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Das Leben des Gaius Marius mit seinen Höhen und Tiefen

Hausarbeit 2009 23 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Vita des Marius
1. Herkunft und Prägung des Marius
2. Dienst im Heer
3. Volkstribunat

III. Sieben Mal Konsul
1. Der Iugurthinische Krieg
2. Die Kimbern und Teutonen
3. Der Abstieg des Marius
4. Die Rückkehr und Tod

IV. Schlussbetrachtung

Quellen- und Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Beim Lesen der Viten einiger römischer Persönlichkeiten erhält man den Eindruck, dass die Kultur des römischen Reiches alles andere als zivilisiert war. Viele Politiker und Feldherren erscheinen skrupellos, korrupt, egomanisch und rücksichtslos. Lebensläufe nehmen abenteuerliche und fantastische Gestalten an. Einst gefeierte Helden werden verbannt oder gelyncht, andere nutzen wiederum die ihnen zugetragene Macht in vollem Maße aus und bereichern sich auf Kosten des Volkes oder lassen ihre Feinde verfolgen und ermorden. Ruhmsüchtige Männer brechen ganze Kriege vom Zaun und liefern viele Unschuldige dem Tod aus, um in den Geschichtsbüchern ihrem Namen die Krone aufzusetzen. Der Protagonist dieser Arbeit scheute z. B. nicht davor zurück während des Bundesgenossenkrieges (91 – 88 v. Chr.), in welchem Sulla das Kommando erhielt, nach Nebenkriegsschauplätzen zu suchen, um sich weiterhin profilieren zu können.1

Die Frage, ob sich diese Zustände durch alle Zeiten des Römischen Reiches hinzogen, ist schwer zu beantworten. Sicher ist jedenfalls, dass jedoch immer solche Missstände wiederkehrend die Tagesordnung bestimmen. Zum Beispiel Publius Cornelius Tacitus (ca. 58 – ca. 116 v. Chr.) beschreibt in seinem Werk “Germania” ein sittenhaftes und nobles Dasein der „barbarischen“ Völker, um an seinem eigenen Volke Kritik zu üben.2 Auch für die Spätantike existieren Belege für die Agonie eines Weltreiches, welche sich schon über Jahrhunderte hinziehen.3 Der einstige Idealismus und der Ethos des römischen Staates nach der Niederwerfung der Könige scheinen sich im Sumpf der Habgier und Korruption verlaufen zu haben.4

Somit kann hierfür das Leben des Gaius Marius (156 – 86 v. Chr.) als Musterbeispiel dienen. Dieser kann zunächst ein aufstrebendes Dasein vorweisen, dann zog er jedoch in vielen Machenschaften die Fäden und letztendlich gelangte er meist unehrenhaft an die höchsten Ämter des römischen Staates. Je nachdem, wo der Vorteil lag wechselte er die Seiten oder bekämpfte sogar diejenigen, die ihn einst groß gemacht haben, so wie z. B. den Q. Caecilius Metellus5 († um 91 v. Chr.). Von einer der höchsten Positionen wird er zum größten Staatsfeind degradiert, verfolgt und unter Bedrohung gelingt ihm jedoch die Flucht. Doch wie beschrieben sind solche Zustände im römischen Staate dieser Zeit nicht von Dauer, denn schon wenig später weht ein anderer Wind und er kehrt mit Verbündeten zurück. Er marschiert nämlich in Rom ein und nimmt grausame Rache. Letztendlich bezieht er im zuvor erst gewaltsam bezwungenen Rom wieder den Posten des Konsulats, und das zum siebenten Male. Diese Iteration und die Simonie von Ämtern sind Verstöße gegen römische Gesetze und Rechte, jedoch sollte er als der Marius in die Geschichte eingehen, der siebenmal das Konsulat erhielt und von Cicero (106 – 43 v. Chr.) als der Retter Roms gefeiert wird.

Diese Arbeit soll sich mit dem schwunghaften Leben des Marius als Paradebeispiel der genannten Charakteristika vieler römischer Politiker beschäftigen. Hierzu wird in dieser Arbeit der Aufstieg, sein Wirken als Volkstribun und das stürmische Auf und Ab in seinem Leben näher untersucht.

