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Determinanten im Spanischen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 20 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Was fällt unter die Kategorie Determinant

II. Ist der unbestimmte Artikel wirklich ein Artikel?

III. Determinierer von Nominalphrasen
3.1 Determinierer von Nominalphrasen, die Argumente sind
3.1.1 Distribution der Determinanten
3.1.2 „The DP hypothesis[1]
3.2 Determinanten prädikativer Nominalphrasen

IV. Prä- und Postdeterminanten

Schlussbemerkung

Literaturliste

Einleitung

Meiner Einleitung liegt Jiménez Juliá (2006) zu Grunde.

Erstellt man eine Biographie über die Fachliteratur, die dem Studium der Determinanten in diversen Sprachen gilt, kommt man zu dem Schluss, dass über dieses Thema weniger geschrieben wurde, als man vorher vielleicht vermutet hatte.

Der Grund hierfür liegt darin, dass diese Thematik nicht in dem Maße das Interesse der Linguisten geweckt hat, das man erwarten hätte können, da die Kategorie der Determinanten ja eine wichtige Rolle bei der Erklärung der Nominalstrukturen spielt. (vgl. ebd., S. 6).

Ohne Zweifel liegt die Ursache dafür in den unterschiedlichen Auffassungen, was denn nun unter einem Determinanten zu verstehen sei. Diese divergieren nämlich je nach Autor und dessen wissenschaftlicher Herangehensweise.

Alvar Ezquerra (1979, S. 31) definiert Determinanten folgendermaßen (zitiert nach Jiménez Juliá, S.6):

´ciertos morfemas gramaticales libres situados en la cadena hablada delante del nombre, y

cuyas funciones pueden ser de actualización, cuantificación, selección o situación del

sustantivo que viene a continuación.´

Laut Jiménez Julía (vgl. S. 6f.) könnte das allgemeine – über die Artikel hinausgehende - Verständnis davon, was ein Determinant ist, auf die Grammatik von Port Royal aus dem 17. Jahrhundert zurückgehen, worauf Alvar Ezquerra hinweist. Schon damals hat sich jener mit der Frage auseinander gesetzt, was unter den Begriff „Determinant“ falle und hat das auch (für das Französische) formuliert und bereits zwischen determinierten und nicht determinierten Nomen unterschieden.

Moderne Vorläufer der Diskussion über diese Wortklasse waren Bally und Coseriu, die zwar für wichtige Arbeiten verantwortlich zeichnen, jedoch nach Ansicht von Jiménez Juliá sich eher mit dem semantischen Prozess der Determinierung als den Determinierern an sich beschäftigten, d.h. diese waren nur eines von mehreren Studienobjekten (vgl. S. 7).

Bloomfield fasst den Determinierer als einen Art Adjektiv auf, also als ein syntaktisches Element, welches ein Nomen näher bestimmt. Er unterschied weiterhin zwischen adjectivos descriptivos o limitadores, Letztere bezeichnete er entweder als „determiners“ oder „numeratives“. Bloomfield macht zudem einen Unterschied zwischen bestimmten und unbestimmten Determinierern, unter Letztere fällt seiner Ansicht nach jedwedes besitzanzeigende Eigenschaftswort und Wörter wie „this ( these) that ( those)“ (1933, S. 203) und der bestimmte Artikel the.

Bevor ich näher auf einige zentrale Merkmale der Wortklassen eingehe, die in der Literatur gemeinhin als Determinanten angesehen werden, möchte ich noch Bloomfields Definition mit aufnehmen (ebd., nach Jiménez Juliá, S. 7):

´(determiners) are defined by the fact that certain types of noun expressions (such as house or big house) are always accompanied by a determiner (as, this house, a big house). The class-meaning is, roughly, ´ identificational character of specimens´. This habit of using certain noun expressions always with a determiner is peculiar to some languages, such as Germanic and Romance. Many languages have not the habit; in Latin, for instance, domus ´house´, requieres (sic!) no attributive and is used indifferently where we say the house or a house ´.

