe näher vorgestellt werden, soll kurz eine Ergänzung zum Titel der Arbeit erfolgen; tatsächlich handelt es sich nämlich bei Göbekli Tepe um den bisher ältesten bekannten Monumentalbau der Menschheit. Diese archäologische Tatsache kann sich jedoch jederzeit ändern.

Bereits 1963 wurden Archäologen bei einer türkisch-amerikanischen Geländeerkundung auf Göbekli Tepe aufmerksam und identifizieren den Berg als archäologische Stätte.[5] Daraufhin kam es allerdings zu keinen näheren Untersuchungen des Areals, da man sich zum damaligen Zeitpunkt wahrscheinlich der Bedeutung noch nicht bewusst war.[6] Es dauerte einige Jahrzehnte, bis Klaus Schmidt erneut auf Göbekli Tepe aufmerksam wurde und im Jahr 1995 mit dem „Deutschen Archäologischen Institut“ in Zusammenarbeit mit dem Museum Şanlıurfa begann den künstlich aufgeschütteten Hügel archäologisch genauer zu untersuchen.

Die Anlagen des Göbekli Tepe befinden sich auf einer dominierenden Landmarke im Südosten der Türkei, nur 15 km von der Stadt Şanlıurfa entfernt, es handelt sich dabei um einen 15 m hohen Hügel mit einem Durchmesser von 300m (Abb. 2),[7] der sich auf einem in alle Himmelsrichtungen ausbreiteten Plateau befindet (Abb. 3). Am ersten Tag der Begehung im Jahr 1995 fand das Archäologenteam um Klaus Schmidt eine – von Bauern aus dem Boden geborgene – Steinplatte mit dem Hochrelief eines Tieres. Weitere Begehungen, bei denen ähnliche Funde mit Tierdarstellungen geborgen wurden und die geographische Lage des Ausgrabungsortes, ließ die Ausgräber vermuten, dass am Göbekli Tepe weitere rituelle Zeugnisse zu erwarten seien.[8]

Das Unerwartete an dem Fundkomplex Göbekli Tepes ist hauptsächlich die Datierung der nach heutigen Erkenntnissen ältesten Bauschicht ins 9.000 v. Chr.[9] Da die Ausgrabungen bis heute noch nicht abgeschlossen sind, kann man davon ausgehen, dass eine Datierung bis ins Paläolithikum[10] möglich ist.[11]

1.1. Zeitlich Einordnung von Göbekli Tepe

Die Errichtung Göbekli Tepes bereits während dem „Präkeramischen Neolithikum A“[12], die offizielle Bezeichnung lautet „Pre-Pottery Neolithic A“ (PPNA).

In dieser Epoche der Menschheitsgeschichte war besonders die aneignende Wirtschaftsform prägend. Die damaligen Menschen waren noch nicht sesshaft und lebten in kleinen Verbänden zusammen, die es ihnen ermöglichten dem umherziehenden Wild zu folgen. Dem Archäologen Hermann Müller-Karpe nach, lebten frühneolithische Menschen (10./9. Jahrtausend v. Chr.) im südostanatolischen Obermesopotamien, im Gebiet des Göbekli Tepe noch ohne die Fertigkeit Keramik herzustellen und Tiere zu domestizieren.[13] Desweiteren befand sich die Kultivierung von Getreide gerade in ihren Anfängen. Erst im Neolithikum[14] (Jungsteinzeit) fingen die Menschen an sich eine produzierende Wirtschaftsweise anzueignen, folglich Tiere zu domestizieren und Wildgetreide zu kultivieren.[15] Dieser Prozess ist in der Archäologischen Terminologie als „Neolithische Revolution“ bekannt und begann in dem Gebiet des „Fruchtbaren Halbmondes“(Abb. 4). Dieses Gebiet bezeichnet nach heutigem geographischem Stand den Westen des Irans, Syrien, Irak und die südöstlichen Gebiete Anatoliens, wie auch das Gebiet zwischen Euphrat und Tigris.[16] Göbekli Tepe befindet sich demzufolge in dem Gebiet des „Fruchtbaren Halbmondes“. Dabei ist für die Archäologie bei der Betrachtung von Göbekli Tepe von besonderem Interesse, dass die „Neolithische Revolution“ etwa um 9.000 v. Chr. ihre Anfänge nahm, also in jener Zeit,[17] als die Errichtung des Monumentalbaus bereits begonnen hatte. Dieser Umstand deutet daraufhin, dass es sich bei den Menschen, die Göbekli Tepe errichteten, um eine Jäger- und Sammlergesellschaft handeln musste. In der unmittelbaren Nähe von Göbekli Tepe fehlen allerdings Siedlungspuren, was wiederum darauf hindeutet, dass die Konstrukteure noch von einer aneignende Wirtschaftsform lebten. Sicher feststellen lässt sich aber, dass sie in der Lage waren 10 bis 20 Tonnen schwere Steinkolosse zu transportieren. Dies bedeutete einen großen organisatorischen Aufwand; schließlich musste für dieses Unternehmen eine große Zahl von Menschen, die für dieses Unternehmen als Kollektiv zusammenarbeiten.[18] Eine beeindruckende Leistung, dass die damaligen Menschen noch in kleinen Verbänden ein nomadisches Leben führten und sich täglich um die Nahrungsbeschaffung kümmern mussten.

