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Aggression als Bedingungsfaktor für Gesundheitsstörungen seitens der Pädagogen im schulischen Kontext

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 19 Seiten

Psychologie - Entwicklungspsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aggression als psychologisches Verhaltenskonstrukt
2.1 Definition der Aggression
2.2 Theoretische Kontexte zur Aggression
2.2.1 Prominente Erklärungsversuche - Triebtheorie & Frustrations-Aggressions-
2.2.2 Die lernpsychologische Theorie aggressiven Verhaltens
2.3 Formen der Aggression

3. Empirischer Erkenntnisstand
3.1 Zusammenfassung der Befundlage
3.2 Untersuchung der Illustration
3.3 Illustration von Gestaltungsprinzipien für Lehr- und Lernsituationen

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Der Mensch hat mit Unmenschlichkeit schon Tausende bedrückt.“ (Burns 1988: S. 146)

Robert Burns, ein schottischer Schriftsteller des 18. Jahrhunderts, beschreibt in diesem Zitat vortrefflich das charakteristische Wesen der Aggression. Er illustriert das hartherzige und rücksichtslose Handeln des Menschen als Ursache von Niedergeschlagenheit und Schwermut. Diese Merkmale lassen sich zweifelsfrei auf das psychologische Konstrukt der Aggression anwenden, welches unterschiedliche und zahlreiche Verhaltensweisen des Menschen umfasst. (Vgl. Lischke 1975: S. 20) So können beispielsweise Handlungen, wie das Schlagen des Gegenübers oder das Zerstören fremden Eigentums, als auch das verbale Vergehen am Gesprächspartner, als aggressive Handlungen dargestellt werden. Dabei muss verstanden werden, dass die Aggression stets als immense Belastung für den Antagonisten anzusehen und gleichsam zu vermeiden ist. Demnach empfiehlt es sich, besonders im schulischen Kontext, Lehr- und Lernsituationen zu schaffen, welche von einer offenen und aggressionsfreien Diskussions- und Handlungskultur geprägt sind.

Die vorliegende Seminararbeit wird sich aufgrund dessen mit dem psychologischen Konstrukt der Aggression auseinandersetzen. Im Zentrum der Analyse steht dabei die Frage, wie Lehrerinnen und Lehrer mit Aggressionen im Klassenzimmer umgehen sollten und durch welche Strategien jene gleichsam eingeschränkt oder gar vermieden werden können. Seine Legitimation findet jenes Thema in den Ergebnissen aktueller Forschungen der Universität Freiburg um die Wissenschaftler Joachim Bauer und Thomas Unterbrink, welche die beträchtliche Einwirkung der Aggression auf die Gesundheit von Lehrerinnen und Lehrern nachweisen. Wenngleich der Lehrerberuf einer Profession mit immensen Belastungen nahekommt, so ist es dennoch ein inakzeptabler Zustand, dass Beleidigungen und Feindseligkeiten die Lehrenden weitreichend in ihrer Gesundheit beeinträchtigen. Es gilt, Maßnahmen und Strategien zu wählen, die jene aggressiven Tendenzen aus den Klassenzimmern verbannen und eine effiziente und zielführende Lernkultur sicherstellen. Darüber hinaus dürfen in diesem Zusammenhang auch die anfallenden wirtschaftlichen Kosten nicht unbeachtet bleiben. Demnach gilt es, die ohnehin mageren Personalressourcen möglichst effizient zu nutzen, um somit die finanziellen Mehrkosten durch vorzeitige Pensionierungen und psychotherapeutische Behandlungen zu vermeiden.

Im Folgenden sollen der theoretische Hintergrund sowie der empirische Erkenntnisstand dargestellt werden, um abschließende Schlussfolgerungen generieren zu können. Zunächst empfiehlt es sich, die grundlegenden Definitionen der Thematik darzustellen, sodass gleichsam eine Basis für die weitere Auseinandersetzung geschaffen ist. Anschließend müssen Kategorien wie beispielsweise Ursprung, Arten und Formen der Aggression illustriert werden. Diese Erkenntnisse sollen schlussendlich auf die empirische Studie des Freiburger Forscherteams um Joachim Bauer und Thomas Unterbrink bezogen werden, sodass abschließend konkrete Prinzipien für den Umgang mit Aggression in Lehr- und Lernsituationen generiert werden können.

2. Aggression als psychologisches Verhaltenskonstrukt

Im Zentrum der Analyse steht die Frage, durch welche Methoden die Aggression in Lehr- und Lernsituationen zur Etablierung der effektiven Lernkultur innerhalb des Klassenverbandes und zur Erhaltung der psychischen Gesundheit der Lehrenden eingeschränkt werden kann. Dabei sollte eine demokratische und lehrreiche Diskussionsgrundlage als Voraussetzung für einen gelingenden Unterricht verstanden werden. Für jene Auseinandersetzung empfiehlt es sich zunächst, die grundlegenden Begriffe zu definieren und gleichsam voneinander abzugrenzen. Im folgenden Teil sollen dafür die theoretischen Kontexte sowie die Ausgestaltungsformen der Aggression näher charakterisiert werden.

