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Wirtschaftsregional-Marketing mit Web Map Services (WMS) und Geo- Navigationsstrukturen

Bachelorarbeit 2009 111 Seiten

Informatik - Wirtschaftsinformatik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffliche Abgrenzungen
2.1. Einordnung der Begrifflichkeit Wirtschaftsstandort / Wirtschaftsregion
2.2. Einordnung der Begrifflichkeit Regionalmarketing
2.3. Regionalmarketing vs. unternehmerisches Marketing
2.4. GIS
2.5. Konklusion

3. Medium Internet
3.1. Ziele eines Regionalportals
3.2. Leistungsumfang des Regionalportals
3.2.1. Technische Komplexität
3.2.2. Redaktioneller Pflegeaufwand
3.2.3. Elektronische Erreichbarkeit, Reaktionspflicht, Reaktionszeit
3.2.4. Personalisierung
3.2.5. Sicherheit / Datenschutz
3.2.6. Elektronische Signatur
3.2.7. Information
3.2.8. Kommunikation
3.2.9. Interaktion
3.2.10. Transaktion
3.3. Relevante Darstellungsformen
3.3.1. Horizontales Portal
3.3.2. Vertikales Portal
3.3.3. Mobiles Internet
3.4. Grundlegende Bestandteile
3.4.1. Rollenkonzept
3.4.2. Backend (Redaktionsbereich)
3.4.3. Frontend (Portalansicht)
3.4.4. Zusatzfunktionen

4. Regionalmarketing im Web
4.1. Zielgruppen
4.2. Ortsansässige Zielgruppen
4.3. Ortsfremde Zielgruppen
4.4. Erweiterungszielgruppen
4.5. Einflussfaktoren auf Standortentscheidungen der Zielgruppen
4.6. Übergreifende Wertschöpfungsketten
4.7. Nutzen für die Zielgruppen

5. Umsetzungsmethodik und Einflussfaktoren
5.1. Technische Voraussetzungen
5.1.1. Web Map Service – Google-Maps
5.2. Datenmodell Veranstaltungsdatenbank
5.2.1. Fall
5.2.2. Fall
5.3. Umsetzungsgrad
5.4. Fallbeschreibung
5.4.1. Datenbankinstallation
5.4.2. Komponentenaufbau
5.4.3. Komponenteninstallation vera
5.4.1. Administratorkomponente
5.4.2. Frontendkomponente
5.5. Komponentenprogrammierung vera
5.5.1. Anschriftenbereich
5.5.2. Veranstaltungsbereich
5.5.3. Google-Maps API Schlüssel
5.5.4. Basis Punktobjekte
5.5.5. Basis Polylinienobjekt / Polygonobjekt
5.5.6. Basis KML-Datei

6. Zusammenfassung

Anhang A

Anhang B

Anhang C

Literaturverzeichnis

Stichwortverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Darst. 1: Eingruppierung räumlicher Ebenen

Darst. 2: Vier Prozesse des Marketing-Managements als Regionalmarketingprozess

Darst. 3: Veröffentlichungsprozess

Darst. 4: Integrationsgrad eines Internetportals

Darst. 5: Allgemeiner technischer Portalaufbau

Darst. 6: Portalaufbau mit zielgruppenorientierter Navigation

Darst. 7: Bewertung weicher Standortfaktoren

Darst. 8: Mögliche Kommunikationskanäle und Geschäftsprozesse bei behördenübergreifenden Wertschöpfungsketten

Darst. 9: Das Regionalmanagement als Impulsgeber

Darst. 10: Veranstaltungsdatenbank – Datenmodell gesamt

Darst. 11: Veranstaltungsdatenbank – Datenmodellausschnitt Veranstaltung

Darst. 12: Komponente vera nach erfolgreicher Installation

Darst. 13: Veranstaltungsmanager

Darst. 14: Verbindung Backend zu Frontend

Darst. 15: Listendarstellung im Frontend

Darst. 16: Anschriftenbereich Einzelsatzbearbeitung

Darst. 17: Veranstaltung Einzelsatzbearbeitung

Darst. 18: Auswahlbox Google-Key für eine Domäne

Darst. 19: Parametrisierungsmöglichkeiten Basis Punktobjekte

Darst 20: Code zur Anschriftengeokodierung

Darst. 21: Parametrisierungsmöglichkeiten Basis Polylinienobjekt / Polygonobjekt

Darst. 22: Parametrisierungsmöglichkeiten Basis KML-Datei

Darst. 23: Constraint GOOGLEKEY - GISSTRUKTUR

Darst. 24: Parametrisierung Geodaten View 1

Darst. 25: Parametrisierung Geodaten View 2

Darst. 26: Ergebnis Anschriftengeokodierung

Darst. 27: Ergebnis Polygondarstellung

Darst. 28: Ergebnis Polyliniendarstellung

Darst. 29: Polygondarstellung mit Punktobjekt im Frontend

Darst. 30: Ergebnis Darstellung SchulenInDeggendorf.kml Datei

Darst. 31: Darstellung KML-Datei im Frontend mit Gelände-Map

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Das Internet hat sich inzwischen als wesentliches Informations- und Kommunikationsmedium etabliert. Unternehmen haben Information als Wirtschaftsgut erkannt. 2007 hatten 77% der Unternehmen in Deutschland einen Zugang zum Internet.[1] Die Unternehmen haben sich den veränderten Rahmenbedingungen der letzten Jahre angepasst und nutzen die Mächtigkeit des Internets. Dieser Wandel ist zwar immer noch abhängig von der Größe des Unternehmens (75% bei < 20 Beschäftigte, 93% bei 20<=x<=49 Beschäftigte, 99% bei >= 50 Beschäftigte). Allerdings nutzten im Jahr 2007 bereits 62% dieser Unternehmen das Internet als Quelle für Marktbeobachtungen.[2] Marktbeobachtung bedeutet, die Unternehmen versuchen Erkenntnisse über ähnliche Produkte, Dienstleistungen, über die Konkurrenz und deren

Angebot, über die möglichen und aktuellen Zielgruppen, die Kunden und über geeignete Standorte zu gewinnen. Letzten Endes soll das Ziel dieser Marktbeobachtungen und Standortanalysen ein greifbarer Wettbewerbsvorteil für die Unternehmung sein.

