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Großbritannien in nationalsozialistischer Wahrnehmung

Seminararbeit 2001 20 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Darstellung der Entwicklung der 3 Theorien
I. Hitlers zur Außenpolitik Großbritanniens
1. Ewige Feindschaft zwischen
Deutschland und Großbritannien
2. Das britische Anliegen des Erhalts
des Gleichgewichts in Europa
3. Der imperiale Isolationismus als
Mittelpunkt britischer Außenpolitik

III. Der Wunsch, Großbritannien als Partner zu gewinnen.
Darstellung der theoretischen Grundlage, mögliche
Konzessionen Deutschlands an Großbritannien und
Ziele des Bündnisses aus Hitlers Sicht

IV. Drei Versuche der außenpolitischen Umsetzung
bis zum Jahre 1939
1. Das deutsch - britische Flottenabkommen
2. Das deutsche Angebot der Verteidigung des britischen
Empires
3. Hitlers Offerte am Vorabend des Krieges

V. Thesen

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„ Der Engländer hat als Volk Grund stolz zu sein.“[1],

äußerte Adolf Hitler am 10.12. 1919 also 13 Monate nach dem für ihn so schändlichen Ende des 1. Weltkrieges. Was bewog ihn dazu, dieses positive Urteil über den ehemaligen Feind zu fällen ? Welche Rolle spielte Großbritannien in seinem Weltbild bzw. welche Rolle sollte es spielen ? Diese und noch einige Fragen mehr möchte ich versuchen ,durch diese Arbeit, etwas zu beleuchten. Dazu habe ich, wie aus der Gliederung ersichtlich, eine Unterteilung des durchführenden Teils der Arbeit in drei Abschnitte vorgenommen. Nach diesem einführenden Gliederungspunkt werde ich in Gliederungspunkt II Hitlers grundsätzliche Annahmen und Theorien zur britischen Außenpolitik darstellen. Da die inhaltliche Kompatibilität dieser Theorien gering ist, erfolgt die Betrachtung für jede Theorie separat. Die Reihenfolge der Betrachtung richtet sich nach dem Zeitpunkt der Einflußausübung der Theorie, und die Abfolge erfolgt chronologisch . Grundsätzlich ist eine Entwicklung von einer absoluten Feindschaft zwischen Deutschland und England, über eine durch Dualismus bedingte Rivalität, zu einer ,durch nicht kongruente Ziele ermöglichte Koexistenz bzw. Partnerschaft zu konstatieren.

Im III. Gliederungspunkt werde ich auf den Wunsch Hitlers nach einer Partnerschaft zwischen dem Deutschen Reich und Großbritannien eingehen.

Dabei habe ich mich für eine Vierteilung dieses Gliederungspunktes entschieden.

Beginnen werde ich mit Belegen für Hitlers unbedingten Wunsch nach einem Bündnis mit Großbritannien. Fortsetzen werde ich, basierend auf der in Gliederungspunkt II.3 erläuterten Theorie Hitlers, mit der Darlegung von Fakten, die die Möglichkeit dieses Bündnisses in Hitlers Augen belegen. Danach werde ich auf die, in Hitlers Gedankenwelt vorhandenen , Angebote an Großbritannien eingehen. Hierbei sollen Hitlers Gedanken die Hauptrolle spielen. Abschließen werde ich Gliederungspunkt III mit der Darstellung von Hitlers weiteren Zielen. Dabei werde ich mich hauptsächlich auf Hillgrubers 3 Stufenplan stützen, den ich aber um eigene Thesen erweitern werde. Bei der Klärung sollen nicht nur die oft erwähnten rassisch – biologischen Erklärungen im Mittelpunkt der Betrachtung stehen, sondern auch die nüchtern rationalen.

Im IV. Gliederungspunkt steht die Frage nach der Umsetzung dieser anglophilen Theorien im Mittelpunkt des Interesses. Anhand von drei ausgewählten Beispielen, die hier nur stellvertretend für viele Versuche des Ausgleichs, von deutscher Seite her, stehen sollen, möchte ich die Kontinuität dieser probritischen Gesinnung in Hitlers Ideenwelt aufzeigen. Da aber der Rahmen dieser Arbeit begrenzt ist und der Anspruch des wissenschaftlichen Arbeitens gewahrt bleiben soll, werde ich nicht auf die in der Historikerzunft umstrittenen Versuche des Ausgleichs nach 1939 z.B. die Ausschiffung des britischen Expeditionskorps aus Dünkirchen 1940 oder den Flug des Rudolf Heß 1941 eingehen.

Der V. Abschnitt beinhaltet die Thesen, die noch einmal die wichtigsten Fakten und Erkenntnisse zusammenfassen sollen.

Beim abschließenden VI. Abschnitt handelt es sich um das Literaturverzeichnis.

Im allgemeinen soll die Arbeit dazu dienen, meine These von Hitlers unbedingtem Wunsch nach einer Freundschaft zwischen Deutschland und Großbritannien zu belegen. Ich möchte beweisen, daß Hitler immer, also vom Anfang seiner Karriere, als er auch noch öffentlich anders sprach, bis zum Ende seiner Karriere, als die Wirklichkeit keine Chance mehr auf Realisierung barg, in seiner Gedankenwelt anglophile Tendenzen besaß. Diese anglophilen Tendenzen bestimmten Hitlers Handeln durch alle Jahre und wurden nur durch zeitweilige Rückschläge teilweise neutralisiert. Zu beweisen, daß diese Annahmen immer Einfluß auf Hitlers Denken hatten, soll Aufgabe dieser Arbeit sein.

P.S. Der Text entspricht den Regeln der alten Rechtschreibung.

