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Einführung in den Umgang mit Officeanwendungen am Computer in einer zweiten Klasse

Ziel: Entwicklung von Fertigkeiten zur Informationsbeschaffung und -bearbeitung

Examensarbeit 2012 57 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

0. Inhalt

1. Einleitung

2. Theoretische Betrachtung
2.1 Kompetenzbereiche
2.1.1 Sich informieren
2.1.2 Kommunikation und Kooperation
2.1.3 Üben, spielen und experimentieren
2.1.4 Gestalten und Präsentieren
2.2 ICT- Fluch oder Segen
2.3 Lehrplan

3. Überlegungen und Planung
3.1 Vorraussetzungen und Bedingungen
3.2 Ziele
3.3 Einordnung des Vorhabens

4. Vorstellung der Stunden
4. 1 "Das ist WordPad"
4.1.1 didaktisch- methodische Überlegungen
4.1.2 Reflexion und Ergebnisse
4. 2 "Geheime Schrift" (Kurzdarstellung)
4. 3 "Besuch im Internet"
4.3.1 didaktisch- methodische Überlegungen
4.3.2 Reflexion und Ergebnisse
4. 4 "Steckbrief"
4.4.1 didaktisch- methodische Überlegungen
4.4.3 Reflexion und Ergebnisse
4. 5 "Steckbrief 2" (Kurzdarstellung)
4. 6 "In Form bringen" (Kurzdarstellung)

5. Auswertung

6. Quellen
6.1 Literaturverzeichnis
6.2 Internetquellen
6.2 Abbildungsnachweis

7. Anhang
7.1 Verlaufsplanungen
7.2 Abbildungen
7.3 Schülerergebnisse
7.4 sonstige Anhänge

8. Erklärung

1. Einleitung

Man versuche sich eine Welt ohne Computer vorzustellen. Ausgenommen seien bei dieser Vorstellung all die kleinen technischen Geräte und elektronischen Helfer, die den Alltag des Menschen unterstützen, bereichern und bestimmen. Es ist lediglich die Rede von den Heim PCs, Laptops, Tablet- PCs mit denen wir tagtäglich arbeiten. Bereits das Verfassen dieser Arbeit würde in einer Art und Weise erfolgen, welches ich mir überhaupt nicht vorzustellen vermag. Die Vorteile und Hilfe, die uns ein Computer beschert, sind nicht mehr wegzudenken. Wir schreiben Arbeiten, Organisieren unser Leben, Verwalten unser Geld, Chatten mit Freunden und sehen die ganze Welt auf einem Bildschirm.

Ein Großteil der Menschen ist zu all diesen Tätigkeiten ohne weitere Probleme in der Lage. Das liegt zum einem daran, dass sie bereits von Klein auf an diese technischen Geräte gewöhnt oder herangeführt wurden. Zum anderen kommt man nicht mehr umhin, sich technisch fortzubilden, da dieses Wissen überall benötigt und vorausgesetzt wird. Wer über ein umfassendes Wissen im Umgang mit dem Computer verfügt, hat zumeist weniger Probleme eine akademische Laufbahn einzuschlagen[1]. Demnach ist es notwendig frühzeitig mit der Ausbildung in diesem Bereich zu beginnen.

Aufgabe des Lehrers ist es, dem Schüler das nötigen Wissen zu vermitteln und Arbeitstechniken zu lehren, damit der diesen Anforderungen gerecht werden kann. In der Grundschule geht es weniger darum, technische Sachverhalte und Zusammenhänge eines Computers zu verstehen. Hauptanliegen ist es, dem Schüler die wesentlichen Grundlagen dieses "Hilfsmittels" beizubringen. Dabei sollte sich die Vermittlung an den tatsächlichen Anforderungen und Aufgaben des Schülers orientieren.

Tatsache ist, dass die Schüler zwar zunehmende neue Medien und technische Geräte nutzen, aber immer weniger ihre Funktionsweise ergründen wollen. Dies ist ein Umstand, der heute zu dem Fachkräftemangel geführt hat, der unsere Wirtschaft stark belastet.

2. Theoretische Betrachtung

Wie bereits in der Einleitung erwähnt sind Computer heute nicht mehr aus unserer Gesellschaft wegzudenken. Es ist jedoch nicht ausreichend zu behaupten, dass ICT[2] in Schulen Anwendung finden müssen, nur weil die Schüler heutzutage mit diesen Medien aufwachsen. Man könnte davon ausgehen, dass ich dieser Arbeit, aufgrund des vorliegenden Themas, gänzlich von der Nutzung von ICT in der Primarstufe überzeugt ist. Nach der Auseinandersetzung mit der entsprechenden Fachliteratur und der Recherche an meiner und anderen Grundschulen kann ich die uneingeschränkte Nutzung von ICT nicht in jedem Falle befürworten. Diese etwas verworrene Aussage zu Beginn dieses Abschnittes möchte ich im Folgenden für den Leser verständlich machen und mit Beispielen und Argumenten untermauern.

