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Islam in Deutschland - Ein Überblick

Hausarbeit 2008 18 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Islam in Deutschland
2.1 Historischer Rückblick
2.2 Stellenwert des Islam für türkische Muslime
2.3 Islamische Institutionen
2.3.1 Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V
2.3.2 Islamische Gemeinschaft Milli Görüs
2.3.3 Koranschulen und der Koranunterricht
2.3.4. Islamforen

3. Zusammenfassung

4 Literatur

5. Internetquellen

1. Einleitung

„Ich verstehe die Empfindlichkeit, die Sie gegenüber der Assimilation zeigen, sehr gut. Niemand kann von Ihnen erwarten, Assimilation zu tolerieren. Niemand kann von Ihnen erwarten, dass Sie sich einer Assimilation unterwerfen. Denn Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Sie sollten sich dessen bewusst sein.“[1].(laut Übersetzung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung )

Als Anfang Februar diesen Jahres der türkische Ministerpräsident Racep Tayyip Erdogan in Köln vor über 15000 Menschen seine polarisierende Rede abhielt, entfachte in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen eine heftige Debatte über Themen wie Integration und Bildung türkischer Migranten, sowie Schaffung türkischer Schulen in Deutschland.

Der Fokus dieser Arbeit liegt auf dem türkischen Islam, da von den 3,2 – 3,5 Millionen in Deutschland lebenden Muslimen die türkischen Muslime mit ca. 1,8 Millionen den größten Anteil stellen.[2]

In dieser Hausarbeit sollen, anhand einiger ausgewählter islamischer Institutionen, die historische Entwicklung des Islams in Deutschland, ihrer Organisation und Arbeitsstruktur, näher gebracht werden, um die Notwendigkeit des schwierigen und langwierigen Prozesses der Integration und des Dialogs zu verdeutlichen.

Doch bevor man über den Islam in Deutschland sprechen kann, muss vorerst die Geschichte und vor allem der Weg des Islams nach Deutschland beleuchtet werden.

2. Der Islam in Deutschland

2.1 Historischer Rückblick

In diesem Abschnitt sollen in einem kurzen geschichtlichen Umriss die Anfänge und die Entwicklung des Islams in Deutschland bis zur heutigen Zeit aufgezeigt werden.

„Die ersten Muslime, die sich über längere Zeit in Deutschland aufhielten, waren Kriegsgefangene aus den Türkenkriegen des 17. und 18 Jahrhunderts“[3] Über sie ist nur sehr wenig bekannt. Es waren vor allem Kinder, die nach Deutschland als Diener an die Fürstenhöfe gebracht wurden. Viele von den Gefangenen wurden getauft und erhielten einen neuen deutschen Namen.

1731 nahm der preußische König Friedrich Wilhelm I 20 osmanische Soldaten zur Verstärkung seines Heeres auf. Für die Ausübung ihrer Religion ließ er für sie nahe der Garnisionskirche ein Gebetshaus errichten. Friedrich der Große verstärkte für die beiden Schlesischen Kriege seine Truppen mit Tatareneinheiten aus Russland. Zum ersten Mal wird in dieser Zeit der Name eines preußischen Heeres Imams, Leutnant Osman erwähnt.

Kurfürst Theodor von der Pfalz verordnete 1780 den Bau der „Roten Moschee“, welche fünf Jahre später fertig gestellt wurde. Als Sakralbau erbaut, diente sie nach dem deutsch – französischen Krieg als Gebetsstätte für verwundete Soldaten.

Als der türkische Botschafter Ali Aziz Efendi am Berliner Hof 1798 verstarb, ließ der König ihn auf traditionelle islamische Weise bestatten.[4]

„Diese Handlung wird als erste islamische Kulthandlung in der Berliner Öffentlichkeit und die Grabstätte als erster islamischer Grundbesitz in Deutschland angesehen.“[5]

Der Bau der ersten Moschee mit Gemeindegründung auf deutschem Boden wurde 1914 in Wünsdorf nahe Berlin Realität. Kaiser Wilhelm II ließ für die etwa 15.000 gefangenen muslimischen Soldaten eine Moschee errichten. Diese wurde bis Mai 1922 von russischen Migranten als Zufluchtstätte genutzt, musste aber wegen Baufälligkeit 1925/26 abgerissen werden. Im Jahre 1924 wurde eine weitere islamische Gemeinde in Berlin – Chalottenburg gegründet, so dass fast drei Jahre nach Baubeginn die Moschee endgültig fertig gestellt und eingeweiht werden konnte.

