Lade Inhalt...

Entstehung von Global Players und deren Auswirkungen. Der Global Player Red Bull

von Rocco Schulte (Autor)

Facharbeit (Schule) 2011 55 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Chronik der Globalisierung
2.1 Globalisierung heute – Was ist das?
2.2 Global Players – Die Anfänge
2.3 Global Players heute

3. Red Bull – vom „Koks für Arme“ zum Global Player
3.1 Das Hauptprodukt
3.2 „Corporate Projects“– Das Red Bull-Konzept
3.3 Dietrich Mateschitz – ein Mann und seine Prinzipen

4. Fazit

5. Anhang:
5.1 Literaturverzeichnis
5.2 Kopien der Internetquellen

1. Einleitung

Am 14. November 2010 wird der 21 Jahre alte Sebastian Vettel der bis dato jüngste Formel-1 Weltmeister aller Zeiten. „Sein einzigartiges Talent, kombiniert mit einer nicht minder einzigartigen Bereitschaft, dieses Potential einzusetzen und alles andere dem Erreichen seiner Ziele unterzuordnen.“[1], – so erklärt sich Dietrich Mateschitz, Besitzer des Rennstalls „Red Bull Racing“ und Konzernchef des Energy Drink Produzenten „Red Bull GmbH“, den unglaublichen Erfolg seines Schützlings. Doch was hat ihn, Dietrich Mateschitz selbst, zu dem milliardenschweren Großunternehmer gemacht, der er heute ohne jeden Zweifel ist?

Es fing an mit einer einzigartigen Idee, gepaart mit Talent und der Bereitschaft, alles dem Erreichen seiner Ziele unterzuordnen. Genauso lässt sich Mateschitz eigener Erfolg erklären. Jedoch brauchte es vorher nun mal eine Idee, sozusagen die Initialzündung. Diese war für Dietrich Mateschitz die Erfindung des ersten weltweit verkauften Energy Drinks: Red Bull.

Doch wie ist es möglich von einem unbedeutend kleinen Getränkehersteller zum „Global Player“, ein weltweit agierendes Großunternehmen, zu werden? Welche Mittel und Wege werden benötigt, um sich an der Weltspitze der wirtschaftsstärksten Unternehmen fest zu setzen und sich mit Marktriesen wie der „Coca Cola Company“ zu messen? Was für eine Macht geht von diesen Global Players aus? Welche Rolle spielt dabei die immer weiter fortschreitende Globalisierung? All diese Fragen kamen mir in den Kopf und daher entschied ich mich dazu, das folgende Thema zu meiner Facharbeit zu machen:

Entstehung von Global Players und deren Auswirkungen, exemplarisch dargestellt und untersucht am Beispiel von Red Bull.

Dabei möchte ich klären, was ein „Global Player“ überhaupt ist, wie diese entstehen und ab wann man überhaupt von einem „Global Player“ sprechen kann. Zu Anfang werde ich „Global Players“ im Allgemeinen untersuchen und dabei ein besonderes Augenmerk auf die Globalisierung legen, jenen weltwirtschaftlichen Wandel der letzten Jahre, welcher diesen Gesamtprozess überhaupt erst möglich gemacht hat. Nach ausführlicher Darstellung des „status quo“ werde ich auf den Großkonzern „Red Bull GmbH“ eingehen. Jedoch soll das Produkt Red Bull nur stellvertretend für einen von vielen Artikeln stehen, die uns jeden Tag umgeben. Hierbei ist es besonders interessant zu untersuchen in wie weit wir uns in eine Abhängigkeit gegenüber den Produkten begeben. Am Beispiel dieses globalen Unternehmens kann man einen typischen Entstehungsweg der „Global Players“ ausmachen. Dessen ungeachtet möchte ich auch die negativen Seiten dieser Unternehmen herausstellen und darlegen. Dazu gehören unter anderem politischer Einfluss und daraus resultierende Gefahren für den internationalen Markt. Das Ziel dieser Facharbeit soll sein, eine kritische Analyse der Rolle und der Bedeutung von „Global Players“ zu geben und darzulegen in wie weit die marktführenden Rollen der Unternehmen positiv bzw. negativ zu bewerten sind.