Zunächst möchte ich auf die Vorteile die ICT in den Schulen bewirken können eingehen.

Nach Scheuble/Mitzlaff[3] fördern ICT folgende Bereiche:

Innere Differenzierung: der Computer wird als Möglichkeit zur Einzel- oder Gruppenarbeit angeboten, während die Klasse anderen Aufgaben nachgeht. Diese Form des Einsatzes dient als Unterstützung für Kinder mit Lernschwierigkeiten aber auch zur Begabtenförderung.

Selbstständiges Lernen: Die Schüler entscheiden individuell welchen Aufgaben sie sich widmen möchten. Einsatz im Wochenplan, Freiarbeit oder Werkstattunterricht:

Fehlerkultur: Bei der Verwendung von ICT dürfen Fehler gemacht werden, da diese in den meisten Fällen korrigierbar sind. Es ermöglicht dem Anwender ein angstfreies Lernen und angstfreies Ausprobieren.

Neue Lernformen: Eine Reduktion frontaler Instruktion wird durch die Notwendigkeit erreicht, dass nicht alle Schüler gleichzeitig an den ohnehin wenigen Geräten in einem Klassenraum arbeiten können. Es werden neue Lernformen notwendig, die eine Selbstständigkeit und Verantwortung bei den Schülern fördern.

Verändert die Rolle der Lehrpersonen: Der Lehrer ist nicht mehr in der Position, alles wissen zu müssen. Durch den Einsatz von ICT übernimmt der Lehrer, im Gegensatz zur bisherigen Rolle des Wissensvermittlers, zunehmend die des helfenden Begleiters, Beraters, Organisators, Motivators und des Trainers.

Dabei entfalten sich die vielen positiven Funktionen gerade in den heute favorisierten Lernformen des Projekt-, Werkstatt-, Wochenplanunterrichtes und den zahlreichen Varianten der Freiarbeit. Die bisherige Form des Frontalunterrichtes bietet nur wenige Möglichkeiten, den Computer in den Unterricht einzubinden. Die Unterrichtseinheit, die in dieser Arbeit präsentiert wird, findet jedoch zum größten Teil im Frontalunterricht statt. Die Unerfahrenheit und die Schaffung notweniger Grundlagen macht diese Sozialform jedoch unumgänglich für diese Klasse. Die zuvor genannten offneren Unterrichtsformen sind erst möglich, wenn Fertigkeiten mit dem Computer erlangt wurden und alleine angewendet werden können.

Weinert beschreibt vier wesentliche Merkmale des Lernens, die mit dem Einsatz von ICT realisiert werden können.

"Lernen:

- ist ein aktiver und konstruktiver Prozess- und somit das Gegenteil von externen vermittelter, passiv aufgenommener und mechanisch verarbeiteter Informationen. Dieses passive und rezeptive Lernen führt zu einem trägen, d.h. nicht transferierbaren, nicht nutzbaren Wissen.
- ist und wirkt produktiver wenn das Individuum Gelegenheit hat, das zu erwerbende Wissen und die zu lösenden Probleme als Teil eines subjektiv bedeutungshaltigen Kontextes aufzufassen (kontextuiertes und situiertes Lernen).
- erfolgt effizienter, wenn es durch Interesse an den Lerninhalten gestützt und durch selbstwahrgenommene Lernfortschritte stimuliert wird (intrinsisch motiviertes Lernen).
- sollte möglichst selbstgesteuert, kontrolliert und verantwortet sein; wobei allerdings zu beachten ist, dass selbstständiges Lernen vor allem in der Kindheit Vorraussetzung, Mittel und Ziel der Instruktion sein muss (selbstorganisiertes und selbstkontrolliertes Lernen.)"[4]

Die Formen des offenen Unterrichts unterstützen diese Forderungen bereits ausreichend. Dennoch lässt sich feststellen, dass die Integration von ICT in den Unterricht der Grundschule diese Merkmale stützen.

Der Einsatz von Computern in der Grundschule lässt sich in vier Typen einteilen, die sich wiederum in drei Kompetenzbereiche einteilen lassen.

