Lade Inhalt...

Die Finanzkrise in Griechenland

Hausarbeit 2010 22 Seiten

BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ursachen und Beschleuniger der Krise
2.1 Gefälschte Statistiken
2.2 Wetten gegen Griechenland
2.3 Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit
2.4 Staatsausgaben

3. Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise
3.1 Rettungspaket der EU und des IWF
3.2 Sparpaket
3.3 Griechische Proteste gegen das Sparprogramm

4. Folgen der Finanzkrise
4.1 Folgen für die griechische Wirtschaft
4.2 Folgen für die EU und den Euro

5. Weitere Problemstaaten (PIIGS)
5.1 Portugal
5.2 Irland
5.3 Italien
5.4 Spanien

6. Aktuelle Daten zur Finanzkrise

7. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Die folgende Arbeit entstand im Rahmen der Veranstaltung „Europäische Union“ des Aufbaumoduls 5. Thema dieser Hausarbeit ist die Finanzkrise in Griechenland. Ich habe mich dafür entschieden, da es ein sehr aktuelles ist, an dem sich meiner Meinung nach gut Funktionsweise der Europäischen Union darstellen lässt. Es gilt allerdings zu beachten, dass sich aus diesem Grund nur recht wenig wissenschaftliche Literatur dazu finden lässt. Daher ist die Arbeit überwiegend auf Zeitungsartikel renommierter Tageszeitungen gestützt. Als Einstiegstext habe ich den Artikel „Griechenland-Virus könnte gesamte EU befallen“ aus dem Handelsblatt vom 05. Mai 2010 gewählt. Er bietet einen groben Überblick über das Thema und spricht die wesentlichen Elemente an, die ich auch in meiner Hausarbeit berücksichtigt habe.

Durch Manipulationen der Statistiken konnte Griechenland jahrelang verschleiern wie hoch es wirklich verschuldet ist, das änderte sich mit dem Regierungswechsel im Oktober 2009. Die Staatsverschuldung ist so hoch wie in kaum einem anderen Staat in der EU. Ohne Hilfe durch die EU und den IWF steht Griechenland vor einem Staatsbankrott. Die Folgen wären nicht nur für das Land katastrophal. Diese Arbeit soll ihnen einen Überblick über griechische Finanzkrise verschaffen. Für einen passenden Einstieg in die Thematik wird bei verschiedenen Ursachen die zur Krise führten begonnen. Dabei wird auf die gefälschten Statistiken und auf die Spekulationen mit den Staatsanleihen eingegangen, sowie auf die Probleme der griechischen Wirtschaft die zu den enormen Staatsausgaben führten. Anschließend setzt sich der mit den Maßnahmen die zur Bekämpfung der Krise auseinander. Hierbei wird sich besonders auf die Sparmaßnahmen Griechenlands und das Rettungspaket der EU und des IWF konzentriert. Anschließend werden die Konsequenzen erläutert, die die Krise für den Euroraum, den Euro und die griechische Bevölkerung hat und haben kann. Danach werden weitere Problemstaaten genannt, die ebenfalls von einer Finanzkrise bedroht sind. In kurzen Absätzen wird die Situationen dieser Länder geschildert und die dort getroffenen Maßnahmen zur Abwendung dieser Krise erläutert. In einem abschließenden Fazit werden dann noch einmal die wichtigsten Aspekte der Arbeit aufgenommen und Stellung zu ihnen bezogen.

2. Ursachen und Beschleuniger der Krise

2.1 Gefälschte Statistiken

Was genau der Auslöser für die Finanzkrise in Griechenland war, lässt sich nicht an einer bestimmten Sache oder einem bestimmten Ereignis festmachen. Es sind verschiedene Faktoren die dazu führten das Griechenland mittlerweile so hoch verschuldet ist. Die Fehler in den griechischen Statistiken spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Durch die falschen Daten in den Statistiken konnte Griechenland der Währungsunion beitreten. Normalerweise muss ein europäischer Staat der europäischen Währungsunion beitreten will, bestimmte Kriterien erfüllen. Diese so genannten Konvergenzkriterien sind in Artikel 109j des Vertrags von Maastricht geregelt. Diese Kriterien sind:

