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Nationalparks in Kanada. Zwischen Bildungsauftrag und Tourismus

Seminararbeit 2003 16 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Gliederung

1. Einführung
1.1 Definition
1.2 Geschichte und Verwaltung

2. Bildungsauftrag

3. Tourismus

4. Beispiele kanadischer Naturparks
4.1 Banff National Park
4.2 Nahanni National Park
4.3 Algonquin Provincial Park

5. Ausblick auf die Zukunft

6. Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einführung

1.1 Definition

„Ein Nationalpark ist eine großräumige Landschaft, die wegen ihrer natürlichen Schönheit und ihrer Naturschätze von nationaler Bedeutung ist, darum geschützt und gepflegt und gegebenenfalls mit Erholungseinrichtungen ausgestattet wird.“ (vgl. www.wissen.de)

Zudem sollten Nationalparks um als internationale Schutzgebiete anerkannt zu werden eine Fläche von mindestens 100 km² aufweisen (ein Kriterium, dass nicht alle kanadischen Nationalparks erfüllen) sowie zu 75% in unverändertem, natürlichen Zustand sein.

1.2 Geschichte und Verwaltung

Die Idee, Nationalparks einzurichten stammt aus den USA, wo im Jahr 1872 der weltweit erste Nationalpark, der Yellowstone Park gegründet wurde. Schon wenige Jahre später wurde die Idee von Kanada übernommen. Im Gegensatz zu den USA waren hier zunächst vor allem wirtschaftliche Gründe für die Einrichtung ausschlaggebend. Beim Bau der transkontinentalen Eisenbahn wurden in den Rocky Mountains heiße Schwefelquellen entdeckt und um Reisende anzulocken und sich zugleich die Nutzungsrechte zu sichern, entschloss sich die Regierung 1885, das Gebiet um die Bahnstation Banff als staatliches Reservat mit einer Fläche von zunächst 26 km² auszuweisen. Die Beliebtheit dieses Parks führte dazu, dass kurz darauf weitere Gründungen erfolgten, auch dies Landschaften mit hohen Erholungswerten, bei denen die Nutzung durch die Bevölkerung im Vordergrund stand.

1911 wurde mit der Dominion Parks Branch (heute Parks Canada) eine zentrale Behörde zur Verwaltung der Parks ins Leben gerufen. Das Engagement und der Sachverstand ihres Leiters James B. Harkin führte nicht nur zu weiteren Parkgründungen und zum Bau von Einrichtungen und Zufahrtsstrassen, sondern 1930 auch zum ersten National Parks Act, der eine industrielle Nutzung verbot.

In den 1960er-Jahren führte eine erstarkende Umweltschutzbewegung dazu, dass erstmals nicht mehr der Tourismus, sondern der Umweltschutzgedanke in den Vordergrund rückte. 1964 trat eine neue Nationalparkpolitik in Kraft, in der das gesamte Land in 39 Naturregionen unterteilt wurde (s. Abb. 2). Es wurde vorgesehen, dass jede der Regionen durch einen ausreichend großen Nationalpark repräsentiert werden sollte. Da jedoch aufgrund der wirtschaftliche Rezession in den 80er-Jahren umfangreiche Streichungen im Budget der Parkverwaltung vorgenommen wurden, konnte dieses Ziel bislang nicht erreicht werden. Es sind erst 65% der langfristig angestrebten Fläche und 24 Regionen geschützt (vgl. Maybank, 2001, S. S9). Zwar gibt es mittlerweile fast 40 Nationalparks in Kanada, diese sind jedoch nicht gleichmäßig über die Regionen verteilt. So findet man z. B. in den Rocky Mountains gleich sechs Parks und in den St. Lawrence Lowlands vier, wohingegen in flächenmäßig wesentlich größeren Regionen wie den Northern Interior Plateaux and Mountains oder dem Boreal Lake Plateau bislang keine Parks eingerichtet wurden, auch wenn zum Teil schon Land dafür vorgesehen wurde (vgl. Lenz 2001, S. 56 u. 57).

