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Die paulinische Kreuzestheologie im 1 Kor 1, 18-25

Seminararbeit 2007 19 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Kreuz und die Symbolik des Kreuzestodes Jesu

3. Luthers theologia crucis

4. Der erste Korintherbrief
4.1 Veranlassung und Eigenart
4.2 Inhalt und Aufbau

5. 1 Kor 1,18-25 „Das Wort vom Kreuz“
5.1 Syntaktische Analyse
5.2 Pragmatische Analyse
5.3 Semantische Analyse

6. Kreuzestheologie bei Paulus

7. Abschließende Betrachtung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Begriff Kreuzestheologie ist in der evangelischen Kirche und in der Theologie von grundlegender Bedeutung. Das Christentum ist von Anfang an fest an das Kreuzessymbol gebunden. Kurz nach der Kreuzigung von Jesus von Nazareth entstand in der griechisch- römischen Welt eine neue religiöse Bewegung: das Christentum. Dem christlichen Glauben nach, der auf dem Glauben an einen Gott und an Jesus Christus als Erlöser der Menschheit beruht, wurde Gott in Menschengestalt als Jesus wiedergeboren. Er starb schließlich am Kreuz und stand von den Toten auf. Das Kreuz unterscheidet die christliche Religion von anderen Religionen und bezeichnet sie deshalb als „Religion des Kreuzes“.

Doch welche Bedeutung hat das Kreuz als Bezugspunkt des christlichen Glaubens? Wie kommt es dazu, dass aus einem Symbol des Leidens ein Symbol der Freude werden kann? Diese Arbeit soll einen Überblick über die Bedeutung des Kreuzes geben, die sowohl als Grundlage für das Verständnis, für die Auslegung als auch für die Weitergabe der biblischen Botschaft unabdingbar ist.

Das Kreuz positioniert sich auch innerhalb des Christentums unterschiedlich, was zu verschiedenen Auslegungen und Theologien führt. Aus diesem Grund wird einleitend ein Einblick in die Symbolik des Kreuztodes Jesu gegeben (Punk 2), um dann speziell auf Luthers theologia crucis einzugehen (Punkt 3). Anschließend wird die Kreuzestheologie des Paulus im ersten Korintherbrief besprochen. Es erfolgt zunächst ein Überblick über den ersten Korintherbrief (Punkt 4), dann eine exegetische Untersuchung des „Wortes vom Kreuz“ im 1 Kor 1,18-25 (Punkt 5). Zusammenfassend erfolgt in Punkt 6 eine Darstellung der paulinischen Kreuzestheologie. In der abschließenden Betrachtung werden die zentralen Aussagen der Arbeit zusammengefasst (Punkt 7).

2. Das Kreuz und die Symbolik des Kreuzestodes Jesu

Das Kreuz zählt zu dem zentralen Symbol der christlichen Kirchen: es zieht die Blicke der Beter auf sich, der Pastor predigt das Wort vom Kreuz, Menschen zeichnen das Kreuz vor dem Körper und sie werden durch das Handzeichen des Kreuzes gesegnet.

Das Kreuz steht in der gesamten christlichen Theologie für den Tod Jesu und die Bedeutung, die dieser Tod für die Menschen hat. Christus hat durch seinen Tod am Kreuz die Sünden der Menschen stellvertretend auf sich genommen und dadurch den Menschen mit Gott versöhnt. Er hat die ursprüngliche Ordnung, die vor der Ursünde bestand, wiederhergestellt. Gott neigt sich gnädig dem Menschen zu und spendet ihm Heil und Segen. (vgl. Baudler, 1997, S. 216)

Die Kreuzestheologie hat es jedoch schwer gehabt, sich in der christlichen Theologie zu behaupten und hat zu verschiedenen Auslegungen geführt. Die koptisch- gnostischen Texte haben bestritten, dass sich das Leiden des Kreuztodes auf den Erlöser selbst erstreckt. Die Realität von Jesu Leiden und seinem Tod wurde hingegen nicht in Frage gestellt.