Als einer dieser Wettbewerbsvorteile zeichnet sich der ideale Standort ab. Im Zuge der Globalisierung befinden sich nicht nur Unternehmen, sondern auch Regionen in einem nationalen und internationalen Wettbewerbsumfeld und konkurrieren untereinander. Ähnlich einem Unternehmen werben Regionen um Kunden, sie werben für sich, als Standort für Firmen, um Wirtschaftsansiedelung, um qualifizierte Mitarbeiter, sie versuchen Steuer zahlende Unternehmen und Steuerzahler an die Region zu binden. Die Kunden stellen die Zielgruppe dar, zum Beispiel Existenzgründer, Unternehmer, Arbeitnehmer. Angesprochen werden sollen sowohl Externe als auch Ortsansässige. Durch gezieltes Regionalmarketing werden die Vorzüge der Region präsentiert und beworben. Diese Präsentation erfolgt auch in hohem Maße durch den Internetauftritt der Region. Somit kommt dem Internetauftritt einer Region eine besondere Rolle zu, da er für viele die erste Informationsquelle ist und schnell

Basisinformationen zu einem potentiellen Standort oder Arbeitsort / Wohnort liefert. Im Gegensatz zu den ersten Internetauftritten in den 80er und 90er Jahren sollte der Webauftritt über mehr, als eine einfache Darbietung von Ansprechpartnern,

Telefonnummern und Öffnungszeiten verfügen. Die Präsentationen der Auftritte der öffentlichen Hand gleichen auch heute noch teilweise einer Abbildung ihrer Organisationsstruktur. Die Darstellungsform sollte einen zielgruppenorientierten Zuschnitt erhalten. Eine Ausrichtung auf den konkreten Nutzen der Zielgruppe ist unabdingbar. Und dieser Nutzen sollte auf den ersten Blick ersichtlich sein. Das Internet ist ein pull-Medium. Der User wird aus eigenem Antrieb aktiv. Er entscheidet, welches Angebot er ergreift. Alternativen liegen nur einen Mausklick weit entfernt. Websites die dem Suchenden nicht entsprechen, werden nach wenigen Sekunden wieder verlassen. Experten meinen, dass für diese Validierung nicht länger als zwei Sekunden benötigt wird.[3]

In Zeiten von E-Procurement, E-Government, One-Stop-Shop-Agency, Barrierefreiheit genügt es für die Region nicht, nur geeignete Darstellungsformen für Ihre Inhalte, sondern auch Formen der Vernetzung – ähnlich dem Supply Chain Management in der Wirtschaft, also einer elektronischen Vernetzung Anbieter, Nachfrager, Forderer – zu finden, um für die Zielgruppe ein komplettes Angebot zur Verfügung zu stellen.

Das Ziel der Bachelorarbeit ist die Darlegung der inhaltlichen und strukturellen Bestandteile eines Regionalportals für das Regionalmanagement Deggendorf am Beispiel der Region Landkreis Deggendorf unter zu Hilfenahme von Web Map

Services und Geo-Navigationsstrukturen.

2. Begriffliche Abgrenzungen

2.1. Einordnung der Begrifflichkeit Wirtschaftsstandort / Wirtschaftsregion

Die Begrifflichkeiten Wirtschaftsregion / Region, Wirtschaftsraum / Raum,

Wirtschaftsstandort / Standort wird in der Grundlagenliteratur und im allgemeinen Sprachgebrauch äquivalent verwendet.

Schnurrenberger beschreibt in seiner Definition des Begriffes Wirtschaftsstandort diesen, als eine zu definierende territoriale Einheit, die das gesamte stattfindende Spektrum der wirtschaftlichen Tätigkeiten beinhaltet.[4] Die Einbeziehung aller wirtschaftlichen Tätigkeiten (Produktion, Vertrieb, Logistik, Verwaltung, Fakturierung, etc.) umfasst dabei „alle möglichen Werteaktivitäten innerhalb

einer Unternehmung“[5] und lässt die Schlussfolgerung zu, dass der Begriff des Wirtschaftsstandortes „auf alle nur möglichen räumlichen und territorialen

Bezugsgrößen angewandt“[6] werden kann. Deshalb besteht die Notwendigkeit einer Eingruppierung der unterschiedlichen räumlichen Ebenen. Charakterisiert werden 4 Gruppen; Hierarchie (Aggregation, Disaggregation), Homogenität bzw. Heterogenität, Funktionalität, hoheitsrechtlicher Status.[7]

- Hierarchisch gegliederte Einheiten

Dies definiert Schnurrenberger als Einordnung eines Raumes in die Hierarchie eines Gesamtraumes (Aggregation) und die Unterteilbarkeit eines Raumes in Sub-Räume (Disaggregation).[8]

Wobei man die Aggregation (ähnlich der UML Klassenmodellierung) als die hierarchische Beziehung zwischen einem Ganzen und seinen Teilen

bezeichnen kann, dass also ein Objekt des Ganzen eines oder mehrere Teilobjekte besitzt. Gleichberechtigte abgegrenzte Räume auf einer beliebig ausgewählten Ebene könnten (Anlehnung UML) als Assoziation bezeichnet werden. Wie nächststehende Darstellung zeigt, ist eine direkt abhängige Beziehung eines Raumes aus einer beliebigen Ebene mit einem Subraum einer anderen Ebene nicht zulässig.

Darst. 1: Eingruppierung räumlicher Ebenen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an [Standortwahl und Standortmarketing, 2000], S. 12.

- Homogenität / Heterogenität

Die interne Homogenität bezeichnet die Bildung von Gruppen, deren Gruppenobjekte weitgehend identische, ähnliche Eigenschaften besitzen, zum Beispiel ähnliche Produkte, Unternehmen. Die externe Heterogenität spezifiziert eine möglichst eindeutige Unterscheidung der Gruppen.[9]

- Funktionalität

„(z. B. Infrastrukturausstattung, Verflechtungsintensitäten wie Güter- und Verkehrsströme)“.[10]

- Hoheitsrechtlicher Status

Die Definition des Wirtschaftsstandortes im Sinne eines hoheitsrechtlichen Verständnisses hat sich etabliert. Hierzu mögen die unterschiedlichsten Gründe ihren Ausschlag gegeben haben. Es existiert eine klare räumliche Trennung der einzelnen Städte, Landkreise, Bezirke, die geographisch und psychisch nachvollzogen werden kann, auch wenn Wirtschaftsstandorte teilweise über Landkreis – und Ländergrenzen hinweg geschlossen werden. Außerdem kann eine Trennung der „räumlichen Einheiten nach deskriptiven Kriterien generell nie trennscharf vorgenommen werden“.[11] Zusätzlich

müssen die in einem Wirtschaftsstandort existenten Behörden, Einrichtungen, Unternehmen, Personen sich an den Verwaltungsstrukturen dieses Standortes orientieren. Ein neu ansässiger Existenzgründer in Deggendorf muss sich mit seinen Fragen zur EU-Förderung, zur Verwaltung für Unternehmer, zu Standortinformation und Standortmarketing oder zu Statistikauswertungen an das Amt für Wirtschaftsförderung in Deggendorf und nicht in Regensburg wenden.

