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Thermen in Pompeji

Hausarbeit 2011 12 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.)Einleitung
1.1.)Die Entdeckung Pompejis

2.)Thermen im römischen Reich
2.1.)Die Entwicklung vom Bad zur Therme

3.)Thermen in Pompeji
3.1.)Die Stabianer Thermen
3.2.)Die Forumsthermen
3.3.)Die Zentralen Thermen
3.4.)Die Vorstadtthermen
3.5.)Private Badehäuser und das Meerbad

4.)Thermen - ein Spiegel der Bevölkerung?

5.)Die Wasserversorgung
5.1.)Die Heizanlagen

6.)Finanzierung der Thermen

7.)Zusammenfassung und eigenes Fazit

8.)Zitate

9.)Literaturverzeichnis

1.)"Hier starb keine alte Stadt den natürlichen Tod des Verwelkens. Hier wurden lebendige Städte plötzlich mit dem Zauberstab berührt, und das Gesetz der Zeit, des Werdens und Vergehens, hatte seine Gültigkeit verloren." 1 Wie treffend diese Aussage für das Schicksal Pompejis ist, zeigt die Monumentalität, mit der die Stadt förmlich konserviert wurde. Die Existenzen so vieler Menschen blieben für 1700 Jahre verschollen, doch auch am heutigen Tag haben sie nichts von ihrer Melancholie eingebüßt.

Diese Arbeit soll sich nun mit den Badehäusern, den Thermen, in Pompeji beschäftigen, die in einer zeitlosen Schönheit überliefert wurden und unzählige Hinweise und Hintergründe in Bezug auf das Leben im römischen Reich preisgeben. Man stößt in der Stadt auf die Stabianer Thermen, einen sehr alten, immer wieder ausgebauten Badekomplex, der durch diverse Neuerungen im Jahre 79n.Chr. den hohen Standard einer modernen Therme, wie zum Beispiel den der Zentralen Thermen im östlichen Bezirk der Stadt, erreicht hatte. Auf dem Forum, dem Marktplatz, der Stadt befinden sich die beim Untergang Pompejis noch nicht gänzlich restaurierten Forumsthermen, die sich, wie auch die Vorstadtthermen, dadurch auszeichnen, dass die zugehörige Palaestra, eine Sportanlage, nur rudimentär vorhanden ist. Das lässt die Frage danach aufkommen, ob das griechische Ideal der gesunden Seele in einem gesunden, trainierten Körper im römischen Reich so weit ins Hintertreffen geriet, dass sich das Flächenverhältnis von Bad zu Palaestra überproportional zum Bade hin verschob.

Darauf weist auch die Tatsache hin, dass der Komfort in den Thermen ständig anwuchs. "Von der Badewanne zum Freizeitzentrum - mit diesen beiden Begriffen könnte man die Entwicklung des Badewesens der griechisch-römischen Antike umschreiben."2

Außerdem gab es zur Zeit des Kaiserreiches bei neu errichteten, öffentlichen Gebäuden einen gewissen Hang zur Exorbitanz, der auch in den Zentralen Thermen Einzug hielt. Inwieweit dies geschah, möchte die vorliegende Schrift ebenfalls erörtern.

So beginnen wir mit der Zeitreise in eine versunkene Stadt im Mai des Jahres 1737.

1.1.)Der Vesuv gab nach einer schweren Erschütterung, bei der seine Spitze explodierte, eine seiner Flanken frei und man hatte bereits durch Zufall einige Statuen entdeckt, jedoch niemals weiter geforscht. So dauerte es eineinhalb Jahre, bis Königin Maria Amalia Christine, Tochter Augusts des III. von Sachsen, ihren Gemahl Karl von Bourbon, König beider Sizilien, überredet hatte, an dem Fundplatz der Statuen graben zu dürfen. Man schaffte gebildete Männer und Arbeiter heran und begann eine 15 Meter dicke Gesteinsschicht zu durchstoßen. "Und dann kam der Augenblick, da die Spitzhacke Metall fand und es unter ihrem Schlage dröhnte wie eine Glocke. Das Erste, was man gefunden hatte, waren drei Bruchstücke von überlebensgroßen bronzenen Pferden."3 Das Tor zu einer anderen Welt hatte sich endlich geöffnet und der Fluss an Funden riss nicht ab. Das wohl bedeutsamste, was man fand, war eine Stiege, deren Form nur einen Rückschluss auf die Funktion des Gebäudes zuließ. "Da fand man eine Inschrift, aus der zu ersehen war, dass ein gewisser Rufus das -Theatrum Herculanense- aus eigenem Gelde erbaut hatte." 4 Nach weiteren anstrengenden Grabungen entdeckte man auf der Rückwand des Theaters auch den Namen der Stadt: Herculaneum.