1. Was fällt unter die Kategorie „Determinant“?

Hierbei stütze ich mich auf Zagona. The Syntax of Spanish und auf Berschin et al. (1995), wo folgendes steht: „Es handelt sich um eine Paradigmengruppe mit adjektivischen, substantivischen und spezifischen Merkmalen[.](…) (S. 178).

Artikel, Zahlwörter und Pronomen „bilden ein begrenztes Inventar grammatischer Funktionswörter“ (ebd.), die oft vorkommen. Anders als ihre Kollegen Präposition und Konjunktion kann man sie flektieren,

´und zwar durch die nominalen Kategorien Genus und Numerus; das Personalpronomen

weist auch eine Kasusflexion auf. Das Zahlwort gehört einer offenen, lexikalischen

Wortklasse an, die semantisch allerdings begrifflich exakt strukturiert ist.“ (Berschin et

al.,S.178f.)

Determinanten haben eine „merkmalärmere Bedeutung“ (Berschin et al., S.179) als Substantive, Adjektive, Verben und Adverben, die „´deiktisch´“ und/oder ´kennzeichnend´ ist“. (ebd.)

In erstgenanntem Fall drücken sie eine Zeigehandlung aus, das heißt, sie verweisen mit Nachdruck auf etwas, z.B. in Sätzen wie Esto es maravilloso/terrible/asqueroso, etc., El apartamiento en que vivo oder auch in Buchtiteln wie Julio Cortazars/Pablo Nerudas Yo,el supremo.

In den anderen Fällen wird „der Referent kategorial nach Quantität, Negation, Person, Sache, usw. gekennzeichnet:“ (Berschin et al., S.179) ¿Cuántas se han ido? Todas/nadie/muchas/diez. ¿Qué pasó?

Fungiert das Pronomen als Stellvertreter des Nomens, ist „die Bedeutungsredauktion grammatikalisiert“ (ebd.), was zur Folge hat, dass das Pronomen die gleichen Merkmale des Referenten aufweist, beispielsweise hinsichtlich Genus, Numerus und Kasus, jedoch in Abhängigkeit von der Art des Pronomens, wie oben schon erwähnt.

Morphosyntaktisch gesehen übernehmen Pronomen entweder die Rolle des Stellvertreters eines Nomens oder sie präzisieren dessen Referenzbereich, im ersteren Fall haben sie die Funktion eines Substantivs:

¿Quién llega por allá? – Soy yo. vs. la chica , una chica , esta chica , las chicas , dos chicas , etas chicas.

Anders als Adjektive, von denen ein Nomen mehrere bei sich haben kann, kann man Determinanten nur in eingeschränktem Maße miteinander kombinieren:

las dos chicas, el otro coche, aber: * la mi esposa, la esta mesa, esa su cama.

Zagona zieht folgendes Fazit (S. 94):

„Specifiers that have definite interpretations (possessives, demonstratives and definite determiners) cannot co-occur with each other in pre-nominal position”. (Hervorhebung von mir)

Sie schreibt außerdem, dass in frühen Arbeiten zur Phrasentheorie (in der Literatur als X´-Theorie bezeichnet) drei Satzbausteinen die Rolle zugewiesen wird, den Kopf einer Phrase näher zu bestimmen. Dazu gehören zum einen die so genannten „[c]omplements“ (Zagona, S. 86), bei denen es sich um Argumente handelt, die von dem Kopfnomen eine Theta-Rolle zugewiesen bekommen, das heißt, sie schlüpfen entweder in die Rolle des Agens, des Patiens oder des Ziels der Handlung. Auch das Verhältnis zum Kopf entscheidet darüber, ob es sich um eine Ergänzung oder ein Adjunkt handelt, welche die zweite Gruppe der Konstituenten ausmachen, die das Kopfnomen näher bestimmten können: Adjunkte befinden sich in direkter Abhängigkeit von dem Kopfnomen des Satzes, was auf erstere Kategorie nicht zutrifft:

un coche muy barato vs. la destrucción del edificio.