- Sich informieren mit ICT
- Kommunizieren und kooperieren mit ICT
- Üben, spielen und experimentieren mit ICT
- Gestalten und präsentieren mit ICT

Die Kompetenzbereiche umfassen die Bildungsziele: ICT kennen und handhaben, ICT zielgerichtet nutzen und ICT reflektieren.[5]

2.1 Kompetenzbereiche

2.1.1 Sich informieren

Im Gegensatz zu gedruckten Medien haben digitale Inhalte den Vorteil, dass sie leichter zu erstellen, verbreiten, durchsuchen sind. Man kann sie speichern, abändern und weiter verarbeiten. Heute sind im Internet Millionen von Informationen jederzeit abrufbar und werden für den User durch Suchmaschinen wie "google" übersichtlich aufgelistet. Was noch vor 10 Jahren undenkbar war, ist heute für viele Menschen möglich. Sich schnell und unkompliziert Informationen zu beschaffen. Interessant werden diese Informationen nicht nur durch den eigentlichen Inhalt, sondern auch durch ihre Interaktivität, Multimedialität und Vernetzung. Informationen lassen sich vielfältig verwalten, verknüpfen, nebeneinanderstellen und damit auch bewerten und vergleichen.

Für die Grundschulen bietet das Internet und die damit einhegende Nutzung von ICT folgendes Potenzial für den Bereich der Informationsbeschaffung:

Vielfalt: Zugang zu Informationen zur einer Thematik aus verschiedenen Quellen, um diese dann hinsichtlich verschiedener Kriterien zu beleuchten und kritisch zu betrachten. Zudem bietet das Internet die Möglichkeit, die Informationen nach bestimmten Kriterien zu suchen und für Grundschüler mit Jugendschutzfiltern zu versehen.

Aktualität: Die Aktualität der Informationen ist im Bereich der Grundschule eher sekundär von Bedeutung, da diese mehr in Fächern der Oberstufe benötigt wird.

Authentische Inhalte zum problemorientierten Lernen: Den Schülern stellt sich durch Informationen aus dem Internet ein reales Bild dar, das nicht aus verschiedenen Gründen gefiltert, verändert oder reduziert wurde. Viele Informationen werden vom Lehrer für den Schüler so angepasst, dass sie für die Schüler begreifbar sind. Inwieweit sich dieses Vorgehen als problematisch herausstellt, bleibt jedem selbst überlassen.

Motivation: Eine Studie des Deutschen Jugendinstituts München im Jahr 2007[6] ergab, dass 97% der Kinder gerne mit dem Internet arbeiten. Die Arbeit mit dem Computer ist für die Schüler schon an für sich motivierend. Die Welt ist nur einen Mausklick entfernt.

Selbstgesteuertes Lernen: Die Nutzung von Computern ermöglicht es den Kindern das Arbeitstempo und die Art der Übung selbst zu bestimmen. Genauso verhält es sich mit der Beschaffung von Informationen. Kinder sollen selbstständig und handlungsorientiert auf die Suche nach Wissen gehen. Dafür bietet sich die Nutzung des Internets in offenen Unterrichtsformen an.

Multimediales Lernen: Dem Schüler werden Texte, Bilder, Tondokumente, Diagramme und Filme angeboten, um Informationen zu gewinnen. Die Wahl ist dabei abhängig von den persönlichen Wahrnehmungsfaktoren. Jedoch sollte auch bedacht werden, dass nicht mehr Medien mehr Wissen produzieren.

Förderung der sachbezogenen Kooperation: Entgegen vieler Behauptungen konnte beobachtet werden, dass der Umgang mit dem Internet die Kommunikation und Kooperation mit anderen Menschen fördert. Es wurde sogar festgestellt, dass die Arbeit mit dem Computer eher zu Diskussionen anregt als in konventionellen Unterrichtsformen.

Förderung der Medienkompetenz: Einerseits bedarf die Nutzung von ICT einiger Vorkenntnisse, bietet aber auch gleichzeitig die Möglichkeit diese Kenntnisse aufzubauen. Die kritische Betrachtung der angebotenen Medien fördert eine Beurteilung dessen und damit einen Aufbau von Medienkompetenz. Kenntnisse zur Nutzung auf der einen und Bewertung des Materials auf der anderen Seite

Computer und speziell das Internet können aber auch Probleme und Gefahren bedeuten. Einige dieser Gefahren lassen sich unter anderem im Bereich der Informationsbeschaffung einordnen.

solche Gefahren sind:

Orientierungslosigkeit: Die Vielzahl von Informationen kann schnell ablenken. Um sich im Internet richtig zu orientieren, sollte die Fähigkeit zum selektiven Lesen bereits gefestigt sein, da die Texte im Netz nicht mit den linearen Texten aus Büchern vergleichbar sind.

"Ertrinkungsgefahr" in der Informationsflut: Sind keine gezielten Suchkriterien vorgegeben, kann der Schüler schnell mit den angebotenen Informationen überfordert sein, was zu einer Unlust gegenüber dem Medium führt.