Was nun begann, ähnelt einem Rätselraten. Man hatte nach weiteren Erkundungen auch den Standort von Pompeji festgemacht, aber einige übermütige Wissenschaftler wollten dies nicht für voll nehmen und ließen am gesamten Hang wahllos Gestein wegsprengen. Im Jahre 1748 dann wurde am richtigen Fleck gesucht und prompt fand man das Forum Pompejis. Innerhalb von wenigen Monaten hatte man dann einen großen Teil der Innenstadt ergraben. Man kann die Schicksale der Bewohner Pompejis sehr gut rekonstruieren, da die Überreste in eine Ascheschicht eingehüllt sind, die perfekt beschreibt, was sie zuletzt getan haben. Pompeji traf es etwas anders als Herculaneum. "Keine Schlammflut kam hier, von der es sichtbarlich nur eine Rettung gab, die Flucht. Hier begann es mit dem leisen Ascheregen, den man abschütteln konnte, dann fielen die Lapilli, dann waren Bimssteinstücke von vielen Kilogramm dabei [...]. Da aber war es zu spät. Schwefeldämpfe sanken herab, krochen in Fugen und Ritzen, wolkten unters Tuch, dass sich die schwer und schwerer atmenden Menschen vors Gesicht schlugen."5 Rannten sie jetzt heraus, wurden sie heftig von den fallenden Gesteinsbrocken getroffen und zogen sich ins Haus zurück, das dann über ihnen einstürzte. Die letzten Überlebenden erstickten nun an den Schwefeldämpfen. "Nach achtundvierzig Stunden brach die Sonne wieder hervor. Da hatten Pompeji und Herculaneum aufgehört zu existieren."6

2.)"Gigantische Räume in unabsehbarer Reihenfolge, Gebäudekompositionen, wie sie erst wieder in der Zeit der Renaissance und des Barock geschaffen wurden; Säulenarkaden um weitläufige Plätze, Bogenfolgen von gewaltigen Aquädukten und nicht zuletzt unzählige Pfeiler der Hypokaustenheizungen zeugen heute noch von der Bedeutung dieser Badeanlagen im römischen Alltag."7 Natürlich sticht dem Beobachter sofort die Bestimmung einer Therme ins Auge "[...], wenn auch die Pflege des Körpers nur eine der Funktionen darstellte, denen diese riesigen Bauwerke dienten. In gleichem Maße erfüllten sie auch wichtige soziale und kommunikative Aufgaben: als Einrichtung für Erziehung, Sport und für Vorführungen aller Art. Sie waren seit dem Ende des ersten Jahrhunderts nach Christus sozusagen Brennpunkte des gesellschaftlichen Lebens im römischen Kaiserreich."8

So findet man überall im ehemaligen großrömischen Reich riesige Ruinen von kaiserzeitlichen Luxusbädern, an die häufig Bibliotheken, Kultureinrichtungen, Vortragsräume und Einkaufsstraßen angegliedert waren. Man konnte direkt im Hauptgebäude speisen und, wenn gewünscht, auch einkaufen. Es gab sowohl Läden für alltägliche Güter, als auch Geschäfte, in denen feine Geschmeide verkauft wurden. Jeder Therme kann eine mehr oder minder große Palaestra zugeordnet werden. Man betätigte sich dort sportlich, befreite sich in einem Bad vom Schweiß und genoss den Entspannenden Badezyklus in der reich geschmückten Therme. Einige Palaestren waren überdacht, um sogar unter widrigen Bedingungen Sport treiben und Reden halten zu können.