2. Chronik der Globalisierung

Bereits im Mittelalter florierte der Handel von Waren zwischen den europäischen Seefahrernationen. Mit der Entdeckung Amerikas im Jahre 1492 weitete sich dieser Güteraustausch umso mehr aus. Der nächste Schritt in Richtung des weltweiten Handelns war die Industrialisierung im 18. Jahrhundert. Diese wurde begünstigt durch technische Innovationen im Bereich der Produktions- und Mobilitätsoptimierung. Hier ist das wohl beste Beispiel die Erfindung der Dampfmaschine durch den Schotten James Watt 1769. In diesem Zusammenhang lässt sich erstmals ansatzweise von der Art von Globalisierung reden, wie wir sie heute kennen: der Export und Import von Gütern und Produkten, ausgeweitet über den gesamten Globus. Außerdem bestanden zu dieser Zeit bereits die ersten weltweiten Handelsverträge, ein Garant der Globalisierung, welcher bis heute besteht.[2]

Doch diese frühe Globalisierung brachte nicht nur Gutes hervor. Die Industrialisierung änderte die Rolle des Menschen, von der des Individuums hin zu einem Massengut der Produktion. Außerdem forderte ein starker Bedarf nach Rohstoffen die Erschließung neuer Gebiete und Regionen, um seltene Güter abbauen zu können. Der Imperialismus, als weiterer Effekt dieses fundamentalen Wandels zeigt die Überlegenheit der sogenannten Industriestaaten gegenüber afrikanischen, asiatischen und südamerikanischen Entwicklungsländern auf und die damit verbundene „neue Weltordnung“, in welcher wirtschaftliche Macht und Einfluss eine noch nie dagewesene Rolle spielten.

Jedoch musste die Globalisierung immer wieder Rückschläge einstecken, welche eine Art Rückschritt in Richtung des Protektionismus bedeuteten. Obwohl man Handels- und Bündnisverträge miteinander abschloss, spitzte sich die Lage in Europa gravierend zu. Der Konflikt bestand darin, dass jeder Staat an der Spitze dieser „neuen Weltordnung“ stehen wollte, um seine wirtschaftlichen Interessen zu wahren. Dieses „Pulverfass Europa“ explodierte im Juli 1914 und brachte den 1. Weltkrieg mit sich. Die neu entdeckten Innovationen wurden nun genutzt, um die Kriegsmaschinerie in einem noch nie dagewesenen Ausmaß zu unterstützen. Nach der Kapitulation der „Mittelmächte“ wollte man den ewigen Frieden sichern - so ein britischer Diplomat während der Friedensverhandlungen in Versailles 1919.

„Doch statt ewigen Frieden zu stiften, rief der Vertrag dauerhaften Hader hervor. Und schlimmer noch: Er verfehlte sein Ziel kläglich. Nicht einmal eine Generation später stand die Welt erneut in Flammen, mit noch mehr Opfern, noch mehr Zerstörung, zudem mit unglaublichen Verbrechen, darunter dem Mord an den europäischen Juden.“[3]

Somit stellte auch der darauf folgende 2. Weltkrieg eine Unterbrechung des fortschreitenden Globalisierungsprozesses dar.

Daher brauchte man beinahe ein gesamtes Jahrhundert um die Kräfte der Globalisierung neu zu formieren. So beginnt meiner Meinung nach die Globalisierung, in ihrem heutigen Ausmaß, erst mit dem Zusammenbruch des „Ostblocks“ 1990. Denn ab diesem Zeitpunkt lässt sich von einer globalen Staatengemeinschaft reden, einer der wichtigsten Faktoren für eine funktionierende Globalisierung, obgleich eine „Global Governance“ zwar anvisiert, aber noch nicht realisiert worden ist.

Dennoch haben die westlichen Staaten auch während der Zeit des „kalten Krieges“

weiter am Ausbau der Globalisierung gearbeitet und diese zunehmend optimiert, auch wenn dies nicht immer bewusst geschah. So hat man erstmals seit mehreren Jahrhunderten ein vereinigtes, friedliches Europa in Gestalt der „Europäischen Union“ geschaffen. Offene Grenzen (Schengener Abkommen) und zusammenhängende Finanzmärkte sollen der Wirtschaft so viele Freiräume geben wie nur eben möglich. Die (westliche-) Weltwirtschaft selbst hat mit der Gründung der Welthandelsorganisation „WTO“ eine eigene Institution zugesprochen bekommen.[4]

Man hat begonnen, die zuvor von westlichen Großmächten ausgebeuteten „Entwicklungsstaaten“ in Asien, Afrika und Südamerika finanziell zu unterstützen, daraus entwickelten sich die ersten „Schwellenländer“.