Dem hoheitsrechtlichen Status entsprechend teilt Schnurrenberger diesen in sechs Gruppierungen ein. Interkommunale Standorte (Gewerbeimmobilie, Industriegebiete innerhalb eines Ortsteils, ortübergreifende Standorte), Kommunen und Städte, Subregionen (Landkreise und Regierungsbezirke innerhalb eines Bundeslandes und deren Zusammenschlüsse), Regionen (Bundesländer und deren Zusammenschlüsse), Staaten (Wirtschaftsstandort Deutschland), Zusammenschlüsse verschiedener Staaten (Europäische Union).[12]

Bei der Wirtschaftsregion Landkreis Deggendorf handelt es sich also um eine hoheitsrechtliche Variante der räumlichen Aufteilung, einer Räumlichen Aggregationsebene der Stufe 3, den Subregionen. Querverbindungen zu anderen

Aggreagationsebenen (z. B. angrenzende Landkreise als Wirtschaftsstandort) oder zu übergeordneten räumlichen Einheiten (z. B. Wirtschaftsstandort Niederbayern) werden in der Bachelorarbeit nur in den Bereichen, die einer ganzheitlichen Betrachtung bedürfen, berücksichtigt. Es ist „möglich und bei bestimmten Fragestellungen auch sinnvoll, sich auf eine Aggregationsebene zu konzentrieren und mithin eine Betrachtung der anderen Ebenen auszuklammern".[13]

2.2. Einordnung der Begrifflichkeit Regionalmarketing

Die Kommerzialisierung von Wirtschaftsregionen, Städten und Gemeinden ist zur Institution geworden und erfreut sich großer Beliebtheit. Es existiert heutzutage kaum mehr eine Wirtschaftsregion, die sich aus ihrer Selbstorganisation heraus so bezeichnet und sich nicht mit Marketing auseinandersetzt. Marketingaktivitäten werden von den unterschiedlichsten Organen durchgeführt. Städte preisen durch Stadtmarketing und die Organisation von Events die Gastronomie, die außerordentliche Parkplatzsituation und die luxuriösen Geschäfte an. Vereine und Arbeitsgemeinschaften führen Regionalmarketingprojekte durch. Teilweise existiert bereits ein hauptamtliches Regionalmanagement, das durch einen ordnungsgemäß durchgeführten Analyse - und Planungsprozess die

Regionalmarketingaktivitäten gezielt koordiniert, steuert und kontrolliert.

Der Begriff Regionalmarketing assoziiert unterschiedliche Vorstellungen. Er wird gleichgesetzt mit Kommunalmarketing, Stadtmarketing, Standortmarketing oder auch mit regional begrenzten Marketingaktivitäten von Unternehmen oder der Regionalvermarktung von Produkten. Unabhängig von der identischen Verwendung der Begriffe Wirtschaftsstandort und Wirtschaftsregion haben im Bereich des Marketings Regionalmarketing und Standortmarketing unterschiedliche Bedeutung. Jörn-Axel Meyer beschreibt, dass es sich bei Disziplinen Kommunalmarketing, Stadtmarketing, Standortmarketing um Teilaspekte des Regionalmarketings handelt. Während sich das kommunale Marketing auf öffentliche Institutionen, das Stadtmarketing auf den lokalen Bereich der Stadt oder Innenstadt konzentriert, bezieht sich das Standortmarketing nur auf die Zielgruppe der Investoren.[14] Das Ziel eines Regionalmarketings sollte die positive Imageveränderung der Region in Bezug auf die Zielgruppen sein. Deshalb sollten im Regionalmarketing, im Gegensatz zum Standortmarketing nicht nur die Investoren, sondern auch andere relevante Zielgruppen zum Beispiel potentielle Arbeitnehmer, Tourismus, Health Care angesprochen werden. Unter Berücksichtigung der in 2.1 gewonnenen Erkenntnisse beinhaltet das Regionalmarketing auch die Analyse von räumlichen Zusammenhängen für die Marketingplanung. Die Analyse der räumlichen Zusammenhänge - unterstützt durch die Nutzung von geographischen Informationssystemen (GIS) - und die Nutzung der

Erkenntnisse für Marketingzwecke kann als Geomarketing bezeichnet werden. Somit ist das Geomarketing auch als Teil des Regionalmarketings zu betrachten.

2.3. Regionalmarketing vs. unternehmerisches Marketing

Das betriebswirtschaftliche, marktorientierte Marketing ist ein wichtiger Teilaspekt einer erfolgreichen Unternehmensführung. Das Unternehmen versucht in diesem Marketing eine strategische Ausrichtung am Kunden zu erreichen. In diese strategische Ausrichtung müssen neben den ökonomischen auch die

sozialen / kulturellen und ökologischen Belange mit einfließen. Ökonomie in Zeiten des globalen Wettbewerbs, Ökologie bei einer immer stärker wachsenden Weltbevölkerung und die damit verbundenen klimatischen Probleme, demographischer Aspekt z. B. in Deutschland als soziologische Komponente, bedürfen der Berücksichtigung im marktorientierten Marketing. Genau diese Aufgaben deckt laut Meffert das marktorientierte Marketing ab, indem er es als marktorientierte Unternehmensführung, als ganzheitlich ausgerichtetes Führungskonzept definiert, das in die vier Prozesse Planung, Koordination, Kontrolle (unternehmensintern) und Transaktion (unternehmensextern) gegliedert werden kann. Diese vier Prozesse werden auch als Marketing-Management oder Managementprozess bezeichnet.[15] Es stellt sich die Frage, inwieweit das in Unternehmen angewandte Marketing als Marketingansatz in das Regionalmarketing überführt werden kann.

Für Kotler umfasst die Vermarktung von Standorten vier Zentrale Strategien. Die Förderung des Images, die Anpreisung von Attraktionen, der Infrastruktur und die Bewerbung der Menschen.[16] Alle diese Bereiche sind auch auf das

Regionalmarketing übertragbar. Klaus Illigmann schreibt in seiner Abhandlung über die Regionalentwicklung in der Praxis, dass die Ziele der regionalen Initiativen "Wirtschaft, Soziales, Allgemeine Infrastruktur, Tourismus und Freizeit, Image, Identität" sind.[17] Diese Ziele können eingeteilt werden in die Gruppen Marktbezogenheit, Unternehmensbezogenheit, Gesellschafts- und Umweltbezogenheit.