- „Erreichung eines hohen Grades an Preisstabilität, ersichtlich aus einer Inflationsrate, die der Inflationsrate jener – höchstens drei – Mitgliedsstaaten nahe kommt, die auf dem Gebiet der Preisstabilität das beste Ergebnis erzielt haben;
- eine auf Dauer tragbare Finanzlage der öffentlichen Hand, ersichtlich aus einer öffentlichen Haushaltslage ohne übermäßiges Defizit im Sinne des Artikels 104c Absatz 6;
- Einhaltung der normalen Bandbreiten des Wechselkursmechanismus des Europäischen Währungssystems seit mindestens zwei Jahren ohne Abwertung gegenüber dem Euro;
- Dauerhaftigkeit der von dem Mitgliedstaat mit Ausnahmeregelung erreichten Konvergenz und seiner Teilnahme am Wechselkursmechanismus, die im Niveau der langfristigen Zinssätze zum Ausdruck kommt.“ [1]

Seit Jahren gibt es Probleme mit der Übermittlung der griechischen Daten zum Staatsdefizit. Das aktuellste Beispiel ist die Revidierung der Zahlen von 2009. Griechenland gab an, dass das Staatsdefizit bei 3,7 Prozent des BIP läge. Nach dem Regierungswechsel im Oktober 2009 berichtigte der neue Premierminister Giorgos Papandreou die Zahlen auf 12,7 Prozent. Nach neuesten Schätzungen des europäischen Statistikamtes (Eurostat) liegt der Wert mittlerweile schon bei 13,6 Prozent.[2] Kurz vor dem Regierungswechsel korrigierte sein Vorgänger die Zahlen für 2008 von 5,0 Prozent auf 7,7 Prozent des BIP.[3] Das sind die beiden aktuellsten Beispiele für Griechenlands geschönte Statistiken. Bereits im Jahr 2004 gab die Regierung bekannt, dass die Zahlen für den Zeitraum von 1997 bis 2003 falsch waren. Die ganzen Jahre lag Griechenland über dem Referenzwert von 3 Prozent Staatsdefizit des BIP. Schon vor 2004 stellte die Eurostat die Glaubwürdigkeit der griechischen Zahlen immer wieder in Frage.[4] Trotz Warnungen der Eurostat-Fachleute stimmten die europäischen Finanzminister der Aufnahme Griechenlands in die Eurozone zu.[5] Die übermittelten Zahlen für die Periode von 2000 bis 2003 waren ausschlaggebend dafür, dass Griechenland den Euro als offizielle Währung einführen konnte. So wurden als Staatsdefizit für das Jahr 2000 nur 2 Prozent des BIP angegeben. Für die Jahre 2001 und 2002 wurden jeweils 1,4 Prozent übermittelt.[6] Damit waren die Konvergenzkriterien erfüllt und Griechenland wurde vollständiges Mitglied der Europäischen Währungsunion. Wie sich allerdings in der Untersuchung von 2004 rausstellte, lagen die realen Zahlen des Staatsdefizits deutlich höher, als von Griechenland übermittelt. So mussten die Zahlen für 2000 auf 4,1 Prozent revidiert werden und für 2001 und 2002 auf 3,7 Prozent.[7] Danach hätte Griechenland das Konvergenzkriterium nicht erfüllt und hätte den Euro nicht einführen dürfen. Durch die Einführung des Euros war es Griechenland möglich, Kredite zu wesentlichen günstigeren Konditionen aufzunehmen. Zinsen für Kredite waren so zum Beispiel deutlich niedriger als zuvor. Das nutzte Griechenland und häufte dabei immer mehr Schulden an, ohne das es an die Öffentlichkeit trat.

Bereits nach dem Statistik-Skandal von 2004 stellte das europäische Statistikamt einen Plan auf, der den Behörden in Griechenland Vorgaben machte, um die erforderlichen Daten besser erfassen zu können. Eurostat war in regelmäßigen Abständen immer wieder in Griechenland gewesen, weil immer wieder neue Vorbehalte gegenüber den übermittelten Daten auftraten. Aus dem aktuellsten Bericht vom Eurostat geht hervor, dass von Griechenland nur ein geringer Teil der Vorgaben überhaupt erfüllt wurde.[8] Laut Eurostat liegt das Problem im Verwaltungsapparat des Landes. Verschiedene Einrichtungen die für die Übermittlung der Daten zuständig sind, arbeiten schlecht zusammen. Des Weiteren sind die Aufgabenbereiche nicht deutlich voneinander getrennt. Ein weiterer Punkt sind die fehlenden technischen Verfahren des statistischen Amtes in Griechenland.[9]

2.2 Wetten gegen Griechenland

Durch die gefälschten Statistiken konnte Griechenland jahrelang verschleiern wie schlecht es wirklich um den Staat steht. Wie bereits im vorigen Abschnitt erwähnt, liegt nach Schätzungen von Eurostat das Staatsdefizit bei 13,6 Prozent und man geht von einem Schuldenanteil in Höhe von 125 Prozent des BIP aus.[10] Verschlimmert wird das Ganze durch Spekulationen von Großbanken und Hedge Fonds. Diese Spekulanten schließen regelrecht Wetten auf die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands ab. Sie nutzen dafür besonders ein bestimmtes Finanzinstrument. Das sind die so genannten Credit Default Swaps (CDS), oder auch Kreditausfallversicherungen. Wie genau das funktioniert soll im folgenden Abschnitt erläutert werden.