II. Die Vita des Marius

1. Herkunft und Prägung des Marius

Marius wurde ca. 157 v. Chr. bei Arpinum geboren. Die Quellen6 berichten davon wie es auch in der älteren Forschung vertreten wurde7, dass es in seiner Familie bäuerisch und typisch altrömisch zugegangen sei, wovon man jedoch in der neueren Forschung nicht mehr der Überzeugung ist.8 Seine ländliche Herkunft hat seine Persönlichkeit jedoch anhaltend geprägt. Es wird berichtet, dass er keine griechische Bildung genoss9 und erst sehr spät das Stadtleben kennenlernte10. Seine praktischen Erfahrungen sollten sich später jedoch als äußerst nützlich erweisen, was sich besonders in der Heeresreform bemerkbar machte. Ebenso vorteilhaft war seine Nähe zu den einfachen Leuten, wie den Soldaten im Heer, mit denen er sich selbst in schwierigsten Situationen gleichstellte11.

Es ist aus dem Grunde so wichtig diese Betrachtungen im Vorfeld anzustellen, weil eben diese charakteristischen Merkmale des Marius sein größter Trumpf waren. Ganz besonders seine List sollte sich als wichtigstes Instrument herausstellen, begleitet von dem Glück, dass ihm immer zum richtigen Zeitpunkt wichtige Ereignisse zugute kamen. Selbst seine zahlreichen negativen Eigenschaften konnten Diese nicht überwiegen, was daran festzumachen ist, dass er seine Ziele letztendlich mehr oder weniger erreichte, obwohl er sich mit seinen Machenschaften mehr Steine in den Weg legte als dass er sie damit wegräumte - dazu jedoch später Genaueres.

2. Dienst im Heer

Den Militärdienst trat Marius sofort mit Erreichen des Mindestalters an12. Er diente unter P. Cornelius Scipio (185 – 129 v. Chr.) in Spanien, wo er mit Mut und Tapferkeit hervortrat13. Zu diesem Lebensabschnitt ist zu erwähnen, dass sein späterer Gegner Iugurtha (160 – 104 v. Chr.) mit ihm in Spanien diente14. In der neueren Forschung vermutet man sogar eine Bekanntschaft dieser Beiden15. In Spanien machte sich Marius durch seine Leistungen ganz besonders um den Respekt des Scipio verdient.16 Vermutlich ermutigte ihn die Anerkennung des Scipio Marius zu großen Hoffnungen.17 Aus der Zeit seines Militärdienstes ist noch bekannt, dass er Militärtribun wurde und man vermutet, dass er weiterhin in Asia diente18.

[...]


1 KROLL, Wilhelm (Hrsg.). Paulys Real-Encyclopädie der classischen Altertumswissenschaften. Art.: Marius. Stuttgart (1935). Sp. 1405: In der Tat soll er sich bemüht haben, neue kriegerische Unternehmungen anzufachen, um dann von Rom mit der Führung eines Krieges betraut zu werden und wieder als Feldherr glänzen zu können. Er stachelte Mithridates an, der ihm mit Höflichkeit und Ehrungen auswich, aber von M. eine gebieterische Sprache zu hören bekam.

2 STÄDELE, Alfons (Hrsg.). Cornelius Tacitus. Germania. Düsseldorf / Zürich (1999). S. 73: Auch aus diesen Zeilen spricht Sympathie, ja sogar Bewunderung, und man fragt sich, was den Römer Tacitus dazu bewogen hat, so positiv über ‚Barbaren’, über geschworene Feinde Roms zu schreiben [...]. Wir finden die Antwort, wenn wir uns sein Urteil über die eigene Zeit und die Römer jener Tage in Erinnerung rufen: Servile und dekadente Kreaturen führt er vor, denn seiner Meinung kommt in dieser Gesellschaft nur der nach oben, der sich am besten zu ducken weiß. Die Eigenschaften, die Rom einst groß machten, sind längst dahin[...].

3 FELLMETH, Ulrich. Pecunia non olet. Die Wirtschaft der antiken Welt. Darmstadt (2008). S. 167: So erlebten die Jahre 235 bis 285 insgesamt 26 Kaiser, drei Mitregenten und 41 Usurpatoren – alle gestützt auf das Militär.

4 PIEPENBRINK, Karen. Das Altertum. Stuttgart (2006). S. 130: Die Vertreibung der Könige ist konstitutiv für die Gründung der römischen Republik. Sie nimmt im kollektiven Gedächtnis der Römer einen zentralen Platz ein.