2.1 Definitionen der Aggression

Zu Beginn muss auf die immense Vielfalt von Definitionsmöglichkeiten hinsichtlich der Aggression verwiesen werden, woran gewissermaßen die Aktualität und der Wandel innerhalb der Aggressionsforschung der letzten Jahrzehnte nachzuweisen ist. Wie bereits einführend dargelegt wurde, unterliegt das Konstrukt der Aggression zahlreichen Wesenszuschreibungen, die sich im Alltag jedes Menschen wiederfinden. Im Folgenden sollen diese umgangssprachlichen Erklärungsversuche durch konkrete, wissenschaftliche Definitionen erweitert werden.

Anfängliche Definitionsversuche durch Dollard, Doob, Miller, Mowrer und Sears erklären „Aggression als Verhaltenssequenz, deren Zielreaktion die Verletzung der Person ist, gegen die sie gerichtet ist.“ (Dollard, Doob, Miller, Mowrer, Sears 1939: S. 9) Sie erweitern dabei ihre Ausführungen um die Aussage, dass ebenso das Phantasierte bereits zum Konstrukt der Aggression zählt. (Vgl. Ebd. S. 10)

Buss negiert den intentionalen Faktor innerhalb dieser Definition und charakterisiert die Aggression als schädigende Verhaltensweise gegenüber anderen Organismen. Besonders die zwischenmenschliche Beziehung, in welcher die negativen Reize ausgelebt werden, steht im Zentrum seiner Darstellung. (Vgl. Buss 1961: S. 1)

Merz erweitert die Buss´sche Denkstruktur um die Aufnahme der Handlungsintention in eine weitere Definition. So beschreibt er die Aggression als „jene Verhaltensweisen, mit denen die direkte oder indirekte Schädigung eines Individuums, meist eines Artgenossen intendiert wird.“ (Merz 1965: S. 571)

Selg charakterisiert das im Zentrum stehende Konstrukt sehr umfassend. „Eine Aggression besteht in einem gegen einen Organismus oder ein Organismussurrogat gerichteten Austeilen schädigender Reize [...]; eine Aggression kann offen (körperlich, verbal) oder verdeckt (phantasiert), sie kann positiv (von der Kultur gebilligt) oder negativ (mißbiligt) [sic!] sein.“ (Selg 1974: S. 15)

Aufgrund der quantitativen Restriktionen der Arbeit wird die Darstellung der Definition von Aggression auf diese Auswahl beschränkt. Anhand dieser Illustration kann der Wandel innerhalb der Aggressionsforschung abgelesen werden. Anfänglich galt die Aggression als zielgerichtete Verletzung des Antagonisten. Diese Denkstruktur wurde um die intentionale Komponente als auch um verschiedenartige Formen der Ausgestaltung erweitert.

Zusammenfassend habe ich mich auf die folgende Definition aufgrund ihrer knappen und präzisen Form als Argumentationsgrundlage für die vorliegende Seminararbeit beschränkt: „Aggression ist intendiertes Handeln mit dem Ziel, Schaden oder Schmerz zuzufügen. Die Handlung kann physisch oder verbal erfolgen; sie kann ihr Ziel erreichen oder auch nicht.“ (Aronson, Wilson, Akert 2008: S. 383) Dieser Definition folgend wird Aggression als menschliche Handlung präzise und allumfassend in Intention, Ausgestaltung und Erfolg beschrieben.

2.2 Theoretische Kontexte zur Aggression

Um Aggressionen möglichst effektiv in Lehr- und Lernsituationen einzugrenzen, wird es notwendig, die Ursachen für das Aufkommen dergleichen zu kennen. Die Aggressionsforschung beschreibt diverse Theorien, die ein Entstehen aggressiver Verhaltensweisen zu erklären versuchen. Hierbei empfiehlt es sich, die prominenten Erklärungstheorien, wie beispielsweise die Triebtheorie Sigmund Freuds oder die Frustrations-Aggressions-Theorie, ausschließlich knapp zu umreißen, um die historische Perspektive hinsichtlich des Aufkommens von Aggressionen in die vorliegende Seminararbeit einfließen zu lassen. Für den schulischen Kontext jedoch ist eine Analyse der lernpsychologischen Theorie unerlässlich, welche die Aggression als erlernbares Verhalten charakterisiert. Werden die aggressiven Handlungsmuster im schulischen Kontext bereits erlernt und verstärkt, so ergibt sich für das pädagogische Personal zunehmend die Frage, wie dieses Verhalten auch wieder verlernt werden kann. Im folgenden Teil sollen diese theoretischen Kontexte beschrieben werden.

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Details

Seiten
19
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656322214
ISBN (Buch)
9783656322368
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v205046
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,7
Schlagworte
Bedingungen der Aggression Gesundheitsstörungen Burnout Freud Lernen am Modell Frustration

Autor

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Titel: Aggression als Bedingungsfaktor für Gesundheitsstörungen seitens der Pädagogen im schulischen Kontext