Bei einigen dieser Gebiete muss noch der Ausgang der Verhandlungen mit den First Nations, den indianischen Ureinwohnern, abgewartet werden, bevor sie fest etabliert werden können. Die First Nations-Gruppen leben heute in 630 Gemeinden über das ganze Land verteilt. Viele von ihnen strengen zur Zeit Rechtsverfahren an, in denen die Eigentumsverhältnisse der Gebiete, auf die sie Anspruch erheben, geklärt werden sollen. In vielen Parks bleibt ihnen ihre traditionelle Lebensweise, z. B. die Jagd für den Eigenbedarf, weiterhin gestattet und in den gerade entstehenden Nationalparks werden sie häufig bei der Konzeption und Verwaltung miteinbezogen.

Neben den unter der Aufsicht der Bundesregierung stehenden Nationalparks gibt es in Kanada noch andere, weniger alte und bekannte Arten von Schutzgebieten. Die National Marine Conservation Areas werden ebenfalls von Parks Canada geleitet. Von ihnen gibt es bislang nur zwei, den Fathom Five National Marine Park im Lake Huron (Provinz Ontario), sowie den Saguenay-St. Lawrence Marine Park (Provinz Quebec). Sie dienen dem Schutz mariner Ökosysteme. Zudem gibt es Hunderte von Provinzparks, die von den Provinz- bzw. Territorialregierungen verwaltet werden. Auch sie dienen zu einem großen Teil dem Erhalt bestimmter ökologischer Lebensräume und sind gleichzeitig Erholungsgebiete. Somit erfüllen sie Aufgaben, die denen der Nationalparks ähneln, wenn sie auch flächenmäßig meist kleiner sind als diese. Betrachtet man nur die Nationalparks, so werden 182100 km² oder 2% der Landfläche Kanadas geschützt, rechnet man die Provinzparks hinzu, erhöht sich diese Zahl auf 400000 km² oder 4% (vgl. Vogelsang 1993, S.105).

Abb. 1: Die kanadischen Nationalparks

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: www.kanadisch.com

2. Bildungsauftrag

Der hauptsächliche Bildungsauftrag eines Nationalparks besteht darin, die Öffentlichkeit für den Schutz der natürlichen Umwelt und den schonenden Umgang mit ihr zu sensibilisieren. Dies geschieht vor allem dadurch, dass Besuchern der Zugang zum Park und seine Nutzung möglich gemacht wird. Somit hängt die Bildungsfunktion, die ein Park erfüllen kann davon ab, ob und wie viele Besucher ihn aufsuchen. Da 95 % der knapp 31 Millionen Kanadier in einem 500 km schmalen Streifen nördlich der Grenze zu den USA leben, betrifft der Bildungsauftrag vor allem die Nationalparks im Süden Kanadas. Die weiter im Norden gelegenen weisen vernachlässigbar geringe Besucherzahlen auf, da sie nur mit großem Zeit- und Geldaufwand erreichbar sind. Aufwendige Bilddungsprogramme, die einer breiten Masse zugänglich sind, sind für diese Parks folglich unnötig; ihr Aufgabengebiet konzentriert sich auf den Naturschutz, häufig ist nicht einmal ein Besucherzentrum vorhanden.

Tab. 1: Flächen und Besucher der Nationalparks nach Regionen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Lenz 2001, S. 60

In den stärker frequentierten Nationalparks dagegen wird dem Besucher ein umfassendes und meist kostenloses Informationsprogramm geboten. In den Besucherzentren, die häufig gleichzeitig Museen sind, in denen die Geschichte des jeweiligen Parks dargestellt wird, finden Vorträge und Kaminabende statt, der Besucher kann sich mit Broschüren versorgen und darüber informieren, wann und wo er an fachkundig geführten Wanderungen teilnehmen kann. Im Inneren der Parks runden Naturlehrpfade und zahlreiche Informationstafeln das Programm ab.

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Details

Seiten
16
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638243650
ISBN (Buch)
9783656560920
Dateigröße
712 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v20508
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Sozialwissenschaftliches Institut
Note
1,7
Schlagworte
Nationalparks Kanada Zwischen Bildungsauftrag Tourismus

Autor

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Titel: Nationalparks in Kanada. Zwischen Bildungsauftrag und Tourismus