Adjunkte können die Rolle von Adjektivphrasen (sowohl vor als auch nach dem Nomen), Präpositionalphrasen, Relativsätzen sowie „verkappte“ Relativsätze wie un actor amado por todos, von Zagona als „Small Clause“ (S. 90) bezeichnet.

Nur am Rande möchte ich erwähnen, dass es manchmal schwierig ist, zu entscheiden, ob es sich bei einer Präpositionalphrase, die auf das Nomen folgt, um eine Ergänzung des vorauf gehenden Nomens oder ein Adjunkt handelt.

Wie der Titel meiner Arbeit schon aussagt, soll aber die dritte Kategorie im Mittelpunkt stehen, jene Kategorie, die von Zagona entweder als „specifiers“ (S.93) oder als „determiners“ (S. 94) bezeichnet.

Zagona zählt drei Eigenschaften dieser Wortklasse auf (vgl. S. 93):

- ihre Heterogenität
- die Tatsache, dass sie üblicherweise die Phrase einleiten
- sie unterscheiden sich von den complements und den Adjunkten

Zagona und Berschin et al. referieren zum Teil dieselben Klassen von Determinanten (S.93 bzw. S. 178-205):

- Possessivpronomen: mi paraguas , tu mesita de noche , su bolsa
- Demonstrativpronomen: ese paraguas , esa mesita de noche
- „ definite determiners “ (Zagona, S. 93): el coche , los coches, lo mismo
àdiese werden bei Berschin et al. als bestimmte bzw. unbestimmte Artikel bezeichnet
- „ indefinite determiners “ (ebd.): un coche, unos coches some cars
- Kardinalzahlen: cien libros , diez estanterías

- Quantifizierer (bei Berschin et al. als „Indefinitpronomen“ (S. 188) bezeichnet, dort werden auch vier Unterkategorien genannt:

- Schätzen von Mengen: más dinero, bastantes problemas , tantas mujeres
- Distribution: cada uno de ellos , ambos amigos
- Auswählen von Dingen/Personen: cierto hombre , ningun problema
- „Gesamtheit“ (ebd., S. 189): todos sus problemas , toda su riqueza

Berschin et al. rechnen auch noch folgende Wortklassen zu den Determinierern:

- die Ordinalzahlen, welche wie Adjektive verwendet werden: el séptimo tomo, el tercer examen
- die Personalpronomen, bestehend aus „zwei Formenreihen“ (Berschin et al., S.191):

- „Das Subjektpronomen kommt in Subjektfunktion und nach Präposition vor“ (ebd.): ¿Quién ha llegado? – „Yo/él/ella (ebd.)à„starktonig“ (Berschin et al., S.191), betonte Form
- „Das Objektpronomen steht in Objektfunktion und kommt nur in enger morphosyntaktischer Verknüpfung mit dem Bezugsverb vor.“ (ebd.): ¡ No lo hagas! , Me/te/se lo han dado.

- „schwachtonig“ (ebd.), unbetonte Form

- die Relativpronomen: el que , la que , lo que , los que , las que ; cuyo , cuya , cuyos , cuyas, etc. (vgl. Berschin et al., S. 201)
- die Frage- und Ausrufepronomen, die man meist nur anhand der Funktion, jedoch nicht im Hinblick auf die Form, unterscheiden kann:

¿Qué ha pasado? „ Tú, ¡qué sabes! ” (ebd.), ¡Qué maravilloso!

Bevor ich auf die Prä- und Postdeterminanten näher eingehe, möchte ich noch einige Anmerkungen zum unbestimmten Artikel machen, weil nicht alle Linguisten, die sich mit diesem auseinander gesetzt haben, ihn – der Ansicht der Academia de la Lengua Española folgend- als unbestimmten Artikel auffassen. Zu diesen gehören beispielsweise Emilio Alarcos Llorach und Amado Alonso.

[...]


[1] Zagona. S. 98

Details

Seiten
20
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656322122
ISBN (Buch)
9783656325871
Dateigröße
561 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v205219
Institution / Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,7
Schlagworte
Determinant Determinant von Nominalphrasen Prädeterminant Postdeterminant

Autor

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