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"Die zwei Ziegen" von Jean de La Fontane – Eine Unterrichtseinheit zum Thema Fabeln

Unterrichtsentwurf 2012 14 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

1.) Stundenrelevante Anmerkungen zur Lerngruppe

2.) Einordnung der Stunde in den Unterrichtszusammenhang

Die Klasse beschäftigt sich seit drei Doppelstunden mit der Textsorte Fabeln. Der Einstieg erfolgte über einen analytischen Zugang, indem die Fabel ‚ Die Teilung ‘ von Wilhelm Grimm auf ihre einzelnen Bestandteile hin untersucht worden ist. Daraus konnte der typische Fabelaufbau abgeleitet werden. Ausgehend davon wurden einzelne Fabelmerkmale untersucht, indem die sprechenden Tiere und die ihnen zugewiesenen menschlichen Eigenschaften thematisiert worden sind. In der folgenden Stunde stand die Figurencharakterisierung und -konstellation in Jean de La Fontaines Fabel ‚ Die Grille und die Ameise ‘ im Fokus der Betrachtungen. Diesem schloss sich eine erste produktionsorientierte Aufgabe an, indem die SuS ein Ende der Fabel szenisch erarbeiten sollten. In der vorliegenden Stunde beschäftigen sich die SuS mit Fontaines ‚ Die zwei Ziegen ‘. Durch die Ermittlung der Fabellehre und Handlungsalternativen der beiden Ziegen sollen die SuS schlussendlich die Ergebnisse auf ihren Alltag übertragen. Diese Resultate werden am Stundenende gebündelt, indem die SuS die Funktion von Fabeln und im Speziellen die der Fabeltiere bewertend bestimmen. Diese Ergebnisse werden in der didaktischen Reserve der Stunde oder in der Hausaufgabe die Grundlage darstellen, um die SuS - unter Berücksichtigung eines Textausschnitts von Martin Luther ‚ Wozu Fabeln? ‘ - in der kommenden Stunde zu einer umfassenden Bewertung der Textsorte anzuleiten. In den Folgestunden wird die Textproduktion im Fokus stehen, in deren Zuge Fabeln - unter Einbezug aller bisherigen Ergebnisse - selbst verfasst werden.

3.) Didaktische Überlegungen und Entscheidungen zur Stunde

Die fachliche Relevanz des Stundenthemas ergibt sich aus den curricularen Vorgaben des Faches Deutsch für die Sekundarstufe I. Diese weisen das Erkennen einfacher Mittel zur Sicherung des Textzusammenhangs und deren Anwendung als basale Kompetenz aus[1]: Durch die Rekonstruktion des Fabeltextes anhand von Textstreifen ermitteln die SuS die „sprachlogische[n] Verknüpfungen“ und damit die „stilistische Stimmigkeit“[2], wodurch diese Kompetenz in der Besuchsstunde besonders gefördert wird. Darüber hinaus wird explizit auf den verbindlichen Unterrichtsaspekt ‚Fabel‘ verwiesen[3]. Die Schülerrelevanz leitet sich neben der Kompetenzschulung aus der gewählten Thematik ab: Zwischenmenschliche Konflikte, hervorgerufen durch ein altersbedingt häufig „stures“ und widerwilliges Verhalten, spielen in der Lebenswirklichkeit der SuS eine zentrale Rolle. Ob in der Auseinandersetzung mit den eigenen Eltern, den Lehrern oder mit Gleichaltrigen – den eigenen Standpunkt finden und mitunter vehement zu vertreten, bestimmt immer wieder und in vielen Situationen das Handeln der SuS. Durch den Bezug auf die direkte Alltagswirklichkeit der SuS und damit der Reflexion des eigenen Handelns hat das Thema einen gegenwärtigen und zukünftigen Stellenwert.