Wirtschaftsökonomen wie z.B. Joseph E. Stiglitz haben das Marktversagen erforscht. Für die Analyse von Märkten mit ungleicher Verteilung von Informationen erhielt er im Jahr 2001 gemeinsam mit George Akerlof und Michael Spence den Wirtschaftsnobelpreis, denn spätestens seit der ersten weltweiten Finanzkrise (1929) weiß man, dass der Markt sich auch selbst zerstören kann und dies nicht zwangsläufig durch den Menschen geschehen muss.[5]

Doch nach mehreren Finanzkrisen, Rezessionen und Kriegen hat es den Anschein, dass die Globalisierung nun eine endgültige Gestalt angenommen hat, an deren Formung der Mensch maßgeblich beteiligt ist. Dennoch sind die meisten Korrekturen erst geschehen, nachdem ein unwiderruflicher Fehler geschehen war. Dies soll zeigen, wie unberechenbar die Globalisierung und ihre Märkte immer noch sind.[6] Die Globalisierung stellt dennoch kein unabänderliches Naturereignis dar, denn im Zweifelsfall verfügt immer noch der Mensch über die Globalisierung und nicht umgekehrt.

2.1 Globalisierung heute – Was ist das?

„Globalisierung, komplexer Begriff für mehrere zusammenhängende, aber unterscheidbare Strukturveränderungen des internationalen Systems aufgrund einer vertieften weltwirtschaftlichen Arbeitsteilung, Spezialisierung, Integration und Vernetzung, einer zunehmenden politischen Interdependenz sowie einer verstärkten kulturellen Durchdringung von bislang national geprägten Gesellschaften.“[7]

Solche und ähnliche Definitionen findet man heutzutage, wenn man erfahren möchte, was Globalisierung ist. Doch wie viele und vor allem welche Strukturveränderungen gekommen sind, soll einer der Hauptaspekte dieser Untersuchung sein, denn erst dieser Strukturwandel bzw. die Strukturveränderungen haben die Globalisierung hervorgebracht. Wenn man Globalisierung in einem Satz, stark vereinfacht, beschreiben müsste, wäre es meiner Meinung nach der folgende:

Strukturveränderungen auf politischer, wirtschaftlicher, technologischer und kultureller Ebene, welche der Gewinnmaximierung dienen.

Wirtschaft war schon immer auf Gewinnmaximierung ausgelegt, doch haben alle anderen Faktoren wie z.B. Politik und Kultur sich nicht verändert bzw. sind nur geringfügige Modifikationen eingegangen. Das lag daran, dass diese anderen Faktoren in einer Werteordnung deutlich über der Wirtschaft standen. Wirtschaft war demnach in der früheren Gesellschaft nicht besonders wichtig. Doch die Technik ermöglichte es, die gesamte Welt miteinander zu vernetzen. So stand man in einer neuen Art von Konkurrenzkampf, denn wirtschaftliche Macht bedeutete von nun an auch gleichzeitig politischen Einfluss und Wohlstand. Folglich richtete man die „alten“ Faktoren nach der Wirtschaft aus und nicht mehr umgekehrt. Die Wirtschaft gilt also heute als das sprichwörtliche „A und O“ in einer Gesellschaft.

Nachdem man diesen „Wandel der Werte“ also eingesehen und akzeptiert hatte, wollte der Mensch, in Gestalt des „homo oeconomicus“ (wirtschaftswissenschaftliches Modell nach welchem jeder Mensch seinen eigenen Nutzen maximieren und den dabei nötigen Aufwand möglichst gering halten will) erfahren, wie man diese Gewinnmaximierung erreichen kann. Die Antwort war ebenso simpel wie klar: Handeln. Um genauer zu sein: Exportieren und Importieren, wobei der Exportanteil größer sein sollte als der des Imports. Diese Doktrin entdeckte erstmals der Nationalökonom David Ricardo (1772-1823) mit seiner „Theorie der komparativen Kostenvorteile“. Diese beschreibt ausführlich, dass jedes Land seine ganz eigenen Produktions- also Kostenvorteile hat, daher sollten alle Länder miteinander handeln, um den Vorteil des jeweils Anderen zu nutzen.[8] Obwohl diese Erkenntnis nicht realisierbar ist macht sie den wichtigsten Faktor der Globalisierung aus. Denn ohne Handel würde es keine Weltwirtschaft geben und diese ist das Herz der Globalisierung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1[9]

Diese Grafik belegt, wie stark sich der Welthandel zwischen den einzelnen Regionen ausgeprägt hat. Das Welthandelsvolumen hat sich von 1990-2007 vervierfacht und das obwohl vor ca. 50 Jahren die meisten dieser Handelsbeziehungen noch nicht einmal bestanden. Daher ist es umso erstaunlicher, wie rasant die Globalisierung wirkte. Globalisierung heute ist also der weltweite Handel, ermöglicht durch gelockerte Normen, Werte und Gesetze (z.B. Abschaffung der „Schutzzölle“). Hierbei besonders wichtig ist die sogenannte Liberalisierung der Finanzmärkte, d.h. man schafft bestimmte Gesetze ab, um einen freieren Handel von Gütern, Produkten und Dienstleistungen zu ermöglichen. Dieser Begriff hängt sehr eng mit der Deregulierung zusammen, welche Unternehmen mehr Freiräume gewährt um auf den Märkten besser zu interagieren. Diese Liberalisierung und Deregulierung der Finanzmärkte hat den sogenannten Freihandel zur Folge.