Beim Modell des Marketing Managements wird von einem Kreislauf ausgegangen. Die Voraussetzung für gezielte Marketingmaßnahmen im regionalen

Bereich und auch der Einstiegspunkt in den Kreislauf im Bereich der Planung ist die Analyse des aktuellen regionalen Standpunktes. Dies kann durch eine

entsprechende Stärken-Schwächen-Analyse (SWOT- oder Potentialanalyse) geschehen. Die Erarbeitung eines realistischen Leitbildes / realistischer Ziele ist eine Schlussfolgerung aus den Ergebnissen der Analysephase. Neben den Zielgruppen gilt es nun die Standort-, Stadt-, Regionalpolitik, die Organisationen und Verbände zu informieren, integrieren, koordinieren. Der Koordinationsprozess könnte auch in die Teilbereiche, Kommunikationspolitik und Clusterbildung aufgeteilt werden. Innerhalb des Transaktionsprozesses wird versucht, durch die unterschiedlichsten Maßnahmen die Strategien umzusetzen und die Ziele zu erreichen. Hauptaugenmerk in diesem Kreislauf wird auf die Kontrollinstanz

gelegt. Diese ist Grundlage für eine erfolgreiche Steuerung der Werkzeuge. Durch eine regelmäßige Überprüfung der Marketingergebnisse und eine

Projektcontrolling (auch schon während des Projektes) lassen sich Fehlentwicklungen frühzeitig erkennen und die Maßnahmen korrigieren.

Einzig der Koordinationsprozess des Regionalmarketings scheint im Gegensatz zum unternehmerischen Marketing vielfältiger und komplexer zu sein. Jörn-Axel Meyer geht konform mit dem in der klassischen Marketinglehre als Managementprozess bezeichneten Aufgabenkomplex. Er implementiert in seinen Regionalmarketingprozess alle auch im unternehmerischen Marketing vorhandenen Prozesse Planung, Koordination, Transaktion, Kontrolle.[18] Die nachstehende Darstellung zeigt die vier Prozesse des Marketing Managements als Regionalmarketingprozess und die entsprechenden Tätigkeitsschwerpunkte übertragen in den Aufgabenbereich des Regionalmarketings.

Darst. 2: Vier Prozesse des Marketing-Managements als Regionalmarketingprozess

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an [Standortmarketing, 2000], S. 56.

Trotz dieser Übereinstimmung des unternehmerischen Marketings mit dem

Regionalmarketing folgert Meyer, dass das Regionalmarketing als eigenständige Marketingdisziplin anzusehen ist und sowohl Methoden als auch Lösungen vom unternehmerischen Marketing nur teilweise übernommen werden können. Begründet wird dies vor allem mit der Aufgabenkomplexität des Regionalmarketings, den mannigfaltigen Koordinierungs- und Kommunikationsbedürfnissen, der Schwierigkeit der Einordnung, ob es sich bei der Anwendung einer Marketingphilosophie bei der Region, die Region eher als Produkt oder als Unternehmen aufzufassen ist.[19]

In der theoretischen Definition und Diskussion ist bei der Wahl der Marketingstrategie diese stringente Trennung von Produkt oder Unternehmung durchaus von Bedeutung. Bei der praktischen Umsetzung sind die Grenzen fließend und bedürfen keiner Isolierung. Region ist sowohl Produkt als auch Unternehmen. Das bedeutet für die praktische Koordinierung aber auch, es ist eine übergeordnete zentrale Stelle erforderlich, um die Trennung zwischen Produkt und Unternehmung nicht sichtbar werden zu lassen. Diese Koordinierungsstelle z. B.

Regionalmanagement, ist Mittler zwischen Zielgruppen, kommunalen Trägern, Verbänden, Politik und hat die Aufgabe sich mit unterschiedlichen Institutionen und deren verschiedenen Interessen, unterschiedlichen Befugnissen und

Möglichkeiten der Einflussnahme, abzustimmen. Mit genügend Kompetenzen ausgestattet sollte es diesem Zentralbereich Koordination möglich sein, ähnlich einer Unternehmung, für die Region klare Leitbilder, Ziele und Marketingstrategien auszuarbeiten. Trotz der Komplexität ‚Region als Produkt’, ‚Region als

Unternehmen’ und der dadurch auftretenden Probleme,

- bei Region als Unternehmung wäre z. B. das Unternehmen zugleich auch die Zielgruppe,
- bei der Region als Produkt lassen sich z. B. keine Kosten-, Nutzenanalysen der Produkteigenschaften durchführen wie bei einer Konsumware,
- bei der Region als Produkt ist es sehr schwer eine genaue Definition der Produkteigenschaften zu treffen,

lässt sich aber doch anführen, dass die moderne, generische Marketingdefinition sich in vollem Umfang im Regionalmarketing widerspiegelt. Meffert schreibt hierzu: "Die moderne, generische und zugleich weiteste Interpretation bezieht das Marketing auf jegliche Form eines Austausches zwischen zwei Kontrahenten, bei dem beide Parteien durch den Austauschprozess ihre Bedürfnisse befriedigen möchten."[20]

2.4. GIS

Regionalmanagement, Regionalmarketing, die einzelnen Entscheidungen der Wirtschaft (Unternehmer und Existenzgründer), den Bürgern (Arbeitnehmern) dienen der Herausstellung regional eindeutiger Wirtschaftsstandortstrukturen. In diesen Prozess müssen aber auch immer die überregionalen und globalen

Entwicklungen mit eingearbeitet werden, da diese die regionalen Rahmenbedingungen entscheidend beeinflussen können. Ergebnis ist eine zunehmende

Konkurrenz der Regionen untereinander, der Wettstreit die regionalen Wachstumsbedingungen und Innovationsbedingungen zu verbessern. Das bedeutet aber auch, dass in letzter Konsequenz fast alle Entscheidungen der oben angeführten Zielgruppen einen regionalen Raumbezug haben. Als Mittel der Darstellung von Raumbeziehungen dienen Geographische Informationssysteme (GIS). "Unter GIS versteht man die Verarbeitung und Verwaltung raumbezogener

Daten (Geodaten) mit Hilfe der elektronischen Datenverarbeitung. Als raumbezogen können dabei solche Informationen bezeichnet werden, die sich eindeutig mit Hilfe von Koordinaten in einem Untersuchungsgebiet verorten lassen."[21] Die ursprünglich von der öffentlichen Verwaltung als digitale Kartographieinstrumente verwendeten geographischen Informationssysteme haben in Zeiten von Google-Earth und Google-Maps den Einzug in den wirtschaftlichen und privaten Bereich gefunden. GIS-Technologien entwickeln sich immer mehr zur Schlüsseltechnologie. Dies zeigen auch die immer stärker werdenden Bemühungen auf nationaler und internationaler Ebene Geodateninfrastrukturen zu schaffen. Als Geodaten kann die Vernetzung von geometrischen Standortsdaten mit