Als übergeordnetes Stundenziel setzen sich die SuS mit dem Inhalt der Fabel ‚ Die zwei Ziegen ‘ von Jean de La Fontaine auseinander, indem sie auf Grundlage eines umfassenden Textverständnisses eine Lehre der Fabel sowie mögliche Handlungsalternativen der Ziegen erarbeiten und diese auf die eigene Lebenswelt übertragen. Als Minimallehrziel erkennen sie demzufolge, dass durch ein stures und starrköpfiges Verhalten keine Konflikte zu lösen sind bzw. dass nachgiebiges Verhalten Konflikte lösen kann. Der Schwerpunkt der Stunde liegt zunächst auf einer analytischen Erschließung der Fabel ‚ Die zwei Ziegen ‘ von Fontaine und deren Anwendung auf die Gesamtaussage der Fabel. Erst durch die selbstständige Ermittlung von Handlungsalternativen und deren Übertragung auf die SuS-Lebenswelt wird die kognitive Grundlage für eine abschließende Auseinandersetzung mit der Textsorte ‚Fabel‘ ermöglicht, indem die Funktion der Fabeltiere vertiefend beurteilt wird.

Der Stundenschwerpunkt kommt aufgrund seiner zunächst mäßig komplexen, textanalytischen Ausrichtung den leistungsschwächeren SuS entgegen. Durch die explizite Einforderung von textimmanenten und begründeten Inhaltsbezügen werden zugleich auch die stärkeren SuS gefordert. Die erste und dritte Vertiefungsphase erfordert einen hohen Abstraktionsgrad, wodurch erneut die stärkeren SuS gefordert sind. Die Vertiefung II sollte wiederum eine breite Beteiligung sicherstellen, da der Bezug zur eigenen Lebenswelt den SuS Raum zur freien Äußerung ermöglicht (Niveausetzung). Der Stunde liegt eine textanalytische Leitlinie zugrunde und gliedert sich in unterschiedliche Artikulationsstufen: Die Einstiegsphase intendiert mit dem Bildimpuls der zwei kämpfenden Ziegen (M1) einen motivierenden Zugang zur Stundenthematik. Mittels eines verbalen Impulses durch die Lehrkraft fordert der visuelle Impuls zusätzlich dazu auf, das Dargestellte mit dem Vorwissen über die menschlichen Eigenschaften ‚stur‘ und ‚starrköpfig‘, welche in Fabeln den Ziegen zugewiesen werden, in Verbindung zu bringen und so eine erste Leseerwartung aufzubauen. Auf einen entsprechenden Hinweis seitens der Lehrkraft wird hierbei jedoch zugunsten des eigenen Erkenntnisweges der SuS verzichtet. Mittels einer verbalen Verknüpfung leitet sich der Übergang in die Erarbeitungsphase für die SuS transparent ab, in der sie den Fabeltext über seinen Inhalt erschließen (M2+M3). Unter Einbezug ihres Vorwissens über den typischen Fabelaufbau ermitteln die SuS die konkreten textimmanenten Inhaltsbezüge. Die sich anschließende Präsentations- und Sicherungsphase dient einer Reflexion und Bündelung der erarbeiteten Ergebnisse und fungiert damit in erster Linie der Plateaubildung. Sie soll die Grundlage für die folgende Vertiefung I schaffen, die darauf abzielt, dass die SuS auf Basis einer ermittelten Fabellehre die alternativen Handlungsmöglichkeiten der beiden Ziegen zur Lösung ihres Konfliktes erarbeiten (M2). An diese Phase anknüpfend übertragen die SuS in der Vertiefungsphase II den Fabelkonflikt auf ihre Alltagswelt, indem sie vergleichbare Situationen und Handlungsmöglichkeiten benennen (1. Stundenausstieg). Mittels eines verbalen Impulses seitens der Lehrkraft leitet sich die Vertiefungsphase III für die SuS transparent ab, die darauf abzielt, eine erste Funktion von Fabeln bzw. Fabeltieren zu ermitteln (2. Stundenausstieg).

