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Die Kubakrise im Kalten Krieg

Eine Ursachenanalyse

Seminararbeit 2012 18 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Moderne Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und Methodik

2 Der Kalte Krieg
2.1 Definition
2.2 Beginn des Kalten Krieges

3 Geschichte Kubas
3.1 Kubas Geschichte bis 1952
3.2 Die Kubanische Revolution

4 Krise in Sicht
4.1 Beginn des Konfrontationskurses
4.2 Invasion in der Schweinebucht
4.3 Operationen MONGOOSE und NORTHWOODS
4.4 Operation ANADYR

5 Zusammenfassende Ursachenanalyse

Literaturverzeichnis

,,Ich spreche von wahrem Frieden,jener Art des Friedens, die das Leben aufErden lebenswert macht, jener Art, die es Menschen und Nationen ermoglicht zu wachsen und zu hoffen und ein besseres Leben fur ihre Kinder zu schaffen.“1

John F. Kennedy2

1 Einleitung und Methodik

Am 28. Oktober 1962 gab Nikita Chruschtschow3 den Befehl fur den Riickzug der auf Kuba stationierten Waffen.4 Zuvor hatte John F. Kennedy Chruschtschow aufgefordert, die sowjetischen Raketen unter der Aufsicht der Vereinten Nationen aus Kuba abzuziehen. Im Gegenzug dafur wollte Kennedy die Blockade gegen Kuba auflosen, auf eine Invasion verzichten und in einem geheimen Zusatzabkommen festhalten, dass die amerikanischen Nuklearraketen in Italien und in der Turkei abgezogen wurden.5 Um 19 Uhr Moskauer Zeit verkundete Radio Moskau: „Die sowjetische Regierung hat den Abbau der Waffen auf Kuba angeordnet.“6 Im letzten Moment konnte schlieftlich ein Atomkrieg verhindert werden. Die wohl heifteste Phase des Kalten Krieges war uberstanden.

Die vorliegende Seminararbeit beschaftigt sich mit dem Kalten Krieg, insbesondere mit der Kubakrise und den Ursachen fur dieselbe. Sie soll die Kausalitat der Ereignisse analysieren und dabei deskriptiv verfasst sein. Um diese eingehend betrachten zu konnen ist es notig, zunachst auf den Begriff des Kalten Krieges einzugehen. Hier wird eine eigene allgemeine Definition zum Beginn des Kalten Krieges entwickelt. Diese ist wichtig, um die Ursachen fur den globalen Konflikt zu verstehen und um die Kubakrise in den Kalten Krieg einordnen zu konnen. Das Ende des Kalten Krieges wird nicht naher untersucht, da die Kubakrise lange vorher stattfand. Im dritten Kapitel wird die Geschichte Kubas in knappen Grundzugen erlautert. So lasst sich ein besseres Verstandnis fur Kubas Situation im Kalten Krieg und die Beziehungen zwischen den USA und Kuba herleiten. Das vierte Kapitel beschaftigt sich schwerpunktmaftig mit der Kubakrise und der Periode vor der eigentlichen Raketenkrise. Die Kubakrise soil allerdings nicht als Abfolge einiger Tage und Wochen betrachtet werden, sondern vielmehr als eine mehrjahrige Konfrontationssituation, weshalb diese Arbeit die Situation ab 1959 analysiert. Die Raketenkrise wird als Hohepunkt der Kubakrise interpretiert. Erstens wurde eine Abhandlung uber den eigentlichen Konflikt den Rahmen dieser Seminararbeit bei Weitem sprengen und zweitens mochte die Arbeit die grundlegenden Ursachen systematisch verdeutlichen und keine weitere Chronologie der Ereignisse darstellen. Im letzten Kapitel soll schlieElich ein Diskurs eine Antwort auf die Problemstellung finden.

Weitere auEenpolitische Themenfelder der Zeit wie der Vietnamkrieg und die Berlinkrise, die ebenfalls im Zusammenhang mit Chruschtschow und Kennedy stehen, werden aufgrund der Begrenztheit des vorliegenden Themas nicht behandelt. Die Konferenz von Wien wird ebenfalls nicht betrachtet, da das Hauptaugenmerk auf die Berlin- Frage gerichtet war. Ebenso soll daraufhin hingewiesen werden, dass sich die Arbeit personell auf Kennedy, Chruschtschow und Fidel Castro7 beschranken wird. Sie werden als zentrale Personlichkeiten und Verantwortliche hervorgehoben.

