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Kann das Konzept der zirkulären Migration als ein Entwicklungsinstrument angesehen werden?

Hausarbeit 2011 18 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Braindrain und Braincirculation
2.1 Push und Pull Faktoren
2.2 Auswirkungen
2.3 Braincirculation (Wissenszirkulation)

3. Zirkuläre Migration

4. Zirkuläre Migration und die EU

5. Zirkuläre Migration als Entwicklungsinstrument
5.1 Rückkehr und Rückkehrprogramme
5.2 Diaspora
5.3 Rücküberweisungen

6. Schlussbemerkung

7. Literatur

1. Einleitung

Im Zuge der Globalisierung kommt es zu immer größeren Migrationsströmen, die sich oftmals in Richtung der Europäischen Union bewegen. Diese Abwanderungsbewegungen aus zumeist weniger entwickelten Ländern führen zu großen Problemen in der Wirtschaft und Gesellschaft der betroffenen Staaten. Ein mögliches Konzept, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und die Herkunftsländern entwicklungspolitisch zu unterstützen, stellt die zirkuläre Migration dar.

Im Folgenden werde ich diesen Entwurf näher erläutern, in dem ich vorerst auf diverse Definitionen eingehe. Dies beinhaltet zunächst den Begriff des Braindrain und Braincirculation und soll die Ursachen und Folgen dieses Phänomens erklären. Auf diese Weise wird ersichtlich, mit welchen Problemen ein Staat zu tun hat, wenn er durch hohe Abwanderungen geprägt ist. Anschließend gehe ich auf einige, aus der Wissenschaft entnommenen Definitionen zur zirkulären Migration, ein. Diese setzte ich mit der EU in Verbindung, um die Vorstellungen und Ideen der Staatengemeinschaft erkennbar zu machen. Danach stelle ich verschiedene Möglichkeiten innerhalb dieser Konzeption vor und werde diverse Strategien aufzeigen, mit denen das Konzept der zirkulären Migration entwicklungspolitisch eingesetzt werden kann.

Abschließend erfolgt eine Schlussbemerkung dieser Ausarbeitung, in dem noch einmal auf die Vor- und Nachteile eingegangen wird und anhand dieser eine Bewertung der zirkulären Migration vollzogen werden kann.

2. Braindrain und Braincirculation

Unter Braindrain versteht man in der heutigen Diskussion die Abwanderung bzw. das Abwerben von qualifizierten und hochqualifizierten Arbeitnehmern aus Entwicklungsländern, die daraufhin in den Industrieländern angestellt werden. Allerdings umfasst dieser Begriff auch die Abwanderung von ausgebildeten Arbeitskräften zwischen Entwicklungsländern, zwischen Stadt-Land und auch vom öffentlichen in den privaten Arbeitssektor. In diesem Fall werde ich jedoch den Fokus auf die Wanderungsbewegungen zwischen den Staaten legen.

2.1 Push und Pull Faktoren

Als Ursache der Abwanderung von Arbeitskräften steht oftmals Armut an erster Stelle. Doch wird es aus der Literatur ersichtlich, dass ein gewisser Entwicklungsstand und genügend finanzielle Mittel nötig sind, um überhaupt in ein anderes Land oder eine andere Region abzuwandern. (vgl .Langthaler 2008: 5) Wenn diese zunächst elementaren Vorraussetzungen geschaffen sind, lassen sich verschiedene Push und Pull Faktoren für die Bevölkerung des betroffenen Abwanderungslandes aufzählen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 nach Langthaler 2008: 11

2.2 Auswirkungen

Die Auswirkungen der Abwander- bzw. Wanderungsbewegungen und dem damit verbundenen Braindrain lassen sich als vielfältig und durchaus nicht nur negativ darstellen. In der folgenden Tabelle soll kurz und übersichtlich aufgezeigt werden, welche Folgen Braindrain verursacht:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2 nach Langthaler 2008: 12f

Die Abwanderung aus den außerordentlich wichtigen Bereichen wie der Gesundheitsversorgung und Bildung wirkt sich besonders negativ auf die Entwicklung eines Landes aus. Durch diesen Prozess wird das Ungleichgewicht zwischen arm und reich und zwischen der Land- und Stadtbevölkerung noch verstärkt. Daraus resultiert eine Abwärtsspirale, da wichtige Institutionen oder Einrichtungen wie Krankenhäuser teilweise ihren Betrieb einstellen müssen, wenn zentrale Fachkräfte nicht mehr zur Verfügung stehen. Dies führt wiederum zu verschlechterten Arbeitsbedingungen, die dann eine weitere Auswanderung auslösen können. (vgl. Langthaler 2008: 16)

2.3 Braincirculation (Wissenszirkulation)

Braincirculation bedeutet nicht viel mehr, als dass qualifizierte Arbeiter mit einem gewissen Potential an Wissen zunächst ihr Heimatland verlassen und nach einer bestimmten Zeit wieder zurückkehren. Damit nun aus dem Konzept der Wissenszirkularität auch ein positiver Effekt entstehen kann und es zu einem Braingain, also einem Zuwachs an Wissen im Herkunftsland kommen kann, müssen die Regierungen verschiedene Initiativen entwickeln. Dazu muss das Ziel sein, qualifizierten Personen die Möglichkeit zu geben, sich für einen bestimmten Zeitraum im Ausland aufzuhalten, um dort neue Fähigkeiten zu erlangen. Ein weiterer wichtiger Faktor stellt in dem Zusammenhang die Diaspora dar, auch die ich aber im Nachhinein noch vertiefend eingehen werde. Außerdem müssen Strategien zur Zirkularität und Rückkehr entwickelt werden. Die EU ist dort bereits mit den Mobilitätspartnerschaften tätig geworden, die im Anschluss noch näher erläutert werden.

