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Die Beziehung zwischen sozialer Herkunft und Kompetenzerwerb in den internationalen Vergleichsstudien von PISA 2000 bis 2006

Seminararbeit 2011 13 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Fragestellung dieser Seminararbeit

2. PISA-Historie und National Assessment of Educational Progress

3. Messinstrumente der PISA-Studien
3.1. Empirische Vorgehensweisen
3.2. Ermittlung der sozialen Herkunft: Fragebogen, (H)ISEI und EGP-Index

4. Befunde der PISA-Studien 2000, 2003 und 2006: der Zusammenhang zwischen sozialen Disparitäten und der sozialspezifischen Bildungsbeteiligung

5. Fazit und Ausblick

6. Literaturverzeichnis

1. Fragestellung dieser Seminararbeit

„Ein Ziel von Bildungseinrichtungen wie den Schulen richtet sich darauf, Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer sozialen und ethnischen Herkunft gleiche und gerechte Chancen für den Besuch von Bildungseinrichtungen und für die Entwicklung von Kompetenzen zu bieten.“1

Dieses anspruchsvolle Ziel für Bildungseinrichtungen wird mit diesem Zitat von Timo Ehmke und Jürgen Baumert gesetzt. Auf vielen Ebenen wurde jedoch beanstandet, dass die Kompetenzentwicklung eines Schülers flächendeckend zu stark von dessen sozialem Hintergrund abhängt und dass dessen Aussicht auf ein erfolgreiches Bestehen in der Schulwelt in erster Linie davon beeinflusst sei. Inwieweit dies zutrifft, wird in der PISA-Studie 2000 bis 2009 untersucht. In dieser Seminararbeit soll es nun darum gehen, wie stark der Zusammenhang zwischen sozialer Schichtung und der Kompetenzleistung mit Hilfe der Ergebnisse der PISA-Studien besteht. Im Vorfeld soll jedoch die PISA-Historie, das Vorhandensein anderer Studien zu diesem Thema sowie das empirische Vorgehen in der Vorbereitung der Studien geklärt werden.

Im Folgenden wird um des Leseflusses willen auf das Femininum bei Personenbezeichnungen verzichtet.

2. PISA-Historie und National Assessment of Educational Progress

Das Programme for International Student Assessment (PISA) „ist die internationale Schulleistungsstudie der OECD“2 (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). Sie ist Teil des gemeinsamen Bemühens der Mitgliedsstaaten der OECD, die Fähigkeit 15-jähriger Schüler, mit den Problemen und Anforderungen der heutigen Wissensgesellschaft umgehen zu können, zu messen3. Die Zielorientierung der PISA-Studien ist dabei von bemerkenswerten Ansprüchen geleitet: „The assessment is forward-looking, focusing on young people’s ability to use their knowledge and skills to meet real-life challenges, rather than on the extent to which they have mastered a specific school curriculum. This orientation reflects a change in the goals and objectives of curricula themselves, which are increasingly concerned with what students can do with what they learn at school, and not merely with whether they have learned that.”4

Seit dem Jahr 2000 finden im Drei-Jahres-Zyklus die PISA-Studien statt, 2009 nahmen 65 Staaten teil5. Mit dem Konstanzer Beschluss von 1997 erfolgte die Teil- nahme Deutschlands bei der Durchführung dieser Untersuchungen6. Wie Annette Schavan beschreibt, sollen die PISA-Studien die „Grundlage gezielter und wirksamer Anstrengungen zu Leistungsverbesserungen im Bildungswesen werden“ und „ist dabei Teil einer längerfristig und breit angelegten Strategie der Qualitätssicherung“7. In Deutschland umfassen sie eine periodische Wiederholung der Untersuchungen, Ländervergleiche innerhalb der Bundesrepublik (PISA-E), komplementäre Untersuchungen in weiteren wichtigen Kompetenzbereichen (DESI - aktive Sprachbeherrschung im Deutschen und Fremdsprachenkompetenz), Untersuchungen auf anderen Schulstufen (IGLU - Grundschulleseuntersuchung), „Untersuchungen auf der Ebene einzelner Länder und die Intensivierung der inhaltlichen Debatte über Leistungsziele und Curricula“8.