Verständnisschwierigkeiten bei Internettexten: Nach der Studie von Feil[7] verstehen nicht mal die Hälfte aller Kinder die im Internet angebotenen Informationen. Das Internet ist nicht für Kinder konzipiert und enthält Texte die für sie unverständlich sind. Der Lehrer sollte sich vorher darüber informieren, auf welchen Seiten kindgemäße Texte zu finden sind.

Ineffektives und ineffizientes Surfen im Internet: Verlockende Banner und beworbene Links fordern von den Schülern eine enorme Selbstdisziplin. Aus diesem Grund sollten Kenntnisse zum Navigieren und zur Sicherheit auf Internetseiten gefestigt sein.

Einseitige Nutzung von Informationsquellen: Die Bequemlichkeit bei "google" seine Frage einzugeben, um schnell an die benötigen Informationen zu gelangen ist sehr verlockend. Die Vielfalt der Quellen bleibt dabei ungenutzt, obwohl die notwendigen Informationen in entsprechenden Lexika oder in Bibliotheken allgemein besser aufbereitet sind. Der kritische Blick auf Medien bleibt dabei aus und führt dazu, dass unseriöse Quellen herangezogen werden.

Probleme mit dem Urheberrecht: Das sammeln und einreichen fremder Texte zur "Arbeitserleichterung" geht mit einer unzureichenden Auseinandersetzung mit dem Thema und den Medien einher.

Problemloser Zugang zu problematischen Inhalten: Zugang zu Pornografie, Gewalt oder politischen Extremismus ist im Internet recht einfach. Zumal verbotene Inhalte immer reizvoll erscheinen. Es ist die Aufgabe des Lehrers die Schüler für solche Inhalte zu sensibilisieren und nicht zu tabuisieren.

Mangelnde Begleitung: Der Schüler bleibt meist mit der Suche allein, da der Lehrer noch andere Kinder zu betreuen hat. Dem Schüler fehlen meist noch adäquate Suchstrategien und sind gerade in der Grundschule noch auf die Hilfe des Lehrers angewiesen.

2.1.2 Kommunikation und Kooperation

Der Bereich der Kommunikation und Kooperation ist didaktisch gesehen sehr interessant. Jedoch sind die Möglichkeiten für die Primarstufe sehr begrenzt, weshalb dieser Aspekt der ICT- Nutzung nur sehr kurz betrachtet werden soll.

Ansatzpunkt sind offene Unterrichtsformen, wobei die Gruppenarbeit für den Bereich der Kommunikation und Kooperation am besten geeignet ist. Es gilt Lernanlässe zu kreieren, die ein gemeinschaftliches Arbeit mit ICT fordern und als Hilfsmittel oder gar Grundlage zulassen. Dabei muss die Gruppenarbeit, wie auch in anderen Bereichen, auf dem Fundament fester Regeln stehen. "Die Nutzung und die Vielfalt Multimedialer digitaler Inhalte ermöglichen dichte Gesprächsanlässe"[8]. Die Schüler erarbeiten gemeinsam Stück für Stück den Inhalt des vorgegeben Themas oder erfüllen kleinere Aufgaben, die am Ende zusammengetragen werden. Die Gefahr besteht an dieser Stelle darin, dass sich einzelne Schüler aus der Gruppenarbeit ausschließen, wenn unzureichende Ressourcen vorhanden sind.

Schüler die in Gruppen- oder Partnerarbeit tätig sind, erzielen zumeist besser Ergebnisse, als in Einzel- oder Klassenunterricht. Unterschiedliche Kompetenzen ergänzen sich und arbeiten gezielt an der Fragestellung. Der Computer kann dabei hilfreiches Medium sein. Beispielsweise können problematische Lerninhalte mit einer Lernsoftware in Partnerarbeit gelöst werden. Denkbar ist auch die Erarbeitung eines Vortrages oder die Gestaltung eines Flyers, welcher in der Gemeinschaft konzipiert wurde. Die Möglichkeiten der kooperativen Nutzung sind dabei zahlreich und müssen nur für den Schüler erlebbar gemacht werden.

In den weiterführenden Schulen ist eine Kooperation über Klassen und sogar Schulen hinweg denkbar. Wobei das Internet mit als seinen Problemen auch ein Hindernis werden kann[9].

2.1.3 Üben, spielen und experimentieren

Am häufigsten werden ICT wahrscheinlich für Lernsoftware, Spiele oder Experimente genutzt. Viele Lehrer nutzen gern die in Arbeitsheften oder Büchern mitgelieferte Lernsoftware, da diese praktischerweise auf die Inhalte des Buches aufbauen. Da diese Programme jedoch das pädagogische und didaktische Modell der Autoren wiedergibt, ist jede Software vor seinem Einsatz zu prüfen. Die Varianten reichen von umfangreichen tutoriellen Systemen bis hin zu offenen Anwendung. Die Auswahl der verwendeten Programme sollte immer an die jeweiligen Ziele der Stunde und den Bedürfnissen bzw. Erfordernissen des Schülers angepasst werden. Doch zunächst einen kurzen Überblick über die Kategorien von Lernsoftware:

Übungs- und Lernsoftware: Geübter oder bereits erarbeiteter Stoff wird wiederholt und gefestigt. Der Schüler erhält schnell Rückmeldung über seinen Erfolg und kann bei gutem Bestehen den Schwierigkeitsgrad der Aufgaben anpassen. Die Programme sind meist intuitiv und können sowohl in offenen Unterrichtsformen, als Differenzierung oder zur individuellen Förderung genutzt werden.