„Freiheit und Selbstverantwortung der Menschen sowie eine Weltwirtschaftsordnung nach marktwirtschaftlichen Grundsätzen stehen im Vordergrund.“[10]

Das bedeutet also, dass jeder Mensch bzw. jedes Unternehmen mit jedem anderen Menschen oder Unternehmen handeln kann. Natürlich gibt es immer noch Gesetze und Ausnahmefälle wie z.B. der Handel mit Rauschgift oder Waffen. Außerdem existieren Staaten, welche sich vollkommen von der Globalisierung lossagen und eine Art Merkantilismus betreiben, beispielsweise die Demokratische Volksrepublik Korea (gemeinhin auch Nordkorea genannt). Dennoch sind diese Beispiele nicht die einzigen negativen Faktoren, welche die Globalisierung mit sich brachte:

„So werden manche Länder (v. a. in Afrika) weltwirtschaftlich an den Rand gedrängt, weil sie aufgrund fehlender Rechtssicherheit, eines Mangels an funktionierenden Institutionen und schlechter Regierungsführung derzeit kaum in der Lage sind, erfolgreich an der Globalisierung zu partizipieren.“[11]

Daher werden diese sogenannten Entwicklungsländer von wirtschaftlich stärkeren Staaten unterstützt, größere Erfolge in Sachen Infrastruktur und Demokratisierung bleiben dennoch bis jetzt aus. Globalisierung spreizt also die Schere zwischen arm und reich zunehmend.[12]

Und nicht nur die Staaten und deren Einwohner selbst leiden an den Folgen der Globalisierung, auch die Umwelt ist zu einem Opfer geworden. Regenwälder werden großflächig gerodet um Platz für neue Industrieanlagen zu schaffen, die Weltmeere werden überfischt, unzählige Tierarten sterben aus und die globale Erwärmung fordert ihren Tribut in Form von Überschwemmungen und anderen Naturkatastrophen. Dies sind nur einige Beispiele für das was der Mensch der Natur zufügt, um die Globalisierung voranzutreiben. So macht sich der Mensch selbst zum „Sklaven“ der Globalisierung. Daher gibt es nicht nur Befürworter, sondern auch klare Gegner der Globalisierung, eine der bekanntesten Organisationen ist „Attac“ (a ssociation pour une t axation des t ransactions financières pour l' a ide aux c itoyens, dt. „Vereinigung zur Besteuerung von Finanztransaktionen zum Nutzen der Bürger“)[13], welche sich für eine gerechtere Globalisierung einsetzt. Ihr Motto lautet daher wie folgt: "Globalisierung geht ganz anders – Menschen und Natur vor Profit!"[14] Und sogar die Philosophie hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine Art Grundregelung für die Globalisierung zu finden und in diesem Sinne die Wirtschaftsethik erfunden. Diese neue Ethik soll ein Bestandteil der Sozialethik werden und die Wirtschaft gerechter machen.[15] Doch kann man den Politikern allein die Schuld für diese unrechtmäßige Wohlstandsaufteilung geben, oder sind die wirklich „bösen Jungs“ jene skrupellosen Manager und Spekulanten von denen des Öfteren in den Medien berichtet wird? Man kann der Politik sicherlich eine Teilschuld zuweisen, dennoch sitzen meiner Meinung nach die wirklichen Verantwortlichen in den Aufsichtsräten und Führungspositionen der weltweit agierenden Großunternehmen:

Die sogenannten Global Players.