Ebenfalls 1927 erfolgte die Einweihung des Islam Instituts zu Berlin. „Es sollte ein geistiges Zentrum für den Kulturaustausch zwischen Deutschland und der islamischen Welt werden und beide Seiten durch seine Mittlertätigkeit befruchten.“[6] Zusätzlich zu Vorträgen und anderen Veranstaltungen wurden dort auch deutschsprachige Zeitschriften wie „Die islamische Gegenwart“ und „Islam – Echo“ publiziert.

1941 erfolgte unter nationalsozialistischer Zustimmung die Umbenennung des Instituts in einen eingetragenen Verein „Islamisches – Zentral – Institut zu Berlin e.V.“

Während des Zweiten Weltkrieges bestanden die islamischen Gemeinden weiterhin, wurden jedoch mit Misstrauen beobachtet. Die während des Russlandfeldzugs auf die deutsche Seite übergelaufenen muslimischen Soldaten wurden wieder in speziellen Muslimeinheiten zusammengefasst, wo sie weiterkämpften. Diese Einheiten gründeten unter anderem mit den zahlreichen Flüchtlinge des Zweiten Weltkrieges die ersten islamischen Gemeinden nach dem Krieg.

Aufgrund des enormen Arbeitskräftemangels in den sechziger Jahren in Deutschland, wurden zwischen 1955 und 1973 hunderttausende freiwillige Arbeiter aus dem Ausland angeworben. Die meisten Muslime unter ihnen kamen aus der Türkei, Tunesien und Marokko. Allein aus der Türkei wurden zwischen 1961 und 1973 740.000 Arbeiter angefordert.

Vorgesehen war es, dass diese Menschen als „Gastarbeiter“ in Deutschland arbeiten und anschließend nach zwei Jahren wieder in ihre Heimatländer zurückkehren sollten. Jedoch erkannte man schnell die Unwirtschaftlichkeit diesen Systems und veranlasste Gegenmaßnahmen, die das Leben der türkischen „Gastarbeiter“ verbessern sollten. So konnten z.B.: die Männer ihre Familien nachholen, ihre Kinder unterlagen nun ebenfalls der Schulpflicht und die Familien konnten Kindergeld beantragen.

Mit dem Anwerberstopp von 1973 sollten keine weiteren „Gastarbeiter“ nach Deutschland geholt werden. Da sich viele ein neues Leben, neue Existenzen mit ihren Familien aufgebaut hatten, entschlossen sich viele für einen dauerhaften Verbleib in Deutschland.[7] Um die eigene Kultur und den Islam weiterhin ausleben und praktizieren zu können, benötigte man Institutionen und Bildungsträger, welche sich auf die Bedürfnisse der in Deutschland lebenden Muslime konzentrieren.

2.2 Stellenwert des Islam für türkische Muslime

Der Islam in Deutschland hat viele Erscheinungsformen. Es gibt nicht „den Islam“, da es auch nicht „den Muslim“ gibt, denn ähnlich wie es Unterschiede zwischen orthodoxen, gemäßigten und radikalen Christen gibt, existieren auch Differenzen im Verständnis und der Auslebung ihrer Religion bei den Muslimen. Neben den Sunniten, welche mit ca.80 Prozent den größten Anteil der in Deutschland lebenden türkischen Muslime bilden, gibt es die Aleviten (ca.15 Prozent) und die Schiiten, welche etwa 4 Prozent aller türkischen Muslime in Deutschland ausmachen.[8]

In diesem Abschnitt soll es zunächst um die Bedeutung des Islams für die türkischen Familien in Deutschland gehen.

Tepecik schreibt, dass der Islam für die in Deutschland lebenden Türken vor allem eine „identitätsstiftende und identitätssichernde“ Funktion hat. Gerade für die erste Generation, welche mit neuer, in ihren Augen teilweise widersprüchlicher Kultur konfrontiert wurde, gab die Religion einen wichtigen Halt. Viel mehr als nur das, war die Religion ein Anker, eine Orientierung und Hoffnung zugleich, denn die Angst vor der „Entwurzelung“ der eigenen Kinder zur Tradition und Kultur war groß. Ein weiterer Aspekt, der von Ebru Tepecik genannt wird, ist die Funktion der Religion als „Schutzraum gegenüber Diskriminierungserfahrungen in der deutschen Umwelt“[9].

