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Frauen in der Französischen Revolution – Widerspruch zwischen Teilnahme und Akzeptanz

Planung für die Unterrichtsprobe im Rahmen der Zweiten Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien im Fach Geschichte

Examensarbeit 2012 28 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsangabe:

1. Lernvoraussetzungen

2. Darstellung und Begründung didaktisch-methodischer Entscheidungen
2.1 Sequenzplanung
2.2 Curriculare Einordnung
2.3 Unterrichtsziele
2.4 Didaktischer Kommentar
2.5 Methodischer Kommentar
2.6 Verlaufsplanung

3. Literaturverzeichnis

4. Anhang

1. Bedingungsanalyse

Bei der zu unterrichtenden Lerngruppe handelt es sich um einen Grundkurs der 11. Jahrgangsstufe. Ich unterrichte diesen Kurs seit Beginn des Schuljahres, zunächst im Wechsel mit der Ausbildungslehrkraft, seit November 2011 selbständig im Umfang von drei Wochenstunden. Das inhaltliche und methodische Vorgehen erfolgt dabei in Abstimmung mit der Ausbildungslehrkraft. Weitere Informationen über das Sozial- und Leistungsverhalten habe ich aus Gesprächen mit den jeweiligen Tutoren gewinnen können.

Entwicklungspsychologisch befinden sich die Schülerinnen und Schüler in der Phase der mittleren Adoleszenz, die vor allem geprägt ist durch eine wachsende Unabhängigkeit und einer weiteren Loslösung von den Eltern. Zudem gewinnt die Peergroup in dieser Phase der Entwicklung zunehmend an Bedeutung.[1]

Der Umgang miteinander wird meinerseits als überwiegend positiv empfunden. Die Schülerinnen und Schüler begegnen mir innerhalb und außerhalb des Unterrichts stets freundlich und aufgeschlossen. Der Umgang der Schüler des Kurses miteinander ist meines Erachtens durch Respekt und Toleranz geprägt.

Dennoch können mitunter kleinere Unterrichtsstörungen auftreten. In der Montagsstunde fallen des Öfteren die Schüler *** und *** durch Störungen auf, indem sie sich miteinander unterhalten oder teilweise andere Schüler ablenken. Ich habe mit den betroffenen Schülern diesbezüglich gesprochen und eine Veränderung der Sitzordnung angekündigt, falls sich die Situation nicht bessert. Außerdem als ungünstig erweist sich zunehmend die Sitzordnung. Beispielsweise sitzen an einem Gruppentisch acht Schülerinnen, teilweise mit dem Rücken zur Lehrkraft, was zur Folge hat, dass sie teilweise vom Unterrichtsgeschehen abgelenkt sind oder sich ablenken lassen.[2] Auch hier sollen Veränderungen vorgenommen werden. Weiterhin ist auffällig, dass ein Teil der lernstarken Schüler direkt am Lehrertisch sitzt. Besonders in Unterrichtsgesprächen gestaltet sich dieser Umstand als ungünstig, da diese Schüler sehr aktiv im Unterricht mitarbeiten. Günstiger wäre es hier, diese Schüler auf verschiedene Bereiche zu verteilen, so dass auch andere Schüler von ihnen profitieren können.

Das Leistungsniveau kann als heterogen eingeschätzt werden. Folglich soll eine Kategorisierung der Schülerinnen und Schüler in verschiedene Niveaustufen vorgenommen werden und beispielhaft das Kompetenzniveau eines Schülers jeder Niveaustufe beschrieben werden.

Schüler des oberen Leistungsniveaus:

Schüler des mittleren Leistungsniveaus:

Schüler des unteren Leistungsniveaus:

***** ist einer der leistungsstärksten Schüler der Klasse. Arbeitsaufträge werden von ihm stets tiefgründig und fundiert bewerkstelligt. Darüber hinaus ist in Unterrichtsgesprächen erkennbar, dass er historische Zusammenhänge detailliert erläutern und bewerten kann. Im Aufgabenbereich der Anwendung lassen seine mündlichen und schriftlichen Beiträge auf einen hohen Grad an Abstraktionsvermögen schließen. Auffällig an diesem Schüler ist zudem, dass er auch die Pausen dazu nutzt, sich mit den Unterrichtsthemen des Faches Geschichte zu beschäftigen.

**** ist ein Schüler des mittleren Leistungsniveaus. Der Schüler arbeitet regelmäßig im Unterricht mit und seine Aussagen zeigen, dass er aktiv mitdenkt und ein Interesse am Unterrichtsfach Geschichte erkennbar ist. Schriftliche Arbeitsaufträge werden aber mitunter von ihm sehr oberflächlich ausgeführt. Das Erreichen des Aufgabenbereiches Anwenden fällt diesem Schüler oftmals noch schwer.