2.2 Global Players – Die Anfänge

Der heutzutage wohl bekannteste Global Player ist die „Coca Cola Company“, welche im Jahre 2008 einen Rekordjahresumsatz von 31,94 Mrd. US-Dollar erwirtschaftet hat. Doch wie entstanden diese Marktriesen, die mittlerweile für ein Viertel der Weltproduktion verantwortlich sind?[16]

Die ersten Vorläufer der heutigen Global Players entstanden ungefähr mit dem Aufkommen des Handels zwischen den europäischen Seefahrernationen. Berühmtestes Beispiel ist die florentinische Handelsfamilie Medici, welche sich im 15. und 16. Jahrhundert als eine mächtige Organisation etablierte.[17] Sie handelten nicht nur mit Waren, sondern gründeten auch mehrere Banken, dabei blieb ihr Hauptsitz jedoch immer in Florenz. Damit war die Grundidee der Global Players geboren. Ca. ein Jahrhundert später wurde die „East India Company“ gegründet. Diese unterhielt im Auftrag des Britischen Imperiums Handelsrouten nach Asien. Dabei blieb ihr Firmensitz, ähnlich wie bei den Medicis, in ihrem Heimatland, also London. Bereits diese Vorläufer der heutigen Global Players verstanden es, wirtschaftliche Macht und politische Interessen miteinander zu verknüpfen. So waren die meisten hohen Kirchenämter zur Zeit der Medicis mit Familienmitgliedern besetzt, und viele der britischen Machthaber in Indien bekleideten auch gleichzeitig eine Position in der „East India Company“.[18]

Durch die immer rasanter fortschreitende technische Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert konnten die Global Players sich endgültig als solche bezeichnen, denn sie interagierten nun wirklich auf dem gesamten Globus.

Global Players, wie wir sie heute kennen, entstanden erst nach dem 2. Weltkrieg. Zwar existierten die meisten Unternehmen bereits, doch hatte der 2. Weltkrieg die meisten internationalen Handelsabkommen zerschlagen, und so war eine Neuordnung der Verhältnisse und Beziehungen in der Welt nötig. Diese neuen, offeneren Handelsbeziehungen zwischen den Staaten ermöglichten es den Großunternehmen sich auf ausländischen Märkten zu etablieren.[19]

2.3 Global Players heute

Im Mittelpunkt des Interesses steht zunächst einmal, wie Global Players überhaupt entstehen. Am Anfang steht immer eine geniale Geschäftsidee, die eine vorhandene Marktlücke füllt. Das bedeutet, dass die Idee/das Produkt noch nicht auf dem Markt existiert, aber die Menschen es dennoch benötigen und kaufen würden. Manchmal sind es aber auch einfach glückliche Zufälle, welche ein Produkt oder eine Dienstleistung zum „Kassenschlager“ machen. So wurde das Getränk „Coca Cola“ anfangs als Arzneimittel gegen Kopfschmerzen, Depressionen, Müdigkeit und Impotenz verkauft und erst später als Erfrischungsgetränk angeboten.[20] Doch wenn das Grundkonzept für ein Unternehmen erst einmal besteht, so ist die Finanzierung der nächste wichtige Schritt auf dem Weg zum Großunternehmen, denn „Ohne Moos, nix los.“. Und so ist es schon des Öfteren passiert, dass geniale Ideen nicht umgesetzt werden konnten, weil die Banken ihre Finanzierung durch Kredite nicht zusichern wollten. Auch sind die Bürokratien der Staaten oft ein Hindernis für Unternehmer, denn wenn z.B. ein Produkt vertrieben werden soll, für welches es keinerlei Gesetze oder Regelungen gibt, so muss erst einmal von staatlicher Seite eingewilligt werden, sodass das Produkt in den Verkauf gelangen darf. So ist es ein langer und beschwerlicher Weg, um von der Idee zum Unternehmen zu kommen. Natürlich spielen auch unternehmerisches Feingefühl und finanzielles Gespür eine Rolle, denn das Produkt kann noch so großartig sein, wenn die Unternehmer, die es vermarkten nicht in der Lage sind dies adäquat zu tun.[21]

Außerdem spielt hier die Wirtschaftsethik wieder eine extrem wichtige Rolle, denn viele der international Bekannten Bekleidungsmarken, wie z.B. „Adidas“, lassen ihre Produkte zu extrem niedrigen Lohnstückkosten größtenteils in Asien, Südamerika und Afrika produzieren. Das wird ermöglicht durch die Not dieser Entwicklungsländer, denn die unter Armut leidenden Menschen arbeiten lieber unter miserabler Bezahlung, als gar nicht. Die Ursache hierfür liegt in erster Linie in der Konkurrenzfähigkeit der Unternehmen begründet. Denn wenn die meisten der Global Players ihre Produkte zu extrem niedrigen Kosten produzieren lassen, so wäre ein Unternehmen, welches seine Produkte ausschließlich in Europa oder Nordamerika zu hohen Kosten produzieren lässt, nicht konkurrenzfähig. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn Manager eines Unternehmens Sätze wie: „In unserem Unternehmen ist das Wort Ethik verboten.“[22], benutzen. Denn wer Schwäche zeigt ist fast automatisch nicht mehr in der Lage mit den Anderen mitzuhalten. Dies wird hervorgerufen durch die Globalisierung, denn hier zählt nur die Gewinnmaximierung, egal um welchen Preis. Und genau aus diesen Gründen werden Global Players oft für Umweltverschmutzung, Ausbeutung der Arbeiter und andere unmoralische Taten verantwortlich gemacht. Es war mir wichtig diese negativen Seiten der Global Players kurz anzuschneiden, denn auch sie gehören zu einer kritischen Betrachtung dazu.[23]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2[24]