„Bis vor kurzem hätte niemand vermutet, dass Jäger-und-Sammler-Gemeinschaften über eine derart komplexe Organisationsstruktur verfügten, wie sie offensichtlich für die Errichtung solch monumentaler Anlagen notwendig war.“[19]

1.2. Einleitende Fakten zum Bau

Von einer genauen Beschreibung der einzelnen Anlagen und deren Pfeiler, sollen zunächst noch ein paar grundlegende Fakten aufgeführt werden. Diese Befunde gelten für alle vier[20] Anlagen und beschäftigen sich genauer mit den allgemeingültigen archäologischen Gegebenheiten des Baus.

Es sei noch anzumerken, dass die Ausgrabungen am Göbekli Tepe bisher in jährlichen Grabungskampagnen fortgesetzt werden. Die in diesem Aspekt primär verwendete Publikation „Sie bauten die ersten Tempel“ von Klaus Schmidt in aktualisierter Version stammt aus dem Jahr 2008. Auf neue Erkenntnisse der Grabungskampagnen in den Jahren 2009/2010, die zur Befundlage hinzugekommen sein könnten, wird mit durchgehender kursiver Schreibweise im späteren Abschnitt der Arbeit hingewiesen. Diese Informationen sind inhaltlich aus den Jahresberichten des DAI entnommen und nur mit einer einzigen Fußnote versehen.

Geomagnetische Untersuchungen des Grabungsgebietes ließen erkennen, dass sich neben den vier bisher ältesten entdeckten Anlagen, noch weitere 20 in dem künstlich aufgeschütteten Hügel befinden.[21] Bisher kann man an den ausgegrabenen Anlagen eine Einheitlichkeit der Pfeileranzahl erkennen, diese schwankt zwischen 10 und 14 Pfeiler pro Anlage. Es ist hierbei zu erwähnen, dass die Anlage C mit einem Umfang von 30m, die bis dato größte freigelegte Anlage ist.[22] Die Ausgräber rechnen mit mindestens weiteren 200 Pfeilern, die noch in den Erdschichten verborgen sind: bisher sind 43 Pfeiler bekannt und dokumentiert.[23]

Wie bereits erwähnt, wiegen die Pfeiler bis zu 20t und bis zu 4m hoch.[24] Zum Transport der aus Kalkstein bestehenden Pfeiler wären mindesten 40 Menschen nötigt, vorausgesetzt sie würden die Steinkolosse mit Rollschlitten befördern.[25] Klaus Schmidt verweist für einen Transport dieser Größe ohne Rollschlitten auf eine Zahl von 500 bis zu 700 Menschen.[26]

Ein solcher Aufwand wurde nicht nur für den Transport aufgebracht, sondern auch die reichlich ausgestalteten Reliefabbildungen, welche sich auf den Pfeilern befinden. Die Theorie, dass es sich bei Göbekli Tepe um eine sakrale Kultstätte handelt, stützt sich besonders auf die in Reliefform dargestellten Tiere. Diese folgen der Ausrichtung der Pfeiler und blicken somit in die Mitte der Anlage. Es wird vermutet, dass es sich bei der markanten T-kopfartigen Pfeilerform um anthropomorphe Wesen handeln soll.[27] Deren Köpfe bilden dabei den etwas größeren Aufsatz, wodurch die charakteristische T-Form der Pfeiler entsteht. Ein anderes markantes Merkmal der Pfeiler ist die Darstellung von vorrangig männlichen Tieren.[28] Des Weiteren ist zu erwähnen, dass von den abgebildeten Tierarten durchschnittlich eher giftige oder gefährliche Exemplare – Schlange, Keiler, später auch Löwen - auf den Pfeilern abgebildet wurden. Dieser Befund veranlasst Klaus Schmidt zu der These, dass in Göbekli Tepe eine Stätte des Totenkultes wieder zu erkennen ist.

„Was wir aber bis jetzt gefunden haben […], deutet, soviel sei hier vorweggenommen, in starkem Maße darauf hin, im Göbekli Tepe in der Tat ein Monument des Totenkultes zu sehen.“[29].