Tutorials: Neue Lerninhalt werden hier schrittweise und systematisch vermittelt, geübt und überprüft. Individuelle Lernwege sind bei den wenigsten Programmen

möglich. Anspruchsvollere turorielle Programme entscheiden, durch die Eingabe des Benutzers, über Tempo, Lernweg und Präsentation. Diese Programme setzen ein hohes Maß an Vorwissen voraus, da die Abfolge variabel ist.

Wissens- und Informationssysteme: Der Benutzer kann hier selbstgesteuert und flexibel gewünschte Informationen recherchieren. Informationen werden in Form von Text, Grafik, Ton, Animationen, Simulationen oder Videos angeboten, in denen der Benutzer stöbern und lernen kann. Diese Software ist stark vom Vorwissen des Schülers und seiner Eigenmotivation abhängig, da ablenkende Faktoren hier sehr stark sind.

Lernspiele: Hoch motivierende Form der Lernsoftware, die versucht Spielen mit Lernen zu kombinieren. Im Zentrum steht meist eine Figur, die verschiedene lerninhaltbasierende Aufgaben erledigen muss. Der Schüler trainiert Problemlösefähigkeit, Geschicklichkeit, Reaktionsschnelligkeit und räumliches Orientierungsvermögen, welches im gesamten Vorgehen logisches Denken und planvolles Handeln erfordert.

Simulationen und Experimente: Mit dieser Software können die Schüler verschiedene Szenarien ausprobieren, Variablen verändern und neue Zusammenhänge entdecken. Dabei wirkt die sofortige Reaktion des Computers als hoch motivierend und fördert Kreativität und Wissensdurst. Besonders interessant sind die in diesem Bereich einzuordnenden Microwelten, bei denen entdeckendes Lernen durch ein künstliches Abbild der Wirklichkeit in einer virtuellen Umgebung ermöglicht wird.

Die Nutzung von Lernsoftware ist jedoch nicht selbsterklärend oder eigenaktiv. Die Aufgabe des Lehrers ist es didaktische Anlässe zu finden, um solche Programme in den Unterricht einzubetten. Schüler müssen dabei an die Hand genommen werden und langsam in die Arbeit mit dem Computer und den Lernprogrammen eingeführt werden. Beachtet werden muss, dass der Computer und die gewählte Software kein Beschäftigung oder Alternative darstellt, sondern Hilfsmittel, Differenzierungs- und Förderwerkzeug darstellt. Erst dann lässt sich das volle Potenzial von ICT nutzen.

So erhält der Schüler eine unmittelbare Rückmeldung über Fehler und Lernfortschritte, was sehr motivierend sein kann, zumal die Fehler nicht vom Lehrer bemängelt werden. Neuere Lernprogramme werten die Fehler des Benutzers aus und passen die nachfolgenden Aufgaben, an das ermittelte Niveau an. Diese adaptiven Lernprogramme sind jedoch sehr teuer und aus diesem Grund selten genutzt. Doch ermöglichen diese Programme ein selbstständigeres Arbeiten, welches alternative Lernwege aufzeigt und sich immer wieder auf den Schüler einstellt.

Der Schüler hat das Gefühl, das Geschehen selbst zu steuern und mitzugestalten. Diese Interaktivität ermöglicht individuelle Lernwege und personalisiert das Arbeitstempo. Interaktive Programme sind meist Simulations-, Experimenten- und Spielsoftware.

Der, meiner Meinung nach, wichtigste positive Aspekt ist die Differenzierung die der Computer und die Lernprogramme ermöglichen. Zum einen differenziert sich das Lernprogramm von selbst, indem es verschiedene Schwierigkeitsstufen und ein angepasstes Arbeitstempo anbietet. Zum anderen bietet der Computer eine Möglichkeit Wissen auf verschiedene Art und Weise zu erlangen. Während einer Freiarbeitsstunde oder während des Wochenplans kann der Computer als Arbeitsmittel eingesetzt werden, um über andere Kanäle Wissen zu erlangen. Praktisch ist zudem, dass der Schüler nicht auf die Korrektur des Lehrers angewiesen ist, sondern durch den Computer auf Fehler aufmerksam gemacht wird. Das Kind ist nun in der Lage den Fehler zu korrigieren oder in einer Wiederholung zu verbessern. Lernsoftware bietet die Möglichkeit Lernschritte bei Bedarf zu wiederholen oder länger bei einer Aufgabe zu verweilen. Die Geduld des Lehrenden wird geschont, auch wenn der Schüler die Aufgabe noch immer nicht verstanden hat. So wiederholt er die Aufgabe in differenzierter Schwierigkeit und kann so auf das Ergebnis kommen.

