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Colin Crouch´s Modell der Postdemokratie: Welche Thesen vertritt der Autor und welche Reaktion gibt es auf diese?

Hausarbeit 2012 16 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau
1.3 Forschungsstand

2. Grundlegende Thesen Crouch's zum Modell der „Postdemokratie
2.1 Bandi: „Postdemokratie“
2.2 Band II: „Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus“

3. Rezeption und Diskussion um Colin Crouch's Thesen

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturliste

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Sinkende Wahlbeteiligung, schwächelnde Volksparteien und ein allgemeines Gefühl der immer größer werdenden Distanz von Politik und Bevölkerung. All dies sind allgegenwärtige Probleme Deutschlands und anderer westlicher Demokratien. Verstärkt durch die Finanzkrise der letzten Jahre und dem damit verbundenen schwachen Wirtschaftswachstum bekommt die Frage in welche Richtung sich unsere eigentlich doch so gefestigte Demokratie entwickelt eine immer größere Bedeutung. Fraglich ist auch, welche Bedeutung aktuelle Demokratiedefizite wirklich haben. Zu dieser Frage gibt es viele verschiedene Modelle und Diskussionsstandpunkte. Eines der am meisten diskutierten Modelle ist das Modell der „Postdemokratie“, welches im gleichnamigen Buch 2004 das erste Mal von Colin Crouch dargestellt wird.

Doch welche Thesen entwickelt Colin Crouch zum Zustand der Demokratie? Und wie ist die Rezeption politikwissenschaftlicher Forscher auf Crouch's Modell? Gab es eventuelle Reaktionen Colin Crouch's zu den Kritiken auf sein Werk? Diese Fragen werden in der Hausarbeit geklärt. Das Ziel der Hausarbeit ist es deshalb, dem Leser ein grundlegendes Verständnis über Colin Crouch's Werk zu vermitteln und verständlich zu machen, wie Politikwissenschaftler Crouch's Thesen einschätzen.

1.2 Aufbau

Um die Zielstellung der Hausarbeit zu erfüllen, beginne ich die Arbeit damit, im ersten Kapitel grundlegende Gedankengänge des Werks „Postdemokratie“[1] darzustellen. Darauf folgt eine kurze inhaltliche Erläuterung des Folgebuchs „Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus“[2]. Hierbei wird verglichen inwieweit es sich von Crouch's erstem Werk unterscheidet und ob Crouch auf neue Themen eingeht. Abschließend folgt das dritte Kapitel, in dem ich einen Überblick über die Reaktion zu Colin Crouch's Werk gebe und mich mit der politikwissenschaftlichen Diskussion um Crouch's Thesen beschäftige. Auch werde ich in diesem Kapitel spätere Kommentare und Berichtigungen Colin Crouch's erläutern.

Als Literaturquelle für meine Hausarbeit dient zum einen natürlich die Primärliteratur Crouch's, das Buch „Postdemokratie“[3] sowie der zweite Band „Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus“[4]. Zum anderen verwende ich zur Analyse der politikwissenschaftlichen Diskussion um Crouch Essays von Politikwissenschaftlern oder der Politikwissenschaft nahestehender Autoren und zum anderen Artikel aus Zeitungen und Zeitschriften. Zur Analyse Colin Crouch's späterer Kommentare zu seinem Werk verwende ich ein Interview, welches in einer Zeitung veröffentlicht wurde.

1.3 Forschungsstand

Zur Diskussion um Crouch's „Postdemokratisches“ Modell gibt es eine große Zahl von wissenschaftlichen Beiträgen und Kommentaren. Zu nennen sind hierbei besonders Essays von Paul Nolte[5], Chantal Mouffe[6], Dirk Jörke[7], Sabine Schiffer[8], Axel Hönneth[9] und Petra Böhnke[10]. Diese Essays widmen sich vornehmlich der Diskussion um die von Crouch aufgegriffenen Demokratiedefizite und allgemeinen Probleme der Demokratie. Zum anderen erregte Crouch's Werk auch das Interesse einer breiteren Öffentlichkeit. Zum Buch „Postdemokratie“ erschienen zahlreiche Rezensionen und Kommentare in Zeitungen. Zu nennen ist hierbei der von einem ehemaligen Lektor für Geistes- und Humanwissenschaften, Eberhard Rathgeb, geschriebene Artikel „Colin Crouch: Postdemokratie. Und sie bewegt sich noch“.[11] Einen vergleichbaren Artikel mit dem Titel: „Wie der Markt die Politik vergiftet“ erschien vom Politikwissenschaftler Claus Offe.[12] Zusammengefasst ist also zu sagen, dass der Forschungsstand zu Crouchs Werk gut ausgeprägt ist, sowie eine gewissen Vielfalt besitzt.