2.1.)Die Wurzeln der römischen Therme liegen weit in der Vergangenheit. Schon in den bronzezeitlichen Hochkulturen des Orients und der Ägäis spielte das Ritualbad eine große Rolle im menschlichen Leben. Es existierten feierliche Reinigungszeremonien, die in der Nähe von Tempeln und Kultstätten in künstlich geschaffenen Becken abgehalten wurden. In vulkanischen Gebieten findet man häufig Thermalquellen, deren Entspannungs- und Heilwirkung der Mensch sehr früh entdeckt hat. War ein solches natürliches Bad dann einmal nicht vorhanden, wurde eine Wanne von unten mit Feuer beheizt.

"Im griechischen Kulturkreis tauchen zum ersten Mal öffentliche Badeanlagen auf, die [...] kultischen Zwecken der Körperpflege - vor allem nach sportlicher Betätigung - und der Behandlung von Krankheiten dienten."9

Man pflegte sich also mit einem ausgiebigen Bad nach den anstrengenden, sportlichen Übungen; vereinzelt findet man sogar ausgeklügelte Duschvorrichtungen. Generell kann man sagen, dass Bäder einer gewissen technischen Finesse bedürfen, um funktional und haltbar zu sein. Es musste eine große Heizung mit Rauchabzug entwickelt werden, die nicht nur das Bad wärmen, sondern durch die auch warme Luft in den gesamten Raum strömen konnte. Ebenfalls in Griechenland erdachte man die Kombination von Palaestra und Bad in einem Gebäudekomplex. Schon sehr früh wurde mit der ästhetischen Ausgestaltung der Bäder, zum Beispiel mit Mosaiken begonnen, um den Vorgang des Badens noch angenehmer und erfreulicher zu gestalten. Zu dieser Zeit blieb jedoch der praktische Nutzen der Anlage im Vordergrund.

Zuerst bildeten sich Sitzbäder und dann Wannenbäder heraus, die den Sportlern zur Beruhigung dienten. Erst zur Zeit der römischen Republik entdeckte man den Luxus, den ein geordneter Badeablauf bietet, mit verschiedenen Bädern und Ruheräumen.

Im Laufe der Zeit trat dann der sportliche Zweck immer weiter in den Hintergrund und in einigen modernen Badeanlagen ist dieser nur mit dem Schatten einer Palaestra vertreten.

Außerdem wuchsen die Thermen und wurden für jedermann bezahlbar, um möglichst viele Gäste beherbergen zu können.

3.)Bekanntermaßen vereinten die Griechen die Palaestra mit dem Bade. Die pompejanischen

Stadtplaner übernahmen diese Bauweise und ließen die Badeanstalten vorerst die Hälfte des Platzes im Gebäude einnehmen. Aber, die körperlichen Übungen wurden im Laufe der Zeit immer mehr vernachlässigt, denn das Ideal der allseitigen Vervollkommnung bedeutete den Römern längst nichts mehr, sie machten die Ertüchtigung zu einem Vorspiel für das Bad.

[...]


1 Ceram, Carl-William, Götter, Gräber und Gelehrte, Seite 25

2 von Zabern, Philipp, Die Wasserversorgung antiker Städte, Seite 101

3 Ceram, Carl-William, Götter, Gräber und Gelehrte, Seite 21

4 Ceram, Carl-William, Götter, Gräber und Gelehrte, Seite 22

5 Ceram, Carl-William, Götter, Gräber und Gelehrte, Seite 24

6 Ceram, Carl-William, Götter, Gräber und Gelehrte, Seite 24

7 Brödner, Erika, Die römischen Thermen und das antike Badewesen, Seite 1

8 Brödner, Erika, Die römischen Thermen und das antike Badewesen, Seite 1

9 Brödner, Erika, Die römischen Thermen und das antike Badewesen, Seite 6

Details

Seiten
12
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656338611
ISBN (Buch)
9783656340256
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v206665
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Geschichte
Note
2,0
Schlagworte
thermen pompeji

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Titel: Thermen in Pompeji