3. Zirkuläre Migration

Das Konzept der zirkulären Migration, das seit einigen Jahren im politischen Diskurs der Europäischen Union erwähnt wird, wurde keinesfalls aus einer neuen Idee entwickelt. Vielmehr findet sich dieser Entwurf des Migrationsmanagement bereits in den 1950 bis 1970 Jahren der Bundesrepublik Deutschland wider. In Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs wurden viele ausländische Arbeitskräfte temporär und mit der Absicht, sie nach dem Ende der Beschäftigung wieder abzuschieben, in Arbeitsverhältnisse aufgenommen. Teilweise wurde bereits ein Rotationsprinzip angewendet, das dem Arbeitnehmer die Möglichkeit bot, mehrmals in Deutschland Arbeit anzunehmen. Während und nach der Weltwirtschaftskrise und dem damit verbundenen Anwerbungsstopp kehrten jedoch nur wenige Immigranten in ihre Herkunftsländer zurück. Aus heutiger Sicht lässt sich nun erkennen, dass dieses Konzept des Gastarbeiters als gescheitert angesehen werden kann. (Vgl. Ulrich 2001: 241, 227f)

Die Konzeption, die nun die EU entworfen hat, gleicht in Bereichen des Rotationsprinzips oder auch des zeitlich befristeten Aufenthalts dem Gastarbeitermodell, weist allerdings auch entscheidende Unterschiede auf, die es für die heutige Zeit brauchbarer erscheinen lassen. So spielen in den Gedanken der EU Elemente wie die Rückkehr der Migranten oder auch die Verknüpfung zur Entwicklungspolitik eine wichtige Rolle. Anhand einiger Beispiele wird jedoch schnell ersichtlich, dass es noch keine einheitliche Definition der zirkulären Migration gibt und es dort immer noch zu Unklarheiten kommen kann. Im Folgenden möchte ich deshalb einige wichtige Erklärungen anführen.

Die Europäische Union beschreibt die zirkuläre Migration als „eine Form der Migration, die so gesteuert wird, dass sie einen gewissen Grad an legaler Mobilität (Hin und Zurück) zwischen zwei Ländern zulässt.“ (Europäische Kommission 2007: 9) Dabei geht die EU von einer Migration in zwei Richtungen aus. Die erste Gruppe umfasst die „zirkuläre Migration von in der EU ansässigen Drittstaatsangehörigen“ (Europäische Kommission 2007: 9f), d.h. Personen, die ihren Wohnsitz dauerhaft in der EU haben und behalten wollen und in ihrem Herkunftsland eine Tätigkeit ausüben möchten. Die zweite Gruppe, die für die Öffentlichkeit aber auch für die Politik von höherer Wichtigkeit ist, befasst sich mit der „zirkulären Migration von in einem Drittstaat aufhältigen Personen“ (Europäische Kommission 2007: 10). Hierunter fasst die EU die Möglichkeit für einen bestimmten Personenkreis zusammen, „für einen bestimmten Zeitraum zu Arbeits-, Studien-, Ausbildungszwecken“ (Europäische Kommission 2007: 10) in die EU einzureisen und aus dieser nach Ablauf der gewährten Tätigkeiten wieder in ihr Herkunftsland zurückzukehren. Für zurückgekehrte Migranten soll es die privilegierte Möglichkeit geben, ein Verfahren für die Mehrfacheinreise zu erhalten. Als Aufenthaltsdauer geht die EU von drei bis fünf Jahren aus.

Weitere Definitionen, die sich mit der zirkulären Migration befassen, stören sich an dem Umstand, dass die EU keine Mobilität und Zirkularität im Sinne von unbegrenzter Ein- und Ausreise im Bewilligungszeitraum vorsieht. So sieht eine, aus meiner Sicht gut verfasste Erklärung vor, dass der Aufenthalt der Migranten in dem Empfängerland prinzipiell legal sein muss, um eine zeitweilige Arbeitnehmernachfrage zu bedienen. Zudem sollte die Möglichkeit geschaffen werden, dass die Migranten die Möglichkeit einer Mehrfacheinreise und freien Zirkulation zwischen ihrem Herkunfts- und dem Empfängerland während ihres gesamten Aufenthaltes erhalten sollten. (Vgl. Fargues 2008: 6f) Auf diese Weise könnte die Attraktivität dieses Konzeptes gesteigert werden, da die Migranten nicht in der EU „gefangen“ wären.

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Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656330974
ISBN (Buch)
9783656331254
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v205868
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,3
Schlagworte
kann konzept migration entwicklungsinstrument

Autor

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