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Auswirkungen des Future-Handels mit Rohstoffen

Steigerung des Weltmarktpreises von Agrarprodukten und der Einfluss auf Niedrigeinkommensländer

Hausarbeit 2012 14 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Globalisierung, pol. Ökonomie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hintergrund - der Future-Handel
2.1. Gegenwart

3. Folgen des Handels mit Rohstoff-Futures
3.1. Preissteigerung von Rohstoffen - Fokus Agrarprodukte
3.1.1. Auswirkungen der Preissteigerung von Agrarprodukten auf Niedrigeinkommensländer
3.1.2. Beispiel Kenia

4. Lösungsansätze

5. Fazit

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Der Future-Handel mit Rohstoffen, also das Aushandeln von Preisen für zukünftige Lieferungen von Rohstoffen, unter anderem von Agrarprodukten, wird seit Mitte des 18. Jahrhunderts praktiziert. An den großen Warenterminbörsen gab es jedoch aufgrund mehrerer Faktoren seit Beginn des 21. Jahrtausends enorme Veränderungen.

Der Weltmarktpreis von Weizen hat sich seit dem Jahrtausendwechsel mehr als verdoppelt, von 106 Dollar pro Tonne auf rund 266 Dollar pro Tonne zwischen Januar 2000 und dem 23. Januar 2012. Der Preis von Mais hat sich im selben Zeitraum fast verdreifacht (Indexmundi 2012).

In dieser Arbeit soll geklärt werden, ob und inwiefern der Future-Handel mit Rohstoffen einen Einfluss auf die Weltmarktpreise hat und was sich daraus für Schlüsse ziehen lassen. Zudem soll der Frage nachgegangen werden, was für Auswirkungen der enorme Anstieg des Weltmarktpreises von Getreide auf Menschen weltweit und insbesondere in Niedrigeinkommensländern hat, in denen ein Großteil des Einkommens für Lebensmittel ausgegeben wird. Dies wird am Beispiel von Kenia untersucht.

Zugespitzt soll untersucht werden, ob das Handeln von privaten Akteuren auf Warenterminbörsen in den USA und anderen Industrieländern einen Einfluss auf den Preis von Nahrungsmitteln auf einem Markt in Kenia haben kann und damit eine Verschärfung von Hunger darstellt.

2. Hintergrund - der Future-Handel

Der Future-Handel mit Rohstoffen1 hat eine lange Tradition. Die Chicago Board of Trade (CBOT) wurde 1848 von Chicagoer Kaufleuten gegründet und ist damit die weltälteste Warenterminbörse. Zu Beginn wurde hier der Preis für in der Zukunft liegende Lieferungen von Agrarprodukten wie Weizen oder Heu, aber auch für andere Rohstoffe wie Silber und Eisen verhandelt.2 Das Ziel dieses Handels war, für Kaufleute eine gezielte Absicherung gegen preisliche Schwankungen der Agrarprodukte in der Zukunft zu schaffen (vgl. Stefanini 2006: 224). Die Hersteller der Produkte, Farmer, sowie deren Abnehmer, Kaufleute, konnten mithilfe dieser Futures, Getreide zu bestimmten zukünftigen Terminen kaufen und verkaufen. Der Preis sowie die Menge wurden durch Vertreter der beiden Handelspartner an der Warenterminbörse ausgehandelt, welche damit zum „Mittelsmann“ zwischen den beiden Vertragspartnern wurde. Als Sicherheit mussten beide Handelspartner an der Börse lediglich einen bestimmten Betrag, meist 8 bis 12 Prozent des Wertes der gehandelten Produkte, hinterlegen. Die restliche Summe musste erst bei Erfüllung des Geschäftes bezahlt werden. Die auf einer Bank der Börse hinterlegten Sicherheiten nennt man „Margins“ (vgl. Schumann 2011: 21).