2 Der Kalte Krieg

Der Begriff des Kalten Krieges stammt von dem us-amerikanischen Journalisten Herbert B. Swope und erlangte Bekanntheit als politisches Schlagwort, nachdem 1947 Walter Lippmann, ebenfalls Journalist aus den USA, eine Broschure mit dem Titel Cold War veroffentlichte.8

2.1 Definition

Der Kalte Krieg bezeichnet die nahezu dauerhafte, diplomatische und potenziell militarische Konfrontation der beiden Weltmachte USA und UdSSR9 und das damit verbundene Wettrusten zwischen 1947 und 1991. Wichtige Bestandteile sind sowohl die Ideologien und der standige Versuch, diese zu verbreiten, wie auch eine zielgerichtete Bundnispolitik. Innerhalb der NATO10 11 und der Warschauer Vertragsorganisation teilten die beiden Machte die Welt in zwei globale Interessenspharen auf. 1st der Kalte Krieg auch global zu betrachten, so darf nicht vergessen werden, dass er doch meist in regional begrenzten Konflikten und Stellvertreterkriegen eskalierte. Es darf ebenfalls nicht unbeachtet bleiben, dass es ebenso wie Eskalationen auch Phasen der Entspannung und der gegenseitigen Annaherung gab. Erst durch die Politik Gorbatschows und die Auflosung der UdSSR konnte der Kalte Krieg beendet werden.

2.2 Beginn des Kalten Krieges

„Von Stettin an der Ostsee bis hinunter nach Triest an derAdria ist ein 'Eiserner Vorhang' uber den Kontinent gezogen.“n Dieses von Winston Churchill stammende Zitat definiert die ideologische und damit auch territoriale Trennung Europas in einen Ost- und einen Westblock. Auf der Potsdamer Konferenz vom 17. Juli bis 2. August 1945 einigten sich die alliierten Siegermachte GroEbritannien, UdSSR und USA noch darauf, die Gewalt uber ein gesamtes Deutschland auszuuben.12 Als im Januar 1947 die Bizone gegrundet wurde, die sich aus der amerikanischen und der britischen Besatzungszone zusammensetzte, war eine Teilung Deutschlands bereits zu erkennen.13 1949 wurde die Bizone um die franzosische Besatzungszone zur Trizone erweitert.14 Doch wurde spatestens nach der Munchener Ministerprasidentenkonferenz von 1947 klar, dass es keinen gesamtdeutschen Staat geben konnte. Spatestens hier lasst sich der ideologische Konflikt erkennen. Die Delegation der Lander in der SBZ15 forderte den Tagesordnungspunkt „Bildung einer deutschen Zentralverwaltung durch Verstandigung der demokratischen deutschen Parteien und Gewerkschaften zur Schaffung eines deutschen Einheitsstaates.“-16 Da aber den Konferenzteilnehmern der franzosischen Besatzungszone verboten worden war, uber die politische Zukunft Deutschlands zu reden, wurde dieser Punkt abgelehnt. Daraufhin reisten die ostdeutschen Vertreter wieder ab. Aus der gesamtdeutschen Ministerprasidentenkonferenz war eine westdeutsche geworden. An dieser Stelle, also mit der Deutschland-Frage, lasst sich somit das Ausbrechen des Konflikts zwischen den beiden Siegermachten und gleichzeitigen Supermachten UdSSR und USA erkennen. Das Scheitern der Ministerprasidentenkonferenz zeigt ein Spiegelbild des Ost-West- Dualismus.

3. Die Geschichte Kubas

Die Geschichte Kubas war bis in das 20. Jahrhundert hinein eine Geschichte politischer Abhangigkeit. Politisch dominiert durch Spanien und die USA konnte man lange Zeit nicht von einem autonomen Staat reden, sondern viel mehr von einer Kolonie Spaniens und schlieftlich einem Dominion der USA. Schlieftlich wurde die UdSSR zur Schutzmacht Kubas.

3.1 Kubas Geschichte bis 1952

Die Fremdherrschaft uber Kuba begann mit der Entdeckung der Insel durch Christoph Columbus am 28. Oktober 1492.17 Kuba war spatestens ab Ende des 18. Jahrhunderts ein wichtiger Lieferant von Zucker und ein bedeutender Punkt fur den Handel mit Sklaven. Der Erste Unabhangigkeitskrieg von 1868 bis 1878 endete mit dem Sieg der spanischen Kolonialmacht, immerhin konnte bis 1886 die endgultige Aufhebung der Sklaverei erreicht werden.18 Mit dem Tod von Jose Marti, heute verehrt als kubanischer Nationalheld, am 19. Mai 1895 wahrend eines Scharmutzels mit den spanischen Besatzern brach der Zweite Unabhangigkeitskrieg aus.19 Als jedoch im Februar 1898 der amerikanische Kreuzer Maine im Hafen von Havanna explodierte und der Krieg zwischen Spanien und den USA ausbrach, wurde die Freiheitsbewegung jah unterbrochen. Der Krieg endete mit einer Niederlage der Spanier, woraufhin die USA Kuba bis 1902 unter ihre Militaradministration stellten. Zwar wurde Kuba am 20. Mai 1902 formell unabhangig, doch besetzten die USA Kuba abermals von 1906 bis 1909 um eine Revolte niederzuschlagen. Die Vorherrschaft der USA zeigte sich jedoch nicht nur politisch, sie war auch wirtschaftlich zu erkennen: Etwa 60 % der Landwirtschaftsflachen und 50 % der kubanischen Zuckerfabriken lagen in den Handen amerikanischer Konzerne.20 Auch 1912 und 1917 schickten die USA Einheiten nach Kuba um Autonomiebewegungen zu unterdrucken und die Wirtschaft auch militarisch dominieren zu konnen.21 Hier lasst sich gut die imperialistische Wirtschaftspolitik der USA erkennen. Darin liegen auch Ursachen fur die spateren Beziehungen zwischen beiden Landern und der Kubakrise.