Basisdaten (Betriebsdatenbank mit Adressendaten z. B. Handwerksrolle bei den Handwerkskammern, Veranstaltungsdatenbank beim Regionalmanagement

oder der WISUM-Bereich der Handwerkskammern) und die zur Verfügungsstellung der Daten über genormte Schnittstellen mittels gewisser Webdienste

bezeichnet werden. Als ein Anbieter von Geodateninfrastrukturen auf nationaler Ebene sei hier die Geodateninfrastruktur Bayern (http://www.gdi.bayern.de/)

genannt. Hier handelt es sich eine von der bayerischen Staatsregierung in

Leben gerufene ressortübergreifende Bereitstellung von Geoinfrastrukturdaten und beinhaltet ein ausgesprochen breit gefächertes Angebot an geographischen Webdiensten topographische Karten der bayerischen Vermessungsverwaltung, geologische Karten der bayerischen Umweltverwaltung, Boden- und Baudenkmalskarten der bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Schutzgebietskarten der bayerischen Umweltverwaltung, Straßennetzkarten des bayerischen Staatsministerium des Inneren und eine Darstellung der Gewerbegebiete des Wirtschaftsraums Bayern (www.sisby.de) des Bayerischen Industrie- und

Handelskammertages. Nachteil dieser Angebote im Gegensatz zu Google-Earth, Google-Maps und Microsoft Virtual Earth ist die Kostenpflichtigkeit für die geschäftliche Nutzung der Daten. Das Webportal eines Regionalmanagements sollte eine zielgruppen- und themenorientierte Einbindung von geographischen Informationssystemen beinhalten. Auf die Vorteile, Aufwertung der Internetpräsentation, Verbesserung des Zielgruppenservices, ansprechende Präsentation von Entscheidungsgrundlagen darf nicht verzichtet werden. Der Einsatz von GIS ist möglich und sinnvoll in den Bereichen Wirtschaftsförderung und Regionalmarketing (Gewerbeflächen, Gewerbeimmobilien, standortrelevante Informationen z. B. die Darstellung der Gewerbesteuerhebesätze im Vergleich zu anderen angrenzenden Regionen, Veranstaltungsdatenbank, Firmendatenbank),

Tourismus (Tourenplanung), Wellness, Gesundheit und Medizintourismus

(Verteilung der Fachärzte in der Region, Versorgungsgrad der Region). Google ist durch die Produkte Google-Maps und Google-Earth, durch die kostenlose

Darstellung von Geodaten, durch die API, durch die Möglichkeit der Überlagerung (Mashups) von Satelliten- und Luftbildern in Zusammenhang mir einer

relationalen Datenbank und dem entsprechenden Datenmodell (Punkt 5.2

Datenmodell Veranstaltungsdatenbank) das ideale Darstellungsinstrument.

2.5. Konklusion

Abschließend kann zusammengefasst werden, das Regionalmarketing ist die konsequente Übertragung des unternehmerischen Marketings auf eine Region, da die Marketingansätze und Marketingverfahren im Wesentlichen vergleichbar sind. Die Unterschiede beziehen sich hauptsächlich auf die Vielfältigkeit der

kooperationsraumübergreifenden-, grenzübergreifenden-, interregionalen-

Austauschbeziehungen. Diese inkludieren Stadt-, Standort- und Regionalpolitik, Stadt-, Standort- und Regionalmarketing, die unterschiedlichsten Institutionen und Verbände und die Doppeldeutigkeit Region als Produkt und zugleich

Region als Unternehmen. Die vier Hauptprozesse des Marketing-Managements sind sowohl im Regionalmarketing als auch im unternehmerischen Marketing als identisch anzusehen. Zusätzlich muss natürlich für jeden einzelnen dieser

Prozesse eine inhaltliche Adaption auf das Regionalmarketing erfolgen. Die Verbindung von Regionalmanagementaktivitäten, Regionalmarketing, die zielgruppenbezogene Darstellung von Geoinformationsstrukturen in einem Webportal kann man bei einer großzugigen Auslegung des Begriffes als Geomarketing bezeichnen, wobei Geomarketing bei Unternehmen im eigentlichen Sinne die Entscheidungsgrundlage für Marketingaktivitäten mittels geographischer Informationssysteme darstellt.

3. Medium Internet

Neben den historischen Medien Zeitung, Hörfunk, Fernsehen, entwickelte und etablierte sich das Internet in den letzten drei Jahrzehnten als Massenmedium. Nur das Internet hat die Fähigkeit sämtliche bisher vorhandenen Massenmedien zu vereinen. Es vereint die unterschiedlichsten Kommunikations -, Medien -, Interaktionstypen z. B. Chatforen, WeBlogs, VoIP, Email, Podcasts (YouTube), Online-Communities (MySpace), die unterschiedlichsten Informationstypen z. B. Online-Bibliotheken, Internet-Radio, Internet-Fernsehen, Wikipedia, Tageszeitungsportale (www.idowa.de, www.pnp.de), die unterschiedlichsten Transaktionsformen z. B.

Online-Banking, E-Business, E-Government. In seiner Art ist das Internet nicht

vergleichbar mit den klassischen Kommunikationsstrukturen. Bei diesen push-Strukturen übermitteln einige wenige Anbieter Informationen an Leser, Hörer,

Zuseher. Im Gegensatz dazu wird beim pull-Medium Internet der Nutzer aktiv. Durch die zusätzliche Möglichkeit der Interaktivität verschieben sich die klassischen Kommunikationsmuster Sender à Empfänger (1:1, 1:n) zu (n:m). Der Nutzer wird zugleich Empfänger und Sender.

Es bedarf einer genauen Analyse, welche dieser mannigfaltigen Möglichkeiten genutzt werden sollte um Existenzgründern, national oder international agierenden Unternehmen, hoch qualifizierten Arbeitskräften die Region attraktiv und die Standortattraktivität maximal darzustellen und trotzdem einen ökonomisch sinnvollen Weg einzuschlagen.

