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Kontrastive Betrachtung der deutschen und der französischen Vokalsysteme

Hausarbeit 2009 16 Seiten

Romanistik - Französisch - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeine Charakteristika der Vokalen auf phonetischer Ebene
2.1 Grundlegende Merkmale der Oralvokale im Deutschen und Französischen
2.1.1 Vordere ungerundete Oralvokale
2.1.2 Vordere gerundete Oralvokale
2.1.3 Zentrale Oralvokale
2.1.4 Hintere Oralvokale
2.2 Einblick in die Vokalquantität

3. Phonem - Graphem - Beziehungen

4. Fazit

5. Literatur

1. Einleitung

Beim Erwerb einer Fremdsprache wird einem erst wirklich bewusst, wie viele einzelnen Schritte für die Beherrschung der zu erlernenden Sprache notwendig sind. Das Lernen der Vokabeln und die Verinnerlichung zahlreicher grammatischen Regeln gehören bspw. zum Lernprozess. Doch auch ein Aussprachetraining ist vonnöten, sofern man als ein kompetenter Lerner angesehen werden möchte. Denn jeder Sprache liegt ihr eigenes besonderes Lautsystem zugrunde, das eine entsprechende Einstellung der Sprechorgane verlangt. Die sprachwissenschaftliche Disziplin, die sich mit der Lautbildung beschäftigt, ist die artikulatorische Phonetik. Es ist aber auch wichtig, das zweite Teilgebiet der Lautlehre, nämlich die Phonologie, zu berücksichtigen. Diese untersucht die Phoneme einer Sprache. Unter Phonem versteht man dabei „das geringste Lautsegment, welches zwei im übrigen gleiche Wörter voneinander zu unterscheiden vermag“ (Hammarström, 1998 : 9). Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Phonembestand des Französischen im Vergleich zum Deutschen unter Berücksichtigung der Orthographie. Dabei stehen ausschließlich die Vokalsysteme der beiden Sprachen im Vordergrund. Insgesamt wird zwischen zwei größeren Gruppen der Vokale unterschieden: Oralvokale und Nasalvokale.

2. Allgemeine Charakteristika der Vokalen auf phonetischer Ebene

Spricht man zunächst einen Konsonant und anschließend einen Vokal aus (sowohl in französischer als auch in deutscher Sprache), so fällt es auf, dass beim Aussprechen der Vokale der Luftstrom nicht behindert wird und frei herausströmen kann. Dennoch hat jeder Vokal seine eigene Klangfarbe. Diese wird durch das Modulieren des Luftstroms durch die Hebung der Zunge (tief / mittel und hoch), die Zungenstellung zum Gaumen ( vorne / zentral und hinten ), die Mundstellung (offen / halboffen / halbgeschlossen und geschlossen), die Lippenstellung (gerundet / ungerundet) und den Weg des Luftstroms (oral oder nasal) ermöglicht.

Die nachfolgenden Abbildungen 1. und 2. veranschaulichen die oben aufgeführten Merkmale am Beispiel aller vorhandenen Vokale im Französischen und im Deutschen. Das System der Vokale ist hier in Form einer Trapez dargestellt. Eine solche schematische Darstellung ist eine vereinfachte Veranschaulichung des Mundraumes. Die Position jedes einzelnen Vokals ergibt sich dabei aus seinen artikulatorischen Merkmalen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1 Französische Vokale ( aus Meisenburg / Selig, 2004 : 60 )

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Deutsche Vokale ( aus Meisenburg / Selig, 2004 : 61 )

Den Abbildungen kann man entnehmen, dass die Anzahl der Vokalphoneme in beiden Sprachen beinahe übereinstimmt. Es gibt nämlich 16 Vokalkategorien im Französischen sowie 17 im Deutschen. Im Gegensatz zur fast gleichen Anzahl der Vokallaute kann man jedoch nicht von der Übereinstimmung ihrer Kategorien sprechen. Die unterschiedlichen Kategorien sind Gegenstand nachfolgender Unterkapitel.