5 KROLL, Wilhelm (Hrsg.). Paulys Real-Encyclopädie der classischen Altertumswissenschaften. Art.: Marius. Stuttgart (1935). Sp. 1373: Gelegenheit, sich auszuzeichnen bot ihm der Iugurthinische Krieg. Nicht nur die damals noch bestehende Freundschaft des Consuls von 109, Q. Caecilius Metellus, sondern auch die militärische Tüchtigkeit des M. werden veranlasst haben, daß jener ihn als Legat in diesen Krieg mitnahm.

6 Plut. mar. 3-III.

7 KROLL, Wilhelm (Hrsg.). Paulys Real-Encyclopädie der classischen Altertumswissenschaften. Art.: Marius. Stuttgart (1935). Sp. 1369: Seine Herkunft vom Land und das Landleben, in dem er in seiner Heimat aufwuchs, hat seine Persönlichkeit dauernd beeinflußt. Es verlief in bäuerischer, ganz altrömischer Weise.

8 CANCIK, Hubert / SCHNEIDER, Helmut. Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike. Stuttgart / Weimar (1999). Sp. 902: [...] aus ritterständischer (aber keineswegs bäuerischer, wie die Überl. will) Familie mit Verbindung nach Rom.

9 Vgl. dazu Anmerkung 6.

10 KROLL, Wilhelm (Hrsg.). Paulys Real-Encyclopädie der classischen Altertumswissenschaften. Art.: Marius. Stuttgart (1935). Sp. 1370.

11 Ebd. Sp. 1373: Bei Marius wird ganz allgemein seine Tapferkeit, militärische Befähigung, List, Manneszucht gerühmt, besonders aber die Art, wie er sich den Soldaten in Strapazen und Entbehrungen gleichstellte, sie beriet und für ihr Wohl sorgte.

12 BENGTSON, Hermann. Römische Geschichte. Republik und Kaiserzeit bis 284 n. Chr.. München (2000). S. 132: Die lex militaris untersagte die Aushebung vor dem 17. Lebensjahr [...].

13 Ebd. Sp. 1369: Aus der ersten Zeit seines Dienstes ist als einzige sichere Nachricht anzusehen, dass er 133, etwa 23 Jahre alt, gegen die Keltiberer im Felde stand, als nämlich Scipio Africanus Numantia belagerte, und dass er sich unter den jungen Leuten durch Tapferkeit auszeichnete, wie auch durch die bereitwillige Einfügung in die härtere Lebenshaltung, die Scipio dem durch Üppigkeit verweichlichten Heere auferlegte.

14 Ebd. Sp. 1369.

15 Vgl. dazu Anmerkung 8: Er erwarb früh mil. Erfahrung: 134 diente er mit bes. Auszeichnung unter P. Cornelius Scipio in Spanien vor Numantia (Bekanntschaft à Iugurtha) [...].

16 Vgl. dazu Anmerkung 13: Es wurde auch erzählt, daß M. im Kampf einen Feind vor den Augen des Feldherrn zu Boden gestreckt habe. Bei einer Besichtigung soll dann auf Scipio ein besonders gut gehaltenes Pferd und ein Maultier des M. einen nachhaltigen Eindruck gemacht haben. M. wurde von Scipio wiederholt durch Ehrungen ausgezeichnet.

17 Ebd. Sp. 1370: Eine offenbar post eventum erfundene Anekdote erzählte sogar, daß, als einmal nach der Tafel das Gespräch auf Feldherrn kam und einer zweifelnd fragte, ob das römische Volk je einen dem Scipio gleichwertigen Feldherrn und Schirmer haben werde, dieser dem neben ihm zu Tisch liegenden M. auf die Schulter geklopft und gesagt habe: ‚Vielleicht wird der es sein’.

18 Vgl. dazu Anmerkung 8: [...] kämpfte vielleicht unter M. Aquilius oder seinen Nachfolgern in Asia.

Details

Seiten
23
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656323006
ISBN (Buch)
9783656325017
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v205296
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Historisches Seminar
Note
1,7
Schlagworte
Gaius Marius Vita Iugurthinische Krieg Konsul Kimbern und Teutonen Volkstribunat Bundesgenossenkrieg Römisches Reich Scipio Metellus Numidien cursus honorum Gesetze Bocchus

Autor

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