**** ist eine schwache Schülerin, was sich im mündlichen und schriftlichen Bereich widerspiegelt. Aufgaben werden durch die Schülerin sehr oberflächlich bearbeitet und Unterrichtsbeiträge erfolgen prinzipiell erst nach Aufforderungen. Es ist schwierig, die Schülerin für die Inhalte und Problemstellungen des Faches Geschichte zu begeistern.

Der überwiegende Teil des Grundkurses arbeitet regelmäßig im Unterricht mit, andere Schüler fallen kaum durch Wortbeiträge auf und äußern sich auch nicht, wenn sie Beiträge präsentieren sollen. Hier muss die Lehrkraft stets darauf achten, diese Schüler speziell bei einfacheren Aufgabenbereichen in den Unterricht einzubeziehen und ihnen die Möglichkeit geben, ihre Ergebnisse zu verbalisieren.

Bezogen auf die geplante Unterrichtsprobe ist anzumerken, dass die Schülerinnen und Schülern mit der angewandten Methode des Lerntempoduetts als Methode der Verarbeitung und Problematisierung vertraut sind. Dennoch traten auch einzelne Probleme bei der Praktizierung dieser Methode im Unterricht auf. So kamen einzelne Schüler oftmals erst an die Tafel, wenn auch ein möglicher Partner ihrer Wahl für die Bearbeitung der zweiten Phase zur Verfügung stand.

Auch im Umgang mit schriftlichen Primärquellen wirken die Schüler zunehmend sicher in Bezug auf das Erfassen der wesentlichen Inhalte oder der Argumentationsstrukturen, es fällt einem Großteil des Grundkurses des Öfteren noch schwer, begründete Zusammenfassungen oder Beurteilungen auf der Basis des Quellenmaterials zu verfassen.

Anzumerken ist noch, dass der Unterricht im Rahmen der Prüfungsstunde nicht im regulären Raum stattfindet. Die sonst übliche Sitzordnung kann aufgrund der unterschiedlichen Beschaffenheit der Räume nicht eingehalten werden.

2. Darstellung und Begründung didaktisch-methodischer Entscheidungen

2.1 Sequenzplanungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Curriculare Einordnung

Die geplante Unterrichtsstunde basiert auf den verbindlichen Inhalten und Standards des geltenden Rahmenlehrplans des Faches Geschichte für die Sekundarstufe II des Landes Brandenburg.[3] Darüber hinaus erfolgte die Planung der Unterrichtsstunde auch in Abstimmung mit dem schulinternen Curriculum für das Fach Geschichte.

Der Kompetenzbereich der Deutungskompetenz bildet den Schwerpunkt dieser Unterrichtsstunde. Der Rahmenlehrplan definiert den Begriff der Deutungskompetenz wie folgt:

„Die Deutungskompetenz wird entwickelt, indem Fachwissen angeeignet wird und dadurch Vergangenheit deutend rekonstruiert wird. Über die Interpretation von (schriftlichen, mündlichen, visuellen, gegenständlichen, multimedialen) Quellen, von Lehr- und Sachbüchern oder von wissenschaftlichen Darstellungen werden historische Ereignisse, Prozesse und Strukturen in Zusammenhänge gebracht, erklärt und beurteilt. Die Kompetenz der Schülerinnen und Schüler auf dieser Ebene zeigt sich dabei auch in der Fähigkeit, die Deutungen (Narrationen) anderer sachangemessen und reflektiert darzustellen.“[4]

Folgende Standards sollen in diesem Zusammenhang weiterentwickelt werden:

Die Schülerinnen und Schüler…

… erkennen die Standortgebundenheit unterschiedlicher Gruppen in der jeweiligen
historischen Ausprägung.
… begründen diese Standortgebundenheit mit einzelnen Argumenten (z. B. soziale Lage, Geschlecht).
… erfassen in Ansätzen erkennen Handlungsspielräume im Hinblick auf offene Möglichkeiten und Bedingungen.[5]
… rekonstruieren quellenbasiert begrenzte historische Sachverhalte (Entwicklungen, Strukturen) und fassen diese unter einem bestimmten Gesichtspunkt in einer eigenen Darstellung (Narration) zusammen.
… entwickeln eine eigene, argumentativ gestützte Deutung zu einem räumlich, zeitlich und thematisch begrenzten historischen Sachverhalt oder Problem.[6]

2.3 Unterrichtsziele

- Grobziel der Unterrichtsstunde: Die Schülerinnen und Schüler erkennen den Widerspruch zwischen Forderungen der Frauen und der fehlenden Akzeptanz der Frauen durch die Männer in der Französischen Revolution.
- Feinziele:

Teilziele:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.4 Didaktischer Kommentar

Die geplante Unterrichtsstunde verfolgt einen weitestgehend schülerzentrierten und teilweise handlungsorientierten Ansatz. Die Lehrkraft hält sich größtenteils aus der Arbeit der Schülerinnen und Schüler heraus und „beschränkt“ sich auf die Hinführung, den reibungslosen Ablauf sowie die Lenkung der Ergebnissicherung in der Unterrichtsstunde. Ich werde die Arbeit der Schüler aber trotzdem beobachten, um Rückschlüsse für die weitere Arbeit ziehen zu können.