3.1. Ziele eines Regionalportals

Das maximale Ziel ist eine umfassende Darstellung des Leistungsangebotes mit gewährleisteter 100%tiger Aktualität. Das Regionalportal im Bereich Regionalmanagement / Wirtschaftsförderung soll durch Bündelungsfunktion von Informationen, Dienstleistung und Anträgen, Anlaufstation Nummer 1 für die Zielgruppen sein; nicht Körperschaften (IHK, HWK, Fachhochschule) und Kommunalverwaltungen (Internetauftritte der Gemeinde, Stadt, Landkreis). Das Regionalportal soll den persönlichen Kontakt nicht ersetzen. Es soll übergreifendes

Informationsmedium (z. B. regionale Förderprogramme, Links zu Bundesverbänden, Landesverbänden, etc.), aber auch Dienstleistungsmedium (Download von Formularen), eine Art One-Stop-Shop, sein. Der Kunde kann sich selbst entscheiden inwieweit er den persönlichen Kontakt bevorzugt, die Abwicklung nur über das Internet tätigt, oder sich auch nur im Vorfeld ausgiebig, unabhängig von Öffnungszeiten und Ansprechpartner informieren will. Diese Entscheidung ist abhängig vom jeweiligen Standort, den jeweiligen subjektiven Bedürfnissen und von der Art des Gesuches.

3.2. Leistungsumfang des Regionalportals

3.2.1. Technische Komplexität

Der Wunsch der maximal möglichen Umsetzung scheitert in den meisten Fällen an den Kosten, dem technologischen und auch organisatorischen Aufwand. Bei einer maximalen Umsetzung ist z. B. E-Government nicht im Sinne von elektronischen Formularen mit anschließender manueller Abarbeitung, sondern E-Government im Sinne eines One-Stop-Shops, einer elektronischen Dienstleistungsabwicklung mit Workflowintegration über mehrere kommunale Ebenen zu verstehen. Dies wird auch zukünftig so gut wie

unmöglich umzusetzen zu sein. Folgende Probleme könnten sich ergeben und müssten gelöst werden.

- Untersuchung und gegebenenfalls Anpassung der Geschäftsprozesse mit Vereinheitlichung der Geschäftsprozesse bei elektronischer Dienstleistungsabwicklung über mehrere Behörden, Verbände, Organisationen.
- Flächendeckende Ausstattung mit IT Medien zum Beispiel
Arbeitsplatzrechner, Scanner, Drucker, eigener Email-Anschluss mit
Internetzugang aller Sachbearbeiter. Vorteilhaft wäre der Kauf der Hardware eines Anbieters wie bei den Sparkassen (HP). Nur damit ist eine minimale Wartbarkeit garantiert.
- Flächendeckende Ausstattung mit gleichen oder gleichartigen Softwareprodukten. Genannt sei hier ein redaktionelles CMS als Intranet, ein Extranet, Microsoft Office; gleichartige fachspezifische Softwareprodukte wie zum Beispiel bei den Sparkassen. Hier werden die Softwareprodukte durch einen Anbieter, die zuständige Sparkassenakademie programmiert, getestet, freigegeben. Sollte dies nicht möglich sein, sind die Schnittstellen zu berücksichtigen.
- Nutzung von schnellen Breitbandanschlüssen.
- Vernetzung der an den Prozessen beteiligten Institutionen, ähnlich einem Behördennetz.
- Ein gleichartiges Berechtigungskonzept.
- Prozessgestaltung ohne Medienbrüche.
- Standardisierung von Datenformaten und Formularen.
- Datenmigration von Altsystemen in Neusysteme.
- Schaffung eines einheitlichen Rechterahmens.
- Einführungskosten und laufende Kosten.

3.2.2. Redaktioneller Pflegeaufwand

Der redaktionelle Pflegeaufwand und die Aktualität sollten nicht unterschätzt werden. Das bedeutet, dass für den redaktionellen Teil, die regelmäßige Pflege der Portaldaten organisatorische Maßnahmen getroffen werden

müssen. Die Betonung liegt auf regelmäßig. Veraltete oder falsche Informationen hätten negative Folgen für die Reputation des Herausgebers. Es muss klar geregelt werden, wer darf in welche Bereiche redaktionellen

Content einchecken, wer ist für die redaktionelle Qualitätssicherung verantwortlich, wer erteilt die Freigabe für das Frontend. Der Veröffentlichungsprozess kann, wie die Darstellung zeigt, in unterschiedliche Schritte eingeteilt werden.

Darst. 3: Veröffentlichungsprozess

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung.

Die Punkte Dokument Erhebung (Prüfung der Quellen und des Inhalts),

Dokument Kontrolle, Dokument Freigabe und auch ein hierarchisch gegliedertes Rollenkonzept stellen für die Publikation des Web-Contents die Qualitätssicherung dar.

3.2.3. Elektronische Erreichbarkeit, Reaktionspflicht, Reaktionszeit

Elektronische Kommunikation ist komfortabel, öffnungszeitenunabhängig und spart Zeit. Deshalb geht der Kontaktierende normalerweise von einer kurzen Durchlaufzeit seines Anliegens aus. Die Reaktion auf ein Bedürfnis sollte maximal binnen 24 Stunden erfolgen. Sämtliche eingegangenen

Kontakte müssen bearbeitet werden. Die elektronische Erreichbarkeit muss zu 100% gewährleistet sein bei der Möglichkeit der Abgabe von fristgebundenen Formularen per Internet. Bei der Vergabe von RAL-Gütezeichen, die Güte- und Prüfbestimmungen für die mittelstandsorientierte Kommunalverwaltung festlegen, ist eines der Vergabekriterien für die Gütesicherung laut Gütegemeinschaft Mittelstandsorientierte Kommunalverwaltungen e. V. die schnelle Reaktion auf Emails. Innerhalb 24 Stunden sollten hier die Email-Anfragen beantwortet, bei Abwesenheit das Email umgeleitet sein. Der Zielwert ist hier 100%, Eine Abweichung für Erhalt des Gütezeichens wird hier nicht gestattet.[22]

3.2.4. Personalisierung

Bei der Personalisierung hat der Benutzer Einfluss auf die ihm präsentierten Inhalte. Der Benutzer muss sich über einen zentralen Kundenlogin anmelden. Durch die Anmeldung und damit auch das Preisgeben von persönlichen Daten erhält der Kunde ein Mehrwert gegenüber dem reinen Besuch der Portalseite geboten. Er kann Zusatzangebote in Anspruch nehmen oder sich seine Seite den Informationsbedürfnissen entsprechend gestalten. Ein

Zusatzangebot wäre zum Beispiel vergünstigte Eintrittspreise für gewisse vom Regionalmanagement angebotene Veranstaltungen. Die Personalisierung von Portalen stellt eine Möglichkeit dar den User zu binden. Laut

Bauer, Hammerschmidt ist ein Konstrukt für die Portalqualität ihres 6C-Modells die Verfügbarkeit personalisierter Mehrwertdienste. Diese Personalisierungsfunktionen werden in die Leistungsdimension Customer Care

eingeordnet. Als Ergebnis dieser Studie über Kundenzufriedenheit und

Kundenbindung werden vier Qualitätsdimensionen als Erfolgsfaktoren für die Portalqualität identifiziert. Als zweitwichtigster Faktor hat sich Customer Care (Index 0,77; Index 1 entspricht Maximum) herauskristallisiert.[23] Im Prinzip stellt die Personalisierung von Portalen eine Art Mass Customization der

Internetprogrammierung dar. Man versucht jedem Benutzer der Zielgruppe ein individuelles Angebot zur Verfügung zu stellen und somit auch die Wechselbarrieren zu erhöhen. Die über das Anmeldeprocedere erhaltenen Daten, zum Beispiel Adressdaten, Kommunikationsdaten, Rechtsform,

können in ein CRM Programm einfließen und die Grundlage für ein ganzheitliches Marketing- und Kundenbindungskonzept seitens des Regionalmarketings werden.

