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Renaissance der Innenstadt: Akteure, Instrumente, Ziele

von Anonym (Autor)

Hausarbeit 2010 22 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Was bedeutet der Begriff Reurbanisierung?

3. Demographischer Wandel und Reurbanisierung

4. Erklärungsansätze zur Reurbanisierung

5. Welche Wirkungen gehen von einer Reurbanisierung aus?

6. Vor- und Nachteile des Wohnens in der Innenstadt
6.1 Vorteile
6.2 Nachteile

7. Instrumente und Handlungsmöglichkeiten für Städte

8. Fallbeispiel: "Renaissance der Mitte: Masterplan für die Neusser Innenstadt"

9. Beispielregion Ruhrgebiet: Ist der Trend in der Statistik angekommen?

10. Fazit

Quellen

1. Einleitung

Städte sind schon seit Jahrhunderten Zentren von Wirtschaft, Kultur, Handel, Wohnen und Infrastruktur. In der Stadt laufen die "Fäden" einer Region zusammen. Dabei hat die Innenstadt eine besondere Rolle. Die Innenstadt kennzeichnet den historischen Kern einer Stadt, hat eine Vielfalt von Funktionen für alle Bewohner und ist zudem Image prägend für eine Stadt (Brühl et al. 2005). Angelehnt an die Definition von Brühl et al. (2005) wird in der vorliegenden Arbeit unter "der Innenstadt" der historische Kern einer Stadt und der zentrale Einkaufs- und Geschäftsbereich mit den angrenzenden Vierteln verstanden. Nach einer so genannten "Stadtflucht" in der Mitte des 20. Jahrhunderts, die u. a. durch die Entkopplung von Arbeit und wohnen und die zunehmende Mobilität verursacht wurde, ging mit einem Bedeutungsverlust der Innenstadt als Wohnstandort einher (Brühl et al. 2005). Nun ist das Thema "Innenstadt", vor allem "wohnen in der Innenstadt" wieder in die Öffentlichkeit gerückt. Einige Innenstädte konnten Einwohnerzuwächse verzeichnen (Guratzsch 2004, in Brühl et al. 2005), sodass von den Medien schnell ein Trend zur Reurbanisierung ausgerufen wurde (s. Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Zeitungstitel behandeln das Thema Reurbanisierung (Regionalverband Ruhr).

Diese Rückbesinnung soll in der vorliegenden Arbeit behandelt werden, indem die Reurbanisierung in den Kontext des demographischen Wandels eingeordnet wird und Erklärungsansätze für den Trend gegeben werden. Es werden allgemeine Handlungsmöglichkeiten für Städte aufgezeigt, auf eine Reurbanisierung einzugehen bzw. ihre Innenstadt aufzuwerten. Als Praxisbeispiel wird der Masterplan für die Innenstadt von Neuss erläutert. Um herauszufinden, ob die Reurbanisierung bereits statistisch nachzuweisen ist, wird das Ruhrgebiet als Modellregion näher betrachtet.

In den letzten Jahrzehnten wurden Prozesse wirksam, die zu einem Funktionswandel der Städte führten (nach Beckmann 2009; Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz 2008):

- Globalisierung
- demographischer Wandel
- Verwaltungs- und Gebietsstrukturreformen
- strukturelle Umbrüche in der Wirtschaft
- neue Standortpolitiken des Einzelhandels
- schlechte Situation der kommunalen Finanzhaushalte
- soziale Segregationsprozesse
- Veränderungen der Lebensweisen
- Konjunkturprogramme
- europäische Stadtentwicklungspolitik
- zunehmende Umweltprobleme

2. Was bedeutet der Begriff Reurbanisierung?

Die Definition des Begriffes „Reurbanisierung“ ist nicht eindeutig. Die Autoren fachspezifischer Texte setzen bei ihren Definitionen verschiedene Schwerpunkte, die deutlich machen, dass eine Reurbanisierung zu Beginn nicht zwangsläufig mit einem Wachstum der Stadt verbunden sein muss. Es kann sich ebenso um einen Aufwertungs- oder einen Konzentrationsprozess handeln, der, wenn sich die Reurbanisierung manifestiert, dann aber zu einem späteren Zeitpunkt mit einer Bevölkerungszunahme verbunden sein wird.

... Reurbanisierung als „Wiederaufwertung und Revitalisierung der Kernstädte und der innenstadtnahen Quartiere“(Polster& Voy 1989, in Glatter & Siedhoff 2008)

... „Reurbanisierung bedeutet, dass die Stadt ihre Bewohner zu halten versteht“ (Fritzsche et al. 2005, in Glatter & Siedhoff 2008)

... "Zunahme des Kernstadtteils an Bevölkerung und Beschäftigung, entweder, weil die Abnahme hier geringer ist als im Umland oder weil die Kernstadt erneut wächst“ (Gaebe 1987, in Glatter & Siedhoff 2008)

... “Reurbanisierung als Gegenteil der Suburbanisierung “ (Kaiser & Thebes 2006 in Glatter & Siedhoff 2008)