2. Grundlegende Thesen Crouchs zum Modell der „Postdemokratie“

2.1 Bandi: „Postdemokratie“

Colin Crouch eröffnet sein im Jahre 2008 erschienenes Buch mit der Erklärung des Begriffs „Postdemokratie“. Der Begriff Postdemokratie bezeichnet demnach ein Modell, nachdem das Gemeinwesen beherrscht ist von großer Apathie der Bürger auf der einen, sowie formaler Intaktheit der demokratischen Institutionen auf der anderen Seite. Nach Colin Crouch sind im Zeitalter der Postdemokratie öffentliche Debatten von PR-Experten kontrolliert, was zur Folge hat, dass reale Politik nur noch hinter verschlossener Tür stattfindet.[13] Welche Symptome weist nun eine postdemokratische Gesellschaft auf? Dabei ist zunächst entscheidend das die Idee der Herrschaft des Volkes aufgegeben wurde. Wichtig ist auch, das die Bevölkerung stark an Respekt für Politiker verloren hat. Begründet wird dies durch den starken Wettkampf um Wählerstimmen. Dieser zwingt die Politiker dazu, manipulative Techniken zu nutzen.[14] Dies zeigt sich auch in immer oberflächlicher werdenden Parteiprogrammen, die oft mehr als Marketing und Werbung angesehen werden müssen als um echte politische Aussagen. Parallel dazu entwickeln sich auch Wahlkämpfe. Auffallend ist bei diesen eine immer größer werdende Personalisierung. Postdemokratischen Parteiprogrammen und Wahlkämpfen fehlt es also an echten politischen Debatten. Dies führt zu einem Verfall der politischen Kommunikation, da die Diskussion um politische Inhalte vernachlässigt wird.[15] Der Abbau des Wohlfahrtsstaats, damit verbunden das steigende Wohlstandsgefalle und die Marginalisierung von Gewerkschaften sind weitere Symptome der Postdemokratie. Colin Crouch sieht die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg als die beste Zeit der deutschen Demokratie. Grund dafür ist der große Enthusiasmus und das real vorhandene Demokratieinteresse der Bevölkerung, folglich war zur damaligen Zeit die Politikbeteiligung, welche Crouch als zentrale Voraussetzung für eine funktionierende Demokratie sieht, hoch. Laut Crouch endete diese Blütezeit der Demokratie mit der Deregulierung der Finanzmärkte am Ende der 1980er Jahre.[16]

Wichtig für das Zeitalter der Postdemokratie sind laut Colin Crouch neben der eigentlichen Politik auch globale Unternehmen. Diese werden laut Crouch in ihrer Bedeutung als soziale Institution unterschätzt, da sie während der Jahre des wachsenden Wohlstands Wohlstandsgeneratoren darstellten.[17] Allerdings haben sie auf Grund des größer werdenden Wettbewerbs und daraus folgender Probleme ihren politischen Einfluss durch Lobbyarbeit zu stark ausgedehnt. Durch die Globalisierung haben nunmehr global agierende Unternehmen zudem die Möglichkeit entsprechende Standortfaktoren einzufordern. Wenn Politiker sich den Großunternehmen nicht beugen, wechseln diese einfach das Land. Daraus resultiert ein Wettbewerb um das Ziel, den Unternehmen bestmögliche Bedingungen zu verschaffen. Im Mittelpunkt stehen nunmehr nicht mehr ganze Industrieverbände, sondern einzelne Unternehmen.[18] Ein weiteres Problem der Postdemokratie ist, das Regierungen oft nur noch wenig Selbstvertrauen haben. So suchen Regierungen zur Beratung ihrer eigenen Politik die Dienste von Unternehmen und ermuntern diese, ihre Kenntnisse gewinnbringend zu nutzen.[19] Einen ganz besonders negativen Einfluss auf die Gesellschaft haben laut Crouch die Medienunternehmen.[20] Früher waren diese ein Teil des Erziehungs- und Bildungssystems, heute sind sie oft rein kommerziell orientiert.

[...]


[1] Crouch, Collin: Postdemokratie. Frankfurt am Main 2008.

[2] Crouch, Collin: Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus. Berlin 2011.

[3] Crouch, Collin: Postdemokratie. Frankfurt am Main 2008.

[4] Crouch, Collin: Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus. Berlin 2011.

[5] Nolte, Paul: Von der repräsentativen zur multiplen Demokratie, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 2011 Heft 1-2, S. 5-12.

[6] Mouffe, Chantal: „Postdemokratie“ und die zunehmende Entpolitisierung, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 2011 Heft 1-2, S. 3-5.

[7] Jörke, Dirk: Auf dem Weg zur Postdemokratie, in: http://www.s-gs.de/texte/VR08Postdemokratie.pdf am 29.06.2012.

[8] Schiffer, Sabine: Informationsmedien in der Postdemokratie, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 2011 Heft 1-2, S. 27-32.

[9] Honneth, Alex: Kampf um Anerkennung im frühen 21. Jahrhundert, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 2011 Heft 1-2, S. 37-45.

[10] Böhnke, Petra: Ungleiche Verteilung politischer Partizipation, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 2011 Heft 1-2, S. 18-25.

[11] Rathgeb, Eberhard: Und sie bewegt sich noch, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22.06.2008.

[12] Offe, Claus: Wie der Markt die Politik vergiftet, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22.09.2008.

[13] Vgl. Crouch, Collin: Postdemokratie. Frankfurt am Main 2008. S. 10.

[14] Vgl. Ebd. S. 32.

[15] Vgl. Ebd. S.38 -39.

[16] Vgl. Ebd. S. 14.

[17] Vgl. Ebd. S. 45.

[18] Vgl. Ebd. S.51.

[19] Vgl. Ebd. S.58.

[20] Vgl. Ebd. S.63 - 64.

Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656330264
ISBN (Buch)
9783656331193
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v205494
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
2,7
Schlagworte
colin crouch´s modell postdemokratie welche thesen autor reaktion

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