Neben den zahlreichen positiven Aspekten hat jede Lernsoftware auch seine Grenzen und Gefahren.

Ridige Strukturen: Manche Lernprogramme lassen kaum Spielraum für individuelle Lernwege, da keine Variationsmöglichkeiten vorhanden sind. Ein gutes Programm zeichnet sich zum Beispiel dadurch aus, dass es dem Benutzer erlaubt es zu beenden, wenn es zu schwer werden sollte.

Undifferenzierte Rückmeldung: Dem Schüler wird bei manchen Programm nicht klar wo der Fehler lag, da meist nur mit "richtig" oder "falsch" bewertet wird. Erhält der Schüler keine individuelle Rückmeldung kann sich der gleiche Fehler immer wieder einschleichen. Dies führt bei der Häufung der Fälle zur Unlust.

Desorientierung: Sind die Wahlmöglichkeiten oder Variationsmöglichkeiten zu umfangreich, kann der Schüler schnell durcheinanderkommen. Ebenfalls können die zahlreichen Bedienfreiheiten und Wahlmöglichkeiten dazu führen, dass Fehler gemacht werden. Hier bedarf es viel Vorwissen und einer soliden Organisationsstruktur, um nicht den Faden zu verlieren.

Überforderung und Ablenkung: Der Schüler kann sich, gerade bei Spielsoftware, schnell von Nebensächlichkeiten ablenken lassen. Zudem kann es bei einer Häufig von Animation zur Überlastung führen. Gute Lernprogramme sollten nicht ablenken, sondern gezielt dem Schüler die Informationen sichtbar machen.

2.1.4 Gestalten und Präsentieren

Neben der Verwendung von Lernprogrammen ist das Gestalten und Erzeugen von kreativen und produktiven Erzeugnissen wichtigster Nutzungsgrund für ICT. Wenn der Schüler einen kreativen Text verfasst, spielen verschiede Tätigkeiten eine notwenige Rolle. Das Kind muss den Vorgang planen, eventuell Informationen zusammentragen, verschiedene Kriterien auswählen oder berücksichtigen, nach denen der Text verfasst werden soll und muss schlussendlich den Text überarbeiten und formatieren. Der Computer ermöglicht genau im letzten Schritt eine wiederholte Bearbeitung des entstandenen Textes. Zudem lässt sich der Text durch den Computer anspruchsvoll darstellen und präsentieren.

Neben dem Standardzeichenprogramm MS Paint sind zahlreiche kostenlose Zeichen- und Konstruktionsprogramme verfügbar, die es dem Schüler erlauben seine Gedanken darzustellen. Ebenso ermöglichen ICT die Erstellung von Musikstücken, Tondokumenten oder Hörspielen. Mit einfachsten Mitteln, die bereits in der Vorinstallation von Windows enthalten sind, können die Schüler eigene Musikstücke aufzeichnen und verknüpfen.

Wie zu Beginn erläutert zählen nicht nur Computer und Laptops zu den ICT, sondern auch Videokameras und andere technische Geräte. Da viele Schüler gern Filme sehen, ist die Gestaltung eines eigenen Films eine große Motivation für die Klasse. Das Schneiden und Bearbeiten des Films ist für Schüler der vierten Klasse mit den Standardprogramm WindowsMovieMaker leicht zu realisieren.

Der Bereich des Gestaltens bietet noch zahlreiche weitere Möglichkeiten, in denen sich die Schüler frei entfalten können und nicht ausschließlich vorgefertigten Pfaden folgen. Die größten Ideen dieser Welt sind entstanden, weil Menschen eigene Wege gingen und neues ausprobiert haben. Die Aufgabe des Lehrers ist es, dem Schüler das Wissen zu vermitteln die technischen Geräte zu nutzen und die Möglichkeiten und Grenzen ebendieser Geräte aufzuzeigen. Sicherlich sind solche Stunden nicht für jeden Tag gedacht, da der lehrplanrelevante Stoff nicht ausschließlich mit ICT und freien Gestaltungsunterrichten zu vermitteln ist. Doch warum nicht das freie Schreiben, dass nachweislich so viele positive Eigenschaften hat, mit den technischen Möglichkeiten des Computers verbinden, bei dem Schüler korrigieren, gemeinsam besprechen und publizieren können?