Anhand der vorliegenden Statistik ist zu erkennen, dass die meisten Global Players im tertiären Sektor (Dienstleistungssektor) tätig sind. Außerdem sind viele der oben aufgeführten Unternehmen sogenannte „Ölmultis“, d.h. sie fördern, vertreiben und veredeln fossile Brennstoffe, wie z.B. Erdöl. Besonders bekannte Global Players wie die „Coca Cola Company“ oder die „Adidas Group“ sind in dieser Liste nicht unter den ersten Zehn aufgeführt, da ihre Jahresumsätze bei einem Bruchteil der oben genannten Unternehmen liegen. Dies zeigt einerseits, dass die wirklich großen Beträge im Handel mit Energie erzielt werden und andererseits, in was für eine Abhängigkeit wir uns begeben, wenn wir diesen Unternehmen eine solche wirtschaftliche Macht zukommen lassen. Die „United Nations Conference on Trade and Development“ (kurz UNCTAD) gab zum Jahresende 2006 bekannt, dass ca. 78.000 Global Players bestehen.[25] [26]

Die fortschreitende Ausbreitung der Global Players, also z.B. die Verlagerung von Produktionsstätten ins Ausland (Outsourcing) oder die Erschließung neuer Märkte werden durch sogenannte Direktinvestitionen ermöglicht. Dazu schreibt der Diplom-Volkswirt Christof Römer:

„Doch der große Ansturm auf ausländische Märkte begann erst in den neunziger Jahren. Die jahresdurchschnittlich investierte Summe an Direktinvestitionen erhöhte sich zwischen 1990 und 2000 auf 350 Milliarden US-Dollar – dies ist mehr als das Zehnfache des in den siebziger Jahren investierten Kapitals.“[27]

Diesen rasanten Anstieg begründet er unter anderem mit dem Sinken von Transport- und Kommunikationskosten und dem Aufholprozess von Entwicklungsländern, wodurch sich neue Märkte und attraktive Investitionsmöglichkeiten ergeben. Dieser Gesamtprozess wird durch die untere Statistik verdeutlicht. Man kann nicht nur erkennen, dass die weltweiten Direktinvestitionen zugenommen haben, sondern auch, dass Regionen wie Lateinamerika und Asien langsam, aber sicher aufholen.[28]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3[29]

So sind Direktinvestitionen eine Art Gemeinbegriff für alle Auslandsinvestitionen. Außerdem sind sie das Hauptwerkzeug der Global Players, um sich auf der Welt weiter zu internationalisieren. Dennoch sind Praktiken, wie das sogenannte Outsourcing nicht in jedem Fall vertretbar, denn diese Standortverschiebung hat meistens Arbeitlosigkeit und wirtschaftliche Komplikationen für den alten Standort zur Folge. Bestes Beispiel hierfür ist die Standortverschiebung des Nokia-Werkes Bochum. So ordnete der Konzern eine Umsiedlung nach Rumänien an, denn dort sparte der Konzern drastisch an Löhnen und Versicherungen ein. Die Folge waren 2000 Arbeitlose, nicht einberechnet sind Zuliefererbetriebe, welche mit Nokia Bochum Geschäftsbeziehungen unterhielten. Dieser Fall deckt ein weiteres Problem der europäischen und nordamerikanischen Staaten auf, denn dort sind die Produktions- und Lohnstückkosten für Unternehmen am Höchsten. Daher entscheiden sich fast alle Global Players für eine Produktion in den Entwicklungsländern und belassen lediglich die Verwaltung in den oben genannten Kontinenten.[30]

Und so stehen die Unternehmen nicht nur in Sachen Outsourcing vor Entscheidungsproblemen, denn fast jede ihrer Entscheidungen bringt Folgen für Wirtschaft, Politik und Menschheit mit sich. Das verdeutlicht wie enorm mächtig die Global Players sind und was für eine immens wichtige Aufgabe und Verantwortung sie in der heutigen Gesellschaft tragen. Diese Problematik bringt mich zu einem weiteren wichtigen Aspekt dieser wissenschaftlichen Arbeit, nämlich die Macht, der Einfluss und die Abhängigkeit von Global Players.