Von 1925 bis 1933 herrschte der Diktator Gerardo Machado, der den stetig wachsenden Einfluss des US-Kapitals unterstutzte.22 Machado wurde 1933 von Fulgencio Batista gesturzt, der daraufhin zum Armeechef avancierte.23 Die Ubergangsregierung stellte Ramon Grau San Martin. Als Armeechef gelang es Batista erheblichen Einfluss auf die Politik Kubas zu nehmen. Er unterstutzte bis 1940 verschiedene Prasidenten und konnte somit seine politische Bedeutung erheblich ausbauen, um sich schlieftlich 1940 selbst zum Prasidenten wahlen zu lassen und dieses Amt bis 1944 auszuuben.24 Bis 1948 regierte abermals Grau San Martin und bis 1952 Carlos Prio Socarras.25

[...]


1 John F. Kennedy, zitiert nach: Drechsler, Karl: GegenSpieler. John F. Kennedy. Nikita Chruschtschow. Frankfurt am Main 1999. S. 111.

2 John Fitzgerald Kennedy (1917 - 1963) war ein us- amerikanischer Politiker (Demokrat) und von 1961 bis 1963 Prasident der USA. Er wurde am 22.11.1963 in Dallas erschossen.

3 Nikita Sergejewitsch Chruschtschow (1894 - 1971) war ein sowjetischer Politiker (KPdSU) und von 1958 bis 1964 Ministerprasident der UdSSR.

4 Vgl. Subok, Wladislaw/Pleschakow, Konstantin: Der Kreml im Kalten Krieg. Von 1945 bis zur Kubakrise. Aus dem Amerikanischen ubersetzt von Ulrich Schweizer. Hildesheim 1997. S. 373.

5 Vgl. Reeves, Thomas: John F. Kennedy. Die Entzauberung eines Mythos. Biographie. Aus dem Amerikanischen ubersetzt von Anni Pott. Hamburg 1992. S. 512 ff.

6 Wiegrefe, Klaus/ Frohn, Axel/ Kluftmann, Uwe: Das Schicksal der Welt, zitiert nach: Potzl, Norbert/Traub, Rainer (Hrsg.): Der Kalte Krieg. Wie die Welt den Wahnsinn des Wettrustens uberlebte. Munchen 2009. S. 144.

7 Fidel Castro Ruz (geb. 1926) war ein kubanischer Revolutionsfuhrer und Politiker. Seit 1959 war er Regierungschef und ab 1976 zugleich Staatschef. 2008 trat er von allen Amtern zuruck.

8 Vgl. Stover, Bernd: Der Kalte Krieg 1947 bis 1991. Geschichte eines radikalen Zeitalter. Broschierte Sonderausgabe. Munchen 2011. S. 11.

9 Union der sozialistischen Sowjetrepubliken

10 North Atlantic Traty Organization, Nordatlantikvertragsorganistion

11 Potzl, Norbert/Traub, Rainer: Vorwort, zitiert nach: Potzl, Norbert/Traub, Rainer (Hrsg.): Der Kalte Krieg. Wie die Welt den Wahnsinn des Wettrustens uberlebte. Munchen 2009. S. 11.

12 Vgl. Funk, Albert: Foderalismus in Deutschland. Vom Furstenbund zur Bundesrepublik (bpb, Band 1097). Bonn 2010. S. 291.

13 Vgl. Jesse, Eckhard: Systemwechsel in Deutschland. 1918/19 - 1933 - 1945/49 - 1989/90 (bpb, Band 1212). Bonn 2011. S. 88.

14 Vgl. ebd.

15 Sowjetische Besatzungszone

16 Funk: Foderalismus. S. 299.

17 Vgl. Hell, Jurgen: Geschichte Kubas. Berlin (Ost) 1989. S. 9.

18 Vgl. Hoffmann, Bert: Kuba. 2. Auflage. Munchen 2000. S. 236.

19 Vgl. ebd.

20 Vgl. Hamann, Gerd: Kuba. Norderstedt 2002. S. 39.

21 Vgl. Hell: Kuba. S. 130 ff.

22 Vgl. ebd. S. 136.

23 Vgl. Hoffmann: Kuba. S. 48.

24 Vgl. Hell: Kuba. S. 174.

25 Vgl. Hoffmann: Kuba. S. 237.

Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656330608
ISBN (Buch)
9783656333241
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v206115
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz – Europäische Geschichte
Note
1,3
Schlagworte
Kuba USA Kalter Krieg Sowjetunion Kennedy Chruschtschow Fidel Castro Nachkriekszeit Kubanische Revolution Schweinebucht Mongoose Northwoods Anadyr Schuld

Autor

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Titel: Die Kubakrise im Kalten Krieg