Futures-Verträge dominieren heute weltweit den Handelsstandard und die Spekulation mit Rohstoffen. Am Anfang waren diese Geschäfte wenig spekulativ. Das Ziel war lediglich die Preisschwankungen des Getreidemarktes, zwischen dem Überfluss an Getreide nach der Ernte im Herbst und dem Mangel an Getreide im Frühjahr, zu vermindern. Im Prinzip hat dieser Future-Handel also beiden Seiten, den Herstellern und den Abnehmern der Agrarprodukte, gedient, da sich beide längerfristig auf fest ausgehandelte Preise einstellen konnten. Damit konnte auf der einen Seite die Menge der Herstellung und auf der anderen Seite der Kauf der Ware geplant werden (vgl. ebd.).

2.1. Gegenwart

Aufgrund mehrerer Aspekte war der Future-Handel allerdings schon immer anfällig für Spekulationen. Margins decken, wie bereits beschrieben, nur einen geringen Prozentsatz des Preises der gesamten Handelsmenge ab. Der Future-Handel unterliegt daher einer starken Hebelwirkung. Das heißt, dass mit relativ geringem finanziellem Einsatz verhältnismäßig große Mengen an Future-Kontrakten gekauft werden können. Dies bedeutet, dass schon eine geringe Veränderung der Future-Preise prozentual viel größere Auswirkungen auf Gewinne und Verluste der Handelsteilnehmer haben kann (vgl. Stefanini 2006: 224).

Ein weitaus größeres Problem im Handel mit Futures ist allerdings der im Laufe der Jahre immer größer gewordene Einfluss der Spekulanten auf diesem Markt. Anfangs war der Handel an den Warenterminbörsen für die Produzenten und Abnehmer der Ware bestimmt. Im Laufe der Zeit erkannten allerdings Finanzakteure, dass sich im Future-Handel Geld verdienen ließ. Somit kamen Akteure auf den Markt, die weder Hersteller noch Abnehmer von Agrarprodukten waren und auch kein Interesse an der physischen Ware hatten. Diese Akteure spekulierten auf Preisbewegungen an den Warenterminbörsen und nutzten mitunter die Käufe von Futures, um einen künstlichen Mangel an Rohstoffen zu erzeugen und dann auf die steigenden Preise zu wetten (vgl. Schumann 2011: 21).

Nach mehreren Jahrzehnten des freien Handels an der CBOT mit zahlreichen Spekulationsskandalen wurde 1936 unter Franklin D. Roosevelt eine Finanzmarktreform durchgesetzt, die auch dazu führte, dass die Rohstoffbörsen unter effektivere Aufsicht gestellt wurden. Die Konsequenz war die Einführung von Grenzen für die Höchstzahl an Future- Verträgen die ein Handelsteilnehmer besitzen durfte. Dieser Schritt beschränkte die Macht einzelner Akteure an den Warenterminbörsen und setzte der Spekulationsflut ein Ende (vgl. ebd.: 22). Diese sogenannten „Positionslimits“ erwiesen sich über einen Zeitraum von mehr als 60 Jahren als wirksame Mittel gegen Spekulationen am Rohstoffmarkt.

Durch die Deregulierung der Finanzmärkte Ende der 90er Jahre und zu Beginn des Jahrtausends wurden jedoch auch die Rohstoffbörsen immer weiter geöffnet. Im Jahr 2000 wurden die bisher geltenden Positionslimits für den Handel mit Agrarprodukten drastisch nach oben gesetzt. Dies führte dazu, dass ein einzelner Handelsteilnehmer an der CBOT Verträge über rund ein Prozent der weltweiten Erntemenge der jeweiligen Getreidesorte abschließen konnte (vgl. ebd.: 33).