Bisher konnten jedoch noch keine Gräber gefunden werden, die Klaus Schmidt unter den Terrazzoböden[30] der Anlagen vermutet. Diese können jedoch erst geöffnet werden, wenn die Anlagen vollständig dokumentiert wurden.[31]

Die, in der Mitte stehenden Zwillingspfeiler der Anlage D besitzen Reliefs, die auf eine anthropomorphe Bedeutung der Pfeiler in Göbekli Tepe deuten. Die Pfeiler 18 und 31 weisen als bisher einzige Pfeiler anthropomorphe Züge auf.[32] Die Reliefs zeigen Arme, die auf den Breitseiten abgebildet sind und Hände, die auf der Frontseite dargestellt wurden (Abb. 5). Die anderen bekannten Anlagen A, B und C weisen nach heutigem Erkenntnisstand nur Tierreliefs auf. Der Befund, dass die Anlage D als einzige Anlage anthropomorphe Abbildungen besitzt, wirft die Frage auf ob alle vier Anlagen gleichzeitig entstanden bzw. genutzt wurden oder zeitlich versetzt errichtet wurden. Die Ausgräber konnten bislang keine Siedlungsspuren finden; der Literatur zufolge hatten die Pfeiler keine stützende Funktion somit waren die Anlagen vermutlich nicht überdacht.[33] Diese Fakten lassen den Schluss zu, dass Göbekli Tepe lediglich für begrenzte Zeit aufgesucht wurde, da es ohne Überdachungen als Siedlungsort ungeeignet gewesen wäre. Allerdings schien der Ort für die Baumeister von besonderer Bedeutung gewesen zu sein, schließlich wurde der Komplex im Laufe der Zeit umgestaltet, was sich an verschieden Bauschichten erkennen lässt. Die Anlagen sind in drei Bauschichten eingeteilt,[34] die nun kurz vorgestellt werden sollen. Es gibt jedoch verschiedene Versionen der Grabungspläne Göbekli Tepes, die die Schicht II noch einmal unterteilen. In den folgenden Ausführungen wird Schicht II dagegen nicht unterteilt, da in der Legende der Grabungspläne keine weiteren Unterscheidungskriterien bezüglich Zeit oder Befunde für diese Schicht genannt wurden.

Schicht I wird aus archäologischer Sicht wenig beachtet, da es sich dabei um natürliche oder durch menschliche Beackerung entstandene Sedimente handelt, in der keine weiteren Funde erwartet werden.[35]

Schicht II wird in einen Zeitraum um 8.000 v. Chr. datiert.[36] Sie ist folglich jünger als Schicht III.

Schicht III ist die älteste bekannte Schicht und wird ins PPNA und dem frühen PPNB (9.400-8.7/600 v. Chr.)[37] datiert, bis zum jetzigen Zeitpunkt kann noch nicht gesagt werden, wann genau mit dem Bau der Anlagen begonnen wurde. Die Tatsache, dass die Anlagen gezielt zugeschüttet wurden gibt den Archäologen Rätsel auf. Auf dem Bereich der Anlagen A und B sind Überlagerungen der beiden Schichten zuerkennen.[38]

Die verschieden Schichten haben weitere prägnante Charakteristika. Die bis zu 20t schweren und bis zu 5m hohen T-Kopf förmigen Pfeiler stammen aus Schicht III, die Anlagen dieser Schicht haben eine kreisähnliche Form. Die markanten Pfeiler existieren in Schicht II fort, haben jedoch nur noch eine Höhe von 1-2m. Die rundliche Form der Anlagen in Schicht III wurde in der jüngeren Schicht nicht mehr fortgeführt und von rechteckigen Räumen abgelöst (Abb. 6).[39]

Eine weitere Besonderheit der Anlagen in Schicht II ist, dass sie rechteckige Räume bilden, in denen wie bereits erwähnt kleinere Pfeiler standen. Im Unterschied zu Schicht III, in der die Pfeiler mit einer Mauer verbunden wurden, standen die Pfeiler in Schicht II frei in den rechteckigen Räumen.[40] Im Gegensatz zu den Pfeilern in Schicht III, die kleineren Pfeiler in Schicht II weisen keine Reliefs auf, abgesehen von zwei Darstellungen eines löwenartigen Tieres, die sich im gleichen Raum befinden. Klaus Schmidt verweist des Weiteren darauf, dass die Räume der Schicht II überdacht waren. Es konnten jedoch keine Feuerstellen oder Öfen gefunden werden, die beweisen könnten, dass es sich um einen Siedlungsplatz handelte. Die neuen rechteckigen Bauwerke in Schicht II wurden jedoch unpräziser umgesetzt als die älteren und im Durchmesser größeren – mit Ringmauern umgrenzten – Anlagen.[41]

In Schicht III finden sich vor allem Tierreliefs, wohingegen in der jüngeren Schicht II schon deutlich öfter menschliche Darstellungen (Abb. 7) gefunden wurden, darunter abgebrochene Köpfe und unvollständig erhaltene Menschenkörper.[42]

In einem relativ kurzen Zeitraum[43] änderte sich scheinbar das ästhetische Empfinden der prähistorischen Architekten. Die Nutzungsbedingungen der Anlagen mussten den Bedürfnissen der damaligen Menschen angepasst werden.

