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Persönliche Absichten oder im Dienste des Volks? Eine Chronologie und Analyse der Agrarreform von Tiberius Gracchus

Hausarbeit 2012 13 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtlicher Kontext – Die Veränderungen im römischen Reich

3. Die frühe Karriere von Tiberius Gracchus
3.1 Erste militärische Erfolge
3.2 Der Mancinus-Vertrag
3.3 Tiberius‘ Wahl zum Volkstribun

4. Das neue Ackergesetz – „lex agraria“
4.1 Inhalt und Hintergrund des Ackergesetzes
4.2 Zuspitzung und Eskalation des Konflikts

5. Persönliche Motive oder im Interesse der Unterschicht?
5.1 Rationale Motive – Verarmung der Kleinbauern
5.2 Persönliche Motive?
5.2.1 Kein revolutionäres Gesetz
5.2.2 Die Ballung von politischer Macht bei Tiberius
5.2.3 Die Schmach um den Mancinus-Vertrag

6. Schlussbetrachtung

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Tiberius Gracchus stammte aus einer wohlhabenden und einflussreichen Familie im damaligen römischen Reich. Obwohl es den sogenannten Geburtsadel nicht gab, so konnte es trotzdem nicht von der Hand gewiesen werden, dass Tiberius auf Grund seines Hintergrunds und Herkunft durchaus sehr gute Voraussetzungen hatte, eine herausragende (politische) Stellung einzunehmen.[1] Nach seiner Wahl zum Volkstribun im Jahr 133 v. Chr. ergriff Tiberius Gracchus die Initiative und brachte die sogenannte Agrarreform (auch als „Ackergesetz“ bekannt) in das römische Senat ein. Diese lex sempronia agraria, die die Verteilung von Land zugunsten von armen Bauern regeln sollte, leitete eine turbulente Zeit mit Konflikten und Problemen im römischen Reich ein und spielte in seinem Untergang „eine zentrale Rolle“[2].

Diese Abhandlung befasst sich hauptsächlich mit Tiberius Gracchus und seiner Agrarreform. Zwar setzte sein Bruder, Gaius Gracchus, die Durchführung des Gesetzesentwurfs nach dem Ableben Tiberius fort, jedoch erlaubt es der begrenzte Rahmen dieser Arbeit lediglich, Ersteres zu behandeln.

Die eigentliche Leitfrage lautet, warum ein Mann der wohlhabenden und mächtigen römischen Oberschicht und Adels sich zu einer Reform hingezogen hat, die die Grundpfeiler des Systems erschüttern sollten? Welche Gründe gaben es, das sich Tiberius als eine Art „Bauernpolitiker“ engagiert hat und somit landlosen Menschen eine Grundlage geschaffen hat? Schließlich schaffte sich Tiberius mächtige Gegner mit seinem Vorhaben. Verfolgte er wirklich ehrbare und rationale Ziele im Sinne vom „kleinen Mann“ oder gab es tiefere und persönliche Intentionen hinter dieser Gesetzesinitiative?

Zu Beginn dieser Arbeit wird das Leben von Tiberius Gracchus beleuchtet und ein wenig der geschichtliche Kontext klar gemacht. Danach folgt die Fokussierung auf die eigentliche Agrarreform, was ihr Inhalt war und welche Folgen dieses Gesetz mit sich brachte. Schließlich werden die verschiedenen Positionen zu der Ausgangsfragestellung beleuchtet, ob die Reform im Dienste der armen Bevölkerungsschicht geschah oder persönliche Motive den Antrieb für Tiberius darstellten.

2. Geschichtliche Kontext – Die Veränderungen im römischen Reich

Um die Wichtigkeit und Bedeutung der Reform von Gracchus zu verstehen, ist es wichtig, den geschichtlichen Begriff darzustellen und zusammenfassend zu erwähnen, unter welchen Umwälzungen und Veränderungen sich das römische Reich zu dieser Zeit befand. Denn die Agrarreform bzw. das Ackergesetz war ebenfalls ein Baustein, welches den Charakter des römischen Systems tief treffen sollte. Das römische Reich befand sich in einem Wandel. In der Forschung werden die Begriffe der „Revolution“ und der der „Krise“ dieser Zeit zugesprochen.

Unter „Revolution“ („Umwälzung“) versteht man tiefergreifende Veränderungen oder Wendepunkte im System. Diesen Merkmalen war das römische Reich in seinen letzten Jahrzehnten unterworfen. Hierbei seien die Verwandlung der Politik von einer Republik in eine Monarchie oder die Bewegung unterprivilegierter sozialen Schichten nach einem besseren Platz in der Gesellschaft genannt.