3.2.5. Sicherheit / Datenschutz

Neben den bekannten Gefahrenquellen des Internets wie Viren, Würmer, Trojaner, Denial of Service-Angriffe, Dialer die mit Maßnahmen wie Firewall, Zwischennetz, Virenscanner, Aufklärungsarbeit gut in den Griff zu bekommen sind existieren eine Reihe von Sicherheitsanforderungen, die in besonderem Maße im Bereich des E-Government, E-Business und bei der elektronischen Signatur zu beachten sind. Bei diesen Sicherheitsanforderungen handelt es sich um Vertraulichkeit, Integrität, Identität, Authentizität, Legitimation, Vertrauen, Verbindlichkeit, Nichtabstreitbarkeit, Beweisbarkeit, Rechtssicherheit.[24] Im Zuge dieser Sicherheitsanforderungen ist zu erörtern, welche Sicherungsverfahren für eine optimale Sicherung eingesetzt werden sollen und welcher zusätzliche Aufwand für die Benutzer noch vertretbar erscheint.

- Sicherungsverfahren

Bei der Auswahl der Sicherungsverfahren ist abzuwägen, welcher Verfahrenstyp, symmetrisch, asymmetrisch, hybrid, benötigt wird. Anschließend gilt es, dafür den geeigneten Algorithmus auszuwählen.

Bei den symmetrischen Verschlüsselungsverfahren (3DES, IDEA, AES) verwenden Sender und Empfänger zum verschlüsseln/entschlüsseln denselben geheimen Schlüssel. Dieser Schlüssel muss vorher dem Empfänger über einen sicheren Weg (VPN, persönlich) übertragen

werden. Das symmetrische Verschlüsselungsverfahren gilt als schnell.

Bei der asymmetrischen Verschlüsselung, z. B. RSA, werden zwei

komplementäre Schlüssel (Schlüsselpaar) verwendet. Sendet z. B. ein Existenzgründer vertrauliche Daten an die Fördereinrichtung, so holt er sich den öffentlichen Key der Fördereinrichtung und verschlüsselt die Daten. Dieser öffentliche Schlüssel wird seitens der Institution frei zugänglich - auf einem Server - hinterlegt. Der Empfänger entschlüsselt die Nachricht dann mit dem eigenen privaten Schlüssel. Bei diesem

Algorithmus muss nur noch der private Schlüssel geheim gehalten werden. Verwendung findet diese Technik auch bei der digitalen Signatur.

Hybride Verfahren versuchen die Vorteile beider Verfahren zu vereinen und sind besonders bei größeren Nutzergruppen zu bevorzugen. Die Übermittlung des symmetrischen Schlüssels erfolgt per asymetrischer Verschlüsselung. Die eigentlichen Daten werden symmetrisch verschlüsselt.

- Vertraulichkeit

Wird die Eigenschaft bezeichnet, den unberechtigten Zugang zu Informationen während des Übertragungsvorganges vom Sender zum Empfänger durch Dritte zu unterbinden. Der Schutz vor unberechtigtem Zugang kann durch hard - und softwaretechnische Maßnahmen (Firewalls, Sicherung im internen Netz), durch organisatorische – (Legitimation durch Zugangskontrolle), durch bauliche Maßnahmen (Türen) erfolgen. Zusätzlich gilt es durch geeignete sichere Verschlüsselungsverfahren die Übertragung abzusichern. Für die sichere Übertragung im Browser hat sich das SSL-Verfahren etabliert. SSL zählt zu den hybriden

Verschlüsselungsverfahren. Erkannt werden kann die Aktivität der

verschlüsselten Übertragung durch das s am Ende von http (https) im URL-Eingabebereich des Browsers.

- Integrität

Hier handelt es sich um die Gewährleistung vor unberechtigter Änderung von Informationen. Vom Sender zum Empfänger übertragene Daten werden dahingehend geprüft, ob auf dem Übertragungsweg die Daten unberechtigterweise verändert wurden. Dazu werden Hash-Algorithmen, die zusätzlich zu einer etwaigen Verschlüsselung Prüfsummen erzeugen, verwendet. Das Verfahren wird auch als digitaler Fingerabdruck bezeichnet. Die bekanntesten Vertreter sind hier die Verfahren MD5, SHA-2, RIPEMD-160. Das MD5 Verfahren wird z. B. von PGP zur sicheren Übertragung des Emailverkehrs oder beim Online-Banking verwendet. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass die Schlüssellänge mindestens 100 Bit beträgt.

- Identität

Neben der Sicherung der Übertragung ist auch die Identität des

Kommunikationspartners von Relevanz. Das Gegenstück zum konventionellen Ausweis in der realen Welt stellt in der digitalen Welt das digitale Zertifikat dar. Zwischen persönlicher Identität und z. B. Identität des

privaten Schlüssels muss ein Zusammenhang geschaffen werden. Dies leisten so genannte Zertifizierungsstellen (Trust Center). Diese Zertifizierungsstellen stellen die digitalen Zertifikate nach dem x.509 Standard aus. Die Zertifizierungsstellen selbst erhalten auch ein Zertifikat, das Sie als Zertifikatsaussteller legitimiert.

- Authentizität

Bei der Authentisierung wird geprüft, ob das digitale Zertifikat von der dafür Berechtigten Person stammt. Ermöglicht wird dies durch die elektronische Signatur, der elektronischen Unterschrift. Bei der elektronischen Signatur verwendet der Unterschreibende den privaten Schlüssel des Zertifikats, der das Gegenstück des öffentlichen Zertifikatschlüssels darstellt. Der Empfänger und jede andere Person auch kann dann mit dem zur Verfügung gestellten (frei zugänglich auf einem Server, mit

gesendet) öffentlichen Schlüssel die Daten wieder entschlüsseln.

Deshalb eignet sich das Verfahren nur zur Identifikation, hat aber keine Schutzfunktion vor Einsicht Unberechtigter.