1.3. Die Anlagen und deren Ausgrabungszustand (Abb. 8)

Im folgenden Teil der Arbeit sollen die vier bereits erwähnten Anlagen genauer vorgestellt werden. Dabei werden nur die Aspekte der Anlagen näher betrachtet, die für den Verlauf der Arbeit von Bedeutung sind. Die vorliegende Literatur, allem voran das Werk von Klaus Schmidt, lässt sehr detaillierte Aussagen über die einzelnen Anlagen treffen.

1.3.1. Anlage A (Abb. 8.1)

Die Ausgrabungen auf dem Gebiet von Anlage A begannen im Jahr 1995;[44] bisher hatten die Archäologen nur aus Befundkontext gelöste, Artefakte dokumentiert. Diese Anlage unterscheidet sich in ihrer Form von den anderen dahingehend, dass sie nicht in sich geschlossen ist, sondern im Südosten geöffnet bleibt und laut dem Grabungsplan wahrscheinlich keine weiteren Ringmauern enthält.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Pfeiler 1 und 2, die sich in der Mitte der Anlage A befinden sind nordwestlich ausgerichtet. Ihre nach außen gerichteten Breitseiten werden von den dort verlaufenden Mauern verdeckt, die sich im Nordwesten zu einer Apside verbinden. Da die Anlage keine Kreisform aufweist sind die beschriebenen Pfeiler die einzigen innerhalb der Ringmauer. Die Pfeiler 3 und 4 befinden sich parallel ausgerichtet zu den ersten beiden Pfeilern hinter den Mauerzungen. Von den hier genannten Pfeilern sind jedoch nur Pfeiler 1, 2 und 5 mit Reliefabbildungen aufgefunden worden[45].

Pfeiler 1 besitzt die aufwendigsten Darstellungen. Auf seiner Vorderseite[46] sind vier Schlangen abgebildet, die sich vom Kinnansatz des Pfeilers nach unten bewegen. Eine fünfte Schlange schlängelt sich von unten nach oben. Die Schlangen „bewegen sich auf und zwischen zwei geraden und parallel verlaufenden Bändern“[47], die von Schmidt als Stola bezeichnet wird (Abb. 9). Auf der linken Seite des Pfeilers befinden sich mehrere Schlangen, die durch ihre Bewegung die Illusion eines Netzes erzeugen. Darunter befindet sich ein Vierfüßer, der in der Literatur als Widder[48] interpretiert wird (Abb. 10).

Die Vorderseite von Pfeiler 2 ist im Vergleich zu Pfeiler 1 ohne Abbildungen. Die Rückseite zeigt allerdings kurz unter dem T- kopfförmigen Aufsatz des Pfeilers das Hochrelief eines Bukraniums[49].

Es ist eine Dominanz männlicher Tierdarstellungen, in Göbekli zu verzeichnen. Die folglich vorhandenen Abbildungen des Männlichen erlauben die Schlussfolgerung einer eher dem «Tot» zugeneigten Symbolik.[50] Da in den Anlagen bisher Darstellungen weiblicher Objekte fehlen, die mit Fruchtbarkeit, also «Leben» assoziiert werden.[51]

Diese Interpretationsansicht würde Schmidts Theorie unterstützen, Göbekli Tepe als Totentempel auszulegen. Auf der rechten Breitseite des Pfeilers 2 ist ein Vogel (vermutlich ein Kranich[52] ), ein hundeartiges Tier mit einem Phallus und ein Stier abgebildet, dessen Hörnerstellung dem des oben beschriebenen Bukraniums ähnelt (Abb. 11). Der Vogel, der sich unter den Reliefs der beiden anderen Tiere befindet, besitzt anatomisch menschliche Knie, auf deren mögliche Bedeutung in späteren Kapiteln eingegangen wird. Alle auf den Pfeilern abgebildeten Tiere besitzen eine Gemeinsamkeit – sie schauen alle in südöstliche Richtung – also zum Eingang der Anlage A.[53]

Der letzte Fund der Anlage A, der hier betrachtet werden soll, ist ein löwenartiges Tier mit einem Phallus und deutlich sichtbaren Rippen, welches auf einer Mauerkrone gefunden wurde (Abb. 12). An dem hinteren Teil der Figur befindet sich eine Bruchstelle, das dazugehörige Objekt wurde bisher bei den Ausgrabungen nicht gefunden. Vergleichsfunde aus der neolithischen Siedlung in Nevalı Çori, die sich in der gleichen Region wie Göbekli Tepe befindet, weisen daraufhin, dass das Tier möglicherweise als oberes Fragment eines Totempfahls diente.[54]

1.3.2. Anlage B (Abb. 8.2)

Anlage B ist im Gegensatz zur Anlage A polygonal, es lassen sich neun Pfeiler zu diesem Bau zählen. Die Anlage misst von Osten nach Westen 9m und von Norden nach Süden 10-15m; das genaue Ausmaß konnte noch nicht festgestellt werden, weil die Grabungsfläche noch nicht komplett freigelegt wurde.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Pfeiler 9 und 10 werden als Zwillingspfeiler bezeichnet, da sie zum einen in der Mitte der Anlage B stehen und die gleichen Reliefdarstellungen tragen. Die restlichen sieben Pfeiler sind in die Zwillingspfeiler umgebenen Ringmauer eingelassen und sind mit ihrer frontalen Seite zur Mitte der Anlage ausgerichtet. Die einzige Ausnahme bildet Pfeiler 15, der auch in dem Kreis der restlichen Pfeiler steht, aber parallel zu Pfeiler 10 ausgerichtet wurde und genau wie die Zwillingspfeiler eine nordsüdliche Orientierung hatte.