Die Anlage in Rohstoffe wurde besonders zu Beginn des neuen Jahrtausends forciert, zu einer Zeit, in der die Börsen aufgrund des ausbleibenden Internetbooms starke Verluste zu verzeichnen hatten. Einige Großbanken brachten nun als Finanzanlage Rohstoff-Indizes auf den Markt, die verschiedenste Rohstoffe in einem Warenkorb vereinten und auf deren fallende oder steigende Future-Preise nun Geld gesetzt werden konnte (vgl. ebd.: 27). Immer mehr Großbanken zogen nun nach, brachten eigene Rohstoff-Indizes auf den Markt und priesen sie den Kunden als zusätzliche Wertanlage an. Die Rohstoff-Futures wurden somit innerhalb weniger Jahre ihrem eigentlichen Sinn, der Absicherung der Hersteller und Abnehmer von Agrarprodukten, beraubt und zu Geldanlagen umfunktioniert, ohne für diesen Zweck jedoch geschaffen zu sein. Neben dem öffentlichen Handel der Banken an der Rohstoffbörse entstand auch noch ein weitaus größerer „over the counter“ (OTC)- Rohstoffmarkt, der unkontrolliert und ohne jegliche Aufsicht jenseits der Börse agiert. Auf diesem OTC-Markt handeln Banken untereinander mit Rohstoff-Futures oder sie treffen Vereinbarungen mit ihren Kunden. Dieser OTC-Handel macht noch einmal ein Vielfaches des reinen Warentermingeschäftes an der Börse aus und schaffte eine zweite Handelsumgebung, die parallel und ohne Absicherung neben der offiziellen steht (vgl. ebd.: 35).

Auch „Hedgefonds“, Investmentfonds die oft große Mengen von Geld verwalten, sind in den vergangenen Jahren in erheblichem Maße in den Handel mit Rohstoff-Futures eingestiegen und tun dies meist ohne gesetzliche Aufsicht auf dem OTC-Markt. Die Hedgefonds investieren große Teile ihres Kapitals in börsengehandelte Rohstoffverträge und versuchen durch Wetten auf Preisentwicklungen Gewinne zu erzielen, wobei sie keinen gesetzlichen Bestimmungen in ihrem Handeln unterliegen (vgl. Götte 2007: 13ff).

3. Folgen des Handels mit Rohstoff-Futures

Die beschriebenen Handlungen, vor allem die Deregulierung der Rohstoffmärkte und der folgende Einstieg von Großbanken, führten zu einer enormen finanziellen Aufwertung des Rohstoff-Marktes. Im Jahr 2003 waren rund 13 Milliarden Dollar in Rohstoff-Werten angelegt. Die Summe vergrößerte sich bis zum Frühjahr 2011 auf 412 Milliarden Dollar (vgl. Barclays Capital 2010). Diese Zahl beschreibt allerdings nur den börsennotierten Handel und umfasst nicht den gesamten OTC-Handel. Es wird damit gerechnet, dass mittlerweile über 600 Milliarden Dollar im Rohstoffhandel investiert sind, was rund einem Zehntel der weltweit gehandelten Aktien entspricht (vgl. Schumann 2011: 36).

Der weltweite Umsatz im Rohstoffhandel betrug 2011 neun bis elf Milliarden Dollar. Dies war ein Sprung von rund 7 Milliarden Dollar zum vorangegangenen Jahr, jedoch nicht so viel wie im Boomjahr 2009, wo rund 14 Milliarden Dollar durch Anlagen in Rohstoffindizes verdient wurde (vgl. Meyer; Blas 2011).

Die großen Gewinner dieses Rohstoffhandels sind die Großbanken. Allein Goldman Sachs verdient jährlich rund 5 Milliarden Dollar durch das Geschäft mit Rohstoffindizes und die Deutsche Bank nennt den Rohstoffhandel als das „wichtigste Wachstumsfeld des Konzerns“ (Schumann 2011: 37). Auch die Börsen, an denen die Rohstoffe gehandelt werden, verdienen gut an diesem Geschäft, denn für jeden Kauf und Verkauf von Rohstoff-Futures sowie für die Abwicklung der Finanzgeschäfte muss der Handelsteilnehmer Gebühren an die Börse zahlen (vgl. ebd.).

[...]


1 Der Future-Handel wird in dieser Arbeit vereinfacht wiedergegeben, da der Schwerpunkt der Arbeit nicht auf den wirtschaftlichen Aspekten dieses Handels beruht, sondern auf den - politischen - Auswirkungen. Jedoch ist ein Grundverständnis des Future-Handel unabdingbar für das Verständnis dieser Arbeit.

2 Diese Arbeit wird sich hauptsächlich auf die Agrarprodukte unter den Rohstoffen beziehen.

Details

Seiten
14
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656328384
ISBN (Buch)
9783656329121
Dateigröße
591 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v205957
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,3
Schlagworte
Future-Handel Rohstoffe Rohstoff-Futures Agrarprodukte

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