II. Darstellung und Entwicklung der 3 Theorien Hitlers zur Außenpolitik Großbritanniens

Grundsätzlich lassen sich Hitlers Ideen in 2 Richtungen einteilen. Zum einen ,in eine nur schwach ausgeprägte und nur das anfängliche Handeln bestimmende, antibritische Haltung, zu der die erste Theorie gehört, und zum anderen in die neutral bis probritischen Annahmen, welche Hitlers späteres Denken und auch Handeln bestimmten.

1. Ewige Feindschaft zwischen Deutschland und Großbritannien

Wie in der einleitenden Bemerkung zu diesem Gliederungspunkt erwähnt, tritt diese „Gott strafe England“ – Einstellung, die gerade bei vielen „alten Rechten“, aber auch dem linken Flügel der NSDAP weit verbreitet war, nur in den Anfangsjahren seiner politischen Kariere auf. Sie verdient es kaum als eine Hitlers Denken beeinflussende Theorie bezeichnet zu werden, da ihre Wirkung a) nur von kurzer Dauer war und b) meiner Meinung nach stark dem Opportunismus entsprang. Trotzdem sei sie hier erwähnt und kurz erläutert. Grundsätzlich handelte es sich bei dieser Einstellung um eine alte wilhelminische Tradition, die ihren Anfang in der Zeit des Burenkrieges nahm. Sie wurde in den völkisch – nationalen Kreisen noch um den Faktor des Antisemitismus ergänzt . Hitler nahm sich dieser Einstellung zum Beginn seiner politischen Karriere an. Zwar war Hitler am Anfang seiner Karriere auch im wilhelminischen Weltbild befangen, doch vertrete ich die Auffassung , daß er diese Idee nur in seine Reden aufnahm , um seine Machtposition in der DAP zu festigen und auszubauen. Ich glaube, daß er diese Einstellung geschickt nutzte, um sich der Stimmen der „Alten Rechten“ und der nationalsozialistischen Linken zu versichern. So sprach Hitler zwar öffentlich von den verwerflichen Mitteln des britischen Imperialismus, z.B. der Ausbeutung des alten Kulturstaates Indien, oder der „verjudeten“ Demokratie in Großbritannien. Doch äußerte er sich intern anders über die britische Politik. So beurteilte er in diesem Zeitraum die britische Außenpolitik weit rationaler als dies ein großer Teil seiner Klientel tat. Hitler sprach nicht ohne Bewunderung davon, daß Großbritannien eine raffinierte Bündnispolitik betrieben habe, um sein Weltreich zu errichten.

Dies läßt sich an einer Rede vom 20.09.1920 belegen, in der er sagte, daß „[...] die Vernichtung Spaniens mit Hilfe Hollands, dessen Vernichtung mit Hilfe Frankreichs u[nd] dessen Vernichtung in 22 Jahren mit Hilfe der übrigen Völker, neuerdings aber die Vernichtung Deutschlands.“[2] die Ziele britischer Außenpolitik waren.

Er sah die Feindschaft also nicht als absolut, wie ein großer Teil seiner Klientel, sondern als rational begründbar an. Ich folgere daraus, daß Hitler , schon zu diesem frühen Zeitpunkt, anglophiler eingestellt war ,als er dies öffentlich kund tat. Dies wurde natürlich nicht zuletzt durch sein rassistisches Weltbild affektiert.

Nachdem seine Position gefestigt war, äußerte er auch seine wahre Meinung und bekannte sich klar zu Großbritannien. In späteren Jahren diffamierte er die Anhänger der „Gott strafe England“ – Einstellung sogar , indem er sie als „unsere Gott strafe England - Politiker“[3] oder „unsere bürgerlich - nationalen und vaterländischen Politikaster“[4] bezeichnete.

2. Das britische Anliegen des Erhalts des Gleichgewichts in Europa

Nachdem Hitlers Macht in der NSDAP gefestigt war, legte er seine Maske ab und äußerte klar seine Vorstellungen und Annahmen zum Thema Großbritannien. An die Stelle der natürlichen Feindschaft zwischen Großbritannien und Deutschland trat nun auch öffentlich die anglophilere Annahme, daß Großbritannien nach einem Erhalt des Gleichgewichts in Europa strebe. Diese Einstellung, die eine gewisse Neutralität Großbritanniens in kontinentalen Fragen beinhaltete, läßt sich in den Jahren zwischen 1923 und 1928 finden.

Hitler deutete die britische Außenpolitik so, daß Großbritanniens Hauptinteresse in einem Gleichgewicht der europäischen Kräfte bestand. Das Primat der Außenpolitik Großbritanniens bildete aus Hitlers Sicht die Verhinderung eines kontinentalen Emporkömmlings, der in letzter Instanz Großbritanniens Weltmachtstellung bedroht hätte.

[...]


[1] Hitler zitiert nach : Jäckl, Eberhard Hitlers Weltanschauung Entwurf einer Herrschaft, Tübingen 1969, S.35

[2] Hitler zitiert nach: Kuhn, Axel, Hitlers außenpolitisches Programm Entstehung und Entwicklung, Stuttgart, 1970 S. 46

[3] Hitler zitiert nach: van Woerden, A.V.N. ,Hitlers Verhältnis zu England: Theorie, Vorstellung und Politik, in: Nationalsozialistische Außenpolitik, hrsg. von Wolfgang Michalka, Darmstadt 1978, S.225

[4] Hitler zitiert nach: Ebd.

Details

Seiten
20
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638112628
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v2053
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Historisches Institut
Note
3
Schlagworte
Großbritannien Wahrnehmung Proseminar Zeitalter Weltkriege

Autor

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