Die Innenseiten der Pfeiler 9 und 10, demnach die einander zugewandten Flächen der beiden Pfeiler zeigen einen nach Süden springenden männlichen Fuchs.[55] Beide Darstellungen, die zueinander spiegelverkehrt sind, sind sich sehr ähnlich und die einzigen Reliefs auf beiden Pfeilern (Abb. 13&14).

Das Relief (Abb. 15), das sich auf der Stirnseite des T-Kopfes von Pfeiler 6 befindet, gab längere Zeit Rätsel auf. Der Betrachter schaut auf den Hinterkopf des Tieres, der rund und unstrukturiert wirkt. Das Tier wurde zuerst als Reptil interpretiert. Ein Vergleichsstück aus Tell Abr in Syrien gab Aufschluss darüber, dass es sich wohl eher um einen Panther handeln könnte. Auf dieser Steinplatte in Tell Abr wurden drei ähnlich aussehende Tiere, die dem Betrachter den Rücken zuwenden, anhand ihrer aufwendig gestalteten Fellzeichnungen als Panther interpretiert.[56]

1.3.3. Anlage C (Abb. 8.3)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Anlage wurde nach Aussage des DAI stark beschädigt,[57] zu welchem Zeitpunkt dies geschah ist bisher nicht geklärt.[58] Mit einem Umfang von 30m ist sie die bisher größte bekannte Anlage innerhalb Göbekli Tepes.[59] Die zwei Zentralpfeiler sind von drei bisher freigelegten Mauerringen umgeben, zum kleinsten Mauerring gehören acht Pfeiler. Man kann davon ausgehen, dass die beiden kleineren Mauerringe später in den größeren eingebaut wurden.[60] Diese Erneuerungen führten zu einer Verkleinerung der Anlage C. In dieser Anlage sind vorrangig Wildschweine beziehungsweise Keiler auf den Pfeilern dargestellt. Von zehn bekannten Pfeilerreliefs, zeigen sechs Abbildungen von Keilern.[61]

Von den beiden Zentralpfeilern 37 und 35 ist der westlich stehende Pfeiler stark beschädigt. Er ist nach Osten hin weggekippt und in zwei Teile zerbrochen, des Weiteren fehlt der T- kopfförmige Aufsatz.

Der einzige Pfeiler, der näher in dieser Arbeit betrachtet werden soll, ist Pfeiler 12, der flächendeckende Reliefabbildungen aufweist. Auf der rechten Kopfseite befinden sich fünf entenähnliche Tiere, der Hintergrund zeigt ein netzartiges Gebilde (Abb. 16). Die veränderte Beinstellung der Vögel und ihre Positionen deuten jedoch eher auf eine in mehreren Bildern festgehaltene Sprungbewegung hin, als auf fünf einzelne Tiere.[62] Auf der gleichen Seite, auf der sich diese fünf Tiere befinden, ist am oberen Ende des Pfeilerschaftes das Relief eines Keilers herausgearbeitet. Über dessen Schnauze befindet sich eine 20cm tiefe, armdicke Lochung[63], für die noch keine plausible Funktion ermittelt wurde.

Eine weitere Besonderheit befindet sich auf der inneren Mauerkrone, zwischen den Pfeilern 24 und 36. Dort entdeckten die Ausgräber ein dackelgroßes, hundeähnliches Hochrelief, das sich vermutlich noch in seiner originalen Aufstellung befindet. Dieses Artefakt würde die Originalhöhe der Mauern für diesen Bereich belegen, jedoch kommen die Mauern in diesem Bereich aufgrund dieses Hochreliefs nicht als Dachauflage in Frage (Abb. 17).[64] Das deutet daraufhin, dass die Anlage C nicht überdacht war und infolgedessen nicht als Behausung diente.