Hierzu sollte man sich klarmachen, dass der sogenannte Kampf um Standortvorteile von den Staaten ausgefochten wird, jedoch von den Global Players angestiftet wurde. D.h. also die Staaten wollen sich in Sachen Subventionen und Vergünstigungen den Global Players gegenüber attraktiv machen und merken dabei nicht, wie sie gegenseitig ausgespielt werden. Angenommen alle Staaten würden die gleichen Standortbedingungen anbieten, so könnten die Global Players keinen Staat bevorzugen und alles wäre gleich verteilt. Doch diese Vision bleibt unrealistisch, da so der Wettbewerb nicht gegeben wäre. Dennoch muss man sich in Anbetracht von Dumping-Löhnen, etc. fragen, wie viel Wettbewerb zwischen den Staaten in Ordnung ist. Ein weiterer Aspekt der Gefahren von Global Players ist die Abhängigkeit der Staaten gegenüber den Produkten und Dienstleistungen. So ist es zwar vorstellbar, in einer Welt ohne „Coca Cola“ und „Adidas“-Sportschuhe zu leben, jedoch existiert bereits eine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Daher geht meiner Meinung nach die größte Macht von den „Ölmultis“ aus, denn sie besitzen den wichtigsten Rohstoff der Welt: das Erdöl. Die Menschheit hat sich damit in eine gefährliche Abhängigkeit gegenüber denen begeben, die es besitzen. Bewiesen wird dies z.B. täglich an den Benzinpreisen, denn es hat den Anschein, als könnten die Ölkonzerne die Preise noch so hoch steigen lassen und dennoch bezahlen wir ohne größere Beschwerden. Dass selbst staatliche Institutionen wie das Bundeskartellamt sich noch nicht eingeschaltet haben ist lediglich ein Beweis dafür, dass man diesen Unternehmen nicht besonders viel anhaben kann.[31] [32]

[...]


[1] „Red-Bull-Chef Mateschitz: „Sebastian muss seine Stärke wieder beweisen““, http://www.faz.net/s/Rub8C6F3503328B4FC2843206F67CB1BB67/Doc~E0D84BD712B0D43A1B3498BF7E2E0B7C8~ATpl~Ecommon~Scontent.html, 05.03.11

[2] „Chronik: Erfolge und Krisen der Globalisierung“, http://www.wiwo.de/politik-weltwirtschaft/erfolge-und-krisen-der-globalisierung-382564/, 05.03.11

[3] Wiegrefe, Klaus, „Der Unfriede von Versailles“, http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-65954988.html, 05.03.11

[4] „Chronik: Erfolge und Krisen der Globalisierung“, http://www.wiwo.de/politik-weltwirtschaft/erfolge-und-krisen-der-globalisierung-382564/, 05.03.11

[5] „ Der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz“, http://www.wiwo.de/unternehmen-maerkte/der-nobelpreistraeger-joseph-stiglitz-343926/, 05.03.11

[6] „Chronik: Erfolge und Krisen der Globalisierung“, http://www.wiwo.de/politik-weltwirtschaft/erfolge-und-krisen-der-globalisierung-382564/, 05.03.11

[7] Eintrag "Globalisierung" in Munzinger Online/Brockhaus - Enzyklopädie in 30 Bänden. 21. Auflage. Aktualisiert mit Artikeln aus der Brockhaus-Redaktion, http://www.munzinger.de/document/12008059704 (abgerufen von Stadt- und Landesbibliothek Dortmund am 29.1.2011)

[8] Kruber, Klaus Peter, Internationale Wirtschaftsbeziehungen, Braunschweig. 2005, S. 37f, In: Floren, Franz Josef (Hrsg.), Sozialwissenschaften: Wirtschaft, Gesellschaft, Politik, Band 2, Braunschweig, Paderborn, Darmstadt, Schöningh, 2009, S. 349

[9] Floren, Franz Josef (Hrsg.), Sozialwissenschaften: Wirtschaft, Gesellschaft, Politik, Band 2, Braunschweig, Paderborn, Darmstadt, Schöningh, 2009, S. 347

[10] Kruber, Klaus Peter, Internationale Wirtschaftsbeziehungen, Ökonomische Bildung kompakt 6, Westermann Verlag, Braunschweig, 2005, S.44ff, In: Floren, Franz Josef (Hrsg.), Sozialwissenschaften: Wirtschaft, Gesellschaft, Politik, Band 2, Braunschweig, Paderborn, Darmstadt, Schöningh, 2009, S. 551