2.2 ICT- Fluch oder Segen

Nach all diesen Fakten rund um die Nutzung von ICT in der Grundschule steht noch immer die Frage, ob der Einsatz dieser Technik als positiv eingestuft werden kann. Diese Frage ist wahrscheinlich nicht abschließend oder für jedermann befriedigend zu klären, da die Meinungen dazu, trotz wissenschaftlichen Befunden, weit auseinandergehen. Geht man nach einem einfachen Grundprinzip, welches aus drei Fragen basiert, kann jeder diese Problematik für sich selber klären.

Was ist (für mich) guter Unterricht?

Was sind (für mich) gute Medien?

Wie fördern diese Medien (meinen) Unterricht?

Eine falsche Annahme ist, dass Lehren zwingend Lernen bewirkt. Der Lernzuwachs ist nicht zwingend vom Thema, Material, Lehrenden oder Medium abhängig, sondern wird auch von individuellen kognitiven Leistungen bestimmt. Eine Vielzahl von Faktoren entscheiden darüber, in welcher Weise sich ein Schüler von dem vermittelten Wissen inspirieren lässt und wie viel er daraus für sich mitnimmt. Guter Unterricht ist also kein allgemeiner Begriff, der sich auf die gesamte Klasse übertragen lässt, sondern ist eher die Anpassung an individuelle Bedürfnisse im Rahmen des Möglichen. Bei der Fülle an beeinflussenden Faktoren ist es unmöglich, für jeden Schüler ein individuelles Lernpaket zu schnüren. Nach Hilbert Meyer gibt es 10 Kriterien für guten Unterricht:

Klare Strukturierung des Unterrichts (Prozess-, Ziel- und Inhaltsklarheit; Rollenklarheit, Absprache von Regeln, Ritualen und Freiräumen)

Hoher Anteil echter Lernzeit (durch gutes Zeitmanagement, Pünktlichkeit; Auslagerung von Organisationskram; Rhythmisierung des Tagesablaufs)

Lernförderliches Klima (durch gegenseitigen Respekt, verlässlich eingehaltene Regeln, Verantwortungsübernahme, Gerechtigkeit und Fürsorge)

inhaltliche Klarheit (durch Verständlichkeit der Aufgabenstellung, Monitoring des Lernverlaufs, Plausibilität des thematischen Gangs, Klarheit und Verbindlichkeit der Ergebnissicherung)

Sinnstiftendes Kommunizieren (durch Planungsbeteiligung, Gesprächskultur, Schülerkonferenzen, Lerntagebücher und Schülerfeedback)

Methodenvielfalt (Reichtum an Inszenierungstechniken; Vielfalt der Handlungsmuster; Variabilität der Verlaufsformen und Ausbalancierung der methodischen Großformen)

individuelles Fördern (durch Freiräume, Geduld und Zeit; durch innere Differenzierung und Integration; durch individuelle Lernstandsanalysen und abgestimmte Förderpläne; besondere Förderung von Schülern aus Risikogruppen)

Intelligentes Üben (durch Bewusstmachen von Lernstrategien, Passgenauigkeit der Übungsaufgaben, methodische Variation und Anwendungsbezüge)

Klare Leistungserwartungen (durch Passung und Transparenz) und klare Rückmeldungen (gerecht und zügig)

Vorbereitete Umgebung (= verlässliche Ordnung, geschickte Raumregie, Bewegungsmöglichkeiten und Ästhetik der Raumgestaltung)[10]

Lässt sich der Einsatz von Medien mit diesen 10 Regeln vereinbaren? Der Technik wird vorgeworfen, dass die Schüler keine Primärerfahrung, also das wahre Leben, sammeln können. Tatsächliche stimmt es, dass die Kinder von heute weniger reale Erkenntnisgewinne haben. Doch sind mittlerweile die ersten Erfahrungen der Kinder durch Medien bestimmt. Dadurch werden virtuelle Dinge zu Primärerfahrungen, die später mit der Realität verglichen und verbessert werden müssen. Der Computer ist kein Ersatz für tatsächliche und begreifende Erfahrungen. Er kann jedoch dazu genutzt werden, um eine Realbegegnung vor- bzw. nachzubreiten. Beispielsweise kann vor dem Besuch eines Bauernhofs eine Recherche zu Lebensweise der Tiere durchgeführt werden. Diese gesammelten Informationen können vor Ort überprüft und verglichen werden. Es bleibt festzustellen, dass die Kinder lernen müssen mit den neuen Medien umzugehen. Bestimmte Tätigkeiten werden heute mit anderen Mitteln erledigt, als noch vor 10 Jahren. Der Schüler sollte auch befähigt werden mit diesen Techniken zu arbeiten. Dabei dürfen die Realerfahrungen und das Wissen, wie ein Leben ohne Technik machbar ist, nicht auf der Strecke bleiben.