Zuletzt soll noch einmal die Form der Anlage C näher beschrieben werden. In südlicher Richtung der Anlage führen zwei Mauern, die parallel zueinander verlaufen von der Anlage weg. Nach bisherigem Erkenntnisstand lassen sich beide Mauern zu keiner anderen Anlage zuordnen. Es kann vermutet werden, dass die Mauern mit dem Ziel angelegt wurden, einen Weg zu bilden, welcher gesondert zu der Anlage hinführen sollte. Am Ende des Verlaufes der Mauern versperrt eine Steinplatte den Gang, welche diesen vollkommen versperrt. Auf der südlichen Seite der Platte, die dem Besucher zugewendet ist, befindet sich das Relief eines auf dem Rücken liegenden Keilers (Abb. 18). Durch die Befundsituation ist davon auszugehen, dass die Platte – mit dem verdrehten Keilerrelief – mit einer bestimmten Intention in der vorgefundenen Position ausgerichtet wurde.[65]

Wie bereits erwähnt wurde die Anlage C stark beschädigt, davon sind die zwei Zentralpfeiler die betroffen. Daraus ergab die Möglichkeit, zum ersten Mal bis zum Boden einer Anlage zu graben, ohne auf die instabilen Zentralpfeiler Rücksicht nehmen zu müssen. Durch die Grabungen von 2008 konnte die Erkenntnis gewonnen werden, dass die Anlage direkt auf dem Felsen gebaut wurde. Der Boden wurde mühsam geglättet, wodurch ein Terrazzoboden entstand. Ein unerwarteter Fund war jedoch die Tatsache, dass die Zentralpfeiler auf zwei Podesten standen.[66]

Im Jahr 2009 konnte Pfeiler 37 (Abb. 19) wieder zusammengesetzt und aufgerichtet werden. Der dazugehörige T-Kopf konnte jedoch nicht gefunden werden. Allerdings wurde durch die Zusammensetzung des Pfeilers auf seiner linken Seite ein Fuchsrelief sichtbar. Des Weiteren wurde südlich der beiden Zentralpfeiler ein tischhohes aufgemauertes, altarartiges Podest entdeckt, welches mit einer Steinplatte bedeckt war. Auf der östlichen Seite der Platte befindet sich das Flachrelief einer Schlange.[67]

1.3.4. Anlage D (Abb. 8.4)

Die Anlage D ist von den bisher vorgestellten Anlagen die am besten erhaltene. Sie ist mit einem Innendurchmesser von 20m die Größte. Außerdem besitzt sie die meisten Reliefs[68] in denen verschiedene Tierarten dargestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In dem folgenden Abschnitt sollen nur einige Pfeiler, wie auch nur die prägnantesten Funde vorgestellt werden, die jedoch nicht repräsentativ das Fundmaterial vollständig wiedergeben.

Wie bereits der Zentralpfeiler 1 in der Anlage A trägt auch der zur Anlage D gehörende Zentralpfeiler 18 eine Stola. An der Frontseite befindet sich zwischen den Bändern der Stola ein piktogrammartiges Zeichen, das dem lateinischen Buchstaben H ähnelt. Dieses Zeichen besteht bei näherer Betrachtung aus zwei sich in der Mitte berührenden Elementen. Ob es sich dabei um zwei Tiere oder Menschen handeln soll, ist nicht zu erkennen. Unter dem H-Symbol befinden sich ein Kreis und ein liegender Halbmond (Abb. 20). Klaus Schmidt interpretiert den Kreis als Sonne und den Halbmond als Mond.[69] Am ungewöhnlichsten an diesem Pfeiler ist jedoch der Umstand, dass hier direkt auf den Anthropomorphismus der Pfeiler durch die Reliefabbildungen hingewiesen wird. An den beiden Breitseiten dieses Pfeilers befinden sich Reliefs, die eindeutig als angewinkelte Arme zu verstehen sind, welche an der Frontseite des Pfeilers in zusammengefaltete Hände übergehen (Abb. 21). Interessanterweise lässt sich an diesem Pfeiler auch eine Korrektur des linken Armes erkennen (Abb. 22), der nach unten verschoben wurden.[70] In der rechten Armbeuge befindet sich zusätzlich das Relief eines Fuchses.

Wie der oben beschriebene Pfeiler 18 (der 5m hoch ist) besitzt auch der zweite Zentralpfeiler (Pf. 31) Arm, Hände und eine Stola an der Frontseite. Ansonsten trägt er keine weiteren Reliefs, dafür aber ein Bukranium auf der Brustseite zwischen den Bändern der Stola. Die Ausrichtung der beiden Zentralpfeiler und die Symbole auf der Brustseite lassen auf eine Botschaft für die Betrachter schließen.[71]