Griechenland benötigt Geld. Ein einfacher Weg dieses zu bekommen ist, in dem es Staatsanleihen verkauft. Der Staat leiht sich damit Geld und verspricht dem Käufer Zinsen und die vollständige Rückzahlung des geliehenen Geldes. Da es Griechenland finanziell sehr schlecht geht, sind die Zinsen sehr hoch. Das Vertrauen in die Bonität des Staates sinkt und die Investoren verlangen so genannte Risikoprämien. Die Renditen für die Staatsanleihen werden immer größer und das nutzen die Spekulanten zu ihrem Vorteil.[11] Die Kreditausfallversicherungen werden von den Anlegern erworben, um sich vor möglichen Zahlungsschwierigkeiten oder gar einem Bankrott des Staates zu versichern. Die Anleger zahlen dem Anbieter für den Schutz gegen den Kreditausfall eine Prämie. Der Markt für die CDS hat sich in den Jahren weiterentwickelt, was für die Geldbeschaffung von Griechenland ein wirkliches Problem darstellen könnte. Um nämlich eine solche Versicherung zu erwerben muss man nicht zwangsläufig auch eine Staatsanleihe besitzen. Des Weiteren findet der Handel mit den CDS nicht an der Börse statt, weshalb er eher weitestgehend intransparent ist. Die bereits erwähnten Banken und Hedge Fonds kaufen die CDS und spekulieren damit auf eine Verschlechterung der griechischen Situation. Durch fehlende gesetzliche Regelungen steigen dadurch die Preise der CDS weiter an, was wiederum potentielle Käufer von Staatsanleihen abschrecken könnte.[12] Für Griechenland erschwert sich somit die Geldbeschaffung an öffentlichen Finanzmärkten.

2.3 Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit

Eine weitere Ursache für die Krise ist die Steuerhinterziehung in dem Land. Viele Griechen, vor allem Konzerne, mittelständische Unternehmen und Freiberufler hinterziehen steuern. In den Steuererklärungen werden die Einkommen soweit nach unten korrigiert, dass selbst ein Rentner ein höheres Jahreseinkommen hat als beispielsweise ein Arzt. Aber nicht nur Ärzte sondern auch Rechtsanwälte und Architekten gaben 2008 an, einen Jahreslohn von rund 10.000 Euro zu beziehen. Unternehmer und Händler kommen auf rund 13.000 Euro. Im Vergleich dazu kommen Arbeitnehmer und Rentner auf einen Jahreslohn von ca. 16.000 Euro.[13] Die Steuerquote, also der Anteil der Steuern am Bruttoinlandsprodukt, lag 2008 bei 20,3 Prozent.[14] Im Vorjahr waren es noch 32 Prozent. Der Durchschnitt liegt in der EU bei 40 Prozent. Daneben sind Faktoren wie Prostitution, Drogenhandel und illegaler Handel mit Zigaretten und Alkohol ein weiteres Problem. Nach Aussage einer griechischen Zeitung beträgt der Umsatz jährlich 2,5 Milliarden Euro. Schmiergelder in Höhe von 3,5 Mrd. Euro kommen noch hinzu. Die Schwarzarbeit ist ebenfalls ein großer Punkt. Jeder vierte Euro in Griechenland wird durch Schwarzarbeit verdient. Dadurch gehen dem Staat geschätzte 30 Milliarden Euro an Steuereinnahmen verloren.[15] Der leitende Wirtschaftsredakteur der griechischen Tageszeitung „Elefterotypia“ schätzt, dass Steuerhinterziehung und Schattenwirtschaft rund 40 Prozent des griechischen Bruttoinlandsprodukts ausmachen.[16]