[11] Eintrag "Globalisierung" in Munzinger Online/Brockhaus - Enzyklopädie in 30 Bänden. 21. Auflage. Aktualisiert mit Artikeln aus der Brockhaus-Redaktion, http://www.munzinger.de/document/12008059704 (abgerufen von Stadt- und Landesbibliothek Dortmund am 29.1.2011)

[12] Klees, Bernd, Aus Politik und Zeitgeschichte, http://www.bpb.de/files/TASKN9.pdf, S. 5, 05.03.11

[13] „Attac“, http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/geschichte/index,page=1053570.html, 05.03.11

[14] http://www.attac.de/was-ist-attac/, 05.03.11

[15] Klees, Bernd, Aus Politik und Zeitgeschichte, http://www.bpb.de/files/TASKN9.pdf, S. 5f. 05.03.11

[16] „Coca Cola Company“, http://wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/finanzen/wirtschaft/index,page=3646994.html, 05.03.2011

[17] „Chronik: Erfolge und Krisen der Globalisierung“, http://www.wiwo.de/politik-weltwirtschaft/erfolge-und-krisen-der-globalisierung-382564/, 05.03.11

[18] Marshall, Peter, „The British Presence in India in the 18th Century”, http://www.bbc.co.uk/history/british/empire_seapower/east_india_01.shtml, 05.03.2011

[19] Eintrag "multinationale Unternehmen" in Munzinger Online/Brockhaus - Enzyklopädie in 30 Bänden. 21. Auflage. Aktualisiert mit Artikeln aus der Brockhaus-Redaktion, http://www.munzinger.de/document/12015017702 (abgerufen von Stadt- und Landesbibliothek Dortmund am 29.1.2011)

[20] „Mythos Coca Cola“, http://www.coca-cola-gmbh.de/pdf/cc_coke_story.pdf, 05.03.2011

[21] Eintrag "multinationale Unternehmen" in Munzinger Online/Brockhaus - Enzyklopädie in 30 Bänden. 21. Auflage. Aktualisiert mit Artikeln aus der Brockhaus-Redaktion, http://www.munzinger.de/document/12015017702 (abgerufen von Stadt- und Landesbibliothek Dortmund am 29.1.2011)

[22] Klees, Bernd, Aus Politik und Zeitgeschichte, http://www.bpb.de/files/TASKN9.pdf, S. 3ff 05.03.11

[23] „Unternehmen der Globalisierung“, http://www.globalisierung-fakten.de/gruende-der-globalisierung/unternehmen-global-player.html, 05.03.11

[24] Eintrag "multinationale Unternehmen" in Munzinger Online/Brockhaus - Enzyklopädie in 30 Bänden. 21. Auflage. Aktualisiert mit Artikeln aus der Brockhaus-Redaktion, http://www.munzinger.de/document/12015017702 (abgerufen von Stadt- und Landesbibliothek Dortmund am 29.1.2011)

[25] „Die Giganten der Wirtschaft“, http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:ranking-ft-500-die-giganten-der-wirtschaft/81198.html?page=2, 05.03.11

[26] Römer, Christof, „Multinationale Unternehmen“, Deutscher Instituts-Verlag, Köln, 2008, S. 9

[27] Römer, Christof, „Multinationale Unternehmen“, Deutscher Instituts-Verlag, Köln, 2008, S. 7

[28] Römer, Christof, „Multinationale Unternehmen“, Deutscher Instituts-Verlag, Köln, 2008, S. 7ff

[29] Römer, Christof, „Multinationale Unternehmen“, Deutscher Instituts-Verlag, Köln, 2008, S.9

[30] „Die Giganten der Wirtschaft“, http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:ranking-ft-500-die-giganten-der-wirtschaft/81198.html?page=2, 05.03.11

[31] Römer, Christof, „Multinationale Unternehmen“, Deutscher Instituts-Verlag, Köln, 2008, S.9ff

[32] http://www.klett.de/sixcms/list.php?page=geo_infothek&miniinfothek=&node=Multinationale+Unternehmen&article=Infoblatt+Global+Players, 05.03.11

Details

Seiten
55
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656430612
ISBN (Buch)
9783656436379
Dateigröße
3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v206366
Note
14
Schlagworte
entstehung global players auswirkungen beispiel bull

Autor

  • Rocco Schulte (Autor)

Teilen

Zurück

Titel: Entstehung von Global Players und deren Auswirkungen. Der Global Player Red Bull