Auf der westlichen Seite der Anlage befindet sich Pfeiler 38, auf dem insgesamt sechs Tiere abgebildet sind, die alle in die Mitte der Anlage blicken. Dieser Pfeiler besitzt ein Bukranium auf der Brustseite, wie auch der Zentralpfeiler 31, welches sich auch hier zwischen den Bändern einer Stola befindet. Im Folgenden wird auf die drei Vogeldarstellungen auf Pfeiler 38 hingewiesen. Aufgrund ihrer Hälse und langen, spitzen Schnäbel, können zwei davon als Storche interpretiert werde. zwei davon könnten als Storche interpretiert werden, aufgrund ihrer Hälse und langen, spitzen Schnäbel.[72] Da sie jedoch mit anthropomorphen Knien abgebildet wurden, könnte es sich nach Schmidt auch um Kraniche handeln, die etwas ungeschickt dargestellt worden sind.[73] In der Anlage A befindet sich zum Vergleich auf dem Pfeiler 2 auch ein Vogel[74], der mit anthropomorphen Knien dargestellt ist. Der dritte etwas von der Gruppe getrennt stehende entenartige Vogel auf dem Pfeiler 38, besitzt dagegen eine für Vögel anatomisch korrekte Stellung der Kniegelenke (Abb. 23). Die Architekten kannten folglich die korrekte Stellung der Beine bei Vögeln, was darauf schließen lässt, dass mit der Darstellung der Vögel mit menschlichen Knien eine Intention verfolgt wurde, auf die in dem Kapitel 3.3. „Die Instrumentalisierung von Symbolen“ näher eingegangen wird.

Pfeiler 33 befindet sich neben dem eben beschrieben Pfeiler 38. Auf seiner rechten Breitseite sind zwei Kraniche abgebildet, welche beide für Vögel anatomisch inkorrekte Kniegelenke aufweisen (Abb. 24). Des Weiteren wurde ein außergewöhnliches Relief auf diesem Pfeiler entdeckt, dass mit der signifikant männlichen Symbolik in Göbekli Tepe nicht übereinstimmt. Denn auf der anderen Breitseite befindet sich ein Fuchsrelief, aus dessen Bauch Schlangen zu kommen scheinen, deren Köpfe auf der Brustseite auf dem linken Band der Stola enden (Abb. 25). Diese Darstellung eines Fuchses hat keinen Phallus, wie man es von den anderen Reliefabbildungen kennt. Demnach könnte diese Darstellung der erste Hinweis auf weibliche Symbolik am Göbekli Tepe sein. Neben den Vögeln und dem Fuchs mit dem Schlangenbündel sind an der Frontseite dieses Pfeilers zwei insektenartige Tiere und eine Spinne in Reliefform dargestellt (Abb. 26).

Im Jahr 2009 stellte man bei den Ausgrabungen fest, dass die Zentralpfeiler 18 und 31 auf Podesten stehen. Die anthropomorphe Gestalt der Pfeiler wird dadurch noch betont. Neben den bereits freigelegten Armen und Händen fanden Archäologen weitere Reliefdarstellungen auf Pfeiler 18, die als Gürtel und Lendenschurz interpretiert werden. Dies ist ein weiteres Anzeichen dafür, dass die männliche Symbolik in Göbekli Tepe überwiegt. Schließlich war das Tragen eines Lendenschurzes oftmals den Männern vorbehalten. Desweiteren besitzt das Podest des Pfeilers 18 auf seiner Südseite fünf entenähnliche Reliefs besitzt, die von Osten nach Westen blicken. Man rechnet noch mit zwei weiteren entenähnlichen Reliefs auf dieser Seite, jedoch sind diese bisher noch nicht freigelegt worden (Abb. 27) .[75]

[...]


[1] Schmidt, K. (2008): Sie bauten die ersten Tempel. Das rätselhafte Heiligtum der Steinzeitjäger, Die archäologische Entdeckung am Göbekli Tepe, München, S. 91.

[2] Ebd., S. 92.

[3] Ebd., S. 146.

[4] Da bisher keine anderen Pfeilerformen als die der T- kopfförmigen Pfeiler gefunden wurden, gibt es keinen Unterschied zwischen der Bezeichnung Pfeiler und T-Kopfförmiger Pfeiler.

[5] http://www.dainst.org/de/project/goebeklitepe?ft=all

[6] http://www.dainst.org/de/project/goebeklitepe?ft=all

[7] http://www.dainst.org/de/project/goebeklitepe?ft=all

[8] Vgl. Schmidt, K.: 2008, S. 99.

[9] http://www.dainst.org/de/project/goebeklitepe?ft=all

[10] Altsteinzeit, diese Epoche endete etwa 10.000 v. Chr. mit Ende der letzten Eiszeit.

[11] Vgl. Schmidt, K.: 2008, S. 227.

[12] Datierungen können schwanken, etwa 9.400 bis 8.800 v. Chr.

[13] Müller-Karpe, H. (2009): Religionsarchäologie. Archäologische Beiträge zur Religionsgeschichte, Frankfurt Main, S. 26.

[14] Die Epoche des Neolithikums (9.400 v. Chr. bis 5.800 v. Chr.) ist für den Vorderen Orient unterteilt in PPNA, PPNB (8.800 v. Chr. bis 7.000 v. Chr.) und dem Keramisches Neolithikum (6.400 v. Chr. bis 5.800 v. Chr.).

[15] Eggert, M./ Samida S. (2009): Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie. Tübingen, Basel, S.110.

[16] Ebd., S. 166.

[17] Vgl. Eggert, M./ Samida, S.: 2009, S. 103.

[18] Vgl. Schmidt, K.: 2008, S. 205.