- Legitimation

Laut Baums ist neben der Legitimation durch biometrische Daten, die Legitimation in Form von Benutzername und Passwort/PIN eine der

wenigen Möglichkeiten sich im elektronischen Bereich aus- und seine Identität nachzuweisen. Wobei hier wiederum die Kombination aus

Benutzername und Passwort/PIN der strikten Geheimhaltung unterliegen sollte. Ansonsten wäre die Verwendung der Identität durch Unberechtigte möglich.[25]

- Vertrauen

Trotz aller Sicherheitsvorkehrung scheitern viele geschäftliche Transaktionen im Wirtschaftsleben immer noch an mangelndem Vertrauen. Dies scheint neben gewissen Umständlichkeiten immer noch der Hauptpunkt der fehlenden Akzeptanz der elektronischen Unterschrift zu sein. Es muss z. B. Vertrauen an der korrekten Identität einer Person und des zughörigen öffentlichen Schlüssels bestehen. Baums beschreibt, es sei abhängig von der Art der Transaktion, von den Teilnehmern, deren

Ansprüchen und von dem gesellschaftlichen Umfeld, welche Maßnahmen ergriffen werden müssten um das entsprechende Vertrauen aufzubauen.[26] Diese Vorurteile könnten durch die nötige Aufklärungsarbeit, Darlegung der Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten abgebaut

werden.

- Verbindlichkeit

Die Verbindlichkeit von Papierdokumenten beruht darauf, dass Dokument und Unterschrift eine physikalische Einheit bilden. Manipulationen sind nicht ohne weiteres möglich. Sie erfordern erhebliches Geschick

finanziellen Aufwand. Normalerweise ist jede Sicherungsart mit dem entsprechenden Aufwand zu umgehen. Die Sicherungsstufe sollte aber so gewählt werden, dass der Versuch der Manipulation den Aufwand nicht rechtfertigt. "Verbindlichkeit entsteht dadurch, dass die ergriffenen

Sicherheitsmaßnahmen ausreichend sind, um Fehler und Manipulation mit großer Wahrscheinlichkeit auszuschließen."[27]

- Nichtabstreitbarkeit, Beweisbarkeit, Rechtssicherheit

Sämtliche getroffenen Sicherungsmaßnahmen müssen von ihrem Ablauf derart lückenlos gestaltet sein, dass eine Manipulation ausgeschlossen erscheint. Nur dann ist es möglich, z. B. bei einem Rechtsstreit, elektronische Dokumente als Beweis anzuführen. Nur dann ist auch auszuschließen, dass die gegnerische Partei die angeführten Beweise als nicht rechtssicher anzweifelt. Um die Rechtssicherheit zu gewährleisten wurden die unterschiedlichsten Gesetze geändert, z. B. das Verfahrenverwaltungsgesetz für den Bereich E-Government, das BGB, wenn es um notarielle Beurkundung geht, die gewisser Formvorschriften bedürfen.

[...]


[1] Vgl. Bauer, Oliver; Tenz, Beate: [Informations- und Kommunikationstechnologie in Unternehmen, 2008], S. 4.

[2] Vgl. Bauer, Oliver; Tenz, Beate: [Informations- und Kommunikationstechnologie in Unternehmen, 2008], S. 4

[3] Vgl. Neue Mediengesellschaft Ulm (Hrsg.): [Der erste Eindruck entscheidet, 2005], S. 16.

[4] Vgl. Schnurrenberger, Bernd: [Standortwahl und Standortmarketing, 2000], S.11.

[5] Balderjahn, Ingo: [Standortmarketing, 2000], S.1.

[6] Schnurrenberger, Bernd: [Standortwahl und Standortmarketing, 2000], S.11.

[7] Vgl. Schnurrenberger, Bernd: [Standortwahl und Standortmarketing, 2000], S.12.

[8] Vgl. Schnurrenberger, Bernd: [Standortwahl und Standortmarketing, 2000], S.12.

[9] Vgl. Schnurrenberger, Bernd: [Standortwahl und Standortmarketing, 2000], S.13.

[10] Balderjahn, Ingo: [Standortmarketing, 2000], S.1.

[11] Schnurrenberger, Bernd: [Standortwahl und Standortmarketing, 2000], S.13.

[12] Vgl. Schnurrenberger, Bernd: [Standortwahl und Standortmarketing, 2000], S.14 ff.

[13] Schnurrenberger, Bernd: [Standortwahl und Standortmarketing, 2000], S.15.

[14] Vgl. Meyer, Jörn-Axel: [Regionalmarketing, 1999], S. 21.

[15] Vgl. Meffert, Heribert: [Grundlagen marktorientierter Unternehmensführung, 2005], S. 11 ff.

[16] Vgl. Kotler, Philip; Haider, Donald; Rein, Irving: [Standort-Marketing, 1994], S. 54.

[17] Illigmann, Klaus: [Regionalentwicklung in der Praxis; 2002], S. 31.

[18] Vgl. Meyer, Jörn-Axel: [Regionalmarketing, 1999], S. 62.

[19] Vgl. Meyer, Jörn-Axel: [Regionalmarketing, 1999], S. 35.

[20] Meffert, Heribert: [Grundlagen marktorientierter Unternehmensführung, 2005], S. 9.

[21] Linder, Wilfried: [Geo-Informationssysteme, 1999], S. 3.

[22] Vgl. Gütegemeinschaft Mittelstandsorientierte Kommunalverwaltungen e. V. (Hrsg): [RAL-GZ 981], S. 13.

[23] Vgl. Bauer H. Hans; Hammerschmidt, Maik: [Kundenzufriedenheit und Kundenbindung bei Internet-Portalen, 2004], 189 ff.

[24] Vgl. Baums, Dieter: [Sicherheitsfragen bei Neuen Medien, 2008], S. 25 ff.

[25] Vgl. Baums, Dieter: [Sicherheitsfragen bei Neuen Medien, 2008], S. 27.

[26] Vgl. Baums, Dieter: [Sicherheitsfragen bei Neuen Medien, 2008], S. 27 ff.

[27] Vgl. Baums, Dieter: [Sicherheitsfragen bei Neuen Medien, 2008], S. 28 ff.

Details

Seiten
111
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656328773
ISBN (Buch)
9783656329008
Dateigröße
5.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v205227
Institution / Hochschule
Hochschule Deggendorf
Note
1,30
Schlagworte
Joomla Google Geomarketing Geo-Navigationsstrukturen GIS WMS Web Map Services Regionalportal Regionalmarketing Wirtschaftsregionalmarketing Marketing E-Government Standortfaktoren

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Titel: Wirtschaftsregional-Marketing mit Web Map Services (WMS) und Geo- Navigationsstrukturen