Die Begrifflichkeit der „Krise“ passt ebenfalls zur Kennzeichnung der Probleme des römischen Reichs. Das gravierendste Defizit stellte die Ausübung der Kontrolle über das Weltreich und die Frage, welche Alternative man hatte, neben dem historischen Prozess, die aufsteigenden Probleme in der Gesellschaft zu lösen.[3]

Eines der gewichtigen Gründe, die diese Krise hervorriefen, war laut Huttner das „Dekadenzmodell“. Hierzu sagt er, dass „sich die Dekadenz der römischen Gesellschaft als unumkehrbarer und aus sich heraus notwendiger Prozess dar: Ein Staat, der so mächtig wie der römische geworden ist, kann diese Macht nicht verkraften, Macht (und alle Bequemlichkeiten, die dazu gehören) verderben den Charakter des Machthabers.“[4] Ferner sagt er, dass „seit der Zerstörung des Erzfeindes Karthago im Jahr 146 fehle es an Gegnern, um die Römer auf Trab zu halten“.[5]

Zusammenfassend kann man also sagen, dass neben innergesellschaftlichen Unruhen und Veränderungen auch politisch das System wohl nicht mehr gemäß seiner Größe zu halten war. Auch hier sei nochmals kurz erwähnt, dass der Fokus der Arbeit auf die Agrarreform Gracchus‘ und der damit verbundenen innerpolitischen Probleme liegt. Es war jedoch wichtig, den Reformversuch von Tiberius kurz in einen geschichtlichen Zusammenhang zu bringen, um diesen noch besser analysieren zu können.

3. Die frühe Karriere von Tiberius Gracchus

Wie schon in der Einleitung kurz erwähnt, waren die Abstammung und familiären Beziehungen der Gracchen so ausgezeichnet, dass sie Tiberius eine sehr gute Voraussetzung gaben, politisch hoch aufzusteigen. Das war auch tatsächlich der Fall.

3.1 Erste militärische Erfolge

T. Sempronius Gracchus wurde 162 v. Chr. als Sohn des römischen Censors Tiberius

Gracchus und der Tochter des Scipio Africanus, Cornelia, geboren. Früh hatte Tiberius militärischen Erfolg vorzuweisen. Obwohl er aus einer Familie der römischen Aristokratie kam, so musste er sich trotzdem beweisen, um eine gewisse Akzeptanz seitens der römischen Bevölkerung zu bekommen. Dieses geschah auf dem militärischen Weg. Wie schon sein Vater, konnte Tiberius schon früh militärische Gewinne feiern und stieg in der Gesellschaft auf – und das schon im Alter von 15 Jahren. Der Sieg über Karthago war der Anlass, Tiberius in das wichtige Priesterkollegium der Auguren aufzunehmen (die Auguren waren Spezialisten in Deutungen von göttlichen Vorzeichen und somit auch Empfänger für Offenbarungen, die den Römern gegolten haben).[6]

3.2 Der Mancinus-Vertrag

Daraufhin wurde Tiberius in die Quaestur berufen, was den Anfang in die römische Beamtenlaufbahn darstellte. Der Werdegang Tiberius‘ verlief bis zu diesem Zeitpunkt einwandfrei und ohne Komplikationen. Dieses sollte sich jedoch mit dem Spanien-Feldzug unter dem Konsul Mancinus drastisch ändern. Die römischen Truppen wurden von ihren keltiberischen Gegnern soweit in eine schwierige Lage gebracht, dass nur noch die Auswahl zwischen eigener Niederlage (und damit verbunden Vernichtung) oder einer Kapitulation übrig geblieben ist. Mancinus hatte keine Wahl und entsendete eine Delegation, die einen Friedensvertrag mit den Numantinern in Spanien aushandeln sollte. Der Knackpunkt war allerdings, dass der Gegner mit Tiberius Gracchus die Verhandlungen führen wollte. Hintergrund dieser Aktion war es, dass der Vater von Tiberius schon einmal einen sehr fairen Vertrag mit den Numantinern ausgehandelt hatte. Somit war eine Wertschätzung für seinen Sohn vorhanden. Auch hier hat Sohnemann Gracchus dem Gegner viele Zugeständnisse gemacht, aber damit auch vielen römischen Soldaten das Leben gerettet.[7]

[...]


[1] Vgl. Linke, Bernhard: Die römische Republik von den Gracchen bis Sulla, Chemnitz 2005, S. 18.

[2] Huttner, Ulrich: Römische Antike, Tübingen 2008, S. 107.

[3] Vgl. Huttner: Römische Antike, S. 106.

[4] Huttner: Römische Antike, S. 107.

[5] Huttner: Römische Antike, S. 107.

[6] Vgl. Linke: Die römische Republik von den Gracchen bis Sulla, S.20.

[7] Vgl. Baker, Simon: Rom – Aufstieg und Untergang einer Weltmacht, London 2006, S. 81-85.

Details

Seiten
13
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656330202
ISBN (Buch)
9783656331537
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v205617
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
Schlagworte
Agrarreform Tiberius Gracchus

Autor

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