[19] http://goebekli.datalino.de/service_faq.php

[20] Im Jahr 2008 wurde eine weitere Anlage, mit der Bezeichnung Anlage F freigelegt, die kontextlich aber gesondert behandelt werden soll.

[21] Badisches Landesmuseum Karlsruhe (2007): Vor 12.000 Jahren in Anatolien. Die ältesten Monumente der Menschheit, Stuttgart, S. 84.

[22] Vgl. Schmidt, K.: 2008, S. 146.

[23] Vgl. Badisches Landesmuseum: 2007, S. 84.

[24] Diese Höhe bezieht sich auf Pfeiler, die noch nicht vollständig ausgegraben wurden, einige Pfeiler werden als noch höher beschrieben, worauf in späteren Kapiteln hingewiesen wird.

[25] Meister, M. (2008): „Am Anfang waren die Tempel.“ In: GEO 01/2008, S. 151.

[26] Vgl. Schmidt, K.: 2008, S. 109.

[27] Ebd., S. 117.

[28] Es gibt eine Ausnahme in Anlage D, auf die später näher eingegangen wird.

[29] Vgl. Schmidt, K.: 2008, S. 127.

[30] Betonartiger Estrich

[31] Terra X: Jenseits von Eden, Folge 71; 41:00 - 41:17 min.

[32] Vgl. Badisches Landesmuseum Karlsruhe: 2007, S. 85.

[33] Vgl. Müller-Karpe, H.: 2009, S. 26.

[34] http://www.dainst.org/de/project/goebeklitepe?ft=all

[35] Vgl. Schmidt, K.: 2008, S. 227.

[36] Ebd., S. 227.

[37] Schmidt, K. (2002): The 2002 Excavations at Göbekli Tepe (South eastern Turkey) – Impressions from an Enigmatic Site. In: Neo- Lithics. A Newsletter of Southwestern Asian Research 2/02, S. 8. (Es werden in diesem Artikel nur die Epochen genannt. Die Datierungen stammen aus „Die Ikonographie Palästinas/Israels und der Alte Orient.“, S. 49)

[38] Vgl. Schmidt, K.: 2008, S. 228.

[39] Vgl. Meister, M.: 2008, S. 157.

[40] Vgl. Schmidt, K.: 2008, S. 229.

[41] Mann, C. (2011): Birth of Religion. http://ngm.nationalgeographic.com/2011/06/gobekli-tepe/mann-text

[42] Vgl. Schmidt, K.: 2008, S. 235.

[43] Diese Angabe bezieht sich auf den Zeitraum zwischen Schicht III PPNA/EarlyPPNB und Schicht II PPNB.

[44] Vgl. Schmidt, K.: 2008, S. 112.

[45] Vgl. Schmidt, K.: 2008, S. 116.

[46] Im folgenden Text kann der Begriff Vorderseite durch Brustseite ersetzt werden, hat jedoch die gleiche Bedeutung.

[47] Vgl. Schmidt, K.: 2008, S. 118.

[48] Ebd., S. 119.

[49] Stierkopf, jedoch mit nach unten gerichteten Hörner, deshalb vllt. als Widder zu identifizieren.

[50] Vgl. Schmidt, K.: 2008, S. 126f.

[51] Ebd., S. 126 f.

[52] Ebd., S. 122.

[53] Vgl. Schmidt, K.: 2008, S. 124.

[54] Ebd., S. 113.

[55] Ebd., S. 132.

[56] Vgl. Schmidt, K.: 2008, S. 137.

[57] Deutsches Archäologisches Institut (2008): Jahresbericht 2008. Abteilung Istanbul, S. 193.

[58] Vgl. Schmidt, K.: 2008, S. 146.

[59] Ebd., S. 146.

[60] Ebd., S. 149.

[61] Ebd., S. 146.

[62] Ebd., S, 149.

[63] Ebd., S. 149.

[64] Vgl. Schmidt, K.: 2008, S. 152.

[65] Ebd., S. 155.

[66] Vgl. Jahresbericht des DAI: 2008, S. 193f.

[67] Archäologisches Institut (2009): Jahresbericht 2009. Abteilung Istanbul, S. 183f.

[68] Bisher tragen alle Pfeiler Abbildungen.

[69] Vgl. Schmidt, K.: 2008, S. 167.

[70] Ebd., S. 165.

[71] Ebd., S. 169.

[72] Vgl. Schmidt, K.: 2008, S. 180 f.

[73] Ebd., S. 181.

[74] Von den Archäologen als Kranich interpretiert.

[75] Vgl. Jahresbericht des DAI: 2009, S. 184.

Details

Seiten
64
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656337164
ISBN (Buch)
9783656337225
Dateigröße
8.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v206697
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Religionswissenschaftliches Institut
Note
13,0
Schlagworte
Heiligtum Kultstätte Göbekli Tepe Monumentalbau Vorgeschichte

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Titel: Göbekli Tepe, der älteste Monumentalbau der Menschheit