Eine didaktische Reduktion liegt der Stunde insofern zugrunde, als dass die Fabel nicht unter formalen Gesichtspunkten analysiert wird, indem sie auf typische Fabelbestandteile hin untersucht wird. Dies ist für die Erkenntnisgewinnung der SuS in der vorliegenden Stunde nicht von Bedeutung. Auf dieses Vorwissen können sie - wie oben bereits dargelegt - jedoch in der Erarbeitungs- und Sicherungsphase zurückgreifen. Schwierigkeiten könnten auftreten, wenn ein/e SoS bereits Vorwissen über die Fabel und deren Inhalte mitbringen sollte und dieses am Stundenbeginn thematisiert. Dies würde den anderen SuS die interessierte Erwartung an das Material und das Interesse an einer selbstständigen Überprüfung der Texthypothesen nehmen. Das Stundenziel bliebe jedoch erhalten. Zudem könnten die SuS in der Erarbeitung und Sicherung die inhaltlichen Bezüge nur sehr allgemein formulieren, womit wichtige Aspekte, die zum Textverständnis aller beitragen, unberücksichtigt bleiben. Diesem muss ggf. methodisch entgegengewirkt werden[4]. Zudem wäre der Klasse in dieser Phase u.U. mehr Zeit einzuräumen, weshalb die Stunde eine zeitliche Flexibilität erfordert, die durch die Antizipation unterschiedlicher Stundenausstiege realisiert worden ist[5].

4.) Lernziele der Stunde

Als übergeordnetes Lehrziel erschließen die SuS den Inhalt der Fabel ‚ Die zwei Ziegen ‘ von Jean de La Fontaine, erarbeiten eine Fabellehre sowie mögliche Handlungsalternativen der Ziegen und übertragen diese auf die eigene Lebenswelt. Die übergeordneten Kompetenzziele stellen die Schulung der Textverstehenskompetenz und darauf aufbauend die Deutungs- und Reflexionskompetenz dar. Im Einzelnen sollen die SuS dazu:

- einen motivierenden Zugang zur Stundenthematik finden, indem sie sich assoziativ zum Bildimpuls ‚ Die zwei Ziegen ‘ von Jean de La Fontaine (M1) äußern.
- den Handlungsverlauf der Fabel antizipieren, um eine Reflexionsfolie für ihre Wahrnehmung des tatsächlichen Inhaltes aufzubauen, indem sie mitunter auf ihr Vorwissen (Tieren werden menschliche Eigenschaften zugesprochen; hier: Ziegen) zurückgreifen.
- über die Ermittlung der Textstrategie sowie der Textkohärenz den Fabelinhalt selbstständig erschließen, indem sie begründet die einzelnen, ungeordneten Textabschnitte in ihre richtige Reihenfolge bringen (M2+M3). (Textverstehenskompetenz)
- die Lehre der Fabel erschließen, indem sie die bisherigen Stundenergebnisse zusammentragen und auf den Fabelschluss anwenden. (Textverstehenskompetenz)
- einen alternativen Fabelschluss antizipieren, indem sie die Handlungsmöglichkeiten der zwei Ziegen in einem kurzen Dialog entwickeln (M2). (Deutungs- und Reflexionskompetenz) [Minimallehrziel]
- auf der Grundlage ihrer gewonnenen Erkenntnisse die Handlungen der beiden Ziegen vertiefend beurteilen, indem sie die Fabelsituation auf ihre Alltagswelt übertragen, Konflikte und Handlungsmöglichkeiten benennen und ihr eigenes Handeln reflektieren. (Deutungs- und Reflexionskompetenz) [Maximallehrziel]
- zur Beurteilung der Funktion der Textsorte Fabel angeleitet werden, indem sie durch einen verbalen Impuls und /oder materialgestützt dazu aufgefordert werden, die Rolle der Fabeltiere zu bewerten (M4, M5). (Deutungs- und Reflexionskompetenz)

[...]


[1] Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium (Hrsg.): Kerncurriculum für das Gymnasium, Schuljahrgänge 5-10, Deutsch, Hannover 2006, S. 29.

[2] Niedersächsisches Kultusministerium (Hrsg.): Kerncurriculum für das Gymnasium, S. 29.

[3] Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium (Hrsg.): Kerncurriculum für das Gymnasium, S. 25.

[4] Vgl. Kapitel 6. Methodische Überlegungen

[5] Vgl. Kapitel 7. Tabellarischer Stundenverlauf

Details

Seiten
14
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656330899
ISBN (Buch)
9783656331650
Dateigröße
800 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v206128
Note
Schlagworte
jean fontane fabel ziegen

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