2.4 Staatsausgaben

In den vorhergegangen Punkten wurde erläutert, welche Gründe es für die hohe Staatsverschuldung Griechenlands gibt und was die Krise selbst noch verschlimmern kann. Der einfachste Grund für die hohen Schulden sind aber wahrscheinlich die Staatsausgaben selbst. Ein großer Posten sind die Ausgaben für die Angestellten im öffentlichen Dienst. Nach einer letzen Zählung sind dort über 760.000 Menschen beschäftigt.[17] Das sind verhältnismäßig viele Angestellte, wenn man bedenkt das Griechenland eine Einwohnerzahl von etwas mehr als 11,2 Millionen hat.[18] Dazu gehören zum Beispiel die Pensionsregelungen. Töchter, deren Eltern im öffentlichen Dienst angestellt sind, erhalten nach dem Tod der Eltern deren Pension weiter. Die einzige Voraussetzung dafür ist, dass die Töchter ledig, oder geschieden sind. Das kostet den Staat jedes Jahr ca. 550 Millionen Euro. Des Weiteren können griechische Beamte bereits Pension beziehen, wenn sie vor dem 50. Lebensjahr in Rente gehen. Diese beiden Punkte belasten die Sozialkasse erheblich. Für die Beamten, die weiter im Berufsleben stehen, vergibt der Staat Boni. Diese werden zum Beispiel dafür gezahlt, dass mit Computern gearbeitet wird, eine Fremdsprache gesprochen wird oder einfach nur für Pünktlichkeit am Arbeitsplatz. Bedienstete die für den Forst zuständig sind, bekommen einen Bonus für das Arbeiten im Freien. Ein weiterer großer Posten sind die Militärausgaben des Landes. Griechenland steckt jedes Jahr 14 Milliarden Euro in die Verteidigung des Landes. Der Großteil davon ist nur für Personal und Verwaltung.[19] Diese Liste könnte man noch viel länger fassen, was aber den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen würde.

[...]


[1] Europäische Union: Vertrags über die Europäischen Union, Art. 109j Abs. 1, Zugriff: 03.09.2010.

[2] Handelsblatt (22.04.2010): Griechen-Defizit höher als bekannt, Onlineartikel, Zugriff: 03.09.2010.

[3] FAZ.net (12.01.2010): Schwere Fehler in der griechischen Statistik, Onlineartikel, Zugriff: 03.09.2010.

[4] Europäische Kommission (2010): Bericht zu den Statistiken Griechenlands über das öffentliche Defizit und den öffentlichen Schuldenstand, 13, Zugriff: 03.09.2010.

[5] Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (2010): Griechische Tragödie, 3, Zugriff: 03.09.2010.

[6] Europäische Kommission (2004): Report by the Eurostat on the Revision of the Greek government deficit and debt figures, 3, Zugriff: 03.09.2010.

[7] ebd.

[8] FAZ.net (12.01.2010): Schwere Fehler in der griechischen Statistik, Onlineartikel, Zugriff: 03.09.2010.

[9] Europäische Kommission (2010): Bericht zu den Statistiken Griechenlands über das öffentliche Defizit und den öffentlichen Schuldenstand, 4, Zugriff: 03.09.2010.

[10] FAZ.net (12.01.2010): Schwere Fehler in der griechischen Statistik, Onlineartikel, Zugriff: 03.09.2010.

[11] http://boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_434136, Zugriff: 03.09.2010.

[12] Spiegel Online (06.03.2010): Deutsche Finanzaufseher decken Griechenland-Spekulationen im großen Stil auf, Onlineartikel, Zugriff 03.09.2010.

[13] http://www.tagesschau.de/wirtschaft/griechenlandsteuerhinterziehung100.html, Zugriff: 03.09.2010.

[14] Bundesfinanzministerium (2009): Die wichtigsten Steuern im internationalen Vergleich 2009, Abbildung 1, Zugriff: 03.09.2010.

[15] Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (2010): Griechische Tragödie, 3, Zugriff: 03.09.2010.

[16] http://www.tagesschau.de/wirtschaft/griechenlandsteuerhinterziehung100.html, Zugriff: 03.09.2010.

[17] Welt Online (30.07.2010): Das kleine Griechenland hat 768.000 Beamte, Onlineartikel, Zugriff: 05.09.2010.

[18] Eurostat (2010): Gesamtbevölkerung – [tps00001], Zugriff: 23.09.2010.

[19] Financial Times Deutschland (03.05.2010): Überbordende Staatsausgaben: Wo Griechen Geld verschwenden, Onlineartikel, Zugriff: 06.09.2010.

Details

Seiten
22
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656307273
ISBN (Buch)
9783656311027
Dateigröße
780 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v204721
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Institut für Ökonomische Bildung
Note
1,0
Schlagworte
Finanzkrise Griechenlandkrise Euro Griechenland

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Finanzkrise in Griechenland