Durch die gemeinsame Sprache und Kultur finden die Muslime im Islam einen Rückzugsraum, welcher ihnen „Sicherheit und Geborgenheit“ bietet.[10] Und zuletzt wird dem Islam eine „Schutz- und Sicherungsfunktion in der Erziehung“ zugesprochen, denn die „Mehrheit der türkischen Eltern hat den Wunsch, dass ihre Kinder religiös erzogen und aufgrund dessen im Islam unterrichtet werden sollen.“[11].

2.3 Islamische Institutionen

Je nach Literaturquelle gibt es in Deutschland zwischen 3000 bis 4000 islamische Institutionen, welche entweder als ein eingetragener Verein oder Stiftung fungieren.

Jedoch wurde bislang noch keine von den islamischen Dachorganisationen als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt.

Sie haben sich hauptsächlich darauf fokussiert, Gebetsstätten für die Ausübung des rituellen Pflichtgebets und anderer religiöser Handlungen zu unterhalten, sowie für die Durchführung des Koran- und Religionsunterrichtes für Kinder und Jugendliche zu sorgen[12].

Der Grundstein für die Entwicklung islamischer Institutionen in Deutschland wurde in den 20er Jahren in der Türkei gelegt. In der Zeit von 1924 – 1938 war die türkische Geschichte von Veränderungen geprägt. „Zivilgesetze lösten die scharia ab, das lateinische Alphabet wurde eingeführt, der Islam aus der Verfassung als Staatreligion gestrichen, das Tragen religiöser Kleidung in der Öffentlichkeit wurde verboten und bestraft“[13]. Das alles diente dem Ziel, die religiösen Strukturen zu zerschlagen und unter die staatliche Kontrolle zu bringen. Für diesen Zweck wurde 1924 das Präsidium für geistliche Angelegenheiten, welches heute als das Amt für religiöse Angelegenheiten (D iyanet I sleri B askanligi) bekannt ist, eingeführt.

Neben der Trennung von Kirche und Staat sollte eine „aufgeklärte Form der Religion“ vorangetrieben werden.

Zwar wurde 1948 der Religionsunterricht an den staatlichen Schulen wieder eingeführt aber eine Autonomie islamischer Institutionen erfolgte nicht.

Erst mit dem Militärputsch von 1980 sollte der „Islam gezielt eingesetzt werden, um eine türkisch – islamische Identität auszubilden“[14]. Um dieses Ziel zu erreichen wurde das DIB weiter ausgebaut, so dass im späteren Verlauf gezielt Einfluss auf die in Deutschland lebenden Muslime genommen werden konnte.[15]

[...]


[1] FAZ: Erdogans Kölner Rede. URL:http://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~E178626BF28124E228422B88C2D97A5A7~ATpl~Ecommon~Scontent.html abgerufen am 21.06.2008 (14:05Uhr)

[2] Bundesministerium des Innern: Islam in Deutschland. URL:http://www.bmi.bund.de/cln_012/nn_370400/Internet/Content/Themen/Kirchen__und__Religionsgemeinschaften/DatenundFakten/Islam_20in_20Deutschland.html abgerufen am 21.06.2008 (16:12Uhr)

[3] Abdullah 1981 zit. nach Keßner 2004, 18.

[4] Vgl. Bukow, Wolf-Dietrich: Islam und Bildung, 2003, S.46 ff

[5] Keßner 2004, S. 20.

[6] Abdullah 1981 zit. nach Keßner 2004, 22.

[7] Vgl. Keßner, Iris: Christen und Muslime – Nachbarn in Deutschland, 2004, S.23ff.

[8] Vgl. Sen Faruk und Aydin Hayrettin: Islam in Deutschland, 2002, S.17-22.

[9] Tepecik, Ebru: Bildungsarbeit im Auftrag des Islamismus, 2003, S.41.

[10] Vgl. Tepecik Ebru: Bildungsarbeit im Auftrag des Islamismus, 2003, S.41ff.

[11] W.Ritsch, 1987 zit. nach Tepecik, 2003, S.42.

[12] Vgl. Keßner 2004, 32

[13] Yasemin Karakasoglu-Aydin 1997, S.97 zit. nach Wunn Ina, 2007, S.26.

[14] Wunn, Ina: Muslimische Gruppierungen in Deutschland, 2007, S.27.

[15] Vgl. Ebd. S.26ff.

Details

Seiten
18
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656322146
ISBN (Buch)
9783656326113
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v205134
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,0
Schlagworte
islam deutschland überblick

Autor

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