Mit der Zeit wurde das Kreuz zum Triumphzeichen und großen Mysterium. Nach der konstantinischen Wende schaffte man die Kreuzigung als Todesstrafe ab. Das Kreuz wurde symbolisch aufgewertet, man fand es in der Liturgie und Kunst oder als Zeichen auf Münzen. Es wurde zunehmend zum Gegenstand religiöser Verehrung und zum Symbol staatlicher Macht. Auch im Mittelalter hat das Kreuz eine große Rolle gespielt. „Bei der zunehmend in den Vordergrund tretenden Betrachtung des Leidenden anstelle des Triumphierenden wird das ,respektvolle´, distanzierte Verhältnis zum Gekreuzigten zunehmend durch Bemühungen um Annäherung, Mitleiden, ja Nacherleiden der Passion ersetzt´, und auch in den bildlichen Darstellungen wird das ,alte Bild des siegreichen, von Schmerz und Tod unberührten Gekreuzigten´ endgültig verdrängt und ,durch den gotischen Kruzifixus ersetzt´“ (Schrage zitiert Köpf, 1991, S. 194). Das Kreuz ist in dieser Zeit vor allem in der Askese vergegenwärtigt worden. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang Berhard v. Clairvaux, Franz von Assisi und Tauler. Diese mittelalterlichen Kreuzesfrömmigkeiten sind jedoch nicht ohne Widerspruch geblieben.

Im Pietismus stieß die theologische Bedeutung des Kreuzes erneut auf Kritik.

Zinzendorf sah in der Kreuzestheologie die „schonungslose Bloßstellung des Atheismus in allen seinen Formen von christlicher Theologie bis zum persönlichen Frömmigkeitsleben“ (Schrage zitiert Eberhard, 1991, S. 197). Auch Hegel, Hamann und Kierkegaard haben jeweils eine spezifische Form der Kreuzestheologie entwickelt. In der Moderne ist Bonhoeffer zu erwähnen, der die paulinische Kreuzestheologie nachdrücklich in die Mitte gerückt hat

„Der Kreuztod Jesu hat seinen Sinn und seine symbolische Ausdruckskraft in sich selber; er wirkt und spricht aus sich selbst und darf nicht [...] zum Mittel unserer Versöhnung und Rechtfertigung instrumentalisiert und funktionalisiert werden“ (Baudler, 1997, S. 221).

3. Luthers theologia crucis

Nach Paulus zählt Luther zu den Theologen, die das Thema des Kreuzes ins Zentrum des eigenen Denkens gesetzt haben.

Luther verstand seine Theologie selbst als „theologia crucis“. Der Gedanke des Kreuzes kennzeichnet zwar seine gesamte Theologie, aber schwerpunktmäßig wird das Thema in den Jahren 1517-1519 aufgegriffen. So zählt die Heidelberger Disputation zu einem der wichtigsten Texte, um die Entstehung der theologia crucis zu erfassen.

Am 26. April 1518 fand unter Luthers Vorsitz anlässlich des Ordenskapitels der deutschen Augustiner in Heidelberg eine Disputation statt. Luther stellte 40 Thesen, davon 28 theologische und 12 philosophische, zur Disputation dar. Der Magister Leonhard Beyer hatte diese zu verteidigen. In den Thesen 19-24 „kommt das eigentlich Paradoxe am klarsten zur Sprache, diese völlige Umkehr der Theologie von der Herrlichkeit zum Kreuz“ (Bühler, 1981, S. 104). Für Luther ist das Kreuz kein Symbol für den Leidensweg zur Gottesgemeinschaft, sondern die sichtbare Offenbarung des Seins Gottes für den Menschen in der Wirklichkeit seiner Welt. (vgl. Moltmann, 1972, S. 193) Die Erkenntnis Gottes im Leiden und Sterben Christi ist keine aufsteigende, erhöhende Erkenntnis, sondern eine herabsteigende, überführende. Indem Gott sich im Gekreuzigten offenbart. „widerspricht er dem sich selbst erhöhenden Gottmenschen, zerstört seine Hybris, tötet seine Götter und bringpricht er dem sich selbst erhöhenden Gottmenschen, zerstört seine Hybris, tötet seine Götter und bringt ihm die verachtete und verlassene Menschlichkeit zurück“ (Moltmann, 1972, S. 197).

Luthers Theologie ist auf das Wort vom Kreuz ausgerichtet, das seine Entsprechung im Menschen nur im Glauben und nicht durch sichtbare Werke findet. Gott wird nicht durch seine Werke in der Wirklichkeit erkannt, sondern durch sein Leiden in der Passivität des Glaubens. „Gott im Kreuz Christi erkennen, das ist eine kreuzigende Erkenntnis, weil sie einem alles zerschlägt, woran man sich halten und erbauen kann, die Werke sowohl wie die Erkenntnis der Wirklichkeit und einen gerade dadurch befreit“ (ebd.).