2.1. Grundlegende Merkmale der Oralvokale im Deutschen und Französischen

Die Bezeichnung der hier behandelten Kategorie (Oralvokale) impliziert den Weg des Luftstroms beim Aussprechen entsprechender Laute. Die Luft geht nämlich durch den Mund (lat. o ral = durch den Mund). Die überwiegende Mehrheit der französischen Vokallaute gehört zu den Oralvokalen. Das Vokalinventar des Deutschen besteht sogar ausschließlich aus Oralvokalen. Der grundlegende Unterschied bei der Bildung der Mundvokale liegt im Energieaufwand der Artikulationsorgane:

„Die französischen Vokale werden generell mit größerer Spannung artikuliert als die deutschen“ (Meisenburg & Selig, 2004: 61). Gleich ist in den beiden Sprachen die Unterscheidung zwischen drei Vokalklassen: vorn/palatal, zentral und hinten/velar sowie die vier Öffnungsgrade (vgl. die Abb. 1., 2.).

Bei der folgenden genaueren Beschreibung der einzelnen Kategorien der Oralvokale werde ich mich für das Deutsche an die vorausgegangenen Abb. 2 und für das Französische an die Abb.1 sowie an die unten zu findende Abb. 3 stützen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 Die artikulatorische Klassifizierung der französischen Oralvokale (aus Hammarström, 1998 : 15)

2.1.1. Vordere ungerundete Oralvokale

Zu dieser Gruppe gehören im Französischen die Phoneme [ i, e, , a ] sowie [ i, , e, , a ] im Deutschen (vgl. Meisenburg & Selig , 2004: 62 ). Die Bezeichnung für diese Kategorie setzt sich wie folgt zusammen: Bei der Bildung der ungerundeten Oralvokale nähert sich die Vorderzunge dem Vordergaumen. Man spricht daher von den vorderen Vokalen bzw. den Vordergaumenlauten (frz. voyelles palatales ou antérieures). Für die Merkmale „gerundet“ und „ungerundet“ ist die Lippenstellung verantwortlich. Diese ist je nach dem Vokal der betrachteten Gruppe unterschiedlich. Schaut man sich die einzelnen Phoneme im Hinblick auf ihre Artikulation in beiden Sprachen genauer an, so werden die Unterschiede ziemlich deutlich.

[ i ] ist der geschlossenste Vokal dieser Reihe. Im Französischen ist er geschlossener als im Deutschen und auch die Mundwinkel sind weiter zurückgezogen. Beim Aussprechen nachstehender Beispiele kann man sich diesbezüglich vergewissern. Im Deutschen kommt dieser Laut nur in Fremdwörtern vor (vgl. http://de.wiktionary.org/wiki/Wiktionary:Lautschrift ).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das dem Phonem [ i ] graphisch etwas ähnliche Phonem [ ] findet man nur im Deutschen. Einige Wissenschaftler charakterisieren diesen Laut sogar als Ersatzlaut für das französische [ i ] (vgl. Philipp, 1974: 31). Das deutsche Phonem ist offener und ungespannt. Dieser Laut wird zum Beispiel im Wort Mitte [ 'm t ] realisiert. Bei der Bildung weiterer Vokale dieser Kategorie nimmt der Öffnungsgrad immer mehr zu und die Spreizung der Lippen lässt nach.

[ e ] ist der halbgeschlossene Laut und steht dem halboffenen Vokal [ ] gegenüber. Theoretisch stehen im Französischen die beiden Laute in phonologischer Opposition zueinander, wenn [ ] in der Auslautsilbe zu finden ist (z.B. dé [ de ] vs. dais [ d ]). Dennoch ist dieser Phonemunterschied vielen Franzosen unbekannt und sie sprechen somit in finaler Stellung lediglich [e] oder [ ] aus (vgl. Hammartröm, 1998 : 25). Die Beispiele für die beiden Vokale finden sich in der folgenden Tabelle:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Reihe der vorderen ungerundeten Oralvokale wird mit dem Laut [ a ] abgeschlossen. Dabei erreicht die Vorderzunge ihren Tiefpunkt. Der Unterkiefer senkt sich und es entsteht ein offener Oralvokal.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656320296
ISBN (Buch)
9783656324577
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v204813
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,7
Schlagworte
kontrastive betrachtung vokalsysteme

Autor

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