PISA versucht des Weiteren, neben den Schülerergebnissen auch Daten zu lernerspezifischen und sozial-familiären Faktoren der Schüler sowie zu schulinstitutionellen Phänomenen zu sammeln9. Es wird außerdem versucht, ein hohes Maß an Qualität und Objektivität der Messungen zu erreichen, indem auch die Durchführung der Studien untersucht und weitere Hintergrundinformationen durch Experten gesammelt werden sowie auf die kulturell-linguistische Optimierung des Testmaterials geachtet wird10. Es wird auch deshalb auf eine möglichst hohe Zuverlässigkeit der Untersuchungsergebnisse Wert gelegt, um die Teilnehmenden des Bildungssystems, d.h. Schulen und Lehrende, Schüler, Eltern sowie die Gesellschaft im Allgemeinen, über dessen Funktionsfähigkeit bei der praxisorientierten Ausbildung der Lernenden zu informieren11. Im folgenden Kapitel soll auf die Untersuchungsmechanismen der PISA-Studien eingegangen werden.

Während die PISA-Studien die Lernerkompetenzen im Allgemeinen sowie deren Bedingtheit durch äußere Faktoren untersucht, soll es in dieser Arbeit mehr um den Zusammenhang zwischen sozialer Zugehörigkeit eines Schülers sowie dessen Familie und der Leistungskompetenz eines Schülers gehen. Hierfür ist es sinnvoll, andere Untersuchungen zu diesem Thema neben PISA einzubeziehen, denn laut Timo Ehmke und Jürgen Baumert ist „ein Trend hin zur Entkopplung der bei PISA gemessenen Kompetenzen von der sozialen Herkunft der Jugendlichen“12 nicht eindeutig festzustellen. In der amerikanischen Langzeitstudie National Assessment of Educational Progress (NAEP) zwischen 1971 und 1999 konnte über diesen längeren Zeitraum „nahezu keine Veränderung in der Kopplung zwischen der Leseleistung der Schülerinnen und Schüler und dem Bildungsabschluss der Eltern nachgewiesen werden“13. Ehmke und Baumert schließen daraus, dass vor diesem Hintergrund keine großen Veränderungen in den sozialen Disparitäten des Kompetenzerwerbs innerhalb der PISA-Studie von 2006 zu erwarten sein würden14.

[...]


1 Timo Ehmke/Jürgen Baumert: Soziale Herkunft und Kompetenzerwerb. Vergleiche zwischen PISA 2000, 2003 und 2006, in: Manfred Prenzel (u.a. Hg.): PISA 2006. Die Ergebnisse der dritten Vergleichsstudie. Münster/New York/München/Berlin 2007, 309.

2 http://www.oecd.org/document/20/0,3746,de_34968570_34968795_39648148_1_1_1_1,00.html (2.3.2011, 15:45)

3 vgl. OECD Programme for International Student Assessment: Knowledge and Skills for Life. Education and Skills. Paris 2001, 14.

4 Ebenda.

5 http://www.oecd.org/document/20/0,3746,de_34968570_34968795_39648148_1_1_1_1,00.html (2.3.2011, 15:45)

6 Vgl. Jürgen Baumert (u.a. Hg., Deutsches PISA-Konsortium): PISA 2000. Basiskompetenzen von Schülerinnen und Schülern im internationalen Vergleich. Opladen 2001, 11.

7 Ebenda.

8 Ebenda.

9 Vgl. OECD: Knowledge, 14.

10 Vgl. ebenda.

11 Vgl. OECD Programme for International Student Assessment: Learning for Tomorrow’s World. First Results from PISA 2003. Paris 2004, 3.

12 Timo Ehmke/Jürgen Baumert: Soziale Herkunft und Kompetenzerwerb. Vergleiche zwischen PISA 2000, 2003 und 2006, in: Manfred Prenzel (u.a. Hg., PISA-Konsortium Deutschland): PISA 2006. Die Ergebnisse der dritten internationalen Vergleichsstudie. Münster/New York/München/Berlin 2007, 310.

13 Ebenda.

14 Vgl. Ebenda.

Details

Seiten
13
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656332886
ISBN (Buch)
9783656332978
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v206170
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,0
Schlagworte
PISA; soziale Herkunft; Bildung; Bildungsmilieu; soziale Disparität; Empirie;

Autor

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Titel: Die Beziehung zwischen sozialer Herkunft und Kompetenzerwerb in den internationalen Vergleichsstudien von PISA 2000 bis 2006