Luthers Kreuzestheologie sagt also aus, dass allein Christus und der Gekreuzigte die wahre Theologie und Gotteserkenntnis des Menschen ist. Für ihn stellt das Leiden und das Kreuz Christi das sichtbare Wesen Gottes dar. Erkennt man in Gott die Niedrigkeit, Schwachheit und das Sterben Christi, erkennt man ihn in der von ihm selbst verlassenen, verworfenen und verachteten Menschlichkeit. „Und das macht seine erträumte Gottähnlichkeit zunichte, die ihn zum Unmenschen werden ließ, und bringt ihm seine Menschlichkeit zurück, die der wahre Gott sich zu eigen machte“ (ebd., S. 198).

Für Luther ist die Kreuzestheologie das Kennzeichen der Kirche und der Dreh- und Angelpunkt der Theologie. Er betont das Kreuz und hält ebenso wie Paulus an der Verborgenheit Gottes fest. Dieses Kreuzesverständnis soll anhand der zentralen biblischen Aussage des ersten Korintherbriefes 1, 18- 25 erläutert werden.

4. Der erste Korintherbrief

Der neutestamentliche Kanon besteht aus insgesamt 27 Schriften. Der erste Korintherbrief zählt zum „Corpus Paulinum“, dem insgesamt 13 Briefe des NT angehören. Er gehört zu den echten Paulusbriefen, das heißt, dass er von Paulus selbst etwa 54/ 55 n. Chr. verfasst worden ist. Der Ort der Abfassung ist Ephesus (16,8). (vgl. Lang, 1994, S. 4) Im Gegensatz zu anderen paulinischen Briefen ist der 1. Kor ungewöhnlich lang. Es werden sehr viele einzelne Themen erörtert.

Die Paulusbriefe sind die ältesten literarischen Zeugnisse des Kreuzestodes Jesu. In seiner Christologie geht Paulus so gut wie gar nicht auf den historischen Jesus ein, sondern bleibt ausschließlich in der symbolischen Ordnung. Der erste Brief an die Korinther zeigt, wie Paulus die Botschaft vom Gekreuzigten für den Aufbau der Gemeinde fruchtbar macht. Paulus war kein Jünger Jesu und hat die Kreuzigung nicht miterlebt. So ist er also nicht durch die Bewältigung und Aufarbeitung dieses Ereignisses zum Glauben an Jesus als den auferstandenen Gottessohn gekommen, sondern durch sein Damaskus- Erlebnis. Seine Existenz wurde dadurch grundlegend gewandelt und er wurde lebenslang geprägt, sich mit dem Gekreuzigten zu identifizieren. (vgl. Baudler, 1997, S. 196) Paulus begegnete nicht dem irdischen Jesus, sondern dem auferstandenen Christus.

4.1 Veranlassung und Eigenart

Paulus hat in der Hafenstadt Korinth während seiner zweiten Missionsreise eine Christengemeinde gegründet und den Glauben verkündet. Er wirkte dort von ca. 50-52 n. Chr. Im ersten Korintherbrief wird ein Wanderlehrer (Apollos) erwähnt, der in einen gewissen Gegensatz zu dem trat, was Paulus als Glaubensüberzeugung grundgelegt hatte. Der Judenchrist Apollos wirkte nach Paulus eine Zeitlang in Korinth. So hat sich in der Gemeinde ein schwärmerisches Christentum entwickelt, das sich vom heiligen Geist erfüllt fühlte und die Menschen dazu verleitete, sich schon für vollendet zu halten. Angesichts der auf diese Weise drohenden Spaltung seiner Christengemeinde in Korinth, sah Paulus sich zu einer breit angelegten Reaktion herausgefordert. Der Brief sollte den persönlichen Besuch vorläufig ersetzen. (vgl. Lang, 1994, S. 4)

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Details

Seiten
19
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656326489
ISBN (Buch)
9783656327905
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v205654
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück
Note
2,0
Schlagworte
Neues Testament Kreuzestheologie Paulus Korintherbrief

Autor

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