Die Zitate zeigen, dass eine Reurbanisierung von verschiedenen Standpunkten aus gesehen werden kann, was Rückschlüsse auf die Akteure des Prozesses zulässt. Zum einen ist es die Bevölkerung, die durch ihre Entscheidung zum Umzug in die Stadt und ihre Teilnahme am Stadtleben aktiv zur Reurbanisierung beiträgt (s. Kap. 4). Zum anderen sind es die Stadtverwaltungen, die gezielt Maßnahmen ergreifen können, indem sie für ihre Stadt werben, Wohnquartiere aufwerten oder öffentliche Plätze und Einrichtungen modernisieren und so die Lebensqualität in der Innenstadt erhöhen (s. Kap. 7). Die Voraussetzung dafür ist der politische Wille der in einer Stadt regierenden Partei. Auch auf Landes- und Bundesebene können politische Weichen für eine Reurbanisierung gestellt werden, z. B. indem Fördergelder bewilligt oder unterstützende Projekte initiiert werden. Weitere Akteure sind Unternehmen, die in die Innenstadt investieren, indem sie Immobilien aufwerten, Einkaufs- oder Freizeitmöglichkeiten schaffen und so den Fokus auf eine Innenstadtentwicklung legen. Auch Vereine oder Bürgerinitiativen können ihren Stadtteil aktiv gestalten und so ihre Lebensqualität verbessern. Ein Stadtteil mit einer angenehmen Wohnumfeldqualität kann dann neue Bewohner anziehen, die dieses Umfeld zu schätzen wissen. Nicht zuletzt sind auch die Medien Akteure der Reurbanisierung, indem sie den "Trend" ausrufen, verbreiten und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das Thema lenken.

3. Demographischer Wandel und Reurbanisierung

Die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland im Allgemeinen und in einzelnen Städten im Speziellen unterliegt den Trends des demographischen Wandels. Zusammengefasst nach Mäding (2008) lauten die Trends:

1. Bevölkerungsrückgang
2. Zuwanderung
3. Alterung
4. Heterogenisierung
5. Vereinzelung
6. Ost-West-Wanderung
7. Suburbanisierung

Alle Trends haben Auswirkung auf die Wanderungsbewegungen der Bevölkerung und so eine mögliche Reurbanisierung. Obwohl Mäding (2008) die Suburbanisierung als einen Haupttrend des demographischen Wandels nennt, bedeutet das nicht, dass eine Reurbanisierung nicht auch stattfinden kann. Brühl et al. (2005) bestätigen, dass gegenläufige Trends in der Stadtentwicklung gleichzeitig stattfinden können. Eine Suburbanisierung wird wohl noch weiterhin stattfinden, nach Hallenber (2002, in Brühl et al. 2005) ist der Höhepunkt des Trends aber überschritten. Einige untergeordnete Trends wie die Zunahme von Ein-Personen-Haushalten und die konstant niedrige Geburtenrate (Siedhoff 2009) sind Aspekte, die bei der Behandlung des Themas der Reurbanisierung zu berücksichtigen sind. Wie in Abb. 2 deutlich wird, findet in Deutschland eine Entleerung der ländlichen Räume statt, vor allem im Osten. Einige Städte im Ruhrgebiet, die Gegend rund um München und die Großstädte im Norden verzeichnen hingegen Einwohnerzuwächse. Während einige Städte, bei denen sich mehrere demographische Trends stark überlagern, massiv Einwohner verlieren, können andere Städte profitieren, sodass sich insgesamt kein einheitliches Bild von Bevölkerungswachstum und -schrumpfung ergibt.

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Abb. 2: Wachsende und schrumpfende Städte und Gemeinden in Deutschland (www.bbr.bund.de).

Ausgehend von den demographischen Trends stellt sich die Frage, wer die „Teilnehmer" einer Reurbanisierung sein können, d. h., welche Bevölkerungsgruppen entscheiden sich vermehrt für einen Umzug bzw. Rückumzug in die Stadt, vor allem die Innenstadt? Besonders „wanderfreudig" ist die Gruppe der 18- 30 jährigen, die sich auf der Suche nach einem Arbeits- und Ausbildungsplatz befinden und aus diesem Grund in die Stadt ziehen (Siedhoff 2009). In dieser Bevölkerungsgruppe sind auch die Fernwanderungen am weitesten verbreitet, allerdings ist diese Gruppe aufgrund der niedrigen Geburtenrate und der Alterung der Bevölkerung eine Schrumpfende (Siedhoff 2009). Besonders wichtig für eine Stadt ist die Gruppe der 35- 50- jährigen, die vermehrt Wohneigentum bilden und sich durch Familiengründung in einer Stadt „verwurzeln". Eine weitere potenzielle Gruppe von Rückwanderern sind Rentner. Nach Brühl et al. (2005) sind allgemein aber weniger das Alter oder die Haushaltsgröße, sondern vielmehr die Schichtzugehörigkeit bestimmend für einen Umzug in die Stadt. Die Renaissance der Innenstadt wird demnach momentan besonders von der „gehobenen Mittelschicht“ getragen, die sich neu entstandenen Wohnraum in zentralen Innenstadtlagen leisten können und wollen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3: Kleinräumige Bevölkerungsentwicklung in Kernstädten 1993-2004 (Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung 2006).

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Details

Seiten
22
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656329411
ISBN (Buch)
9783656329671
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v206029
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
2,0
Schlagworte
renaissance innenstadt akteure instrumente ziele Reurbanisierung Gentrifizierung Raumplanung

Autor

  • Anonym (Autor)

    1 Titel veröffentlicht

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