Man darf bei all den hier positiv beschriebenen Punkten nicht vergessen, dass ICT auch Risiken und Gefahren bergen, die bei der Verwendung beachtet werden müssen.

Didaktische Risiken: Wegen den bereits im Bereich "sich informieren" erwähnten Gefahren, muss der Lehrer das Geschehen und die Arbeit mit dem Computer genau im Auge behalten. Er sollte dafür Sorgen tragen, dass alle Schüler im gleichen Maße ICT verwenden können. Speziell bei der Gruppenarbeit soll vermieden werden, dass ein Schüler die dominante Rolle übernimmt und am Computer verbleibt. Dem Lehrenden sollte ebenfalls bewusst sein, dass die Vermittlung einer allgemeinen Computerfähigkeit sehr zeitintensiv und vom individuellen Vorwissen des Schülers abhängig ist.

Entgegenwirken kann der Lehrer, indem er parallele Unterrichtsformen wählt, klare Arbeitsaufträge erteilt, allgemeingültige Regeln festlegt, kleine Gruppen organisiert, ineffiziente Phasen am Computer vermeidet und geeignete Unterstützungssysteme aufbaut.[11]

Gesundheitliche Risiken: Neben Schäden, die eine falsche Sitzhaltung vor dem Computer verursacht, und die unzureichende Bewegung, ist auch die elektromagnetische Strahlung eine nicht zu unterschätzende Schadwirkung von ICT. Da viele Kinder dieser Strahlung bereits zu Hause ausgesetzt sind, liegt die empfohlene Nutzungsdauer bei 15 Minuten in der Woche. Als Maßnahmen für den Unterricht ist zu empfehlen: häufige Bewegungsübungen, ergonomisch eingerichtete Computerarbeitsplätze, Laserdrucker außerhalb des Klassenraumes (Netzwerklösung), Nutzungszeit begrenzen und Arbeitsplätze mit und ohne Computer anbieten.

Technische Probleme: Wer kennt sie nicht, die völlig unerwartet auftretenden Computerfehler. Der Horror für jeden Lehrer der eine Stunde am Smartboard geplant hat. Technische Probleme kann man schlecht verhindern, aber man kann und sollte gewappnet sein. Der Lehrer sollte: vor der Verwendung die Technik prüfen, Alternativen planen, eigene Kompetenz aufbauen, Hilfe der Schüler nutzen, W-Lan nur im Bedarfsfalle einschalten und im Notfall den First-Level-Support in Anspruch nehmen.

Personale Risiken: Diese Risiken beschreiben alle Gefahren die dem Nutzer direkt oder indirekt Schaden zufügen. Gefährdende Inhalte, problematische Qualität von Informationen, Urheberrechtsverletzung, Risiken der elektronischen Kommunikation (Viren, Trojaner, betrügerische Absichten), Weitergabe persönlicher Daten, Suchtverhalten. Gegen all diese Gefahren kann der Lehrer viel vorbeugende Maßnahmen treffen: Gefahren diskutieren, Nutzung klar regeln, Filterprogramme verwenden, Gelegenheit geben Kompetenzen zu entwickeln, möglichst eng mit den Eltern zusammenzuarbeiten, sich den Schülern als vertrauensvollen Ansprechpartner zur Verfügung stellen.[12]

[...]


[1] Internetquelle 1

[2] Information and Communication Technologies, diese Abkürzung hat die deutschen Begriffe wie EDV, IT weitgehend abgelöst und schließt nicht nur Computer mit all seinen Peripheriegeräten ein sondern auch Internetdienste, Mobiltelefone, Beamer, interaktive Tafeln und Video/Fotogeräte mit ein. (Schrackmann 2008, S. 15)

[3] Scheuble 2006 und Mitzlaff 2007 in Schrackmann 2008 S. 18

[4] Weinert (1996): Enzyklopädie der Psychologie- Pädagogische Psychologie Bnd. 2 in Schrackmann 2008, S. 20

[5] Siehe Abbildung 6

[6] Feil 2009, S. 191 in Schrackmann 2008, S. 42

[7] Feil 2007 in Schrackmann 2008, S. 46

[8] Schrackmann 2008, S. 69

[9] Abschnitt 2.2

[10] Internetquelle 2

[11] Schrackmann 2008, S. 198

[12] ebd. S. 202

Details

Seiten
57
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656307839
ISBN (Buch)
9783656309406
Dateigröße
2.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v204673
Institution / Hochschule
Staatliches Studienseminar für Lehrerausbildung Gera
Note
1,3
Schlagworte
einführung umgang officeanwendungen computer klasse entwicklung fertigkeiten informationsbeschaffung

Autor

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