Da ich mich an der bildungstheoretischen Didaktik (W. Klafki) orientiere, soll zunächst auf zentrale Grundfragen zur Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung, der Exemplarität, der Zugänglichkeit und thematischen Strukturierung im Einzelnen eingegangen werden.

Gegenwartsbedeutung: Die Problematisierung der Rolle der Frauen weist einen hohen Gegenwartsbezug auf. In politischen Gremien wird momentan über Quotenregelungen diskutiert, die Medien kritisieren die immer noch vorhandene Benachteiligung von Frauen in der modernen Gesellschaft. Die Schülerinnen und Schüler können, indem sie sich mit dem Frauenbild in der Französischen Revolution beschäftigen, Vergleiche zu heutigen immer noch in unserer Gesellschaft präsenten Rollenklischees ziehen.

Exemplarität: Die Schülerinnen und Schüler lernen am Beispiel des Frauenbildes in der Französischen Revolution, dass ein Bestreben nach Verbesserung von Zuständen (z.B. Forderungen der Frauen nach politischen Rechten) in der Regel Ängste und Widerstände hervorrufen und etwaigen Forderungen entschieden entgegengetreten wird. (z.B. Nationalkonvent in der Frage des Verbots von Frauenclubs)

Zukunftsbedeutung: Die Schülerinnen und Schüler arbeiten in dieser Unterrichtsstunde mit Quellen aus der Zeit der Französischen Revolution, in denen ein hoher Grad an Widersprüchlichkeit enthalten ist. Durch die Auseinandersetzung mit konträren Dokumenten, sind sie in einem zunehmenden Maße in der Lage, Widersprüche und Gegensätze zu erkennen.

Eine Bedeutung für die Zukunft ergibt sich aus durch die Wahl der Methode des Lerntempoduetts. In dieser müssen die Schülerinnen und Schüler zum Teil schwierige Sachverhalte aus Texten anderen Schülern erläutern und gemeinsam zu einer Lösung des Problems hinarbeiten. Auch im späteren beruflichen Alltag sind Teamwork und Kooperation wichtige Parameter für erfolgreiches Arbeiten.

Zugänglichkeit: Zugang zum Thema der Unterrichtsstunde erhalten die Schülerinnen durch einen offensichtlichen Widerspruch. Einerseits wissen sie bereits, dass Frauen in der Französischen Revolution ein hohes Engagement (soziale Unruhen, politische Frauenclubs) zeigten, andererseits werden sie zu Beginn der Stunde durch einen Kupferstich mit einem Frauenbild konfrontiert, welches als dem Mann untergeben, häuslich, teilweise unterwürfig charakterisiert werden kann. Dieser scheinbare Widerspruch soll durch diese Unterrichtsstunde und die Arbeit mit den Quellen aufgelöst werden.

[...]


[1] Vgl.: http://www.uni-bielefeld.de/sport/arbeitsbereiche/ab_iv/lehre/paed_aspekte/

Erkl%C3%A4rungsans%C3%A4tze%20der%20Entwicklungspsychologie.pdf (Zugriff am 19.02.2012)

[2] Im regulären Unterrichtsraum befinden sich lediglich Gruppentische

[3] Vgl.: Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg (Hrsg.): Rahmenlehrplan für den Unterricht in der gymnasialen Oberstufe des Landes Brandenburg – Geschichte, Ludwigsfelde (Struveshof) 2006.

[4] Vgl.: Ebenda, S.12.

[5] Vgl.: Ebenda, S.13.

[6] Vgl.: Ebenda, S.16

Details

Seiten
28
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656324126
ISBN (Buch)
9783656324508
Dateigröße
656 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v204996
Institution / Hochschule
Studienseminar Bernau
Note
2
Schlagworte
Unterrichtsentwurf Französische Revolution Revolutionen Frankreich Frauen Terror 1789 de Mericourt Frauenclubs Frauenklubs Verfassung Nationalkonvent Debattierclub Salon politisches Engagement Sequenzplanung Partnerarbeit

Autor

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